Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

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Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Redaktion » 10.10.2018, 12:47

Ross Brawn führt den Ferrari-Einbruch auf den Tod von Boss Sergio Marchionne zurück, während Surer kritisiert: Wie soll das mit zwei Marlboro-Leuten gutgehen?

Seit Sergio Marchionnes Tod hat Ferrari in sieben Rennen nur noch einen Sieg gefeiert. Ex-Ferrari-Technikchef Ross Brawn, der heute als Liberty-Media-Technikchef fungiert, sieht einen Zusammenhang zwischen dem Ableben des mit harter Hand regierenden Italieners und dem Einbruch Sebastian Vettels im Titelkampf gegen Lewis Hamilton.

"Es besteht kein Zweifel, dass das Team durch den plötzlichen Tod von Anführer Marchionne unter Schock stand, denn er war so eine starke Bezugsperson", sagt der Brite. "Und das ist auch absolut verständlich."

In solchen Zeiten müsse man "zusammenstehen und nach vorne schauen, ohne in Schuldzuweisungen verfallen." Eine mögliche Anspielung Brawns auf die offene Kritik von Teamchef Maurizio Arrivabene an seiner Mannschaft nach dem Qualifying-Debakel in Suzuka.

Surer kritisiert Ferrari-Spitze scharf: "Wie soll das gutgehen?"

An der Technik liege die aktuelle Chancenlosigkeit der Scuderia gegen Mercedes nicht: "Wenn man sich anschaut, wie sich das Auto verhält, dann merkt man, dass Ferrari dank der Bemühungen der vergangenen Jahre ein sehr starkes Paket hat. Und im Vergleich zum Vorjahr hat sich auch die Zuverlässigkeit verbessert."

Maurizio Arrivabene, Louis Camilleri

Der Aufgabe nicht gewachsen? Maurizio Arrivabene und Louis Camilleri

Also kann es nur an der aktuellen Führung liegen. Das ist auch für 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer völlig klar. "Man muss da etwas ausholen", sagt er in der aktuellen Ausgabe des Formel-1-Talks 'Starting Grid' (in Kooperation mit 'meinsportradio.de'), nachzuhören jetzt in unserem Radioplayer oder - bequem zum Beispiel für die nächste Autofahrt - als kostenloses iTunes-Abo.

"Arrivabene war ja nur der Befehlsempfänger von Sergio Marchionne. Jetzt ist der nicht mehr da - jetzt hat er keinen richtigen Chef mehr. Nun haben sie ihm noch Louis Camilleri oben drüber gesetzt. Und jetzt haben wir zwei Marlboro-Marketingleute, die Ferrari führen. Wie soll das gut gehen?", stellt er die aktuelle Ferrari-Spitze in Frage.

Surer: Wie Vettel unter der aktuellen Führungsschwäche leidet

"Sorry, die fahren gegen Racer! Die fahren gegen Toto Wolff, der selber Rennen gefahren ist. Die fahren gegen Christian Horner, der auch selber gefahren ist. Das sind alles Racer, und dann kommen zwei Philip-Morris-Leute und glauben, dass sie das Formel-1-Team lenken könnten", bringt er seine Kritik auf den Punkt. "Das kann eigentlich nur schiefgehen."
"Sorry! Horner und Marko sind schon andere Kaliber als Arrivabene."Marc Surer
Für den Schweizer Ex-Formel-1-Pilot ist das auch eine Erklärung für Sebastian Vettels zahlreichen Fehler, die unter anderem auf strategische Patzer des Teams zurückzuführen waren. Dem viermaligen Weltmeister, dem bei Red Bull von Motorsportkonsulent Helmut Marko auch intern im Stallduell mit Mark Webber der Rücken freigehalten wurde, fehle nun der Rückhalt: "Wenn du vorher mit Leuten wie Christian Horner und Marko zusammengearbeitet hast, und dann hast du einen Arrivabene? Sorry! Das sind schon andere Kaliber", vergleicht Surer Vettels aktuelle Lage mit den Red-Bull-Erfolgsjahren.

Warum es Schumacher leichter hatte

"Ich glaube schon, dass es da etwas an Rückhalt fehlt und dass es auch sehr politisch dort zugeht", gibt er seine Einschätzung der Verhältnisse in Maranello ab. Politik habe es bei Ferrari zwar schon immer gegeben, aber Michael Schumacher habe es einfacher gehabt: "Früher war eben ein starker Jean Todt da, der das einfach alles weggedrückt und den Laden unter Kontrolle gehabt hat. Und das ist jetzt alles nicht mehr da."

Michael Schumacher, Jean Todt

Jean Todt hielt Michael Schumacher bei Ferrari den Rücken frei

Ohne Marchionnes tragischen und unerwarteten Tod Ende Juli "könnte Vettel vielleicht auch mit ihm sprechen, und er würde sie wieder zurechtweisen. Ich komme wieder zu dem Schluss, dass einfach die starke Führung fehlt."

Wer könnte Arrivabene nachfolgen?

Doch wer könnte Arrivabene, der in Suzuka angezählt wirkte und laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' inzwischen seine Perspektivenlosigkeit erkennt und selbst zu Juventus Turin will, nachfolgen? "Der einzig gute Mann in der Führung ist sicherlich Mattia Binotto", nennt Surer den Technikchef, der den Teamchefposten selbst im Visier hat und deswegen in einen Machtkampf mit Arrivabene verstrickt ist. "Den halte ich für äußerst fähig. Der hat auch ein schnelles Auto hingestellt."

Mattia Binotto

Wird Technikchef Mattia Binotto der nächste Teamchef der Scuderia?

Doch möglicherweise benötigt Ferrari Binotto in der Technikabteilung, die der Italiener mit Schweizer Wurzeln in den vergangenen Jahren auf beeindruckende Art und Weise auf Vordermann gebracht hat. "Wer die obere Führung machen kann, da sehe ich jetzt niemanden", sieht Surer auf Anhieb keinen logischen Nachfolger für Arrivabene.

"Das ist auch eine ganz schwierige Aufgabe. Wir wissen: Wenn du als Ausländer da hingehst, dann hast du es schwierig mit der italienischen Mentalität. Und wenn du Italiener bist, wird es auch schwierig, sich durchzusetzen. Hoffnungslos sei die Nachfolgedebatte aber nicht. "Es gibt ihn sicherlich, wenn man ein bisschen nachdenkt."


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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon onebox » 10.10.2018, 13:07

Zähl ich jetzt auch zu den Experten nur weil ich das vor Wochen schon geschrieben habe :shrug:
Denn Marchionne war für mich DER Strippenzieher bei Ferrari. Ich sag nur..... Wir brauchen niemand extern kaufen. Wir haben eigene fähige Leute bei uns.

Er wusste ganz genau was Ferrari wieder in die Spur bringt.
Nun eiern sie wieder rum wie eine Kutsche ohne Führer.

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Andregee » 10.10.2018, 13:17

Egal wie sehr hier rumlamentiert wird und sich Experten ein Urteil bilden. Letztendlich liegen GLück und Unglück dicht beeinander und Fehlentscheidungen auch auf fahrerischer Seite wurden getätigt, die einen Tag später eventuell nicht so gewählt worden wären und worauf auch eine entsprechend anders agierende Teamführung keinen Einfluss ausüben würde. Letztendlich muss man konstatieren, egal wie straff die Führung agiert und wie ambitioniert ein Team an die Sache geht, die Konkurrenz besitzt dennoch eigene Stärken und einer muss immer verlieren, egal was man tut und da entscheidet oft genug einfach das Momentum

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Plauze » 10.10.2018, 13:28

Äh, es ist aber doch klar ersichtlich, dass der Ferrari-Rückstand auf Mercedes technischer Natur ist. Da braucht einem niemand etwas anderes zu erzählen. Sicherlich trägt die Ferrari-Führung am Ende, wenn zusammengerechnet wird, die Verantwortung für eine ins Haus stehende Niederlage. Die Ursachen liegen aber woanders.
Und nicht zuletzt bleibt es halt auch dabei, dass Vettel selbst von der Rolle zu sein scheint.
Im Gegensatz dazu hat Mercedes ab der Saisonmitte perfekt gearbeitet und Hamilton befindet sich seither ebenfalls in Topform.
Bestimmt hat Marchionnes Tod die Scuderia durchgeschüttelt, aber man hätte zu diesem Zeitpunkt ja trotzdem noch in der Lage sein müssen, vom damaligen Momentum zu profitieren. Das ist Vettel nicht gelungen, das ist Ferrari nicht gelungen.
Am Ende des Tages gewinnt man zusammen und verliert man zusammen.
Alles kann passieren. Und das ist auch gut so.

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon mcdaniels » 10.10.2018, 13:39

Es hat sicher auch mit dem Ableben von Marcchione zu tun... aber halt nicht nur... ich hatte etwas Ähnliches bereits hier in den Raum gestellt. https://www.formel1.de/forum/viewtopic.php?f=43&t=58038&hilit=mcdaniels#p1976889

Ich denke, die Truppe braucht unbedingt eine eiserne Hand bzw. eine wirkliche Bezugsperson, vor der man einen entsprechenden Respekt hat.

Die Nachbesetzung halte ich für mehr als fragwürdig...

Nicht außer Acht lassen sollte man die "Leistungsverlust durch Sensor - Geschichte", die ja einerseits dementiert / andererseits befeuert wird...

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon ItachiU » 10.10.2018, 14:11

Komisch, dachte eigentlich so ein Ereignis würde das ganze Team noch mehr zusammenschweißen und motivieren noch besser zu arbeiten

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Scorp!on » 10.10.2018, 14:13

Natürlich, ein Führungswechsel hat sofort und binnen ein paar Wochen eine Auswirkung. Das Auto wird dann automatisch langsamer und der Mercedes wird einfach so schneller.

Hier wird wieder ein Fass aufgemacht...unglaublich. Wäre Vettel WM führender würde sich kein Schwein darum schweren welche Fehlentscheidungen getroffen wurden. Und die waren seitens Ferrari strategischer Natur, nicht zu vergessen die ganzen Fehler die Vettel selbst produziert hat.
Und das die Karre nicht mehr so doll schnell ist wie Mercedes müsste auch ein blinder sehen, ob nun Ferrari langsamer oder Mercedes schneller wurde sei einfach mal dahin gestellt.

Kein Plan was die Medien inkl. Surer gegen Arrivabene haben, aber seit er Teamchef ist kriegt Ferrari wenigstens ein Auto hin das um Siege fahren kann.
Stellt den Alonso in die Karre und jetzt wäre der 2. Titel am Stück erreichbar...

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Ferrarista1985 » 10.10.2018, 14:30

Ohh Herr Surer. Ich weiß nicht, ob meine kleine Tocher mehr Experte ist als ihr geistiger Ausguss, der in diesem Artikel zum Ausdruck kommt. Ganz ehrlich? Gehen Sie lieber in Rente.

Dieser Artikel widerspricht sich...

Es wird zu verstehen gegeben, dass RB und Mercedes ehemalige Rennfahrer in der Leitung des Teams haben. Arrivabene muss weg weil er ein Zigrattenfuzzi ist. OK! Und dafür soll Binotto die leitung übernehmen, der zwar kein Rennfahrer ist, aber HEY, der kann was (was unbestritten ist). SO! jetzt kommt Binotto an die Macht, ferrari fällt 2019 wieder zurück und dann muss ich wieder so einen Artikel lesen? Ganz ehrlich! Nur MIST!

Es mag sein, dass Marchionne seine hand über allem hielt aber genauso ist es, dass er hin und wieder etwas von sich gab, was er lieber intern geklärt hätte.

Wo ich zustimme ist, dass Vettel evtl. nicht die volle Unterstützung von ferrari genießt aber das ist ja auch die Philosophie bei Ferrari oder nicht? Erst kommen die Interessen des Teams, in diesem Fall die KWM und dann die persönlichen Interessen der Fahrer, die WM.


Und bitte nicht so hinstellen, als hätte Ferrari hier alleine versagt. Sowohl Fahrer als auch Team haben GEMEINSAM die Fehler gemacht und befinden sich nun da wo sie sich eben befinden.

Komischerweise stört mich an dieser ganzen leistungsabfallgeschichte die Tatsache dass KEINER der vermeintlichen Experten es in Betracht zieht, dass Ferrari evtl. den Boost absichtlich zurückhält weil man weiß dass man mit den Motoren am Limit ist und man kein Risiko eingehen möchte? Vielleicht ist man bis Mitte Saison volles Risiko gegangen um mitzuhalten und gar MAMG zu überholen und jetzt merk man, dass es nicht mehr reicht und man sichert die Pos.2.

KANN DOCH ALLES SEIN ODER? Stattdessen wird über Wochen Stimmung gemacht und wild spekuliert, die Schuld auf die FIA Geschoben, wegen diesem ach so bösen Sensor.

Ganz ehrlich, die Medien verkaufen doch genau das was sie verkaufen wollen. Kann ich gut nachvollziehen, dass Ferrari nichts mehr sagen möchte und Raikönnen öffentlich sagt, dass er an der Formel1 alles liebt außer das ganze drumherum... Denn so ist es. Man versucht auf Teufel komm raus eine Story zu machen...

Jedes Kind, welches die Grundschule besucht, hat mehr Verstand als Ihr sogenannte Experten!

Und nein, ich bin kein Experte aber dieses ständige gebashe von wegen, alles scheiße ist einfach nur lächerlich und unnötig.

Nur meine Meinung!

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Aldo » 10.10.2018, 14:52

Ferrarista1985 hat geschrieben:Komischerweise stört mich an dieser ganzen leistungsabfallgeschichte die Tatsache dass KEINER der vermeintlichen Experten es in Betracht zieht, dass Ferrari evtl. den Boost absichtlich zurückhält weil man weiß dass man mit den Motoren am Limit ist und man kein Risiko eingehen möchte? Vielleicht ist man bis Mitte Saison volles Risiko gegangen um mitzuhalten und gar MAMG zu überholen und jetzt merk man, dass es nicht mehr reicht und man sichert die Pos.2.

KANN DOCH ALLES SEIN ODER?

Das glaubst du ja wohl hoffentlich selbst nicht.

Wenn es leistungstechnisch möglich wäre, würde Ferrari auch an jedem zweiten Wochenende eine Strafe riskieren. Mit dem Ferrari konnte man vor paar Rennen vom letzten Platz starten und als 2./3er ins Ziel kommen. Das ist besser als das was Vettel und Räikkonen derzeit aus der 2. Reihe startend zeigen. Insofern wäre Ferrari schlicht und ergreifend dumm, wenn man freiwillig Leistung zurückhält und sich dann mit Platz 2 zufrieden gibt. Man würde den Teufel tun.

Und auch dein Vergleich mit der Zuverlässigkeit hinkt. Warum soll das denn gerade bei Saisonmitte aufgefallen sein, wo dann schon mehrere Motoren im Auto waren. Wenn dann fällt sowas bei den Wintertests auf oder direkt danach, aber nicht nach einer halben Saison und schon gar nicht, wenn man in der Zeit bereits eine neue Ausbaustufe gebracht hat. Nebenbei bemerkt hat Ferrari den mysteriösen "Boost", erst ab der neuen Ausbaustufe in Kanada nutzen können.
"I'm a pure racer, I always was and I always will be."


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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Ferrarista1985 » 10.10.2018, 15:18

Aldo hat geschrieben:
Ferrarista1985 hat geschrieben:Komischerweise stört mich an dieser ganzen leistungsabfallgeschichte die Tatsache dass KEINER der vermeintlichen Experten es in Betracht zieht, dass Ferrari evtl. den Boost absichtlich zurückhält weil man weiß dass man mit den Motoren am Limit ist und man kein Risiko eingehen möchte? Vielleicht ist man bis Mitte Saison volles Risiko gegangen um mitzuhalten und gar MAMG zu überholen und jetzt merk man, dass es nicht mehr reicht und man sichert die Pos.2.

KANN DOCH ALLES SEIN ODER?

Das glaubst du ja wohl hoffentlich selbst nicht.

Wenn es leistungstechnisch möglich wäre, würde Ferrari auch an jedem zweiten Wochenende eine Strafe riskieren. Mit dem Ferrari konnte man vor paar Rennen vom letzten Platz starten und als 2./3er ins Ziel kommen. Das ist besser als das was Vettel und Räikkonen derzeit aus der 2. Reihe startend zeigen. Insofern wäre Ferrari schlicht und ergreifend dumm, wenn man freiwillig Leistung zurückhält und sich dann mit Platz 2 zufrieden gibt. Man würde den Teufel tun.

Und auch dein Vergleich mit der Zuverlässigkeit hinkt. Warum soll das denn gerade bei Saisonmitte aufgefallen sein, wo dann schon mehrere Motoren im Auto waren. Wenn dann fällt sowas bei den Wintertests auf oder direkt danach, aber nicht nach einer halben Saison und schon gar nicht, wenn man in der Zeit bereits eine neue Ausbaustufe gebracht hat. Nebenbei bemerkt hat Ferrari den mysteriösen "Boost", erst ab der neuen Ausbaustufe in Kanada nutzen können.


Das ist meine Meinung. Wenn du damit nicht einverstanden bist, ist das in Ordnung.

Ja der Boost kam erst nach Kanada. Es hieß doch die ganze Zeit, dass Ferrari aggressiv entwickelt und viel Risiko eingeht. Vielleicht hat man erhofft, dass man damit Mercedes überholt (was ja auch passiert ist) und man einen Vorsprung herausfahren kann (was eingetreten wäre, hätte man alles gewonnen) und man damit einen zusätzlichen Motor eingeplant hätte.

Dass Ferrari, wenn sie nur lesitungstechnisch könnten, den Motor jedes 2te WE wechseln und damit Strafen kassieren würden ist blödsinn. Ferrari würde sich diese Blöße alleine aus Imagegründen nicht geben!

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon F1Schlaumeier » 10.10.2018, 15:52

Ich muss jetzt mal meine ungefilterte Meinung zu dieser ganzen Ferrari-Thematik loswerden:

Für mich ergibt die ganze Diskussion überhaupt gar keinen Sinn. Was wird Ferrari vorgeworfen? Ich kann mich sicherlich nicht an alles erinnern, aber ich denke zumindest an die Mehrheit der Vorfälle.
1. In Hockenheim erst nach 5 Runden Stallorder erteilt
2. In Singapur zu früh reingekommen und die falsche Reifenwahl beim Boxenstopp getroffen
3. In Monza beim Qualifying zuerst Vettel auf die Strecke gelassen
4. In Monza Stallorder nicht für die ersten 2 Kurven erteilt
5. In Japan beim Qualifying Intermediates bei trockener Strecke aufgezogen

Wer heute nichts zu tun hat, kann sich ja durchlesen, was ich dazu im Detail denke: XD
Zu 1.: Die Kritik hier besteht ja hauptsächlich darin, dass Räikkönen und Vettel ohnehin auf unterschiedlichen Strategien gewesen seien und man durch die verzögerte Teamorder Vettel einem höheren Druck von Hamilton ausgesetzt habe. Es stimmt zwar, dass Vettel und Räikkönen auf unterschiedlichen Strategien waren, aber die Schlussfolgerung, dass die beiden deswegen keinen direkten Kampf um den Sieg hatte ist trotzdem falsch. Kimi hatte durchaus Chancen das Rennen mit der gleichen Anzahl verbeleibender Stopps wie Vettel zuende zu fahren, zumal jeder mit dem später einsetzenden Regen rechnete. Es war ein direkter Kampf um den Sieg, den Ferrari letzlich durch eine Teamorder entschieden hat. 1:1 die Russland/Mercedes Situation. Dass Vettel der Zeitverlust unter Druck von Hamilton setzte, kann zwar sein, allerdings ist es im Motorsport absolut üblich beim Kampf um den Sieg einem gewissen Druck ausgesetzt zu sein. Dass man einen Gegner im Rennen hat, darf kein Grund für einen Fehler sein. Den Ausrutscher von Vettel auf das Konto von Ferrari schieben zu wollen, ist in meinen Augen unglaublich dämlicher Schwachsinn.

zu 2.: Das mag eine Fehlentscheidung gewesen sein. Aber man muss dazu sagen, dass sie von Mercedes zund Hamilton bewusst provoziert wurde, indem Hamilton absichtlich langsam genug fuhr, um keine für einen Stop ausreichende Lücke zum Mittelfeld entstehen zu lassen. In Singapur ist ein Safety Car nicht unüblich. Ferrari hat mit der Strategie auf die Möglichkeit gesetzt, nach einer später SC-Phase und einem zusätzlichen Boxenstop mit Hamilton um den Sieg kämpfen zu können. Es war eine gute Idee, die durch ausbleibendes Glück nicht funktioniert hat und Vettel unter Umständen(!) 3 Punkte gekostet haben könnte(!). Viele verstehen den Gedanken einfach nicht und glauben deshalb die Strategieabteilung von Ferrari als einen Haufen Idioten identifizieren zu können.

Zu 3.: Wer sagt denn überhaupt, dass Ferrari mit Windschatten gerechnet hat? Zu Alonsos Zeiten hat das einige Male nicht funktioniert. Es hätte genauso gut sein können, dass Räikkönen vor Vettel einen Fehler macht und dadurch Vettels Runde versaut, weil gelb rauskommt oder er Vettel aufhält. Was hättet ihr dann gesagt? Wie kann man nur so doof sein und den WM Anwärter so einem Risiko aussetzen blabla... Wer sagt denn, dass Räikkönen irgendetwas durch den Windschatten gewonnen hat? Den richtigen Abstand zum Vordermann zu finden ist sehr schwierig und setzt voraus, dass beide Fahrer fast die indentische Runde fahren. Ist man zu nah, leidet man unter der Dirty Air, ist man zu weit weg, bringt es nichts. So oder so: Am Ende waren beide Ferrari in Reihe 1. Man könnte sagen: Alles perfekt gelaufen für sie. Vettel hatte nur einen Wagen vor sich und der war kein Gegner. Wo ist das Problem?

Zu 4.: Diese Argumentation ist so lächerlich, dass ich gar nicht weiß, wie ich darauf sinnvoll eingehen soll. Es ist einfach eine unfassbar schwachsinnige Idee in der ersten Runde einen Platztausch anzuordnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Räikkönen dabei mehrere Plätze verliert ist aufgrund des dichten Feldes beim Start riesig. Am Ende schenkt man nur dem Gegner Punkte. Raikkönen hat sich auch nicht "zweimal bis aufs Messer verteidigt" wie einige behaupten.in Kurve 1 hat er auf der Innenseite angebremst, weil Vettel außen daneben gezogen ist. In Schikane 2 hat er sich ünerhaupt gar nicht verteidigt. Musste er auch nicht, weil Vettel unfassbar schlecht aus der ersten Schikane kam. Haben das umstrittene Qualifying und die umstrittene Startphase zum Dreher von Vettel geführt? Selbe Antwort wie für Hockenheim: Nein. Man darf von einem Topfahrer erwarten, dass er es schafft so ein Manöver unfallfrei durchzuführen. Räikkönen hat Hamilton in der 2. Schikane unfallfrei außenrum überholt. Jamilton hat Räikkönen in der ersten Schikane außenrum unfallfrei überholt. Die beiden wissen also schonmal wie das geht. Hätte es da gekracht, wäre dann auch Ferrari Schuld gewesen? Vettel hat nicht das angeborene Recht, ein Rennen völlig kampflos zu gewinnen. Ferrari und Räikkönen können es ihm also auch nicht nehmen.

Zu 5.: Ja das war dämlich. Aber hatte wiedermal fast keine Auswirkungen. Alle anderen hatten ebenfalls nur einen Versuch. Vettel hatte also wirklich exakt(!) den selben Druck, den er auch ohne Ferraris Fehler gehabt hätte. Eventuell war die Strecke schon etwas feuchter an manchen Stellen. Aber das hat nicht zu Rang 9 geführt. Schlimmstenfalls zu Rang 4 oder 5. Auch hier: Ein Fahrer sollte in der entscheidenden Qualifyingrunde nicht von der Strecke fliegen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es trocken oder nass ist oder ob es schneit. Wenn man einen derartigen Fehler macht, startet man eben von hinten. Damit hat die Fehlentscheidung von Ferrari rein gar nichts zu tun.

Mich wundert es sehr, dass die Medien und Fans so einen Wirbel über diese eigentlich bedeutungslosen Entscheidungen machen. Noch seltsamer finde ich, dass Ferrari fast keine Kritik für die Situation in Österreich bekommt, wo man eine gute Gelegenheit für eine saubere Stallorder nicht wahrgenommen hat. Zuvor musste Räikkönen bereits sehr oft seine Strategie auf Vettel oder die Mercedes ausrichten, statt auf sein persönlich bestmögliches Resultat. Räikkönen ist auch lange nicht die selbe Ausbaustufe gefahren wie Vettel. Warum also keine Stallorder in Österreich, durch die man in der Konstrukteurs-WM keinen Punkt verloren hätte?
Anhand der heftigen Reaktion auf die Mercedes Stallorder in Russland kann man ja erkennen, dass die meisten Medien und Fans strikt gegen Stallorder sind. Das wäre natürlich eine Erklärung für die ausbleibende Kritik an Ferraris Zieleinlauf in Spielberg. Allerdings bliebe dann die Frage, warum die selben Menschen eine frühere und drastischere Stallorder in Hockenheim und Monza forderten.

Unterm Strich hat Ferrari ein grandioses Auto gebaut und ein paar strategische Fehlentscheidungen getroffen, die aber kaum Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft hatten. Das einzige, was man ihnen wirklich vorwerfen kann ist, dass sie keinen WM-fähigen Fahrer unter Vertrag haben, obwohl sie in den letzten Jahren sicherlich mehrmals die Chance gehabt hätten einen zu verpflichten.
Ich lese immer nur vollkommen widersprüchliche Beurteilungen der Stallregien von Mercedes und Ferrari und völlig überzogene Kritik der Ferrari Mannschaft. Immer wenn Vettel einen Fehler macht, wird verzweifelt versucht, ihn mit vermeintlichen Teamfehlern zu relativieren. Ich denke die Menschen suchen nur einen Sündenbock, um Vettel in Schutz zu nehmen. Das ist mMn. die wahre Erklärung, warum in Spielberg niemand Ferrari kritisiert hat.Vettel hat danach keinen Fehler gemacht, den man durch die ausbleibende Teamorder erklären könnte. Es sieht für Vettel viel besser aus, wenn man stattdessen die schwachsinnige und widerlegte Schlussfolgerung zieht, dass Ferrari gänzlich auf Stallorder verzichtet.

Es wäre Schade, wenn Arrivabene unter diesem Unsinn leiden muss, obwohl es Ferrari unter seiner Führung aus dem Tief von 2014 zu WM-fähigen Autos 2017 & 2018 gebracht hat.

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Ferrarista1985 » 10.10.2018, 16:17

F1Schlaumeier hat geschrieben:Ich muss jetzt mal meine ungefilterte Meinung zu dieser ganzen Ferrari-Thematik loswerden:

Für mich ergibt die ganze Diskussion überhaupt gar keinen Sinn. Was wird Ferrari vorgeworfen? Ich kann mich sicherlich nicht an alles erinnern, aber ich denke zumindest an die Mehrheit der Vorfälle.
1. In Hockenheim erst nach 5 Runden Stallorder erteilt
2. In Singapur zu früh reingekommen und die falsche Reifenwahl beim Boxenstopp getroffen
3. In Monza beim Qualifying zuerst Vettel auf die Strecke gelassen
4. In Monza Stallorder nicht für die ersten 2 Kurven erteilt
5. In Japan beim Qualifying Intermediates bei trockener Strecke aufgezogen

Wer heute nichts zu tun hat, kann sich ja durchlesen, was ich dazu im Detail denke: XD
Zu 1.: Die Kritik hier besteht ja hauptsächlich darin, dass Räikkönen und Vettel ohnehin auf unterschiedlichen Strategien gewesen seien und man durch die verzögerte Teamorder Vettel einem höheren Druck von Hamilton ausgesetzt habe. Es stimmt zwar, dass Vettel und Räikkönen auf unterschiedlichen Strategien waren, aber die Schlussfolgerung, dass die beiden deswegen keinen direkten Kampf um den Sieg hatte ist trotzdem falsch. Kimi hatte durchaus Chancen das Rennen mit der gleichen Anzahl verbeleibender Stopps wie Vettel zuende zu fahren, zumal jeder mit dem später einsetzenden Regen rechnete. Es war ein direkter Kampf um den Sieg, den Ferrari letzlich durch eine Teamorder entschieden hat. 1:1 die Russland/Mercedes Situation. Dass Vettel der Zeitverlust unter Druck von Hamilton setzte, kann zwar sein, allerdings ist es im Motorsport absolut üblich beim Kampf um den Sieg einem gewissen Druck ausgesetzt zu sein. Dass man einen Gegner im Rennen hat, darf kein Grund für einen Fehler sein. Den Ausrutscher von Vettel auf das Konto von Ferrari schieben zu wollen, ist in meinen Augen unglaublich dämlicher Schwachsinn.

zu 2.: Das mag eine Fehlentscheidung gewesen sein. Aber man muss dazu sagen, dass sie von Mercedes zund Hamilton bewusst provoziert wurde, indem Hamilton absichtlich langsam genug fuhr, um keine für einen Stop ausreichende Lücke zum Mittelfeld entstehen zu lassen. In Singapur ist ein Safety Car nicht unüblich. Ferrari hat mit der Strategie auf die Möglichkeit gesetzt, nach einer später SC-Phase und einem zusätzlichen Boxenstop mit Hamilton um den Sieg kämpfen zu können. Es war eine gute Idee, die durch ausbleibendes Glück nicht funktioniert hat und Vettel unter Umständen(!) 3 Punkte gekostet haben könnte(!). Viele verstehen den Gedanken einfach nicht und glauben deshalb die Strategieabteilung von Ferrari als einen Haufen Idioten identifizieren zu können.

Zu 3.: Wer sagt denn überhaupt, dass Ferrari mit Windschatten gerechnet hat? Zu Alonsos Zeiten hat das einige Male nicht funktioniert. Es hätte genauso gut sein können, dass Räikkönen vor Vettel einen Fehler macht und dadurch Vettels Runde versaut, weil gelb rauskommt oder er Vettel aufhält. Was hättet ihr dann gesagt? Wie kann man nur so doof sein und den WM Anwärter so einem Risiko aussetzen blabla... Wer sagt denn, dass Räikkönen irgendetwas durch den Windschatten gewonnen hat? Den richtigen Abstand zum Vordermann zu finden ist sehr schwierig und setzt voraus, dass beide Fahrer fast die indentische Runde fahren. Ist man zu nah, leidet man unter der Dirty Air, ist man zu weit weg, bringt es nichts. So oder so: Am Ende waren beide Ferrari in Reihe 1. Man könnte sagen: Alles perfekt gelaufen für sie. Vettel hatte nur einen Wagen vor sich und der war kein Gegner. Wo ist das Problem?

Zu 4.: Diese Argumentation ist so lächerlich, dass ich gar nicht weiß, wie ich darauf sinnvoll eingehen soll. Es ist einfach eine unfassbar schwachsinnige Idee in der ersten Runde einen Platztausch anzuordnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Räikkönen dabei mehrere Plätze verliert ist aufgrund des dichten Feldes beim Start riesig. Am Ende schenkt man nur dem Gegner Punkte. Raikkönen hat sich auch nicht "zweimal bis aufs Messer verteidigt" wie einige behaupten.in Kurve 1 hat er auf der Innenseite angebremst, weil Vettel außen daneben gezogen ist. In Schikane 2 hat er sich ünerhaupt gar nicht verteidigt. Musste er auch nicht, weil Vettel unfassbar schlecht aus der ersten Schikane kam. Haben das umstrittene Qualifying und die umstrittene Startphase zum Dreher von Vettel geführt? Selbe Antwort wie für Hockenheim: Nein. Man darf von einem Topfahrer erwarten, dass er es schafft so ein Manöver unfallfrei durchzuführen. Räikkönen hat Hamilton in der 2. Schikane unfallfrei außenrum überholt. Jamilton hat Räikkönen in der ersten Schikane außenrum unfallfrei überholt. Die beiden wissen also schonmal wie das geht. Hätte es da gekracht, wäre dann auch Ferrari Schuld gewesen? Vettel hat nicht das angeborene Recht, ein Rennen völlig kampflos zu gewinnen. Ferrari und Räikkönen können es ihm also auch nicht nehmen.

Zu 5.: Ja das war dämlich. Aber hatte wiedermal fast keine Auswirkungen. Alle anderen hatten ebenfalls nur einen Versuch. Vettel hatte also wirklich exakt(!) den selben Druck, den er auch ohne Ferraris Fehler gehabt hätte. Eventuell war die Strecke schon etwas feuchter an manchen Stellen. Aber das hat nicht zu Rang 9 geführt. Schlimmstenfalls zu Rang 4 oder 5. Auch hier: Ein Fahrer sollte in der entscheidenden Qualifyingrunde nicht von der Strecke fliegen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es trocken oder nass ist oder ob es schneit. Wenn man einen derartigen Fehler macht, startet man eben von hinten. Damit hat die Fehlentscheidung von Ferrari rein gar nichts zu tun.

Mich wundert es sehr, dass die Medien und Fans so einen Wirbel über diese eigentlich bedeutungslosen Entscheidungen machen. Noch seltsamer finde ich, dass Ferrari fast keine Kritik für die Situation in Österreich bekommt, wo man eine gute Gelegenheit für eine saubere Stallorder nicht wahrgenommen hat. Zuvor musste Räikkönen bereits sehr oft seine Strategie auf Vettel oder die Mercedes ausrichten, statt auf sein persönlich bestmögliches Resultat. Räikkönen ist auch lange nicht die selbe Ausbaustufe gefahren wie Vettel. Warum also keine Stallorder in Österreich, durch die man in der Konstrukteurs-WM keinen Punkt verloren hätte?
Anhand der heftigen Reaktion auf die Mercedes Stallorder in Russland kann man ja erkennen, dass die meisten Medien und Fans strikt gegen Stallorder sind. Das wäre natürlich eine Erklärung für die ausbleibende Kritik an Ferraris Zieleinlauf in Spielberg. Allerdings bliebe dann die Frage, warum die selben Menschen eine frühere und drastischere Stallorder in Hockenheim und Monza forderten.

Unterm Strich hat Ferrari ein grandioses Auto gebaut und ein paar strategische Fehlentscheidungen getroffen, die aber kaum Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft hatten. Das einzige, was man ihnen wirklich vorwerfen kann ist, dass sie keinen WM-fähigen Fahrer unter Vertrag haben, obwohl sie in den letzten Jahren sicherlich mehrmals die Chance gehabt hätten einen zu verpflichten.
Ich lese immer nur vollkommen widersprüchliche Beurteilungen der Stallregien von Mercedes und Ferrari und völlig überzogene Kritik der Ferrari Mannschaft. Immer wenn Vettel einen Fehler macht, wird verzweifelt versucht, ihn mit vermeintlichen Teamfehlern zu relativieren. Ich denke die Menschen suchen nur einen Sündenbock, um Vettel in Schutz zu nehmen. Das ist mMn. die wahre Erklärung, warum in Spielberg niemand Ferrari kritisiert hat.Vettel hat danach keinen Fehler gemacht, den man durch die ausbleibende Teamorder erklären könnte. Es sieht für Vettel viel besser aus, wenn man stattdessen die schwachsinnige und widerlegte Schlussfolgerung zieht, dass Ferrari gänzlich auf Stallorder verzichtet.

Es wäre Schade, wenn Arrivabene unter diesem Unsinn leiden muss, obwohl es Ferrari unter seiner Führung aus dem Tief von 2014 zu WM-fähigen Autos 2017 & 2018 gebracht hat.


ich verneige mich vor dir. Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können. Vielen Dank.

Herr Surer, Redaktion.. das war kein Experte aber er hat es super rüber gebracht, ganz ohne gebashe oder irgendjemanden durch denDreck zu ziehen. Vielmehr zeigt dieses Statement dass man ALS TEAM siegt und verliert. mal hat der eine mehr, der andere weniger Schuld. Das Ergebnis ist letztlich das selbe!

Scorp!on
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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Scorp!on » 10.10.2018, 16:36

F1Schlaumeier hat geschrieben:Ich muss jetzt mal meine ungefilterte Meinung zu dieser ganzen Ferrari-Thematik loswerden:

Für mich ergibt die ganze Diskussion überhaupt gar keinen Sinn. Was wird Ferrari vorgeworfen? Ich kann mich sicherlich nicht an alles erinnern, aber ich denke zumindest an die Mehrheit der Vorfälle.
1. In Hockenheim erst nach 5 Runden Stallorder erteilt
2. In Singapur zu früh reingekommen und die falsche Reifenwahl beim Boxenstopp getroffen
3. In Monza beim Qualifying zuerst Vettel auf die Strecke gelassen
4. In Monza Stallorder nicht für die ersten 2 Kurven erteilt
5. In Japan beim Qualifying Intermediates bei trockener Strecke aufgezogen

Wer heute nichts zu tun hat, kann sich ja durchlesen, was ich dazu im Detail denke: XD
Zu 1.: Die Kritik hier besteht ja hauptsächlich darin, dass Räikkönen und Vettel ohnehin auf unterschiedlichen Strategien gewesen seien und man durch die verzögerte Teamorder Vettel einem höheren Druck von Hamilton ausgesetzt habe. Es stimmt zwar, dass Vettel und Räikkönen auf unterschiedlichen Strategien waren, aber die Schlussfolgerung, dass die beiden deswegen keinen direkten Kampf um den Sieg hatte ist trotzdem falsch. Kimi hatte durchaus Chancen das Rennen mit der gleichen Anzahl verbeleibender Stopps wie Vettel zuende zu fahren, zumal jeder mit dem später einsetzenden Regen rechnete. Es war ein direkter Kampf um den Sieg, den Ferrari letzlich durch eine Teamorder entschieden hat. 1:1 die Russland/Mercedes Situation. Dass Vettel der Zeitverlust unter Druck von Hamilton setzte, kann zwar sein, allerdings ist es im Motorsport absolut üblich beim Kampf um den Sieg einem gewissen Druck ausgesetzt zu sein. Dass man einen Gegner im Rennen hat, darf kein Grund für einen Fehler sein. Den Ausrutscher von Vettel auf das Konto von Ferrari schieben zu wollen, ist in meinen Augen unglaublich dämlicher Schwachsinn.

zu 2.: Das mag eine Fehlentscheidung gewesen sein. Aber man muss dazu sagen, dass sie von Mercedes zund Hamilton bewusst provoziert wurde, indem Hamilton absichtlich langsam genug fuhr, um keine für einen Stop ausreichende Lücke zum Mittelfeld entstehen zu lassen. In Singapur ist ein Safety Car nicht unüblich. Ferrari hat mit der Strategie auf die Möglichkeit gesetzt, nach einer später SC-Phase und einem zusätzlichen Boxenstop mit Hamilton um den Sieg kämpfen zu können. Es war eine gute Idee, die durch ausbleibendes Glück nicht funktioniert hat und Vettel unter Umständen(!) 3 Punkte gekostet haben könnte(!). Viele verstehen den Gedanken einfach nicht und glauben deshalb die Strategieabteilung von Ferrari als einen Haufen Idioten identifizieren zu können.

Zu 3.: Wer sagt denn überhaupt, dass Ferrari mit Windschatten gerechnet hat? Zu Alonsos Zeiten hat das einige Male nicht funktioniert. Es hätte genauso gut sein können, dass Räikkönen vor Vettel einen Fehler macht und dadurch Vettels Runde versaut, weil gelb rauskommt oder er Vettel aufhält. Was hättet ihr dann gesagt? Wie kann man nur so doof sein und den WM Anwärter so einem Risiko aussetzen blabla... Wer sagt denn, dass Räikkönen irgendetwas durch den Windschatten gewonnen hat? Den richtigen Abstand zum Vordermann zu finden ist sehr schwierig und setzt voraus, dass beide Fahrer fast die indentische Runde fahren. Ist man zu nah, leidet man unter der Dirty Air, ist man zu weit weg, bringt es nichts. So oder so: Am Ende waren beide Ferrari in Reihe 1. Man könnte sagen: Alles perfekt gelaufen für sie. Vettel hatte nur einen Wagen vor sich und der war kein Gegner. Wo ist das Problem?

Zu 4.: Diese Argumentation ist so lächerlich, dass ich gar nicht weiß, wie ich darauf sinnvoll eingehen soll. Es ist einfach eine unfassbar schwachsinnige Idee in der ersten Runde einen Platztausch anzuordnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Räikkönen dabei mehrere Plätze verliert ist aufgrund des dichten Feldes beim Start riesig. Am Ende schenkt man nur dem Gegner Punkte. Raikkönen hat sich auch nicht "zweimal bis aufs Messer verteidigt" wie einige behaupten.in Kurve 1 hat er auf der Innenseite angebremst, weil Vettel außen daneben gezogen ist. In Schikane 2 hat er sich ünerhaupt gar nicht verteidigt. Musste er auch nicht, weil Vettel unfassbar schlecht aus der ersten Schikane kam. Haben das umstrittene Qualifying und die umstrittene Startphase zum Dreher von Vettel geführt? Selbe Antwort wie für Hockenheim: Nein. Man darf von einem Topfahrer erwarten, dass er es schafft so ein Manöver unfallfrei durchzuführen. Räikkönen hat Hamilton in der 2. Schikane unfallfrei außenrum überholt. Jamilton hat Räikkönen in der ersten Schikane außenrum unfallfrei überholt. Die beiden wissen also schonmal wie das geht. Hätte es da gekracht, wäre dann auch Ferrari Schuld gewesen? Vettel hat nicht das angeborene Recht, ein Rennen völlig kampflos zu gewinnen. Ferrari und Räikkönen können es ihm also auch nicht nehmen.

Zu 5.: Ja das war dämlich. Aber hatte wiedermal fast keine Auswirkungen. Alle anderen hatten ebenfalls nur einen Versuch. Vettel hatte also wirklich exakt(!) den selben Druck, den er auch ohne Ferraris Fehler gehabt hätte. Eventuell war die Strecke schon etwas feuchter an manchen Stellen. Aber das hat nicht zu Rang 9 geführt. Schlimmstenfalls zu Rang 4 oder 5. Auch hier: Ein Fahrer sollte in der entscheidenden Qualifyingrunde nicht von der Strecke fliegen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es trocken oder nass ist oder ob es schneit. Wenn man einen derartigen Fehler macht, startet man eben von hinten. Damit hat die Fehlentscheidung von Ferrari rein gar nichts zu tun.

Mich wundert es sehr, dass die Medien und Fans so einen Wirbel über diese eigentlich bedeutungslosen Entscheidungen machen. Noch seltsamer finde ich, dass Ferrari fast keine Kritik für die Situation in Österreich bekommt, wo man eine gute Gelegenheit für eine saubere Stallorder nicht wahrgenommen hat. Zuvor musste Räikkönen bereits sehr oft seine Strategie auf Vettel oder die Mercedes ausrichten, statt auf sein persönlich bestmögliches Resultat. Räikkönen ist auch lange nicht die selbe Ausbaustufe gefahren wie Vettel. Warum also keine Stallorder in Österreich, durch die man in der Konstrukteurs-WM keinen Punkt verloren hätte?
Anhand der heftigen Reaktion auf die Mercedes Stallorder in Russland kann man ja erkennen, dass die meisten Medien und Fans strikt gegen Stallorder sind. Das wäre natürlich eine Erklärung für die ausbleibende Kritik an Ferraris Zieleinlauf in Spielberg. Allerdings bliebe dann die Frage, warum die selben Menschen eine frühere und drastischere Stallorder in Hockenheim und Monza forderten.

Unterm Strich hat Ferrari ein grandioses Auto gebaut und ein paar strategische Fehlentscheidungen getroffen, die aber kaum Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft hatten. Das einzige, was man ihnen wirklich vorwerfen kann ist, dass sie keinen WM-fähigen Fahrer unter Vertrag haben, obwohl sie in den letzten Jahren sicherlich mehrmals die Chance gehabt hätten einen zu verpflichten.
Ich lese immer nur vollkommen widersprüchliche Beurteilungen der Stallregien von Mercedes und Ferrari und völlig überzogene Kritik der Ferrari Mannschaft. Immer wenn Vettel einen Fehler macht, wird verzweifelt versucht, ihn mit vermeintlichen Teamfehlern zu relativieren. Ich denke die Menschen suchen nur einen Sündenbock, um Vettel in Schutz zu nehmen. Das ist mMn. die wahre Erklärung, warum in Spielberg niemand Ferrari kritisiert hat.Vettel hat danach keinen Fehler gemacht, den man durch die ausbleibende Teamorder erklären könnte. Es sieht für Vettel viel besser aus, wenn man stattdessen die schwachsinnige und widerlegte Schlussfolgerung zieht, dass Ferrari gänzlich auf Stallorder verzichtet.

Es wäre Schade, wenn Arrivabene unter diesem Unsinn leiden muss, obwohl es Ferrari unter seiner Führung aus dem Tief von 2014 zu WM-fähigen Autos 2017 & 2018 gebracht hat.



Danke für deine Worte, kann es Ausnahmslos so unterschreiben! :thumbs_up:

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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon evosenator » 10.10.2018, 17:04

Danke Ross...genau das meine ich auch schon seit Wochen. Ein Funken Wahrheit steckt da auf jeden Fall dahinter. Vettel ist mit Sicherheit nicht an Allem schuld.
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Re: Ross Brawn: Ferrari-Schwäche hängt mit Marchionnes Tod zusammen

Beitragvon Alonso und Kimi Fan » 10.10.2018, 18:21

Ich dachte Ferraris schwäche hängt mit der neuen kontrolle von der fia zusammen und das sie getrickst haben, jetzt aber nicht mehr können vor 2tagen hat dass hier ja auch jeder noch selbst Behauptet fast. Hm wohl doch nicht? Jetzt ist es aufeinmal marchionne Okeee. Bis zur nächsten story dann mal ala warum war mercedes einfach besser über der Season und was war der grund für Ferraris Absturz, ich improvisiere mal " BERNIE ECCLeSTONE: Vettel war nie ein richtiger weltmeister! Es war nur redbull! Darum ist hamilton wm führender! xD


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