SENNAs Tod

Ehemalige Fahrer, Teams, Rennen etc.: Hier kann über die Formel 1 Geschichte diskutiert werden.

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Beitragvon zoomoringa » 02.12.2005, 15:43

hab hier nochmal so ein foto gefunden
vielleicht spekulation vielleicht die ursache für den unfall
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Senna überquert zum letzen Mal die Ziellinie. 10 Sekunden vor seinem Tod wurde noch dieses Photo gemacht. Man sieht darauf auch unmittelbar auf Sennas Linie ein kleines Trümmerteil, das wahrscheinlich von Lehtos Startunfall stammt. Könnte dies vielleicht der Auslöser gewesen sein.

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Beitragvon bolfo » 13.12.2005, 14:11

Part 5: Sennas Tod in den Medien


Die Weltpresse ist nach Sennas Tod schockiert. Hier gebe ich einen kleinen Einblick in mein "Archiv" originaler Zeitungsausschnitte der damaligen Zeit:


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Beitragvon bolfo » 13.12.2005, 14:23

Weitere Artikel internationaler Zeitungen:


Autosport:

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This is the front page of L'Equipe of the 2nd of May 1994, the only sports newspaper in France. (and one of the older newspapers here)

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an article on the funeral
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Beitragvon black » 13.12.2005, 14:36

*sprachlos* :cry:

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Beitragvon zoomoringa » 13.12.2005, 14:37

wirklich sehr sehr beeidruckend :? :( :cry:

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Beitragvon redforce » 13.12.2005, 16:16

Danke bolfo!!!

Schöne Sammlung!

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Beitragvon kn@Xer » 13.12.2005, 23:14

einfach nur traurig... :cry: :cry: :cry:

Vielen Dank bolfo, für diese bewegenden Beiträge... BildBildBild
Zuletzt geändert von kn@Xer am 24.12.2005, 00:28, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon bolfo » 18.12.2005, 23:05

Part 6: Sennas Heimkehr

Sennas Tod stürzte eine ganze Nation in tiefste Trauer. Brasilien hatte seinen Helden verloren. "Senna war in Brasilien eine Religion", äusserte sich Ross Brawn passend.

Brasiliens damaliger Staatspräsident Itamar Franco ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Der Sarg reiste in der leergeräumten Business Class des Varig-Fluges VG 723 in die Heimat zurück. Militärflugzeuge stiegen auf und eskortierten das Flugzeug mit dem Sarg bei der Landung, 100'000ende erwarten ihr Idol am Flughafen von Sao Paulo. Ein einsamer Begleiter passte auf. Sennas Physiotherapeut Josef Leberer.

Leberer erinnert sich: "Dieser Flug war für mich der Abschied von ihm. Da lag der Sarg in der Business Class, eingehüllt in die brasilianische Fahne. Auf dem Trauerzug vom Flughafen zu dem Ort, wo er die nächsten drei Tage aufbewahrt wurde, saß ich in einem Auto hinter dem Sarg. Sechs Millionen Menschen waren an der Strecke. Sie waren auf Bäume geklettert, saßen auf Autos, haben geweint und applaudiert, haben gekniet, gebetet. Da hat man gesehen, was für eine Kraft und Emotion hinter seiner Liebe zu Brasilien stand. Die hat er jetzt von seinem Volk zurückbekommen. Man sah, dass da der König gestorben ist."


Am Tag der Beerdigung hatten in Sao Paulo alle Behörden, Schulen und Universitäten geschlossen. Die Nation bekam frei. Der Trauerzug hinter dem Sarg wuchs auf über sieben Kilometer an. 100'000nde Menschen kondolierten. Vier lokale TV-Sender übertrugen die Bestattungszeremonie live, ebenfalls internationale, wie z.B. Eurosport. Die Luftwaffe flog über dem Morumbi Friedhof mit mehreren Kampfflugzeugen ein grosses farbiges "Senna S" in den Himmel. Berger erinnerte sich: „Es war, als hätte man einen König zu Grabe getragen.“

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Die letzten Meter wird der Sarg Ayrton Sennas von seinen Formel-1-Kollegen getragen wie Gerhard Berger, Damon Hill, Alain Prost, Rubens Barrichello, Christian Fittipaldi und Emerson Fittipaldi.

Es war bis dahin die grösste und aufwendigste Beerdigung der neueren Zeitgeschichte. Noch nie zuvor sind so viele Blumen für einen Prominenten niedergelegt worden. Allein für die Sicherheit des Sarges und als Einsatz für Ehrenspalier wurden über 2500 Soldaten eingesetzt. Bis heute sind lediglich die Beisetzungen von Lady Di und von Papst Johannes Paul II mit jener Sennas zu vergleichen, was zeigt, welchen Ehrenstatus der Brasilianer - nicht nur in seiner Heimat - bekommen hatte.

Im Übrigen wurde Bernie Ecclestone von Sennas Familie von der offiiellen Trauerzeremonie ausgeladen. Insider vermuten, der Grund liege darin, dass Ecclestone in Imola von Professor Sid Watkins unmittelbar nach den Erste-Hilfe-Massnahmen informiert worden sei und wusste, dass Senna keine Überlebenschance mehr hatte, das Rennen aber dennoch erneut starten liess....


Der Mythos Senna hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Noch heute pilgern Fans zu Sennas Grab, werden Besuche ganzer Schulklassen organisiert. Sennas Grab ist zu einer Wallfahrsstätte geworden.

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Beitragvon bolfo » 23.12.2005, 19:09

Part 6: Die Rückkehr nach San Marino: Imola, ein Jahr danach, im Jahre eins nach Senna


Die tödlichen Unfälle von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger haben in der Formel 1 zu einem Umdenken geführt: Die Sicherheit der Fahrer stand nun im Mittelpunkt aller Diskussionen, und es wurden entsprechende Regeln durchgesetzt, um die Autos einzubremsen und so den Wahnsinn zu stoppen.

Auch die Strecke in Imola hat einige Veränderungen erfahren. So wurden die Villeneuve- und die Tamburello-Kurve entschärft. Zu spät leider für Senna und Ratzenberger. Die schweren Unfälle in der Vergangenheit von Piquet, Alboreto oder Berger, welche allesamt in der Tamburello-Kurve schwer verunfallten, deuteten jedoch ungeschminkt darauf hin, dass eine Erhöhung der Sicherheit notwenig wäre. Doch es brauchte zuerst den Tod eines Ayrton Senna, bevor man einsichtig wurde. Selbst den tödlichen Unfall von Roland Ratzenberger hätte die Formel 1 womöglich noch als bedauerlichen Betriebsunfall abgeschrieben, doch der nächste war der dreimalige Weltmeister.

Imola, ein Jahr danach. Vielen fiel die Rückkehr schwer. "Ayrtons Geist ist hier überall spürbar", meinte beispielsweise sein damaliger Teamkollege Damon Hill. Doch hier an jener Stätte, wo die Formel 1 durch 2 tödliche Unfälle ihre wohl schwärzeste Stunde erlebte, brummen ein Jahr später bereits wieder die Motoren - die Show ging weiter.






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Beitragvon bolfo » 27.12.2005, 01:53

Part 7: Der Senna-Prozess


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Die Anklage und der Beginn des Prozesses 1997


Unmittelbar nach Sennas Unfall wurde eine Expertenkommission ins Leben gerufen, welche den Unfall analysieren und die Ursachen ausfindig machen sollten. 302 Tage nach dem Unfall wurde der Untersuchungsbericht über den Senna-Unfall abgeschlossen. Der 500-seitige Rapport kam zu einem klaren Urteil: Lenkungsbruch!

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Die italienische Justiz leitete gegen die Verantwortlichen im Team Williams ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein. Insgesamt wurden 6 Personen der Prozess gemacht: Teamchef Frank Williams, Technik-Chef Patrick Head, Aerodynamiker Adrian Newey, FIA-Sicherheitschef Roland Bruynseraede sowie dem Veranstalter Federico Bendinelli und dem Rennleister Giorgio Poggi.


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**** Leseversion der Zeitungsartikel nur gegen Anfrage erhältlich!! ****



Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wurde eine zuvor bereits verwendete Verlängerung der Lenksäule nicht fachgerecht eingeschweißt und war kurz vor dem Aufprall gebrochen. Die Verteidiger von Williams erklärten den Unfall hingegen mit schlechter Aerodynamik, verursacht durch die ausgekühlten Reifen nach der Safety-Car-Phase und Unebenheiten auf der Fahrbahn, die das Fahrzeug letztlich unkontrollierbar ausbrechen ließen. Onboard-Aufnahmen des hinter ihm fahrenden Michael Schumacher zeigten anhand des Funkenregens deutlich, dass der Bolide Sennas unverhältnismäßig oft mit dem Chassis aufsetzte, was diese Theorie unterstützte. Selbst ein so genannter schleichender "Plattfuß" wurde erwogen, da Senna im Gegensatz zu seinen Fahrerkollegen den Wrackteilen der zuvor Verunfallten nicht mit der üblichen Sorgfalt ausgewichen war und sich somit womöglich ein scharfes Kohlefaserteil in einen seiner Reifen gebohrt hatte.

Was nun folgte, war ein Schlagaustausch zwischen Experten in der Frage, ob die Lenkung nun bereits vor dem Unfall gebrochen war, oder erst durch die Einwirkungen des Mauer-Aufpralls brach. Für die Staatsanwaltschaft war die Sache klar: Lenkungsbruch aufgrund schlampig durchgefühter Modifikation an der Lenksäule. Die Onboard-Aufnahmen von Sennas Auto sollten diese These stützen. Hingegen liessen die Telemetriedaten darauf schliessen, dass die Lenkung bis zum Aufprall intakt gewesen sein muss.


Am 16. Dezember 1997 wurden die ersten Urteile gesprochen: Freisprüche von allen Vorwürfen, da niemandem eine fahrlässige Tötung nachgewiesen werden konnte. In der Urteilsbegründung wurde jedoch eindeutig erwähnt, dass ein Bruch der Lenksäule am Williams die Ursache für den Senna-Unfall gewesen sein musste. Daher ist diese Behauptung eine bis heute gern behauptete "Tatsache", obwohl es Widersprüche gibt. Dass es damals zu keiner Verurteilung der WilliamsF1 Spitze kam, lag lediglich daran, dass keine eindeutige persönliche Schuldzuweisung an die Technikchefs Patrick Head und Adrian Newey möglich war. Der Bruch der Lenksäule sei die einzig logische und schlüssige Erklärung für den Unfall, betonte Richter Antonio Costanzo.

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Wiederaufnahme 1999

1999 legten Head und Newey selbst gegen das Urteil Einspruch ein und zogen die Sache vor das Berufungsgerichts in Bologna weiter, um Zweifel an einer Mitverantwortung des gesamten Williams-Teams auszuräumen. Das Gericht gab ihnen am 22. November 1999 Recht. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, hätte zu dem tödlichen Unfall geführt, hieß es damals in der Urteilsbegründung.




Aufhebung der Freisprüche; der Prozess geht in die dritte Runde


Doch das war noch nicht das Ende: Vier Jahre nach den Freisprüchen (am 1.4.2004) für Teamchef Frank Williams, Technikchef Patrick Head und den früheren Chefkonstrukteur Adrian Newey hatte das oberste Strafgericht Italiens endgültig "Grünes Licht" für die Neuaufnahme des Prozesses um den Tod des früheren Formel-1-Weltmeisters Ayrton Senna gegeben und die Freisprüche von 1999 aufgehoben.


Mehr als ein Jahrzehnt nach dem tragischen Unfalltod von Ayrton Senna fiel in Bologna am 28. Mai 2005 das vorerst letzte Urteil in dem Prozess um Ursache, Schuld und Verantwortung für den Unfall des dreimaligen Formel-1-Weltmeisters am 1. Mai 1994.

Ein Freispruch für den damaligen WilliamsF1 Designer Adrian Newey, "weil er als Designer nicht für spätere Veränderungen am Auto verantwortlich gemacht werden kann".

Bei Technikchef Patrick Head sah die Sache etwas anders aus: Zwar wurde das Verfahren gegen ihn wegen Verjährung eingestellt, allerdings mit der Feststellung, dass er die Verantwortung für unsachgemäße Modifikationen an der Lenksäule von Sennas Williams trage, die deshalb gebrochen sei.



Der Prozess: Eine Farce

Im Prinzip war vieles in diesem schier endlosen Prozess von Anfang an eine Farce. Worum es eigentlich ging, die Unfallursache zu klären, das war eigentlich schon in der ersten Runde 1997 erreicht worden. Und das, obwohl die Formel-1-Szene von Anfang an mauerte. Bernie Ecclestone, als Zeuge vorgeladen, erschien im Mai 1997 gar nicht erst, seine Vorstellungen sahen die Formel 1 als quasi rechtsfreien Raum, in dem ordentliche Gerichte nichts zu suchen haben.

Andere kamen zwar, blockten aber gewaltig ab, erinnerten sich an nichts mehr, wie Damon Hill, oder machten wie David Coulthard sehr zweifelhafte Aussagen. An einer Aufklärung schien in der Formel-1-Szene offenbar niemand ernsthaft interessiert. "WilliamsF1 hat sich von Anfang an sehr unkooperativ verhalten", sagte der ehemalige Formel-1- und heutige Audi-Pilot Emanuele Pirro, Mitglied der offiziellen Untersuchungskommission, die ja schon den Bruch der Lenksäule als Unfallursache ermittelt hatte.





Aussagen über den Prozess:

«Wenn Ayrton erfahren würde, dass sein Chef angeklagt ist, würde er toben!»
(Formel -1- Pilot Gerhard Berger über den baldigen Prozessbeginn gegen Frank Williams und seine Mitarbeiter. Berger und der 1994 tödlich verunglückte Ayrton Senna waren enge Freunde.)


«Anstatt nach etwas zu suchen, das wir für den Tod von. Ayrton Senna verantwortlich machen können, sollten wir Wege finden, dank denen wir die Fahrer künftig vor einem solchen, Schicksal bewahren können.»
(Weltmeister Damon Hill)


«Der Senna Prozess wird im Sande verlaufen, weil der wahre Schuldige nicht vor Gericht steht: Der Motorsportverband FIA, der Autos zuliess, die nicht zu bändigen waren.»
(Ex GP-Pilot Clay Regazzoni.)



Coming next: Der Fall Senna - Manipulierte Beweise und zurückgehaltene Fakten?

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Beitragvon bolfo » 27.12.2005, 15:42

Part 8: Der Fall Senna - Manipulierte Beweise und zurückgehaltene Fakten?


Auto Bild Motorsport, Oktober 2004:

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Beitragvon bolfo » 30.12.2005, 15:09

Part 9: 10 Jahre danach....


Am 1. Mai 2004 jährte sich Sennas Todestag zum zehnten Mal. Die Menschen hatten Senna nicht vergessen - und zum ersten Mal erzählten viele seiner ehemaligen Kollegen, wie sie dieses schwarze Wochenende erlebt haben.

Besonders berührend sind die Aussagen Bergers, Sennas bestem Freund in der Formel 1.



Imola 30. April 1994, Qualifikation, Samstagnachmittag.

Ich saß angeschnallt im Auto in der Box, parat zum Ausfahren, hatte den Monitor vor mir und musste die Herzmassage für Roland Ratzenberger ansehen. Allein an den Bewegungen der Sanitäter konnte ich ablesen, was los war. Ich war außer mir. Ich stieg aus, ging ins Motorhome, zitterte. Ich war das erste Mal damit konfrontiert, dass einer im Rennauto starb. In meiner ganzen Formel 1 Zeit hatte es keinen Todessturz mehr gegeben. Ich sah nur zwei Möglichkeiten. Sofort Heimfahren und den ganzen Sport vergessen, oder den Schalter umlegen und mir irgend etwas einreden. Zum Beispiel: Wenn du auch so stirbst wie der Roland, dann ist es wenigstens bei dem, was du am liebsten tust auf der Welt. Solche Sachen fielen mir ein, und ich musste rasch entscheiden, ging raus, hockte mich ins Auto und fuhr eine schnelle Runde, wie zum Selbstschutz. Die Telemetrie sagte nachher, dass der Simtek des Roland Ratzenberger mit Tempo 308 in die Begrenzungsmauer eingeschlagen war. Man hatte Roland nach der Notversorgung ins Maggiore-Hospital nach Bologna geflogen, aber er hatte keine Chance mehr.

Der Unfall war in der Villeneuve Kurve passiert, keine 500 Meter von meiner Unfallstelle fünf Jahre zuvor. Vieles spricht dafür dass beide Unfälle die gleiche Ursache hatten: Frontflügel gebrochen, kein Antrieb, unlenkbares Auto. Irgendwo tief in unseren Herzen hatten wir alle gehofft, die goldene Serie einer Formel 1 ohne tödliche Unfälle würde ewig weitergehen. Und jetzt ausgerechnet Roland! Er hatte mich noch auf seiner Anreise nach Imola auf dem Boot in Monaco besucht. Ich mochte seine natürliche, offene Art, diese leichte Fröhlichkeit von innen heraus. Roland war auf dem besten Weg gewesen, eine echte Bereicherung der Formel 1 Szene zu werden.

Imola, 1. Mai 1994. Josef Leberer war, wie üblich, an der Startaufstellung bei Senna, als er schon mit Helm im Auto saß. Über Lautsprecher wurden die Startpositionen angesprochen, es gab Applaus bei "Senna", Applaus bei "Schumacher", dann besonderen Applaus bei "Berger". Josef hat mir gesagt, dass dieser Sonderapplaus den Senna richtig erheitert hat, jedenfalls konnte Josef durch das Helmvisier erkennen, dass Senna über beide Ohren grinste.

In der sechsten Runde huschte ein Schatten auf mich zu, und es tat einen Schlag am Auto. Ich konnte aber nichts Gravierendes spüren, fuhr weiter, und bevor ich groß nachdenken konnte, waren die roten Fahnen draußen. Rennabbruch. Ich ließ die vordere Aufhängung checken, man sah sofort eine schwere Beschädigung und dass das Zeug nur noch an der letzten Faser hing. Die Mechaniker begannen an der Startaufstellung mit dem Wechseln der Aufhängung. Ich erfuhr, dass das Chaos, das ich in der Tomburello-Kurfe gerade noch aus den Augenwinkel wahrgenommen hatte, ein Unfall von Ayrton Senna bedeutete. Das Auto musste von dort entfernt werden. Und ganz offensichtlich stammte der Teil, der meine Aufhängung getroffen hatte, vom weggerissenen Frontflügel des Senna Autos.
Wie schwer, der Unfall? Das konnte hier keiner sagen. Die Monitore in den Boxen hingen am internen Netz der Rennstrecke, jeder Fernsehzuschauer irgendwo auf der Welt hatte in diesem Moment eine bessere Übersicht über die Situation, konnte zumindest feststellen, dass es kein Dutzendunfall gewesen sein dürfte, sondern eine wirklich ernste Angelegenheit. Ich hatte jedenfalls keine Schwierigkeit, die Sache zu verdrängen, ein Zwischenfall halt, wie's viele gibt. Ich konzentrierte mich auf den neuerlichen Start.
Am Vorstart fragte ich noch einmal nach Senna. Ja, er sei zu Bewusstsein gekommen, gerade aufgestanden, und im Hinterkopf dachte ich, "aufgestanden und weggegangen... er weiß schon, wie man eine Show abzieht ". Dann kam Bernie zu mir und sagte shit weekend, und ich fragte, was ist los, er hatte das Funkgerät dabei und wollte Professor Watkins erreichen, aber der arbeitete gerade, derweil gammelte das Funkgerät, und ich versuchte mich zu konzentrieren.

Neuerlicher Start, null Gedanke an Senna oder irgendwas Schreckliches. Nach ein paar Runden überholte ich Schumacher und war damit in Führung. Plötzlich, in der Acqua Minerale, brach das Auto hinten aus. Schumacher ging an mir vorbei, ohne das ich mich groß wehrte, ich wollte erst einmal checken, was da los war hinten am Auto. Auf der Geraden sah ich Funken im Rückspiegel und dachte, dass ich zuvor keine Funken bemerkt hatte, war verärgert über mich selber: träumst jetzt, oder was? Irgendwo ganz hinten im Hirn eines Fahrers kriegt man solche Abweichungen mit: Hoffentlich hast keine slow puncture. Ich dachte, ich sollte die neuen Reifen gleich abholen, obwohl der Boxenstop erst drei, vier Runden später geplant war, und so hab ich es auch gemacht.
Beim neuerlichen Rausfahren hatte ich Untersteuern, das vorher nicht da war, und war verunsichert, ob das vielleicht mit den neuen Reifen oder dem Aufdanken zu tun hatte, das Auto war ja nun schwerer, ich musste die Bremspunkte ändern. In der schnellen Schikane, eo Barrichello seinen irren Unfall gehabt hatte, brach das Auto wieder aus, und ich musste über die Wiese, und da war ich mir immer noch nicht sicher, ob am Auto etwas los war oder ich bloß zu schnell für die neuen Verhältnisse gefahren war. Irgendwas sagte mir, jetzt kommt die schnelle Gerade, wenn dir da was passiert, das kannst nicht brauchen. Also fuhr ich in die Box und ließ nachschauen. Die Burschen meinten, da passt alles, aber ich sagte, wenn ich mir einbilde, da fehlt was, kann's auch nicht ganz richtig sein. In diesen Augenblick kam schon Jean Todt und sagte: Steig aus. Später sagte er: "Ich hab dir angesehen, dass du aussteigen wolltest, und das wollte ich wirklich.
Dann hockte ich in der Box und hatte plötzlich das Gefühl, dass alles so still war, obwohl draußen das Rennen dröhnte, und ich begriff auf einer Weise, die ich nicht erklären kann, dass Ayrton Senna im Sterben lag.

Nun sickerten erste Nachrichten über den Ernst der Lage auch bis zu den Boxen durch. Herauszuhören war, dass Senna noch ums Überleben kämpfte, die Schlacht aber eigentlich schon verloren sei. Ich hatte in diesem Moment nur ein einziges Gefühl: Ich wollte ihn noch einmal sehen. Ich weiß nicht, was ich mir davon erwartete, aber ich wollte es einfach, unbedingt. Braga und mein Vater hatten den Marlboro Hubschrauber organisiert, der uns ins Krankenhaus nach Bologna brachte. Was ich in der Klink verstand, war wiederum, dass der Kampf der Ärzte chancenlos, aber noch nicht vorüber sei. Ich musste eine Zeit warten, die uns ewig schien, dann wurde Josef Leberer und ich zu ihm gelassen. Ayrton war mit einem grünen Tuch bedeckt, das einen Teil der Wunden an der Stirn freiließ. Die Hand, der Fuß, den ich sah, waren die eines Toten, nach meinem Gefühl. Zwei oder drei Ärzte machten sich im Bereich der Stirnverletzung zu schaffe, und wir waren wieder im Unklaren, ob Ayrton noch lebe.
Die Unklarheit hat mich später sehr beschäftigt, weil die Umstände all dieser vagen Angaben irgendwie seltsam waren. Als dann die Diskussion losging und vor allem aus Brasilien die schweren Vorwürfe kamen, dass die Zeit das Todeseintritts manipuliert worden sei, um die Durchführung des Rennens zu retten, hatte ich eine Zeitlang den Verdacht, ich sollte dazu benützt werden, einen späten Zeitpunkt zu bestätigen. Die Sache ließ für mich seltsame Fragen offen, aber doch nicht so sehr, um mir wirklich schwerwiegende Zweifel an den offiziellen Angaben zu erlauben. Außerdem war Chefarzt Sid Watkins ein echter Freund von Ayrton, er hätte sich für keine Manipulation hergegeben.

Josef Leberer blieb im Krankenhaus, und er blieb von da an bei Ayrton Senna, es war der ausdrückliche Wunsch der Familie, er begleitete den Sarg zum Flugzeug, saß im Flugzeug neben dem Sarg und war bis zum Begräbnis bei Ayrton. Es war ein ganz unendlich tiefer Abschied.




Später ergänzte Berger noch: "Als ich das Krankenhaus verliess, wusste ich, dass ich Senna nie wieder sehen würde....".





In den Spätapril-Ausgaben von Motorsport-aktuell und des SonntagsBLICK erzählten u.a. Josef Leberer, einige nahestehende Reporter, Alain Prost, Ron Dennis usw. über Ayrton Senna und wie sie den 1. Mai 1994 erlebt hatten.






Motorsport aktuell:

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SonntagsBLICK:

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Beitragvon bolfo » 30.12.2005, 21:24

Part 10: Sennas Vermächtnis

"Wealthy people can no longer live in an island surrounded by an ocean of poverty. We all breathe the same air. We should give everyone a chance, at least an opportunity to get education, food and medical care."

Ayrton Senna




Ayrton Senna war in Brasilien nicht einfach nur ein Held des Sportes - er war ein nationales Idol, in welches Millionen von Menschen verschiedenster gesellschaftlicher Schichten und unterschiedlichster Altersstufen ihre Hoffnung steckten. Die Hoffnung eines ganzen Landes lasteten auf seinen Schultern, und dieser Bürde war sich Senna stets bewusst.

Senna wollte etwas bewegen, nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch auf politischer Ebene. Viele Experten sind sich bis heute einig, dass Ayrton Senna nach seiner Karriere Ambitionen auf das Amt des brasilianischen Präsidenten gehabt hätte. Und viele sprachen daher auch davon, dass seine Karriere als Rennfahrer allenfalls nur ein Schritt in seiner gesamten Karriere sein wird, welche ihm letztenendes die Popularität und die Macht dazu geben wird, dieses Amt anzutreten.

Sein Pflichtbewusstsein, seine Popularität dafür einzusetzen, um armen Menschen zu helfen, war etwas, was Senna wie keinen anderen auszeichnete. Er hasste die grosse Schlucht zwischen Arm und Reich, welche immer und immer unaufhaltsam grösser wurde. So gibt es etliche Stories, wie Senna den Leuten auf der Strasse spontan geholfen haben soll, wie jene Geschichte, in der er die Kellner eines Restaurants gebeten haben soll, sein Essen den armen Leuten auf der Strasse zu bringen, welche er zuvor gesehen hatte.

Schon zu Lebzeiten schaffte sich Senna ein Denkmal. Mit der Ayrton Senna Foundation schuf er eine Stiftung, welche den armen Strassenkindern Brasiliens eine neue Perspektive im Leben geben sollte. Die Hoffnungslosigkeit sollte mit Hilfsprojekten bekämpft, die Kriminalität so vermindert werden. Erschaffen wurde dabei auch eine Comic-Figur: Senninha - der kleine Ayrton Senna sozusagen im Comic-Format - der mit seinen Kollegen gemeinsam Probleme löst und anderen hilft. Zudem finanziert sich diese Stiftung durch Merchandising und sonstigen Spenden. Ein Teil der Einnahmen der offiziellen Senna-Artikel fliessen also in dieses Werk und werden für gute Zwecke eingesetzt.

Diese Stiftung überdauerte dann auch seinen Tod: Seine Schwester führte die Stiftung weiter, welche bis heute über zwei Millionen Kindern unter die Arme griff und sie förderte. Diese Stiftung ist die grosse Hinterlassenschaft Ayrton Sennas, welche das tut, was Senna sein Leben lang tun wollte: Den armen Kindern Brasiliens helfen.


Links zur Senna-Foundation:

Offizielle Homepage des Instituts: http://senna.globo.com/institutoayrtonsenna/

Die offizielle Ayrton Senna Homepage: http://senna.globo.com/

Die Ayrton Senna Foundation in Deutschland: http://www.research-racing.de/Ayrton%20Senna%20Foundation.htm






August 1995, BLICK: 13'000 Kinder essen täglich Sennas Brot

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1995

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Senninha:

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Beitragvon bolfo » 30.12.2005, 23:51

Part 11: Der Mythos Senna


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Zehn Jahre nach Unfalltod
Brasilien verehrt Senna als "Halbgott"



Sao Paulo - Tränen kullern über die Wangen von Viviane, als sie dem wildfremden Journalisten von Ayrton Senna erzählt. Zehn Jahre nach seinem Unfalltod weckt der legendäre Formel-1-Pilot in seinem Heimatland Brasilien nicht nur bei der Schwester tiefe Emotionen.
«Er ist für uns ein Halbgott», schrieb das Magazin «Istoe». Fernseh- Sportjournalist Galvao Bueno meint, dass weder «Fußball-König» Pele noch dessen Nachfolger Ronaldo vom Volk derart idolisiert werden wie der schmächtige und schüchterne, aber wagemutige Senna.

Wer einen Beweis sucht, der findet ihn auf dem Friedhof Morumbi in Sao Paulo. Das Senna-Grab ist ein Wallfahrtsort. «Oft kommen ganze Schulklassen oder Touristengruppen, auch aus dem Ausland», sagt Friedhofschef Francisco Mattos. Besucher weinen, hinterlegen viele Blumen, brasilianische Fahnen. Die 50-jährige Frührentnerin Solange kommt alle 14 Tage, um den Gedenkstein am Fuß des Rosa Trompetenbaums zu putzen. «Formel 1 interessiert mich nicht mehr. Ich habe aber von den Tricks gehört, damit dieser Schumacher immer siegt», sagt sie.

In unmittelbarer Nähe des Friedhofs machen Ladenbesitzer mit Senna-Produkten tolle Geschäfte. So wie Sonia Barbosa, die Fotos, Schlüsselanhänger, Bilderrahmen, Rennfahrer-Helme und -Anzüge für Kinder, Broschen und T-Shirts mit Senna-Bildern verkauft. Ein Helm wird vom zwölfjährigen Ayrton Senna gekauft, der - wie viele Jungen seiner Generation - nach dem dreifachen Weltmeister getauft wurde.

Weshalb ist Senna so beliebt, dass sogar Kinder, die ihn nie fahren sahen, ihn als Idol bezeichnen? «Brasilien hatte nie eine richtige Mythos-Figur. Die Volksseele schrie danach, und Senna nahm diesen leeren Platz ein», erklärt Psychologin Denise Ramos von der Katholischen Universität Sao Paulo.

«Wir Brasilianer haben uns immer für schlechter gehalten, Senna war die Antwort auf unser schwaches Selbstvertrauen», meint auch der Psychiater Fabio Herrmann. In einer Zeit, in der die Fußball- Nationalelf seit über 20 Jahren keinen WM-Titel mehr gewonnen hatte und ein korrupter Präsident im Regierungspalast saß, «impfte Senna uns jeden Sonntag Mut für die kommende Woche ein», meint «Istoe». «Mein Bruder ist wegen seiner Entschlossenheit, seiner Hingabe und seines Kampfgeistes zehn Jahre nach seinem Tod auch ein Vorbild der neuen Generationen, die ihn nur per DVD sahen», sagt Viviane.

Senna lebt heute nicht nur in den Herzen seiner Landsleute, auf Straßenschildern oder im Museum der «Fangruppe Ayrton Senna» (TAS) in Sao Paulo weiter. Die 46-jährige gelernte Psychologin Viviane verwirklicht als Leiterin des «Instituto Ayrton Senna» (IAS) eine Idee, die der Pilot zwei Monate vor seinem Tod hatte. Heute ist das IAS eines der erfolgreichsten Sozialprogramme Brasiliens. In zehn Jahren wurden im Bereich Bildung und Sport fast vier Millionen Kinder armer Familien betreut. Investiert wurden mehrere 40 Millionen Euro.

(dpa)



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Beitragvon bolfo » 31.12.2005, 00:05

Dies war der letzte "offizielle" Teil der Serie über Sennas Tod, welche passend mit den Kapiteln "Sennas Vermächtnis" und "Der Mythos Senna" endet.

Mit diesen 11 Kapiteln habe ich eigentlich chronologisch das geschildert, was ich als erzählenswert empfand. Somit wäre die Grundserie abgeschlossen.

Da es jedoch noch diverse sehr interessante Themen gibt, welche mit dieser Serie direkt zusammenhängen, werden diese nun "als Anhang" hinzugefügt, um die Serie zu komplettieren - als 12. Kapitel sozusagen.

Themen werden u.a. sein:
-Die Todeskurve Tamburello - eine Chronologie der schweren Unfälle
-Wurde Sennas Tod geheim gehalten, um das Rennen zu retten?
-hätte das Rennen abgebrochen werden müssen?


(Ergänzung: In Kapitel 12 zeige ich Sennas Karriere in Bildern. Danach erfolgt wie gesagt der Anhang).


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