• 13. Oktober 2021 · 11:33 Uhr

Lando Norris: "Bereits als ich Kart fuhr, hatte ich einen Psychologen"

McLaren-Pilot Lando Norris adressiert das Thema psychische Gesundheit, spricht über die Rolle der sozialen Medien und verrät, wie er aus einem mentalen Loch fand

(Motorsport-Total.com) - Erst kürzlich sprach Lando Norris im britischen Fernsehen offen über depressive Phasen, die er vor allem während seiner ersten Formel-1-Saison durchlebte. Am jüngsten Rennwochenende in Istanbul darauf angesprochen, betont der junge Brite, wie wichtig es ist, Probleme der mentalen Gesundheit ins Bewusstsein zu rücken.

Lando Norris

Lando Norris holte sich bereits zu Beginn seiner Karriere professionelle Hilfe Zoom Download

"Je mehr Leute offen damit umgehen, desto mehr Selbstvertrauen hat jeder Mensch... nicht nur gegenüber den Medien, sondern auch, um sich mehr Hilfe zu holen", sagt der McLaren-Pilot. "Mir hat es sehr geholfen. Und ich weiß, dass ich auch anderen Menschen helfen kann. Ich sage das nicht nur, weil ich es euch sagen will. Ich sage es, weil ich weiß, dass andere Leute damit zu kämpfen haben."

Andere große Sportler, wie etwa Naomi Osaka oder Simone Biles, die zuletzt mit ihren mentalen Problemen an die Öffentlichkeit gingen, wollten damit nicht etwa Mitleid erhaschen. "Sie sagen es, weil sie wissen, dass sie auch jüngeren Menschen oder generell Menschen in der Welt helfen können, sich besser zu fühlen."

Umgang mit mentalen Problemen wird offener

Dabei fällt auf, dass das Thema vor allem durch eine junge Generation von Spitzensportlern in den Fokus gerückt wird. "Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die Menschen, die jetzt aufwachsen, offener sind und es einfach sagen", grübelt Norris.

"Ich bin mir sicher, dass es in der Vergangenheit viele Fahrer oder Sportler gab, die genauso gefühlt haben, aber nie etwas gesagt haben. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir heutzutage offener oder eher bereit sind zu sagen, was wir fühlen... Aber es sind immer noch nicht alle. Es ist nicht so, dass jeder junge Fahrer sagt, was er fühlt."

Ein großer Faktor seien auch die sozialen Medien, die Norris als Teil des Problems ansieht: "Vor zehn bis 20 Jahren gab es so etwas noch nicht. Ich glaube, das verändert auch die Art und Weise, wie die Leute aufwachsen. Sie sind immer auf Twitter, auf Instagram, auf Facebook. Das ist auch der Grund, warum vieles davon anfängt, nicht unbedingt nur wegen der Situation, in der man im Sport ist."

Norris schwärmt über sein Umfeld bei McLaren

Norris selbst habe sich bereits früh in seiner Karriere professionelle Hilfe geholt, wie er verrät. "Bereits als ich Kart fuhr, hatte ich einen Psychologen, der mir bei vielen verschiedenen Dingen half. Damals wusste ich nicht, wie ich denken oder Dinge korrigieren sollte, während ich jetzt selbst eine bessere Vorstellung davon habe."

"Und ich habe jetzt ein sehr gutes Team um mich herum, mit dem ich über alles reden kann, die Leute bei McLaren, meine Ingenieure, meinen Trainer, meinen Manager, meine Familie. Ich fühle mich sehr wohl mit allem, was ich habe - mit Team Lando."


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Deshalb sei er mittlerweile auch "viel besser drauf als noch vor zwei Jahren", sagt der 21-Jährige. "Und dadurch genieße ich auch alles viel mehr, einfach das Leben. Man macht sich nicht ständig Sorgen, denkt nach und gerät in Panik und so weiter. Man fühlt sich einfach so viel besser", schwärmt der McLaren-Pilot.

"Nicht nur ein Privileg, sondern auch harte Arbeit"

Das helfe ihm auch, mit der Berühmtheit klarzukommen, die mit dem Leben als Formel-1-Fahrer nunmal einhergeht. Natürlich werde er in der Öffentlichkeit jetzt häufiger erkennt. "Manchmal ist das ganz okay", sagt Norris, etwa wenn man einem Fan mit einem Autogramm oder einem Foto den Tag versüßen kann.

"Wenn es natürlich ein paar mehr sind und man versucht, ein nettes Abendessen oder einen schönen Tag mit Freunden oder der Familie oder wem auch immer zu verbringen, dann wird es manchmal ein bisschen ärgerlicher oder frustrierender. Aber ja, so ist das nun mal. Man lernt langsam, damit umzugehen. Wenn man das nicht tut, setzt man einfach einen Hut auf oder zieht die Kapuze über", so der Brite.

Dafür entschädigt die Tatsache, dass Norris seinen Kindheitstraum leben kann. Er weiß: "Nicht jeder auf der Welt hat die Möglichkeit, Rennen zu fahren. Es gibt Menschen in vielen verschiedenen Ländern, die nicht in der Nähe einer Rennstrecke wohnen oder nie die Möglichkeit haben, ein Auto oder ein Go-Kart oder so etwas zu fahren."

"Ich habe Glück, dass ich in dieser Position bin. Und ich denke, das hat jeder. Jeder hier in der Formel 1 hat Glück. Man ist privilegiert, weil man Rennen fahren darf. Aber wenn man zu den Besten gehören will, ist das nicht nur ein Privileg, sondern man muss auch sehr hart arbeiten, um zu den Besten zu gehören."

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