• 14. September 2023 · 12:02 Uhr

Eisbad, Handtücher & Co.: So gehen die Fahrer mit der Singapur-Hitze um

Auf die Fahrer wartet mit Singapur das körperlich anstrengendste Rennen des Jahren, allerdings stehen auch die Mitarbeiter der Teams unter hoher Belastung

(Motorsport-Total.com) - Der Große Preis von Singapur gilt für die Formel-1-Fahrer als der anstrengendste Grand Prix des gesamten Jahres. Temperaturen von rund 30 Grad Celsius und eine hohe Luftfeuchtigkeit bringen die Piloten mächtig ins Schwitzen. Zudem dürfen sie sich auf dem schwierigen Stadtkurs keine Fehler erlauben, auf dem mit knapp zwei Stunden meist die längsten Rennen des Jahres stattfinden.

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Die Fahrer stehen vor dem anstrengendsten Rennen des Jahres Zoom Download

"Das Besondere an Singapur ist, dass es die körperlich anstrengendste Strecke des Jahres ist", sagt Haas-Pilot Kevin Magnussen. "Man verliert viel Flüssigkeit, man schwitzt viel und es ist sehr anstrengend für den Fahrer", so der Däne, der meint, dass er noch nie so erschöpft war wie in Singapur.

"Man kommt nach der Mittagszeit auf die Strecke, es ist heiß, und kurz vor Mitternacht geht man wieder, es ist immer noch heiß", meint sein Teamkollege Nico Hülkenberg. "Ich trainiere viel, und vor allem in Singapur merkt man, warum man so viel Zeit und Mühe investiert hat."

Tatsächlich wird das Training für die Fahrer vor dem Rennen in Singapur noch einmal intensiviert, um für die Bedingungen gerüstet zu sein. "Wir haben Singapur schon seit Beginn der Sommerpause im Auge, und Nico hat in dieser Zeit viele seiner Trainingseinheiten bei großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit absolviert, um sich vorzubereiten", sagt Hülkenbergs Trainer Martin Poole.

Er betont: "Die Verbesserung der aeroben Fitness, die Anpassung an die Hitze und auch die Gewöhnung an das extreme Unbehagen, sich bei Hitze und Schweiß müde zu fühlen, ist der beste Weg, um sich auf ein einzigartiges Rennen wie Singapur vorzubereiten."

Teamkollege Magnussen versucht sich vor allem auf das Rennen einzustellen, indem er ein paar Tage im Vorfeld schon nach Singapur reist, um sich an die Zeitzone zu gewöhnen, auch wenn das in Singapur eigentlich kein Problem ist, weil die Formel 1 praktisch in der normalen Europazeitzone arbeitet.

Fokus auf Essen und Trinken

"Die Bedingungen sind ziemlich extrem, und wir versuchen, ihn schon eine Woche vor dem Rennen mit viel Wasser, Salz und Mineralien zu versorgen", erklärt Magnussens Physiotherapeut Nikolaj Madsen.

"Da es nur eine Woche ist, kann man sich nicht so schnell anpassen. Nach dem Rennen in Monza haben wir eineinhalb Wochen Zeit, um uns auf Singapur vorzubereiten, aber wir können nicht so viele Dinge ändern", erklärt er weiter.


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Der größte Unterschied zwischen Singapur und anderen Rennen ist aus seiner Sicht aber das Essen und Trinken: "Ich zwinge ihm viel Wasser auf, um ihn hydriert zu halten, überhydriert. Nach dem Rennen versuchen wir, ihm etwas Zucker zu geben, weil sein Gehirn überhitzt ist, und das Gehirn arbeitet mit Zucker. Ich versuche, ihm so schnell wie möglich etwas Zucker zu geben, und langsam etwas Wasser."

Doch nicht nur vor dem Grand Prix gilt es viele Maßnahmen zu unternehmen. Vor allem im Rahmen der Sessions müssen die Fahrer einen kühlen Kopf behalten. Das geschieht vor den Sessions mittels Kühlwesten, gefrorenen Handtüchern und kalten Getränken.

Und nach der Session wartet die Eistonne: "Nach jedem Training wird Nico direkt in ein Eisbad springen, um seine Körpertemperatur schnell zu senken, damit sich sein Körper schneller erholen kann", verrät Poole.

Maßnahmen auch für die Teammitglieder

Allerdings müssen nicht nur die Fahrer in Singapur fit sein, auch die Crew steht unter einer Menge körperlichem Stress und muss Maßnahmen ergreifen. Zwar hilft es, dass man sich im Sommer schon ein wenig an die Hitze akklimatisiert, allerdings stellt die Luftfeuchtigkeit eine zusätzliche Herausforderung dar.

"Das erfordert ein sorgfältiges Management, um sicherzustellen, dass die Teammitglieder ihre Körpertemperatur regulieren können, ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und ihr Bestes geben können", sagt Performance-Trainerin Faith Atack-Martin, die sich als Teamphysiotherapeutin um die Belange der Mitarbeiter bei Haas kümmert.

Sie erklärt: "Die körperliche und geistige Konditionierung in dieser Umgebung besteht aus vielen Überlegungen. Erstens ist die Vermeidung von Hitzekrankheiten unsere Priorität. Dazu muss das Gleichgewicht zwischen Salz- und Wasserhaushalt im Körper aufrechterhalten werden."


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"Bei Hitze und Feuchtigkeit enthält die Umgebungsluft mehr Wassermoleküle, was die Regulierung der Körpertemperatur erschwert, da die Wärme nicht so effizient verdampfen kann. Der Körper reagiert darauf, indem er vermehrt schwitzt, was zu einem erhöhten Wasser- und Salzverlust führt."

"Werden Flüssigkeit und Salz nicht ersetzt, kommt es zu einer isotonischen Dehydrierung, die das Risiko einer Hitzeerkrankung bei Anstrengung oder in schweren Fällen eines Hitzschlags erhöht", so Atack-Martin.

Andere Strategien des Teams zielen darauf ab, die Thermoregulation zu erleichtern: "Zu den Abkühlungsstrategien gehören der Zugang zu eisgekühlten Handtüchern, Schweißbändern und die Nutzung eines klimatisierten Pausenraums in der Garage, in dem sich die Teammitglieder ausruhen können", so die Physiotherapeutin.

Ein weiteres eher unüblich anmutendes Hilfsmittel ist eine Menthol-Mundspülung. "Obwohl es die Körpertemperatur nicht beeinflusst, kann das Wärmeempfinden manipuliert werden", erklärt sie. "Auch die Verwendung von Kältesprays vermittelt ein vorübergehendes Gefühl der Kühle, das zusätzlich zu den robusteren Methoden hilfreich sein kann."

Teambuilding gegen Missstimmung

Auch auf den veränderten Tagesrhythmus muss das Team schauen. Zwar bleibt die Crew im Grunde im Europarhythmus, dennoch genau das ist auch das Schwierige, wenn in Singapur eigentlich eine andere Zeit herrscht.

Zudem sind die Mitglieder nach einem langen Flug meist etwas reisemüde und dürfen sich am ersten Tag der Ankunft ein wenig Ruhe gönnen. "Aber es werden bestimmte Schlafzeiten empfohlen, um eine Anpassung an die Zeit in Singapur zu vermeiden", sagt die Trainerin.

"Auch aus psychologischer Sicht besteht die Gefahr, dass sich die Stimmung verschlechtert, wenn es nur wenig Tageslicht gibt", meint sie weiter. "Wir versuchen daher, das Team in ein gemeinsames Erlebnis wie ein Fußballspiel oder ein gemeinsames Essen einzubinden. Das ist wichtig für die Moral und die Perspektive abseits der Rennstrecke".

Und so lässt sich auch die anstrengende Zeit in Singapur überstehen, bevor aber nur eine Woche später das nächste Rennen in Japan wartet - dann mit einer Zeitverschiebung von sieben Stunden zu Mitteleuropa.

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