Norris nach Zandvoort-Ausfall: Muss jetzt alle Rennen gewinnen!
Nach dem Ausfall beim Formel-1-Rennen in Zandvoort steht Lando Norris mit dem Rücken zur Wand: Laut Red-Bull-Berater Helmut Marko ist die WM gelaufen
(Motorsport-Total.com) - Lando Norris reiste mit großen Hoffnungen zum Großen Preis der Niederlande. Nach einem extrem engen Qualifying, in dem er die Pole um nur 0,012 Sekunden an McLaren-Teamkollege Oscar Piastri verlor, schien zumindest Platz zwei sicher. Ein zweiter Rang hätte den Schaden im WM-Duell auf sieben Punkte begrenzt. Doch aus einem kleinen Rückschlag wurde ein Desaster: Sieben Runden vor Schluss musste Norris seinen MCL38 mit einem plötzlichen Defekt abstellen.
"Es war einfach nicht mein Wochenende", resümiert Norris, der alle Freien Trainings gewann. "Gestern Pech mit dem Wind, heute Pech mit dem Defekt. Es ist frustrierend, es tut weh, vor allem aus WM-Sicht, so viele Punkte so schnell und so leicht zu verlieren. Aber es lag nicht in meiner Kontrolle - der Motor ist einfach ausgegangen. Ich weiß nicht, was genau passiert ist, es war sofort vorbei."
Trotz des Frusts will Norris die positiven Aspekte hervorheben: "Die Pace war da, ich war schnell heute. Eigentlich konnte ich über weite Teile innerhalb von eineinhalb, zwei Sekunden bleiben - auf einer Strecke, wo das Überholen nahezu unmöglich ist. Das war von unserer Seite aus ein starkes Rennen. Oscar hat es verdient gewonnen, er war stark, und für mich bleibt: Mund abputzen und weitermachen."
McLaren zwischen Freude und Schmerz
Teamchef Andrea Stella spricht nach dem Rennen von einem "Tag der zwei Gesichter". Einerseits habe McLaren mit Piastri einen "verdienten Sieger" gefeiert, andererseits sei der Ausfall von Norris "ein Stich ins Herz". Stella: "Es war ein klares P1-P2 möglich. Lando war absolut in der Verlosung um den Sieg. Das zeigt, dass wir die Pace und das Paket haben. Aber Motorsport ist gnadenlos: Freude und Schmerz liegen eng beieinander."
Zur Ursache konnte Stella noch keine definitive Auskunft geben: "Wir haben erste Indizien, aber noch keinen Beweis. Es wäre unfair zu spekulieren, ob es ein Motor- oder Chassis-Problem war. Am Ende sind wir ein Team, Chassis und Antrieb gehören zusammen. Wir tragen die Verantwortung gemeinsam, analysieren es, reparieren es - und kommen zurück."
Dass Norris den Rückschlag verkraften kann, steht für Stella außer Frage: "Hundert Prozent. Wir werden das Beste von Lando sehen, gerade jetzt, wo er Punkte verloren hat. Er ist ein Kämpfer, er gibt niemals auf. Wir werden ihn unterstützen, und ich bin sicher, er wird zurückschlagen."
WM-Rückschlag und mentale Wende
Mit Piastris siebtem Sieg der Saison wächst der Abstand in der Fahrerwertung plötzlich auf 34 Punkte an. Bei noch neun ausstehenden Rennen bedeutet das, dass Norris im Schnitt vier Punkte pro Wochenende aufholen müsste - eine gewaltige Aufgabe. "Es ist hart, so viele Punkte so schnell zu verlieren", gibt er zu. "Aber vielleicht ist es auch ein Wendepunkt. Der Abstand ist jetzt so groß, dass ich einfach frei auffahren kann. Ich werde versuchen, jedes Rennen zu gewinnen. Das ist schwer, aber ich werde alles geben."
Norris blickt trotz allem optimistisch auf die kommenden Wochenenden: "Das Qualifying war extrem eng, ohne den Windstoß gestern wäre ich auf Pole gestanden. Dann hätte das Rennen ganz anders ausgesehen. Die Pace heute war sehr stark. Wir sind nah dran, und das gibt mir Mut."
Gleichzeitig zollt er seinem Teamkollegen Respekt: "Oscar ist ein starker Gegner. Er ist schnell in jeder Situation, in jedem Szenario. Das macht es nicht leichter, Punkte zurückzuholen. Aber so ist Racing - manchmal läuft alles gegen dich. Es ist frustrierend, ja, aber es ist nicht mein Fehler, und jetzt heißt es: weitermachen."
Helmut Marko: Fürchte, die WM ist gelaufen
Auch von außen wurde die Situation aufmerksam beobachtet. Red-Bull-Berater Helmut Marko sieht im ORF-Interview bereits eine Vorentscheidung gefallen: "Das hat ihn im falschen Moment getroffen. Das ist eine entscheidende Phase, und es wird schwer für ihn. Piastri hat das souverän kontrolliert, ich fürchte, das ist gelaufen für Norris."
Norris selbst will davon nichts wissen. "Es ist natürlich ein Rückschlag. Aber solange es rechnerisch möglich ist, werde ich kämpfen. Ich schaue nicht auf die Punkte, sondern auf die Chancen, die sich ergeben. Wir haben ein starkes Auto, ich habe Vertrauen ins Team - und ich will Rennen gewinnen."