• 25. September 2023 · 11:28 Uhr

"Fuck, Bullshit": So sauer war Lando Norris nach Perez' VSC-Blockade

Lando Norris hat in Suzuka unter VSC-Gelb fast sieben Sekunden auf Max Verstappen verloren und war nach dem Rennen dementsprechend verärgert

(Motorsport-Total.com) - Oscar Piastri hat schon unmittelbar nach seinem ersten Formel-1-Podium beim Grand Prix von Japan in Suzuka angedeutet, dass das Rennen in Suzuka eigentlich keine seiner besseren Leistungen war. Jetzt belegt die Analyse auch, wie er zu diesem selbstkritischen Urteil kommt. Nicht nur, dass er nach 53 Runden 17,1 Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen Lando Norris hatte, war das reine Performancedefizit wahrscheinlich sogar noch größer.

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Lando Norris wurde während der VSC-Phase von Sergio Perez aufgehalten Zoom Download

Der Australier hatte eigentlich einen guten Start erwischt, musste aber vor Kurve 1 gegen Max Verstappen zurückziehen und verlor so eine Position gegen Norris. Dann wurde in Runde 13 das virtuelle Safety-Car (VSC) aktiviert. Unmittelbar davor lag Piastri 4,9 Sekunden hinter Norris an dritter Stelle. In Runde 18 war er durch den "rabattierten" Boxenstopp plötzlich 4,6 Sekunden vor Norris.

Norris erlebte während der VSC-Phase nämlich sein ganz eigenes Drama. Der McLaren-Pilot lief unter Gelb auf den Red Bull von Sergio Perez auf, der da schon mittendrin in seinem Chaosrennen und gerade mit Kevin Magnussen kollidiert war. Perez funkte: "Das Auto fühlt sich nicht richtig an." Und zwar in einem Ausmaß, dass er kurz darauf aufgeben musste (zumindest zunächst).

Am Boxenfunk bei McLaren spielte sich daraufhin ein kleines Drama ab, als Norris am Ende der S-Kurven auf Perez auflief:

Der McLaren-Boxenfunk im Wortlaut

Norris: "Hat Perez ein Problem? Denn er fährt sehr, sehr langsam."


Renningenieur: "Er hatte mehrere Probleme und einen weiteren Stopp."


Norris: "Ja, aber ich muss wissen, ob ich ihn überholen darf. Ich bin fünf Sekunden drüber (über der Referenzzeit; Anm. d. Red.), und er hält mich auf. Er muss ein Problem haben."


Renningenieur: "Oder er macht es mit Absicht."


Norris: "Ja, aber er kann nicht so langsam fahren."


Renningenieur: "Lando, wenn das Safety-Car nicht endet, kommen wir Ende dieser Runde an die Box. Wenn es nicht endet, kommen wir diese Runde an die Box."


Norris: "Ja. Ich muss wissen, ob ich ihn überholen kann."


Renningenieur: "Ich weiß. Ich bin dran."

Perez und Norris fuhren jetzt Seite an Seite durch Spoon (eine Szene, die auch im TV gezeigt wurde), während McLaren mit der FIA kommunizierte, ob Perez überholt werden darf. Der Renningenieur wollte gerade dazu ansetzen, die Freigabe zum Überholen zu erteilen, da brach er mitten im Satz ab und stellte klar: "Virtuelles Safety-Car endet. Du kannst ihn überholen."

Teamchef Andrea Stella erinnert sich so an die Situation: "Lando begann zu fragen, und wir haben dann bei der Rennleitung nachgefragt. Wir bekamen das Okay, aber wir bekamen das Okay erst, als wir schon einiges an Zeit verloren hatten. Das war schade."

Als Norris dann endlich an Perez vorbei war, machte er seinem Ärger noch vor dem Anbremsen der Schikane Luft: "Fuck, Bullshit!" Und sein Renningenieur bestärkte ihn: "Ich stimme zu, Kumpel. Es ist Bullshit."

In der 18. Runde, als das VSC zu Ende war und die Führenden auch allesamt ihre Boxenstopps absolviert hatten, hatte Norris nicht nur auf Piastri 9,5 Sekunden verloren, sondern auch sein Rückstand auf Verstappen war von 5,2 auf 11,9 Sekunden angewachsen.

Warum Norris nicht einfach überholt hat

"Du kannst unter VSC halt nicht überholen, außer es ist offensichtlich, dass der andere ein Problem hat", ärgert sich Norris. "Ich wusste nicht, was los war, ob er ein Problem hatte oder ob er mich einfach nur aufhielt. Da konnte ich das Risiko, ihn zu überholen, nicht eingehen."

"Er fuhr so langsam, und als dann das Signal auf dem Display zu leuchten begann, dass das VSC endet, schaltete er in den ersten Gang runter. Da war ich außen neben ihm, weil er so langsam war, und dann wäre er mir noch fast reingefahren. Ich habe keine Ahnung, was da los war."

"Ich schrie in meinen Helm und fluchte ziemlich", spielt er auf seinen "Bullshit"-Boxenfunk an. "Ich war so verwirrt und wusste nicht, was ich tun soll. Ich habe Zeit auf Max verloren. Die Ferraris waren danach 1,4 Sekunden hinter mir, und davor hatte ich zwölf Sekunden Vorsprung. Die ganze Aktion hat mich also zehn Sekunden gekostet."

Das stimmt nicht ganz. Die Auswertung der Zeitnahmeinformationen belegt: Norris hatte vor der VSC-Phase exakt 6,4 Sekunden Vorsprung auf Charles Leclerc im besser klassierten Ferrari und nach VSC-Phase und seinem ersten Boxenstopp nur noch 1,3.

Norris: Hätte am Ergebnis eh nichts geändert

Vom Ergebnis her, räumt er ein, habe das "nicht die Welt geändert. Aber es hat mir ein bisschen mehr Stress beschert. Ich wäre wahrscheinlich auch nicht weiter vorn ins Ziel gekommen, aber zumindest hätte ich Max ein bisschen mehr unter Druck setzen können. Frustrierend. Vielleicht muss ich beim nächsten Mal gleich fragen, was erlaubt ist und was nicht."

Dass er am Ende trotzdem nur 19,4 Sekunden Rückstand auf Verstappen hatte, wertet Norris als Teilerfolg: "Ich hätte damit gerechnet, dass er uns in Suzuka zwei-, dreimal überrundet", lacht er. "Das hat er aber nicht. Im Ernst: Ich dachte, der Rückstand würde größer sein. Das Team auch. Und es hätte ohne diese VSC-Sache viel knapper sein können."

"Ich weiß natürlich nicht, wie sehr Max gepusht hat. Ich bin sicher, er hätte ein bisschen schneller fahren können, wenn er das gewollt hätte. Aber ohne gratis Boxenstopp nur 19 Sekunden hinten zu sein, ist nett. Das ist ein Anzeichen für unsere Fortschritte. Suzuka ist eine Strecke, die unserem Auto gut liegt", analysiert der McLaren-Fahrer.

Dadurch, dass Piastri in Runde 13 und Norris in Runde 17 zum ersten Boxenstopp kam, hatte Norris im zweiten Stint zunächst die um vier Runden frischeren Reifen (und nicht um sechs Runden, wie am Boxenfunk falsch informiert wurde). Eine Runde macht eine Zehntelsekunde Unterschied, rechnet Stella vor. Daher habe man auch die Teamorder ausgegeben, Piastri möge Norris vorbeilassen.

"Die Tatsache, dass er später beim Stopp war, war für seine relative Pace ein Vorteil. Aber Lando war auch absolut gesehen einfach schnell. Oscar haben ein, zwei Zehntelsekunden an Pace auf Lando gefehlt. Und da spekuliere ich, denn wir haben das noch nicht genau ausgerechnet", sagt Stella. Die Realität ist, dass der teaminterne Geschwindigkeitsunterschied sogar noch größer war.

Wie McLaren mit der Teamorder umgegangen ist

Die Teamorder zu befehlen, sei daher heute viel leichter gewesen als bei den strittigen Situationen in Budapest oder Monza: "Vor allem Monza war belastend. Weil wir dort Stress zwischen unseren Fahrern zugelassen haben, der vermeidbar gewesen wäre", gibt Stella zu. "Aber heute kam Lando so schnell näher, dass das Überholmanöver auch von selbst gekommen wäre."

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"Dann haben wir die Fahrer gebeten, die Plätze zu tauschen, damit wir nicht für beide Rennzeit verlieren", erklärt Stella. Was er dabei verschweigt: Piastri musste am Boxenfunk mehrmals daran erinnert werden, dass Norris aktuell deutlich schneller ist. Erst nach mehreren Kommandos machte er schließlich Platz.

Stella findet, dass es nicht notwendig war, die Teamorder früher klar auszusprechen: "Wenn das Überholmanöver auch natürlich passiert, gibt es keinen Grund, die Fahrer zu instruieren. Wir wollten sehen, ob er von selbst vorbeikommt. Und dazwischen lag nur eine Runde. Ich denke, wir sind damit so fair umgegangen wie möglich."

Eine Einstoppstrategie wie bei George Russell war bei Norris übrigens nie ein Thema: "Wir wussten, dass diese Strategie deutlich langsamer ist. Und wir haben früh gesehen, dass man wegen des Reifenabbaus relativ leicht überholen kann. Eine Runde mehr am Reifen kostet eine Zehntelsekunde. Russells Reifen war zehn Runden älter. Das macht dann eine Sekunde aus", erläutert Stella.

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