Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

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Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon Redaktion » 09.05.2018, 18:12

Alexander Wurz spricht im Exklusiv-Interview mit 'Motorsport-Total.com' über Halo und das Thema Sicherheit: Mehr Sicherheit könnte zu mehr Action führen!
Alexander Wurz

Alexander Wurz wundert sich über die Kritiker des Halo-Systems

Das Thema Halo spaltet die Formel 1. Die einen sehen es als notwendiges Sicherheitsfeature an, die anderen würden es am liebsten so schnell wie möglich aus der Königsklasse verbannen. Fakt ist jedoch, dass der Kopfschutz bislang in seiner Außendarstellung eher Negativschlagzeilen geschrieben hat. Das stößt Ex-Pilot Alexander Wurz, immer noch Chef der Fahrervereinigung GPDA, sauer auf.

Der Österreicher kann die Sicherheitskritiker nicht verstehen. Er ist der Meinung, dass die Formel 1 mit erhöhter Sicherheit in der Lage ist, mehr Aufregung zu generieren. Allerdings muss er auch zugeben, dass man an manchen Stellen beim Thema "Safety first" übertrieben hat. Im Exklusiv-Interview mit 'Motorsport-Total.com' spricht Wurz über Halo und warum Sicherheit die Königsklasse besser machen kann.

Frage: "Herr Wurz, kann man sagen, dass die Formel 1 eine Chance verpasst hat, Halo bereits 2017 einzuführen - weil die Autos zu diesem Zeitpunkt schneller wurden und man diesem Umstand auf Seiten der Sicherheit mit dem neuen Cockpitschutz hätte Rechnung tragen können?"
Alexander Wurz: "Es ist sehr interessant, dass sie das sagen. Dass sie denken, es wäre besser gewesen, es schon 2017 einzuführen. Bei derart großen Veränderungen hätte es einen geringeren negativen Einfluss gehabt. Ich stimme ihnen da vollkommen zu. Ich schrecke nicht davor zurück zu sagen, dass der Umgang der ganzen Formel-1-Gemeinschaft mit Halo nicht gerade ein Beispiel war, wie man mit seinem Produkt umgehen soll."

"In den 60er-Jahren ist noch bei jedem sechsten Grand Prix ein Fahrer gestorben, doch seitdem hat die Formel 1 die Sicherheit auf beeindruckende, rigorose und klare Weise verbessert, ohne die Performance dafür zu beeinträchtigen. Schließlich leben wir in einer Welt, die von Performance gesteuert wird. Die Zahl der Verletzungen und Todesfälle ist seit den 60ern drastisch gesunken, aber gleichzeitig hat die Formel 1 ein enormes Wachstum an Popularität und Zuschauerzahlen erfahren - bis das Geschäft sich in die sportlichen Entscheidungen eingemischt hat."

Sichere Autos kein Grund für Zuschauerschwund

"Daraus schließe ich, dass es keinen Zusammenhang zwischen sichereren Autos und sinkender Popularität gibt. Sicherheit ist also keine Gefahr für die Popularität der Formel 1. Die sinkenden Zuschauerzahlen in den vergangenen Jahren haben nichts mit Sicherheit zu tun - zumal sich der Trend schon wieder ändert, von daher sollten wir nicht zu schlecht darüber reden. Der Grund liegt woanders.""Dann gab es eine Zeit, in der die Formel 1 in einer Identifikationskrise steckte und in der Geschäftsentscheidungen auf Politik trafen, was den Sport in ein schlechtes Licht gerückt hat. Dort gab es dann Sicherheitsverbesserungen, die schon viele Jahre lang im Raum standen. Jedes einzelne Team war darin involviert, nach sichereren Lösungen zu suchen. Und es braucht nur gesunden Menschenverstand um zu sehen, dass der Kopf die am meisten exponierte Stelle ist."

FIA erklärt: Deshalb kommt das Halo 2018

FIA-Sicherheitsdirektor Laurent Mekies und Rennleiter Charlie Whiting haben in Ungarn erklärt, warum die FIA das Halo bereits 2018 einführen wird Weitere Formel-1-Videos

"Ich bin sehr überrascht, dass wir die ganzen Forschungen, die Arbeit, die Diskussionen und die Beantwortung der zentralen Fragen nicht hinter verschlossenen Türen erledigt haben. Einige Mitglieder des Paddocks haben sogar über die Medien aktiv versucht, Entscheidungen zu beeinflussen. Das ist dann in die öffentliche Meinung übergegangen. Aber so sollten wir unser Produkt nicht angehen.""Was die Fahrer nun versuchen: Sie wollen den verantwortlichen Leuten den Respekt erweisen und sagen: 'Okay, wenn ihr denkt, dass das Teil kommen muss, denn werden wir euch unterstützen, denn am Ende des Tages ist es eure Meisterschaft. Wir nehmen an eurer Meisterschaft teil, und ihr seid verantwortlich. Wir werden das respektieren. Wir haben das HANS-System respektiert und wir haben die zusätzlichen Crashtests respektiert.'""Wir haben versucht, gute Miene zu machen - und zwar bis zu dem Punkt, an dem selbst wichtige Teilhaber dies als negativen Aspekt genutzt haben. Es ist doch so: Wir haben dies eine Produkt und wir müssen es so sexy und gut wie möglich machen. Aber es gibt einige Bewegungen in unserer Gesellschaft - und Sicherheit gehört dazu. Eine der Stärken der Formel 1 war in den vergangenen 30 Jahren, dass wir die Autos, von denen wir fasziniert sind, noch sicherer machen konnten. Man kann einen Unfall wie Robert Kubica haben und trotzdem noch leben. Warum wird das plötzlich negativ dargestellt? Es sollte etwas Positives sein. Es sollte ein unglaublicher Fakt sein."

Bleibt die Sicherheit stehen, bleibt alles stehen

Frage: "Ist Halo nicht das erste Sicherheitselement, das kritisiert wird?"
Wurz: "Okay, es ist optisch nicht gerade ansprechend, von daher war es immer angreifbarer - und das mag aus ästhetischer Sicht vielleicht sogar richtig sein. Aber wir haben die Notwendigkeit von Sicherheit in Frage gestellt. Wenn jemand das nicht will und denkt, dass die Formel 1 gefährlicher sein muss, um populär zu sein, dann haben wir wohl nicht den ganzen Aspekt betrachtet, was die Formel 1 bedeutet und populär macht."

"Wenn man die Sicherheit einfriert, ignoriert man einen fundamentalen Teil: In unserer Gesellschaft und in unserer heutigen Zeit kann niemand Verantwortung ignorieren. Wenn man die Sicherheit einfriert, muss man auch die Rundenzeiten einfrieren. Doch wir haben es hier mit einem Sport zu tun, in dem es um Performance geht. Wir wachsen als Kinder auf: Alles ist höher, schneller, weiter. Das treibt den Menschen an."

Alexander Wurz

Zur aktiven Zeit von Alex Wurz war an Halo noch nicht zu denken

"Wenn wir mit der Entwicklung der Sicherheit aufhören, weil wir nicht schneller fahren können, weil irgendjemand dafür verantwortlich ist, dann bedeutet das, dass wir unser Produkt angreifbar machen, dass es von anderen Produkten in Sachen Aufregung und Gefühl überholt wird."

"Warum machen wir dann nicht einfach das Gegenteil? Warum machen wir unsere Autos nicht signifikant sicherer, ohne die Performance dafür auf's Spiel zu setzen, und lassen sie schneller werden und auf extremeren Rennstrecken ohne endlosen Auslaufzonen fahren? Denn dann erreichen wir vielleicht, dass man den Speed und die Gefahr wahrnimmt."

Wenn jemand in Baku oder Monaco abfliegt, sagen wir alle 'ooooh', dabei sind die Geschwindigkeiten ziemlich niedrig. Aber die Wahrnehmung und die direkte Konsequenz von Kiesbett oder einer Mauer ist vielmehr 'in your face'".

"Wenn Leute Halo boykottieren wollen und sagen, dass es nicht kommen soll, dann haben sie das nicht durchdacht. Sie denken dann kurzfristig. Denn wenn man die Sicherheit einfriert, dann kann sich der Sport in Sachen Rundenzeiten, Aufregung und gefühlter Gefahr nicht verbessern. Ich denke, dass wir sicherere Autos brauchen, und dann können wir aufhören, endlose Auslaufzonen und überall Asphalt zu haben, wo eigentlich Kies oder Gras sein sollte."

"Dann können wir auch schnellere Geschwindigkeiten haben, Rundenrekorde fahren und sicherstellen, dass wir die schnellsten Autos auf diesem Planeten haben. Ergibt das Sinn?"

Sicherheit ein Grundsatz für Motorsport

Frage: "Sind die Strecken dafür bereit?"
Wurz: "Wir können Autos schneller machen - und mit unzähligen Regeln können wir sie auch langsam machen und die Geschwindigkeiten kontrollieren. Der Speed wird kontrolliert, weil es eben die Sicherheitskalkulationen gibt. Das müssen sie vom Gesetz her machen und deswegen wurde die FIA vor über 100 Jahren gegründet. Bei einem Rennen in Europa wurden damals Zuschauer, Teilnehmer und Funktionäre getötet, und die Regierungen wollten Motorsport für illegal erklären und sagten, dass es eine Behörde braucht, die sich um Sicherheit kümmert. Das ist der Zweck der FIA - und er ist es auch heute noch."

"Wenn wir es nicht so machen, dann könnte der Motorsport ziemlich schnell für illegal erklärt werden. Und mehr Leute, die Verantwortung tragen, könnten ihre Freiheit verlieren. Das wollen wir nicht und dürfen wir heutzutage auch nicht haben. Wir sind nicht mehr in der Nachkriegszeit, in der Heldentum erlaubt ist und in der Leute sterben und wir sie bewundern. Als Gesellschaft haben wir uns davon entfernt. Es ist nicht möglich, diesen Fakt zu ignorieren."

Frage: "Wie sieht ihre Vision denn aus? Wie viel schneller können die Autos denn werden? Denn dadurch wird auch das Überholen schwieriger."
Wurz: "Wir müssen die Sicherheit erhöhen, ohne Performance einzubüßen. Vielleicht mögen manche jetzt sagen: Halo ist schwerer und kostet schon Performance. Aber vielleicht sollten wir uns nicht zu sehr auf das Halo einschießen. Vom ersten Tag an habe ich gesagt, dass ich den Weg zu mehr Sicherheit schätze, aber das ich nicht der größte Fan der Optik bin. Ich hoffe, dass sie nach etwas wohlgeformteren Lösungen suchen."

Fernando Alonso, Esteban Gutierrez

Der Unfall von Fernando Alonso in Australien wurde durch Kies gefährlich

Aber vielleicht haben wir es beim Streckendesign übertrieben, was die Sicherheit angeht. Nicht so sehr beim Thema Bremsen nach Geraden. Wenn man wie Alonso (2016 in Australien; Anm. d. Red.) abfliegt, dann ist ein Kiesbett ziemlich gefährlich, weil er sich dadurch überschlagen hat. An solchen Stellen wären Asphalt und Energie absorbierende Schutzwände sehr gut, aber am Ausgang der Kurve möchte ich Gras und dann ein Kiesbett hinter dem Randstein haben, denn es muss eine unmittelbare Strafe geben, bei der jeder versteht, dass der Fahrer Zeit verliert - egal ob er ein Kind, Erwachsener, Universitätsprofessor oder ein Zuschauer ist, der sein erstes Rennen sieht und keine Ahnung von Autotechnologie hat. Denn das ist eine Emotion, die wir übermitteln."

Als Hamilton abflog - und keiner es bemerkte

"Ich gebe ein großartiges Beispiel: Vor ein paar Jahren gab es ein Rennen in Silverstone, bei dem Rosberg Zweiter war und Hamilton geführt hat. Es hat angefangen zu nieseln. Und bei seinem Heimspiel in Copse Corner, wo mal ein Kiesbett war, flog Hamilton ab und hat 0,5 Sekunden verloren - das hat kaum jemand bemerkt! Ich habe das gesehen und mir gedacht: Stell dir vor, da wäre ein Kiesbett gewesen und Hamilton wäre hinter Rosberg rausgekommen, der drei Sekunden dahinter lag."

"In England konnte man die Formel 1 damals noch frei im TV empfangen, was ein wichtiger Punkt ist. Aber stell dir mal vor, du siehst das Rennen mit 20 Engländern in einem Pub und alle sagen: 'Yeah, Hamilton führt! Er wird das Rennen gewinnen!' Und zwei Runden vor Schluss schmeißt er es ins Kiesbett. Das würde für Emotionen sorgen. Wir brauchen keine 150 künstlichen Überholmanöver. Wir brauchen den Hero-to-zero-Moment, die unmittelbare Strafe, denn dann weißt du, dass der Kerl auch nur ein Mensch ist. Du siehst, wie enttäuscht er und das Team sind. Das ist eine fantastische Emotion."


Fotostrecke: Top 10: Die spektakulärsten Crashes

2015 gab es in der Formel 1 nicht nur heftige Gefechte auf der Strecke und hinter den Kulissen, sondern auch spektakuläre Unfälle. Unsere Top 10 im Countdown:

2015 gab es in der Formel 1 nicht nur heftige Gefechte auf der Strecke und hinter den Kulissen, sondern auch spektakuläre Unfälle. Unsere Top 10 im Countdown:

Frage: "Wie Mika Häkkinen 1999 in Monza."
Wurz: "Genau! Und darüber reden die Leute. Aber das hier hat niemand bemerkt, weil es einen Asphaltauslauf gibt. In jedem Jahr diskutieren wir über Track Limits - ich kann das nicht mehr hören! Es sollte keine Diskussionen darüber geben. Es sollte Gras geben."

Frage: "Das ist aber auch eine Sache der MotoGP. Warum mögen sie keine Kiesbetten?"
Wurz: "Jede Rennstrecke muss eine Balance eingehen: Bin ich geeignet für die MotoGP? Bin ich geeignet für die Formel 1? Oder bin ich für beides geeignet? Im Moment haben wir eine Diskrepanz zwischen den Wünschen der Fahrer und der Sicherheitsbeauftragten. Wir sind hier in der Formel 1, aber im Moment scheinen viele Strecken das Modell der MotoGP einzugehen, weil das ein profitableres Modell für sie ist. Sie werden die MotoGP-Leute zufriedenstellen, weil sie derzeit mit ihrem Grand Prix mehr Geld verdienen."

"Das gilt natürlich nur für die Ticketverkäufe. Die Formel 1 ist natürlich noch viel größer, aber der Kerl, der gezwungen wird, seine Strecke zu ändern, macht mehr Geld mit der MotoGP und nicht mit der Formel 1. Das ist eine Business-Entscheidung. Das Geschäft hat hierbei einen massiven Einfluss auf den Sport."

Fahrer wollen direkte Strafe für Fehler

"Gibt es eine technische Lösung? Es könnte eine geben, denke ich. Zumindest könnte man in mehr als der Hälfte der Situationen große Kompromisse eingehen. Aber wir brauchen nicht in jeder Kurve Kiesbett, denn das hat aus operativer Sicht auch negative Effekte - es ist auch ziemlich arbeitsintensiv. Gras ist eine fantastische Lösung, weil es immer funktioniert und auch für die Motorräder in Ordnung ist. Und es wird immer Kurven geben, in denen Asphalt besser ist, weil es sicherer ist."

Lewis Hamilton

Mit Hamiltons Ausritt ins Kiesbett wurde es in Ungarn richtig aufregend

"Und um mein Beispiel zu Ende zu bringen: In Budapest gibt es die eine Schikane. Rosberg und Hamilton fuhren nebeneinander. Hamilton fuhr durch den Kies, und es hat das ganze Rennen gedauert, bis er sich von dem Fehler erholt hat - und es war ein sensationeller Grand Prix. Wir Fahrer haben es schon intern diskutiert: Es sollte eine direkte Strafe geben - aber keine elektronische Leistungsreduzierung für ein paar Sekunden, sondern eine Strafe auf der Strecke.""Spa ist das beste Beispiel. Pouhon, die Doppellinks. Früher bist du als Fahrer mit dem Wissen reingefahren, dass du im Kiesbett landest, wenn du nur einen Zentimeter falsch bist. Deine Session ist vorbei, dein Ingenieur wird dich hassen, weil du sein Programm nicht beendet hast, und du machst dir in die Hosen, weil die anderen Fahrer ihren Fahrstil optimieren. Du hattest eine Menge Respekt, es nicht zu vermasseln.""Das ging so weit, dass wenn du an dem Tag kein Selbstvertrauen hattest oder es vielleicht leicht genieselt hat, du drei Sekunden von der Pace entfernt warst. Und ein anderer, der voll Testosteron war und sich einen Dreck geschert hat, der war schon in der ersten Runde voll da. Bang. Das hat die Stimmung und Performance der Fahrer ein wenig mehr herausgestellt."

Roland Ratzenberger: Gestorben für den Traum

Weggefährten wie Gerhard Berger, Karl Wendlinger und Walter Lechner erinnern sich an Leben und Sterben von Roland Ratzenberger. Weitere Formel-1-Videos

"Und genau das möchte der Zuschauer auch sehen. Ich könnte als Kommentator darüber sprechen, aber jetzt kann ich es nicht, weil ich weiß, dass ich in der WEC selbst in den Asphaltauslauf gefahren bin. Schon in der ersten Runde probiere ich es, wie ich es aus dem vergangenen Jahr kenne. Oh, ich fliege ab. Nichts passiert. Ich hätte mir das nie so träumen lassen, wenn es nicht den Asphalt geben würde.""Das hat Sicherheitsgründe, aber an einigen Stellen hat es nichts mit Sicherheit zu tun. Da sind einfach hingebastelte Auslaufzonen, die schön und sauber aussehen und auf denen kein Dreck ist. Und an dieser Stelle übertreiben wir es mit der Sicherheit. Die Einschränkungen wegen der MotoGP sind definitiv ein Faktor."

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon afa1515 » 09.05.2018, 19:55

Zumindest scheinen's durchaus mehr Risiko einzugehen. Aber vielleicht habe ich auch nur das Gefühl.

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon Calculator » 10.05.2018, 00:58

afa1515 hat geschrieben:Zumindest scheinen's durchaus mehr Risiko einzugehen. Aber vielleicht habe ich auch nur das Gefühl.


Der Aussage würde ich so zustimmen. Damals haben meist nur die risikofreudigen Piloten die Brechstange genutzt und teilweise mit schweren Unfällen dafür bezahlt. Ein Grosjean hätte die Ära vor den gravierenden Änderungen in den 90ern wohl nicht überlebt.

Zurück zum Bericht: Klar macht mehr Sicherheit die Formel 1 aufregender! Auch der Verzicht auf Grid Girls macht die Formel 1 aufregender... Alles Ansichtssache.

Mir kommt da eher der Gedanke, dass die aktuellen Regeln, also wie die Autos gebaut werden und was an den Autos erlaubt ist, eher zur Spannung beitragen als sicherheitsrelevante Änderungen an den Autos oder Strecken. Die aktuellen aerodynamischen Hybridywunder lechzen ja danach, exakt 1,6s Abstand zu halten als direkt am Konkurrent daran zu hängen und sich die Reifen kaputt zu fahren. Ein Ausritt wird ja mittlerweile fast nirgendwo mehr bestraft. Da können die Autos auch autonom fahren wenn ein Überholen durch die ganzen Zusammenhänge nicht möglich ist und ehemals fast schon tödliche Kurven mit Vollgas im Halbschlaf genommen werden. Irgendwie ist die (gekürzte) Aussage von Wurz relativ nichtssagend. Aber das ist nur mein Eindruck, da ich die Probleme ganz woanders sehe, und zwar bei den Autos selbst und nicht an der Sicherheit.

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon bolfo » 10.05.2018, 01:53

Sorry, aber Wurz' Idiotie ist kaum zu überbieten. Wenn er von "normalem Menschenverstand" spricht, sind seine Äusserungen purer Hohn gegenüber genau diesem!

"Warum machen wir unsere Autos nicht signifikant sicherer, ohne die Performance dafür auf's Spiel zu setzen, und lassen sie schneller werden und auf extremeren Rennstrecken ohne endlosen Auslaufzonen fahren? Denn dann erreichen wir vielleicht, dass man den Speed und die Gefahr wahrnimmt."

Logik: Wir machen die Autos sicherer, dafür die Rennstrecken weniger sicher. Unfassbar. Da setzt sich einer dafür ein, das viel kritisierte Halo einzuführen, weil das Fahren ohne dieses ja so unfassbar gefährlich ist, und will den Fahrern im Gegenzug Mauern vors Auto setzen. "Damit man die Gefahr wahrnimmt". Da kann man nun wirklich nur noch um Worte ringen. Wer übernimmt denn da die Verantwortung, wenn ein Fahrer stirbt?


Ein weiterer Aspekt: Da hat man sich nun Jahre lang für riesige Auslaufzonen eingesetzt. Wie bei der Halo-Diskussionen wurden Kritiker immer wieder an den Pranger gestellt, todesgierige Leute zu sein, die auf Crashs hoffen. Und jetzt sagt man, man habe diesbezüglich übertrieben? Dass diese Auslaufzonen eigentlich gar nicht nötig seien? Unfassbar! Und diesem Typen soll ich jetzt vertrauen, dass Halo die einzig mögliche, unabdingbare und absolut nötige Lösung ist?

Sorry, aber Wurz ist ein Schnorrer, der sich einfach mit Halo ein Denkmal setzen konnte. Senna und Ratzenberger sind wegen Mauern am falschen Ort gestorben. De Angelis wegen zu unsicherer Auslaufzone. Hingegen wurde in all dieser Zeit kein einziger F1-Fahrer von einem Reifen erschlagen. Anscheinend glaubt Wurz mittlerweile selbst, dass ein F1-Fahrer zwangsweise überlebt, wenn er mit 350 km/h in eine Mauer segelt. Die Autos sind ja so verdammt sicher. Hoffen wir, dass er sich nicht auf fatalste Weise irrt.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon GenauDer » 10.05.2018, 02:23

bolfo hat geschrieben:
Sorry, aber Wurz ist ein Schnorrer, der sich einfach mit Halo ein Denkmal setzen konnte. Senna und Ratzenberger sind wegen Mauern am falschen Ort gestorben. De Angelis wegen zu unsicherer Auslaufzone. Hingegen wurde in all dieser Zeit kein einziger F1-Fahrer von einem Reifen erschlagen. Anscheinend glaubt Wurz mittlerweile selbst, dass ein F1-Fahrer zwangsweise überlebt, wenn er mit 350 km/h in eine Mauer segelt. Die Autos sind ja so verdammt sicher. Hoffen wir, dass er sich nicht auf fatalste Weise irrt.

Hmm ob man bei Senna EINEN Grund festsetzen kann? Grund war wohl die mangelhafte Reparatur an der Lenkstange (oder wie das heißt).

Ich glaube Wurz' Begeisterung für Halo kommt eher daher, dass er in 2 Crashes 2 mal fast den Kopf abgerissen bekommen hat.
Natürlich könnte Halo auch Leben retten. So könnten das auch Tausend Airbags ums Auto. Es gibt wohl immer was ander Sicherheit zu verbessern und das SOLLTE auch geschehen, aber ich bin da eher für praxisnahe Technologien die irgendwie was mit der Serienfertigung zu tun haben, wenn man die Formel 1 so sehen möchte, dass sie technische Vorreiter für die Autoindustrie sein könnte.

Aber gut, dann fahren da in 15 Jahren sowieso selbstfahrende Autos rum.

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon plastikschaufel » 10.05.2018, 10:20

Halo bringt kein bisschen mehr an Spannung, auch nicht weil es sicherer ist.

Halo bringt mehr Sicherheit für die Fahrer, ist dafür aber grottenhässlich.

Das sind die einzigen 2 Eigenschaften, die Halo hat.

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon motorsportfan88 » 10.05.2018, 10:49

Unglaublich was der da faselt...
Man wo soll das alles hin führen.

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon SeppKultura » 10.05.2018, 11:02

bolfo hat geschrieben:Sorry, aber Wurz ist ein Schnorrer, der sich einfach mit Halo ein Denkmal setzen konnte. Senna und Ratzenberger sind wegen Mauern am falschen Ort gestorben. De Angelis wegen zu unsicherer Auslaufzone. Hingegen wurde in all dieser Zeit kein einziger F1-Fahrer von einem Reifen erschlagen. Anscheinend glaubt Wurz mittlerweile selbst, dass ein F1-Fahrer zwangsweise überlebt, wenn er mit 350 km/h in eine Mauer segelt. Die Autos sind ja so verdammt sicher. Hoffen wir, dass er sich nicht auf fatalste Weise irrt.


Mauer ist nicht gleich Mauer, schon was von Safer Barrier gehört? Und de Angelis starb, weil bei keine Streckenposten in der Nähe waren und erst durch den Rauch des brennenden Fahrzeugs etwas von dem Unfall mitbekamen - so wie das damals eben bei Testfahrten war.

Dein Posting ist generell ziemlich daneben und ich gewinne den Eindruck, du hast das Interview nicht nur nicht gelesen, sondern bewusst alles falsch verstanden. Denn anders gibts das nicht, sinnerfassend lesen kannst du mit Sicherheit.

Wurz wird nach wie vor aufgrund seines hohen technischen Fachwissens geschätzt und war eben aus diesem Grund ein beliebter Testfahrer. Deshalb ist er in der GPDA, deshalb arbeitet er am Bau von Rennstrecken mit. Deine Beleidigungen sind einfach nur völlig Fehl am Platz.

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon Signore » 10.05.2018, 12:09

Meiner Ansicht nach hat die F1 vor allem ein Mentalitätsproblem - allerdings eher ein gesellschaftliches.

Früher war die F1 ein Machosport. Die Fahrer waren Frauenhelden, was sich in GridGirls und unzähligen Affären ausdrückte. Und wie ein Macho haben sie der Gefahr ins Gesicht gelacht. Ebenso wie die Fahrer waren die Autos roh und ungezügelt, die Strecken ebenso. Die Fahrer wussten, dass es schnell vorbei sein kann, haben dies durch ein ungehemmtes Privatleben ausgleichen wollen.

Heute ist die F1 sehr stark gehemmt, durch Regularien und gesellschaftliche Zwänge. Die Fahrer dürfen nicht mehr sagen, was sie denken, die Autos wurden reguliert und gezähmt, ebenso die Strecken. Die Gesellschaft will keine schweren Unfälle mehr sehen. Die Frauen sind nicht mehr die Trophäe des Fahrers (Mannes/Machos), daher auch keine GridGirls mehr - wann hat man die letzten Berichte über ausschweifendes Privatleben eines Fahrers gelesen (und fand man das noch bewundernswert?)? DIe Fahrer heute sind mehr fahrende Ingenieure als Abenteurer. Dazu kommt, dass das Umweltbewusstsein der Gesellschaft die F1 zu Auflagen zwingt.

Man mag diese Entwicklung gut oder schlecht finden (ich persönlich finde Teile gut, andere Teile schlecht), aber die F1 ist eben auch ein Kind ihrer Zeit und indem man das Gesellschaftliche Bewusstsein verändert, verändert man auch die F1.

Grüße,
Signore
Eventuelle Rechtschreibfehler sind entweder Absicht oder Inkompetenz.

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon bolfo » 10.05.2018, 16:09

SeppKultura hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Sorry, aber Wurz ist ein Schnorrer, der sich einfach mit Halo ein Denkmal setzen konnte. Senna und Ratzenberger sind wegen Mauern am falschen Ort gestorben. De Angelis wegen zu unsicherer Auslaufzone. Hingegen wurde in all dieser Zeit kein einziger F1-Fahrer von einem Reifen erschlagen. Anscheinend glaubt Wurz mittlerweile selbst, dass ein F1-Fahrer zwangsweise überlebt, wenn er mit 350 km/h in eine Mauer segelt. Die Autos sind ja so verdammt sicher. Hoffen wir, dass er sich nicht auf fatalste Weise irrt.


Mauer ist nicht gleich Mauer, schon was von Safer Barrier gehört? Und de Angelis starb, weil bei keine Streckenposten in der Nähe waren und erst durch den Rauch des brennenden Fahrzeugs etwas von dem Unfall mitbekamen - so wie das damals eben bei Testfahrten war.

Dein Posting ist generell ziemlich daneben und ich gewinne den Eindruck, du hast das Interview nicht nur nicht gelesen, sondern bewusst alles falsch verstanden. Denn anders gibts das nicht, sinnerfassend lesen kannst du mit Sicherheit.

Wurz wird nach wie vor aufgrund seines hohen technischen Fachwissens geschätzt und war eben aus diesem Grund ein beliebter Testfahrer. Deshalb ist er in der GPDA, deshalb arbeitet er am Bau von Rennstrecken mit. Deine Beleidigungen sind einfach nur völlig Fehl am Platz.


Ehm, er arbeitet am Bau von Rennstrecken mit und sagt jetzt selbst, dass völlig übertrieben wurde mit den Auslaufzonen. Klingelt da was? Ich habe das Interview sehr wohl gelesen, nur lasse ich mich von seinem Geschwafel nicht beeindrucken. Safer Barriers hin oder her, Wurz hat mehrmals gesagt, dank Halo könne man nun höhere Geschwindigkeiten bis 450 km/h fahren, oder die "Fahrer können sich dann gegenseitig ins Auto fahren". Das ist eine Idiotie. 450 km/h werden wesentlich höhere g-Kräfte bei einem Unfall freisetzen, die für den Fahrer wesentlich gefährlicher sind als ein offenes Cockpit, und dass sich die Fahrer "gegenseitig in die KIste fahren können", nur weil sie sich dank Halo vermeintlich sicher fühlen, ist nun mal schlicht nicht erstrebenswert. Wurz präsentiert genau die Auswüchse des Peltzman-Effekts: Mehr Sicherheit einführen, aber mehr Risiken eingehen. Das ist nicht sonderlich klug und auch nicht erstrebenswert.

Die Auswüchse erleben wir im Fahrverhalten der Fahrer. Die grösseren, geteerten Auslaufzonen haben nichts anderes gebracht, als dass die Fahrer VORSÄTZLICH mit Vollgas die Strecke verlassen, um sich Vorteile zu verschaffen, wie selbst Wurz hier bestätigt. Junge Fahrer wie Verstappen setzen selbst bei 300 km/h ein Auto eiskalt vor den Konkurrenten, weil sie denken, es könne eh nichts passieren. Wenn du sowas befürwortest, bitte. Ich hingegen finde genau dies daneben.




GenauDer hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:
Sorry, aber Wurz ist ein Schnorrer, der sich einfach mit Halo ein Denkmal setzen konnte. Senna und Ratzenberger sind wegen Mauern am falschen Ort gestorben. De Angelis wegen zu unsicherer Auslaufzone. Hingegen wurde in all dieser Zeit kein einziger F1-Fahrer von einem Reifen erschlagen. Anscheinend glaubt Wurz mittlerweile selbst, dass ein F1-Fahrer zwangsweise überlebt, wenn er mit 350 km/h in eine Mauer segelt. Die Autos sind ja so verdammt sicher. Hoffen wir, dass er sich nicht auf fatalste Weise irrt.

Hmm ob man bei Senna EINEN Grund festsetzen kann? Grund war wohl die mangelhafte Reparatur an der Lenkstange (oder wie das heißt).


Das stimmt, nur hatte diese Kurve eine lange Vorgeschichte. Es gab zahlreiche ganz massive Unfälle dort, wo man einfach immer mit einem blauen Auge davon kam. Man wusste also sehr wohl um die Gefährlichkeit der Kurve bzw. der ungenügenden Auslaufzone. Berger, Alboreto und Patrese sind wegen gebrochenen Flügeln dort gecrasht, Piquet wegen eines Plattfusses. Es gab also IMMER technische Defekte. Und dagegen war eine Mauer die dümmste Lösung, weil man genau wusste, dass im alle eines Defekts der Fahrer mit Vollgas in genau dieser landen würde.



Ich glaube Wurz' Begeisterung für Halo kommt eher daher, dass er in 2 Crashes 2 mal fast den Kopf abgerissen bekommen hat.
Natürlich könnte Halo auch Leben retten. So könnten das auch Tausend Airbags ums Auto. Es gibt wohl immer was ander Sicherheit zu verbessern und das SOLLTE auch geschehen, aber ich bin da eher für praxisnahe Technologien die irgendwie was mit der Serienfertigung zu tun haben, wenn man die Formel 1 so sehen möchte, dass sie technische Vorreiter für die Autoindustrie sein könnte.

Aber gut, dann fahren da in 15 Jahren sowieso selbstfahrende Autos rum.


Ja, Halo könnte Leben retten. Ich sehe aber keine Vorteile. Bei Massa hätte genau dieses Halo die Feder an die Brust lenken können. Und das wäre definitiv tödlich gewesen. Gleichzeitig ist nach wie vor fraglich, wie denn eine Bergung bei einem wirklichen Horror-Crash aussehen wird. Da haben wir noch gar keine Erfahrung. Sollte Halo die Bergung eines schwerverletzten Fahrers erschweren, beispielsweise wenn das Auto kopfüber liegen bleibt, dann haben wir massive Probleme. Ich sehe Halo als absolut nicht ausgereift an.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon Plauze » 10.05.2018, 16:38

Mehr Sicherheit unter der irrigen Prämisse, dass die Formel 1 dadurch aufregender wird, führt in letzter Konsequenz dahin, dass die Formel 1 einpacken kann, denn dann geht es nur noch um eine hirnlose und synthetische Aneinanderreihung Playstation-artiger Actionsequenzen.

Wenn wir uns eh schon von der Absicht verabschiedet haben, dass wir mehr Sicherheit brauchen, damit keine Fahrer sterben, kann man ja damit aufhören, mit immer neuem Aktionismus die bestehende Sportart kaputtzumachen, und stattdessen vorhandene Sicherheitskonzepte optimieren. Das schafft auch mehr Sicherheit, und zwar nachhaltig und nicht als Selbstzweck, damit die Fahrer sich wie auf Watte gebettet fühlen und immer und überall aufs Ganze gehen. Der Reiz von Motorsport bemisst sich nicht darin, dass jeder immer und überall folgenlos das Limit übertreten kann, sondern darin, dass die besten Fahrer sich so nah wie möglich ans Limit herantasten und dabei keine Fehler machen.
Alles kann passieren. Und das ist auch gut so.

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon SeppKultura » 10.05.2018, 17:26

bolfo hat geschrieben:Ehm, er arbeitet am Bau von Rennstrecken mit und sagt jetzt selbst, dass völlig übertrieben wurde mit den Auslaufzonen. Klingelt da was?


bolfo, im Ernst: du weißt genauso wie ich und (so gut wie) jeder andere hier, dass Strecken, die für die F1 in Frage kommen, nach Vorgaben der FIA gebaut werden. Wurz (und auch der zu Unrecht oft kritisierte Tilke) haben gar keine Möglichkeit, Strecken anders zu bauen. Da bist du ungerecht.

Darüberhinaus erklärt er sehr verständlich, warum die Strecken so aussehen und weshalb die Betreiber sich lieber an der MotoGP orientieren.

Zum Wurz-Zitat bezüglich 450 km/h: jeder, der ihn "kennt" (sprich: in schon unzählige Male als TV-Experten gesehen hat) weiß, dass er das nicht wörtlich gemeint hat, sondern nur als überspitztes Beispiel. Wurz sollte eigentlich auch in Deutschland mittlerweile bekannt genug sein, um seine Worte richtig einordnen zu können.

bolfo hat geschrieben:Das stimmt, nur hatte diese Kurve eine lange Vorgeschichte. Es gab zahlreiche ganz massive Unfälle dort, wo man einfach immer mit einem blauen Auge davon kam. Man wusste also sehr wohl um die Gefährlichkeit der Kurve bzw. der ungenügenden Auslaufzone. Berger, Alboreto und Patrese sind wegen gebrochenen Flügeln dort gecrasht, Piquet wegen eines Plattfusses. Es gab also IMMER technische Defekte. Und dagegen war eine Mauer die dümmste Lösung, weil man genau wusste, dass im alle eines Defekts der Fahrer mit Vollgas in genau dieser landen würde.


Was hast du immer mit Senna und Imola? Solche Strecken gibt es nicht mehr, solche Mauern wird es nie mehr geben. Heutzutage gibt es überall Tecpro-Barrieren und Reifenstapel, die Aufprallenergie absorbieren.

bolfo hat geschrieben:Ja, Halo könnte Leben retten. Ich sehe aber keine Vorteile. Bei Massa hätte genau dieses Halo die Feder an die Brust lenken können. Und das wäre definitiv tödlich gewesen. Gleichzeitig ist nach wie vor fraglich, wie denn eine Bergung bei einem wirklichen Horror-Crash aussehen wird. Da haben wir noch gar keine Erfahrung. Sollte Halo die Bergung eines schwerverletzten Fahrers erschweren, beispielsweise wenn das Auto kopfüber liegen bleibt, dann haben wir massive Probleme. Ich sehe Halo als absolut nicht ausgereift an.


Ich bin es schön langsam leid, immer wieder dieselben schon tausendfach ausführlich widerlegten Halo-Horrorszenarien zu lesen. Es gibt ein FIA-Video dazu, ein User hat mehrmals eine Skizze bezüglich der "Gefahr" von abgelenkten Gegenständen geposted, die die physikalische Unmöglichkeit dieses Szenarios verdeutlicht. Dass immer Unvorhergesehenes geschehen kann, ist nicht zu verhindern.

Eines sollte dir und anderen Kritikern aber mittlerweile klar sein: wäre Halo gefährlich und würde es Zweifel geben, hätte die FIA diese Technologie nicht zugelassen. Warum? Weil Schadenersatzklagen die F1 und die FIA zerstören könnten, kein Unternehmen kann es sich heutzutage noch leisten, hier irgendwelche Risiken einzugehen.

Aber mir ist klar, dass dich das nicht überzeugt.

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scott 90
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon scott 90 » 10.05.2018, 18:12

SeppKultura hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Ehm, er arbeitet am Bau von Rennstrecken mit und sagt jetzt selbst, dass völlig übertrieben wurde mit den Auslaufzonen. Klingelt da was?


bolfo, im Ernst: du weißt genauso wie ich und (so gut wie) jeder andere hier, dass Strecken, die für die F1 in Frage kommen, nach Vorgaben der FIA gebaut werden. Wurz (und auch der zu Unrecht oft kritisierte Tilke) haben gar keine Möglichkeit, Strecken anders zu bauen. Da bist du ungerecht.

Darüberhinaus erklärt er sehr verständlich, warum die Strecken so aussehen und weshalb die Betreiber sich lieber an der MotoGP orientieren.

Ja durchaus aber eben nicht nur, das Thema wurde schon ja schon oft angeschnitten und es stimmt, derjenige der die Strecke baut, tut das nicht nach seinem Gutdünken sondern muss sich an ein Budget, Vorgaben, Vorschriften und Wünsche des Kunden halten.

Kann man hier nochmal nachlesen
https://inews.co.uk/essentials/lifestyl ... 1-circuit/

Bei Punkten wie diesen
Then Tilke cites another reason, and again it’s one that’s more real-world than you might expect. “I know people say that if there is only gravel, it is more of a penalty if you go off, which is true. “But if you have a private track day and somebody goes off in their Porsche or AMG, then they are likely to be paying for new parts. €7000 is an expensive spin.” In other words, F1 tracks aren’t just used for F1 races. It’s all commercial. If you’re into trackdays you might have cause to be grateful for the disappearance of gravel.


Sprich es gibt nicht den einen Grund also die Moto GP oder die FIA, nein es sind oft eine Vielzahl und möglicherweise auch immer wieder andere Gründe, warum wir letztendlich soviel Asphalt neben der Strecke haben und nicht mehr soviel Kies und Gras.
Wobei Wurz selbst scheinbar auch für das einsteht was er sagt
https://www.motorsport.com/motogp/news/ ... se-809188/

Mal abwarten wie diese hybriden Lösungen bei der Strecke am Ende aussehen werden. Generell muss ich aber noch einen Punkt anmerken, am Ende ist die F1 sicher auch selbst dafür verantwortlich. Denn wenn sie den Asphalt nicht haben wollen würden, dann könnte man auch dagegen etwas unternehmen. Bspw. Lobbyarbeit betreiben oder so wie bei Rennen auf die Nürburgring (dort wird die Ausfahrt von der Nordschleife auf den GP Kurs immer temporär mit Kies aufgeschüttet, wenn nur auf dem GP Kurs gefahren wird) einen oder mehrere Kieslaster ordern.
Das war es den Leuten aber bisher einfach nicht wert.

Zum Wurz-Zitat bezüglich 450 km/h: jeder, der ihn "kennt" (sprich: in schon unzählige Male als TV-Experten gesehen hat) weiß, dass er das nicht wörtlich gemeint hat, sondern nur als überspitztes Beispiel. Wurz sollte eigentlich auch in Deutschland mittlerweile bekannt genug sein, um seine Worte richtig einordnen zu können.


Womöglich ist das bei bolfo auch so :mrgreen:
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon bolfo » 10.05.2018, 20:59

SeppKultura hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Ehm, er arbeitet am Bau von Rennstrecken mit und sagt jetzt selbst, dass völlig übertrieben wurde mit den Auslaufzonen. Klingelt da was?


bolfo, im Ernst: du weißt genauso wie ich und (so gut wie) jeder andere hier, dass Strecken, die für die F1 in Frage kommen, nach Vorgaben der FIA gebaut werden. Wurz (und auch der zu Unrecht oft kritisierte Tilke) haben gar keine Möglichkeit, Strecken anders zu bauen. Da bist du ungerecht.

Darüberhinaus erklärt er sehr verständlich, warum die Strecken so aussehen und weshalb die Betreiber sich lieber an der MotoGP orientieren.


Nichtsdestotrotz war es gerade jeweils Wurz, der sich für solche Sicherheitsstandards mit eingesetzt hat. Das ist nun mal Fakt und daran ändert sich nichts, und die hat man durchgezogen, obschon der Kritik. Zudem stimmts nicht: Die Moto GP will KEINE asphaltierten Auslaufzonen, sondern Kiesbetten. Gerade die asphaltierte Auslaufzone hat bei den Zweirädern das letzte Todesopfer hervorgerufen, weil dieser ungebremst auf dem Asphalt in die Mauer rutschte. Es ist also genau deswegen durchaus NICHT selbstverständlich, dass die Strecken so aussehen, wie sie aussehen.

Zudem herrscht da eine Doppelmoral. Neue Strecken müssen Sicherheitsstandards wie riesige Auslaufzonen bieten, und nebenbei fährt man mal rasch in Monaco, wo kaum ein Zentimeter Platz ist.


Zum Wurz-Zitat bezüglich 450 km/h: jeder, der ihn "kennt" (sprich: in schon unzählige Male als TV-Experten gesehen hat) weiß, dass er das nicht wörtlich gemeint hat, sondern nur als überspitztes Beispiel. Wurz sollte eigentlich auch in Deutschland mittlerweile bekannt genug sein, um seine Worte richtig einordnen zu können.


Da ich ausschliesslich ORF schaue, kenne ich Wurz sehr gut und habe auch seine gesamte Karriere mitverfolgt. Daran ändert sich aber nichts. Er sagt: Wir können die Geschwindigkeit erhöhen, Mauern näher an die Strecke bauen, damit die Gefahr ersichtlich ist. Fakt ist, dass es die hohe Geschwindigkeit und Mauern (selbst Safer Barriers) die meisten Todesopfer gefordert haben, u.a. in den Indycars. Dan Wheldon ist ein Opfer davon. Auf einer Strecke, die mit Safer Barrers ausgerüstet war.

bolfo hat geschrieben:Das stimmt, nur hatte diese Kurve eine lange Vorgeschichte. Es gab zahlreiche ganz massive Unfälle dort, wo man einfach immer mit einem blauen Auge davon kam. Man wusste also sehr wohl um die Gefährlichkeit der Kurve bzw. der ungenügenden Auslaufzone. Berger, Alboreto und Patrese sind wegen gebrochenen Flügeln dort gecrasht, Piquet wegen eines Plattfusses. Es gab also IMMER technische Defekte. Und dagegen war eine Mauer die dümmste Lösung, weil man genau wusste, dass im alle eines Defekts der Fahrer mit Vollgas in genau dieser landen würde.


Was hast du immer mit Senna und Imola? Solche Strecken gibt es nicht mehr, solche Mauern wird es nie mehr geben. Heutzutage gibt es überall Tecpro-Barrieren und Reifenstapel, die Aufprallenergie absorbieren.


Aber bei weitem nicht vollständig. Räikkönen & Co. waren u.a. 50 g und mehr ausgesetzt. Fakt ist, dass sich diese Beschleunigungen im Quadrat zur Geschwindigkeit vergrössern. Das ist eine sehr oft unterschätzte Gefahr.

bolfo hat geschrieben:Ja, Halo könnte Leben retten. Ich sehe aber keine Vorteile. Bei Massa hätte genau dieses Halo die Feder an die Brust lenken können. Und das wäre definitiv tödlich gewesen. Gleichzeitig ist nach wie vor fraglich, wie denn eine Bergung bei einem wirklichen Horror-Crash aussehen wird. Da haben wir noch gar keine Erfahrung. Sollte Halo die Bergung eines schwerverletzten Fahrers erschweren, beispielsweise wenn das Auto kopfüber liegen bleibt, dann haben wir massive Probleme. Ich sehe Halo als absolut nicht ausgereift an.


Ich bin es schön langsam leid, immer wieder dieselben schon tausendfach ausführlich widerlegten Halo-Horrorszenarien zu lesen. Es gibt ein FIA-Video dazu, ein User hat mehrmals eine Skizze bezüglich der "Gefahr" von abgelenkten Gegenständen geposted, die die physikalische Unmöglichkeit dieses Szenarios verdeutlicht. Dass immer Unvorhergesehenes geschehen kann, ist nicht zu verhindern.


Eine "physikalische Unmöglichkeit" lässt aber nichts Unvorgesehenes zu. Fakt ist, dass vorher im Falle von kleinen Debris keinerlei Kleinstteile gegen die Brust haben abgelenkt werden können, sondern stets den Helm trafen, der sogar kugelsicher ist. Wir werden ja dann sehen, wie "unmöglich" solche Szenarien sind.




Eines sollte dir und anderen Kritikern aber mittlerweile klar sein: wäre Halo gefährlich und würde es Zweifel geben, hätte die FIA diese Technologie nicht zugelassen. Warum? Weil Schadenersatzklagen die F1 und die FIA zerstören könnten, kein Unternehmen kann es sich heutzutage noch leisten, hier irgendwelche Risiken einzugehen.

Aber mir ist klar, dass dich das nicht überzeugt.


Es überzeugt mich insofern nicht, da die Argumentation ist, man habe den Vorschlag gebracht, und deswegen könne man es sich nicht leisten, es nicht einzusetzen, weil es DANN Schandenersatzklagen gäbe, wenn man es nicht eingeführt hätte. Heisst: Selbst, wenn man das System einführt und es versagt, lässt dies keine Schadenersatzklagen zu, weil man ja statistisch gesehen die Sicherheit verbessert habe.

Am Ende sehe ich es so, wie es Lauda, Brundle oder Prost sehen: Irgendwann muss man sich fragen, ob man von einer reellen Gefahr spricht oder von einer statistischen, und inwiefern man bereit ist, dafür gewisse Prinzipien aufzugeben. Oder wie es Brundle sagte: Am Ende lassen wir die Autos halt in den Garagen stehen, weil wir gar keine Gefahr mehr eingehen können.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon bolfo » 10.05.2018, 21:10

Plauze hat geschrieben:Mehr Sicherheit unter der irrigen Prämisse, dass die Formel 1 dadurch aufregender wird, führt in letzter Konsequenz dahin, dass die Formel 1 einpacken kann, denn dann geht es nur noch um eine hirnlose und synthetische Aneinanderreihung Playstation-artiger Actionsequenzen.

Wenn wir uns eh schon von der Absicht verabschiedet haben, dass wir mehr Sicherheit brauchen, damit keine Fahrer sterben, kann man ja damit aufhören, mit immer neuem Aktionismus die bestehende Sportart kaputtzumachen, und stattdessen vorhandene Sicherheitskonzepte optimieren. Das schafft auch mehr Sicherheit, und zwar nachhaltig und nicht als Selbstzweck, damit die Fahrer sich wie auf Watte gebettet fühlen und immer und überall aufs Ganze gehen. Der Reiz von Motorsport bemisst sich nicht darin, dass jeder immer und überall folgenlos das Limit übertreten kann, sondern darin, dass die besten Fahrer sich so nah wie möglich ans Limit herantasten und dabei keine Fehler machen.


Meine Rede! Deswegen verstehe ich die Kritik daran nicht. Es ist doch völlig absurd, die Sicherheit zu erhöhen, nicht etwa, damit man Leben rettet, sondern damit man noch risikoreicher fahren und noch mehr riskieren kann und noch mehr über die Grenzen. Spätestens dann muss man aufhören. Wir machen auch nicht die Autobahnen und Autos sicherer, damit man nachher Raser weniger hart bestrafen muss, weil ein geringeres Todesrisiko besteht. Fakt ist: Es sind genau diese Ansichten, die in den letzten Jahren mitunter dazu beigetragen haben, dass die Fahrer problemlos alle Risiken ignorieren und Aktionen fahren, die vor 20 Jahren undenkbar waren. Prägnantes Bild davon ist Verstappen, der absolut keine Ahnung zu scheinen hat. Mit 320 mal vor Räikkönen lenken (Lauda: Der gehört ins Irrenhaus!) oder eben einfach mal mit Vollgas ab in die Auslaufzone. Das kann doch unmöglich Sinn der Sache sein. Spätestens, wenn man Sicherheit mit er Absicht erhöhen will, mehr Action zu schaffen, ist man auf dem falschen Weg und führt jegliches wirkliches Sicherheitsdenken ad absurdum.
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