Werde jetzt Teil der großen Community von Formel1.de auf Facebook, diskutiere mit tausenden Fans über die Formel 1 und bleibe auf dem Laufenden!
Öko-Premiere: Mercedes reist mit Elektro-LKW nach Zandvoort an
Nachhaltigkeit im Motorsport: Mercedes experimentiert mit einem E-LKW, während Greenpeace Zweifel an den Klimazielen der Formel 1 anmeldet
(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 möchte bis 2030 klimaneutral werden. Das Mercedes-Team geht nun einen weiteren Schritt und macht dabei gleichzeitig Werbung für seinen neuesten Elektro-LKW eActros 600, der die Vorgänger 300 und 400 Ende des Jahres ablöst.

© Daimler Truck
Mit einem solchen Mercedes-Benz eActros 600 Truck wurden die F1-Boliden nach Zandvoort gebracht Zoom Download
Die Anreise der beiden W16-Formel-1-Boliden zum Großen Preis der Niederlande in Zandvoort erfolgte mit einem der neuen vollelektrischen eActros 600, die Mercedes-Benz als "Game Changer" für nachhaltigen Transport bezeichnet und der 2025 als "Truck of the Year" ausgezeichnet wurde.
Die Strecke von Brackley nach Zandvoort betrug 673 Kilometer und erforderte damit einen Ladestopp. Mercedes-Benz beziffert die Reichweite des eActros 600 auf 500 Kilometer. Die Ladezeit von 20 auf 80 Prozent Akkuladung liegt bei 25 Minuten.
Da LKW-Fahrer nach 4,5 Stunden ohnehin nach gesetzlichen Vorschriften Pausen von 45 Minuten einlegen müssen, wird die Fahrzeit theoretisch nicht verlängert - solange der Fahrer eine freie Ladesäule vorfindet.
Die Fahrt folgt auf ein Pilotprojekt beim Grand Prix von Großbritannien, als drei eActros 600 für die kurze Strecke im Einsatz waren. Diesmal war es nur einer, es ist also durchaus noch Potenzial nach oben. Das Team reist mit 16 LKW zu einem Rennen an.
Allerdings setzt das Mercedes-Team beim konventionellen Antrieb bereits seit der Saison 2022 auf nachhaltigen HVO100-Kraftstoff. Im Jahr 2024 erreichte es eine Abdeckung von 98 Prozent mit dem HVO100-Kraftstoff bei den Europarennen für Renn- und Marketing-Trucks sowie Generatoren. So wurden bereits mehr als 500 Tonnen CO2-Emissionen eingespart.
Der Elektro-LKW soll im Vergleich zum Diesel-LKW über seine Lebensdauer hinweg bis zu 80 Prozent CO2-Emissionen einsparen - abhängig vom Energiemix beim Tanken.
Transport sorgt für deutlich mehr Emissionen als Rennwagen
Mercedes geht damit ein Problem an, das die Öffentlichkeit gerne übersieht: Die Rennwagen selbst sind nämlich für einen verschwindend geringen Teil der Gesamtemissionen des Motorsports aus.
Das hat der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) in einer Umweltstudie bereits für den nationalen Motorsport in Deutschland ausrechnen lassen. Die Rennfahrzeuge selbst machen lediglich fünf bis acht Prozent der Gesamtemissionen aus.
Der Fuhrpark kommt bereits auf zwölf bis 17 Prozent. Und da die Formel 1 allein in Europa in verschiedenen Ländern fährt, wird der Anteil hier noch höher liegen (von Überseerennen ganz zu schweigen).
Den Löwenanteil von 78 bis 80 Prozent machen jedoch die Zuschauer aus. Genau hier liegt das eigentliche Potenzial, wenn die Veranstaltungen nachhaltiger werden sollen. Der Niederlande-Grand-Prix in der Fahrradnation schlechthin gilt als Vorreiter in dieser Hinsicht, was neben der noch relativ überschaubaren Anfahrt auch der Hauptgrund für den Einsatz des Elektro-LKW durch Mercedes ist.
"Wir treiben die Grenzen des Möglichen mit batterieelektrischen Trucks kontinuierlich voran. Unsere Partnerschaft mit dem Formel-1-Team ist dabei von entscheidender Bedeutung, um zu zeigen, dass ein nachhaltiger Langstreckentransport mit unserem eActros 600 möglich ist", sagt Ash Armstrong, eConsultancy Manager, Daimler Truck UK.
"Wir sind sehr stolz darauf, die beeindruckende Reichweite und Leistungsfähigkeit dieses Trucks unter Beweis stellen zu können. Das zeigt einmal mehr, dass das Zeitalter der Elektrifizierung angebrochen ist und die Reichweitenangst ein Thema der Vergangenheit ist."
Alice Ashpitel, Head of Sustainability im Mercedes-Formel-1-Team, ergänzt: "Für unser Team bedeutet das Engagement für Nachhaltigkeit, dass wir nicht nur über unsere Rennen, sondern auch unsere Mobilität nachdenken."
"Auf der Rennstrecke treibt uns die Suche nach Performance an, aber wir sind unglaublich stolz darauf, dass unsere Innovationen über die Startaufstellung hinausgehen. Der Einsatz der Mercedes-Benz Trucks eActros 600, die wir erstmals bei unserem Heimrennen im Juli getestet haben, ist ein weiterer wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Dekarbonisierung."
Greenpeace kritisiert Nachhaltigkeitsreport der Formel 1
Und genau hier gerät auch das Nachhaltigkeitsziel der Formel 1 stark in die Kritik. Greenpeace kritisiert, dass die Formel 1 sich in ihren Bemühungen, bis 2030 CO2-neutral zu werden, nur auf die Renn- und Transportfahr- beziehungsweise -flugzeuge bezieht. Die Fans werden überhaupt nicht berücksichtigt.
Auch seien die bisherigen 26 Prozent CO2-Einsparungen im Vergleich zu 2021 einzig durch nachhaltige Kraftstoffe im Flugverkehr und Biokraftstoffe in der Logistik, durch neue Frachtcontainer, alternative Energiequellen, Optimierung betrieblicher Abläufe und dergleichen entstanden. Ohne diese Maßnahmen wäre der CO2-Fußabdruck sogar um zehn Prozent gestiegen, heißt es.
Greenpeace kritisiert im Report insbesondere die Erhöhung von 21 auf 24 Rennen und den teilweise unlogischen Kalender. So wird allein viermal nach Nordamerika geflogen (Miami im Mai, Kanada im Juni, Austin und Mexiko im Oktober und Las Vegas nach einem Abstecher nach Brasilien).
Insgesamt erwähnt Greenpeace auch positive Schritte und lobt die Bemühungen der Formel 1, nachhaltiger zu werden, fordert aber eine Reduktion der Rennen. "Will die Formel 1 glaubwürdig nachhaltig sein, muss sie den Umfang des Sports insgesamt hinterfragen und Emissionen radikal vermeiden", erklärt Greenpeace-Sprecherin Ursula Bittner.