# 7 - GP von Kanada - Montreal

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Plauze
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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon Plauze » 11.06.2015, 10:09

Das Problem ist doch nicht (nur), dass wir Zuschauer das alles mitbekommen, sondern vorwiegend, dass der Fahrer Angaben zur Materialschonung haarklein von der Boxenmauer aus vordiktiert bekommt, und dass ein Rennen ohne besondere Vorkommnisse (Startkollision, Safetycarphase, Regen etc.) einfach völlig leidenschaftslos gemäß Strategie-Simulation abgewickelt wird. Ja, ich glaube, das ist das entscheidende Wort: Leidenschaftslos wirkt das, was wir v.a. an der Spitze zu sehen bekommen. Mercedes fährt mit schwäbischer Präzision einen Sieg nach dem anderen ein, verhindert ein allzu feuriges Teamkollegenduell, das die prognostizierten Ergebnisse in Gefahr bringt, und wird komisch und leicht panisch, sobald mal ein Plan nicht nach Schema F aufgeht (Monaco).

Das gefiele mir auch dann nicht, wenn ich die Funksprüche nicht mitbekäme. Durch ihr Vorhandensein bei der Übertragung ist das Wissen um diese Umstände natürlich präsenter (weshalb ich sie am liebsten auch nicht hören würde), aber generell wäre ich ein Freund von einer dramatischen Einschränkung des Funkverkehrs und der exakten rechnergestützten Vorausberechnung des Renngeschehens.
Alles kann passieren. Und das ist auch gut so.

Tino Wengel
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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon Tino Wengel » 11.06.2015, 10:13

Also Eurosport ist für mich das MTV des Sports.
Schon immer da gewesen, und um als Spartensender bezeichnet zu werden, zu gut.
Zudem gibt es ja noch Eurosport 2, welchen man nur über Bezahlfernsehen bekommt.
Geringere TV Einnahmen für die Teams, sind also nicht in desaströsem Ausmaß zu erwarten.

Wenn man sich derzeit die MotoGP auf Eurosport ansieht, kann man sehr zufrieden sein.
Wenig Werbung, lustiger, aber dennoch fachkompetenter Kommentar, geniale Bildregie.
Alles ist da besser, als bei RTL, wenn es um Sport geht,
außer Tennis mit Oliver Fastnacht, :-) das ist unerträglich.
Sein Namens - und Zahlenkarussel, die unverschämte Öffentlichmachung von Privatsachen der Stars,
und deren Freunde, und Verwandten, und das ständige Hochgelobe geht mir auf den Zeiger.
Als gäbe es da Niemanden, der auch nur ansatzweise charakterlich mieß sein könnte.
Und so schön ist Seine Stimme nun auch nicht, daß Er in einer Tour reden muß.
Er hört sich eben zu sehr, selbst gerne reden. Naja.
Es wurde ja mal selbst von Kommentatorenseite erwähnt, daß die Stars angeblich wüßten,
daß wenn Sie immer schön mit den Medien zusammenarbeiten,
diese einen gewissen Imageschutz leisten würden.
Das zu erwähnen ist eventuell nicht all zu clever gewesen.
Da fragt man sich ja nun was denn eigentlich stimmt, aber ist ja auch egal,
wenn sowieso immer positiv geredet wird, kann ja nicht Alles stimmen :-).

Zurück zum Thema Formel 1.
Ich bin überzeugt, daß es nur Kleinigkeiten sind, welche nötig währen,
um die Spannung wieder besser an den Zuschauer zu vermitteln.

Also Erstens : Lautstärke der Komentatoren.
Diese, im Verhältnis zum Ton von der Rennstrecke,
muß leiser sein als zur Zeit.
Jetzt sind die Autos zudem auch noch leiser als zu 12 Zylinder Zeiten.
Dem müßte man sich anpassen.
Die Atmosphäre von der Rennstrecke käme dann auch mal ordentlich an.
Was ebenso richtig nervt, ist, daß die Werbung viel lauter ist, als alles Andere.
Das ist kein komfortables Fernsehen,
wenn man ständig lauter und leiser machen muß.

Zweitens : Kameraperspektiven.
Kein Auto sieht schnell aus, wenn man es frontal filmt, oder mitschwenkt.
Dann lieber mal weniger Zoom verwenden, und die Strecke statisch zeigen,
oder ganz langsam schwenken, bei ner mittleren Zoomlösung.
Dann kommt auch die Geschwindigkeit sichtbarer an.
Schikanen flach und fast frontal statisch zeigen, dann sieht man,
wie megaschnell diese Autos und natürlich die Fahrer, Richtung machen können.

Drittens : DRS
Am Anfang führte man die Regeln ein, damit die Teams,
welche es noch nicht hatten, weniger benachteiligt werden.
Das fing ja schon an, als dieses System kam,
was an der Nase Luft einsaugte, und hinten auf den Spoiler strömte.
Nun haben aber mittlerweile Alle dieses wiederum neuere DRS - System.
Wozu wird dann also immernoch eine Regelung beibehalten ?!
Sollen doch Alle das System benutzen, wo sie wollen.
Die beiden Systeme wurden nicht dazu erfunden,
um Überholvorgänge bei Bedarf zu erleichtern,
sondern um in Zeiten, als Streckenrekorde wie in Stein gemeißelt gewesen sind,
diese wieder in greifbarere Nähe zu bekommen, und außerdem,
um sich einfach weiterzuentwickeln.
Die Formel 1 ist immer Vorreiter in Sachen Automobiltechnologie gewesen.
Diese Reglements machen daraus etwas völlig Anderes, Sinnloses.

Wenn es nach mir ginge, dürften alle Teams entwickeln, wie sie wollen, solange es sicher ist.
Und DARAN haben die Teams ja wohl selbst, am Meisten Interesse.
Flexible Flügel, krasse Designs, zeigt was möglich ist.
Flügel die auf einer Geraden ein - , und in einer Kurve ausklappen, Solarpanele anstatt einer Lackierung,
Golfballdesign der Autooberfläche, Kavitationsblasendesign der Nase.
Motoren, welche von V6 auf v12 Modus umschalten, je nach Geschwindigkeit.
( Cadillac Cien macht das, aber von V8 auf V12 ) .
Das wäre interessant. Mann müßte den Teams dann natürlich erlauben,
während der Saison weiterzuentwickeln, um zu dominante Technologien
wenigstens nachamen zu können, wegen der Spannung.
Ja ich weiß, manche Teams haben das Geld dazu nicht.
Für flexible Flügel zumindest, oder individuellere Designs,
müßts aber jetzt schon reichen.

Man weiß nicht so richtig, was die Formel 1 im Moment eigentlich versucht.
Einerseits reduzieren Sie das Design auf ein relativ einheitliches Maß,
für Sicherheit, und Gleichheit.
Dann müßten Sie aber auch auf Einheitsmotoren setzen, wenn Sie konsequent sein wollen.
Für Spannung wäre dann garantiert gesorgt, und die Ergebnisse währen aussagekräftig über
die Qualität des Fahrers, weil eindeutiger.


scott 90 hat geschrieben:
Ein Spartensender wie RTL oder doch wie früher Eurosport?? Wird sicher der pure Horror, tatsächlich sind das die am wenigsten schlimmsten Folgen für den Fan selbst. Viel eher die anderen Begleiterscheinungen, geringere TV Einnahmen, weniger für die Teams und damit womöglich Ausstiege. Wobei wenn man kühn ist könnte man darauf spekulieren das sie dann endlich die Kostenreduktion anpacken aber ja... wohl weniger.
Wenn man es wie für den Tennis oder die Champ Car sieht, dann ist der Sender Eurosport das schlimmste was einem passieren kann.
Zuletzt geändert von Tino Wengel am 11.06.2015, 10:57, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon daSilvaRC » 11.06.2015, 10:52

Plauze hat geschrieben:Das Problem ist doch nicht (nur), dass wir Zuschauer das alles mitbekommen, sondern vorwiegend, dass der Fahrer Angaben zur Materialschonung haarklein von der Boxenmauer aus vordiktiert bekommt, und dass ein Rennen ohne besondere Vorkommnisse (Startkollision, Safetycarphase, Regen etc.) einfach völlig leidenschaftslos gemäß Strategie-Simulation abgewickelt wird. Ja, ich glaube, das ist das entscheidende Wort: Leidenschaftslos wirkt das, was wir v.a. an der Spitze zu sehen bekommen. Mercedes fährt mit schwäbischer Präzision einen Sieg nach dem anderen ein, verhindert ein allzu feuriges Teamkollegenduell, das die prognostizierten Ergebnisse in Gefahr bringt, und wird komisch und leicht panisch, sobald mal ein Plan nicht nach Schema F aufgeht (Monaco).

Das gefiele mir auch dann nicht, wenn ich die Funksprüche nicht mitbekäme. Durch ihr Vorhandensein bei der Übertragung ist das Wissen um diese Umstände natürlich präsenter (weshalb ich sie am liebsten auch nicht hören würde), aber generell wäre ich ein Freund von einer dramatischen Einschränkung des Funkverkehrs und der exakten rechnergestützten Vorausberechnung des Renngeschehens.



bin ich vollkommen bei dir.. leider zwingt sie ja kein anderes team zur veränderung, mich errinnert das ganze an 98/99 als Hakkinen und Coulthard ähnliches spiel spielten... die beiden waren damals zeitweise auch meilen anderen vorraus, und fuhren nur ihre rennen zuende.
Soviel zum thema: Früher gab es das nicht.
Ebenso war es ja zu den dominanten Ferrari zeiten, als MSC und barichello kreise um alles fuhr.

anders war es ende der 80er, da waren es Prost und Senna...
Früher war alles besser... auch die Zukunft!

„Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“

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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon M. Nissen » 13.06.2015, 19:06

Um auch die restliche Wartezeit bis zum ÖsterreichGP mit vielleicht wenigstens ein paar sinnvollen Gedanken zu füllen, hier mal die Zuschauerzahlen der letzten Jahre:

Code: Alles auswählen

Jahr    durchschn. Zuschauer   Entw. in %
2001:   > 11 Mio.                         (keine konkreten Daten für 2001 vorliegend)
2010:   6,29 Mio.
2011:   5,89 Mio.              - 6,4
2012:   5,58 Mio.              - 5,3
2013:   5,28 Mio.              - 5,4
2014:   4,35 Mio.              -17,6
2015:   3,95 Mio.              - 9,2


daSilvaRC hat geschrieben:bin ich vollkommen bei dir.. leider zwingt sie ja kein anderes team zur veränderung, mich errinnert das ganze an 98/99 als Hakkinen und Coulthard ähnliches spiel spielten... die beiden waren damals zeitweise auch meilen anderen vorraus, und fuhren nur ihre rennen zuende.
Soviel zum thema: Früher gab es das nicht.
Ebenso war es ja zu den dominanten Ferrari zeiten, als MSC und barichello kreise um alles fuhr.
anders war es ende der 80er, da waren es Prost und Senna...

Stimmt! Die Formel 1 war in Wahrheit schon immer so langweilig wie heute und alles ist bloß eine Verschwörung seitens EU, BurgerKing und Schiesser-Unterhosen. Gerade die Jahre 1998 und 1999 werden von den Fans heutzutage vollkommen zu Unrecht als die glorreichen Schumacher vs. Häkkinen-Zeiten bezeichnet. Tatsächlich sind Coulthard und Häkkinen alleine vorneweg gefahren, weshalb man alle Zeitzeugen beseitigte und stattdessen das Gerücht der "guten alten Zeit" installierte :lol:.

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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon Kimi0804 » 13.06.2015, 20:13

M. Nissen hat geschrieben:Um auch die restliche Wartezeit bis zum ÖsterreichGP mit vielleicht wenigstens ein paar sinnvollen Gedanken zu füllen, hier mal die Zuschauerzahlen der letzten Jahre:

Code: Alles auswählen

Jahr    durchschn. Zuschauer   Entw. in %
2001:   > 11 Mio.                         (keine konkreten Daten für 2001 vorliegend)
2010:   6,29 Mio.
2011:   5,89 Mio.              - 6,4
2012:   5,58 Mio.              - 5,3
2013:   5,28 Mio.              - 5,4
2014:   4,35 Mio.              -17,6
2015:   3,95 Mio.              - 9,2


daSilvaRC hat geschrieben:bin ich vollkommen bei dir.. leider zwingt sie ja kein anderes team zur veränderung, mich errinnert das ganze an 98/99 als Hakkinen und Coulthard ähnliches spiel spielten... die beiden waren damals zeitweise auch meilen anderen vorraus, und fuhren nur ihre rennen zuende.
Soviel zum thema: Früher gab es das nicht.
Ebenso war es ja zu den dominanten Ferrari zeiten, als MSC und barichello kreise um alles fuhr.
anders war es ende der 80er, da waren es Prost und Senna...

Stimmt! Die Formel 1 war in Wahrheit schon immer so langweilig wie heute und alles ist bloß eine Verschwörung seitens EU, BurgerKing und Schiesser-Unterhosen. Gerade die Jahre 1998 und 1999 werden von den Fans heutzutage vollkommen zu Unrecht als die glorreichen Schumacher vs. Häkkinen-Zeiten bezeichnet. Tatsächlich sind Coulthard und Häkkinen alleine vorneweg gefahren, weshalb man alle Zeitzeugen beseitigte und stattdessen das Gerücht der "guten alten Zeit" installierte :lol:.

Krass wie es immer Berg ab geht und das Jahr zu Jahr... :stressed:
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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon Jerom∃ » 14.06.2015, 00:01

Wow von 11Millionen auf knapp 4.
Da müssen richtige Genies am Werke gewesen sein.
Genuinely entertaining .

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Plauze
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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon Plauze » 14.06.2015, 00:38

M. Nissen hat geschrieben:Stimmt! Die Formel 1 war in Wahrheit schon immer so langweilig wie heute und alles ist bloß eine Verschwörung seitens EU, BurgerKing und Schiesser-Unterhosen. Gerade die Jahre 1998 und 1999 werden von den Fans heutzutage vollkommen zu Unrecht als die glorreichen Schumacher vs. Häkkinen-Zeiten bezeichnet. Tatsächlich sind Coulthard und Häkkinen alleine vorneweg gefahren, weshalb man alle Zeitzeugen beseitigte und stattdessen das Gerücht der "guten alten Zeit" installierte :lol:.

Dein Sarkasmus in Ehren, aber tatsächlich gab es früher nicht nur aufregende, tolle, spannende Rennen, sondern mindestens ebensoviele, in denen die Autos relativ dröge hintereinander herfuhren und der Gewinner entweder schon am Start oder spätestens nach dem letzten Boxenstopp feststand. Jeder, der diese Zeit nicht mit verklärendem Blick zurück betrachtet, sondern mal reflektiert, wie sich die Sonntagnachmittage damals eigentlich gestaltet haben, wird zu dieser Feststellung kommen.

Was war anders? Das kann jeder nur für sich selbst beantworten. In meinem Fall in erster Linie: Ich selbst. Ich war jung, ich habe mich allgemein sehr viel mehr und ganz besonders für einen der von dir genannten Fahrer begeistern können und war sehr direkt involviert. Bin mit meinem Vater, Verwandten und Bekannten zu Rennen gefahren. Damals war das zwar auch schon happig, aber noch halbwegs erschwinglich so als etwas teurerer Wochenendausflug. Und ja, die Abläufe haben mir besser gefallen und kamen mir weniger durchkalkuliert und durchkommerzialisiert vor. Aus heutiger Sicht mache ich mir aber nicht vor, dass ich damit das ganze Bild gesehen hätte. Mit Sicherheit wurde auch damals schon vieles gesteuert und kalkuliert, was ich als 12jähriger Junge einfach nicht wahrgenommen habe oder wahrnehmen konnte, weil sie kein Teil der Berichterstattung waren - angefangen mit dem von mir genannten Beispiel der Funksprüche, die erst ab den frühen 2000ern höchst selten und ab dann immer häufiger im TV übertragen wurden.
Fahrer und Teams waren damals weitaus weniger präsent im Internet und in sozialen Medien, ganz einfach, weil diese Dinge noch in den absoluten Kinderschuhen steckten. Die Omnipräsenz des eigenen Hobbys, die einem als Formel-1-Fan geboten wird, ist zwar einerseits schön und manchmal nützlich, nimmt aber andererseits so manches von der ursprünglichen Faszination, einfach verdammt schnelle Autos um Rundkurse fahren zu sehen.

So, damit haben wir jetzt schon einige Aspekte abgedeckt, die ich ganz persönlich damals anders und ggf. besser fand an der Formel 1 - und zwar ohne dass damit irgendetwas über die Qualität der Rennen gesagt wäre. Kurzzusammenfassung (ich mag meine Romane selbst nicht so gern, ich schreibe halt drauflos):
:arrow: eigene Konstitution und Verhältnis zur Szene
:arrow: Fannähe (damals größer) und Ticketpreise (damals niedriger)
:arrow: damals geringeres Informationsaufkommen (Funksprüche, Insiderinfos, Gerüchte etc.)
:arrow: damals geringere Präsenz von Fahrern und Teams in der eigenen Freizeit (Internet)

Zu den Aspekten im Rennen habe ich mich ja bereits geäußert. Sokadem hat ja durchaus nicht Unrecht, wenn er sagt, dass Teams, die besonders dominant waren, ihre Fahrer die Rennen meist kontrolliert, mit den geringstmöglichen Materialstrapazen und den geringstmöglichen Belastungen für's Nervenkostüm bestreiten ließen.
Allerdings würde ich schon sagen, dass Mercedes es hier auf die Spitze treibt. Mit Schumacher/Barrichello lässt sich das ohnehin nicht vergleichen, Barrichello kam nur in einigen wenigen Rennen auf Schumachers Niveau, sodass Ferrari selten vom Kommandostand aus eingreifen musste (wenn sie es taten, war's natürlich unschön). Rosberg fehlt aber durchgängig nur wenig Boden auf Hamilton, und wenn er ihn dann angreifen kann, wird vom Kommandostand aus das Prinzip des körperlosen Spiels betrieben. Es wird genau festgelegt, in welcher Rennphase und in welchem Fenster Rosberg eventuell attackieren darf, meistens klingt das ziemlich vertröstend. Jedenfalls nicht schön.

Auch allgemein wird mir offensives Fahrverhalten in der modernen Formel 1 zu oft bestraft und zu selten gefördert. Hier hätten wir einen Aspekt, den ich früher wirklich anders und besser fand als heute. Denn wenn Mitte-Ende der 90er Jahre mal überholt wurde, waren das auch echt tolle Fights. Man denke beispielsweise an Schumacher gegen Alesi 1995 am Nürburgring. Selbst in den frühen 2000er Jahren hat Montoya teilweise noch Manöver durchgezogen, die einem modernen Teamchef den Angstschweiß auf die Stirn treiben würden und die heutigen Rennkommissare zusammenzucken ließen. Er kam aber damit durch, es war nicht "gefährlich" und es ist auch niemand gestorben, sondern es war einfach großartiger Rennsport. Überholen war eben sauschwer, aber nicht völlig unmöglich. Man musste aber etwas riskieren. In der Rückschau kommt's einem vor wie genau die richtige Mischung. Ja, da werde auch ich etwas nostalgisch. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen, denn man erinnert sich eben gerne an die Sahnehäubchen, und weniger gerne daran, wie rar diese waren.

Generell ist die Formel 1 immer so langweilig oder so spannend wie sie von ihren Protagonisten gestaltet wird und wie man mit diesen Protagonisten mitfiebert. Für mich persönlich gibt es rein fahrerisch nur noch wenige Fixpunkte in der Formel 1. Alonso, Raikkönen und Button, weil sie "damals" anfingen und ich sie über ihre ganze lange Karriere hinweg genau beobachten konnte. Alle anderen Fahrer finde ich mal mehr, mal weniger interessant. Wie gesagt: Ich denke, oft liegen gefühlte Schwankungen am eigenen Verhältnis zu der Sache, die man gerade evaluiert.
Und noch ein letztes kommt hinzu: Ganz generell ist Motorsport nicht mehr so "in" wie noch vor 15-20 Jahren. Der Zeitgeschmack ändert sich nun einmal im gleichen Tempo wie die angebotenen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Das wirkt sich auf alle möglichen Lebensbereiche aus: Ernährung, Konsumverhalten, Hobbys, Arten der Kommunikation, Orte die man besucht, Musikgeschmack und so weiter und so fort. Für Motorsport und insbesondere einen extrem teuren, extrem aufwändigen und extrem glamourösen Sport wie die Formel 1 waren die Entwicklungen nicht immer günstig: Die Menschen sind in der breiten Masse sparsamer, nachdenklicher und umweltbewusster geworden. Ich bin davon überzeugt, dass die Formel 1 Auswirkungen dieses Trends spürt (weshalb sie auch reagiert hat, auch wenn Die Hard Fans das nicht gut finden). Und schließlich kommt noch hinzu, dass ein im Vergleich zu früher viel, viel, viel größerer Teil der Kommunikation und Freizeitgestaltung sich virtuell abspielt. Das kann man gut oder schlecht finden, ist aber Fakt und wirkt sich auf TV-Quoten aus - und virtuell ist die Formel 1 in offizieller Form immer noch unterrepräsentiert.

Uff, zu langer Post :roll:
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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon scott 90 » 14.06.2015, 01:37

Plauze hat geschrieben:Allerdings würde ich schon sagen, dass Mercedes es hier auf die Spitze treibt. Mit Schumacher/Barrichello lässt sich das ohnehin nicht vergleichen, Barrichello kam nur in einigen wenigen Rennen auf Schumachers Niveau, sodass Ferrari selten vom Kommandostand aus eingreifen musste (wenn sie es taten, war's natürlich unschön). Rosberg fehlt aber durchgängig nur wenig Boden auf Hamilton, und wenn er ihn dann angreifen kann, wird vom Kommandostand aus das Prinzip des körperlosen Spiels betrieben. Es wird genau festgelegt, in welcher Rennphase und in welchem Fenster Rosberg eventuell attackieren darf, meistens klingt das ziemlich vertröstend. Jedenfalls nicht schön.


Vergleichen kann man es nicht aber es ist auch weder besser noch schlimmer. Man hat zwei gute Piloten aber man merkt schon derjenige der die Quali bestritten hat ist beim Team in der Poleposition. Ansonsten kann derjenige der von hinten kommt nur überholen wenn er wirklich schneller ist. Wenn beide auf einem Niveau sind, dann ist die Sache auch klar. Mercedes will nicht das sich beide am Limit in einen Fehler hetzen, aber ehrlich welcher Teamchef möchte das haben.

Mir fällt dazu das Rennen von Spa 1998 ein als Damon Hill am Teamfunk das Jordan Team überzeugt dem Teamkollegen Ralf doch zu sagen er solle "langsamer" machen. Denn man möchte ja einen sicheren Doppelsieg und diesen bloß nicht in einen für den Zuschauer aufregenden Kampf riskieren.

Wunderschön nochmal zum ansehen.
https://www.youtube.com/watch?v=ykI39M27y10

Da blutet einem Racer das Herz, aber man kann auch das kleine Team verstehen wenn sie diese vielleicht einmalige Gelegenheit nutzen wollen um das Maximum mitzunehmen. Bei Mercedes fehlt diese Art von Empathie natürlich, selbst wenn man deren Entscheidungen auch irgendwo nachvollziehen kann.
Schlussendlich bin ich bei dir es fehlt ein Zweikampf der sich Sache spannender macht, wenn schon nicht über die ganze Saison dann deutlich mehr als in ein zwei Rennen.

Ansonsten nennst du auch einige Punkte über die man nachdenken sollte, denn auch das Leben verändert sich. Es gibt viele dadraußen die nennen den fehlenden Schumacher eher als Grund warum sie nicht mehr einschalten. Ebenso merk ich selbst, in meiner Altersklasse wird das Auto allgemein unwichtiger, dazu hört man nach Al Gores Film (in der Schule mindestens 7 mal gezeigt worden.... somit ein wunderbar passendes Symbol) auch viele Stimmen die auf den Umweltschutz achten wollen. Zum Thema F1 musste ich mir da auch einige Male anhören, was denn das für eine Umweltverschmutzung/Ernergieverschwendung sei. Wird wohl auch alles seinen Einfluss haben.


Im übrigen um noch auf die Lücke in den Zahlen von 2001 zu 2010 zu verweisen

Code: Alles auswählen

2007 5,83 Mio
2008 4,99 Mio
2009 5,08 Mio

Dazu eine Quelle die auch noch die restlichen Lücken füllt.
https://books.google.de/books?id=l8yrBwAAQBAJ&pg=PA57&lpg=PA57&dq=durchschnittliche+f1+zuschauer+2005&source=bl&ots=mT-UQA87Ny&sig=ASd2PhcXtE0YafpS0O8dFnesQLk&hl=de&sa=X&ved=0CC4Q6AEwAmoVChMIkoek_OiNxgIVxu8UCh1aCwCd#v=onepage&q=durchschnittliche%20f1%20zuschauer%202005&f=false

(Hängt auch immer davon ab wie man die Sache betrachtet, denn die genannten Quoten sind immer nur von RTL, zudem scheinen sich die Daten je nach Quelle zu unterscheiden, aber denke das ist nicht derart verfälschend)
Bild
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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon Green Hell » 14.06.2015, 03:01

Plauze hat geschrieben:
Uff, zu langer Post :roll:

Stimmt , hab ihn auch nicht ganz gelesen . :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:
Mach doch mal um solche Uhrzeiten einen auf Jerome , liest sich dann auch flüssiger :blaugh:
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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon Plauze » 14.06.2015, 11:14

Green Hell hat geschrieben:
Plauze hat geschrieben:
Uff, zu langer Post :roll:

Stimmt , hab ihn auch nicht ganz gelesen . :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:
Mach doch mal um solche Uhrzeiten einen auf Jerome , liest sich dann auch flüssiger :blaugh:

Nicht wenn ich eigentlich was zu sagen habe/etwas aussagen will. So ein Mittelding vielleicht ^^
Alles kann passieren. Und das ist auch gut so.

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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon M. Nissen » 14.06.2015, 11:53

scott 90 hat geschrieben:Wunderschön nochmal zum ansehen.
https://www.youtube.com/watch?v=ykI39M27y10

Auch wenn das Video durch wildes Zusammenschneiden verschiedener Szenen höchst manipulativ ist und wohl als R.Schumacher-freundlich gelten darf, zeigt es, dass Martin Brundle druchaus recht haben könnte. Hätten alle Zuschauer damals schon frühzeitig via Einspielung des Teamfunks erfahren, dass es kein Überholversuch geben wird, wäre Spa '98 wohl kaum zu dem legendären Rennen geworden, als welches es bis heute gilt. Vielleicht müsste die Formel 1 wieder ein bisschen geheimnisvoller für die Fans werden, um wieder die alte Magie zu erzeugen.

Danke, dass du die restlichen TV-Quoten gefunden hast. Ich hatte bisher nur die Daten ab 2010 vorliegen :thumbs_up:.

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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon daSilvaRC » 14.06.2015, 13:35

M. Nissen hat geschrieben:Auch wenn das Video durch wildes Zusammenschneiden verschiedener Szenen höchst manipulativ ist und wohl als R.Schumacher-freundlich gelten darf, zeigt es, dass Martin Brundle druchaus recht haben könnte. Hätten alle Zuschauer damals schon frühzeitig via Einspielung des Teamfunks erfahren, dass es kein Überholversuch geben wird, wäre Spa '98 wohl kaum zu dem legendären Rennen geworden, als welches es bis heute gilt. Vielleicht müsste die Formel 1 wieder ein bisschen geheimnisvoller für die Fans werden, um wieder die alte Magie zu erzeugen.



manipulativ sind grade solche ausschnitte aus den 90ern die man selber kaum miterlebt hat immer- weil man selten eine ganze saison hat (wie wir heute zum vergleich haben), sondern immer nur einzelne höhepunkte, gleiches gilt weniger stark für die 90er, und auch noch für die 2000er. wir haben da alle eher die höhepunkte im gedächtniss, es gab aber sehrwohl auch sehr sehr langweilige rennen.
man muss es halt wirklich mal so sehen das dieser penetrante info strom mit boxenfunk etc, auch ein spannungskiller ist.

früher war es mit sicherheit weniger spannend, als wir es in errinnerung haben/ vor dem TV erlebt haben. Der Funk, und die heutigen nachberichte u.a. hier auf F1.de machen da viel aus.
Früher war alles besser... auch die Zukunft!

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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon Jerom∃ » 14.06.2015, 13:36

Green Hell hat geschrieben:
Plauze hat geschrieben:
Uff, zu langer Post :roll:

Stimmt , hab ihn auch nicht ganz gelesen . :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:
Mach doch mal um solche Uhrzeiten einen auf Jerome , liest sich dann auch flüssiger :blaugh:

Das kann man jetzt positiv oder negativ auslegen 8)
Genuinely entertaining .

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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon mamoe » 14.06.2015, 18:57

Jerom∃ hat geschrieben:
Green Hell hat geschrieben:
Plauze hat geschrieben:
Uff, zu langer Post :roll:

Stimmt , hab ihn auch nicht ganz gelesen . :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:
Mach doch mal um solche Uhrzeiten einen auf Jerome , liest sich dann auch flüssiger :blaugh:

Das kann man jetzt positiv oder negativ auslegen 8)


zwar OT

hey grosser ...
kurz um, ich steh auf kurze knackige aussagen :thumbs_up: :wink2:
klein-, groß- sowie rechtschreibfehler sind beabsichtigt und führen bei logischer
verbindung zu einem code, mit welchem man einen schatz findet!

Michael Schumacher will always be the greatest!
http://www.youtube.com/watch?v=Ka5FCLy14Uw
1994-1995-2000-2001-2002-2003-2004

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Re: # 7 - GP von Kanada - Montreal

Beitragvon Kimi0804 » 14.06.2015, 19:07

Liest sich halt auch anständiger, als wenn man ne halbe Bibel liest ^^

Respektieren tue ich dass, allerdings gebe ich mir meistens nicht die mühe das zu lesen, da es meiner Meinung zu anstregend ist und ich nicht soviel Zeit habe dafür. :mrgreen:
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"Früher hatte ich Respekt vor Bernie. Dann wurde ich acht Jahre alt und war plötzlich größer als er."


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