Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

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Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon Redaktion » 03.01.2019, 06:37

Chefredakteur Christian Nimmervoll zum 50er von Michael Schumacher: Warum die "Schu-Mania" aufhören und wir alle mehr an die Menschen denken sollten
Sabine Kehm und Corinna Schumacher

Die starken Frauen hinter Michael Schumacher: Sabine Kehm und Corinna

Liebe Leser,

wohin man auch blickt, es ist die Schumacher-Mania ausgebrochen dieser Tage. Sonderausstellungen, Spezial-Apps, ganze Hefte werden dem Formel-1-Superstar gewidmet. Und wenn jemand mit einer motorsportaffinen "Filter-Bubble" wie ich gerade auf Facebook schaut, gibt es kein anderes Thema mehr. Michael Schumacher hier, Michael Schumacher da, Michael Schumacher überall.

Das hat meiner Meinung nach zwei Seiten.

Erstens ist es richtig und wichtig, einem der größten Helden der deutschen Sportgeschichte zu seinem 50er zu gratulieren und ihm aufgrund dieses Anlasses Anerkennung für seine sagenhafte Lebensleistung zukommen zu lassen.

Wäre der 29. Dezember 2013 nicht passiert, würde "Schumi" wahrscheinlich einmal bei Markus Lanz sitzen, in einer Sonderausgabe nur für ihn allein. So, wie Lanz das macht, wenn ganz besondere Persönlichkeiten gewürdigt werden. Wahrscheinlich hätten ihm auch die großen Zeitungen und Magazine des Landes ein paar Seiten gewidmet. Dann wäre es aber auch gut gewesen.

Die derzeit stattfindende "Schu-Mania", in der in erster Linie Altes aufgewärmt und nicht etwas Neues erzählt wird, passiert, weil es keine Nachrichten zum Gesundheitszustand des Jubilars gibt. Die maue Newslage rund um das, was wirklich los ist, führt dazu, dass jeder Schnipsel aus dem Drumherum medial völlig überhöht wird.

Letztendlich bestimmt der Leser die Dynamik

Das nahm am Tag vor "Schumis" Geburtstag besonders abstruse Züge an (und damit sind wir beim "zweitens"), als ein Statement seiner Familie, eigentlich völlig inhaltsleer, die Runde machte, quer durch alle Nachrichtenagenturen und Fachmedien. Auch unseres, zugegeben. Weil wir uns dem Druck unserer Kunden, der Leser, nicht ganz entziehen können. Und der Kunde ist nun mal König in dieser kapitalistisch getriebenen Welt.

Als Chefredakteur würde ich dem 50er von Michael Schumacher am liebsten aus dem Weg gehen. Wenn unsere Kunden fragen, welche Beiträge denn zu diesem Anlass geplant sind, am liebsten antworten: "Nichts!" Denn fast jede Geschichte, die dieser Tage irgendwo erzählt wird, wurde schon einmal erzählt. Oder öfter als einmal.

Es sind tolle Geschichten dabei. Auch wir haben dazu beigetragen. Mein Interview mit Sabine Kehm aus dem Jahr 2012 beispielsweise ermöglicht faszinierende Einblicke hinter die Kulissen. Oder die Raritäten aus dem YouTube-Archiv, die wir ebenfalls zum Ende seiner Karriere vor sechs Jahren erstmalig zusammengetragen haben.

Kehm, das möchte ich in einer Kolumne wie dieser nicht unerwähnt lassen, ist eine der bewundernswertesten Figuren in dieser Geschichte. Jeder kann zumindest in Ansätzen nachvollziehen, was es heißen muss, wenn der Ehemann oder der Papa so ein Schicksal erleidet. Aber an Kehm denkt dabei offenbar keiner.

Sie musste professionell die Verrückten (davon gab es, neben den seriösen Journalisten, die anständig mit der Sache umgegangen sind, leider zu viele) im Zaum halten, die sich in jenen Dezember- und Januar-Tagen 2013/14 in Frankreich Journalisten schimpften und in Wahrheit nur darauf aus waren, die Sensationsgier ihrer Leser zu befriedigen. Sie musste im kompletten Chaos Ruhe ausstrahlen, immer sachlich bleiben und wie ein Fels in der Brandung das tun, was im besten Interesse der Familie war und ist.

Was dabei völlig vergessen wird: Auch Sabine Kehm ist ein Mensch und keine Maschine. Und Michael Schumacher für sie nicht nur eine Heldenfigur, die es irgendwann im Internet und im Fernsehen gab, sondern ein Vertrauter, ein Freund aus Fleisch und Blut.

Am stärksten muss die Familie sein

Ich weiß nicht, wie es den Schumacher-Kindern damit geht, wenn sie jeden Tag ihren Vater sehen, wenn Sie Facebook oder Instagram am Handy öffnen. Ob sie das wahrnehmen, ob es sie beschäftigt, ob sie stolz sind, genervt oder traurig. Und Corinna sowieso.Familie Schumacher hat ein Recht, genau das zu sein, was sie ist: eine Familie - und kein öffentliches Schauspiel.Ich muss zugeben: Natürlich würde mich interessieren, wie es "Schumi" heute geht. Etwas anderes zu behaupten, wäre geheuchelt. Wie sein Alltag aussieht, ob er die Menschen in seinem Umfeld wie früher wahrnimmt, ob er sich Formel-1-Rennen anschauen kann oder nicht. Ob und wie er sich verändert hat. Wir alle sind doch irgendwie neugierig. Das ist auch völlig legitim.Nicht legitim ist, aufgrund dieser Neugier unsere Sensationslust über die Persönlichkeitsrechte der Familie zu stellen. Die Schumachers haben entschieden, wie sie mit ihrer Situation umgehen wollen, und das ist zu respektieren. Punkt, aus, fertig. Unerträglich ist diese Situation so oder so. Aber nicht in erster Linie für uns, die Zuschauer dieses Medienspektakels; sondern vor allem für Corinna, Mick und Gina Maria.

Sabine Kehm über das Recht auf Privatsphäre

  Weitere Formel-1-Videos

Die vergangenen fünf Jahre haben schräge Blüten getrieben. Jeder kennt inzwischen die Geschichte des als Priester verkleideten Journalisten, der sich in Grenoble auf die Intensivstation schleichen wollte. Es ist schon ironisch, dass es vor ein paar Wochen ausgerechnet ein echter Priester war, der persönliche Details aus Schumachers Alltag ausgeplaudert hat.Wir haben ganz bewusst entschieden, diese Geschichte nicht zu bringen. Auch und besonders wir Journalisten tragen eine Verantwortung in diesem eigenartigen Schauspiel, in dem vielen die Ethik abhandengekommen ist. Dieser Verantwortung möchten wir uns stellen, so gut es geht. Und trotzdem das Bedürfnis unserer Leser befriedigen, so weit wir das auf moralischer Ebene für vertretbar halten.Ein ganz, ganz schwieriger Spagat, zugegeben.

Medien stehen in der Verantwortung

Wie verrückt der Fall Schumacher geworden ist, dazu möchte ich Ihnen noch kurz eine Anekdote erzählen. Diesen Sommer hat sich ein Herr bei mir gemeldet, zunächst via E-Mail, der behauptete, Informationen über Michael Schumacher zu besitzen und Bereitschaft signalisierte, diese bestimmten Medien zu übergeben. Gegen Bares, versteht sich.

Ich habe das abgelehnt. Ob der Herr auch zu anderen Medien gelaufen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Er wollte seine Infos nur einem Medium wie unserem verkaufen, weil er glaubte, der Boulevard würde nicht moralisch genug damit umgehen. Ironisch nur, dass er den rechten Weg bei der Beschaffung der Informationen selbst verlassen hat.

Ich mache dem Mann keinen Vorwurf. Letztendlich hat er sich - vielleicht auch auf meinen gut gemeinten Rat hin - richtig entschieden. Bis heute habe ich die Geschichte in keiner anderen Zeitung und auf keiner Internetseite gefunden. Gut so!

Michael Schumacher

Weltmeister auf Ferrari: So erinnern wir uns an Michael Schumacher

Ich kann Ihnen sonst nicht viel über Michael Schumacher erzählen. Ich habe ihn nie näher kennen gelernt; bin ihm zwar ein paar Mal persönlich begegnet, hatte aber nie die Gelegenheit, mich mal 1:1 zu einem Interview oder Abendessen mit ihm hinzusetzen. Da waren andere viel näher dran.

Daher steht es mir auch nicht zu, heute ein Charakterbild zu zeichnen. Er ist ein ganz besonderer Mensch. Das sagt jeder, der mit ihm zu tun hatte.

Was mir aber ein Anliegen ist, auch ohne ihn je besser gekannt zu haben: Danke zu sagen - denn ohne Michael Schumacher würde das Gesicht des Motorsports und der Formel 1 in Deutschland heute sicher anders aussehen. Und zu gratulieren, zum Geburtstag. Wie man das halt macht, wenn jemand 50 wird.

Alles Gute!

Ihr
Christian Nimmervoll

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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon LoK-hellscream » 03.01.2019, 08:19

Redaktion hat geschrieben:Denn fast jede Geschichte, die dieser Tage irgendwo erzählt wird, wurde schon einmal erzählt. Oder öfter als einmal.


Wo ist das Problem? Aus einem Interview werden teilweise bis zu 5 Artikel gemacht und wenn mal Flaute ist, dann werden diverseste Artikel zig mal recycled. Das ist doch genau DAS Merkmal dieser Seite. :think: :mrgreen:

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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon G.E. » 03.01.2019, 08:33

Sehr gut geschrieben.

Kann man so unterschreiben.
Wer einen Schreibfehler findet, darf ihn gerne behalten.

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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon Ferrarista1985 » 03.01.2019, 08:59

Redaktion hat geschrieben:
Als Chefredakteur würde ich dem 50er von Michael Schumacher am liebsten aus dem Weg gehen. Wenn unsere Kunden fragen, welche Beiträge denn zu diesem Anlass geplant sind, am liebsten antworten: "Nichts!" Denn fast jede Geschichte, die dieser Tage irgendwo erzählt wird, wurde schon einmal erzählt. Oder öfter als einmal.

Sie musste professionell die Verrückten (davon gab es, neben den seriösen Journalisten, die anständig mit der Sache umgegangen sind, leider zu viele) im Zaum halten, die sich in jenen Dezember- und Januar-Tagen 2013/14 in Frankreich Journalisten schimpften und in Wahrheit nur darauf aus waren, die Sensationsgier ihrer Leser zu befriedigen.

Nicht legitim ist, aufgrund dieser Neugier unsere Sensationslust über die Persönlichkeitsrechte der Familie zu stellen. Die Schumachers haben entschieden, wie sie mit ihrer Situation umgehen wollen, und das ist zu respektieren. Punkt, aus, fertig. Unerträglich ist diese Situation so oder so. Aber nicht in erster Linie für uns, die Zuschauer dieses Medienspektakels; sondern vor allem für Corinna, Mick und Gina Maria.

Diesen Sommer hat sich ein Herr bei mir gemeldet, zunächst via E-Mail, der behauptete, Informationen über Michael Schumacher zu besitzen und Bereitschaft signalisierte, diese bestimmten Medien zu übergeben. Gegen Bares, versteht sich. Ich habe das abgelehnt. Ob der Herr auch zu anderen Medien gelaufen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Er wollte seine Infos nur einem Medium wie unserem verkaufen, weil er glaubte, der Boulevard würde nicht moralisch genug damit umgehen. Ironisch nur, dass er den rechten Weg bei der Beschaffung der Informationen selbst verlassen hat.



Warum gehen Sie diesem dann nicht aus dem Weg? Als Chefredakteur müssten Sie keinen Artikel über Schumi schreiben. So nimmt man den Namen Schumacher wieder in den Mund und druckt Ihn auf´s Papier oder setzt es online. Damit wird wieder Kohle gemacht, auf Kosten Schumacher.

Nicht gab! Es gibt auch noch heute unverschämte Reporter oder Zeitungen, die meinen etwas schreiben zu müssen, was gar nicht ist... Aber was viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass wenn man diese Reporter, Journalisten oder Zeitschriften kritisiert, man augenblicklich auf die Pressefreiheit pocht. Das mag auch alles in Ordnung sein, aber bitte dabei die Moral nicht vergessen. nicht nur im Fall Schumacher hat man diese vergessen und auch in diesem Forum wurde das Eine odere Andere mal "indirekt" Stimmung gemacht. Wir User werden zensiert, Ihr Medien nennt das Pressefreiheit...

Die Sensationslust überwiegt auch noch heute. Viele sehen davon ab, der Fam. Schumacher Ruhe zu schenken. Richtig ist, dass sich fam. Schumacher entschieden hat, nichts preiszugeben. Respektieren tut man diese Entscheidung bis heute nicht, denn immer wieder muss Frau Kehm eingreifen, in bevorstehenden Interviews gebtsmühlenartig wiederholen, KEINE Fragen über Michael Schumacher zu stellen...

Wenn Sie das so getan haben, dann ziehe ich meinen Hut vor Ihnen. Andererseits hätten Sie nicht diesen Artikel veröffentlichen brauchen.
Ein einfach happy birthday hätte in meinen Augen wesentlich sympathischer gewirkt. So beißt sich dieser Artikel in meinen Augen ein wenig.

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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon DeLaGeezy » 03.01.2019, 09:14

Ich verstehe nicht, dass man so ein Tam Tam um seine Privatsphäre macht. Es ist ja klar, dass seine Gesundheit durch diesen Skiunfall nachhaltig beeinträchtigt wurde. Man kann doch etwas sagen, ohne zu viel zu sagen. Die meisten wollen doch eh nur grob wissen, wie es ihm geht.
Ich will ihm dieses Recht nicht absprechen, jedoch kann ich nicht nachvollziehen, wieso man sich für diese Strategie entschieden hat.
Andere Prominente geben auch Krankheiten, Süchte usw von sich Preis, auch wenn es das Denkmal in einem neuen Licht erscheinen lässt.
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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon FU Racing Team » 03.01.2019, 10:40

Dieses Thema wird uns wohl noch lange begleiten.

Hätte er Hr. Nimmervoll einen 5Zeiler mit einem schlichten "Happy Birthday" veröffentlicht, wäre es wohl auch dem einen oder anderem nicht recht gewesen.

Ich finde die Kolumne schon gut. Ich selbst würde zwar auch gerne "grob" von der Familie informiert werden, da sonst da Fantasien der Fans (auch meine) Blüten treibt, aber ich kann auch akzeptieren, dass die Familie so verfähtr, wie sie verfährt.

Lasst uns heute alle Michael Schumacher ehren, es ist sein Tag! Ein guter Tag, um ein altes Rennen bei Youtube zu schauen, bei dem kein anderer gewinnt, als Michael Schumacher! :-)
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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon powerplay » 03.01.2019, 10:57

DeLaGeezy hat geschrieben:Ich verstehe nicht, dass man so ein Tam Tam um seine Privatsphäre macht. Es ist ja klar, dass seine Gesundheit durch diesen Skiunfall nachhaltig beeinträchtigt wurde. Man kann doch etwas sagen, ohne zu viel zu sagen. Die meisten wollen doch eh nur grob wissen, wie es ihm geht.
Ich will ihm dieses Recht nicht absprechen, jedoch kann ich nicht nachvollziehen, wieso man sich für diese Strategie entschieden hat.
Andere Prominente geben auch Krankheiten, Süchte usw von sich Preis, auch wenn es das Denkmal in einem neuen Licht erscheinen lässt.


Andere Promis die Süchte, Krankheiten, Psychosen usw. breit treten und erzählen haben meist ihre Glanzzeit längst überlebt. Die erzählen das meist nicht um den Fans einen gefallen zu tun, sondern um endlich mal wieder Schlagzeilen zu schreiben und aufs Titelblatt zu kommen. Wenn dann im Nachhinein noch der ein oder andere Job bei rausspringt, umso besser.

Das ist bei Michael anders, er ist eine lebende Legende der einen furchtbaren Unfall hatte. Er und seine Familie brauchen keinen riesen Presserummel und Publicity, sondern einfach ihre Ruhe. Verständlich das man sich da zurückzieht und so wenig wie nur irgendwie möglich preis gibt.

Man merkt es doch grad wieder in allen Medien: Jede noch so kleine Äußerung wird bis aufs kleinste auseinander genommen und Dinge reininterpretiert um ja irgendeine Schlagzeile zu haben. Nun stell dir mal vor Frau Kehm würde ein Statement veröffentlichen ala: Michael geht es den umständen Entsprechend gut, er liegt den ganzen Tag im Bett.

Was meinst du was dann los wäre? Brauch man glaube ich nicht groß erklären...

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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon Simtek » 03.01.2019, 11:04

DeLaGeezy hat geschrieben:Ich verstehe nicht, dass man so ein Tam Tam um seine Privatsphäre macht. Es ist ja klar, dass seine Gesundheit durch diesen Skiunfall nachhaltig beeinträchtigt wurde. Man kann doch etwas sagen, ohne zu viel zu sagen. Die meisten wollen doch eh nur grob wissen, wie es ihm geht.
Ich will ihm dieses Recht nicht absprechen, jedoch kann ich nicht nachvollziehen, wieso man sich für diese Strategie entschieden hat.
Andere Prominente geben auch Krankheiten, Süchte usw von sich Preis, auch wenn es das Denkmal in einem neuen Licht erscheinen lässt.


Ach und was soll das sein? Und ja andere Promis geben mehr von ihrer Situation preis, viele aber auch erst wenn kein Weg daran vorbeiführt, wie z.B. Boris Becker, über seine Nummer in der Besenkammer oder seine aktuelle finanzielle Situation hätte er wohl auch lieber Stilschweigen bewahrt, aber das ging halt irgendwann nicht mehr!
Dafür gibt es aber auch genug kranke Promis von denen man ebenfalls schon lange nichts neues mehr gehört oder gelesen hat. Oder wann hast Du das letzte mal etwas über den aktuellen Gesundheitszusatnd von z.B. Rudi Assauer oder Reinhold Roth gehört?
Lieber Schumi, bitte denk daran: "Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft, der hat schon verloren!"

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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon Sportsmann » 03.01.2019, 14:00

Redaktion hat geschrieben:Weil wir uns dem Druck unserer Kunden, der Leser, nicht ganz entziehen können. Und der Kunde ist nun mal König in dieser kapitalistisch getriebenen Welt.

Als Chefredakteur würde ich dem 50er von Michael Schumacher am liebsten aus dem Weg gehen. Wenn unsere Kunden fragen, welche Beiträge denn zu diesem Anlass geplant sind, am liebsten antworten: "Nichts!" Denn fast jede Geschichte, die dieser Tage irgendwo erzählt wird, wurde schon einmal erzählt. Oder öfter als einmal.


Gut dass ich keinen Druck gemacht habe bisher und bis auf diese Kollumne keinen anderen Schumacher Artikel angeklickt habe - werde ich auch nicht tun. Letztendlich, sofern dieses Portal nicht am Hungertuch nagen würde wäre es aber den Verantwortlichen möglich mit ihren Arbeitgebern zu sprechen ob man nicht eine humane Strategie fahren könnte. Im Übrigen bin ich auch eher AMuS Leser weil ich dort nicht halbgares oder zum vierten Mal aufgewärmtes Lesen muss. Mir war klar (ohne das über den Geburtstag zu wissen) dass in der Winterpause wieder Schumacher, Newey (da kommt sicher noch etwas mehr) und andere alte Kamellen ausgekramt werden um jeden Tag zig (meist ebenso inhaltsleere) Beiträge zu sehen.

Nun gut, zu einem Runden Geburtstag sind diese Spezialbeiträge schon in Ordnung. Aber bitte in den nächsten Jahren mal wieder A) Schweigen oder B) vielleicht versuchen mit der Erklärung von Technikdetails oder Aerodynamiktheorien mal eine andere Richtung anzutesten. Vielleicht gibt es ja Fans hier, die solche Beiträge - wenn sie gut geschrieben und nicht von einem Unwissenden kopiert sind - mögen.

Lustig ist auch, dass auf der Newsseite gerade eigentlich nur Schumacherbeiträge stehen, 5-10 ca.; Normalerweise streut ihr ja noch etwas anderes ein, damit es nicht ganz so einseitig ist und Nicht-Schumacher-Gläubige (die ihn nur als normalen Mensch sehen) nicht gelangweilt gleich wieder gehen.
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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon Ferrarista1985 » 03.01.2019, 14:48

Sportsmann hat geschrieben:
Redaktion hat geschrieben:Weil wir uns dem Druck unserer Kunden, der Leser, nicht ganz entziehen können. Und der Kunde ist nun mal König in dieser kapitalistisch getriebenen Welt.

Als Chefredakteur würde ich dem 50er von Michael Schumacher am liebsten aus dem Weg gehen. Wenn unsere Kunden fragen, welche Beiträge denn zu diesem Anlass geplant sind, am liebsten antworten: "Nichts!" Denn fast jede Geschichte, die dieser Tage irgendwo erzählt wird, wurde schon einmal erzählt. Oder öfter als einmal.


Gut dass ich keinen Druck gemacht habe bisher und bis auf diese Kollumne keinen anderen Schumacher Artikel angeklickt habe - werde ich auch nicht tun. Letztendlich, sofern dieses Portal nicht am Hungertuch nagen würde wäre es aber den Verantwortlichen möglich mit ihren Arbeitgebern zu sprechen ob man nicht eine humane Strategie fahren könnte. Im Übrigen bin ich auch eher AMuS Leser weil ich dort nicht halbgares oder zum vierten Mal aufgewärmtes Lesen muss. Mir war klar (ohne das über den Geburtstag zu wissen) dass in der Winterpause wieder Schumacher, Newey (da kommt sicher noch etwas mehr) und andere alte Kamellen ausgekramt werden um jeden Tag zig (meist ebenso inhaltsleere) Beiträge zu sehen.

Nun gut, zu einem Runden Geburtstag sind diese Spezialbeiträge schon in Ordnung. Aber bitte in den nächsten Jahren mal wieder A) Schweigen oder B) vielleicht versuchen mit der Erklärung von Technikdetails oder Aerodynamiktheorien mal eine andere Richtung anzutesten. Vielleicht gibt es ja Fans hier, die solche Beiträge - wenn sie gut geschrieben und nicht von einem Unwissenden kopiert sind - mögen.

Lustig ist auch, dass auf der Newsseite gerade eigentlich nur Schumacherbeiträge stehen, 5-10 ca.; Normalerweise streut ihr ja noch etwas anderes ein, damit es nicht ganz so einseitig ist und Nicht-Schumacher-Gläubige (die ihn nur als normalen Mensch sehen) nicht gelangweilt gleich wieder gehen.


Super geschrieben. ich unterstütze deine Aussagen zu 100%.
In der Titelseite liest man heute nur noch den Namen Schumacher.
:thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:

Herr Chefredakteur...
Somit ist Ihr Beitrag oben für mich (leider) nicht glaubwürdig. Die kommerzielle Seite hat mal wieder gewonnen. Des Weiteren kann ich mir nicht vorstellen, dass User/Leser Druck auf die Redaktion ausüben, um gefälligst Schumacher Interviews zu lesen.

Somit wären wir wieder beim Thema Journalismus ohne Moral...

Was viel effektiver wäre, wären Berichte mit Details über Aerodynaimk oder Motorentechnik, Fahrwerken und dem ganzen Firlefanz. DAS wäre informativ.

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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon DeLaGeezy » 03.01.2019, 16:11

powerplay hat geschrieben:Er und seine Familie brauchen keinen riesen Presserummel und Publicity, sondern einfach ihre Ruhe. Verständlich das man sich da zurückzieht und so wenig wie nur irgendwie möglich preis gibt.

Da widerspreche ich.
Denn wenn sie wirklich ihre Ruhe haben wollen, wieso öffnen sie ein Museum, erneuern die Website (na gut, kann ich etwas verstehen), lassen eine App entwickeln. Warum machen Sie das? Ist das nicht kommerziell? Ist das reiner Service für die Fans?
Auch wenn es ggf nur um Kostendeckung geht, so wird die Marke Michael Schumacher trotzdem weiter gebaut und erhalten.
Da finde ich es nicht schlimm ein Wort mehr über seinen Zustand zu sagen. Er soll seine Ruhe behalten dürfen, darum geht es ja nicht.
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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon Simtek » 03.01.2019, 17:08

DeLaGeezy hat geschrieben:
powerplay hat geschrieben:Er und seine Familie brauchen keinen riesen Presserummel und Publicity, sondern einfach ihre Ruhe. Verständlich das man sich da zurückzieht und so wenig wie nur irgendwie möglich preis gibt.

Da widerspreche ich.
Denn wenn sie wirklich ihre Ruhe haben wollen, wieso öffnen sie ein Museum, erneuern die Website (na gut, kann ich etwas verstehen), lassen eine App entwickeln. Warum machen Sie das? Ist das nicht kommerziell? Ist das reiner Service für die Fans?
Auch wenn es ggf nur um Kostendeckung geht, so wird die Marke Michael Schumacher trotzdem weiter gebaut und erhalten.
Da finde ich es nicht schlimm ein Wort mehr über seinen Zustand zu sagen. Er soll seine Ruhe behalten dürfen, darum geht es ja nicht.


Da die App kostenfrei ist: "Ja!" . Ob man sie persönlich braucht ist natürlich eine Frage die jeder für sich selber beantworten muss.
Angenommen Dir oder einen Verwandten würde es selber gesundheitlich sehr sehr schlecht gehen - würdest Du dann entsprechenden Infos über den Gesundheitszustand preisgeben?
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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon Zettel » 03.01.2019, 18:03

Für Sabine Kehm um Mitleid zu werben finde ich nicht angebracht. Die Frau übt ihren Beruf professionell aus, und hat damit wahrscheinlich mehr Geld verdient, als die meisten Schumacher-Fans in ihrem Leben je verdienen werden. Und das ist für sie auch völlig legtim und berechtigt und es sei ihr auch gegönnt. Aber es ist nun nicht so, dass sie gezwungen wird, das auf sich zu nehmen und unser Mitleid braucht, weil sie mit den vielen Journalistenanfragen nicht klar kommt.
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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon DeLaGeezy » 03.01.2019, 20:46

Simtek hat geschrieben:Da die App kostenfrei ist: "Ja!" . Ob man sie persönlich braucht ist natürlich eine Frage die jeder für sich selber beantworten muss.
Angenommen Dir oder einen Verwandten würde es selber gesundheitlich sehr sehr schlecht gehen - würdest Du dann entsprechenden Infos über den Gesundheitszustand preisgeben?


Muhammad Ali ist trotz seiner schweren Erkrankung offensiv damit umgegangen. Hat es seinem Ansehen geschadet? Ich denke nicht.
Ich will hier auch niemandem zu nahe treten oder so.
Unterm Strich kann man sich als Familie auch für eine andere Kommunikationsstrategie entscheiden, mMn.

PS. Auch wenn die App kostenlos ist, ist nicht ausgeschlossen, dass sich damit Geld verdienen lässt. Das nur ganz allgemein mal angemerkt. Ich kenne die App nicht und kann das somit in diesem Fall auch nicht beurteilen.
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Re: Michael Schumacher: Denkt bitte jemand an die Menschen?

Beitragvon bolfo » 04.01.2019, 03:19

Redaktion hat geschrieben:Das nahm am Tag vor "Schumis" Geburtstag besonders abstruse Züge an (und damit sind wir beim "zweitens"), als ein Statement seiner Familie, eigentlich völlig inhaltsleer, die Runde machte, quer durch alle Nachrichtenagenturen und Fachmedien. Auch unseres, zugegeben. Weil wir uns dem Druck unserer Kunden, der Leser, nicht ganz entziehen können. Und der Kunde ist nun mal König in dieser kapitalistisch getriebenen Welt.

Als Chefredakteur würde ich dem 50er von Michael Schumacher am liebsten aus dem Weg gehen. Wenn unsere Kunden fragen, welche Beiträge denn zu diesem Anlass geplant sind, am liebsten antworten: "Nichts!" Denn fast jede Geschichte, die dieser Tage irgendwo erzählt wird, wurde schon einmal erzählt. Oder öfter als einmal.


Und was ist so schlimm daran? Was ist verwerflich daran, Geschichten, die schon erzählt wurden, nochmals zu erzählen? Waru sollen diese nicht zu einem speziellen Anlass "hervorgekramt" werden?

Ich finde dies jetzt nur eine scheinheilige "Moral", mehr nicht. Die Geschichten um alte GPs sind doch auch längst erzählt, und dennoch bringt man immer "... ein GP für die Unendlichkeit". Die Geschichten um Senna, Clark, Fangio usw. sind doch auch alle durchgekaut. Und dennoch erzählt man sie immer wieder. Was soll nun daran so verwerflich sein, einen Menschen bzw. Star zu feiern?

Nichts, nichts und nochmals nichts. Verwerflich ist bestenfalls, Sensationsjournalismus zu betreiben, der auf nichts anderes aus ist, als mit quasi-Fake-News, haltlosen Behauptungen oder irreführenden Titeln Kohle zu machen. Verwerflich ist es, haltlose Behauptungen zu seinem Gesundheitszustand zu machen, um die Verkaufszahlen anzukurbeln. Verwerflich ist es hingegen nicht, tolle Stories wieder zu erzählen. Das zeugt nur von Respekt gegenüber einer Person und der Tatsache, dass diese nicht vergessen wurde. Millionen von Fans haben Schumacher gedacht. Und das ist auch schön so. Hieraus muss man keine moralische Sondergeschichte veranstalten.
Never argue with an idiot. They bring you down to their level and beat you with experience.


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