Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

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Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Redaktion » 02.08.2019, 08:18

Chefredakteur Christian Nimmervoll bezieht Position zu einem heiß diskutierten Beitrag in der 'Zeit', in der die Formel 1 unsachlich und polemisch zerrissen wird
Kommentar "Formel Vorgestern" auf 'Zeit online'

Sorgt für Diskussionen: Der Kommentar "Formel Vorgestern" auf 'Zeit online'

Liebe Leserinnen und Leser,

in der benzinbrüderlichen Motorsport-Community gehöre ich wahrscheinlich einer eher seltenen Gattung an. Ich bekenne mich dazu, bei den bevorstehenden Nationalratswahlen in Österreich die Grünen zu wählen. Hätte ich Kinder, wäre ich megastolz auf sie, wenn sie freitags fürs Klima demonstrieren gehen.

Mein nächster Wagen hätte ein Elektroauto werden sollen (der Kia e-Niro war sogar schon bestellt, ehe ich es mir doch noch anders überlegt habe). Und im Gegensatz zu vielen Kollegen glaube ich nicht, dass die Formel 1 das Größte und Wichtigste der Welt ist. Sondern ich halte sie im größeren gesellschaftlichen Kontext für ziemlich belanglos. Eine sehr, sehr, sehr schöne Nebensache halt.

So viel mal zu meiner Positionierung, auch wenn diese im Grunde genommen für diesen Kommentar keine Rolle spielen sollte. Ich gehöre im Formel-1-Paddock sicher nicht der Mehrheit an.

Man darf den Motorsport insgesamt und die Formel 1 im Besonderen in Zeiten wie diesen ruhig kritisieren. Kritik, von der einen Seite auf konstruktive Weise geübt und von der anderen Seite auf konstruktive Weise angenommen, ist etwas Positives. Sie kann Dinge verbessern.

'Die Zeit' und Jan Freitag: Ist das wirklich Ihr Ernst?

Insofern finde ich es erstmal gut, wenn sich ein angesehenes Medium wie die altehrwürdige 'Zeit' dazu anschickt, sich mit der Formel 1 auseinanderzusetzen. Oder besser gesagt: mit der "Formel Vorgestern", wie Jan Freitag in seinem Kommentar vom 28. Juli, also dem Hockenheim-Sonntag, schreibt.Es fällt mir auch mit der Distanz von fünf Tagen noch schwer, diese Kolumne (die auf Social Media naturgemäß für hitzige Diskussionen gesorgt hat, was mutmaßlich die Absicht des Autors war) sachlich zu werten. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass der Autor bewusst provozieren wollte, hat er letztendlich auf ganz vielen Ebenen versagt.Darauf zu reagieren, ist gar nicht so einfach. Man weiß nicht, wo man anfangen soll.

Erklärt: So funktioniert Hybrid in der Formel 1

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Vielleicht so: Die 'Zeit' ist ein altehrwürdiges Medium, das ich sehr schätze. Ich hatte sie noch nie im Abo, war aber jahrelang ein großer Fan der berühmten "Zigarette mit Helmut Schmidt" und habe mir diese Beiträge auch irgendwann als Hörbuch gekauft. Wann immer ich an einem Flughafen-Kiosk vorbeilaufe, landet die 'Zeit' in meiner Tasche.Dass ausgerechnet dieses Blatt Formulierungen wie "dummdreistes Showcatchen steroidgestählter Muskelprotze", "testosterongesättigtes Amüsement meist männlicher Massen" und "größte Sauerei der gesamten Freizeitgeschichte" in Zusammenhang mit der Formel 1 verwendet und die Kollegen von RTL als "dümmsten aller Sender" bezeichnet, ist der 'Zeit' nicht würdig.Spätestens an dem Punkt, wo der Autor Michael Schumacher als "rasenden Rotzlöffel aus Kerpen" bezeichnet und seine Fans, eine "jämmerliche Schwanzparade", für dumm genug erklärt, "das grüne Gewinsel vom Klimawandel in einem teerschwarzen Cocktail aus Testosteron, Benzin und Bier zu ersaufen", verstehen dann wohl auch die "Schumi"-Fans keinen Spaß mehr.Aber die Kolumne geht noch einen Schritt weiter. Die Formel 1, daran lässt der Autor keinen Zweifel, gehört verboten. Insgesamt. Er vergleicht sie indirekt mit, wörtlich, "Donald Trumps Tweets oder die Stadion-Henker seiner arabischen Kumpels".Sagen Sie mal, Herr Freitag, geht's eigentlich noch?

Autor lässt jedwede Kompetenz vermissen

Was zur überflüssigen Polemik dazukommt: Der Autor scheint in seinem Job ziemlich inkompetent zu sein. Ansonsten wüsste er, dass der aktuelle Weltmeister "Lewis" und nicht "Louis" Hamilton heißt (der Fehler wurde erst nachträglich korrigiert), und dass seine Kritik hinsichtlich des Benzinverbrauchs der Formel-1-Boliden kompletter Unfug ist.Die modernen Hybridmotoren erreichen eine thermische Effizienz von 50 Prozent und mehr. Damit sind die sogenannten Power-Units der Formel 1 mit die effizientesten Verbrennungsmotoren der Welt. Würde man einen VW Golf mit Vollgas um den Hockenheimring bewegen, sein Verbrauch wäre fast so hoch wie der eines Formel-1-Motors. Das ist Tatsache.

Spritsparende Hybridtechnologie in der Formel 1

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Ein Golf mit moderaten, aber ausreichenden 140 PS verbraucht im Rennbetrieb mehr als 20 Liter auf 100 Kilometer. Ein Formel-1-Motor kommt mit 40 Litern aus. Rechnet man das zu Ende, beträgt der Leistungsverbrauch pro PS eines Formel-1-Autos nur etwa ein Drittel von dem des Serien-Golf.Und wir reden hier von einem Golf, nicht etwa von einer PS-Schleuder wie einem Jaguar XF, der im Rennbetrieb mehr als 60 Liter auf 100 Kilometer schluckt.Oder das Argument, dass der Technologietransfer "Track to Road" nur vorgeschoben ist. Nun mag der Autor sogar ein bisschen damit recht haben, dass der Technologietransfer aus PR-Gründen manchmal größer aufgeblasen wird, als er wirklich ist. Aber es gibt sie sehr wohl, die Themen, in der die Formel 1 eine technologische Vorreiterrolle eingenommen hat.Nehmen wir zum Beispiel das semiautomatische Getriebe mit Wippschaltung am Lenkrad, das der geniale Ferrari-Designer John Barnard 1989 eingeführt hat. Oder den Leichtbau mit Kohlefaser, der bei der Gewichts- und damit auch Verbrauchsreduktion des Serien-PKW eine wichtige Rolle spielt. Oder eben die Hybridmotoren, die die Formel 1 schon 2009 eingeführt hat. Lange bevor der 'Zeit'-Autor Kommentare über Klimaschutz geschrieben hat.Natürlich kann man argumentieren, dass der Formel-1-Tross insgesamt, mit tausenden Menschen und einer gigantischen Logistik, die rund um den Globus tourt, nicht umweltfreundlich ist. Aber wollen wir diese Diskussion wirklich aufmachen? Jede Bundesliga-Runde bewegt zehntausende Menschen und eine ebenso gigantische Logistik, von Fußball-WM und Co. ganz zu schweigen.

Dann müssen wir auch Fußball & Co. verbieten!

Olympische Spiele, Rock- und Popkonzerte, im Grunde jede Unterhaltung, die nicht einem höheren Zweck dient: Nach der Logik der 'Zeit'-Kolumne gehört all das verboten. Wollen wir das wirklich? Die Formel 1 leistet immerhin einen Beitrag dazu, Technologien weiterzuentwickeln, die die Welt eines Tages besser und sauberer machen werden. Fußball, Tennis & Co. tun das nicht.

Susie Wolff setzt sich für Frauen im Motorsport ein

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Auch der Vorwurf des "sexistischen Machismus" ist gelinde gesagt kompletter Nonsens. Niemand würde auf die Idee kommen, die Cheerleader im American Football abzuschaffen. In der Formel 1 aber gibt es keine Grid-Girls mehr. Und, lieber Herr Freitag, zeigen Sie mir bitte einen anderen Sport, in dem es so viele Initiativen gibt, die speziell die Talente von Mädchen fördern?Susie Wolff leistet hier mit "Dare to be different" wichtige Pionierarbeit, innerhalb des Automobil-Weltverbands FIA gibt es schon seit vielen Jahren eine eigene Frauen-Kommission. Um junge Mädchen als Rennfahrerinnen zu fördern, wurde eigens die W-Serie gegründet.Deren Ziel ist der Höhepunkt der sportlichem Emanzipation, nämlich dass Frauen (was ja in anderen Rennserien als der Formel 1 heute schon stattfindet) nicht in ihrem eigenen, von den starken Männern isolierten Wettkampf gegeneinander antreten, sondern dass Sophia Flörsch im gleichen Rennen gegen Lewis Hamilton fährt.Haben Sie je Boris Becker und Steffi Graf ein Wimbledon-Finale gegeneinander spielen sehen? Eben.Herr Freitag ist ein bisschen wie Donald Trump: Er hat keine Ahnung, wovon er spricht. Aber er poltert und polemisiert. Hätte eine unserer Redakteurinnen oder unserer Redakteure so einen geistigen Dünnpfiff über die Klimaschutzbewegung verfasst, ich hätte sie oder ihn mit Nachdruck abgemahnt.Mindestens.IhrChristian NimmervollPS: Folgen Sie mir oder meinen Kollegen auf Twitter unter @MST_ChristianN!

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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon MarM » 02.08.2019, 08:33

Vielen Dank für diesen Artikel Herr Nimmervoll! :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:

Ich habe mich im Forum ja schon darüber ausgelassen, vielen Dank dafür, dass jemand mit journalistischem Hintergrund dies auch tut.
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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Woelli38 » 02.08.2019, 08:40

War mir klar, dass die Presse irgendwann das Thema Motorsport (hier F1) ausschlachtet. Das dann nur ein inhaltliches "draufhauen" stattfindet, auch. Ich sag nur "Welcome" im "Greta-Hype"... :wink:

Und mal so am Rande, Herr Nimmervoll: Zeit für Sie, über Artikel mit "reisserischer Click-Steuerung" mal sehr stark nachzudenken. Da gibt es auch VIEL Verbesserungspotential. :wink:
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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Spocki » 02.08.2019, 08:44

MarM hat geschrieben:Vielen Dank für diesen Artikel Herr Nimmervoll! :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:

Ich habe mich im Forum ja schon darüber ausgelassen, vielen Dank dafür, dass jemand mit journalistischem Hintergrund dies auch tut.

Kann man nur bestätigen! Danke für diese Reaktion!
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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Manisch » 02.08.2019, 08:55

Ja und Nein.

Nein vor allem deswegen, weil hier die Essenz einer Kolumne übergangen wird. Bei Kolumnen/Kommentaren geht es nicht um "faktisch korrekten und sachlichen Journalismus", sondern um Persönlichkeit und individuelle Meinungen. Kolumnen bieten vielen Medien quasi die einzige Möglichkeit, auch mal etwas "gewagter" zu werden und von der eigenen Linie abzurücken. Deswegen gibt es aber auch immer wieder einen Aufschrei, wenn Person XY wo einen Gast-Beitrag o.ä. verfasst hat.

Deswegen von Kündigung zu sprechen, oder die Zeit direkt anzugehen...das sollte ein Chefredakteur doch eigentlich besser wissen.

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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Polyphony » 02.08.2019, 09:10

Ich bin seit jeher ein großer Kritiker der Beiträge hier, aber Herr Nimmervoll... dieser Beitrag ist ganz ganz stark.
Vielen Dank für diese Reaktion.

Die Zeit ist für mich übrigens gestorben, nicht weil sie die F1 als ganzes kritisiert, sondern wie das der Autor tut. Ohne jegliche Eigenrecherche, mit beleidigenden Kommentare gegen die Fans womit sie sogar eigene Leser beleidigen, denn ein solcher war ich. An Inkompetenz nicht zu überbieten.

Daher nochmal ein ausdrückliches Dankeschön an Herrn Nimmervoll, ich hoffe dass sich die anderen Motorsportportale einheitlich gegen diesen Kommentar der Zeit stellen und den Autor in aller Öffentlichkeit bloß stellen, denn nichts anderes verdient jemand, der öffentliche Beiträge zur Hetze nutzt.

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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Woelli38 » 02.08.2019, 09:14

Polyphony hat geschrieben:Daher nochmal ein ausdrückliches Dankeschön an Herrn Nimmervoll, ich hoffe dass sich die anderen Motorsportportale einheitlich gegen diesen Kommentar der Zeit stellen und den Autor in aller Öffentlichkeit bloß stellen, denn nichts anderes verdient jemand, der öffentliche Beiträge zur Hetze nutzt.


BLOß NICHT! Damit gibt man solchen Menschen doch nur unnötig Munition, das Thema noch weiter auszuschlachten!
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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Polyphony » 02.08.2019, 09:22

Woelli38 hat geschrieben:
Polyphony hat geschrieben:Daher nochmal ein ausdrückliches Dankeschön an Herrn Nimmervoll, ich hoffe dass sich die anderen Motorsportportale einheitlich gegen diesen Kommentar der Zeit stellen und den Autor in aller Öffentlichkeit bloß stellen, denn nichts anderes verdient jemand, der öffentliche Beiträge zur Hetze nutzt.


BLOß NICHT! Damit gibt man solchen Menschen doch nur unnötig Munition, das Thema noch weiter auszuschlachten!


Da magst du recht haben, aber bei so offentlichen Falschaussagen denke ich, dass es ihn eher lächerlich macht und er in zukünftigen Kommentaren als Reaktion eher "ist das nicht der Typ mit den Fake-News" erhält. Diese verdient er sich.

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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Alessandro » 02.08.2019, 09:30

Ist doch vollkommen vergebene Liebesmüh'. Der Artikel ist einzig dazu da zu provozieren - und jedwede Reaktion (geschweige ein derart langer Kommentar) gibt dem Zeit Artikel seine angestrebte Daseinsberechtigung. Einfach ignorieren, keine Plattform geben, drüber stehen. Man muss sich nicht mit jedem bullsht befassen.
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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Woelli38 » 02.08.2019, 09:32

Polyphony hat geschrieben:
Woelli38 hat geschrieben:
Polyphony hat geschrieben:Daher nochmal ein ausdrückliches Dankeschön an Herrn Nimmervoll, ich hoffe dass sich die anderen Motorsportportale einheitlich gegen diesen Kommentar der Zeit stellen und den Autor in aller Öffentlichkeit bloß stellen, denn nichts anderes verdient jemand, der öffentliche Beiträge zur Hetze nutzt.


BLOß NICHT! Damit gibt man solchen Menschen doch nur unnötig Munition, das Thema noch weiter auszuschlachten!


Da magst du recht haben, aber bei so offentlichen Falschaussagen denke ich, dass es ihn eher lächerlich macht und er in zukünftigen Kommentaren als Reaktion eher "ist das nicht der Typ mit den Fake-News" erhält. Diese verdient er sich.


Der Artikel hat Stand JETZT "1.108" Kommentare. Teilweise sind welche dabei, da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Viele aber auch, die diesen Artikel (und das Thema im Allgemeinen) richtig einschätzen und entsprechend kommentieren. Das Verständnis auf der Motzer-Seite ist natürlich gering, was erneutes Kopfschütteln auslöst. Da lassen sich Leser über ein Thema aus, von dem sie keine Ahnung haben.

Deswegen... Kopf hoch, A....lo.. denken, weiter gehen... :wink: :mrgreen:

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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Plauze » 02.08.2019, 09:32

Herr Freitag hat offensichtlich noch nie RTL2 geguckt, ist zu seinem Studium in Dublin*) seinerzeit mit dem Ruderboot gefahren und glaubt, dass der 1. FC St. Pauli, dessen Fan er ist*), mit dem Fahrrad zu den Zweitligapflichtspielen und ins Trainingslager nach Österreich fährt. Und natürlich ist Profifußball und alles drumherum nicht im entferntesten sexistisch und von Machogehabe durchsetzt - das hat Herr Freitag noch nie erlebt. Dann kann man auch mal nonchalant zu einem Verbot der Formel 1 und von Motorsport aufrufen. Vermutlich hat er beim Schreiben ein Avocadobrot gegessen, natürlich mit Früchten, die mit dem Speichel glücklicher Alpacas bewässert und von mit deutschem Mindestlohn bezahlten peruanischen Ureinwohnern mit dem Paddelboot nach Europa gebracht wurden.

Inhaltlich sollte man ihn nicht zu ernst nehmen, den Herrn Freitag. Gottseidank darf heutzutage in Deutschland jeder alles schreiben, was gesetzlich gedeckt ist. Gottseidank darf aber eben auch jeder alles Geschriebene kritisieren und bewerten. Da hat sich schon so mancher priviligierte Bub, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und deshalb z.B. für eine große deutsche Wochenzeitung schreiben darf, zum Trottel gemacht.
Freitag käut den gleichen Mist wieder, den eine Jutta Ditfurth schon vor 25 Jahren postuliert hat. Konstruktives Hinterfragen von Motorsport hat zu vielen guten und richtigen Entwicklungen geführt - den Sicherheitsinnovationen nach Sennas Tod, der Förderung von jungen motorsportbegeisterten Frauen, der Formel E, um nur ein paar wenige zu nennen. Dummdreistes und inkompetentes Phrasendreschen bringt niemanden zu keiner Zeit und von keiner Seite, weder von linksgrün noch von rechtsaußen, weiter.

Internationaler Spitzensport ist gelebte Völkerverständigung, ob im Rahmen der Olympischen Spiele, eines internationalen Fußballturniers oder jeder anderen Sportart, in der Sportler vieler Nationen sich auf friedvolle Art und Weise und im Rahmen sportlicher Fairness miteinander messen. Ob wir das heute noch brauchen? In Zeiten der wieder zunehmenden politischen Entfremdung auf dem internationalen Parkett meine ich: Ja, absolut.
Herr Freitag hat das offenbar nicht verstanden und wird es auch nie verstehen. Er war noch nie in Monza, in Imola, in Hockenheim, in Silverstone, wo selbstverständlich den Lokalmatadoren zugejubelt wird, wo aber in allererster Linie und schon immer der sportliche Gedanke im Vordergrund stand und wo jeder Fan mit offenen Armen empfangen wird.

Dass die Formel 1 kein völlig unproblematischer Sport ist und in manchen Aspekten vielleicht tatsächlich nicht ganz zeitgemäß: geschenkt. Jemand wie Herr Freitag ist aber wirklich der allerletzte, der uns oder auch die Motorsport-Funktionäre der FIA zu diesem Thema belehren muss. Wahrscheinlich ließe sich eine ganze Zeitungsredaktion aus den vielen Usern dieses Forums zusammenstellen, die mit konstruktiverer Kritik und Vorschlägen aufwarten könnten. Der Hamburger St-Pauli-Kiez-Öko-Hipster, der die Weisheit mit (ökologisch abbaubaren) Löffeln gefressen hat, darf da gerne zu Hause bleiben.

*) Quelle: https://www.zeit.de/autoren/F/Jan_Freitag/index.xml
Alles kann passieren. Und das ist auch gut so.

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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Woelli38 » 02.08.2019, 09:33

Alessandro hat geschrieben:Ist doch vollkommen vergebene Liebesmüh'. Der Artikel ist einzig dazu da zu provozieren - und jedwede Reaktion (geschweige ein derart langer Kommentar) gibt dem Zeit Artikel seine angestrebte Daseinsberechtigung. Einfach ignorieren, keine Plattform geben, drüber stehen. Man muss sich nicht mit jedem bullsht befassen.


:thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:
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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Hangglider » 02.08.2019, 09:36

"Olympische Spiele, Rock- und Popkonzerte, im Grunde jede Unterhaltung, die nicht einem höheren Zweck dient: Nach der Logik der 'Zeit'-Kolumne gehört all das verboten."

Auch nach der Logik der Grünen gehört all das verboten.. Vielleicht denken Sie doch noch mal über Ihre Wahl der Partei nach, Herr Nimmervoll? ;)

Ansonsten guter und wichtiger Beitrag :thumbs_up:
Zuletzt geändert von Hangglider am 02.08.2019, 09:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon Warlord » 02.08.2019, 09:36

Also wenn ich Kinder hätte, wäre ich nicht stolz drauf, wenn diese Freitags protestieren gehen.
Natürlich ist die Umwelt wichtig, die Schule hat für mich trotzdem Vorrang.

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Re: Kommentar zur "Formel Vorgestern": Das war echt daneben!

Beitragvon papi » 02.08.2019, 09:37

Ich würde sagen: Auf schriftlichen Wege durch Herrn Nimmervoll verpügelt. Sehr gut. Danke Herr Nimmervoll. :D :thumbs_up:


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