Ross Brawn über 2020: Haben verpasst, ein neues Formel-1-Rennformat zu testen

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Ross Brawn über 2020: Haben verpasst, ein neues Formel-1-Rennformat zu testen

Beitrag von Redaktion » 15.02.2020, 12:50

Die Regeländerungen für die Formel-1-Saison 2020 halten sich in Grenzen und betreffen die Testtage und die Technik - Ross Brawn sieht eine verpasste Chance
Lewis Hamilton, Max Verstappen, Charles Leclerc

In der Formel-1-Saison 2020 wird es keine Änderungen am Format geben

Weniger Testtage, mehr Offenheit und viele Detailänderungen an der Technik: das sind zusammengefasst die Regeländerungen für die Formel-1-Saison 2020. Am Rennformat wird hingegen nichts verändert, was Formel-1-Geschäftsführer Ross Brawn gar nicht passt. Er hätte sich in der kommenden Weltmeisterschaft einige Experimente gewünscht.

"Wir haben einen Anlauf unternommen, das Rennformat zu ändern", erklärt er. "Das hat aber nicht geklappt. Das war schade, denn in diesem Jahr hätte sich uns eine gute Gelegenheit geboten, um Dinge auszuprobieren. Wenn wir das Rennformat nur an ein paar Wochenenden ändern würden, könnten wir danach sagen, dass es nicht funktioniert hat."

"Denn es gibt gewisse Dynamiken, die man zuvor nicht simulieren oder vorhersehen kann", so Brawn weiter. "Das haben wir auch bei der schnellsten Rennrunde gesehen. Als wir über den Punkt für die schnellste Runde gesprochen haben, kam nur Kritik zurück. Ich denke, niemand würde es jetzt kritisieren. Es hatte gar mehr Einfluss, als wir dachten."

Das Wunschszenario von Brawn: Piloten holen sich neue Reifen, um den Zusatzpunkt einzufahren, der letztlich sogar über eine Position in der Gesamtwertung entscheiden könnte: "Das ist eine schöne Geschichte. Wir könnten sogar eine Weltmeisterschaft dadurch entschieden sehen - das wäre fantastisch. Derjenige, der im letzten Rennen die schnellste Rennrunde fährt, wird Weltmeister. Das konnten wir vorher nicht genau vorhersagen."

Bonuspunkt-Experiment okay, aber ohne großen Einfluss

Doch letztlich hatte der Bonuspunkt, der im Jahr 2019 eingeführt wurde, keinen großen Einfluss auf die Gesamtwertung. Insgesamt gab es nur sechs Piloten, die sich die Bonuspunkte untereinander aufgeteilt haben. Die Mittelfeldteams haben den Bonuspunkt nie geholt. Zweimal wurde kein Extrazähler verteilt, weil der schnellste Pilot nicht in die Top 10 gefahren ist, was eine Voraussetzung zum Erhalt des Punktes ist.

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Im Bezug auf die Saison 2020 hatte Brawn die Hoffnung, noch mehr solcher Spielchen ausprobieren zu können, gerade deshalb, weil die kommende Meisterschaft im Schatten der Regeländerungen im Jahr 2021 stehen wird. "Ich hatte gehofft, dass wir diese Gelegenheit schon in diesem Jahr haben würden, denn es ist ein recht ruhiges Jahr, um Dinge auszuprobieren", glaubt Brawn."In der Regelfindung hätten alle zustimmen müssen, taten es aber nicht", so der Formel-1-Strippenzieher. "Das war frustrierend. Manche Fans hätten es gehasst und das auch artikuliert. Aber das ist Teil des Sports. Wenn der Video-Assistent gegen dich entscheidet, ist es ein beschissenes System. Aber wenn es dir ein Tor einbringt, dann ist es ein tolles System."

Mentale Belastung der Teams ab 2021 niedriger?

In der Formel-1-Saison 2020 wird mit 25 Rennen viel von den Teammitgliedern abverlangt. Immerhin wurden die Ruhepausen für die Mechaniker, die sogenannte Sperrstunden, zu der Mechaniker nicht an der Strecke sein dürfen, von acht auf neun Stunden erhöht. Dennoch ist eine Formel-1-Saison für einen Mechaniker eine große Belastung.

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Das soll sich im kommenden Jahr ändern: "Für 2021 haben wir effektiv schon ein Drei-Tage-Wochenende implementiert, jetzt sind es eher vier oder fünf Tage", so Brawn. "Die Autos werden am Freitagmorgen von der FIA abgenommen. Dann wird es zwei Sessions am Freitagnachmittag geben. Das wird entweder sehr bald oder ist schon beschlossen worden. Ich kann mich nicht mehr erinnern."So könnten die Teams einen Tag später an die Strecke reisen, aber verhindern, das sie früher zu kommen, kann niemand. In der Saison 2021 könnten den Mechanikern aber so ein Tag weniger Arbeit an der Strecke pro Wochenende geschenkt werden.

Logistik soll ab 2021 verbessert werden

"Steve Nielsen und Michael Masi von der FIA haben hart an der Logistik gearbeitet, um die Arbeitslast der Teams zu minimieren", erklärt Brawn. "Zumindest wird das Rennwochenende kompakter sein. Wir werden immer noch an drei Tagen fahren für die Promoter, aber es wird deutlich kompakter sein."An der Logistik will Brawn generell weiter feilen, um die Belastung der Teams zu reduzieren: "Wir werden uns noch ansehen, wie die Logistik am Rennwochenende geändert werden kann. Theoretisch kannst du zwar am Freitag noch Dinge ausprobieren, wirst aber eigentlich mit jener Spezifikation fahren, mit der du am Freitag angereist bist."

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"Es wird keine Situation geben, wo Teams mit tausend Teilen anreisen, alle ausprobieren und manche dann am Sonntag fahren", prophezeit Brawn. "Sie werden mit jenem Auto fahren, das am Freitagmorgen abgenommen wurde. Sie können schon Teile am Freitag oder Samstagmorgen ausprobieren, aber sie werden damit nicht fahren."Der Vorteil: Die Teams müssen nicht jedes neue Teil in mehrfacher Ausführung mitbringen. Laut Brawn geht es darum, die Effizienz des Arbeitsalltags der Teams deutlich zu verbessern. Natürlich muss dabei ab der Saison 2021 die Budgetobergrenze eingehalten werden.

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Re: Ross Brawn über 2020: Haben verpasst, ein neues Formel-1-Rennformat zu testen

Beitrag von Mithrandir » 15.02.2020, 17:33

Da bin ich ja froh, dass sie das verpasst haben. Mag Gewöhnungssache sein aber ich finde die Distanz von gut 300 Kilometern passend ebenso wie die damit verbundene Renndauer und sehe keinen Handlungsbedarf. Eine Reduzierung (über die mal spekuliert wurde) würde ich persönlich dem Status der Serie nicht angemessen empfinden, eine Verlängerung der Rennen stand vermutlich nicht zur Debatte, genaues weiß man nicht.
Das wäre für mich eine erheblich einschneidendere Änderung als der Punkt für die schnellste Rennrunde. An übertriebene Kritik daran kann ich mich hier nicht erinnern, von einzelnen Beiträgen mal abgesehen.
Folgt mir, ich komm nach...

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Re: Ross Brawn über 2020: Haben verpasst, ein neues Formel-1-Rennformat zu testen

Beitrag von Calvin » 15.02.2020, 18:03

Redaktion hat geschrieben:
15.02.2020, 12:50
"Es wird keine Situation geben, wo Teams mit tausend Teilen anreisen, alle ausprobieren und manche dann am Sonntag fahren", prophezeit Brawn. "Sie werden mit jenem Auto fahren, das am Freitagmorgen abgenommen wurde. Sie können schon Teile am Freitag oder Samstagmorgen ausprobieren, aber sie werden damit nicht fahren."Der Vorteil: Die Teams müssen nicht jedes neue Teil in mehrfacher Ausführung mitbringen. Laut Brawn geht es darum, die Effizienz des Arbeitsalltags der Teams deutlich zu verbessern. Natürlich muss dabei ab der Saison 2021 die Budgetobergrenze eingehalten werden.Link zum Newseintrag
Wieso muss die FIA in die Effizienz des Arbeitsalltag eines Teams per Reglement eingreifen? Das Budgetcap sollte doch reichen. Wie und wann die Team das Geld einsetzen sollte man den Team überlassen. Die F1 ist einfach zu stark überreglementiert.

Ich meine man schleppt ein Teil um die Welt damit man es testen kann. Und wenn es erfolgreich ist, darf man das nicht mal einsetzen, sondern muss das nächste Wochenende abwarten. :lol:
Toto Wolff: Wir stellen uns nicht die Frage, ob der Ferrari-Motor illegal ist. So denken wir nicht, das ist nicht unsere Einstellung. Wir zeigen nicht mit dem Finger auf andere Hersteller. Wir fragen uns vielmehr: Wie können wir selber etwas besser machen?

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Re: Ross Brawn über 2020: Haben verpasst, ein neues Formel-1-Rennformat zu testen

Beitrag von NobileRosso » 15.02.2020, 18:38

"Haben verpasst, ein neues Formel-1-Rennformat zu testen"

"Gott sei Dank", ist da mein erster Gedanke :domokun:

Man muss das Rad nicht neu erfinden, Fußball wird auch seit Jahrzehnten gleich gespielt und ist ungebrochen erfolgreich.

Die Probleme sind offenkundig, und zwar hauptsächlich:
- Nur 3 Teams sind seit x Jahren siegfähig (und unter normalen Umständen gleichermaßen podienfähig). Daraus resultierend stand der Weltmeister oft zur Saisonmitte nach menschlischem Ermessen bereits fest.
- Die Motorentechnik ist zu teuer, das verschreckt Neueinsteiger und die Komplexität führte dazu, dass es Jahre dauerte, den Vorsprung von Mercedes entscheidend zu verringern bzw. aufzulösen
- Die Reifen halten Dauerpushen nicht Stand (leider gewollt). Die Krönung war die "Rollkollonne" letztes Jahr in Singapur. Würde das Problem wegfallen, hielte ich sogar die Überholproblematik für nicht wirklich akut. Oft traut man sich ja kaum, den Vorherfahrenden unter Druck zu setzen, wenn man nicht sicher ist ob man es vorbei schafft. Nach paar Runden sind die Reifen ja dann unwiderbringlich zerstört...
- Defekte sind als Spannungselement im Vergleich zu Beginn des Jahrtausends in der Spitze eigentlich weggefallen. Gleiches gilt für plötzliche Unfälle durch Fahrfehler, weil es kaum noch Kiesbetten oder streckennahe feste Streckenbegrenzungen gibt.

Ein neues Format hilft da überhaupt nichts.

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Re: Ross Brawn über 2020: Haben verpasst, ein neues Formel-1-Rennformat zu testen

Beitrag von NobileRosso » 15.02.2020, 18:43

Mithrandir hat geschrieben:
15.02.2020, 17:33
Da bin ich ja froh, dass sie das verpasst haben. Mag Gewöhnungssache sein aber ich finde die Distanz von gut 300 Kilometern passend ebenso wie die damit verbundene Renndauer und sehe keinen Handlungsbedarf. Eine Reduzierung (über die mal spekuliert wurde) würde ich persönlich dem Status der Serie nicht angemessen empfinden, eine Verlängerung der Rennen stand vermutlich nicht zur Debatte, genaues weiß man nicht.
Das wäre für mich eine erheblich einschneidendere Änderung als der Punkt für die schnellste Rennrunde. An übertriebene Kritik daran kann ich mich hier nicht erinnern, von einzelnen Beiträgen mal abgesehen.
Ein Fußballspiel dauert auch nur wenig kürzer. Da beschwert sich auch keiner, dass dies zu lang sei und sich keiner so lange auf eine Sache konzentrieren wolle usw.

Der Unterschied ist, dass im Fußball meist jederzeit etwas passieren kann, es sei denn es steht schon gerade 3:0.
Der Faktor ist wie von mir oben erwähnt in der F1 leider mittlerweile weggefallen. Besonders weil kaum noch Ausfälle geschehen. Wer einmal 20 Sekunden vorne ist, bleibt da in aller Regel auch.
Hier liegt das Problem.

Das eine Reduzierung und damit verbunden mehrere Rennen an einem Wochenende dem Status schaden, sehe ich übrigens genauso. Außerdem schraubt das die Bedeutung eines einzelnen Rennens noch mehr herunter, als es die Vielzahl der Stationen im Kalender tut.

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Re: Ross Brawn über 2020: Haben verpasst, ein neues Formel-1-Rennformat zu testen

Beitrag von Calvin » 15.02.2020, 18:48

NobileRosso hat geschrieben:
15.02.2020, 18:38
Die Probleme sind offenkundig, und zwar hauptsächlich:
- Nur 3 Teams sind seit x Jahren siegfähig (und unter normalen Umständen gleichermaßen podienfähig). Daraus resultierend stand der Weltmeister oft zur Saisonmitte nach menschlischem Ermessen bereits fest.
etc.
Korrekt

Zu dem wird im Rennen nicht wirklich mehr gepusht, da man sowieso darauf Achten muss die Komponenten des Anstriebstrangs zu schonen, da diese zwischen 7 und 10/11 Rennen halten müssen.
Toto Wolff: Wir stellen uns nicht die Frage, ob der Ferrari-Motor illegal ist. So denken wir nicht, das ist nicht unsere Einstellung. Wir zeigen nicht mit dem Finger auf andere Hersteller. Wir fragen uns vielmehr: Wie können wir selber etwas besser machen?

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Re: Ross Brawn über 2020: Haben verpasst, ein neues Formel-1-Rennformat zu testen

Beitrag von Pentar » 15.02.2020, 20:20

Den Vergleich mit dem Fußball finde ich - in diesem Zusammenhang - durchaus gerechtfertigt.

Ein F1-Rennen & ein FB-Spiel dauern zwar ähnlich lang, aber im FB gibt es m.E. doch deutlich mehr "Überraschungen", als in der aktuellen F1. Denn auch bei einem Spiel "Underdog gegen Favorit" kann es über lange Zeit spannend bleiben. Steht jedoch der Favorit nach nur wenigen Minuten 2:0 in Führung, ist natürlich auch dort "die Messe gelesen". Das kommt zwar oftmals vor - ist aber eben nicht die Regel.

Dass in der F1 ein Mittelfeld-Team (oder gar ein Hinterbänkler) einen GP gewinnt, oder zumindest auf dem Podium landet, ist äußerst selten. Im FB ist das anders - vor Allem bei den Pokal-Spielen kommt es durchaus vor, dass ein Underdog den Favoriten aus dem Wettbewerb schießt.

Dazu kommt, dass die Überraschungsmomente in der F1 mittlerweile gegen Null tendieren:

Wenn ein FB-Spieler ein grobes Foul begeht & die rote Karte bekommt, ändert sich das Spiel & dessen Verlauf.
Wenn ein F1-Pilot eine Kurve falsch einschätzt, geht es in der asphaltierten Auslaufzone weiter & es ändert sich - Nichts.

Wenn ein TOP-FB-Spieler völlig ausgepowert nicht mehr weiter spielen kann, ändert sich das Spiel & dessen Verlauf.
In der aktuellen F1 sind technische Defekte oder misslungene Boxenstopps mittlerweile eine Seltenheit.

So gesehen haben VET & LEC Einiges richtig gemacht -
nämlich zum Unterhaltungswert der F1 beigetragen & jede Menge Diskussionsstoff geliefert...

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