Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

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Redaktion
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Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von Redaktion » 13.11.2019, 09:41

Dank der neuen Aerodynamik-Regeln und verbesserter Abtriebwerte im Zweikampf erhofft sich die FIA ab 2021 besseres Racing - Eine Illusion oder doch realistisch?
Modell eines F1-Boliden nach dem Reglement 2021

Modell eines F1-Boliden nach dem neuen Reglement 2021

Die FIA und Liberty Media setzen große Hoffnungen in das neue Reglement für 2021. Die Autos sollen fahrbarer werden und das Racing dadurch insgesamt besser. Doch wie realistisch sind die angepeilten Ziele? Der Weltverband musste nun zugeben, dass die Abtriebswerte aus den Studien wohl nicht erreicht werden.

Im Rahmen des US-Grand-Prix stellten die Regelhüter und Rechteinhaber der Königsklasse die neuen technischen, sportlichen und finanziellen Spielregeln der Öffentlichkeit vor. Bei der Technik spielt vor allem die Aerodynamik eine große Rolle.

Dank des "Ground-Effekts" und der Simplifizierung des Chassis erhofft sich die FIA eine Erhöhung des Abtriebs beim Hinterherfahren. Zum Beispiel soll der Frontflügel vereinfacht werden, um weniger empfindlich auf die wirbelte Luft zu reagieren. Bargeboards werden ganz eliminiert.

Verbesserung des Abtrieblevels geringer als gedacht?

Dadurch sollen Zweikämpfe erleichtert werden. Laut den Regelhütern wurde bei der Erforschung und Entwicklung der neuen Regeln für 2021 herausgefunden, dass die Autos beim Folgen eines anderen mit einer Wagenlänge Abstand nur mehr rund 55 Prozent ihres Abtriebs zur Verfügung haben.

Mit den neuen Regularien soll dieser Prozentsatz auf 86 Prozent ansteigen. Bei einem Abstand von drei Autolängen soll sich das Abtriebslevel von 68 auf 94 Prozent verbessern und bei sieben Autolängen Abstand von 79 auf 98 Prozent.

Allerdings sind diese Prozentangaben nur eine erste Grundlage, die auf aktuell geschätzten Werten basiert, die der FIA von einem Formel-1-Team zur Verfügung gestellt wurden. Diese Vorhersage für 2021 lässt außerdem außen vor, wie die Teams die neuen Regeln interpretieren werden.

Entwicklung des Abtriebslevels im Vergleich 2019 zu 2021

Wie viel Abtrieb ein hinterherfahrendes Auto zukünftig verlieren wird

Daher lässt sich aktuell noch nicht abschätzen, ob diese starke Verbesserung sich tatsächlich bewahrheiten wird. FIA-Formelsportchef Nikolas Tombazis hat gegenüber 'Motorsport-Total.com' zugegeben, dass es unwahrscheinlich sei, dass die angepeilten Prozentsätze sich tatsächlich in die Realität umsetzen lassen.

Jedoch betonte er auch, dass selbst weniger Fortschritt als gedacht ein Zugewinn wäre. "Natürlich werden die Teams sich bei der Entwicklung des Autos nicht darum kümmern, ob sie die Umstände für das hinterherfahrende Auto verschlechtern. Das ist nicht ihr Ziel. Sie wollen ein Auto, dass so schnell wie möglich ist."

Tombazis gab zu, dass er weniger hohe Abtriebswerte erwartet, als jene in seiner Grafik. "Ich denke, dass die Kurve weniger stark ansteigt. Aber ich spekuliere, wie jeder andere auch. Vielleicht werden sie ein Drittel des Vorteils verlieren, das ist dennoch ein großer Patzen."

Fokus auf den Unterboden gelegt

Er bemerkte außerdem, dass die besten Autos auf dem Grid, ein Mercedes oder Red Bull, wohl sensibler sein werden und daher mehr Abtrieb verlieren, wenn sie einem Auto folgen, als die Zahlen der FIA-Forschung ergeben haben."Der Nettoeffekt wird ein großer Schritt vorwärts sein. Vielleicht nicht so groß, wie auf der Grafik." Die Teams werden durch das neue Reglement nicht mehr so sehr in der Lage sein, die Auswirkungen auf die Vorderräder kontrollieren zu können. Durch die Rückkehr des "Ground-Effekt" soll der Fokus in der Entwicklung auf den Unterboden verschoben werden."Wir haben einen guten Überblick darüber, welche Bereiche des Autos besonders sensibel [auf verwirbelte Luft] reagieren", merkte Tomabzis an. "Und es gibt ein paar Bereiche, wo Lösungen gefunden werden können, die die Verwirbelung verbessern."

Die Formel-1-Regeln für 2021 in der Analyse

Edd Straw und Scott Mitchell erklären und bewerten die neuen Formel-1-Regeln für 2021! Weitere Formel-1-Videos

Ein Beispiel: "Wir haben festgestellt, dass, wenn ein Auto mehr Performance am Diffusor findet, sich die Charakteristika im Luftstrom deutlich verbessern." Daher sei die FIA auch entspannter, was die Freiheiten der Ingenieure in jenem Bereich betrifft."Auf der anderen Seite gibt es die Frontflügel-Endplatte, die Interaktion mit den Rädern - ein Bereich, wo man diese Vorteile schnell wieder verspielen kann. Daher haben wir diesen Bereich deutlich starker beschränkt."

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Zuletzt geändert von Redaktion am 13.11.2019, 09:41, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von toddquinlan » 13.11.2019, 09:52

das ist dennoch ein großer Patzen."
erfinden wir wieder neue Worte?

Man sollte doch annehmen das es möglich ist, sich einen Windkanal zu mieten, und dann dort einfach verschiedene Konzepte durchzutesten mit zwei hintereinanderfahrenden Modellen. Dann bräuchte man nicht
die auf aktuell geschätzten Werten basiert
darauf zurückgreifen, was hat man denn noch als Alternativen vorgesehen, die Kristallkugel von Madame Olga?

Das ist doch einfach lachhaft, noch weniger professionell kann man einfach nicht agieren. Und dann
die der FIA von einem Formel-1-Team zur Verfügung gestellt wurden
doch schon ein ganzes Formel 1 Team hat die Daten zur Verfügung gestellt, etwa eines mit eigenem Windkanal, und dann auch noch eines das die Windkanalwerte versteht, ist ja heutzutage eher unüblich das die Teams die Relation zwischen Windkanal und Realität sofort verstehen.

2021 wird eine teure Totgeburt.

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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von F1_Corn » 13.11.2019, 10:24

Besseres Racing nur ohne DRS!
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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von S3Turbo » 13.11.2019, 10:42

Ich habe es vor ein paar Wochen schon geschrieben und den meisten wird es auch klar sein, das in der realität mit sicherheit nicht so viel Effekt auf der Strecke ankommt wie jetzt gerechent wird.
Es wird sich wahrscheinlich irgendwo in der mitte zwischen Vorstellung und aktuellen Autos einpendeln.

Ob das Racing damit merklich besser wird, stelle ich mal in Frage.

Da wären mir Motoren mit besserem Sound deutlich lieber gewesen...

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rot
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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von rot » 13.11.2019, 10:42

toddquinlan hat geschrieben:
13.11.2019, 09:52
2021 wird eine teure Totgeburt.
Je mehr erzählt wird, desto mehr glaube ich auch, dass das ein Schuss in den Ofen wird.

Mercedes werkelt und testet schon lange am Fahrzeug von 2021. Von Ferrari hört man nix. Redbull hat womöglich nicht die Kapazitäten und fährt damit höchstens im CFD.
Die restlichen Teams sind bestimmt auch nicht weiter...

Beim aktuellen Stand vom Fahrwerk werden die 18" Felgen auch Mercedes in die Karten spielen.

Auch wenn die Teams auf einem weissen Blatt Papier begonnen haben, so wird auch 2021 der Titel nur über Mercedes gehen.

Die Problematik mit der dirty Air ist vielleicht etwas entschärft, was nichts anderes heisst, dass 2021 das DRS im Zweikampf die tragende Rolle spielen wird. Ist ja genau das, was alle sehen wollen....


Eines frage ich mich. Was wäre, wenn man die Regeln einfach mal einfrieren würde? Das würde die Kosten doch extrem verringern? Die Teams würden doch zusammenrücken? Das derzeitige Racing ist doch okay? Ich verstehe es nicht. Seit Jahren werden die Regeln im Zuge der Kostensenkung verändert. Bewirkt hat es jedoch nur das Gegenteil. Kaum holt das Feld etwas auf und findet den richtigen Weg, kommt die FIA mit einer Regelnovelle und angeordnetem Reifenchaos... Super...

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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von modernf1bodyguard » 13.11.2019, 10:51

Naja die Aussagen sind jetzt nichts, womit man nicht hätte rechnen können, schließlich ist es nur logisch, dass etwas von dem Effekt verloren geht wenn die Teams erstmal selber agieren. Aber naja, man wollte ja keine Einheitsautos, von daher ist jegliches Rumgeheule ebenfalls überflüssig.

Realistisch betrachtet bin ich auf jeden Fall immernoch gehypt. :popcorn:
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Logi
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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von Logi » 13.11.2019, 10:57

Im Endeffekt wird es doch eh nur so, dass 2021 sehr teuer wird aber das Überholen auch nicht einfacher wird.

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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von modernf1bodyguard » 13.11.2019, 11:02

Logi hat geschrieben:
13.11.2019, 10:57
Im Endeffekt wird es doch eh nur so, dass 2021 sehr teuer wird aber das Überholen auch nicht einfacher wird.
Naja doch, es gibt nicht wirklich einen Grund, daran zu zweifeln, dass man besser kämpfen können wird.
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EffEll
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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von EffEll » 13.11.2019, 11:06

toddquinlan hat geschrieben:
13.11.2019, 09:52
das ist dennoch ein großer Patzen."
erfinden wir wieder neue Worte?
Genau das wollte ich auch kommentieren.
toddquinlan hat geschrieben:
Man sollte doch annehmen das es möglich ist, sich einen Windkanal zu mieten, und dann dort einfach verschiedene Konzepte durchzutesten mit zwei hintereinanderfahrenden Modellen. Dann bräuchte man nicht
die auf aktuell geschätzten Werten basiert
darauf zurückgreifen, was hat man denn noch als Alternativen vorgesehen, die Kristallkugel von Madame Olga?

Das ist doch einfach lachhaft, noch weniger professionell kann man einfach nicht agieren. Und dann
die der FIA von einem Formel-1-Team zur Verfügung gestellt wurden
doch schon ein ganzes Formel 1 Team hat die Daten zur Verfügung gestellt, etwa eines mit eigenem Windkanal, und dann auch noch eines das die Windkanalwerte versteht, ist ja heutzutage eher unüblich das die Teams die Relation zwischen Windkanal und Realität sofort verstehen.

2021 wird eine teure Totgeburt.
Die Daten sind doch in einem Windkanal erhoben worden. Man konnte ja auch messen, wie sich die Veränderungen hinter dem Auto auswirken, bei eben diesem einen Modell. Diese sind hier angegeben. Da jedes Team aber ein eigenes Auto baut und die Regeln noch immer einen gewissen Spielraum bieten, kann man bezogen auf das gesamte Feld nur von Schätzwerten sprechen.
Nur wenn man eine Einheitsaerodynamik vorschreibt, kann man ganz genau sagen, wie sich die Veränderung auswirkt. Zudem können sich die Messwerte in Kurvenfahrten ändern, was sich in einem Windkanal ebenfalls nicht nachstellen lässt.
Das ist der Grund warum Tombazis von Schätzwerten redet, die jedoch auf reellen Messwerten basieren. Ich sehe hier eher ein Verständlichkeitsproblem des Artikels. Man sollte nicht alle für blöd halten.
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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von LoK-hellscream » 13.11.2019, 11:49

EffEll hat geschrieben:
13.11.2019, 11:06

Die Daten sind doch in einem Windkanal erhoben worden. Man konnte ja auch messen, wie sich die Veränderungen hinter dem Auto auswirken, bei eben diesem einen Modell. Diese sind hier angegeben. Da jedes Team aber ein eigenes Auto baut und die Regeln noch immer einen gewissen Spielraum bieten, kann man bezogen auf das gesamte Feld nur von Schätzwerten sprechen.
Nur wenn man eine Einheitsaerodynamik vorschreibt, kann man ganz genau sagen, wie sich die Veränderung auswirkt. Zudem können sich die Messwerte in Kurvenfahrten ändern, was sich in einem Windkanal ebenfalls nicht nachstellen lässt.
Das ist der Grund warum Tombazis von Schätzwerten redet, die jedoch auf reellen Messwerten basieren. Ich sehe hier eher ein Verständlichkeitsproblem des Artikels. Man sollte nicht alle für blöd halten.
Richtig. Der Artikel suggeriert nun einen Schuss in den Ofen auf den viele User gleich wieder aufspringen.

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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von Sportsmann » 13.11.2019, 12:06

rot hat geschrieben:
13.11.2019, 10:42
toddquinlan hat geschrieben:
13.11.2019, 09:52
2021 wird eine teure Totgeburt.
Je mehr erzählt wird, desto mehr glaube ich auch, dass das ein Schuss in den Ofen wird.

Mercedes werkelt und testet schon lange am Fahrzeug von 2021. Von Ferrari hört man nix. Redbull hat womöglich nicht die Kapazitäten und fährt damit höchstens im CFD.
Die restlichen Teams sind bestimmt auch nicht weiter...

Beim aktuellen Stand vom Fahrwerk werden die 18" Felgen auch Mercedes in die Karten spielen.

Auch wenn die Teams auf einem weissen Blatt Papier begonnen haben, so wird auch 2021 der Titel nur über Mercedes gehen.

Die Problematik mit der dirty Air ist vielleicht etwas entschärft, was nichts anderes heisst, dass 2021 das DRS im Zweikampf die tragende Rolle spielen wird. Ist ja genau das, was alle sehen wollen....


Eines frage ich mich. Was wäre, wenn man die Regeln einfach mal einfrieren würde? Das würde die Kosten doch extrem verringern? Die Teams würden doch zusammenrücken? Das derzeitige Racing ist doch okay? Ich verstehe es nicht. Seit Jahren werden die Regeln im Zuge der Kostensenkung verändert. Bewirkt hat es jedoch nur das Gegenteil. Kaum holt das Feld etwas auf und findet den richtigen Weg, kommt die FIA mit einer Regelnovelle und angeordnetem Reifenchaos... Super...
Die Annahme dass nur weil die verwirbelte Luft geringer wird DRS mehr Relevanz hat ist insofern plausibel dass der Windschatten ggf. geringer ausfällt. Aber, wenn die Autos weniger Abtrieb haben, dann hilft womöglich auch kein DRS, wie wir an einigen Rennen mit einem pfeilschnellen Ferrari vor einem eigentlich über die Rundenzeit deutlich überlegeneren Mercedes gesehen haben. Und es kommt noch etwas hinzu, DRS ist extern bestimmt. Ergo kann man mit den Erfahrungswerten die Länge der DRS Zone steuern.
Leider werden immer wieder negative Prognosen für die Zukunft aufgestellt, leider zumeist ohne gute Begründungen und mit Kristallkugeln die ich nicht habe, da wären Gründe hilfreich damit wir ggf. das gleiche Verständnis erreichen können, Gründe, wie Forist Rot sie unten nennt, woraufhin diese aber in ihrer Aktualität/Relevanz angezweifelt werden - aber das ist Teil des Prozess zum Wissen.
2021 werden sicher viele Foristen ins meckern kommen, falls das Racing nicht von Beginn an besser wird und alle Teams auf gleichem Niveau fahren. Wichtig ist dass wir all den Schnellschützen und Traumtänzer nicht zu viel Gewicht beimessen. Es geht nicht darum, ihren Traum zu befriedigen und eine ideale F1 in der WIrklichkeit zu realisieren - denn das ist ggf. nicht möglich. Manchmal sind mittelgroße Schritte Richtung Wunschergebnis auch etwas das man positiv kommentieren kann.
Was soll man aber von solchen verfrühten Urteilen halten? Urteilen bevor es Rennen gibt? Oder Urteile, die den Bezug zu den normalen Abläufen und Entwicklungen über eine Saison ausser acht lassen, sind wenig sinnvoll. Denn genauso wie sich die Reifenprobleme vom Saisonanfang bis Saisonmitte für die meisten Teams erledigt hatten wird es auch 2021 eine steile Entwicklungskurve geben. Selbstverständlich wird Mercedes oben mitspielen. Natürlich wird auch 2021 das größere Budget noch Unterschiede zum Mittelfeld bewirken.
Und selbstverständlich werden wir in Australien nicht unendlich viele Überholmanöver sehen. Genauso wie Monaco kein Überholfestival werden wird. Daher lieber den Ball flach halten, abwarten und über die Saison sich daran erfreuen dass es tatsächlich besser wird. Vielleicht nicht gigantisch toll, aber besser. Warum? Weil viel mehr Abtrieb über den Unterboden gewonnen wird, das allein macht schon etwas aus. Es erlaubt selbst denen, die mit all den Leitblechen an der Oberseite überfordert waren, oder kein Geld für deren Entwicklung hatten, eine erhöhte Grundstabilität.
Niemand realistisches erwartet, dass jetzt jedes Rennen analog zum Fußball ein 5:1 von Frankfurt gegen Bayern wird, wir werden die üblichen 0:0 Ergebnisse mitnehmen müssen. Aber das liegt dann auch an den Strecken.
Mehr Abtrieb über den Unterboden zu generieren ist ein logischer Schritt. Entwicklungsmöglichkeiten zu nehmen, z.b. all die Bargeboards vorne, das wird zwangsläufig dafür sorgen dass die Topteams da nicht mehr eine Sekunde, sondern vielleicht nur noch 0,5 Sekunden finden. Somit muss schon ein Wunder, bzw. eine Katastrophe eintreten, dass die Abstände weiterhin bei 2s pro Runde liegen werden.

Die Kosten werden nicht geringer, egal was passiert - ausser einer erfolgreichen Budgetdeckelung. Wenn ein Wagenheber 60Tausend Euro kostet, die Schlagschrauber unbezahlbar sind, hat man Beispiele worum es geht in der F1. Um die Perfektion. Hier wird jedes Detail ausgearbeitet und das kostet. Und je mehr Detailarbeit erledigt wird, desto geringer sind zwar die Fortschritte, aber es kostet ebenfalls das volle Budget. Nur weil das Reglement gleich bleibt, würden die Kosten nicht sinken, sie würden nur in andere Bereiche fliessen - sofern nicht ein wirtschaftlich Denkender das Kommando übernähme, der bereit wäre Performance zu opfern. Da Performancegewinne sich jedoch hoffentlich über viele Saisons halten, fällt dieses Opfer schwer.
Die Konstanz des Reglements hilft zwar nicht die Kosten zu reduzieren, jedoch dabei, die Lücke der Nachzügler nach Vorne immer weiter zu schließen. Die mussten bisher aus Budgetgründen Teile der Entwicklung vernachlässigen und konnten erst im Folgejahr auch mal Detailarbeit betreiben. Wenn es viele Details sind, dann lassen sich viele halbe Zehntel finden und am Ende sinkt der Vorsprung.
Zuletzt geändert von Sportsmann am 13.11.2019, 13:34, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von rot » 13.11.2019, 12:08

LoK-hellscream hat geschrieben:
13.11.2019, 11:49
EffEll hat geschrieben:
13.11.2019, 11:06

Die Daten sind doch in einem Windkanal erhoben worden. Man konnte ja auch messen, wie sich die Veränderungen hinter dem Auto auswirken, bei eben diesem einen Modell. Diese sind hier angegeben. Da jedes Team aber ein eigenes Auto baut und die Regeln noch immer einen gewissen Spielraum bieten, kann man bezogen auf das gesamte Feld nur von Schätzwerten sprechen.
Nur wenn man eine Einheitsaerodynamik vorschreibt, kann man ganz genau sagen, wie sich die Veränderung auswirkt. Zudem können sich die Messwerte in Kurvenfahrten ändern, was sich in einem Windkanal ebenfalls nicht nachstellen lässt.
Das ist der Grund warum Tombazis von Schätzwerten redet, die jedoch auf reellen Messwerten basieren. Ich sehe hier eher ein Verständlichkeitsproblem des Artikels. Man sollte nicht alle für blöd halten.
Richtig. Der Artikel suggeriert nun einen Schuss in den Ofen auf den viele User gleich wieder aufspringen.
Nein, nicht wirklich. Man nehme z.B. die F1 von 1994. Die Autos waren noch einfacher gestrickt als sie es 2021 sein werden. Um Jahr 2000 rum wurde viel vom Abtrieb durch den Unterboden generiert. Wirklich im Windschatten konnten die damals einander auch nicht folgen unter gleichen Gegebenheiten wie Reifen und Benzin. Warum sollte es 2021 also besser werden?
Dafür sind die Ansätze viel zu gering.

Ich würde mich ja freuen, wenn es denn so kommt wie bei den Studien. Ein Schritt wurde heuer ja getan. Geändert hat sich grundlegend ja nicht viel.

Dabei muss man den Artikel ja nicht pessimistisch auffassen, zumal die Erfahrung eher zeigt, dass sich nicht viel ändern wird ausser der Optik.

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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von LoK-hellscream » 13.11.2019, 13:21

rot hat geschrieben:
13.11.2019, 12:08

Nein, nicht wirklich. Man nehme z.B. die F1 von 1994. Die Autos waren noch einfacher gestrickt als sie es 2021 sein werden. Um Jahr 2000 rum wurde viel vom Abtrieb durch den Unterboden generiert. Wirklich im Windschatten konnten die damals einander auch nicht folgen unter gleichen Gegebenheiten wie Reifen und Benzin. Warum sollte es 2021 also besser werden?
Dafür sind die Ansätze viel zu gering.

Ich würde mich ja freuen, wenn es denn so kommt wie bei den Studien. Ein Schritt wurde heuer ja getan. Geändert hat sich grundlegend ja nicht viel.

Dabei muss man den Artikel ja nicht pessimistisch auffassen, zumal die Erfahrung eher zeigt, dass sich nicht viel ändern wird ausser der Optik.
Da würde ich gerne deine Ausführungen noch etwas erläutert haben, woher du die Ahnung nimmst, dass die Daten zu früheren Autos auch nur im Geringsten vergleichbar sind, zumal der Ground Effect so stark verwendet werden darf, wie schon seit den 80ern nicht mehr.

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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von afa1515 » 13.11.2019, 13:23

rot hat geschrieben:
13.11.2019, 10:42
Die Problematik mit der dirty Air ist vielleicht etwas entschärft, was nichts anderes heisst, dass 2021 das DRS im Zweikampf die tragende Rolle spielen wird. Ist ja genau das, was alle sehen wollen....

Aber das DRS spielt doch jetzt auch schon die tragende Rolle beim Überholen. Wenn die Dirty Air allerdings reduziert wird, dann besteht auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir Überholmanöver an unüblichen Stellen sehen werden.

Inwiefern würden die Teams zusammenrücken, wenn die Regeln gleich bleiben? Dann dominiert halt weiterhin Mercedes und Ferrari bzw. Red Bull stauben ab und an mal einen Sieg ab.

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Re: Analyse: Wie realistisch ist die FIA-Prognose für 2021?

Beitrag von Formel-1-Fan » 13.11.2019, 13:28

rot hat geschrieben:
13.11.2019, 12:08
LoK-hellscream hat geschrieben:
13.11.2019, 11:49
EffEll hat geschrieben:
13.11.2019, 11:06

Die Daten sind doch in einem Windkanal erhoben worden. Man konnte ja auch messen, wie sich die Veränderungen hinter dem Auto auswirken, bei eben diesem einen Modell. Diese sind hier angegeben. Da jedes Team aber ein eigenes Auto baut und die Regeln noch immer einen gewissen Spielraum bieten, kann man bezogen auf das gesamte Feld nur von Schätzwerten sprechen.
Nur wenn man eine Einheitsaerodynamik vorschreibt, kann man ganz genau sagen, wie sich die Veränderung auswirkt. Zudem können sich die Messwerte in Kurvenfahrten ändern, was sich in einem Windkanal ebenfalls nicht nachstellen lässt.
Das ist der Grund warum Tombazis von Schätzwerten redet, die jedoch auf reellen Messwerten basieren. Ich sehe hier eher ein Verständlichkeitsproblem des Artikels. Man sollte nicht alle für blöd halten.
Richtig. Der Artikel suggeriert nun einen Schuss in den Ofen auf den viele User gleich wieder aufspringen.
Nein, nicht wirklich. Man nehme z.B. die F1 von 1994. Die Autos waren noch einfacher gestrickt als sie es 2021 sein werden. Um Jahr 2000 rum wurde viel vom Abtrieb durch den Unterboden generiert. Wirklich im Windschatten konnten die damals einander auch nicht folgen unter gleichen Gegebenheiten wie Reifen und Benzin. Warum sollte es 2021 also besser werden?
Dafür sind die Ansätze viel zu gering.

Ich würde mich ja freuen, wenn es denn so kommt wie bei den Studien. Ein Schritt wurde heuer ja getan. Geändert hat sich grundlegend ja nicht viel.

Dabei muss man den Artikel ja nicht pessimistisch auffassen, zumal die Erfahrung eher zeigt, dass sich nicht viel ändern wird ausser der Optik.
Ganz einfach aus dem Grunde, dass man auch um die Jahrtausendwende weit entfernt davon war, bezüglich des durch den Unterboden generierten Abtriebs von einem Bodeneffekt reden zu können, der deutlich größere Teil wurde auch damals über die Flügel generiert. Das letzte Mal, dass der im Vergleich zu den Flügeln höhere Abtrieb durch den Unterboden generiert wurde, war 1982, als unter anderem das Weltmeisterauto dieser Saison komplett ohne Frontflügel auskam. Erst das Schürzenverbot und die zur Verhinderung eines (zu krassen) Bodeneffekts allgemeinen strengen Limitierungen der Unterbodenentwicklung haben die Entwicklung des heutigen "Flügelsalats" richtig eingeläutet.

Gerade die Flügel aber, insbesondere der Frontflügel, haben die Eigenschaft, Luftverwirbelungen erstens im Vergleich zum Unterboden stärker zu generieren und zweitens vor allen Dingen deutlich anfälliger auf diese zu reagieren. Erste Beschwerden, man könne einem Gegner durch schnelle Kurven nicht dicht folgen, ließen ja dann auch tatsächlich (relativ gesehen) nicht lang auf sich warten. Senna hat dies bekanntlich 1990 schon angemerkt.


Berechtigeter Grund zu der Hoffnung, dass sich die Sitution des Hinterherfahrens durch schnelle Kurven ab 2021 erheblich bessert, besteht also schon. Nur ob dies auch in dem Maße sein wird, wie die Grafik es darstellt, ist eine andere Frage. Dass diese auch nur auf Simulationen mit einem oder meinetwegen auch mehreren Modellen basiert, die dann aber allesamt die Entwicklung auch über die Saison durch die einzelnen Teams nicht berücksichtigen konnten, ist und war denke ich jedem klar. Aber selbst wenn der Effekt nur halb so hoch ausfallen sollte wie in der Grafik - was tatsächlich zumindest nach meinem Bauchgefühl schon eine sehr pessimistische Annahme wäre - so wäre es jedenfalls im Vergleich zur jetzigen Situation immer noch eine erhebliche Verbesserung.

Welche Rolle das DRS dann im Zweikampf spielen wird, steht derzeit noch in den Sternen. Habe ich mich zuerst noch geärgert, dass seine Abschaffung nicht Teil der Regeländerung ist, so ist es doch gerade vor dem Hintergrund der Ungewissheit über die genauen Auswirkungen der neuen Regeln auf das Hinterherfahren eine gute Hintertür, die man sich wohl für den Fall offen halten wollte, dass der erhoffte Effekt doch nicht eintreten sollte. Sollte sich die Situation des Hinterherfahrens tatsächlich wie erhofft verbessern, ließe sich eine faktische DRS-Abschaffung immer noch durch schlichte Nichtfreigabe im Rennen umsetzen, ohne dass es hierfür einer formellen Regeländerung bedürfte. Sollte dies nach dem Reglement nicht möglich sein, gäbe es noch die Möglichkeit, die DRS-Zonen absichtlich so festzulegen, dass sie nichts nützen.
Zuletzt geändert von Formel-1-Fan am 14.11.2019, 09:49, insgesamt 1-mal geändert.

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