• 11. Juli 2018 · 14:13 Uhr

Motoren 2021: Jetzt doch mit MGU-H - aber ohne Porsche?

Porsche geht auf Distanz zur Formel 1 - aber die Frage, die man sich stellen sollte, ist: Ist es ein Nein zur Formel 1 - oder zu den aktuell diskutierten Vorschlägen?

(Motorsport-Total.com) - Eigentlich war seit Oktober 2017 alles klar in der Frage, wie die Formel-1-Motoren ab 2021 aussehen sollen. Alle beteiligten Player waren sich (mehr oder weniger) einig, dass es im Kern beim aktuellen Format bleiben soll, aber - aus Kostengründen - mit ein bisschen weniger Hybrid. Genauer gesagt war geplant, die MGU-H zu "opfern".

Fritz enzinger und Andreas Seidl

Die Porsche-Sportchefs Fritz Enzinger und Andreas Seidl im Gespräch Zoom Download

Die MGU-H wandelt Wärmeenergie aus den Auspuffgasen in Strom um, der entweder in der Batterie gespeichert oder sofort in einen Turbo-Boost umgewandelt werden kann. Eine teure Angelegenheit, und etwas, wovon die Fans keine Notiz nehmen. Und obendrein ein Element, das viel vom Sound schluckt, den die Fans an der alten V8-Sauger-Formel so geliebt haben.

Doch seit dem London-Meeting der Strategiegruppe am 4. Juli ist die MGU-H plötzlich wieder auf dem Tisch. Und das heißt Stand heute, dass 2021 kein neuer Hersteller in die Formel 1 einsteigen wird. Porsche war nahe dran, sich zu einem Comeback-Projekt zu bekennen, hätte laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' bereits im September den Vorstand darüber entscheiden lassen. Das ist jetzt kein Thema mehr.

Kurz vor dem Londoner Meeting, so wird es in Insiderkreisen gemunkelt, habe Porsche der Formel 1 vor dem Hintergrund der aktuellen Pläne für 2021 abgesagt. Und die Logik der aktuell engagierten Hersteller Ferrari, Honda, Mercedes und Renault ist: Wenn kein neuer kommt, warum sollten wir dann das Reglement ändern und für die Entwicklung eines neuen Antriebsstrangs viel Geld ausgeben?

Stabiles Reglement = weniger Kosten: Wirklich?

"Stabilität", sagt Renault-Sportchef Cyril Abiteboul gegenüber 'Motorsport-Total.com', "sollte immer Priorität haben. Ich denke, die Auswirkungen von Stabilität auf die Kosten für die Hersteller, aber auch für die Teams, werden manchmal unterschätzt." Die Logik ist einleuchtend. Es ist kein Geheimnis, dass jede Regeländerung Millionen an Entwicklungskosten verschlingt.

Doch das gilt nur kurzfristig. Natürlich würde die Entwicklung eines neuen Motors einmalig Geld kosten. Langfristig sind Motoren ohne MGU-H unbestreitbar billiger als mit. Die Argumentation ist also nur die halbe Wahrheit. Vielerorts wird vermutet, dass es um einen reinen Machtpoker der aktuell in der Formel 1 engagierten Hersteller geht. Sie wollen ihre Position zementieren.

Auch wenn es offiziell immer heißt, dass neue Hersteller willkommen wären: Ein Player wie Porsche würde nicht bei allen Jubelstürme auslösen. Ferrari zum Beispiel ist im Premiumsegment ein direkter Gegner des Sportwagenherstellers. Und je länger die Diskussionen um das Motorenreglement 2021 verschleppt werden, desto schwerer macht man Porsche einen Einstieg.

Tatsache ist: Die Kehrtwende in der Motorendiskussion ist praktisch gleichbedeutend mit einem Nein von Porsche und Aston Martin zu ihren Einstiegsplänen. Die angebliche Absage von Porsche an die Formel-1-Pläne vor dem London-Meeting soll echt sein. Die entscheidende Frage aber ist: Sagt Porsche Nein zur Formel 1 - oder zu dem, was jetzt plötzlich auf dem Tisch liegt?

Warum hat Porsche (erstmal) abgesagt?

Wie endgültig das Porsche-Nein ist, steht ohnehin auf einem anderen Blatt. Der Einstiegszeitpunkt 2021 war nur unter der Voraussetzung naheliegend, dass ein neues Antriebsformat kommt. Wenn alles gleich bleibt, kann sich Porsche auch mehr Zeit lassen und erstmal beobachten, in welche Richtung sich die Formel 1 entwickelt.

Die Platzhirsche gehen jedenfalls nicht davon aus, dass ein neuer Player kommt. Eine Diskussion über ein neues Reglement sei "akademisch", solange es keine Interessenten gibt, sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Und Christian Horner (Red Bull) meint: "Es sieht nicht so aus, als würde jemand kommen. Es liegt jetzt an der FIA und an Liberty, zu sagen, was sie wollen."


Fotostrecke: So funktioniert ERS

Dabei geht es letztendlich wie immer um Macht. Heimlich, still und leise ist in den vergangenen Wochen die ursprünglich wahrgenommene Allianz zwischen Ferrari und Mercedes zerbröselt. Sergio Marchionne, so hört man, spielt seine Machtspielchen inzwischen ganz alleine. Ihm geht es um eine weiterhin bevorzugte Position für Ferrari.

Fest steht: Bei einem stabil bleibenden Reglement ist der Wissensvorsprung der vier bestehenden Hersteller zu groß, als dass ein Einstieg für einen neuen Hersteller für 2021 in Frage kommen könnte. Honda hat vier Jahre (und viele Millionen) gebraucht, um in die Nähe eines akzeptablen Antriebsstrangs zu kommen. Das ist ein abschreckendes Beispiel.

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