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Warum das Sainz-Urteil für viele Teamchefs ein Wendepunkt ist
Eine FIA-Entscheidung mit Seltenheitswert: Carlos Sainz wird nachträglich entlastet. Teams sprechen von einem möglichen Durchbruch
(Motorsport-Total.com) - Die Formel-1-Teams haben die Entscheidung des Automobil-Weltverbands FIA begrüßt, den Williams-Antrag auf eine Neubewertung von Carlos Sainz' Strafe beim Großen Preis der Niederlande anzunehmen und das ursprüngliche Urteil aufzuheben.
Sainz war in Zandvoort nach einer Kollision mit Liam Lawson in Kurve 1 mit einer 10-Sekunden-Strafe sowie zwei Strafpunkten belegt worden. Die Rennkommissare sahen den Spanier damals in der Hauptverantwortung, da er beim Überholversuch außen nicht weit genug neben dem Racing-Bulls-Piloten gelegen habe, um Anspruch auf die Kurve zu haben.
Williams legte jedoch Protest ein und präsentierte neue Videoaufnahmen, die zeigten, dass Lawson in diesem Moment ein Übersteuern hatte und in Sainz driftete. Die Kommissare stuften den Vorfall daraufhin nachträglich als Rennunfall ein. Zwar blieb Sainz das Rennergebnis von Zandvoort verwehrt, doch seine beiden Strafpunkte wurden gestrichen.
Hohe Hürde für Überprüfungsanträge
Rechtsmittel dieser Art sind in der Formel 1 eine Seltenheit. Ein Antrag auf Überprüfung wird nur dann zugelassen, wenn neues, relevantes und wesentliches Beweismaterial vorgelegt werden kann, das zum Zeitpunkt des ursprünglichen Urteils nicht verfügbar war.
Um die Zahl aussichtsloser Einsprüche einzudämmen, hatte die FIA vor der Saison 2024 die Frist zur Einreichung von 14 Tagen auf 96 Stunden verkürzt und zusätzlich eine Gebühr eingeführt. Seit 2023 wurde lediglich ein weiterer Antrag erfolgreich behandelt - damals erhielt Fernando Alonso beim Saudi-Arabien-Grand-Prix 2023 seinen Podestplatz nachträglich zurück.
Sainz spricht von einem Durchbruch
Sainz selbst wertete die Entscheidung als positives Signal: "Es ist das erste Mal, dass ich mit neuem Beweismaterial eine Überprüfung durchgebracht habe. Wir haben es in der Vergangenheit mehrfach versucht, aber es nie geschafft. Jetzt zeigt sich, dass dieses Verfahren seinen Zweck erfüllen kann."
Auch McLaren-Teamchef Andrea Stella begrüßte die Entscheidung. Sein Team war in der Vergangenheit mit mehreren Anträgen gescheitert. "Ich bin dafür, dass die Möglichkeit zur Neubewertung etwas leichter zugänglich ist. Für die Teams ist es wichtig, dass man Fälle erneut betrachten und Entscheidungen korrigieren kann."
Sauber-Teamchef Jonathan Wheatley ergänzte: "Es gibt viele Kriterien, die erfüllt werden müssen, deshalb ist es ungewöhnlich, dass solche Anträge Erfolg haben. Das zeigt, dass im Fall von Zandvoort die strengen Vorgaben tatsächlich erfüllt waren."
"Let them race" bleibt das Ziel
Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane wies zudem darauf hin, dass auch die nachträgliche Anhörung von Sainz ein Faktor gewesen sei, wenngleich die Kommissare erklärten, dass dies keine Rolle bei der Urteilsänderung gespielt habe.
Die Entscheidung sorgt zwar nicht für mehr Klarheit in den umstrittenen Rennrichtlinien der Formel 1, wurde von den Verantwortlichen jedoch als positives Signal für den Sport bewertet.
"Es ist entscheidend, dass die Fahrer frei gegeneinander fahren können. Unser Motto lautet 'Let them race'", sagte Wheatley. "In diesem Fall wurde die richtige Entscheidung getroffen."
Permane betonte trotz der Niederlage seines Teams: "Am Ende wollen wir alle Rad-an-Rad-Duelle und Überholmanöver sehen. Wir wollen keine Prozession. Wenn das Urteil dazu beiträgt, dass die Fahrer mutiger angreifen können, dann ist das gut für den Sport."


