• 10. Juni 2019 · 18:29 Uhr

Noten mit Marc Surer: "Vettel hat alles richtig gemacht"

Der Fahrer des Rennens heißt Daniel Ricciardo, aber was viel mehr interessiert: So bewertet Marc Surer die strittige Situation zwischen Hamilton und Vettel

(Motorsport-Total.com) - Unsere hausinterne Analyse des Grand Prix von Kanada in Montreal steht diesmal ganz im Zeichen des kontroversen Rennausgangs mit der Fünf-Sekunden-Strafe für Sebastian Vettel. Für Experte Marc Surer ganz klar eine Fehlentscheidung: "Ich hätte keine Strafe ausgesprochen als Kommissar, denn es kam keiner zu Schaden."

"Eigentlich", begründet er, "haben sie vor ein paar Jahren gesagt, dass nur noch bestraft wird, wenn bei einem Zwischenfall jemand wirklich zu Schaden kommt. Das war hier nicht der Fall. Auch die Reihenfolge blieb gleich. Es hat also keiner profitiert von dieser Situation, sondern schlussendlich war alles wie die Runde vorher. Deswegen gab es keinen Grund für die Strafe."

"Wenn wir uns zurückerinnern: Als Bottas in Monaco abgedrängt wurde, musste er anschließend den Reifen wechseln. Klar, da hat es einen Grund für eine Strafe gegeben. Aber hier gab's nix, keine Beschädigung, keine kaputten Spoiler. Somit finde ich es völlig unsinnig, da eine Strafe auszusprechen."

Surer: Reihenfolge blieb gleich - wo liegt das Problem?

Das Argument, dass Vettel durch seine unsicher ausgeführte Rückkehr auf die Strecke einen anhaltenden Vorteil erworben hat, weil Lewis Hamilton sonst nicht bremsen hätte müssen und möglicherweise in Führung gegangen wäre, lässt der ehemalige Formel-1-Pilot nicht gelten, denn: "Vettel hatte keinen Vorteil dadurch."

"Er lag zu dem Zeitpunkt, als das Missgeschick passiert ist, vor Hamilton. Nach dem Missgeschick war Hamilton dichter dran. Im Prinzip hatte Hamilton einen Vorteil, weil er aufgeschlossen ist durch den Zwischenfall. Wenn er so überholt hätte, durch das Abkürzen der Schikane, dann muss er den Platz zurückgeben. Aber das war nicht der Fall. Die Reihenfolge blieb identisch."

Unsere Motorsport-Network-Crew vor Ort in Kanada ist da anderer Meinung. Kollege Jonathan Noble argumentiert in unserem aktuellen Analyse-Video, Vettel habe Hamilton nicht genug Platz gelassen, obwohl er dazu in der Lage gewesen wäre, das zu tun. Weil das Auto seiner Meinung nach schon wieder stabilisiert war, als sich Vettel zur Mauer hin raustragen ließ.


Wie das Vettel-Urteil zustande kam

Unser Video zeigt auf, weshalb die Rennkommissare in Kanada eine Zeitstrafe gegen Sebastian Vettel ausgesprochen haben! Weitere Formel-1-Videos

Surer, selbst ehemaliger Formel-1-Pilot, widerspricht dieser Ansicht und folgt Vettels Argumentation von nach dem Rennen: "Auf der Wiese musst du froh sein, wenn du das Auto irgendwie stabil halten kannst. Wenn du wieder auf die Strecke kommst, musst du aufpassen, denn du hast noch dreckige Reifen. Da kannst du nicht einfach einen Haken schlagen, sonst drehst du dich."

"Jede andere Reaktion von Vettel hätte zu einer Kollision geführt. Wenn er gebremst hätte, wäre er in Hamilton reingerutscht, und wenn er einen Haken geschlagen hätte, hätte er sich möglicherweise gedreht. Er hat alles richtig gemacht. Es gab für mich keinen Grund für eine Strafe. Außer eben dieses Reglement, dass man jemanden nicht behindern darf, wenn man zurück auf die Strecke fährt."

Jetzt reinhören: Kanada-Analyse mit Christian Nimmervoll

Eine detaillierte (und hitzig diskutierte) Analyse der Situation zwischen Vettel und Hamilton beim Grand Prix von Kanada ist diese Woche zentrales Thema der aktuellen Ausgabe des Formel-1-Podcasts Starting Grid. Chefredakteur Christian Nimmervoll stellt sich in der diesmal 100-minütigen Show konsequent gegen die These, Vettel habe absichtlich in Hamilton gelenkt.

Zum Sportlichen: Für Surer war Vettel einer von drei Fahrern, die sich die Bestnote 1 verdient haben. "Bis auf den Ausrutscher übers Gras war alles super", lobt er die Performance des Ferrari-Fahrers. Hamilton gibt er nur Note 2, weil er "trotz des schnelleren Autos keine Chance hatte, Vettel zu überholen".

Gesamtsieger ist aber ein anderer: Daniel Ricciardo schneidet sowohl in der Gunst der Leser als auch in der von Redaktion und Surer am besten ab. Das bedeutet den ersten Platz in unserem Ranking (Note 1,4), vor Vettel (1,7). "Was der aus dem Auto rausholt!", lobt Surer. Und: "Er ist wieder vor Trainingskönig Hülkenberg, wenn's zählt."

Fast noch sensationeller als der Tagessieg für Ricciardo ist der dritte Platz von Lokalmatador Lance Stroll. Nach Motorschaden im Training und Q1-Aus am Samstagnachmittag lieferte der Kanadier vor eigenem Publikum ein "starkes Rennen" (Surer) ab. In der durchschnittlichen Wertung der knapp 800 Leser wäre er allerdings nur Achter und nicht Dritter geworden.

Surer und die Redaktion: Nicht immer einig ...

Abweichungen zwischen den Noten von Surer und der Redaktion gibt's diesmal zum Beispiel bei Pierre Gasly. Surer anerkennt seine "gute Trainingsleistung" mit einer 2, die Redaktion sieht ihn wegen des farblosen Rennens nur bei einer 4. Uns hat zudem Antonio Giovinazzi (4) wenig überzeugt. Surer stellt dem Alfa-Fahrer ein positives Zeugnis (2) aus: "Trotz Dreher vor Kimi!"

Einigkeit herrscht hingegen bei der kritischen Benotung von Valtteri Bottas. Der Mercedes-Fahrer, der nach dem vermurksten Qualifying auch im Rennen zumindest nicht brillieren konnte, fällt laut Surer in alte Muster zurück: "Hamilton gibt ihm wieder diese zwei, drei Zehntel, die er einfach fahrerisch drin hat. Bottas steht mit dem Rücken zur Wand und überfährt jetzt das Auto."

Und dann ist da noch Kevin Magnussen, der schon mit dem Crash im Qualifying sichergestellt hat, dass er diesmal nicht ungeschoren davonkommen kann. Sein Gemecker am Boxenfunk setzte dem Ganzen die Krone auf. Surer: "Ich verstehe Günther Steiner absolut. Wenn die Leute eine Nacht durcharbeiten, um das Auto wieder auf die Räder zu stellen, und der Fahrer dann so jammert ..."

"Er kann ja mal sagen, dass das Auto nicht gut liegt. Aber er hat das in einem Ton gesagt, das sei das schlimmste Auto, das er je gefahren ist", mahnt der Schweizer den Haas-Piloten zu mehr Besonnenheit. "Das ist dann wirklich demotivierend für das ganze Team. Deswegen verstehe ich Günther Steiner."

Die Idee hinter unserer Notenvergabe ist, die Leistungen an einem Wochenende und besonders im Rennen mit Noten zu bewerten (1 = Sehr gut, 6 = Ungenügend). Dabei sollen externe Einflüsse, die die Fahrer nicht selbst steuern können, ausgeblendet werden. Und damit nicht nur die Redaktion subjektiv bewertet, wie das bei Fußballmagazinen der Fall ist, haben wir mit den Lesern und dem Experten insgesamt drei gleichberechtigte Säulen geschaffen.

Das ultimative Fahrer-Ranking Kanada 2019:
01. Daniel Ricciardo, Note 1,4 (Leser 2,1 - Surer 1 - Redaktion 1)
02. Sebastian Vettel, Note 1,7 (Leser 2,2 - Surer 1 - Redaktion 2)
03. Lance Stroll, Note 2,0 (Leser 3,0 - Surer 1 - Redaktion 2)
04. Nico Hülkenberg, Note 2,1 (Leser 2,3 - Surer 2 - Redaktion 2)
05. Lewis Hamilton, Note 2,2 (Leser 2,5 - Surer 2 - Redaktion 2)
06. Max Verstappen, Note 2,2 (Leser 2,6 - Surer 2 - Redaktion 2)
07. Daniil Kwjat, Note 2,3 (Leser 3,0 - Surer 2 - Redaktion 2)
08. Charles Leclerc, Note 2,5 (Leser 2,4 - Surer 2 - Redaktion 3)
09. Lando Norris, Note 2,8 (Leser 3,3 - Surer 3 - Redaktion 2)
10. George Russell, Note 2,8 (Leser 3,5 - Surer 2 - Redaktion 3)
11. Carlos Sainz, Note 3,1 (Leser 3,3 - Surer 3 - Redaktion 3)
12. Pierre Gasly, Note 3,1 (Leser 3,4 - Surer 2 - Redaktion 4)
13. Sergio Perez, Note 3,2 (Leser 3,5 - Surer 3 - Redaktion 3)
14. Antonio Giovinazzi, Note 3,3 (Leser 3,9 - Surer 2 - Redaktion 4)
15. Alexander Albon, Note 3,5 (Leser 3,6 - Surer 3 - Redaktion 4)
16. Romain Grosjean, Note 3,6 (Leser 3,8 - Surer 3 - Redaktion 4)
17. Valtteri Bottas, Note 3,8 (Leser 3,5 - Surer 4 - Redaktion 4)
18. Kimi Räikkönen, Note 3,8 (Leser 3,5 - Surer 4 - Redaktion 4)
19. Robert Kubica, Note 4,5 (Leser 4,4 - Surer 4 - Redaktion 5)
20. Kevin Magnussen, Note 4,9 (Leser 4,6 - Surer 5 - Redaktion 5)

Und so berechnen wir:
Aus der durchschnittlichen Benotung der Motorsport-Total.com-User, der Benotung durch Experte Marc Surer und der Benotung durch unsere Redaktion ermitteln wir den Durchschnitt. Aus diesem Durchschnittswert ergibt sich unser Fahrer-Ranking. Wir bilden nur eine Kommastelle ab, für die Berechnung ziehen wir aber alle Kommastellen heran. Aus diesen teilweise nicht sichtbaren Kommastellen ergibt sich die Reihenfolge des Rankings zweier Fahrer bei vermeintlichem Benotungs-Gleichstand.

Der Fahrernoten-WM-Stand 2019:
01. Lewis Hamilton (108)
02. Max Verstappen (106)
03. Valtteri Bottas (78)
04. Daniel Ricciardo (50)
05. Nico Hülkenberg (43)
06. Charles Leclerc (41)
07. Kimi Räikkönen (41)
08. Sebastian Vettel (38)
09. Carlos Sainz (38)
10. Alexander Albon (31)
11. Lando Norris (31)
12. Daniil Kwjat (31)
13. Sergio Perez (29)
14. Kevin Magnussen (18)
15. Lance Stroll (15)
16. George Russell (5)
17. Pierre Gasly (3)
18. Antonio Giovinazzi (1)
19. Romain Grosjean (0)
20. Robert Kubica (0)

Der punktbeste Fahrer wird nach Saisonende mit einem Award für den Fahrer des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Fotos & Fotostrecken

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