• 17. September 2023 · 11:54 Uhr

WhatsApp statt E-Mail: Also doch keine AlphaTauri-Verschwörung!

Ein kurioser Grund hat dazu geführt, dass AlphaTauris Sportdirektor nach dem Qualifying in Singapur nicht zur Anhörung vor den FIA-Kommissaren erschienen ist

(Motorsport-Total.com) - Ein ungewöhnliches Vorgehen der FIA-Rennkommissare hat am Samstagabend nach dem Qualifying zum Grand Prix von Singapur Verschwörungstheorien unter Formel-1-Fans ausgelöst. Um Max Verstappen zu schützen, so wurde mancherorts spekuliert, habe Red Bull die Interessen von Yuki Tsunoda und AlphaTauri hintenangestellt.

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Yuki Tsunoda wurde im Qualifying in Singapur von Max Verstappen aufgehalten Zoom Download

Was war passiert? Während Q2 wurde Tsunoda von Verstappen aufgehalten. Das nahm der Red-Bull-Star auch ohne Umschweife auf seine Kappe: "Ja, das war nicht gut. Ich habe ihn nicht gesehen, weil ich gerade damit beschäftigt war, ans Team zu funken, was meine Probleme sind. Und dann haben sie mich erst drauf aufmerksam gemacht, als er schon hinter mir war."

Die Kommissare sahen die Schuld für die Behinderung von Tsunoda bei Verstappen und sprachen eine Verwarnung aus. Außerdem wurde das Red-Bull-Team mit 5.000 Euro Geldstrafe belegt, wegen schlechter Kommunikation am Boxenfunk. Und es hieß in der Urteilsbegründung: "Es wurde festgestellt, dass der Vertreter von Auto 22 nicht an der Anhörung teilgenommen hat."

Das versetzte viele Formel-1-Fans in Alarmbereitschaft: Hatte AlphaTauri die Einladung zur Anhörung absichtlich nicht wahrgenommen, weil man nicht in Verlegenheit geraten wollte, ausgerechnet Verstappen beschuldigen zu müssen? Zumal Tsunoda am Boxenfunk noch über Verstappen geschimpft hatte: "Was zur Hölle macht der da, ehrlich?" Und wäre das unsportlich?

Wie es sich wirklich zugetragen hat

Die Wahrheit ist: Dass AlphaTauris Sportdirektor Marco Perrone nicht bei der Anhörung war, war offenbar auf ein Missverständnis zurückzuführen. Denn normalerweise erhalten die Teams zu jeder offiziellen Anhörung eine offizielle Einladung. Diese wurde bisher immer als E-Mail verschickt, in Form eines offiziellen FIA-Dokuments.

Wenn eine Untersuchung zwei Teams betrifft, werden normalerweise zwei Einladungen zur Anhörung gleichzeitig verschickt. Im Fall Verstappen-Tsunoda scheint es sich jedoch so zugetragen zu haben, dass ein anderer Zwischenfall, nämlich die angebliche Behinderung von Lance Stroll durch Logan Sargeant, für ein Missverständnis gesorgt hat.

Denn Stroll verunfallte am Ende von Q1 und musste danach ins Medical Center. Also schickten ihm die Kommissare keine förmliche Einladung - möglicherweise, weil man das Gefühl hatte, den Fall auch ohne seine Aussage einordnen zu können. Stattdessen wurde eine informelle WhatsApp-Nachricht an Aston-Martin-Sportdirektor Andy Stevenson geschickt.

Stevenson war zum Zeitpunkt der Anhörung allerdings bei Stroll im Medical Center und erschien daher erst ein paar Minuten nach Ende des Termins vor den Kommissaren. Das wurde in der entsprechenden Urteilsbegründung auch so festgehalten.

Und weil man schon Stevenson eine WhatsApp geschickt hatte, was nicht dem üblichen Vorgehen entspricht, scheint man auch AlphaTauri nur per WhatsApp und nicht auf offiziellem Weg per E-Mail zur Anhörung eingeladen zu haben. Also tauchte Perrone dort gar nicht erst auf.

AlphaTauri hätte Red Bull nicht belastet

Klar ist aber auch: Selbst wenn AlphaTauri bei der Anhörung präsent gewesen wäre, hätte man Verstappen angesichts der engen Verbindungen zwischen den beiden Teams mutmaßlich nicht belastet. Und es gab seitens AlphaTauri auch keine Beschwerde über Verstappen, die eingereicht wurde. Das bestätigt Teamchef Franz Tost auf Anfrage.


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Auf das Urteil hatte das letztendlich ohnehin keine Auswirkungen. Die Zeugenaussagen sind für die Teams eine Möglichkeit, ihren Standpunkt darzulegen. Verzichtet jemand auf sein Recht, sich zu verteidigen oder das Gegenüber zu belasten, liegt es an den Kommissaren, auf Basis aller vorhandenen Beweismittel (TV-Aufnahmen, Telemetriedaten etc.) ein Urteil zu sprechen.

Tsunoda: Selbst schuld am Q2-Aus

Übrigens: Tsunodas Aufregung über Verstappen hatte sich nach dem Qualifying schon wieder etwas gelegt. "War ein Missverständnis", winkte er bei seinen TV-Interviews ab. "Ich schätze, sie haben ihm nicht gesagt, dass ich daherkam. Ist schon okay, Shit happens. Dass ich im Q3 nicht dabei war, war letztendlich mein Fehler."

Denn Tsunoda begann danach noch eine Runde und war im ersten und zweiten Sektor locker auf Kurs, es in die Top 10 zu schaffen. "Dann fuhr ich in Kurve 14 geradeaus", räumt er ein. "Ich habe mich verbremst. War eindeutig mein Fehler. Unglaublich frustrierend, denn das Auto war heute richtig gut." In Q1 hatte der Japaner sogar Bestzeit erzielt.

So war Liam Lawson der einzige AlphaTauri-Fahrer in Q3. Er sicherte sich den zehnten Startplatz - und steht damit in der Startaufstellung ausgerechnet vor Verstappen (11.). "Von allen Fahrern ist er derjenige, neben dem man nicht unbedingt losfahren möchte", grinst Lawson. "Die werden schnell an uns vorbei sein. Wir konzentrieren uns auf unser eigenes Rennen."

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