Formel 1 noch Sport?!

Hier werden alle Beiträge veröffentlicht, die mit dem Reglement und dessen Auslegung zusammen hängen.

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Chrisbit
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Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon Chrisbit » 17.09.2018, 10:36

Hallo und erstmal Danke für die schnelle Aufnahme im Forum,

Eine Frage die mich schon länger beschäftigt: Ist die Formel 1 noch Sport?

Tante Google wurde schon befragt, aber erfolglos. So wie man es für Rennen für Rennen sieht, kämpft die Spitze (RedBull,Ferrari,Mercedes) um die ersten 3. Plätze , dann das Mittelfeld, und die Schlusslichter ihren eigenen Wettkampf aus.
Wieso lässt man diese ungleichheit zu?

Ich bin der ansicht das ein Alonso in einen besseren Fahrzeug unter den Top 5 im Durschnitt liegen würde.
Meines Erachtens wäre es doch spannender ein genormtes Formel Fahrzeug zuzulassen, ein Boxenteam was auf dieses Fahrzeug geeicht ist und neutral aggiert. Und der Rest ist dann Racing..........Möge der bessere Gewinnen.

Was sagt Ihr dazu. Feuerfrei. :)

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DC21
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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon DC21 » 17.09.2018, 12:02

Dein Vorschlag hätte dann aber nichts mehr mit Formel 1 zu tun. Einheitsserien gibt es genug.
Die Formel 1 war geschichtlich gesehen schon immer ein Wettbewerb der Hersteller. Es ging darum, welches Team kann das schnellste Auto bauen. Zu beginn war das fast schon ein Nationenwettbewerb.
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Chrisbit
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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon Chrisbit » 17.09.2018, 12:21

Die Teams haben aber leider nicht die gleichen Geldmittel zur verfügung........Siehe Sinnlose Prämien ala Ferrari.
Was wiederrum bedeutet das kleine Teams ewig im Keller hängen werden, weil sie die nötigen Mittel nicht zur Verfügung gestellt bekommen. = Kein fairer Wettkampf !

Welche Einheitsserien gibt es den? Bin relativ neu un der Szene.

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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon daSilvaRC » 17.09.2018, 12:43

Chrisbit hat geschrieben:Die Teams haben aber leider nicht die gleichen Geldmittel zur verfügung........Siehe Sinnlose Prämien ala Ferrari.
Was wiederrum bedeutet das kleine Teams ewig im Keller hängen werden, weil sie die nötigen Mittel nicht zur Verfügung gestellt bekommen. = Kein fairer Wettkampf !



Und genau das war immer schon auch Formel 1.
Selbst viel Geld heisst nicht = Erfolg! Siehe dazu Toyota.

Es gab immer kleine finanzschwache Teams, wie Minardi, zuletzt Tyrell, Spyker, und wie sie alle hiessen.
Früher war alles besser... auch die Zukunft!

„Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“

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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon Signore_Ferrarista » 17.09.2018, 21:12

Wenn man finanzschwach ist, hat man auch nichts in der F1 zu suchen. Schon den Begriff "Formel 1" interpretiere ich schon immer als: Wer die Nummer 1 sein will, muss die entsprechende Formel dazu finden. Zur Formel gehören Auto, Fahrer, Mitarbeiter, Geld, etc.

Zu deiner Anfangsfrage: Sport = "nach bestimmten Regeln [im Wettkampf] aus Freude an Bewegung und Spiel, zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübte körperliche Betätigung".
D.h. es steht nirgends, dass der Wettbewerb fair sein muss / soll, was du aber mit "Ungleichheit" implizierst. Kein Wettbewerb der Welt ist fair im Sinne von perfekt, d.h. gleiche Ausgangssituation etc.

-> Im Fußball gibt es auch immer nur die selben Topteams, die zwar mal patzen, aber in der Regel um die Meisterschaft kämpfen und die hinteren spielen um den Klassenerhalt.

Dennoch wird es ein Budgetlimit in der F1 geben, nur ob das ganze zielführend sein wird, steht in den Sternen
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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon Plauze » 20.09.2018, 16:26

Für die Fahrer Sport, für die Konstrukteure Technologie-Wettbewerb.
Natürlich gibt es eine Ungleichheit, die in ihrer Krassheit derzeit wirklich frustrierend sein kann. Gerade der Absturz der traditionsreichen Privatteams (McLaren, Williams, auch Sauber mag man dazuzählen) ist eine sportliche Tragödie.
Das macht die Formel 1 aber nicht weniger zum Sport. Man könnte es mit einer traditionsreichen Fußballmannschaft vergleichen, in der es wirtschaftlich und sportlich kriselt (mit den entsprechenden Wechselwirkungen), und die irgendwo zwischen erster und zweiter Liga hin und her schwimmt. Das vergleiche man dann mit einer extrem finanzkräftigen Mannschaft wie dem FC Bayern, der auf internationalem Niveau wirtschaftet und nach Belieben superteure Spieler aus dem Transfermarkt zieht, ohne Rücksicht darauf, dass die so geschaffene Blase den weniger betuchten Clubs und folglich auch dem ausgeglichenen sportlichen Wettbewerb weiter zusetzt.

Das sind nun einmal die Kehrseiten von Spitzensportarten, und aufs Geratewohl fällt mir (der ich aber auch nur wenig Kenntnis über andere Sportarten habe) keine weltweit promotete Sportart ein, in der es diese Ungleichheiten nicht gäbe.
Interessant wird der technologische Wettbewerb dann wieder werden, wenn sich am technischen Reglement wieder tiefgreifende Änderungen ergeben oder im Rahmen eines dann hoffentlich etablierten und wirkungsvollen Budgetlimits eine Öffnung des Reglements für andere Technologien erfolgt. Eine solche Liberalisierung, die nicht direkt an Kosten, sondern an Ingenieurs-Know-How und Kreativität gekoppelt ist, wünsche ich mir schon seit Jahren. War doch eine interessante Zeit, als es zeitgleich Turbos, V8, V10 und V12 im Feld gab. Warum das heute nicht möglich ist und es ums Verrecken dieser eine Motorentyp sein muss, erschließt sich mir seit Jahren nicht.

Ob all diese Schritte in den nächsten 10-20 Jahren ergriffen werden? Keine Ahnung. Für die Fahrer macht es allerdings keinen wesentlichen Unterschied, denn die Formel 1 wäre dann zwar interessanter anzuschauen, aber nicht mehr Sport als heute auch schon. Die Guten werden auch dann bei den großen Teams unterkommen, die weniger Guten schaffen diesen Schritt nach ganz vorne nicht.
Von einer technisch komplett vereinheitlichen Serie halte ich nichts (wie beschrieben wünsche ich mir vielmehr das Gegenteil und einen breiter aufgefächerten Wettbewerb). Dafür gibt es andere Serien; die Formel 1 war eben auch immer schon der Spielplatz der Konstrukteure. Auch wenn der Spielplatz in den letzten Jahren mehr und mehr einem Haifischbecken gleicht.
Alles kann passieren. Und das ist auch gut so.

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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon Costigan » 21.09.2018, 17:25

Plauze hat geschrieben:Für die Fahrer macht es allerdings keinen wesentlichen Unterschied, denn die Formel 1 wäre dann zwar interessanter anzuschauen, aber nicht mehr Sport als heute auch schon. Die Guten werden auch dann bei den großen Teams unterkommen, die weniger Guten schaffen diesen Schritt nach ganz vorne nicht.

Ganz grundsätzlich mag das stimmen. Die echten Toptalente finden früher oder später ihren Weg in ein Topauto und bekommen ihre Chance.
Aber phasenweise ist das eben nicht so. Im Eröffnungsbeitrag wurde ja das Beispiel Alonso angesprochen: Dass so ein Fahrer die letzten 5 Jahre seiner Karriere nur noch hinterherfährt und im Titelkampf gar keine Rolle mehr spielt, darf eigentlich nicht sein.
Natürlich kann man jetzt aufzählen, aus welchen Gründen er das selbst verschuldet hat, aber das ist an dieser Stelle uninteressant, denn aus der Sicht des Sports, des Zuschauers kann sowas nicht richtig sein.
Im Sinne des Sports muss immer sein, dass sich die besten der Besten messen.
Und das kann man ja, wenn man auf die vier Topcockpits schaut, nicht behaupten. Man stelle sich stattdessen mal vor: Verstappen für Bottas in den Mercedes, Alonso für Räikkönen in den Ferrari. Welcher (neutrale) Fan hätte daran nicht seinen Spaß? Das wäre Spektakel pur.

Logisch, dass das nicht im Sinne der Teams wäre. Keiner will ein zweites (McLaren) 2007 erleben. Aber in der Hinsicht kann der Ist-Zustand nicht gut sein. Dass nur zwei (maximal 3) Teams um Siege kämpfen und dabei noch auf A- und B-Fahrer setzen, während der Rest meilenweit hinterherhinkt.
Dahingehend wären ein paar Maßnahmen hinsichtlich einer Angleichung imho schon wünschenswert. Keine Ahnung, wie man das letztendlich idealerweise bewerkstelligen sollte, aber ich will so eine Verschwendung von Talent, wie es im Fall von Alonso (unabhängig von Sympathien) in den letzten Jahren zu beobachten war, nicht sehen - auch wenn es sowas schon immer mal gab.

Mag am Ende vielleicht auch eine Philosophie-Frage sein, weil der eine dem technischen Wettbewerb unter den Teams mehr Wert beimisst, während der andere darauf weniger schaut und lieber sehen will, dass sich die besten Fahrer unter gleichen Bedingungen messen, aber am Ende sollte es das Ziel sein, beides bestmöglich unter einem Hut zu bekommen, weil der Fan letztlich auch alles davon sehen will.
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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon motorsportfan88 » 21.09.2018, 17:54

Wo ist der Unterschied zu damals. Also seit dem ich F1 gucke sind eigentlich immer nur 1-3 Teams in der Lage zu gewinnen.
Selten gab es da mal Ausnahmen. Ferrari fuhr doch zu Schumis Zeit alles noch mehr in Grund und Boden, da hatte Schumi alle Jahre nur seinen Wasserträger an der Seite.

RB das selbe...

Bei Mercedes war es Rosberg und seit 2017 haben wir 2 Teams die um den Titel kämpfen und ein drittes Team was auf machen Strecken besonders 2017 siegfähig war.

Ich sehe keinen unterschied zu früher, ein paar weniger Autos und eine Katastrophale Geldverteilung ist ein Problem, der Rest ist das selbe geblieben.
Ja Williams und McLaren können Pleite gehen und wegfallen, das tat Lotus damals auch...

Natürlich ist das Sport!

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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon Plauze » 22.09.2018, 16:38

Costigan hat geschrieben:...

Dein Einwand bzgl. Alonso ist zwar nicht von der Hand zu weisen, aber trotzdem muss man gerade in seinem Fall auch auf die Ursachen schauen. Ich bin keiner, der plump sagen würde, dass Alonso selbst schuld ist. Klar ist ein Fahrer "schuld", bei welchem Team er unterschreibt. Der Fehler liegt aber eher darin, dass Alonso 2014 noch in dem guten Glauben zu McLaren wechseln konnte, er würde sich damit ein Topcockpit-in-spe sichern, denn McLaren wurde damals gemeinhin noch als eines der Topteams gehandelt. Schließlich fuhr man noch 2012 auf Augenhöhe mit den Titelanwärtern. Man hätte also meinen müssen, alles ist in bester Ordnung, er sitzt in einem Cockpit, das nicht jeder x-beliebige Fahrer bekommt und mit dem er spätestens in zwei, drei Jahren in den Titelkampf eingreifen kann.

Was für ein Desaster Alonso bis heute erleben würde, hat wohl damals nicht mal der größte Pessimist kommen sehen. Alonso, der glaubt, in ein Topteam zu wechseln, und dann jahrelang um jeden Punkt kämpfen muss wie um seine schwierigsten Siege - das ist nicht unbedingt ein Fehler im System Formel 1 gewesen, als vielmehr die Geschichte des Niedergangs von McLaren als ehemaligem Topteam. Man kann viel über das Ungleichgewicht in der Formel 1 jammern; man muss aber auch sehen, dass McLaren eines der Teams sein dürfte, die ihre wirtschaftlichen Ressourcen in den letzten Jahren am ineffektivsten eingesetzt haben.
Auch dass ein Alonso dann nach 2016 nicht als Kandidat für Mercedes gehandelt wird, hat ja weniger etwas mit dem System Formel 1 zu tun als mit dem fehlenden Mut der Topteams, ihrem hauseigenen Topfahrer einen zweiten Topfahrer an die Seite zu setzen. Und mit persönlichen Animositäten - die du überall hast, egal ob in der Formel 1 technologisches Gleichgewicht herrschen würde oder nicht.

Costigan hat geschrieben:...am Ende sollte es das Ziel sein, beides bestmöglich unter einem Hut zu bekommen, weil der Fan letztlich auch alles davon sehen will.

Das sehe ich selbstverständlich genauso.
Alles kann passieren. Und das ist auch gut so.

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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon Simtek » 23.09.2018, 17:02

Nun, ich denke die F1 hat sich genau wie andere Profisportarten gewaltig gewandelt. Ein Team bzw. eine Mannschaft die sich quasi aus dem "Nichts" zu einem "Topteam" arbeitet, das hat man heute nicht mehr. Es sei denn, man hat von Beginn an eine gewaltige finanzielle und am besten auch materielle Unterstützung! Die Betonung liegt auf "von Beginn an"!!
Zumeist sind das Werke die hier im Rücken stehen. Als Ausnahme dient hier vielleicht RedBull, da es kein Automobilkonzern ist - aber es steckt ein milliardenschwerer Konzern im Rücken. Für mich persönlich im Prinzip nicht viel anderes.
Der Aufstieg eines unabhängigen Teams in die F1, ohne grosse Unterstützung - wie sie z.B. noch einem Eddi Jordan gelugen ist - ist quasi ausgeschlossen.
Lieber Schumi, bitte denk daran: "Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft, der hat schon verloren!"

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Re: Formel 1 noch Sport?!

Beitragvon DeLaGeezy » 24.09.2018, 16:10

Ich glaube, dass der Sport stets im Wandel ist. In den 90 er Jahren ist es möglichweise körperlich anstrengender gewesen ein Rennen zu fahren, als es heute der Fall ist. Dennoch wird ein köfperlich Unfitter wohl kaum eine Renndistanz unter Druck schaffen (bzw ein ganzen Wochenende mit sämtlichen Trainings). Du musst schließlich auch die Konzentration hoch halten. Da sehe ich ehrlich gesagt auch den größten sportlichen Aspekt, was die Fahrer betrifft.
M. Schumacher sagte mal (auf die Frage ob Doping etwas bringen würde wie z. B Epo[Frage von Kerner oder Beckmann]) dass er im Rennen einen Puls von ca 135 hat. Das sollte im GA1 liegen (entspannter Wert bei dem man sich noch locker unterhalten kann).
Außerdem muss der Körper mit den G Kräften zurechtkommen und die Nackenmuskulatur sollte besser nicht untrainiert sein ;-)

Als Fazit daraus würde ich schließen, dass die Formel 1 - Sport - ist im Bereich Motorsport. Aber ich sehe auch einen nicht unerheblichen Marketinganteil.


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