• 02. Mai 2022 · 13:32 Uhr

Herbert Diess: Porsche "relativ konkret", Audi "noch nicht"

Porsche sei schon sehr weit in seinen Vorbereitungen auf den Formel-1-Einstieg 2026, Audi hingegen noch nicht, verrät VW-Konzernchef Herbert Diess

(Motorsport-Total.com) - Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess hat sich am Montagmorgen beim sogenannten "Dialog mit Diess" den Fragen der Wolfsburgerinnen und Wolfsburger gestellt und dabei erstmals öffentlich über die Formel 1 gesprochen, seit der Konzern seinen beiden Marken Porsche und Audi grünes Licht für den Einstieg zur Saison 2026 gegeben hat.

Herbert Diess, CEO von Volkswagen

Herbert Diess ist überzeugt, dass Volkswagen mit der Formel 1 Geld verdienen wird Zoom Download

Diess bestätigt bei dem Talk, was in Branchenkreisen längst kein Geheimnis mehr ist, nämlich dass die Pläne von Porsche schon "relativ konkret" sind, bei Audi hingegen "noch nicht so sehr". Porsche plant bekanntlich die Übernahme von 50 Prozent der Teamanteile von Red Bull Racing, während Audi noch auf der Suche nach einem Partner ist.

Die Gespräche zwischen Audi und McLaren sind zwar noch nicht endgültig durch, mit der Situation vertraute Personen sprechen jedoch davon, dass eine Einigung inzwischen als unwahrscheinlich gilt. Zu weit liegen die Vorstellungen von Audi und McLaren, was die zukünftige Ausrichtung des Projekts betrifft, auseinander.

Da es als herausfordernd gilt, im bürokratisierten Deutschland ein komplettes Formel-1-Werksteam zu betreiben, läuft die Suche nach einem Partner weiter. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' finden weiterhin Gespräche mit Aston Martin statt. Andere Medien berichten, dass eine Einigung mit Sauber als wahrscheinlicher gilt. Und auch Williams soll im Spiel sein.

Mehr und nicht weniger Einnahmen durch die Formel 1

Klar ist: Porsche und Audi wollen in der Formel 1 kein Geld verbrennen, was in der Vergangenheit stets ein Argument gegen einen Einstieg des VW-Konzerns war. Heute sei genau das Gegenteil der Fall: Beide Marken, verrät Diess, "haben positive Businesscases vorgelegt. Mit Formel 1 kriegen wir mehr Geld aus Stuttgart und Ingolstadt als ohne Formel 1."

Vorstand und Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns haben das Thema "kontrovers diskutiert", ehe am 7. April weißer Rauch aus den Kaminen in Wolfsburg kam. "Wir haben die Zusage bekommen, dass wir mit Formel 1 mehr Geld nach Wolfsburg bekommen als ohne Formel 1", stellt Diess klar. "Es geht nicht darum, dass sich da Leute verwirklichen und dass einer Formel 1 fahren will."

Markus Duesmann, dem CEO von Audi, wird in Branchenkreisen nachgesagt, noch eine persönliche Rechnung mit der Formel 1 offen zu haben, weil er weder mit Mercedes noch mit BMW eine Weltmeisterschaft gewonnen hat. Doch Diess stellt klar, dass keine persönliche Agenda die Entscheidung beeinflusst hat.

"Sondern es gibt zwei Fälle. Einer heißt Porsche. Der Porsche überweist uns vier Milliarden im Jahr nach Wolfsburg. Das soll er auch in Zukunft machen. Dafür braucht die Marke Strahlkraft. Jeder muss so einen Porsche wollen. Dazu kommt: Porsche ist die sportlichste Automarke der Welt. Porsche muss Motorsport machen."

"Und man kommt zu dem Schluss: Wenn Porsche Motorsport macht, ist es das Effizienteste, Formel 1 zu fahren. Daran musst du fast einen Haken machen. Und wenn Porsche sagt, sie überweisen demnächst nicht vier, sondern viereinhalb Milliarden, dann muss man sagen: 'Okay, das muss man akzeptieren.'"

Diess: Audi ist eine "schwächere Marke" als Porsche

Audi hingegen sei "eine viel schwächere Marke als Porsche", sagt Diess und erklärt: "Die kann nicht so ein hohes Preispremium verlangen." Daher habe Audi "eigentlich den besseren Case, Formel 1 zu fahren, weil der für die Marke ein sehr viel höheres Potenzial hat." Audi müsse sich zwar gegen Daimler durchsetzen, aber das könne die Marke "mit der Mannschaft" schaffen.


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Audi wolle die Preise für den PKW-Verkauf steigern, verrät Diess, und in die höheren Segmente eintreten. Das bedeutet konkret: "Raus aus A2, A3, das geben die auf. Sie gehen in die höheren Segmente, in den Wettbewerb mit Daimler, und dann kommt eben auch bei Audi ein Case, wo sie sagen, das hat Sinn."

"Audi überweist auch vier, fünf Milliarden im Jahr nach Wolfsburg, und auch der wird mit Formel 1 mehr überweisen als ohne. Und dann gehen Ihnen einfach die Argumente aus. Man kann sagen: 'Ich glaube aber nicht an die Formel 1!' Aber da gibt's gute Argumente, die sagen: Die Formel 1 wird wachsen, auch in der zukünftigen Zeit."

Klar ist, dass das Formel-1-Projekt auf Porsche und Audi beschränkt bleibt: "VW wird sich da nicht beteiligen", stellt Diess klar. Das passe nicht zur Markenausrichtung - zumal Volkswagen als Marke bereits 2019 aus allen Motorsportaktivitäten, die noch mit einem Verbrennungsmotor betrieben werden, ausgestiegen ist.

Netflix ein Schlüssel zum VW-Einstieg

Neben der Perspektive, dank Budgetdeckelungen mit der Formel 1 Geld zu verdienen, reizen den Volkswagen-Konzern auch die neuen Märkte, die gerade erfolgreich erschlossen werden: "Die Formel 1 entwickelt sich weltweit extrem positiv. Netflix hat dazu geführt, dass die Anhängerschaft auch in den USA deutlich wächst. Asien wächst, auch junge Kundengruppen."

Wenn man sich umschaue, sei es so, "dass im Motorsport eigentlich nur die Formel 1 zählt", stellt Diess fest. "Wenn Sie Motorsport machen, sollten Sie Formel 1 fahren. Dort ist die Wirkung am größten." Das hat man gelernt, als der Gaststart von Andre Lotterer im Caterham in Spa 2014 viel stärker wahrgenommen wurde als das teure Engagement bei den 24 Stunden von Le Mans.


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"Dazu kommt, dass man in die Formel 1 nicht einsteigen kann, wenn sich nicht ein Technikfenster öffnet. Das heißt, man braucht eigentlich eine Regeländerung", weiß Diess. Sonst könne man den Rückstand auf die etablierten Hersteller nicht aufholen: "Da brauchen Sie fünf oder zehn Jahre, um vorn mitzufahren. Einsteigen können Sie nur, wenn Sie eine größere Regeländerung haben."

Und die kommt 2026, "wo man nochmal die Antriebe deutlich stärker elektrifizieren will, auch mit synthetischen Kraftstoffen dann. Das heißt, man braucht eine Motorenneuentwicklung. Und um eine Motorenneuentwicklung zu machen, braucht man drei, vier Jahre Zeit. Das heißt, man kann jetzt entscheiden, Formel 1 zu fahren - oder dann wahrscheinlich zehn Jahre wieder nicht mehr."

Konzern hat andere Prioritäten als Motorsport

Diess gibt zu, dass es auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene eine Diskussion über die Formel 1 gegeben hat, "die nicht einheitlich war", weil "wir mit Sicherheit strategisch andere Prioritäten haben. Das ist nicht unbedingt Motorsport. [...] Wir haben genug zu tun und müssten eigentlich nicht Formel 1 machen."

"Aber unsere Premiummarken sagen: 'Das ist der wichtigste Hebel, um den Markenwert zu steigern und um für die Autos bei der Preisgestaltung ein bisschen mehr nehmen zu können.' Und um auch im Wettbewerb zu demonstrieren, dass man überlegene Technik hat, im Fall von Audi. Daher haben wir das im Vorstand und im Aufsichtsrat einheitlich positiv beschieden."

Inzwischen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: "Beide haben begonnen, Motoren zu entwickeln", verrät Diess - und bestätigt damit auch, was unsere Leser schon länger wissen, nämlich dass beide Marken ihren eigenen Antrieb bauen werden und man den Plan, ein gemeinsames Konzept für beide Marken zu nutzen, wieder verworfen hat.

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