GP Österreich
Spielberg-Sonntag in der Analyse: Muss Verstappen härter bestraft werden?
Formel-1-Liveticker zum Nachlesen: +++ Kollision zwischen Verstappen und Norris +++ Verstappen findet Strafe "lächerlich" +++ Marko: Crash war "völlig unnötig" +++
Für Alonso wird es langsam eng
Max Verstappen steht nach dem heutigen Zwischenfall jetzt bei vier Strafpunkten. Das ist aber (noch) kein großes Thema, denn eine Rennsperre gibt es erst bei zwölf Punkten innerhalb eines Jahres.
Ein Problem bekommt dagegen langsam Fernando Alonso. Der Spanier kassierte heute nämlich ebenfalls zwei Strafpunkte für seinen Crash mit Guanyu Zhou. Damit steht er jetzt schon bei acht Zählern.
Und von denen verfallen in diesem Jahr auch keine mehr. Heißt: Sammelt Alonso in diesem Jahr noch vier weitere Strafpunkte, dann muss er ein Rennen aussetzen.
Die Übersicht über alle Strafpunkte findet ihr hier!
Horner: Hätte vermutlich gereicht
Auch Teamchef Christian Horner glaubt, dass der verpatzte Boxenstopp Red Bull heute um den Sieg gebracht hat. Er erklärt: "Wären sie mit einem Abstand von sechs Sekunden aus der Box gekommen, hätte [Lando] die Lücke wahrscheinlich geschlossen."
"Aber wir hätten es wahrscheinlich hinbekommen, es in den letzten Runden zu managen", so Horner. Doch weil der Stopp von Verstappen 6,5 Sekunden dauerte, kam Norris nur rund zwei Sekunden hinter Verstappen wieder aus der Box.
Zur Strafe sagt Horner, dass diese "etwas hart" sei. Letztendlich sei die ganze Situation "sehr frustrierend" gewesen, erklärt er. Seiner Meinung nach sei der Crash "ein Rennunfall" gewesen.
Mit einem besseren Stopp wäre es aber wohl gar nicht erst zu diesem gekommen.
Red Bull: Rennen schon vorher verloren
Laut Helmut Marko war der Norris-Crash zumindest nicht alleine dafür verantwortlich, dass man das Rennen heute nicht gewonnen hat. Bei ServusTV erklärt er: "Den Sieg gekostet haben mehrere Faktoren."
Entscheidend sei zum Beispiel gewesen, "dass der Boxenstopp daneben gegangen ist, dadurch ist Lando ins DRS-Fenster reingerutscht", erklärt Marko. Zudem habe man sich bei den Reifen vertan.
"Unsere Vermutung, dass bei heißem Wetter der harte Reifen die bessere Wahl sein wird, das war nicht der Fall", gesteht Marko. So musste Verstappen am Ende einen gebrauchten Medium nehmen.
Norris dagegen hatte noch einen frischen. "Das war auch so ein Faktor", so Marko. "Aber sehen wir es positiv. Wir haben die WM-Führung ausgebaut, sowohl in der Konstrukteurs-WM als auch in der Fahrer-WM", erinnert er.
Wolff widerspricht Stella
Toto Wolff ist übrigens nicht der Meinung, dass es nicht zum heutigen Crash gekommen wäre, wenn die FIA früher schon härtere Strafen gegen Verstappen ausgesprochen hätte. Das glaubt ja bekanntlich Andrea Stella.
"Ich glaube nicht, dass man diese Schlussfolgerung ziehen kann", grübelt er und erklärt: "Es braucht zwei, um Tango zu tanzen. Ich habe das Rennen von Lando und Max nicht gesehen, ich weiß nicht, wie es dazu gekommen ist."
"Also muss ich es erst sehen, bevor ich mir eine Meinung bilden kann", betont Wolff noch einmal. Aber er glaube nicht, dass es "eine Korrelation" zwischen dem heutigen Unfall und Vorfällen aus 2021 gebe.
Die Bilder zum Unfall ...
... haben wir in dieser Fotostrecke einmal für euch zusammengestellt:
Fotostrecke: Der Unfall von Lando Norris und Max Verstappen in Spielberg
Nach dem letzten Boxenstopp ist Norris schneller als Verstappen und schafft es ins DRS des Weltmeisters. Mehrere Runden lang attackiert er den Niederländer und ... Fotostrecke
Verstappen vs. Norris
Die wichtigsten Aussagen der beiden Protagonisten haben wir ja bereits im Ticker zusammengefasst. Mein Kollege Norman Fischer hat in diesem Artikel aber jetzt noch einmal ganz genau aufgearbeitet, was sich die beiden nach Rennende gegenseitig an den Kopf geworfen haben.
Warum es keine unsichere Freigabe war
Bereits beim ersten Boxenstopp zuvor gab es eine knifflige Szene, als Red Bull Verstappen aus der Box ließ und dieser fast in Norris gekracht wäre, der gerade selbst in seine Box einbiegen wollte.
Die Stewards sahen sich das an, sprachen letztendlich aber keine Strafe aus. Im Urteil heißt es zwar, dass es "die Möglichkeit" gebe, dass Verstappen Norris bei der Anfahrt zum Boxenstopp behindert habe.
Eine Strafe gebe aber nur dann, wenn eine Aktion in der Boxengasse potenziell gefährlich für Teampersonal oder andere Fahrer sei. Und das sei hier nicht der Fall gewesen: Hier die Begründung im Wortlaut:
"Car 1 was released from its pit stop station when Car 4 was approaching. There is a possibility that Car 1 hindered Car 4 on its approach to the pit stop. However, Article 34.14 a) specifies that a car is considered to be released in an unsafe manner if it could endanger pit lane personnel or another driver. This was not the case and therefore no further action is taken."
Wolff entschuldigt sich bei Russell
Der Mercedes-Teamchef bekam den Crash gar nicht mit und verrät bei Sky: "Ich habe es gar nicht gesehen. In meiner Aufregung habe ich nur gesehen, dass einer einen Reifenschaden hatte und der andere glaube ich auch."
"Wie es passiert ist, weiß ich nicht. Sie sind gute Freunde. Sie werden heute im Flieger nach Hause sicherlich einiges zu besprechen haben", so Wolff, der nach dem Unfall selbst etwas übermotiviert war.
Er funkte Russell in seiner Euphorie nämlich mitten in der Bremszone an, dass dieser das Rennen gewinnen könne. "Das war eines der dümmsten Dinge, die ich je gemacht habe, muss ich wirklich sagen", schmunzelt Wolff.
"Ich habe überhaupt nicht geschaut, wo er ist. Ich habe nur gesehen, dass die beiden sich in die Kiste fahren. Das ist mir zum ersten Mal in zwölf Jahren passiert. Er steht voll auf der Bremse aus 320 km/h und ich berichte ihm da, dass die beiden kollidiert sind."
Dafür entschuldigte er sich dann nach Rennende erst einmal.


