• 12. Juni 2016 · 14:09 Uhr

Rosberg-Verhandlungen: Berger stichelt gegen Hamilton

Bei allen Spielchen stellt Mercedes-Sportchef Toto Wolff klar: "Wir flirten mit niemand anderem und auch Nico flirtet mit niemand anderem"

(Motorsport-Total.com) - Der neue Mercedes-Vertrag von Nico Rosberg wird nicht nur am Verhandlungstisch zwischen Toto Wolff und Gerhard Berger ausgemacht, sondern auch über die Medien. Jede der beiden Seiten bringt sich momentan in Interviews geschickt in Position: Rosbergs Lager würgt Gerüchte über einen angeblichen Flirt mit Ferrari nicht ab, um Mercedes das Signal zu senden, dass man auch Alternativen hat. Und Mercedes lobt plötzlich Manor-Rookie Pascal Wehrlein über den grünen Klee und macht klar, dass man keine Probleme haben würde, für das beste Cockpit im Feld einen starken Ersatzmann zu finden.

Foto zur News: Rosberg-Verhandlungen: Berger stichelt gegen Hamilton

Toto Wolff und Gerhard Berger verhandeln Nico Rosbergs neuen Mercedes-Vertrag Zoom Download

Rosberg-Chefverhandler Berger greift nun im Interview mit der 'Bild am Sonntag' einen neuen Punkt auf, und zwar den exzessiven Lebenswandel von Lewis Hamilton: "Wenn man hört, wie oft der zwischen zwei Rennen zwischen Amerika und Europa hin und her jettet, dann schmunzelt man darüber. Wenn man aber weiß, wie viel Aufwand und Energie von über 1.000 Leuten in der Vorbereitung eines Rennwochenendes steckt, und dann bangen muss, ob die Party bei schon vorbei ist und sein Flieger rechtzeitig zum Rennen landet, kann das fürs Team ein ungutes Gefühl sein."

"Für die perfekte Balance im Team, und die stimmt bei Mercedes, haben sie Rosberg", lobt Berger seinen eigenen Schützling. "Der ist genau andersherum gestrickt: absolut verlässlich, sportlich gleich gut. Von dem wissen sie, dass er beim Meeting da ist und ihnen sagt, was beim Auto verändert werden muss." Wobei der Österreicher Hamilton dessen "sensationelle" sportliche Leistungen gar nicht in Abrede stellen will.

Hamilton verdient deutlich mehr als Rosberg

Warum Berger damit argumentiert, ist klar: Hamilton verdient bei Mercedes angeblich mindestens 25 Millionen Euro pro Jahr, Rosberg eher gegen 17 - und das ist, meinen einige Experten, noch optimistisch geschätzt. Um diese Differenz zu reduzieren, wurde Berger engagiert. Zwar gilt es als sicher, dass Hamilton teamintern Bestverdiener bleiben wird, alleine schon wegen seiner weltweiten Popularität und seines Markenwerts. Aber Rosbergs sportliche Leistungen sind nicht um zehn Millionen schlechter als die von Hamilton.


Fotostrecke: Happy Birthday, Nico Rosberg!

Sollte Wolff in den Verhandlungen nicht großzügig genug sein, kann Berger immer noch seine alten Freunde bei Ferrari anrufen und diese Karte geschickt ausspielen. Medial tut er das jetzt schon, wenn er sagt: "Ich kann Ferrari nur empfehlen! Auch wenn ich nicht Weltmeister wurde, es war das schönste Erlebnis in meiner ganzen Karriere, Ferrari-Fahrer gewesen zu sein. Und das trage ich heute noch in mir."

"Bei Ferrari ticken die Uhren anders", so Berger in der 'Bild am Sonntag'. "Zu Ferrari geht man aus Emotion - in dem Glauben, dass man auch noch Weltmeister werden kann. Michael Schumacher hat's bewiesen, Niki Lauda hat's bewiesen, Räikkönen hat's bewiesen. Ich bin bei der Emotion hängen geblieben. Vettel muss es erst noch beweisen. Die Triebfeder ist die Emotion."

Zwei Deutsche bei Ferrari: Warum nicht?

Aber ob Ferrari zwei Deutsche verträgt? "Warum nicht?", findet der ehemalige Ferrari-Fahrer Eddie Irvine. "Sie sind beide sehr gute Fahrer. Ich weiß nicht, wen sie sich derzeit sonst holen sollten." Und Berger ergänzt: "Ecclestone würde sagen: Rosberg ist doch Monegasse. Er hat halt auch noch die deutsche Staatsbürgerschaft. Dem Prinz Albert schmeckt es schon lange nicht, dass man bei Rosberg-Siegen auf dem Podest immer die deutsche Nationalhymne spielt..."

Auf die konkrete Frage von 'Sky'-Reporterin Tanja Bauer, ob Mercedes für Rosberg die einzige Option sei, möchte sich Berger nicht festlegen: Mercedes sei "das klare Ziel" und stehe "sicherlich im Vordergrund", aber der Satz, dass es mit Ferrari keine Gespräche gibt, kommt dem cleveren Chefverhandler nicht über die Lippen.

Lauda sieht sich als Mediator zwischen Wolff und Berger

Gut, dass Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda "alle beruhigen" kann: "Die Verhandlungen laufen sehr gut. Es wird nur noch relativ kurz dauern, dann wird alles erledigt sein", kündigt der selbsternannte "Mediator" zwischen Berger und Wolff an. Berger stimmt zu: "Wir haben beide das gleiche Ziel, und zwar Nico Rosberg noch viele weitere Jahre im Mercedes-Team zu sehen. Es gibt einige Punkte, über die wir uns noch einig werden müssen, aber es läuft nach Plan. Für Mercedes, aber auch für uns."

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Nico Rosberg fährt seit 2010 für das damals neue Mercedes-Werksteam Zoom Download

Wolff zeigt sich indes bemüht, sein Schiff in Richtung Rosberg zu manövrieren, um in den sensiblen Verhandlungen keine Gräben aufzureißen: "Wir flirten mit niemand anderem und auch Nico flirtet mit niemand anderem. Wir wollen mit ihm genau wie bisher weitermachen. Es liegt an den Vertragsdetails, aber es sind ganz normale Verhandlungen. Das sorgt nicht für Unsicherheit, das Thema ist keine Ablenkung."

Und der Mercedes-Sportchef betont: "Es gibt keine Hürde. Der normale Prozess erfordert einfach ein bisschen Zeit, um alle Details zu klären." Anfangs war offenbar noch die Vertragslaufzeit ein Thema, bei dem es sich gespießt hat: Rosberg wollte drei Jahre, Mercedes höchstens zwei - aber im konkreten Fall nur eins, damit nicht die Verträge beider Fahrer gleichzeitig Ende 2018 auslaufen. Inzwischen scheint ein Zweijahresvertrag nicht mehr ausgeschlossen. So könnte man sich in der Mitte treffen.

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