Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

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Redaktion
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Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von Redaktion » 04.02.2020, 11:24

Damon Hill betont, dass er nie den Plan hatte, seinen Teamkollegen Ralf Schumacher 1998 in Belgien abzuschießen - Er habe Teamchef Eddie Jordan damals nicht gedroht
Ralf Schumacher, Jean Alesi

Ralf Schumacher war auf dem Podium überhaupt nicht glücklich

Der Große Preis von Belgien 1998 ist aus mehreren Gründen in die Formel-1-Geschichte eingegangen. In Erinnerungen geblieben sind vor allem der Massenstartcrash und das Bild von Michael Schumacher im "Dreirad-Ferrari". Nicht weniger denkwürdig - und auch kontrovers - war zudem der Jordan-Doppelsieg. Damon Hill gewann vor seinem Teamkollegen Ralf Schumacher.Für Jordan war es der einzige Doppelsieg der Teamgeschichte. Trotzdem war vor allem Schumacher auf dem Podium alles andere als glücklich, denn der Deutsche war damals deutlich schneller als Hill. Überholen durfte er den Weltmeister von 1996 allerdings nicht, weil Teamchef Eddie Jordan nach einem Hill-Funkspruch eine Stallorder ausgesprochen hatte, um den Doppelsieg nicht zu gefährden."Am Boxenfunk sagte [Hill], dass er dieses Rennen gewinnen werde. 'Wenn Ralf versucht, mich zu überholen, dann fahre ich ihm rein. Dann verlieren wir beide, aber ich verliere nicht gegen Ralf.' Das sagte er, und danach hat sich Eddie entschieden", erinnert sich Schumacher im Podcast 'Beyond the Grid' zurück. Laut Hill war sein Funkspruch allerdings ganz anders gemeint.

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"Eddie hat das völlig missverstanden", rechtfertigt er sich mehr als 20 Jahre später im Gespräch mit 'auto motor und sport' und erklärt: "Ich habe das vor ein paar Jahren herausgefunden, als ich mit ihm Golf gespielt habe. Er behauptete, ich hätte am Funk gesagt, dass ich Ralf ins Auto fahren würde, wenn er versucht, mich zu überholen. Ich habe das aber nie gesagt.""Warum sollte ich absichtlich Ralf abschießen? Dazu bin ich nicht der Typ", beteuert Hill und erklärt: "Ich sagte ihm am Funk nur, er sollte über eine Stallorder nachdenken. Weil er in der Situation war, ein Rennen zu gewinnen. Aber wenn wir gegeneinander fahren, riskieren wir, dass es schiefgeht. Er hat das so interpretiert, dass ich lieber mit Ralf crashen würde, als den Sieg herzuschenken. Das hat er Ralf so erzählt."

Fotostrecke: Die kontroversesten Stallordern in der Formel-1-Geschichte

Ferrari sorgte in Sotschi 2019 für heftige Diskussionen, als man Sebastian Vettel anwies, Charles Leclerc die Führung zu überlassen. Der Deutsche widersetzte sich, und Ferrari drehte die Positionen später an der Box. In der Geschichte der Formel 1 nicht das erste Mal, dass eine Stallregie für Schlagzeilen sorgte ...

Ferrari sorgte in Sotschi 2019 für heftige Diskussionen, als man Sebastian Vettel anwies, Charles Leclerc die Führung zu überlassen. Der Deutsche widersetzte sich, und Ferrari drehte die Positionen später an der Box. In der Geschichte der Formel 1 nicht das erste Mal, dass eine Stallregie für Schlagzeilen sorgte ...

Im Wortlaut klang Hills Funkspruch in der Schlussphase des Rennens so: "Ich schlage euch jetzt etwas vor, und ihr solltet besser zuhören. Wenn wir beide gegeneinander fahren, dann könnten wir am Ende mit leeren Händen dastehen. Es ist Eddies Entscheidung. Wenn wir nicht gegeneinander fahren, dann haben wir die Möglichkeit, Erster und Zweiter zu werden. Es ist deine Entscheidung."

Für Eddie Jordan klang das offenbar wie eine Drohung, dass Hill Schumacher abschießen werde, falls dieser versuchen sollte, ihn zu überholen. "Aber das habe ich so nie gesagt", betont Hill noch einmal und stellt klar: "Ich habe nur vorgeschlagen, Ralf zu erklären, dass er keine dumme Aktion starten soll. Ich weiß, dass Ralf mir nicht glaubt. Es hätte sowieso nie funktioniert mit mir und einem Schumacher."

Nach der Saison 1998 verließ Schumacher Jordan in Richtung Williams. Hill fuhr noch ein Jahr für Jordan, ehe er seine Formel-1-Karriere nach der Saison 1999 beendete.


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msf
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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von msf » 04.02.2020, 12:34

Könnte im laufenden Karneval glatt als Büttenrede verarbeitet werden

Also Herr Richter, dat mit dem Juwelenraub war alles ganz anders!. Ich bin in dat Schmuckjeschäft erein und wollte nur mal gucken. Die Pistol hab ich nur rausjeholt um zu sehen, wie die neben dem janzen Schmuck zur Geltung kommt. Kann sein, dast ich auch jesxacht hab, damit könnte man richtig schießen.

Wie dan die janzen Leut am Boden jelejen haben, hab ich der Schmuck zur Sicherheit an mich jenommen, damit nix dran kommt!
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Woelli38
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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von Woelli38 » 04.02.2020, 12:43

msf hat geschrieben:
04.02.2020, 12:34
Könnte im laufenden Karneval glatt als Büttenrede verarbeitet werden
Die Büttenrede, ääähhh das Interview mit Hill bei AMS dauert 46 Minuten... zwei Berichte hat man schon rausgequetscht. :wink:
Man nannte Ihn den "Fisherman’s Friend" der Formel 1... :mrgreen:

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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von speedyeddy22 » 04.02.2020, 14:41

Hill wusste, dass er damit bei Eddie Jordan sticht. Ralf war jung, schnell aber unerfahren. Jordan wusste sicher auch noch um den unglücklichen Crash Ralfs mit Fisichella im Jahr davor. Hill nutzte das aus, allerdings war er auch derjenige von den beiden, der sich die Führung im Rennen erarbeitet hat. Trotz all des Glücks in Spa 1998, der Jordan war damals eine Niete. Bitter für Ralf aber eine rationale Entscheidung für das Team. Jetzt könnte man natürlich überlegen, wie sich z.B. Vettel oder Verstappen an Ralfs Stelle verhalten hätten. Wahrscheinlich hätten sie trotzdem angegriffen :biggrin:

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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von DeLaGeezy » 04.02.2020, 18:02

Also wenn man sich das Video bei auto motor und sport ansieht, merkt man erstmal so richtig wie ehrlich und aufrichtig Damon Hill ist.
Ich glaube Hill. Er hatte es nicht vor und hätte Ralf nicht abgeschossen. Was er meinte war einfach, dass er nicht kampflos aufgeben wird und Ralf was "unüberlegtes" machen kann -> was zum Ausfall führen könnte.

Viel krasser fand ich aber die Aussage, dass Hill gern schon zur Mitte der Saison 1999 seine Karriere beendet hätte.
Kommt sicher noch in einem anderen Artikel....
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Number2
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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von Number2 » 04.02.2020, 18:07

D. Hill interessiert mich eigentlich nicht die Bohne. Ich finde er ist ein komischer Typ und der Satz "Es hätte sowieso nie funktioniert mit mir und einem Schumacher." untermauert das nochmal.

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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von Alonso und Kimi Fan » 04.02.2020, 18:44

Als man ralf damals sagte er soll nicht kämpfen hätte ralf einfach sagen sollen "ich bin viel schneller wenn ihr wollt das ich nicht kämpfen soll, dann soll hill mich vorbei lassen" denn das wäre dann gerecht gewesen. Das ralf nichts macht und den braven bubi spielt war absolut bescheuert, weil er bei weitem schneller war pro runde als hill

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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von Logik78 » 04.02.2020, 19:09

Soweit ich mich erinnere, fuhr Hill über weite Teile des Rennens in der Spitzengruppe, während Schumacher erst im letzten Teil auftrumpfte, nachdem sich alles etwas beruhigt hatte. Dass mit Hill der langsamere und schwächere Fahrer gewonnen hat, würde ich daher so nicht unterstreichen. Ich würde ihn im Blick auf das gesamte Rennen eher als den verdienten Sieger bezeichnen.

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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von Tomek333 » 04.02.2020, 19:45

Hill fuhr in der Quali sensationell auf P4
Und noch besser ,hat er doch den Start gewonnen und führte die ersten 5-6 Runden
Danach fuhr Hill ungefährdet auf P2 mit Riesenabstand
Durch die Safe T Car phase durch den Fisichella Crash
kam Ralf überhaupt ran
Weder in der Quali noch im Rennen hatte Ralf eine Chance gegen Hill
Lediglich in der Schlussphasse durch Safe T Car phase war Ralf überhaupt dran
Hill hat verdient sich den Sieg herausgefahren
Mit Ungarn 97 und Suzuka 94 einer seiner Top Fahrten

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Victory Count
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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von Victory Count » 04.02.2020, 22:37

DeLaGeezy hat geschrieben:
04.02.2020, 18:02
Also wenn man sich das Video bei auto motor und sport ansieht, merkt man erstmal so richtig wie ehrlich und aufrichtig Damon Hill ist.
Ich glaube Hill. Er hatte es nicht vor und hätte Ralf nicht abgeschossen. Was er meinte war einfach, dass er nicht kampflos aufgeben wird und Ralf was "unüberlegtes" machen kann -> was zum Ausfall führen könnte.

Viel krasser fand ich aber die Aussage, dass Hill gern schon zur Mitte der Saison 1999 seine Karriere beendet hätte.
Kommt sicher noch in einem anderen Artikel....
Ja, wirklich ein interessantes, spannendes une eben sehr ehrliches Interview. Ich dachte zuerst, ah so ein langes Interview mag ich nicht schauen, aber ich konnte gar nicht aufhören. So viele interessante Details aus seiner Karriere und seinem Leben, muss mir echt überlegen das Buch zu kaufen. :lol:
Aber die hier herausgerissenen, und in viele News aufgeteilten Zitate werden dem nicht gerecht.

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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von scott 90 » 04.02.2020, 23:26

Victory Count hat geschrieben:
04.02.2020, 22:37

Ja, wirklich ein interessantes, spannendes une eben sehr ehrliches Interview. Ich dachte zuerst, ah so ein langes Interview mag ich nicht schauen, aber ich konnte gar nicht aufhören. So viele interessante Details aus seiner Karriere und seinem Leben, muss mir echt überlegen das Buch zu kaufen. :lol:
Aber die hier herausgerissenen, und in viele News aufgeteilten Zitate werden dem nicht gerecht.
Überzeugt, dann schaue ich mir das auch an.

Ich kann mich nur noch daran erinnern wie er sich im F1 Podcast gegeben hat. (Womöglich ist das Interview ähnlich) Kam durchaus sympathisch rüber, ich fand seinen Humor auch gut. Er nimmt sich nicht so ernst.

Im Endeffekt mag zwar kein Zuschauer, aber das gibt es trotzdem immer wieder. Da will eben jeder seinen Vorteil ausnutzen. Und bei den Verhältnissen damals, ging es sicher weniger um eine Kollision, als um einen Abflug bei oder ähnliches.
Bild
RIP #77DW #17JB #25JW

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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von _alec » 05.02.2020, 00:47

..natürlich muss man Hill glauben. Er war immer fair in seiner Karriere
..obwohl die ganze Welt gesehen hat wie Schumacher ihn in Australien
absichtlich gerammt hat und sich so den Titel sicherte,
haben immer nur die anderen darüber gesprochen. Er hat es genommen wie ein Mann.
Das macht ihn aus. Er blieb auf der Strecke und daneben immer seinen Prinzipien treu.
Was gibt es da in Frage zu stellen ?
..wenn Jordan was behauptet, dann glaub ich dem erstmal gar nichts.
Das ist ein Geschichten Erzähler, der seinen Senf ungefragt dazu gibt.

Natürlich konnte seine Karriere mit einem Schumacher nicht funktionieren.
Ralf war/ist schließlich der Bruder von dem, der ihn den Titel gekostet hat.
Wie kann der Bruder ein Loyales verhalten an den Tag legen ?
Ist er Loyal Hill gegenüber, hintergeht er Michael.
Ist er seinem Bruder Loyal, kann er das nie dem Hill gegenüber sein.

Das kann nicht funktionieren. Blut ist dicker als Wasser..
..die kürzeste Verbindung zwischen 2 Punkten ist ein Tunnel..

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asd
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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von asd » 05.02.2020, 01:27

naja schon klar...
Ralf es sportlich genommen und sich vermutlich beim Boxenluder Katie Price den Frust von der Seele... geredet.
:checkered:

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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von daVe87 » 05.02.2020, 07:14

Tomek333 hat geschrieben:
04.02.2020, 19:45
...
Durch die Safe T Car phase durch den Fisichella Crash
...
Safety car bitte. Ein T-Car war in früherer Zeit mal das Ersatzauto in der Formel 1.
Da bekommt man ja Augenkrebs, bei der Schreibweise.

Ansonsten stimme ich mit deinem Text überein.

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Re: Damon Hill über Spa 1998: War eigentlich alles ganz anders ...

Beitrag von CZ99 » 07.02.2020, 13:11

Man sollte berücksichtigen, dass Hill in dem Rennen klar der schnellere Mann war. Er hat sich auf P3 qualifiziert und war das ganze Rennen über weit vor Ralf. Erst zum Schluss war plötzlich Schumacher (und soweit ich mich erinnern kann auch Alesi im Sauber) schneller. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hill jedoch einen schleichenden Plattfuß und das wurde nach dem Rennen auch so kommuniziert.
Selbst Ralf Schumacher sagte nach dem Rennen, dass Hill das gesamte Wochenende bis zu dem Problem der Schnellere gewesen ist und er daher die Stallorder verstehen könne (auch wenn letzteres vermutlich nur eine Aussage für die Presse war).

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