Ex-Teamchef klagt an: "Formel 1 hat sich selbst ins Knie geschossen"

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Ex-Teamchef klagt an: "Formel 1 hat sich selbst ins Knie geschossen"

Beitrag von Redaktion » 20.01.2020, 09:15

David Richards findet, dass Bernie Ecclestone in seiner Zeit als Formel-1-Boss das eigene Produkt schlechtgeredet hat - Motorsport müsse technischer Vorreiter sein
David Richards

David Richards wünscht sich vom Motorsport mehr Selbstbewusstsein

Der früherer Teamchef David Richards hat der Formel 1 im allgemeinen und Ex-Serienchef Bernie Ecclestone im besonderen ein schlechtes Zeugnis bei der Vermarktung des eigenen Produkts ausgestellt. Anstatt den technologischen Fortschritt der seit 2014 eingesetzten Hybridmotoren offensiv darzustellen, habe die anhaltende Kritik daran der Formel 1 geschadet.

"Das sind Meisterstücke der Ingenieurskunst, absolut sensationell", sagte der früherer Teamchef von Benetton und BAR im Rahmen das 'Motorsport Leaders Business Forum' bei der Autosport International Show über die Hybridantriebe. "Aber was macht Bernie Ecclestone? Es sagt: 'Mir gefällt der Sound nicht, die sind nicht toll' und redet sie schlecht."

Ecclestone, der bis zum Verkauf der Mehrheitsanteile der Formel 1 an Liberty Media im Jahr 2016 Geschäftsführer der Serie war, hatte die seit 2014 eingesetzten Hybrid-Turbomotoren wiederholt kritisiert. Noch 2015 hatte er Hybrid als "größtes Problem aller Zeiten" gegeißelt. Auch andere hochrangige Vertreter aus dem Fahrerlager hatten kein gutes Haar an den Antrieben gelassen.

Formel 1 kann stolz auf Hybridantriebe sein

Dabei hätte die Formel 1 nach Meinung von Richards allen Grund gehabt, stolz auf diese Technik zu sein. "Sie sind nicht vorangegangen und haben gesagt: Schaut euch an, was wir erschaffen haben, was für eine tolle Technik wir haben."

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"Stattdessen haben sie aufeinander eingeprügelt und sich so selbst den Boden unter den Füßen weggezogen. Das war so töricht, sie haben sich selbst ins Knie geschossen", meint der 67-Jährige, der mittlerweile Präsident des britischen Motorsportverbands Motorsport UK ist.Auch abseits der Motorendiskussion in der Formel 1 wünscht sich Richards vom gesamten Motorsport im Zuge der aktuellen Klimadebatte mehr Selbstbewusstsein. "Man entschuldigt sich heute schnell dafür, dass wir im Kreis fahren, Gummi verbrauchen und fossile Treibstoffe verbrennen", sagt er.

Motorsport muss technischer Vorreiter bleiben

"Dabei gibt es viele positive Aspekte. In Großbritannien führen wir eine Elektro-Kartserie ein und untersuchen in verschiedenen Kategorien die Verwendung nachhaltiger Treibstoffe", so Richards. Doch seiner Rolle als Labor für neue Fahrzeugtechnik werde der Sport immer weniger gerecht.

"Motorsport war viele Jahre lang ein technologischer Motor, aber wir sind in eine Falle getappt und glauben: Wir müssen unterhalten, es geht nicht mehr um die Technik", findet Richards. "Dort müssen wir wieder die Initiative übernehmen. Wir müssen voranschreiten und zeigen, was möglich ist."

Besinne sich der Motorsport darauf, könne aus ihm die Antriebstechnik der Zukunft hervorgehen, glaubt Richards. "Politiker tendieren zu einfachen Botschaften und sagen: Elektro ist die Antwort, lasst uns Elektroautos auf die Straße bringen. Aber das ist ziemlich töricht", findet er.

"Es gibt noch so viele andere technische Möglichkeiten zu erforschen, und langfristig werden wir meiner Erwartung nach bei einer völlig neuen Technologie landen, die wahrscheinlich nicht Wasserstoff sein wird."


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Zuletzt geändert von Redaktion am 20.01.2020, 09:15, insgesamt 1-mal geändert.

ThaKilla
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Re: Ex-Teamchef klagt an:

Beitrag von ThaKilla » 20.01.2020, 09:39

Das traurige ist ja, dass die Motoren noch so viel mehr leisten könnten wenn sie nicht künstlich eingeschränkt werden würden. Ich meine mal gelesen zu haben das die Motoren locker 16k drehen könnten ohne Benzin-Durchflussbegrenzung und auf lange Sicht natürlich die Haltbarkeitsvorgaben.

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Re: Ex-Teamchef klagt an:

Beitrag von modellmotor » 20.01.2020, 11:54

Es ist richtig, dass sich die Formel 1 mit der Einführung der hochkomplexen und enorm teuren Hybridtechnik ins Knie geschossen hat .Gekappte Motorleistung wird hier durch Strom aus Abgasen kompensiert.Damit sowie der zusätzlichen Spritspar - Technik wollte man sich in in Zeit der hohen Ölpreise einen grünen Anstrich verpassen.An den Folgen leidet die Formel 1 bis heute.Auch muss man fragen dürfen was Hybridtechnik , die bei Langstrecken-Rennläufen Sinn macht bei Sprint--Rennläufen wie der Formel 1 ,überhaupt zu suchen hat.Alle Versuche hier wieder zur Normalität zu finden sind bekanntlich im Sand verlaufen.Um wirklich "grün" zu werden, sollte desßhalb der aktuell verwendete Treibstoff, der eine Mischung von Benzin mit hochprozentigem Chemikalienzusatz darstellt und ohne Katalysator ins Freie gelangt ,zunächst durch Synthfuel ersetzt werden,bis Verbrennungsnmotoren im Motorsport ausgemustert und durch Elektroantriebe mit Wasserstoff ersetzt werden.
Grüße vom
moellmotor

Luckytiger
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Re: Ex-Teamchef klagt an:

Beitrag von Luckytiger » 20.01.2020, 14:57

Er hat sicher Recht das es falsch war die Antriebe derart schlecht zu reden. Aber seine Meinung zur Entwicklung der Formel 1 als Show finde ich falsch. Denn so wie er die F1 gerne hätte wäre es wieder so wie bisher als ein Team eine tolle Idee hatte und 15 von 20 Rennen gewinnt. Das hat dann wieder nur bedingt etwas mit Sport zu tun sondern eher wer die momentan Beste Technologie hat. Ist zwar auch interessant aber eben nur bedingt. Was ich als Fan sehen will sind Teams und Fahrer die gewinnen weil sie das beste Rennen machen und wenn sie eine Durchschnittliche Leistung zeigen dann sollen die auch mal als 12. ins Ziel kommen und nicht noch als 2. auf dem Podest feiern während derjenige mit dem Besten Rennen knapp 7.wird.

Das ist Sport und das motiviert mich dann auch ein Rennen bis zum Ende zu gucken und nicht nur den Start.
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Manisch
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Re: Ex-Teamchef klagt an:

Beitrag von Manisch » 20.01.2020, 15:47

Ich stimme auch zu, dass es ein Eigentor war, das eigene Produkt so sehr zu kritisieren. Viele werden sicherlich sagen "Wieso? Stimmt doch!", aber ob "ihr" wollt, oder nicht: Viel dieser Kritik wird unterschwellig nun mal aufgesogen. Im Sinne von "Wenn selbst DER das sagt, dann wird es schon stimmen!".

Was die Vorreiter-Rolle angeht, glaube ich, dass das nicht mehr in die heutige Zeit passt. Das Gold der Neuzeit wird unter anderem autonomes Fahren sein, oder generell alles, wo es um Sicherheitssysteme geht. Spurhalte-Assistenten, Notfall-Bremsungen, Totwinkel-Warner, Nachtsicht...

Oder anders gesagt, wir befinden uns in einer Phase, in der die "Mechanik" nicht mehr DIE entscheidenden Schritte mit sich bringt - der Komfort und alles drum herum ist heute wichtig.

Und das sind halt Sachen, die im klassischen Motorsport nicht viel zu suchen haben.

Naja und auch bei Batterien gibt es im Moment nicht viel, was man auf der Strecke tun könnte. Da werden Festkörper das nächste große Ding sind und die entstehen in den Laboren weltweit, vornehmlich unter Aufsicht von Tesla. Das sind aber Dinger, die nicht wirklich "Rennerfahrung" brauchen.

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