• 14. Juni 2021 · 08:22 Uhr

Daniel Ricciardo: Warum er im McLaren-Simulator einen "Schritt zurück" machte

Warum Formel-1-Fahrer Daniel Ricciardo nach dem Rennen in Baku viel Zeit im McLaren-Simulator verbracht und welche Erkenntnisse er dabei gewonnen hat

(Motorsport-Total.com) - Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache, und sie sprechen bei McLaren nicht für Daniel Ricciardo: Er steht in Qualifying und Rennen bisher klar im Schatten seines Teamkollegen Lando Norris. Am deutlichsten wird das anhand des aktuellen WM-Stands: 66 Punkten von Norris stehen nämlich nur 26 Punkte von Ricciardo gegenüber.

Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo hat versucht, im McLaren-Simulator neue Ansätze zu finden Zoom Download

Deshalb hat sich Ricciardo nach dem Aserbaidschan-Grand-Prix in Baku bewusst zu einem "Schritt zurück" entschieden, wie er sagt. Er habe "ein paar gute Tage" im McLaren-Simulator verbracht, um ein besseres Verständnis davon aufzubauen, warum er im MCL35M nicht auf das gleiche Leistungsniveau komme wie Norris.

"Ich habe einfach versucht, zu verstehen, was los ist und wie das Auto funktioniert, was es braucht, damit es gut funktioniert", erklärt Ricciardo. "Ich will nicht sagen, dass wir bei null begonnen haben, denn wir haben in den ersten Rennen definitiv etwas gelernt. Es ging eher darum, völlig unvoreingenommen neue Dinge auszuprobieren."

Der bisherige Saisonverlauf: Höhen und vor allem Tiefen

Tatsächlich hatte sich Ricciardo in Sachir und Imola jeweils vor Norris qualifiziert, war dann in den Rennen aber hinter den Teamkollegen zurückgefallen. Einzig in Barcelona blieb Ricciardo über ein komplettes Wochenende vor Norris.

Auf diesen Aufwärtstrend folgten in Monaco und Baku aber Rückschläge, vor allem im Qualifying: Ricciardo verfehlte beide Male die Top 10 und einmal auch die Punkteränge.


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Auf die Frage, warum seine Form so schwanke und weshalb er im Vergleich zu Norris teilweise stark abfalle, hat Ricciardo bisher keine Antwort. Das ist auch der Grund, weshalb er im McLaren-Simulator bewusst unkonventionell getestet hat, nämlich "auch Dinge, die sich nicht richtig anfühlen", wie er sagt.

"Wir wollten damit herauskriegen, warum etwas nicht funktioniert. Man könnte sagen: Wir haben viel herumgespielt. Und jetzt sind mir ein paar Dinge klarer. Ich denke, das war wirklich produktiv. Und jetzt freue ich mich darauf, all das in die Praxis umzusetzen."

Hinterfragt sich Ricciardo zu sehr?

Ob er bei all dem aber nicht Gefahr laufe, seine Arbeit im Formel-1-Auto zu sehr zu hinterfragen, will jemand von ihm wissen. Ricciardo antwortet mit ja und nein: "Manchmal landet man unweigerlich in der Situation, weil auch Emotionen im Spiel sind. Und das führt mitunter nicht zu den besten Entscheidungen. Das ist mir klar."

Es sei in der Formel 1 aber "wie mit allem im Leben", so meint er weiter. "Die Formel 1 ist komplex. Wenn du erst mal in einem Loch gefangen bist, ist es sehr schwierig, sich selbst wieder daraus zu befreien. Aufgrund meiner Erfahrung in der Formel 1 ist mir das ziemlich gut bewusst."

"Allerdings: Schon am Montag nach dem Rennen [in Baku] war ich wieder voll auf Kurs. Und das hat zu den produktiven Tagen [im Simulator] in Woking geführt."

Selbstzweifel? Hat Ricciardo nicht!

Selbstzweifel habe er dabei nie verspürt, erklärt Ricciardo. "Tief im Inneren weiß ich, was ich kann. Und wenn ich wüsste, ich fahre mit einer Portion Angst oder Zögern, dann wüsste ich auch, dass ich vielleicht aufhören sollte. Das ist aber klarerweise nicht der Fall."

Daniel Ricciardo im McLaren MCL35M in Baku

Bisher noch keine echte Einheit: Daniel Ricciardo und der McLaren MCL35M Zoom Download

Es gehe in seiner Situation vielmehr darum, "jetzt alles auf die Reihe zu kriegen", sagt er. "Mir wäre natürlich lieber, das wäre schon der Ist-Zustand oder ich hätte es bereits vor einigen Rennen so hingekriegt. Vielleicht sind wir also an einem Punkt, an dem ich auf meine Erfahrung bauen kann. Es ist ein Marathon und eben kein Sprint."

Weil Motorsport Ergebnissport sei, werde man naturgemäß in jedem Rennen an seinem Resultat gemessen. "Ich weiß aber auch: Sobald es einmal klick macht, wird alles gut. Dann springen die Leute wieder auf den Ricciardo-Zug auf. Wer abgesprungen ist, kein Problem, der Zug fährt weiter. Und es werden weiter Fahrkarten verkauft, also schon okay. Und ich lasse auch wieder Leute zusteigen."

Alte Gewohnheiten funktionieren nicht mehr bei McLaren

Alte Gewohnheiten sind dann aber vielleicht nicht mehr mit an Bord, so viel verrät Ricciardo. Denn die Simulator-Einheiten bei McLaren hätten ihm vor allem eines gezeigt: Am MCL35M liege es nicht. "Es geht wohl mehr darum, meinen Stil anzupassen und besser mit dem Auto zu arbeiten", sagt Ricciardo.

Der Formel-1-Fahrer erklärt: "Manchmal tue ich, was ich für richtig halte und was in der Vergangenheit funktioniert hat. Das aber funktioniert im Moment nicht so gut. Dann fragt man sich, warum es nicht funktioniert, und es wird frustrierend."

"Deshalb habe ich vergangene Woche den Schritt zurück gemacht. Dadurch verstehe ich besser, was das Auto macht und was wir mit dem Auto erreichen wollen. Jetzt ist es mir klarer", meint Ricciardo. "Und jetzt muss ich es an der Rennstrecke umsetzen."

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