• 17. April 2023 · 10:47 Uhr

Strafen in der Formel 1: Welche gibt es und wofür werden sie vergeben?

In der Formel 1 gibt es eine ganze Reihe an unterschiedlichen Strafen für Fahrer und Teams: Welche es gibt und für welche Vergehen sie vergeben werden

(Motorsport-Total.com) - Fahrer können in der Formel 1 eine ganze Reihe von verschiedenen Strafen auffassen, die bis zu einer kompletten Rennsperre gehen. Wie in jedem anderen Sport gibt es verschiedene Möglichkeiten, Fahrer zu bestrafen, wenn sie gegen die von der FIA auferlegten Regen verstoßen.

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Strafen werden in den offiziellen Dokumenten der FIA aufgeführt Zoom Download

Manchmal kommt es dabei vor, dass Piloten irrsinnig anmutende Strafen erhalten - man denke nur an Stoffel Vandoornes Gridstrafe von 65 Startplätzen in Spa 2017.

Die Formel 1 ist ein komplizierter Sport, und von daher können Strafen manche Zuschauer auch verwirren, weil sie ebenfalls kompliziert sind. Warum gibt es manchmal eine Strafe? Und warum gibt es ganz unterschiedliche Strafen?

Wir schauen uns an dieser Stelle einmal an, welche Strafen in der Formel 1 existieren, wie auch Teams bestraft werden können und wie das alles sogar zu einer Rennsperre führen kann.

Welche Strafen gibt es?

Es gibt eine ganze Reihe von möglichen Strafen in der Formel 1, die je nach Schwere des Vergehens ausgesprochen werden.


Ermahnung Eine Ermahnung ("Warning") ist die kleinste Strafe, die ein Fahrer bekommen kann. Hält sich ein Fahrer während eines Rennens zum Beispiel nicht an die Tracklimits, wird er von den Kommissaren ermahnt. Ab einer gewissen Anzahl Ermahnungen droht eine Zeitstrafe.


Verwarnung Abgrenzen davon muss man die Verwarnung, die offiziell als "Reprimand" bezeichnet wird. Davon darf sich ein Fahrer vier pro Saison erlauben. Bei einer fünften Verwarnung, erwartet den Fahrer eine Strafversetzung um zehn Startplätze, sofern vier Verwarnungen davon für ein Fahrvergehen ("Driving") ausgesprochen wurden.

Das ist 2022 Yuki Tsunoda passiert, der in Zandvoort mit gelöstem Sicherheitsgurt gefahren war und dafür seine fünfte Verwarnung bekommen hatte - er musste beim nächsten Rennen in Monza zehn Plätze zurück. Eine nicht-sportliche Verwarnung erhielt etwa Sebastian Vettel 2021 in Ungarn für das Tragen eines T-Shirts mit der Aufschrift "Same Love".


Geldstrafe Geldstrafen sind die geringste Form von Strafen, bei denen auch wirklich eine direkte negative Konsequenz erfolgt. Diese gibt es bei geringfügigen Verstößen, wie etwa dem Überschreiten des Tempolimits in der Boxengasse im Freien Training.


Zeitstrafe Zeitstrafen können Fans in der Formel 1 sehen, wenn die Fahrer an die Box kommen und das Team nicht mehr am Auto arbeiten kann, bevor die Strafe abgelaufen ist. Kommt ein Fahrer vor dem Ende des Rennens nicht wieder an die Box, wird die Strafe zu ihrer Endzeit addiert. Die Gründe, warum Fahrer solche Strafen erhalten, sind unterschiedlich.

Ein gutes Beispiel dafür ist Esteban Ocon beim Saisonauftakt in Bahrain 2023. Erst erhielt er fünf Sekunden Strafe, weil er beim Start nicht ordnungsgemäß in seiner Startbox stand, dann weitere zehn Sekunden, weil seine Mechaniker schon vor dem Ablaufen der Zeitstrafe an seinem Auto gearbeitet hatten. Weil er dabei um 0,1 km/h zu schnell in der Boxengasse war, kam eine weitere Zeitstrafe von fünf Sekunden hinzu.


Durchfahrtsstrafe Etwas seltener geworden sind Durchfahrtsstrafen, die noch einmal deutlich härter als eine Zeitstrafe sind. Dabei muss ein Fahrer innerhalb von drei Runden einmal durch die Boxengasse fahren und sich dann wieder im Feld einreihen. Noch schlimmer erwischt es Fahrer, wenn sie dabei noch für zehn Sekunden in der Box anhalten müssen, ohne dass Mechaniker am Auto arbeiten dürfen.


Gridstrafe Strafversetzungen in der Startaufstellung werden meist vergeben, wenn ein Fahrer mehr Motorenteile als erlaubt verwendet. Dafür gibt es entweder fünf oder zehn Plätze Strafe, wodurch der Pilot das Rennen von weiter hinten beginnen muss. Sammelt er mehr als 15 Plätze Strafe an, muss er vom Ende des Feldes starten.

Strafversetzungen gibt es auch in Fällen, wenn ein Fahrer eine Strafe nicht mehr antreten kann, wie nach einem Unfall im vorherigen Rennen, oder bei Vergehen im Qualifying oder Freien Training.


Disqualifikation Eine Disqualifikation wird für Fahrer nur für besonders schwere Vergehen vergeben, etwa beim Überqueren der roten Ampel an der Boxenausfahrt. Häufiger betrifft es technische Vergehen, wenn ein Auto nicht den FIA-Vorgaben entspricht. Ein Beispiel ist Sebastian Vettel, dessen zweiter Platz in Ungarn 2021 aberkannt wurde, weil Aston Martin nicht belegen konnte, dass er mit ausreichend Sprit unterwegs war.


Sperre Eine Sperre ist die härteste Strafe, die ausgesprochen werden kann, was auch nur unter besonderen Umständen passiert. In den vergangenen 40 Jahren wurden nur sechs Fahrer gesperrt, der letzte davon war Romain Grosjean, der 2012 nach dem Auslösen eines Massenunfalls in Belgien ein Rennen aussetzen musste, nachdem er zuvor schon mehrere Unfälle verursacht hatte.

In extremen Fällen kann die FIA auch die Superlizenz entziehen, so geschehen bei Yuji Ide 2006, der sich als nicht sonderlich Formel-1-tauglich herausgestellt hatte.

Wer bekommt in der Formel 1 Strafen?

Nicht nur Fahrer können in der Formel 1 Strafen erhalten, sondern auch Teams. Wird bei ihnen ein Regelverstoß festgestellt, dann droht ihnen eine hohe Geldstrafe oder eine andere Art der Sanktion.

Weil Red Bull 2021 nach Ansicht der FIA gegen die Budgetgrenze verstoßen hat, wurde ihnen für zwölf Monate Entwicklungszeit im Windkanal gestrichen. Aston Martin bekam hingegen für einen kleineren Verstoß gegen die Budgetgrenze eine Geldstrafe in Höhe von 450.000 US-Dollar.


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Zu den berühmtesten Fällen gehörte 2008 der Crashgate-Skandal, als Renault seinen Piloten Nelson Piquet jun. anwies, absichtlich einen Unfall zu bauen, um Teamkollege Fernando Alonso taktisch zu begünstigen und so zum Sieg zu verhelfen.

Als das ein Jahr später aufflog, wurde Teamchef Flavio Briatore lebenslang aus der Formel 1 verbannt, Chefingenieur Pat Symonds für fünf Jahre, was später allerdings aufgehoben wurde. Renault selbst wurde zu einer Sperre auf Bewährung verdonnert.

Wie bekommt man in der Formel 1 eine Strafe?

Fahrer Sobald die FIA-Kommissare während eines Rennens einen Verstoß feststellen, untersuchen sie die beteiligten Fahrzeuge. Wenn es sich um ein schwerwiegendes Vergehen handelt, etwa eine Kollision, untersuchen die Kommissare den Vorfall so schnell wie möglich und bestrafen die schuldigen Fahrer sofort, es sei denn, beide Autos scheiden aus dem Rennen aus und der Vorfall kann nach dem Rennen untersucht werden.

Strafen können auch während der Trainings, des Qualifyings oder der Sprintrennen verhängt werden, was meist Auswirkungen auf das Rennen hat. Kleinere Verstöße werden normalerweise nach dem Rennen untersucht, damit die Kommissare nicht von den wichtigen Dingen abgelenkt werden.


Teams Für die Teams sieht die Sache dagegen ganz anders aus, denn sie müssen detaillierte Unterlagen zu Themen wie Finanzen und Konstruktion des Autos einreichen. Wenn die FIA feststellt, dass etwas nicht mit den Regeln übereinstimmt, leitet sie eine weitere Untersuchung ein, bei der mehrere Bewertungen durchgeführt werden, die eingereichten Berichte weiter geprüft werden, weitere relevante Informationen angefordert werden und schließlich entschieden wird, ob ein Verstoß vorliegt.

Manchmal, wie im Fall von Crashgate, wird die Aufmerksamkeit der FIA durch einen Fahrer oder einen Teamchef erregt.

Ein weiteres Beispiel ist der "rosa Mercedes" von Racing Point im Jahr 2020. Technikchef Andrew Green sagte, das Team habe versucht, sich mehr an "die zugrunde liegende Architektur, die wir von MGP (Mercedes) haben", anzupassen und eine "Red-Bull-Philosophie" zu entwickeln.

Er gab zu, dass das Team nicht von dem abweichen wollte, was Mercedes macht - ein Auto zu bauen, mit dem man die Meisterschaft gewinnt - und dass es dem Konzept von Mercedes folgt.

Die FIA sah sich gezwungen, einzuschreiten, da andere Teams unzufrieden waren, und leitete eine Untersuchung ein. Sie kam zu dem Schluss, dass Racing Point einen Satz hinterer Bremsleitungen von Mercedes verwendet hatte, was ab der Saison 2020 nicht mehr als gelistetes und legales Teil, sondern als nicht gelistetes und illegales Teil galt. Als Strafe wurden dem Team 15 Konstrukteurspunkte abgezogen und eine Geldstrafe von 400.000 Euro verhängt.

Wie kann ein Fahrer gesperrt werden?

Neben der Strafe selbst können die Kommissare auch Strafpunkte vergeben. Das bedeutet nicht, dass die Piloten Punkte in der WM abgezogen bekommen, stattdessen bekommen sie diese auf ihre Superlizenz, die benötigt wird, um an der Formel 1 teilnehmen zu können.

Sammelt ein Fahrer innerhalb eines Jahres zwölf Punkte an, wird er automatisch für ein Rennen gesperrt. Damit wollte der Verband nach der Sperre gegen Romain Grosjean gefährliches Fahren unterbinden. Seit der Einführung des Systems wurde aber noch kein Fahrer in der Formel 1 gesperrt.


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Nah dran war Pierre Gasly, der mit zehn Punkten in die Formel-1-Saison 2023 ging. Allerdings hatten die Kommissare entschieden, Punkte etwas mehr mit Bedacht zu vergeben, damit Fahrer nicht mehr für Kleinigkeiten gesperrt werden können. Das half dem Franzosen auch in Australien, wo er eine Kollision mit Teamkollege Esteban Ocon ausgelöst hatte, was zuvor zwei Strafpunkte gegeben hätte.

Doch die Kommissare verzichteten auf Strafpunkte, was den Alpine-Piloten noch einmal vor einer Sperre bewahrte.

Können Formel-1-Fahrer Protest gegen eine Strafe einlegen?

Fahrer und Teams können der Meinung sein, dass sie zu Unrecht bestraft wurden, und bei der FIA Einspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Das hatte zum Beispiel Aston Martin bei der Strafe gegen Fernando Alonso in Saudi-Arabien 2023 getan. Der Spanier hatte eine Zehn-Sekunden-Strafe bekommen, weil die Kommissare der Ansicht waren, dass das Team beim Absitzen einer anderen Strafe zu früh am Auto gearbeitet hatte. Aston Martin legte Einspruch ein und die Entscheidung wurde revidiert.

Wie viele Strafpunkte haben die Fahrer?

Strafpunkte werden nach zwölf Monaten automatisch gelöscht, deswegen ist eine statische Auflistung an dieser Stelle nicht sinnvoll. Allerdings gibt es auf unserer Schwesterseite de.motorsport.com eine stets aktualisierte Tabelle der Strafpunkte. Die aktuelle Übersicht gibt es hier.

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