Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

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Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Redaktion » 26.01.2020, 09:04

2005 sorgte der Israeli Chanoch Nissany für Aufsehen, als er im Alter von 42 Jahren an seinem ersten und einzigen Formel-1-Training teilnehmen durfte
Chanoch Nissany

Mit 42 Jahren vom Büro ins Formel-1-Cockpit: Chanoch Nissany

Man sollte meinen, dass jeder Formel-1-Fahrer eine Session ganz schnell vergessen will, in der er 13 Sekunden weg von der Pace war. Doch der Israeli Chanoch Nissany ist auch heute noch stolz auf seinen berühmten Trainingseinsatz für Minardi beim Großen Preis von Ungarn 2005.

Manche mögen vielleicht über seine Pace spotten und meinen, dass Nissany nie gut genug war, um einen Platz in der Formel 1 zu verdienen. Dann würde man aber die bemerkenswerte Geschichte seiner Entschlossenheit nicht verstehen, die ihn überhaupt dorthin gebracht hat.

Dafür muss man erst einmal vier Jahre zurückgehen, als Nissany - damals ein erfolgreicher Immobilien-Geschäftsmann - als Zuschauer beim Ungarn-Grand-Prix 2001 zu Gast war. "Ich habe mit 38 angefangen", sagt er zu 'Motorsport-Total.com'. "Ich war ein Geschäftsmann, habe in einem Büro gearbeitet und erinnere mich daran, dass ich auf einer Tribüne in Budapest sitze."

"Ich habe das Rennen gesehen und zu einem Freund gesagt: 'Ich möchte ein Formel-1-Fahrer sein.' Ich hatte noch nie zuvor in einem Go-Kart oder einem Rennauto gesessen, aber ich sagte: 'Ich möchte ein Fahrer sein.'", so Nissany. "Mein Freund antwortete: 'Kein Problem. Wenn wir nach Hause kommen, nimmst du deine Pillen und alles wird gut.' Aber ich bin zurückgekommen und habe von Null begonnen."

Durch seinen beruflichen Erfolg hatte Nissany die finanziellen Mittel, um den Ball ins Rollen zu bringen. Zudem konnte er mit der israelischen Kosmetikfirma UPEX einen Sponsor gewinnen, der ihn bis in die Formel 1 führte.

In der ungarischen Formel 2000 ging alles los

2002 startete er in der ungarischen Formel-2000-Serie und wurde dort Vizemeister - ein Jahr später holte er sich den Titel. 2003 fing er an, an internationalen Serien wie der World Series Lights teilzunehmen, 2004 fuhr er in der Formel 3000.

Zwar hob er die Welt mit seinen Ergebnissen nicht aus den Angeln, trotzdem war er noch auf gutem Weg, sein Ziel zu erreichen. Und als er eine Testfahrerrolle bei Jordan ergatterte, kam er diesem noch ein Stückchen näher.

Sein Formel-1-Debüt gab er im Juli in Silverstone, wo er neun Sekunden langsamer als Teamkollege Nick Heidfeld war. Allerdings ereilte ihn auch ein Motorschaden, der seinen Tag verkürzte.

Chanoch Nissany

Nissanys erster Test in Silverstone ging früher zuende als geplant

"Ich habe Tag für Tag 24 Stunden dafür gearbeitet", sagt Nissany. "Ich habe gegessen, geschlafen und von Autorennen geträumt." Der Traum schien greifbar nah, als er im Juli 2005 im Hilton-Hotel in Tel Aviv von Minardi-Boss Paul Stoddart als offizieller Testfahrer präsentiert wurde - mit dem Plan, ihn einige Freie Trainings fahren zu lassen.

Da die Regeln für die Superlizenz damals noch anders waren, musste Nissany lediglich ausreichend Kilometer in einem Privattest fahren, um am Freien Training teilnehmen zu können. Und da auch die Testregeln weit weg von den aktuellen Beschränkungen waren, war es kein Problem, diese Kilometer zu bekommen.

Ein Geschenk zum 42. Geburtstag

Nach zwei Tests für Minardi im vorigen Winter fuhr Nissany fünf volle Tage in Misano, Mugello und Vallelunga, bevor entschieden wurde, dass er den Freitagseinsatz bekommen würde, von dem er in Ungarn geträumt hatte. Und passenderweise sollte der an seinem 42. Geburtstag stattfinden.

Die Nachricht von Nissanys Formel-1-Einsatz schlug in Israel hohe Wellen. Lokaljournalisten und TV-Crews machten sich auf zum Hungaroring, um dem Event beizuwohnen. Ein besonders eifriger Reporter fragte Michael Schumacher, was er von Nissanys Test hielt. Der perplex dreinblickende Deutsche antwortete: "Ich muss mich entschuldigen. Ich habe keine Ahnung."

Nissanys Auftritt blieb nicht unbemerkt, da ihn der offizielle Formel-1-Feed wie ein Adler verfolgte. Durch seinen konservativen Ansatz und den gestiegenen Druck, bei einem richtigen Wochenende dabei zu sein, konnte er nicht nach sensationellen Zeiten jagen. Doch mit der Zeit stieg sein Selbstvertrauen.

Chanoch Nissany

Der einzige offizelle Formel-1-Auftritt endete im Kiesbett

17 Minuten vor Ende jedoch passierte Nissany in Kurve 4 ein Fehler und er drehte sich in das Kiesbett, wodurch seine Session vorüber war. Als der mobile Kran kam, um sein Auto abzutransportieren, saß er immer noch im Cockpit. Sein Tag war vorbei.

Am Ende spucken die Ergebnislisten eine Rundenzeit von 1:34.319 Minuten für Nissany aus. Das war knapp 13 Sekunden langsamer als Alexander Wurz, der im McLaren eine Zeit von 1:21.411 Minuten gefahren war. Zum Vergleich: Minardi-Teamkollege Christijan Albers schaffte eine Rundenzeit von 1:27.540 Minuten.

Keine Scham trotz Monster-Rückstand

Wenn er jetzt auf den Tag zurückschaut, dann ist es ihm nicht peinlich, dass er nicht in einer Liga von Schumacher, Fernando Alonso oder Kimi Räikkönen war. Einfach nur auf der Strecke gewesen zu sein, war die Verwirklichung eines unwahrscheinlichen Traums. Er weiß, dass er bei den Privattests viel mehr Pace hatte, als er an diesem Tag zeigen konnte.

"Man darf nicht vergessen, dass es jetzt 15 Jahre her ist", sagt er. "Ich war stolz, am Hungaroring zu sein. Keine Frage. Das war eine tolle Erfahrung. Mein Ziel war klar: Ich wollte ein offizieller Formel-1-Fahrer sein und das Formel-1-Auto fahren. Das habe ich geschafft."

Chanoch Nissany, Christijan Albers, Patrick Friesacher

Minardi 2005: Christijan Albers, Paul Stoddart, Patrick Friesacher und Nissany

"Ich bin einfach eine besondere Geschichte für normale Leute. Für jeden Geschäftsmann und Arbeiter, der ein Ziel oder einen Traum hat. Man darf nicht sagen, dass es unmöglich ist. Ich wollte jedem zeigen, dass man selbst mit 38 etwas schaffen kann, wenn man es möchte. Es ist einfach eine Kopfsache."

An einer Formel-1-Session nahm Nissany danach nicht mehr teil, jedoch absolvierte er noch vier weitere Testtage für Minardi. Auch seine Rennkarriere ging weiter. Er gewann in Ungarn noch einige Meisterschaften, bevor er vor einigen Jahren den Helm an den Nagel hing.

Sohn Roy tritt in die Fußstapfen

Zuletzt half er seinem Sohn Roy dabei, die Stufen auf der Motorsport-Leiter zu erklimmen. Er spielte eine wichtige Rolle beim neulich verkündeten Testfahrerdeal mit Williams. Immer wieder gibt es kleinere Neckereien zwischen Vater und Sohn über ihre Rennerfahrungen, doch beide wissen, dass ihre Formel-1-Möglichkeiten an komplett verschiedenen Enden des Spektrums liegen.

"Es ist ein enormer Unterschied zu meinem Vater", sagt Roy Nissany. "Seine Karriere war einzigartig, verrückt und besonders. Er hat mit 38 angefangen, von daher waren seine Ziele anders als meine. In einem so hohen Alter anzufangen und es in die Formel 1 zu schaffen und die israelische Flagge dort hinzubringen, ist ein enormer Erfolg und steht für sich selbst."

"Aber das ist nicht, was ich versuche. Ich habe mit sechs angefangen und will weiter hoch durch die Motorsport-Kategorien. Es ist schön, dieses Erbe zu haben, aber ich habe meinen eigenen Weg", so Nissany.

Vermutlich ist auch Nissany sen. stolzer auf die Erfolge seines Sohnes als auf seine eigene Karriere: "Ich bin glücklich über meine Errungenschaften, aber ich denke, dass Roy viel mehr leisten kann, weil ich nie das Talent hatte. Ich spiele nicht in seiner Liga. Ich hatte einfach die mentale Stärke, es zu schaffen. Aber diese Generation, die junge Generation, ist in einer anderen Welt."


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Condor82
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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Condor82 » 26.01.2020, 12:43

Ehrlich, obwohl ich damals noch ziemlich intensiv Formel 1 geschaut habe war mir diese Geschichte bis heute völlig unbekannt.

Konnte Nissany damals überhaupt zu allen Rennwochenenden an der Seite des Teams mitreisen? Speziell Malaysia war ja damals im Kalender und verweigert Israelis seit Ewigkeiten die Einreise.

Für Nissanys Sohn dürfte des beim aktuellen Kalender unproblematisch sein, lediglich die VAE stehen noch auf der Liste, die Israelis die Einreise verweigern, aber das ändert sich ab diesem Jahr ohnehin und war bei Sportwettkampfteilnehmern dort eh kein Problem in den letzten Jahren. Aber wer weiss, wie das mit den Kalendern der Zukunft so wird.

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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Calvin » 26.01.2020, 15:49

Er ist wohl bis jetzt der einzige F1-Fahrer der sich am Boxenfunk darüber beschwert hat dass das Auto zu viel Grip hat. :D
Toto Wolff: Wir stellen uns nicht die Frage, ob der Ferrari-Motor illegal ist. So denken wir nicht, das ist nicht unsere Einstellung. Wir zeigen nicht mit dem Finger auf andere Hersteller. Wir fragen uns vielmehr: Wie können wir selber etwas besser machen?

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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Pentar » 26.01.2020, 17:07

:thumbs_up:
Ganz toller Artikel!


Chanoch Nissany war mir durchaus ein Begriff - wie vermutlich jedem engagierten F1-Fan in meinem Alter.
Aber dies ist eine wahrlich unglaubliche Geschichte, deren Details ich noch nicht kannte.

Was mich besonders beeindruckt:
Er hat allein mit seinem Willen & finanziellen Background viele, durchaus sehr schwierige Hürden mit Erfolg gemeistert.
Und das, in seinem bereits damalig hohen Alter!
Hätte er auch die letzte Hürde genommen, wäre er eventuell bei einem GP im Grid gestanden - Hammer.

7 Sekunden langsamer als TK Albers, im gleichen (bescheidenen) Auto, ist natürlich schon eine Hausnummer.
Aber ein sehr schönes Beispiel für den krassen Unterschied zwischen "maximal Engagierten" & "echten Talenten".

Das Bild - mit ihm im Auto sitzend - bereits am Kran hängend - finde ich extrem emotional & sagt eigentlich Alles:
- Sein Traum ging endlich in Erfüllung & wurde Realität.
- In diesem Augenblick wurde er in die harte Realität zurückgeholt.

Und wäre er in diesem F1-Forum angemeldet, hätten wir sicher einige interessante Diskussionen mit ihm...


LG
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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von NeverSurrender » 27.01.2020, 15:01

Sehr sehr guter Artikel, Lob an die Redaktion! :thumbs_up: :thumbs_up:

Obwohl ich damals schon aktiv Formel1 geschaut habe und neben Alonso und Gegner auch die kleineren Teams gern mal im Auge hatte, habe ich von dem Fahrer "Chanoch Nissany" erst bei der Bekanntgabe von Roy Nissany als Testfahrer für Williams gehört.

Da ich diesen Namen zuvor nie gehört habe und seine Ergebnisse in den Vorgänger-Klassen nicht sonderlich berauschend waren, habe ich ihn als ganz normalen Paydriver angesehen.

An sich ist er natürlich auch ein Paydriver gewesen, aber dass er mit 38 Jahren überhaupt erst mit Motorsport im Allgemeinen angefangen hat und der damit verbundene Willen irgendwann nochmal in einem F1-Auto zu sitzen, macht ihn definitiv zu etwas Besonderem. Er hat nie aufgegeben und sein Ziel schließlich erreicht.

Sicherlich waren seine Leistungen nicht konkurrenzfähig - aber egal - er fuhr ein Formel1-Auto. Großen Respekt dafür! :thumbs_up: :heartbeat:

Ich finde es im Übrigen etwas schade, dass solche Artikel nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekommen.

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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von theCraptain » 27.01.2020, 20:59

Condor82 hat geschrieben:
26.01.2020, 12:43
Ehrlich, obwohl ich damals noch ziemlich intensiv Formel 1 geschaut habe war mir diese Geschichte bis heute völlig unbekannt.

Konnte Nissany damals überhaupt zu allen Rennwochenenden an der Seite des Teams mitreisen? Speziell Malaysia war ja damals im Kalender und verweigert Israelis seit Ewigkeiten die Einreise.

Für Nissanys Sohn dürfte des beim aktuellen Kalender unproblematisch sein, lediglich die VAE stehen noch auf der Liste, die Israelis die Einreise verweigern, aber das ändert sich ab diesem Jahr ohnehin und war bei Sportwettkampfteilnehmern dort eh kein Problem in den letzten Jahren. Aber wer weiss, wie das mit den Kalendern der Zukunft so wird.
Soweit ich das aus dem Text herauslesen kann war das mit Malaysia gar kein Thema weil er nur für dieses eine WE als Freitagsfahrer nominiert war. Testfahrer sind ja nicht per Standard bei jedem GP vor Ort.

Das mit der Einreiseverweigerung für israelische Sportler wusste ich nicht, soviel zu zum Thema Religionsfreiheit und Antisemitismus, unglaublich XP
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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Hoto » 28.01.2020, 06:43

Sehr interessanter Artikel. Zu der Zeit hatte ich die F1 gerade nicht so im Auge, daher ist mir das sowieso entgangen. Aber es ist eine schöne Geschichte die zeigt was man allein mit Durchhaltevermögen und Willen erreichen kann. Und immerhin hat er sich in der ungarischen Formel 2000 Vize und Titel geholt, dafür das er gerade erst mit 38 angefangen hat ist das durchaus nicht wenig Wert.

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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Condor82 » 28.01.2020, 16:11

theCraptain hat geschrieben:
27.01.2020, 20:59
Soweit ich das aus dem Text herauslesen kann war das mit Malaysia gar kein Thema weil er nur für dieses eine WE als Freitagsfahrer nominiert war. Testfahrer sind ja nicht per Standard bei jedem GP vor Ort.
An sich hast Du natürlich recht, aber oft sind Testfahrer als Teil des Teams trotzdem an den Rennwochenenden dabei. Meist müssen sie ja zur "Versorgung" der Medienvertreter herhalten ;-)
Daher meine Frage, Nissany ist ja durchaus auf einigen Teamfotos zu sehen, nicht nur vom Ungarn-Wochenende.
Das mit der Einreiseverweigerung für israelische Sportler wusste ich nicht, soviel zu zum Thema Religionsfreiheit und Antisemitismus, unglaublich XP
Ein in der Tat bedauerliches Problem, das 16 Länder dieser Welt da machen. Vor allem, wenn es um Sportwettkämpfe geht. Ein paar dieser 16 Länder - u.a. die VAE und Oman - sind aber bei Sport- oder anderen Wettkämpfen in den letzten Jahren zum Glück offener geworden.

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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Plauze » 29.01.2020, 17:45

Das Traurige ist ja eigentlich, dass solche absolut verrückten Geschichten in unserer Zeit wahrscheinlich völlig undenkbar geworden sind. Die 20 Cockpits in der Formel 1 sind knapp bemessen, und es wird wohl kaum ein Team geben, das einen dafür eigentlich ungeeigneten Fahrer auch nur für ein freies Training ins Auto setzen wird, selbst wenn dieser ein paar Millionen auf den Tisch legt. Auch die Fans sind heutzutage viel unbarmherziger und potenziell gehässiger, wenn ein Fahrer nicht liefert.
Selbst bei einem Kubica war das genervte Stöhnen ja schon deutlich vernehmbar, sobald sich zeigte, dass er nicht mehr ganz konkurrenzfähig war. Natürlich wollen wir in diesen Autos am liebsten die Allerbesten sehen - aber ein Fahrer wie Nissany ist nun einmal eine kuriose Geschichte und verhilft zudem dazu, die Leistung derer, die da sieben bis neun Sekunden schneller fuhren, noch einmal ganz anders zu schätzen zu lernen.
Kennt ihr die Geschichte von der Gemeindeschwester und der Kuh?

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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Mithrandir » 29.01.2020, 18:37

Plauze hat geschrieben:
29.01.2020, 17:45
Die 20 Cockpits in der Formel 1 sind knapp bemessen, und es wird wohl kaum ein Team geben, das einen dafür eigentlich ungeeigneten Fahrer auch nur für ein freies Training ins Auto setzen wird, selbst wenn dieser ein paar Millionen auf den Tisch legt.
Naja, sein Sohn setzt immerhin die Familientradition fort :wink: Inwiefern der geeignet ist wird sich zeigen :D
Plauze hat geschrieben:
29.01.2020, 17:45
Natürlich wollen wir in diesen Autos am liebsten die Allerbesten sehen - aber ein Fahrer wie Nissany ist nun einmal eine kuriose Geschichte und verhilft zudem dazu, die Leistung derer, die da sieben bis neun Sekunden schneller fuhren, noch einmal ganz anders zu schätzen zu lernen.
Hoffentlich übernimmt der ein oder andere diese Perspektive, wenn mal wieder einem Piloten sämtliche Fähigkeiten abgesprochen werden. Ein weiterer interessanter Aspekt einer erstaunlichen Geschichte.
Folgt mir, ich komm nach...

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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Ferrari Fan 33 » 30.01.2020, 23:14

Eine echt unglaubliche Geschichte mit diesem Mann, die auch ebenfalls mir völlig unbekannt war.
Man muß sich nur mal vor Augen führen, in was für einem hohen Alter er mit dem Motorsport begonnen hat, und dann direkt diese Leistungen in den Nachwuchsserien. Alles andere als schlecht, das hat schon gesessen. Dann in dem beschriebenen freien Training, da muß man in der Formel 1 mit dem Teamkollegen vergleichen und nicht mit einem anderen Fahrer in einem anderen Auto, denn der Minardi war ja das Schlusslicht der F1-Autos. Und dann auf den Teamkollegen Albers der mit dem Motorsport groß geworden ist in verschiedenen Serien, dann sind 7 Sekunden zu verlieren auf ihn in der Relation doch nicht so viel. Das Talent hat wohl in ihm gesteckt, wenn er von klein auf mit dem Motorsport angefangen hätte, wie es bei den F1-Fahrern normal ist, mit Go-Kart über alle Nachwuchsserien hinweg, dann wäre er möglicherweise in der Formel 1 ein bekannter Name geworden.
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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von Aldo » 02.02.2020, 12:11

Plauze hat geschrieben:
29.01.2020, 17:45
Das Traurige ist ja eigentlich, dass solche absolut verrückten Geschichten in unserer Zeit wahrscheinlich völlig undenkbar geworden sind. Die 20 Cockpits in der Formel 1 sind knapp bemessen, und es wird wohl kaum ein Team geben, das einen dafür eigentlich ungeeigneten Fahrer auch nur für ein freies Training ins Auto setzen wird, selbst wenn dieser ein paar Millionen auf den Tisch legt. Auch die Fans sind heutzutage viel unbarmherziger und potenziell gehässiger, wenn ein Fahrer nicht liefert.
Selbst bei einem Kubica war das genervte Stöhnen ja schon deutlich vernehmbar, sobald sich zeigte, dass er nicht mehr ganz konkurrenzfähig war. Natürlich wollen wir in diesen Autos am liebsten die Allerbesten sehen - aber ein Fahrer wie Nissany ist nun einmal eine kuriose Geschichte und verhilft zudem dazu, die Leistung derer, die da sieben bis neun Sekunden schneller fuhren, noch einmal ganz anders zu schätzen zu lernen.
Ja, das wollte ich auch gerade schreiben.
Ein ganz toller Artikel, der für mich ein Sinnbild der "guten alten Zeit" ist. Damals war es eben schon noch möglich, mit einer kleineren Finanzspritze nach oben zu kommen. Heute würde es ein 38-Jähriger wohl in keine gehobene Klasse schaffen, ohne davor ein Motorsportbackground gehabt zu haben.

Das ist etwas, was mich zunehmend in den letzten 10-15 Jahren in der F1 gestört hat. Dass eben alles immer perfekter wird. Alex Wurz sagte auch, dass man heutzutage ohne Vitamin B (Familie im Motorsport) oder wirklich extrem viel unmenschliches Finanzvolumen (so wie Stroll oder Norris Papa) keine Chance hat, im Motorsport oder gar der F1 Fuß zu fassen.

Die Saisons wo am Ende der Saison in der Meldeliste 30-40 Namen standen, ist vorbei.
Natürlich ist es gut, da in der F1 nur die Besten der Besten fahren. Aber irgendwie hatten doch auch Hinterbänkler-Fahrer ein gewissen Charme in die F1 gebracht. Geschichten wie die des Dornboß 2007 im Arrows - an die wird man sich immer erinnern.

Und zudem werden aus meiner Sicht heutige "normale" Fahrer nur noch als talentlos und deppert hingestellt. Bestes Beispiel ist ein Giovinazzi, der sich gegen ein Weltmeister Räikkonen zunehmend gut geschlagen hat und nach paar Rennen schon als Oberdepp dargestellt wurde. Sobald mal einer nicht wie ein Überflieger einschlägt a'la Verstappen, Hamilton usw. gilt er in der F1 als Nulpe. Selbiges könnte auch einem Mick Schumacher bald erfahren.
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To be continued..

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Re: Chanoch Nissany: Der ungewöhnlichste Formel-1-Testfahrer aller Zeiten

Beitrag von daSilvaRC » 03.02.2020, 10:59

Aldo hat geschrieben:
02.02.2020, 12:11

Ein ganz toller Artikel, der für mich ein Sinnbild der "guten alten Zeit" ist.

War denn damals alles so gut, als man sich auch ein Cockpit einfach "kaufen" konnte ohne die leistungen dafür zu zeigen?
Das kannste heute nicht mehr, und das ist auch ganz gut so.

In der 19er saison habe ich keinen oberdeppen in der F1 gesehen, der da nix zu suchen hatte- das war in den 90ern aber schon öfters der fall...

Das storys wie Nisanys dadurch auch unmöglich werden ist leider auch so. Auch ein Schumacher wäre wohl heute nicht so einfach in die F1 gekommen, ebenso ein Raikkönen.
Früher war alles besser... auch die Zukunft!

„Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“

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