• 22. September 2023 · 03:43 Uhr

LKYSUNZ bietet freiwillig 600 statt 200 Millionen für Formel-1-Startplatz

Das wird die bestehenden Teams sicher freuen: Das asiatische Projekt LKYSUNZ bietet freiwillig an, eine höhere Antiverwässerungsgebühr zu bezahlen

(Motorsport-Total.com) - Vier Teams haben sich bei der FIA für einen Einstieg in die Formel 1 beworben, doch seitens des Verbands gibt's weiterhin keine offizielle Aussage dazu, welche Bewerbungen denn nun angenommen werden und welche nicht. Nun hat eins der Projekte von sich aus ein neues Angebot auf den Tisch gelegt, um seine Chancen zu erhöhen.

FIA

Die FIA entscheidet darüber, ob neue Teams angenommen werden oder nicht Zoom Download

Das asiatische Team LKYSUNZ (gesprochen: "Lucky Suns", also im Deutschen "glückliche Sonnen"), geleitet von Benjamin Durand, bietet jetzt an, statt der offiziell geforderten Antiverwässerungsgebühr von 200 Millionen US-Dollar, die Neueinsteiger in die Formel 1 bezahlen müssen, freiwillig sogar 600 Millionen Dollar zu bezahlen.

Bei der Antiverwässerungsgebühr ("Anti-Dilution-Fee") handelt es sich um eine Kompensationszahlung an die bestehenden zehn Teams, deren Beteiligung an den Einnahmen aus der Rechtevermarktung der Formel 1 klarerweise kleiner wird, wenn der Kuchen in elf oder zwölf statt wie bisher in zehn Stücke aufgeteilt werden muss.

Während die FIA der Aufnahme neuer Teams aufgeschlossen gegenübersteht, hatten sich die Formel 1 (Rechteinhaber Liberty Media) und die bestehenden Teams zuletzt überwiegend skeptisch gezeigt. Zumal die Antiverwässerungsgebühr in ihrer derzeit bestehenden Form bedeutet, dass jedes Team pro Neueinsteiger gerade mal 20 Millionen Dollar erhalten würde. Einmalig.

Warum 200 Millionen viel zu wenig sind

Das ist nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Rechteinhaber Liberty Media hat 2022 1,157 Milliarden Dollar an die zehn Teams ausgeschüttet, also im Durchschnitt 115,7 Millionen pro Team. Und das, was 2022 ausbezahlt wurde, war die Umsatzbeteiligung für das Jahr 2021, als die Formel 1 noch an den Folgen der Pandemie zu leiden hatte.

Sprich: Die Umsätze werden in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich deutlich steigen. Geht man von einer jährlichen Steigerung von durchschnittlich acht Prozent aus, dann würde jedes der zehn Teams im Zehnjahreszeitraum bis Ende 2031 1,676 Milliarden Dollar aus dem FOM-Topf erhalten.

Teilt man die Gesamtsumme aber durch elf statt durch zehn Teams auf, kostet das jedes Team hochgerechnet mehr als 150 Millionen Dollar auf zehn Jahre. Bei zwölf Teams ergibt sich sogar ein hochgerechneter Einnahmenentgang von 280 Millionen Dollar. 20 Millionen Dollar würden davon gerade einmal sieben Prozent kompensieren.

Eine Problematik, die man bei LKYSUNZ offenbar verstanden hat: "Wir haben die Kommentare der Teams gehört und erkennen von ganzem Herzen die Anstrengungen, das Engagement und die Investitionen an, die sie zusammen mit der Formel-1-Gruppe und der FIA in den Sport gesteckt haben, um ihn auf sein heutiges Niveau zu bringen", sagt Durand.

Neuer Investor aus Florida eingestiegen

Hintergrund ist ein neuer Investor, der bei LKYSUNZ eingestiegen ist und das freiwillige Angebot einer höheren Antiverwässerungsgebühr möglich macht. Es handelt sich dabei um die Sportinvestmentgruppe Legends Advocates aus Florida, die laut Auskunft von LKYSUNZ bereit ist, bis zu eine Milliarde Dollar zu investieren, sollte das Projekt in die Formel 1 aufgenommen werden.

Legends Advocates ist in Formel-1-Kreisen ein unbeschriebenes Blatt. Das Unternehmen beschäftigt sich nicht nur mit Sportinvestments, sondern generell mit Vermögensvermehrung. Auf der Website von Legends Advocates findet man zum Beispiel auch Informationen zu Immobilieninvestments am Comersee oder zu erneuerbarer Energie in der Dominikanischen Republik.

Das Milliardeninvestment in LKYSUNZ soll für die Fahrzeugentwicklung und den Aufbau einer Infrastruktur verwendet werden, damit das in Asien ansässige Team von seiner ersten Saison an wettbewerbsfähig ist. LKYSUNZ bekennt sich außerdem dazu, Breiten- und Jugendprogramme durchzuführen, um den Sport bei jüngeren und vielfältigeren Bevölkerungsgruppen zu fördern.

Die LKYSUNZ-Akademie und die STEM-basierten Bildungsstrukturen haben bereits die Unterstützung von Regierungen, Automobilclubs und Institutionen in Malaysia, Indonesien, Thailand, Nigeria und Kenia erhalten. Was übrigens kein Zufall ist: Die FIA hat durchblicken lassen, dass Projekte, die einen besonderen Mehrwert bieten, bessere Chancen auf Aufnahme in die Formel 1 haben.

Durand: LKYSUNZ soll nicht hinterherfahren

Sollte LKYSUNZ angenommen werden, rechnet das Team damit, den hohen Anforderungen der Formel 1 gerecht zu werden: "Unser Ziel war es immer, sicherzustellen, dass der Sport wettbewerbsfähig bleibt", sagt Durand, "und gleichzeitig eine echte Vielfalt in das Fahrerlager zu bringen, die für das langfristige Wachstum aller in der Formel 1 entscheidend ist."

"Wir wissen, dass die kommerzielle Möglichkeit, den Sport nach Asien und Afrika zu expandieren, zu 100 Prozent die richtige Entscheidung ist, dass sie realisierbar ist und vor allem, dass sie dem entspricht, was zukünftige und aktuelle Motorsportfans auf der ganzen Welt fordern. Das beträchtliche finanzielle Engagement unserer Partner ist eine Bestätigung, und wir sind zuversichtlich, dass unser Einstieg das Interesse an diesem Sport auf ein neues Niveau heben kann."


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Das Ausschreibungsverfahren der FIA für einen Einstieg möglicherweise schon ab 2025 wurde im Februar begonnen. Eine Deadline wurde offiziell nie kommuniziert. Inoffiziell hieß es zunächst, dass Bewerbungen bis 30. April möglich seien. Eine Frist, die dann bis 15. Mai verlängert wurde. Auch LKYSUNZ hat seine Bewerbung eigenen Angaben nach erst im Mai eingereicht.

Bis 30. Juni, so wurde das im Paddock gemunkelt, hätte dann die Entscheidung darüber fallen sollen, welche Bewerbungen angenommen werden. Offizielle Nachrichten gibt's aber bis heute nicht. Laut Informationen von Motorsport-Total.com sind noch vier Bewerber im Rennen: neben LKYSUNZ auch Andretti (mit Partner Cadillac), Hitech und Rodin Carlin.

McLaren wünscht sich 700 Millionen

Dass LKYSUNZ jetzt anbietet, die Antiverwässerungsgebühr freiwillig zu erhöhen, wird dem Projekt Sympathien bei den bestehenden Teams einbringen. McLaren-CEO Zak Brown hatte zuletzt in einem Interview mit Motorsport-Total.com erklärt, die richtige Höhe der Gebühr sei "definitiv nicht 200 Millionen". Seiner Meinung nach wären 700 Millionen schon eher angemessen.

Denn: Ein Formel-1-Einstieg via FIA-Prozess kommt für die neuen Teams zum Schnäppchenpreis. Wer 200 Millionen Dollar auf den Tisch legt und die nötigen Voraussetzungen erfüllt, hat die Chancen, angenommen zu werden und am Formel-1-Business zu partizipieren. Wäre ein neues Projekt gezwungen, ein bestehendes Team zu kaufen, wäre das bei den aktuellen Bewertungen viel teurer.

Die Zeiten, als ein Formel-1-Team für einen symbolischen Dollar zu haben war, weil damit ohnehin kein Gewinn erwirtschaftet werden konnte, sind seit Einführung der Budgetobergrenze vorbei. Von einschlägigen Branchenmedien wird geschätzt, dass Topteams wie Ferrari aktuell mehr als drei Milliarden Dollar wert sind.

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