Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

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Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Redaktion » 21.02.2020, 18:28

Man nimmt es hin, aber der Konkurrenz nicht krumm: Ferrari-Teamchef Mattia Binotto erklärt, weshalb er keinen Protest gegen Mercedes' DAS plant
Lewis Hamilton

Lenkrad-Zauber: Ferrari beobachtet genau, was Hamilton und Co. mit DAS machen

"Ich persönlich habe mir noch nicht im Detail angesehen, um was es dabei geht", sagt Mattia Binotto. Der Ferrari-Teamchef weiß aber natürlich längst vom großen Thema im Fahrerlager der Formel 1: Die Rede ist von der neuen zweiaxialen Lenkung bei Mercedes, zu Englisch "Dual Axis Steering" und abgekürzt schlicht DAS. Und Ferrari lässt Mercedes damit einfach gewähren.

Er habe derzeit nicht vor, gegen die neuartige Lenkung zu protestieren, versichert Binotto. Denn der Weltverband (FIA) habe der Vorrichtung den Segen gegeben. Das reiche Ferrari erst einmal aus.

"Wir haben volles Vertrauen in die FIA", sagt Binotto. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie bereits die richtige Entscheidung getroffen haben oder dass sie das noch tun werden. Ich vertraue ihrem Urteil vollkommen." Er selbst habe daher keinen Grund, die Legalität des Mercedes-Systems anzuzweifeln.

Ferrari will Klarheit von der FIA

Allerdings hat Binotto durchaus Gesprächsbedarf beim Weltverband angemeldet: "Wir werden eine Klarstellung einholen." Für Ferrari sei es "natürlich wichtig", DAS zu verstehen, um gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten.Weitere Schritte - das könnte vor allem eine Eigenentwicklung sein, wie Binotto erklärt. Er könne derzeit aber nicht abschätzen, "ob das sinnvoll wäre oder nicht", weil ihm schlicht zu wenige Informationen über DAS vorlägen.

F1-Tests 2020 Barcelona: Mercedes zeigt innovatives DAS-System

Tag 2 in Barcelona: Jake Boxall-Legge und Tim Wright diskutieren über das Gesprächsthema Nummer 1 am Donnerstag: das DAS-System von Mercedes. Weitere Formel-1-Videos

Bevor sich Ferrari also auf eine kostspielige und zeitfressende Neuentwicklung einlasse, müsse erst einmal deren Potenzial abgeklopft werden. "Wir reden hier ja von einem komplett neuen Design, das erst einmal konzeptioniert werden müsste, dann designt, produziert und schließlich homologiert. Es muss auch sicher sein", sagt Binotto.

Wann Ferrari selbst DAS haben könnte

Der langjährige Ferrari-Technikchef macht eine einfache Rechnung auf: "Wenn wir all das anstreben würden, dann könnten wir es bis Saisonmitte fertighaben, aber nicht früher. Erst einmal müssen wir aber verstehen, wie es funktioniert, und welche möglichen Leistungsvorteile es bietet. Derzeit wissen wir all das nicht."

"Wir werden uns zweifelsohne damit beschäftigen und uns mit der Frage auseinandersetzen, ob wir es sinnvollerweise entwickeln sollten oder nicht", so Binotto.


Fotostrecke: Formel 1 2020: Der neue Mercedes W11 von Lewis Hamilton in Bildern

Der Neuwagen der Weltmeister: Mercedes hat erste Bilder vom Neuwagen W11 vorgestellt. Hier sind sie!

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Wenn sich Ferrari darauf einlasse, dann aus gutem Grund. Denn schon jetzt steht fest: 2021 wird Mercedes' DAS-System nicht mehr erlaubt sein. Eine Eigenentwicklung könnte Ferrari - nach Binottos Rechnung - also gerade mal für eine halbe Saison lang nutzen.

Was DAS überhaupt bringen könnte

Aber was bringt DAS überhaupt? Diese Frage vermag Binotto noch nicht zu beantworten. Er spricht nur generell über den neuen W11-Silberpfeil und meint: "Mercedes hat sicherlich ein gutes Auto. Sie haben schon gezeigt, dass es schnell ist."

Überhaupt gäbe es trotz der konstanten Regeln einige Neuerungen zu beobachten. "Die Fahrzeuge sind gespickt mit Innovationen", sagt Binotto. "Ein paar Lösungen, die wir jetzt am Mercedes sehen, wurden vom Ferrari übernommen - und umgekehrt."

DAS stehe deswegen so im Rampenlicht, weil es eben "sichtbar" sei, wie Binotto weiter erklärt. In der Tat: Die Mercedes-Fahrer müssen das Lenkrad nach hinten ziehen und nach vorne drücken, um DAS zu aktivieren und zu deaktivieren. Das ist vor allem auf den Onboard-Aufnahmen gut zu erkennen.

"Wird es die Formel 1 auf den Kopf stellen? Ich glaube nicht", sagt Binotto abschließend. "Es ist einfach ein Teil des Gesamtpakets und ich halte Mercedes' Paket für gut."


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Zuletzt geändert von Redaktion am 21.02.2020, 18:28, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Pentar » 21.02.2020, 18:54

Sinnvolle, logische, offene & transparente Statements vom Ferrari-Teamchef Binotto.
Da hat sich die Presse wohl ein paar andere Antworten erhofft.
Perfekt gekontert...

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von DeLaGeezy » 21.02.2020, 19:00

Da will einer wohl etwas gelassen wirken und tritt auf die Euphoriebremse.
Ich bin mir zu 100% sicher, dass da irgendwo ein paar Leute abgestellt worden sind und eine Machbarkeitsstudie durchführen.
Die werden versuchen zu kalkulieren, was es bringen kann und wie es gebaut werden könnte und wann es fertig sein wird (ich vermute Geld spielt keine Rolle).
Dann muss der Chef entscheiden. Ressourcen dafür verwenden oder es nicht tun (die WM vielleicht gefährden) oder voll auf 2021 setzen.
Wie auch immer - das war genial Mercedes!
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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von rage » 21.02.2020, 19:38

DA hat wohl einer mit Ausstieg gedroht!

Gibt da ja nen Team was am Motor was gefunden hat und da wird sofort mit Technischen direktiven um sich geschmissen um auch nur den kleinsten Motoren vorteil zu verhindern!

AMG kann son "zweifelhaften Vorteil" natürlich die ganze Saison nutzen!

Ist ne Lücke und kann genauso Fix geschlossen werden!

Die Willenskraft seitens der FIA fehlt! Warum nur :think:

Da ist nix geniales dran.

gruß

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Mithrandir » 21.02.2020, 20:00

rage hat geschrieben:
21.02.2020, 19:38
Gibt da ja nen Team was am Motor was gefunden hat und da wird sofort mit Technischen direktiven um sich geschmissen um auch nur den kleinsten Motoren vorteil zu verhindern.
Es ging nicht um den Motor, der anerkannt der stärkste war. Es ging darum, dass die Messsensoren nicht ausgetrickst werden dürfen um illegal viel Sprit zu verbrennen. Was eigentlich auf der Hand liegt. Es wurde kein Team offiziell beschuldigt, es wurde kein Team bestraft. Wenn du jetzt davon ausgehst, dass diese Direktive ein Team betroffen hat gehst du automatisch davon aus, dass es beschissen hat.

Da sehe ich tatsächlich wenig Parallelen zu einer technischen Lösung die in Abstimmung mit der FIA entwickelt wurde und sogar von Chefs der Konkurrenzteams gefeiert wird wie beispielsweise Seidl.
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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Formula_1 » 21.02.2020, 20:04

Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 20:00
[...]
Da sehe ich tatsächlich wenig Parallelen zu einer technischen Lösung die in Abstimmung mit der FIA entwickelt wurde und sogar von Chefs der Konkurrenzteams gefeiert wird wie beispielsweise Seidl.
Das ist bislang nur das, was Mercedes behauptet. Bislang ist doch noch nichts offiziell, was da wie funktioniert. Es gibt Vermutungen, die plausibel klingen, aber nichts offizielles. Ist somit also schon vergleichbar mit Ferrari und den Vorwürfen...

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Formula_1 » 21.02.2020, 20:06

CyclingimHarz hat geschrieben:
21.02.2020, 20:03
Ist das nicht genau das, was Mercedes will?

2021 ist es sowieso verboten.
Wenn Ferrari nun auch so ein System entwickeln will, was ja lange dauern kann, dann müssen Ressourcen vom 2021er Auto abgezogen werden.
Bislang ist doch auch noch gar nicht klar, ob und wie das Teil überhaupt irgendwelche Vorteile bringt.
Richtig, so sehe ich das auch. Dazu kommt ja noch, dass selbst wenn es bei Mercedes etwas bringt, muss es ja nicht das gleiche bei einem anderen Team bringen. Analog zu den Felgen, wer da keine Probleme mit überhitzenden Hinterreifen hatte, brauchte auch kein Auto mit kühlenden Felgen.

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Mithrandir » 21.02.2020, 20:38

Formula_1 hat geschrieben:
21.02.2020, 20:04
Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 20:00
[...]
Da sehe ich tatsächlich wenig Parallelen zu einer technischen Lösung die in Abstimmung mit der FIA entwickelt wurde und sogar von Chefs der Konkurrenzteams gefeiert wird wie beispielsweise Seidl.
Das ist bislang nur das, was Mercedes behauptet. Bislang ist doch noch nichts offiziell, was da wie funktioniert. Es gibt Vermutungen, die plausibel klingen, aber nichts offizielles. Ist somit also schon vergleichbar mit Ferrari und den Vorwürfen...
Soll die FIA den anderen Teams und der Öffentlichkeit erklären wie es funktioniert? Was soll da offiziell werden?
Die FIA hat jedoch keine Bedenken geäußert, weswegen man das System als legal bewertet hat."Aus Sicht der FIA ist Sicherheit am Ende des Tages das Wichtigste", betont FIA-Rennleiter Michael Masi. "Es gibt keine Fragezeichen bezüglich der Sicherheit. Seid versichert, dass dies von unserer Seite die höchste Priorität hat."
Ein Statement von Masi. Wenn er das sagt hat er sich mit dem System beschäftigt. Wenn die FIA einen Passus im neuen Reglement ergänzt, der sich konkret auf diesen Trick bezieht hat sie sich eingehend damit beschäftigt.

Selbst wenn es verboten wird/worden wäre ist ein technisches System welches die Lenkung um eine Funktion erweitert nicht damit zu vergleichen ein Messsystem zu umgehen um bewusst regelwidrig viel Kraftstoff einzuspritzen. Das wäre eindeutig ein verdeckter Betrug, der nie nachgewiesen wurde. Das ist eine ganz andere Baustelle als ein technisches Gimmick welches für jeden sichtbar ist.

Was ich noch erwähnen wollte - die Aussagen von Binotto zu dem Thema finde ich gut.
Folgt mir, ich komm nach...

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Formula_1 » 21.02.2020, 20:48

Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 20:38
Soll die FIA den anderen Teams und der Öffentlichkeit erklären wie es funktioniert? Was soll da offiziell werden?
Gilt dann nicht gleiches auch bei Ferrari und die Sache mit der Motorleistung/ Höchstgeschwindigkeit?
Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 20:38
Selbst wenn es verboten wird/worden wäre ist ein technisches System welches die Lenkung um eine Funktion erweitert nicht damit zu vergleichen ein Messsystem zu umgehen um bewusst regelwidrig viel Kraftstoff einzuspritzen. Das wäre eindeutig ein verdeckter Betrug, der nie nachgewiesen wurde. Das ist eine ganz andere Baustelle als ein technisches Gimmick welches für jeden sichtbar ist.
Aktuell ist das System von Mercedes eben auch "verdeckt". Mercedes kann viel erzählen, dass da alles in Zusammenarbeit und nach Absprache gemacht wurde, es mag auch sogar stimmen, aber die Ausgangssituation ist die gleiche wie bei Ferrari. Auch da wurde mit der FIA zusammen gearbeitet und letztlich war die FIA zufrieden, ich habe zumindest keine Anklage gegen Ferrari gesehen. Aber mit genau dem Argument (man weiß nicht was da wie genau funktioniert) wird bei Ferrari immer noch "versucht" etwas zu unterstellen, bei Mercedes hingegen ist es deshalb absolut in Ordnung? Passt für mich nicht zusammen... Bei Mercedes sehe ich ungefähr genauso viel, wie bei Ferrari. Das Lenkrad bewegt sich in einer weiteren Achse und daraufhin tut sich etwas an den Rädern, ansonsten sehe ich nicht ganz viel. Bei Ferrari sehe ich, dass die auf den Geraden am schnellsten waren, aber andererseits auch mit dem Treibstoff haushalten müssen. Ist für mich sehr vergleichbar, auch wenn es natürlich unterschiedliche Systeme betrifft.

Als "unsicher" wurde der Ferrari übrigens auch nie eingestuft, soweit mir bekannt. ;)

Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 20:38
Was ich noch erwähnen wollte - die Aussagen von Binotto zu dem Thema finde ich gut.
Da sind wir uns dann auf jeden Fall einig! :thumbs_up:

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Mithrandir » 21.02.2020, 21:54

Den ersten Satz verstehe ich nicht :shrug: Wenn du mir dort widersprichst würde das bedeuten, dass die FIA Pläne vom Ferrari-Motor veröffentlichen soll? Das würde Maranello nicht gern sehen denke ich. Es ergingen ganz offizielle Direktiven an alle, keinem wurde etwas nachgewiesen. Was hätte man sonst vermelden sollen?
Formula_1 hat geschrieben:
21.02.2020, 20:48
Aktuell ist das System von Mercedes eben auch "verdeckt".
Nach der Logik ist jedes System in jedem Auto verdeckt bis sie ihre sämtlichen technischen Zeichnungen notariell beglaubigt veröffentlichen :think:
Formula_1 hat geschrieben:
21.02.2020, 20:48
Mercedes kann viel erzählen, dass da alles in Zusammenarbeit und nach Absprache gemacht wurde, es mag auch sogar stimmen, aber die Ausgangssituation ist die gleiche wie bei Ferrari. Auch da wurde mit der FIA zusammen gearbeitet und letztlich war die FIA zufrieden, ich habe zumindest keine Anklage gegen Ferrari gesehen.
Mit absoluter Sicherheit hat kein Team in Zusammenarbeit mit der FIA eine Methode entwickelt um deren Messtechnik zu bescheissen. Deswegen ist die Ausgangssituation grundsätzlich unterschiedlich.
Es gab Vermutungen, das sowas geschehen könnte, also wurden Direktiven erlassen. Es wurde nichts nachgewiesen und es gab keine Anklage. Jedes Team arbeitet zwangsläufig mit der FIA zusammen, es geht garnicht anders. Sich im Vorfeld eine Absicherung zu holen ist spezieller als schlicht die Regeln zu befolgen unter denen angetreten wird.
Formula_1 hat geschrieben:
21.02.2020, 20:48
Aber mit genau dem Argument (man weiß nicht was da wie genau funktioniert) wird bei Ferrari immer noch "versucht" etwas zu unterstellen, bei Mercedes hingegen ist es deshalb absolut in Ordnung? Passt für mich nicht zusammen...
Man weiß nicht was da genau wie funktioniert ist kein Argument. Wenn die FIA informiert ist - wovon ich im Gegensatz zu dir ausgehe - wissen sie genau genug wie es funktioniert. Wenn etwas nach einer Direktive nicht mehr funktioniert ist völlig egal wie es vorher funktioniert hat.
Formula_1 hat geschrieben:
21.02.2020, 20:48
Bei Mercedes sehe ich ungefähr genauso viel, wie bei Ferrari. Das Lenkrad bewegt sich in einer weiteren Achse und daraufhin tut sich etwas an den Rädern, ansonsten sehe ich nicht ganz viel. Bei Ferrari sehe ich, dass die auf den Geraden am schnellsten waren, aber andererseits auch mit dem Treibstoff haushalten müssen. Ist für mich sehr vergleichbar, auch wenn es natürlich unterschiedliche Systeme betrifft.
Was man bei Mercedes sieht ist völlig ausreichend um ein System zu lokalisieren, genau wie du es beschreibst: Lenkrad -> Rad. Es passiert etwas, was vorher nie passierte und auch bei anderen Teams nicht passiert. Es ist also sehr auffällig.
Dass Rennwagen in einem Formel1-Rennen sehr schnell über eine Gerade brettern ist dagegen nicht so außergewöhnlich, ich würde fast behaupten, dass sieht man im Laufe der Saison fast von jedem Team mal. Daher ergingen die Direktiven auch an alle Teams. Warum die Teams schnell waren konnte ich persönlich nicht sehen und ich bezweifle, dass irgendjemand gesehen hat wie viel Kraftstoff dabei eingespritzt wurde.
Formula_1 hat geschrieben:
21.02.2020, 20:48
Da sind wir uns dann auf jeden Fall einig! :thumbs_up:
Immerhin :wink:
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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Formula_1 » 22.02.2020, 10:11

Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 21:54
Den ersten Satz verstehe ich nicht :shrug: Wenn du mir dort widersprichst würde das bedeuten, dass die FIA Pläne vom Ferrari-Motor veröffentlichen soll? Das würde Maranello nicht gern sehen denke ich. Es ergingen ganz offizielle Direktiven an alle, keinem wurde etwas nachgewiesen. Was hätte man sonst vermelden sollen?
Ganz genau, wieso sollte Ferrari das tun?
Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 21:54
Nach der Logik ist jedes System in jedem Auto verdeckt bis sie ihre sämtlichen technischen Zeichnungen notariell beglaubigt veröffentlichen :think:
Ebenfalls richtig.
Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 21:54
Mit absoluter Sicherheit hat kein Team in Zusammenarbeit mit der FIA eine Methode entwickelt um deren Messtechnik zu bescheissen. Deswegen ist die Ausgangssituation grundsätzlich unterschiedlich.
Es gab Vermutungen, das sowas geschehen könnte, also wurden Direktiven erlassen. Es wurde nichts nachgewiesen und es gab keine Anklage. Jedes Team arbeitet zwangsläufig mit der FIA zusammen, es geht garnicht anders. Sich im Vorfeld eine Absicherung zu holen ist spezieller als schlicht die Regeln zu befolgen unter denen angetreten wird.
Hier hinkt dein Vergleich aber, die Parallele bei Mercedes wäre dann, dass eine Methode mit der FIA entwickelt wurde, um das Verbot des aktiven Fahrwerks zu umgehen. Da ist wieder der Unterschied: Bei Mercedes wird davon ausgegangen, es sei legal, bei Ferrari (obwohl nie etwas nachgewiesen wurde) wird aber nachwievor unterstellt (oder mindestens impliziert), dass da was illegales gewesen wäre. Ferrari hat mit der FIA genauso zusammen gearbeitet bei den Untersuchungen, das Ergebnis war: Nichts illegales entdeckt.
Diese Direktiven wurden im Fall Mercedes übrigens auch schon erlassen, die für 2021. Und da noch nicht ein Rennen gefahren wurde, ist auch noch nicht ausgeschlossen, dass da noch was im Laufe der Saison kommt (allerdings bei Ferrari natürlich auch nicht, die sind aber schon ein paar Rennen gefahren seitdem es da Diskussionen gab, eigentlich ist die Phase da schon vorbei).

Dieser Punkt mit "im Vorfeld eine Absicherung holen" ist eigentlich immer gegeben, trotzdem kann es auch zu Protesten kommen, oder zu nachträglichen Beanstandungen ("nicht im Sinne des Reglements").
Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 21:54
Man weiß nicht was da genau wie funktioniert ist kein Argument. Wenn die FIA informiert ist - wovon ich im Gegensatz zu dir ausgehe - wissen sie genau genug wie es funktioniert. Wenn etwas nach einer Direktive nicht mehr funktioniert ist völlig egal wie es vorher funktioniert hat.
Genau das passt wieder zu beiden Situationen. Allerdings verstehe ich den Zusatz mit "nach einer Direktive nicht mehr funktionieren" nicht ganz, bzw. ich ahne worauf du hinaus willst. Aber das sehe ich eher als schwaches Argument an, wieso muss ein Vorteil (sei es nun beim Fahrwerk oder bei der Leistung) denn immer genutzt werden?
Mithrandir hat geschrieben:
21.02.2020, 21:54
Was man bei Mercedes sieht ist völlig ausreichend um ein System zu lokalisieren, genau wie du es beschreibst: Lenkrad -> Rad. Es passiert etwas, was vorher nie passierte und auch bei anderen Teams nicht passiert. Es ist also sehr auffällig.
Dass Rennwagen in einem Formel1-Rennen sehr schnell über eine Gerade brettern ist dagegen nicht so außergewöhnlich, ich würde fast behaupten, dass sieht man im Laufe der Saison fast von jedem Team mal. Daher ergingen die Direktiven auch an alle Teams. Warum die Teams schnell waren konnte ich persönlich nicht sehen und ich bezweifle, dass irgendjemand gesehen hat wie viel Kraftstoff dabei eingespritzt wurde.
Genauso wenig, wie ich bei Mercedes unter die Verkleidung gucken kann, kann ich bei Ferrari die Kraftstoffmenge sehen. Soweit ist das richtig, aber nur weil ich bei Mercedes irgendwas sehe (Lenkrad und Rad bewegen sich), weiß ich deshalb noch lange nicht, was da wo verstellt wird, ob es rein von Menschenkraft passiert, usw...
Bei der Kraftstoffmenge wurde alles ausgiebig untersucht, bei der Geschichte von Mercedes gibt es bislang lediglich Aussagen, dass alles abgesprochen wäre. Stand jetzt wurde am Ferrari (noch) nichts illegales und bislang bei Mercedes auch (noch) nichts illegales festgestellt.

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Onkel Gustav » 22.02.2020, 11:57

Man wird sich das erst genauer seitens der FIA ansehen wenn der erste offizielle Protest kommt. Wie oft hatten wir die letzten Jahre schon das Sachen genehmigt wurden und dann verboten. Der Doktor von Red Bull hat mit Sicherheit schon den Bleistift angespitzt.

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Formula_1 » 22.02.2020, 12:16

Onkel Gustav hat geschrieben:
22.02.2020, 11:57
[...]
Der Doktor von Red Bull hat mit Sicherheit schon den Bleistift angespitzt.
:D

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von Mithrandir » 22.02.2020, 12:37

Formula_1 hat geschrieben:
22.02.2020, 10:11
Ganz genau, wieso sollte Ferrari das tun?
Sollen sie nicht. Irgendwie kommst du hier mit deiner Argumentation durcheinander. Du verlangst, dass die FIA/Mercedes dir haarklein erklärt wie DAS genau funktioniert und etwas offengelegt wird, nicht ich.
Formula_1 hat geschrieben:
22.02.2020, 10:11
Ebenfalls richtig.
Dann macht die Diskussion keinen Sinn.
Formula_1 hat geschrieben:
22.02.2020, 10:11
Hier hinkt dein Vergleich aber, die Parallele bei Mercedes wäre dann, dass eine Methode mit der FIA entwickelt wurde, um das Verbot des aktiven Fahrwerks zu umgehen. Da ist wieder der Unterschied: Bei Mercedes wird davon ausgegangen, es sei legal, bei Ferrari (obwohl nie etwas nachgewiesen wurde) wird aber nachwievor unterstellt (oder mindestens impliziert), dass da was illegales gewesen wäre. Ferrari hat mit der FIA genauso zusammen gearbeitet bei den Untersuchungen, das Ergebnis war: Nichts illegales entdeckt.
Ne, deine ganze Argumentation hinkt. Bei der Spritgeschichte kam im Laufe des Jahres ein Verdacht auf bezüglich einer Möglichkeit das Messverfahren zu umgehen. Genau was du sagst, es wurde nichts nachgewiesen. Es gab keine Basis für eine Zusammenarbeit mit der FIA außer standardmäßigen Kontrollen für alle Teams.

Mercedes hat vor der Saison ein nicht zu übersehendes System in ein Auto eingebaut, es existiert, es ist ein Fakt. Wenn du da keine Unterschiede siehst verstehe ich es nicht. Ferrari hat nichts mit der FIA entwickelt, man weiß auch nicht, ob sie von einer Direktive betroffen waren. Sicher ist nur, dass jeder der davon ausgeht gleichzeitig davon ausgeht, dass sie vorher betrogen haben weil es vor dieser Diskussion klare Regeln gab, die zu umgehen immer verboten war. Diese Direktiven präzisieren es in dem Sinn, dass bescheissen auch verboten ist wenn man es nicht sieht, weil man dass Messsystem verarscht.

Bezüglich des DAS gab es offensichtlich im ganzen technischen Reglement keinen Paragraphen, dem es widerspochen hat. Völlig egal was man versucht damit zu umgehen ist es clever genug, dass es so regelkonform ist, dass die FIA keine Einwände erhebt. Denn...
Formula_1 hat geschrieben:
22.02.2020, 10:11
Diese Direktiven wurden im Fall Mercedes übrigens auch schon erlassen, die für 2021.
...es wurde keine Direktive erlassen, wie du schreibst. Das ist falsch. Das komplette Reglement wurde neugefasst und um einen Paragraphen ergänzt, der sich exakt auf dieses System bezieht. Das ist für mich ein kaum zu widerlegendes Indiz für die frühzeitige Kenntnis der FIA von diesem System. Du musst also entweder der Meinung sein es ist ein mächtiger Zufall, dass dieser Passus genau zu diesem Zeitpunkt auftaucht oder du musst davon ausgehen, dass die FIA informiert war. Beides zusammen geht nicht.
Formula_1 hat geschrieben:
22.02.2020, 10:11
Dieser Punkt mit "im Vorfeld eine Absicherung holen" ist eigentlich immer gegeben, trotzdem kann es auch zu Protesten kommen, oder zu nachträglichen Beanstandungen ("nicht im Sinne des Reglements").
Der ist mit Sicherheit nicht gegeben, wenn ich vorsätzlich regelwidrig handeln will.

Meine Meinung dazu, dass eine Entscheidung der FIA nicht bindend ist und keine Sicherheit bietet habe ich an entsprechender Stelle schon geäußert.
Formula_1 hat geschrieben:
22.02.2020, 10:11
Soweit ist das richtig, aber nur weil ich bei Mercedes irgendwas sehe (Lenkrad und Rad bewegen sich), weiß ich deshalb noch lange nicht, was da wo verstellt wird, ob es rein von Menschenkraft passiert, usw...
Da sind wir wieder an der Stelle wie oben, wo eine Diskussion sinnlos wird. Weil du nicht weißt, was genau unter den Verkleidungen der Boliden passiert sind die potentiell alle illegal ist echt ein Totschlagargument.
Formula_1 hat geschrieben:
22.02.2020, 10:11
Bei der Kraftstoffmenge wurde alles ausgiebig untersucht, bei der Geschichte von Mercedes gibt es bislang lediglich Aussagen, dass alles abgesprochen wäre. Stand jetzt wurde am Ferrari (noch) nichts illegales und bislang bei Mercedes auch (noch) nichts illegales festgestellt.
Es gibt Indizen, dass es abgesprochen ist, die kaum anzuzweifeln sind - siehe Regelwerk 2021. Ein Statement von Masi bezüglich der Sicherheit des Systems zeigt mir nicht, dass es sicher ist sondern dass er es kennt. In dieser Sache die Unwahrheit zu sagen bezüglich der Einbeziehung der FIA bei der Entwicklung wäre völlig bescheuert.
Es macht keinen Sinn zu sagen "wir haben kein neues Lenksystem im Auto" weil es nicht zu übersehen ist. Es macht sehr wohl Sinn zu sagen "wir spritzen nicht zuviel Kraftstoff ein" weil es nicht kontrolliert werden kann.

Das ist nicht das gleiche und wird auch nicht das gleiche sein wenn es verboten wird. Mercedes wird nie illegal mit dem DAS unterwegs sein, weil es sichtbar ist. Es ist abgenickt und wenn es einem Rennkommissar nicht in den Kram passt wird es ausgebaut. Wäre die FIA nicht involviert gewesen hätte sie spätestens jetzt die Zeichnungen vom DAS in der Hand und vermutlich das System auf einem Tisch. Sowas kann nicht unkontrolliert an den Start gebracht werden, ein System zum betrügen kann nur unkontrolliert an den Start gebracht werden.

Wenn ich mir deinen letzten Smiley anschaue werde ich es jetzt dabei belassen. Wir sind völlig konträrer Ansicht auch was unsere Meinung zum "Genehmigungsmodus" der FIA angeht durch welchen die Teams keinerlei Sicherheit bei der Entwicklung des Autos bezüglich Regelkonformität haben obwohl sie sich an die richtige (und einzig logische) Instanz halten.
Folgt mir, ich komm nach...

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Re: Warum Ferrari nicht gegen Mercedes' DAS-System vorgehen will

Beitrag von DeLaGeezy » 22.02.2020, 12:50

Formula_1 hat geschrieben:
21.02.2020, 20:48
Aktuell ist das System von Mercedes eben auch "verdeckt". Mercedes kann viel erzählen
hast du totos lächeln gesehen? sein plan geht wohl auf :winky:

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