• 20. Oktober 2020 · 19:14 Uhr

Nach Hamilton-Zwischenfall: Fahrer für Änderung des Strafpunkte-Systems

Die Formel-1-Fahrer wünschen sich einen anderen Umgang mit Strafpunkten - Die Piloten finden, dass das System reformiert gehört

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamiltons Sotschi-Startübungen sorgen weiterhin für Diskussionen. Die Piloten fordern nach der Bestrafung des Weltmeisters und der Rücknahme der beiden Strafpunkte eine Reform des Punktesystems. Die Formel-1-Fahrer kritisieren vor allem, dass für scheinbar harmlose Verstöße automatisch Strafpunkte vergeben werden.

Valtteri Bottas, Lewis Hamilton

Hamilton führt das Ranking mit acht Strafpunkten derzeit an Zoom Download

Das Strafpunktesystem wurde ursprünglich eingeführt, um besonders gefährliche Manöver und Zwischenfälle, etwa Kollisionen oder zu schnelles Fahren unter Gelb, angemessen zu bestrafen. Doch mittlerweile werde dieser Mechanismus nicht mehr richtig angewandt, finden die Piloten.

"Ich habe das Thema im Fahrermeeting [auf dem Nürburgring] angesprochen", erklärt Daniil Kwjat. "Manchmal bekommt ein Fahrer welche, dann werden sie einem wieder aberkannt. Ich glaube, dass sollte überprüft werden." Der Russe findet, dass für mindere Vergehen keine Strafpunkte verhängt werden sollten.

"Wenn jemand eine gefährliche Kollision verschuldet oder ein sehr gefährliches Manöver, und die Schuldfrage ist klar, dann ist es gerechtfertigt. Aber für blaue Flaggen, oder all diesen Bullshit, braucht es wirklich keine Punkte auf die Lizenz", so der AlphaTauri-Fahrer.

Nachsatz: "Die [Formel 1] ist ja kein Taxistand. Wir müssen immer am Limit pushen können. Ich glaube, das System gehört einfach reformiert." Sein Teamkollege Pierre Gasly kann diesen Aussagen nur zustimmen. "Ich bin kein großer Fan dieser Punkte", gibt der Franzose zu.

Er kann vor allem Kwjats Ärger verstehen: "Dani hat darüber gesprochen, weil er ein paar Punkte erhalten hat, obwohl er nicht gefährlich gefahren ist. Es ist ein wenig eigenartig." Konkret steht Kwjat derzeit bei vier Strafpunkten (bis 27. Oktober). In Spanien hatte er im Rennen blaue Flaggen ignoriert und dafür seinen bislang einzigen Punkt in dieser Saison erhalten.


Fotostrecke: Abgehoben: Fliegende Formel-1-Autos

"Ich glaube, dass wir uns alle gegenseitig respektieren. Manchmal gerät man mit anderen Fahrern aneinander, das ist Teil des Motorsports. Aber am Ende ist der Respekt immer da. Ich glaube nicht, dass das die Art und Weise ist, wie man mit Zwischenfällen umgehen sollte", findet Gasly.

McLaren-Konkurrent Lando Norris stimmt zu, dass das Fahrerbriefing in der Eifel für die Piloten eine besondere Gelegenheit bot, ihre Meinungen zu dem Thema kundzutun. "Hoffentlich haben die Kommissare nun ein besseres Verständnis davon, wofür ein Strafpunkt vergeben werde sollte und wofür nicht."

Auch er ist der Ansicht, dass Strafpunkte nur dann vergeben werden sollten, wenn ein schwerwiegender Regelverstoß vorliegt. Schließlich können zu viele Punkte zu einer Rennsperre führen (bei maximal zwölf Punkten). FIA-Rennleiter Michael Masi wollte sich der Debatte öffentlich nicht anschließen.

"Diskussionen im Fahrerbriefing werden zwischen den Fahrern, den Teammanagern und mir selbst geführt. Und wir werden weiterhin in dieser Umgebung diskutieren." Er musste sich bereits nach dem Russland-Grand-Prix erklären, als Hamilton für seine Startübungen zunächst zwei Strafpunkte erhalten hatte.

Nach dem Rennen wurden die Punkte jedoch in eine Geldstrafe umgewandelt. Sonst hätte der Brite nun bereits zehn Punkte. Aktuell führt er das Ranking mit acht Punkten dennoch an, vor Alexander Albon (sieben) und Kwjat (vier).

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