• 22. Mai 2019 · 15:11 Uhr

"Mehr Potenzial": Hängt Mercedes die Konkurrenz 2019 noch weiter ab?

Mercedes ist bei der Entwicklung des W10 noch lange nicht am Ende angekommen - Marschieren die Silberpfeile den Gegnern in Zukunft noch weiter davon?

(Motorsport-Total.com) - Fünf Rennen, fünf Doppelsiege - Mercedes lieferte 2019 den besten Start in der Geschichte der Formel 1 ab. Wer beim vergangenen Rennen in Barcelona hoffte, dass das Rennen in Spanien der Beginn einer Ferrari-Aufholjagd werden könnte, der wurde bitter enttäuscht. Genau das Gegenteil war der Fall, Lewis Hamilton und Valtteri Bottas waren noch unantastbarer als zuvor.

Lewis Hamilton, Valtteri Bottas, Sebastian Vettel, Max Verstappen, Charles Leclerc

Lässt Mercedes den Rivalen 2019 auch weiterhin keine Chance? Zoom Download

Eine weitere schlechte Nachricht für die Konkurrenz: Mercedes ist bei der Entwicklung des W10 noch lange nicht am Ende angekommen. Teamchef Toto Wolff verrät, dass man für das Chassis noch einige "gute Ideen" habe. Schließlich seien erst fünf Rennen unter dem neuen Reglement gefahren. Mercedes hat das eigene Auto also noch gar nicht komplett verstanden.

Trotzdem ist man der Konkurrenz in den ersten Rennen teilweise um die Ohren gefahren. Zuletzt in Barcelona fehlten Ferrari-Pilot Sebastian Vettel im besten Nicht-Mercedes im Qualifying satte 0,866 Sekunden auf die Pole-Zeit von Bottas. Wenn Wolff dann sagt, dass es noch "mehr Potenzial" zu entdecken gibt, dann klingt das fast wie eine Drohung an die Gegner.

Zusätzliche Performance bei Chassis und Motor

"Bei der Leistung werden noch Schritte kommen", kündigt er außerdem im Hinblick auf den Motor an. Hier ist Mercedes als einziger Hersteller noch immer mit der ersten Ausbaustufe unterwegs. Ferrari und Red-Bull-Partner Honda haben bereits nachgerüstet - und kommen trotzdem nicht an die Silberpfeile heran. Wolff erklärt, dass die Schritte bei der Entwicklung des Motors zwar nicht mehr so "immens" wie in der Vergangenheit seien.


Fotostrecke: Fünf Doppelsiege in Serie - und was passierte dann?

"Aber trotzdem gibt es einige sehr gute Arbeit für den zweiten Motor", kündigt er an. Holt Mercedes auch hier noch einmal etwas heraus, besteht dann die Gefahr, dass Ferrari und Red Bull gar kein Land mehr sehen? Bei Mercedes betont man, dass man trotz der fünf Doppelsiege in Serie noch keinesfalls durch sei und den sechsten WM-Titel in Folge bereits im Sack habe.

Chefingenieur Andrew Shovlin erklärt beispielsweise dass den Silberpfeilen die Strecke in Barcelona "entgegengekommen" sei. "Deshalb erwarten wir, dass es bei den kommenden Rennen schwieriger sein wird", so Shovlin. Tatsächlich hörte man ähnliche Sätze in diesem Jahr bereits mehrfach aus dem Mercedes-Lager. Trotzdem ging die Siegesserie der Silberpfeile bislang immer weiter und weiter.

Auch auf "Angststrecke" Monaco Favorit?

Trotzdem warnt auch Wolff vor dem anstehenden Rennen in Monaco. "Das war ein Rennen, wo wir in den letzten Jahren nie gut waren", erinnert er im 'ORF'. Tatsächlich sind die Silberpfeile im Fürstentum seit 2016 sieglos. 2017 triumphierte Ferrari, 2018 Red Bull. 2019 sind die Voraussetzungen jedoch besser als in den Vorjahren, wenn man sich die Zeiten aus Barcelona genau anschaut.


Wie man besser nicht durch Monaco fährt

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Dort war Mercedes im dritten Sektor mit den langsamen Passagen die stärkste Kraft. Und dieser Sektor gilt im Hinblick auf Monaco durchaus als richtungsweisend. Zudem erklärt Wolff: "Ich glaube, wir haben das Auto besser verstanden [als in den Vorjahren]. Es wird schon große Freude machen, wenn wir dort auch gut sind." Und fragt man bei Ferrari und Red Bull nach, ist Mercedes sowieso auch in Monaco Favorit.

Doch wie konnte es überhaupt zu dieser Situation kommen? Schließlich ging Ferrari nach den Testfahrten in Barcelona im Winter noch als leichter Favorit in die neue Saison. Mittlerweile hat sich das Bild um 180 Grad gedreht. "Mercedes hat schlecht angefangen. Es spricht für sie, dass sie sich da wieder rausgearbeitet haben", erklärt TV-Experte Marc Surer gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Mercedes zweifelte an eigenem Konzept

"Es gab Diskussionen bei den Testfahrten, ob sie nicht das Auto auf die Aerodynamik ähnlich wie das Ferrari hat umbauen müssen. Die Diskussionen gab es, habe ich intern gehört. Dass man gesagt hat, wir haben vielleicht das falsche Konzept", verrät Surer und erklärt: "Aber sie haben weitergearbeitet und haben offensichtlich ihr Konzept zum Arbeiten gebracht, während Ferrari jetzt ansteht."


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"Im ersten Moment waren die auch nicht sicher, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Und man hatte das Gefühl, was Ferrari und Alfa gemacht haben, dass das der Weg ist, den man mit den neuen Regeln einschlagen muss", so Surer. Tatsächlich brauchte Mercedes bei den Tests im Winter lange, um das eigene Auto zu verstehen. Dabei ging es vor allem um den neuen Frontflügel der Saison 2019.

Ferrari auf der anderen Seite fand für den eigenen Ansatz relativ schnell ein gutes Set-up. Deshalb tat sich Ferrari bei den Testfahrten leichter. Doch jetzt, wo Mercedes das eigenen Auto ebenfalls besser verstanden hat, scheint das Konzept der Silberpfeile das bessere zu sein. Denn während Mercedes immer mehr Pace findet, scheint Ferrari mit seinem Konzept zu stagnieren.

Gewinnt Mercedes jetzt alle 21 Rennen?

"Es sind zwei unterschiedliche aerodynamische Konzepte, und vielleicht steckt etwas Wahrheit drin", grübelt Wolff und erklärt: "Aber in der Formel 1 gibt es nicht nur eine Frage und eine Antwort oder einen Königsweg, der eine gute oder schlechte Performance rechtfertigt. Ich denke, es geht darum, das Auto zu entwickeln und die Entwicklungskurve hoch zu halten", erklärt er.


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"Wir versuchen, an jedem Wochenende mehr Performance aus der Fabrik mitzubringen. Das betrifft die reale Hard- und Software, aber auch das Verständnis für das Auto und die Reifen", so Wolff. Er bestätigt, dass das eigene Konzept auf jeden Fall noch weitere Luft nach oben habe. "Darum haben wir uns auch für diesen Weg entschieden", erklärt er. Das eigene Frontflügelkonzept 2019 habe "langfristig mehr Potenzial".

Wenn Mercedes dieses entfesseln kann, können die Silberpfeile dann womöglich alle 21 Saisonrennen gewinnen? "Das bezweifle ich", grübelt Red-Bull-Teamchef Christian Horner und ergänzt: "Man sollte niemals nie sagen, aber das wäre schon eine unglaubliche Leistung." Besonders realistisch klingt es vielleicht nicht. Aber gleiches hätte man vor der Saison wohl auch über die Möglichkeit von fünf Doppelsiegen in den ersten fünf Rennen gesagt ...

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