• 06. Oktober 2023 · 18:25 Uhr

"Als ob die Irren die Anstalt leiten": Bewerber kritisiert F1 nach Absage

Rodin wird nicht als neues Formel-1-Team zugelassen: Nach der Absage lässt Geschäftsführer David Dicker kein gutes Haar an den Teams und den Wünschen

(Motorsport-Total.com) - Rodin-Geschäftsführer David Dicker hat nach der Absage seiner Bewerbung als neues Formel-1-Team kein gutes Haar an der Formel 1 und ihren Kriterien gelassen. Seiner Meinung nach haben die bestehenden Teams zu viel Einfluss, und am Ende steckt hinter den vermeintlichen Wünschen für ein neues Team nicht viel mehr als heiße Luft.

Alexander Albon, Charles Leclerc, Carlos Sainz, Lewis Hamilton, Sergio Perez, Valtteri Bottas

Rodin wird nicht als neues Team zum Formel-1-Feld stoßen Zoom Download

Denn Rodin Carlin habe seiner Meinung nach eine besondere Bewerbung mit frischen Ideen und einzigartigen Umständen abgegeben. Rodin wollte seine Autos in Neuseeland designen und bauen und unter anderem auch einer Frau einen der beiden Plätze garantieren - trotzdem wurde man nicht zugelassen.

"Ich bin stinksauer, weil ich ehrlich gesagt glaube, dass wir ein gutes Angebot hatten", sagt Dicker gegenüber Autosport, einer Schwesterpublikation von Motorsport-Total.com, und kann das ganze Gerede davon, dass die Formel 1 etwas Neues möchte, nicht ernst nehmen.

"Nun, wir haben tatsächlich etwas Neues angeboten: eine weibliche Fahrerin, geografische Vielfalt", so Dicker. Und: "Ich kann es selbst finanzieren. Keiner der anderen Bieter konnte das tun. Sie bringen alle fremdes Geld ein. Ich meine, ich kann auch Geld von außen bekommen, aber sie verlassen sich nur auf Geld von außen."

"Und ich fand das ein bisschen schwach, um ehrlich zu sein. Wir haben ihnen sogar gesagt, dass wir bereit wären, unsere eigene Antriebseinheit zu entwickeln, weil wir die nötige Infrastruktur dafür haben", stellt er klar. Man habe sich nur für einen Deal mit Ferrari entschieden, weil man dachte, dass das die beste Strategie sein würde.

"Und all das Gerede darüber, eine Frau in die Formel 1 zu bringen, aber niemand will es tun", kritisiert er. "Ich meine, wir waren bereit, es zu tun. Man muss also das Gefühl haben, dass es eine Menge Gerede gibt, bei dem aber nichts dahintersteckt."

Weitere Bewerbung möglich

Er sagt aber auch, dass sich Rodin noch einmal bewerben würde, sollte sich die Tür in Zukunft noch einmal öffnen, auch wenn er glaubt, dass schon die aktuelle Bewerbung alle Bedingungen erfüllt hat.

Den FIA-Prozess bezeichnet Dicker dabei aber als "fair", auch wenn er mit dem Ausgang nicht einverstanden ist. Der Weltverband hatte neben Rodin auch zwei weitere Bewerbungen in der zweiten Phase abgelehnt, in dieser Woche aber zumindest Andretti Grünes Licht gegeben.


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Das heißt aber nicht, dass die Amerikaner auch das elfte Team werden, weil sie sich erst noch mit der Formel 1 kommerziell einig werden müssen. Und das ist die größere Hürde, denn die Formel 1 steht einem Neueinsteiger skeptisch gegenüber, genau wie ein Großteil der bestehenden Teams.

Denn die Teams schauen natürlich vor allem auf ihre eigenen Interessen, und da würde ein weiteres Team den Preisgeldtopf nur unnötig kleiner machen. Und: Die Teams fürchten um einen Wertverlust ihrer Franchises, wenn es mehr als zehn Teilnehmer gibt.

Um das alles zu kompensieren, wurde ursprünglich ein Antrittsgeld von 200 Millionen US-Dollar verankert, das unter den bestehenden Teams aufgeteilt wird. Das ist den Rennställen jedoch zu wenig, die mindestens 600 Millionen Dollar fordern.

Antrittsgeld "hat keinen Sinn"

Doch das ist für Dicker alles Nonsens: "Die Verwässerungsgebühr hat keinen Sinn. Ich will nicht auf die Teams scheißen, denn natürlich sind sie Experten im Motorsport, aber bei Dingen wie Finanzen bin ich mir nicht so sicher", sagt er.

"Der Wert eines aktuellen Teams hat nichts mit dieser ganzen Verwässerung zu tun", stellt er klar, und die Idee, dass ein weiteres Team den Wert der anderen Teams reduzieren würde, ist für den Rodin-Geschäftsführer "einfach nur verrücktes Stadtgespräch".


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"Ich meine, das wird nicht passieren. Warum sollte das passieren? Und der einzige Bereich, in dem es eine mögliche Verwässerung gibt, ist der Preispool. Der Preispool beträgt 900 Millionen Dollar, soweit ich weiß. Das sind also fiktiv 90 Millionen Dollar pro Team."

"Wenn man ein weiteres Team hinzufügt, braucht man weitere 90 Millionen Dollar. Es geht nicht um 200 oder 600 Millionen Dollar; das ganze Gerede über Verwässerung ist einfach nicht rational", kritisiert er.

Wachstum der Meisterschaft? Unsinn!

Dicker ergänzt, dass es bei dem Wunsch der Teams nach einem höheren Antrittsgeld nicht darum gehe, die Meisterschaft wachsen zu lassen, auch wenn sie immer wieder beteuern würden, dass sie nur ein Team unterstützen würden, das der Formel 1 zu mehr Wachstum verhelfen würde.

Er empfindet es als etwas heuchlerisch von den Teams, dass sie vor der Ära der Budgetgrenze viel Geld ausgegeben haben, und dass es nur Liberty Media und die FIA waren, die sie davor bewahrten, "ein finanzieller hoffnungsloser Fall" zu werden.


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"Das hat nichts mit dem Wachstum des Sports oder dem Wohl des Sports zu tun", sagt er. "Sie waren nicht in der Lage, die Dinge in einer vernünftigen finanziellen Weise zu betreiben. Nur Liberty und die FIA haben sie dazu gezwungen, finanziell umsichtig zu sein", so Dicker.

"Jetzt ist die Formel 1 tatsächlich Geld wert. Die Teams können tatsächlich Geld verdienen. Und sie tun alle so, als wäre das alles irgendwie ihre Idee gewesen, was, wie wir alle wissen, nicht stimmt", meint er. "Sie würden einfach ausgeben und ausgeben und ausgeben, bis kein Geld mehr da wäre."

"Als ob die Irren die Anstalt leiten würden"

Für ihn ist die Sachlage eindeutig: "Wissen Sie, es geht um einen kleinen Club, und die wollen nicht, dass das Boot ins Wanken gerät", sagt Dicker. "Eigentlich wollen sie nicht, dass sich überhaupt etwas ändert."

Er kritisiert: "Es ist doch verrückt, dass die aktuellen Teams überhaupt einen Einfluss auf die Entscheidung haben, ein neues Team zu holen. Das ist so, als ob die Irren die Anstalt leiten würden."

Offiziell haben die Teams keinen Einfluss, doch die Formel 1 hat sich bei diesem Thema bislang hinter die Meinung der Rennställe gestellt.

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