• 04. September 2023 · 08:16 Uhr

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Frederic Vasseur

Warum Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur mit dem Auftreten seines Teams beim Formel-1-Rennen in Monza zufrieden sein darf und Ferrari zu den Gewinnern zählt

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leser,

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Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur in der Pressekonferenz beim Formel-1-Rennen in Monza 2023 Zoom Download

Ferrari hat den Italien-Grand-Prix 2023 in Monza nicht gewonnen, sondern wurde auf der Strecke von beiden Red-Bull-Fahrern geschlagen. Trotzdem zähle ich Ferrari mit Teamchef Frederic Vasseur zu den Siegern des Wochenendes, und ich will euch gerne erklären, warum.

Und vielleicht ist hier als Erstes zu nennen: Weil es keine Pannen gab. Das mag zynisch klingen, und natürlich schaut man bei Ferrari besonders genau hin, aber im Vergleich zu vielen anderen Vorstellungen von Ferrari in diesem Jahr (oder den Vorjahren) lief es in Monza richtig gut. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, beweisen so viele kleine Fehler in den meisten Rennen davor.

Ferrari hält dem speziellen Monza-Druck stand

Insofern ist es für Ferrari schon ein Erfolg, dem maximalen Druck vor heimischem Publikum in Monza standgehalten zu haben und nicht daran zerbrochen zu sein. Denn die Erwartungshaltung an Ferrari beim Heim-Grand-Prix ist immens, was das Team mit der Poleposition durch Carlos Sainz noch selbst zusätzlich angestachelt hat.

Und auch im Rennen hat sich Ferrari nichts vorzuwerfen: Der SF-23 machte eine sehr gute Figur, aber der Red Bull RB19 war halt noch besser. Das ist keine Schande in einem Jahr, in dem Red Bull mit Max Verstappen von Sieg zu Sieg eilt und als Team noch komplett ungeschlagen ist.

Im Gegenteil: Wenn selbst Verstappen nach dem Grand Prix sagt, er habe "dieses Mal [für den Sieg] arbeiten" müssen, dann ist das fast ein Ritterschlag für die Leistung, die Ferrari aufgeboten hat.

Was Ferrari alles für den Erfolg in Monza getan hat

Diese Leistung war sicherlich teuer erkauft: Ferrari hat für den Italien-Grand-Prix neue Antriebe in beiden Autos verbauen lassen und jeweils eine komplett frische Einheit bei Verbrennungsmotor, Turbolader, MGU-H, MGU-K und Auspuff eingesetzt. Damit war das Team technisch im Vorteil gegenüber Red Bull, das genau darauf verzichtet hat und ältere, nicht mehr optimale Antriebe verwendete.

Und Ferrari hat auch noch konsequenter auf wenig Abtrieb gesetzt als Red Bull, mit noch flacheren Flügeln für noch mehr Topspeed. Das hat funktioniert und den beiden SF-23 einen Überschuss gewährt, womit es Red Bull schwer hatte, die Ferrari zu überholen.

Am Ende aber forderte die hohe Gangart ihren Tribut in Form von nachlassenden Reifen, der Rest ist Geschichte: Mehr als P3 und P4 waren nicht drin für Ferrari.

Sainz und Leclerc: Beinahe hätte es noch gekracht ...

Aber auch da hätte noch allerhand schiefgehen können: Sainz und Charles Leclerc durften sich in den Schlussrunden des Rennens um den verbliebenen Podestplatz balgen und haben das auch ausführlich gemacht. Das war nicht ohne, hätte auch zu einem "Nuller" führen können. Doch Ferrari hat sie gewähren lassen, ist erst spät mit einem Funkspruch ("kein Risiko") eingeschritten.


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Auch damit hat Ferrari Punkte gesammelt, zumindest bei den Fans. Oder wie es Red-Bull-Sportchef Helmut Marko bei Sky formulierte: "Ein Ferrari-Fahrer in Monza muss sich mit allem verteidigen, was geht." Das hat Sainz im Duell mit Verstappen und Sergio Perez gemacht, später erneut gegen Teamkollege Leclerc. Und das hätte wahrscheinlich auch Enzo Ferrari erfreut.

Zu verantworten hatte all das Ferrari-Teamchef Vasseur. Er hat die Monza-Strategie ausgegeben und sein Team voll auf Sieg fahren lassen, die technischen Kapazitäten dafür freigegeben und seinen Fahrern freie Hand gelassen, obwohl sie ihn kurz vor Schluss wohl an dieser Entscheidung haben zweifeln lassen. Aber das Endergebnis gibt Ferrari und Teamchef Vasseur Recht.

Ferrari lässt die Formel-1-Fans träumen

Denn sind wir mal ehrlich: Ohne Ferrari wäre das Rennen eine ziemlich öde Nummer geworden. Red Bull und Verstappen wären von der Poleposition locker zum Sieg gefahren. Ein "walk in the park" eben, wie wir es auf anderen Strecken schon häufig gesehen haben in diesem Jahr. Aber eine Spazierfahrt war es dieses Mal nicht, zumindest nicht im ersten Stint. Das kann sich Ferrari ans Revers heften.

Und Ferrari hat gerade in Monza noch etwas geschafft, was sonst die wenigsten Teams von sich behaupten können: Dass gefühlt fast alle Formel-1-Fans, auch wenn sie eigentlich anderen die Daumen drücken, für einen Sonntagnachmittag Ferrari-Fans waren.

Denn Ferrari (und vor allem ein erfolgreiches Ferrari) tut der Formel 1 gut, und ein Ferrari-Sieg in Monza gegen die Übermacht von Red Bull wäre schlichtweg ein Wunder gewesen. Ein solches Wunder hätte man gerne erlebt, wie 1988 an gleicher Stelle, als McLaren ein einziges Rennen im Jahr nicht gewann, sondern Ferrari siegte, nur wenige Wochen nach dem Tod von Firmengründer Enzo Ferrari.

P3 für Ferrari in der Formel-1-WM

"Magic Monza" - dieses Mal hat es so ein Wunder nicht gegeben. Aber Ferrari hat seinen Teil dazu getan, um es zu ermöglichen, und es hat uns alle für einige Momente davon träumen lassen.

Ganz nebenbei hat Ferrari mit Sainz auf P3 und Leclerc auf P4 das beste Grand-Prix-Ergebnis in diesem Jahr sichergestellt und dank der 27 Punkte Aston Martin in der Konstrukteurswertung überholt. Auch das ist ein Erfolg, wenngleich Aston Martin mit "Einzelkämpfer" Fernando Alonso und dem schwachen Lance Stroll fast nur ein "Ein-Wagen-Team" ist, aber ein sehr gutes.

All das ist keine schlechte Bilanz für das aus Ferrari-Sicht wichtigste Rennwochenende des Jahres. Damit kann Teamchef Vasseur in einer Saison mit wenigen Höhen und vielen Tiefen ganz zufrieden sein. Deshalb bin ich davon überzeugt: Er hat in der Nacht zum Montag gut geschlafen, viel besser als nach den meisten anderen Formel-1-Rennen in diesem Jahr.

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Und wer nach dem Rennen in Monza gar nicht gut geschlafen hat? Das erfahrt ihr wie immer in der Schwesterkolumne von Chefredakteur Christian Nimmervoll.

Euer Stefan Ehlen

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