Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

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Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon Redaktion » 18.12.2018, 16:22

Formel-1-Arzt Riccardo Ceccarelli klärt im Interview, ob Frauen im Formel-1-Boliden körperlich gegenüber Männern im Nachteil sind und welche Rolle die Gene spielen
Riccardo Ceccarelli

Arzt Riccardo Ceccarelli hat zahlreiche Piloten und Pilotinnen genau analysiert

Haben Frauen die gleichen Voraussetzungen, um im Formel-1-Cockpit erfolgreich zu sein? 'Motorsport-Total.com' hat sich mit dieser Frage an den italienischen Arzt Riccardo Ceccarelli gewandt, der seit 1989 in der Formel 1 tätig ist und mit seiner Firma "Formula Medicine" inzwischen abgesehen von Ferrari alle Teams betreut. Zudem hat der Sportmediziner in der Toskana ein Hightech-Trainingszentrum geschaffen, in dem bereits über 1.000 Rennfahrer physisch, psychisch und medizinisch unterstützt, aber auch analysiert wurden.

Im Interview erklärt Ceccarelli, der Sophia Flörsch nach ihrem Horrorunfall in Macao betreute, warum Frauen in der Formel 1 physisch die gleichen Leistungen wie Männer bringen können, er es aber für möglich hält, dass sie genetisch im Nachteil sind.

Frage: "Herr Ceccarelli, was halten Sie von den Aussagen von Carmen Jorda, die physischen Voraussetzungen würden es Frauen unmöglich machen, in der Formel 1 und in der Formel 2 erfolgreich zu sein?"
Riccardo Ceccarelli: "Da muss ich klar widersprechen. Die Tatsache, dass es viel weniger Fahrerinnen als Fahrer gibt, ist nicht auf den Körper zurückzuführen. Um ein Rennauto zu fahren, benötigt man nicht unbedingt 100 Prozent der Muskelkraft, über die ein Mann verfügen kann. Es kommt einfach darauf an, wie fit man ist und wie viel man trainiert. Frauen fehlt das Testosteron, daher müssen Frauen etwas mehr trainieren als Männer."

Frage: "Was bedeutet das genau?"
Ceccarelli: "Der männliche Bizeps wird durch Testosteron unterstützt, der weibliche nicht. Daher muss die Frau vielleicht ein bisschen mehr trainieren, um die selbe Kraft zu haben. Aber das ist kein Problem. Aus muskulärer Sicht kann sie das ohne weiteres schaffen - und zwar auch wenn es darum geht, ein Formel-1-Auto zu fahren. Die physische Seite ist also nicht das Problem. Wenn eine Frau motiviert ist und an sich arbeiten will, kann sie diese hohe Performance absolut problemlos erreichen."

Frage: "Worauf führen Sie es dann zurück, dass seit 42 Jahren keine Frau mehr einen Grand Prix bestritten hat?"
Ceccarelli: "Der Hauptgrund ist, dass viel weniger Frauen Motorsport betreiben als Männer. Die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Frau ganz an die Spitze schafft, ist also viel geringer. Das dürfen wir nicht vergessen."

Ceccarelli: Warum Männer oft mehr riskieren

Frage: "Haben Sie noch andere Unterschiede festgestellt, die eine Rolle spielen könnten?"
Ceccarelli: "Ich glaube, es gibt schon noch einen Unterschied, aber das ist meine persönliche Meinung und keine wissenschaftliche Aussage."

Susie Wolff

Susie Wolff musste mehr trainieren als die Piloten, um den Belastungen standzuhalten

Frage: "Und zwar ...?"Ceccarelli: "Lassen Sie mich etwas ausholen: Als Kinder sind Rennfahrerinnen manchmal auf dem gleichen Niveau wie die Fahrer. Ich spreche da vom Kartsport, so mit elf oder zwölf. Manchmal sind die Mädchen sogar schneller. Aber wenn sie älter werden, verlieren sie diesen Vorsprung im Vergleich zu den Jungs."Frage: Woran könnte das liegen?Ceccarelli: "Man muss sich das Gehirn anschauen - und das ist immer noch meine persönliche Meinung. Als Kind hat man keine besonderen analytischen Fähigkeiten, sondern handelt nach seinen Instinkten. Man macht einfach was man will, denkt nicht viel über das Kart nach und reflektiert nicht viel. Man macht Dinge, weil sie Spaß machen. Und wenn man dann auch noch Talent hat, dann geht alles ganz leicht.""Wenn man aber älter wird, dann wird es kompliziert. Man kommt in die Pubertät, wird erwachsen - und dann gibt es zwei unterschiedliche Arten von Hormonen, die männlichen und die weiblichen. Der Körper ändert sich, aber meiner Meinung nach ändert sich auch das Gehirn. Die Frauen entwickeln eine etwas konservativere Herangehensweise. Sie tun sich schwerer, ans absolute Limit zu gehen. Manchmal fehlt die allerletzte Risikobereitschaft, die über das Rationale hinausgeht."
"Männer sind aus genetischer Sicht durch die Evolution über tausende Jahre damit vertraut, Risiken einzugehen."Riccardo Ceccarelli
Frage: "Worauf führen Sie das zurück?"Ceccarelli: "Das hat historische Gründe: Als wir Affen waren, haben die Männer Tiere gejagt, um Nahrung zu besorgen, während die Frauen bei den Kindern bleiben mussten. Die Herangehensweise unterscheidet sich also. Die Männer sind aus genetischer Sicht durch die Evolution über tausende Jahre damit vertraut, Risiken einzugehen, um das Überleben zu sichern.""Das ist auf die Jagd von anderen Tieren und auf Kriege zurückzuführen. Das Risiko ist also Teil der männlichen Genetik. Frauen verteidigen hingegen eher, um Schutz zu bieten. Das könnte der Grund sein, warum Frauen auch in Rennen oft ein bisschen konservativer und rationaler agieren als Männer."

Ceccarelli: Pilotinnen haben mehr Veranlagung für GT-Rennen

Frage: "Das muss aber nicht immer ein Nachteil sein ..."Ceccarelli: "Ja, weil sie weniger Unfälle haben und wahrscheinlich rationaler agieren. Für Frauen ist es möglicherweise einfacher, in Langstreckenrennen zur Spitze zu zählen, wo es nicht immer um absolute Top-Rundenzeiten geht, sondern vor allem um die Konstanz und darum, das Auto heil ins Ziel zu bringen. Ich glaube also, dass Frauen mehr Veranlagung für Langstreckenrennen haben als für den Formelsport. Zumindest, wenn es um den letzten Schritt im Formelsport geht."Frage: "Kann eine Frau also in der Formel 1 ihrer Meinung nach gar nicht ganz nach vorne kommen?"Ceccarelli: "Theoretisch könnte schon morgen eine Frau auftauchen, die eine Ausnahme darstellt und sogar in der Formel 1 an die Spitze kommt. Das würde ich absolut nicht ausschließen, ich spreche hier nur über den Durchschnitt. Und ein Vergleich ist ganz schwierig, weil sich bei der männlichen Gruppe der Schnitt aus einer so großen Anzahl an Personen ergibt und bei der weiblichen aus einer so kleinen Anzahl. Das ist natürlich die größte Einschränkung."
"Theoretisch könnte schon morgen eine Frau auftauchen, die in der Formel 1 an die Spitze kommt."Riccardo Ceccarelli
Frage: "Gibt es noch andere Faktoren, die Einfluss haben?"Ceccarelli: "Was das Mentale angeht, aber auch die Herangehensweise, die Entschlossenheit und die Analysekompetenz, sehe ich überhaupt kein Problem. Manche Frauen haben sogar eine viel bessere Veranlagung, was Arbeitsmoral und Analysekompetenz, aber auch Zielstrebigkeit anbelangt. Sie sind oft entschlossener. Man sieht das auch in der Medizin. Als ich als Arzt angefangen habe, gab es wenig Frauen, heute sind es viel mehr. Und sie sind in allen Bereichen auf dem gleichen Niveau wie die Männer - und oft sogar genauer, bemühter und professioneller."

Fotostrecke: Top 30: Diese Frauen haben das Zeug zur Formel-1-Pilotin!

Sophia Flörsch (18/GER): Durch ihren Horrorunfall in Macao wurde die bayrische Formel-3-Pilotin, deren Vater Alexander Flörsch ebenfalls Rennen fuhr, weltberühmt. Kann sie die Bühne nutzen? In der Formel 4 fuhr Flörsch regelmäßig in die Top 10 und erkämpfte zwei Podestplätze, in die Formel 3 stieg sie wegen des Abiturs mit Verspätung ein.

Sophia Flörsch (18/GER): Durch ihren Horrorunfall in Macao wurde die bayrische Formel-3-Pilotin, deren Vater Alexander Flörsch ebenfalls Rennen fuhr, weltberühmt. Kann sie die Bühne nutzen? In der Formel 4 fuhr Flörsch regelmäßig in die Top 10 und erkämpfte zwei Podestplätze, in die Formel 3 stieg sie wegen des Abiturs mit Verspätung ein.

"Heute funktioniert auch der Motorsport so. Man muss sich der Sache verschreiben, viel analysieren. Ich sehe, was den Charakter angeht, keine mentalen Einschränkungen, um im Motorsport erfolgreich zu sein. Das sehe ich auch bei den Fahrerinnern, die zu mir kommen. Frauen haben diesbezüglich zumindest die gleichen Voraussetzungen."

"Ich stelle mir eben nur die Frage, ob die Gene auf Basis unserer menschlichen Evolution eine Rolle für den Instinkt spielen, das allerletzte Risiko einzugehen. Da geht es nicht um die Einstellung, sondern um das, was in uns steckt. Das könnte eine Einschränkung sein, wenn es darum geht, in der Formel 1 ganz vorne zu sein. Aber in allen anderen Serien ist es keine Einschränkung."

Wie Sophia Flörsch Arzt Ceccarelli beeindruckte

Sophia Flörsch

Sophia Flörsch wurde nach ihrem Macao-Unfall von Ceccarelli betreut

Frage: "Bei welcher Fahrerin sehen Sie derzeit das größte Potenzial für die Formel 1?"
Ceccarelli: "Derzeit gibt es nicht viele, die im Formelsport weit vorne zu finden sind. Das ist also schwer zu sagen. Tatiana Calderon bewegt sich im Umfeld von Sauber, und ich habe sie in der Formel 3 und in der GP3 gesehen. Sie kämpft gegen die Männer und liegt oft auf guten Platzierungen im Bereich der Punkteränge. Tatiana könnte also den letzten Schritt schaffen, sie fährt nicht hinterher. Sie zeigt, dass sie es verdient, da mitzufahren, hat Talent und das Potenzial."

"Eine andere Pilotin, die sehr entschlossen, sehr motiviert und mental sehr stark ist, ist Sophia Flörsch. Sie hat auch sehr viel Potenzial und ist erst 18. Ich habe sie bei einem Test gesehen, als sie erst 16 war - mit acht Jungs. Das war eine Art Talentesichtung. Und meiner Meinung nach war sie damals die Beste, was die Herangehensweise angeht, obwohl sie die Jüngste war. Damit meine ich den Fahrstil, wie sie mit dem Auto umgegangen ist, wie sie sich von Versuch zu Versuch verbessert hat. Da war ich wirklich beeindruckt."

"Es gab nur einen Fahrer, der besser war, aber der war bereits 29 Jahre alt und hatte sehr viel Erfahrung. Selbst wenn sie ein 16-jähriger Junge gewesen wäre, hätte ich 'Wow' gesagt, denn sie ist auf einer ihr unbekannten Strecke mit einem unbekannten GT-Auto so ruhig und professionell umgegangen, obwohl sie unter Druck stand. Sophia und Tatjana haben das Potenzial für die Formel 1, aber wir müssen abwarten."


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Re: Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon Αλεξανδρος » 18.12.2018, 17:10

Schon der zweite Artikel über Frauen in der F1. Ich bin begeistert :mrgreen:

Erstmal finde ich es gut, dass er den Abschnitt mit der weniger vorhandenen Risikobereitschaft als seine persönliche Meinung und nicht als wissenschaftliche Fakten bezeichnet.

Diese Transparenz spricht erstmal für ihn und wirkt auf mich zunächst sympathisch.

Meine persönliche Meinung:

Er hat möglicherweise nicht ganz Unrecht. Die Statistiken im Straßenverkehr zeigen ja ein ähnliches Bild, da auch dort Männer deutlich mehr Unfälle produzieren im Vergleich zu Frauen. Also es scheint irgendetwas zu geben, dass Männer dazu verführt ein höheres Risiko einzugehen.

Klar bietet sich die biologische Argumentation erstmal an. Aber ich denke, dass auch soziale Vorgaben eine große Rolle spielen. Männer werden von kleinauf eher mit einem Männerbild konfrontiert, das die Stärke betont. Deshalb finden wir es wohl auch normal, wenn kleine Jungs sich raufen.

Komischerweise wird diese Stärke und Aggressivität bei Mädchen oftmals negativ bewertet. Dies kann in der Konsequenz dazu führen, dass Mädchen sich ein solches Verhalten eher abtrainieren und dann eben den vorgegebenen Rollen folgen.

Ist aber nur meine persönliche Meinung :wink:

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Re: Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon Typ17 GTI » 18.12.2018, 17:37

Αλεξανδρος hat geschrieben:Aber ich denke, dass auch soziale Vorgaben eine große Rolle spielen. Männer werden von kleinauf eher mit einem Männerbild konfrontiert, das die Stärke betont. Deshalb finden wir es wohl auch normal, wenn kleine Jungs sich raufen.

Wo und von wem wird denn dieses Rollenbild vermittelt?

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Re: Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon Αλεξανδρος » 18.12.2018, 18:36

Typ17 GTI hat geschrieben:
Αλεξανδρος hat geschrieben:Aber ich denke, dass auch soziale Vorgaben eine große Rolle spielen. Männer werden von kleinauf eher mit einem Männerbild konfrontiert, das die Stärke betont. Deshalb finden wir es wohl auch normal, wenn kleine Jungs sich raufen.

Wo und von wem wird denn dieses Rollenbild vermittelt?



Von der gesamten Gesellschaft. Die Eltern und Kinder lassen sich dann darauf ein, da es ihnen von der Werbeindustrie vorgegeben wird, dass bestimmte Dinge nur für Mädchen oder Jungs sind. Das zieht sich dann bis ins Erwachsenenalter hin.

Hier mal ein paar Beispiele:

Die Farbe rosa wird in unserer Gesellschaft heutzutage vor allem mit Mädchenspielzeug in Verbindung gebracht. Es reicht schon wenn man sich mal die Mädchen-Ü-Eier oder sonstige Spielsachen wie Polly Pocket oder Lego friends anschaut. Dieses Spielzeug ist durchgehend sehr friedlich gestaltet und es geht dabei eher um so Dinge wie: "Wie gestalte ich mein Zimmer" / "Wie gestalte ich mein Traumschloss" / "Wie ziehe ich meine Figur an" usw.

Spielzeug für Jungs hingegen ist deutlich actionreicher und technikaffiner gestaltet. Da gab es in meiner Jugend Dinge wie "Mighty Max" oder "micro machines" (Militärspielzeug), wo eben auch in den Werbespots vermittelt wurde, dass Jungs mit sowas spielen.

Jetzt könnte man natürlich sagen: Tja, das ist nun mal so. Jungs spielen eben lieber mit solchen Dingen und mögen die Farbe rosa nicht so sehr.

Wenn man sich aber nun die Vergangenheit anschaut, dann wurde die Farbe Rosa erst ab den 1920er Jahren zur Mädchenfarbe. Davor war es völlig anders: Mädchen trugen als Kleider oft die Farbe Hellblau (als Symbol für die Gottesmutter Maria) und Jungs trugen rosa (als "kleines rot", wodurch auch damals schon Eigenschaften wie Kampfbereitschaft und Leidenschaft betont werden sollte). Es war also auch damals schon eine gesellschaftliche Setzung, der sich dann die Kinder und Eltern angepasst haben.

Ich könnte jetzt noch mehrere skurrile Beispiele unserer heutigen Zeit wie z.B. die sog. "Frauenbratwurst" (die besonders "mager" ist) und die Männebratwurst (die "deftig, kräftig gewürzt" ist) nennen :mrgreen:


Quelle: https://www.vice.com/de/article/8g78yg/ ... urst-edeka

Habe das alles eben auf die Schnelle zusammengetragen. Ich hoffe, du verstehst worauf ich hinaus will mit den Beispielen :rotate:

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Re: Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon Typ17 GTI » 19.12.2018, 07:04

Αλεξανδρος hat geschrieben:Die Farbe rosa wird in unserer Gesellschaft heutzutage vor allem mit Mädchenspielzeug in Verbindung gebracht. Es reicht schon wenn man sich mal die Mädchen-Ü-Eier oder sonstige Spielsachen wie Polly Pocket oder Lego friends anschaut. Dieses Spielzeug ist durchgehend sehr friedlich gestaltet und es geht dabei eher um so Dinge wie: "Wie gestalte ich mein Zimmer" / "Wie gestalte ich mein Traumschloss" / "Wie ziehe ich meine Figur an" usw.

Spielzeug für Jungs hingegen ist deutlich actionreicher und technikaffiner gestaltet. Da gab es in meiner Jugend Dinge wie "Mighty Max" oder "micro machines" (Militärspielzeug), wo eben auch in den Werbespots vermittelt wurde, dass Jungs mit sowas spielen.


Werden die Kinder gezwungen damit zu spielen? Wenn man einem Jungen einen Stabilbaukasten schenkt, heißt es nicht daß er damit spielt und schon gar nicht daß später mal ein Ingenieur aus ihm wird.

Αλεξανδρος hat geschrieben:Wenn man sich aber nun die Vergangenheit anschaut, dann wurde die Farbe Rosa erst ab den 1920er Jahren zur Mädchenfarbe. Davor war es völlig anders: Mädchen trugen als Kleider oft die Farbe Hellblau (als Symbol für die Gottesmutter Maria) und Jungs trugen rosa (als "kleines rot", wodurch auch damals schon Eigenschaften wie Kampfbereitschaft und Leidenschaft betont werden sollte). Es war also auch damals schon eine gesellschaftliche Setzung, der sich dann die Kinder und Eltern angepasst haben.


Warum hat sich das geändert? Wer hat das festgelegt? Kann es sein daß es eventuell doch an der Vorliebe des jeweiligen Geschlechts zusammenhängt?
Αλεξανδρος hat geschrieben:Jetzt könnte man natürlich sagen: Tja, das ist nun mal so. Jungs spielen eben lieber mit solchen Dingen und mögen die Farbe rosa nicht so sehr.

:shrug:

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Re: Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon Αλεξανδρος » 19.12.2018, 13:42

Typ17 GTI hat geschrieben:Warum hat sich das geändert? Wer hat das festgelegt? Kann es sein daß es eventuell doch an der Vorliebe des jeweiligen Geschlechts zusammenhängt?


Auch das lässt sich historisch rekonstruieren, da diesen Wandel ab den 1920er Jahren ebenfalls soziale Gegebenheiten initiiert haben. Das rosa wurde durch das Blau der Arbeitswelt ersetzt. Also Marine uniformen, blaue Arbeitsanzüge etc. Seitdem wurde diese Farbe vor allem Jungs zugeschrieben. Mit der Vorliebe kleiner Jungs hatte das sicher nichts zu tun.

Quelle: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/6326/1/ ... roline.pdf

Siehe Seite 65.


Typ17 GTI hat geschrieben:Werden die Kinder gezwungen damit zu spielen? Wenn man einem Jungen einen Stabilbaukasten schenkt, heißt es nicht daß er damit spielt und schon gar nicht daß später mal ein Ingenieur aus ihm wird.


Nein, die Kinder wählen sich die Spielzeuge ja selber so aus. Aber weshalb tun sie das ? Vielleicht weil die Eltern aufgrund der Beeinflussung durch die Werbeindustrie bereits im frühkindlichen Alter anfangen ihre mädchen in rosa Anzüge zu stecken ?

Nur nochmal um das deutlich zu machen:

Ich denke nicht, dass sich alles sozial erklären lässt, aber eindimensionale biologische Erklärungsansätze, die einfach die historischen Begebenheiten in der Vergangenheit außer Acht lassen werden dem ganzen ja auch nicht gerecht.

Sicherlich kann ich mir vorstellen, dass Männer aufgrund ihres Testosterons aggressiver sind. Aber das muss ja nicht unbedingt ein Vorteil in der F1 sein :wink:

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Re: Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon Typ17 GTI » 19.12.2018, 13:52

Αλεξανδρος hat geschrieben:Ich denke nicht, dass sich alles sozial erklären lässt, aber eindimensionale biologische Erklärungsansätze, die einfach die historischen Begebenheiten in der Vergangenheit außer Acht lassen werden dem ganzen ja auch nicht gerecht.

Ich streite ja auch keinen Einfluß von äußeren Gegebenheiten ab, nur wird ein Kind immer eher mit dem spielen oder etwas machen was ihm/ihr gefällt. Sonst würde es ja auch keine Abweichungen von der "Norm" geben. Sonst gebe es ja keine männlichen Balletttänzer. :wink:

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Re: Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon modernf1bodyguard » 19.12.2018, 15:40

Typ17 GTI hat geschrieben:
Αλεξανδρος hat geschrieben:Ich denke nicht, dass sich alles sozial erklären lässt, aber eindimensionale biologische Erklärungsansätze, die einfach die historischen Begebenheiten in der Vergangenheit außer Acht lassen werden dem ganzen ja auch nicht gerecht.

Ich streite ja auch keinen Einfluß von äußeren Gegebenheiten ab, nur wird ein Kind immer eher mit dem spielen oder etwas machen was ihm/ihr gefällt. Sonst würde es ja auch keine Abweichungen von der "Norm" geben. Sonst gebe es ja keine männlichen Balletttänzer. :wink:

Männliche Baletttänzer waren aber auch lange nicht möglich bzw. wurden Männer und Jungs dafür schief oder zumindest verwundert angeschaut. Dass man sich letztendlich seiner Geschlechterrolle beugt, muss nicht immer etwas mit institutionellen Konsequenzen zutun haben, es reichen schon kleine, wiederholt auftretende Verhaltensäuffälligkeiten im Rahmen des Umfeldes wie eine stille Schrecksekunde nachdem man selbst etwas getan oder von sich erzählt hat.
Autos sind nicht zum Geschlechtsverkehr geeignet.

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Re: Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon Hoto » 19.12.2018, 22:40

Und gerade Kinder können extremst grausam zueinander sein.

Was Ceccarelli da sagt, auch wenn es nur seine Meinung ist, klingt für mich ziemlich logisch und kann man wirklich im Alltag hier und da beobachten. An dieser Theorie könnte also wirklich etwas dran sein, dass den weiblichen Fahrer oft das letzte Stück Risikobereitschaft fehlt, um auf einer Ebene mit den männlichen Fahrern zu sein. Klingt recht schlüssig. Aber wie er auch sagt, das gilt für den Durchschnitt, was bedeutet es könnte auch weibliche Fahrer geben, die in diesem Punkt nicht zurück stecken.

Ich denke es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder eine weibliche F1 Fahrerin am Sonntag in einem Rennen sehen und diese dann durchaus erfolgreich dort fahren kann.

Wie ist eigentlich das Verhältnis von Frau zu Mann im Rennsport? Auf jeden hundertsten männlichen Fahrer kommt eine Frau oder wie genau? Das Verhältnis scheint ja eher extrem zu sein.
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Re: Formel-1-Arzt Ceccarelli: "Frauen fehlt manchmal letzte Risikobereitschaft"

Beitragvon Typ17 GTI » 20.12.2018, 09:04

Hoto hat geschrieben: An dieser Theorie könnte also wirklich etwas dran sein, dass den weiblichen Fahrer oft das letzte Stück Risikobereitschaft fehlt, um auf einer Ebene mit den männlichen Fahrern zu sein.

Für den Bestand einer Population sind die Anzahl der "Weibchen" wichtiger als die der "Männchen". Deswegen setzen sie sich nicht unnötigen Risiken aus. Das ist ja auch größtenteils im gesamten Tierreich zu beobachten.


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