Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Kommentiere hier die aktuellen News aus der Formel 1

Moderator: Mods

Antworten
Redaktion
Vize-Weltmeister
Vize-Weltmeister
Beiträge: 6156
Registriert: 12.09.2007, 17:33

Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von Redaktion » 18.10.2019, 17:00

Die Fahrer fordern bei Änderungen an der Strecke Mitspracherecht - Neue Formel-1-Strecken mit weitem Asphaltauslauf "nicht das, was wir wollen" © LAT Die Formel-1-Fahrer wünschen sich wieder natürliche Streckenbegrenzungen Suzuka ist für viele Fahrer eine der Lieblingsstrecken im Kalender. Einerseits wegen des Layouts und andererseits wegen der Gefahr, die die Strecke versprüht. Zwei Wochen zuvor begrüßte die Piloten in Sotschi noch eine Asphaltwüste, doch der Kurs in Japan versprüht noch den alten Charme mit Gras und Kiesbett am Rand der Strecke.

Geht es nach den Fahrern, dann soll sich das auch nicht ändern: "Das macht es aufregender und furchteinflößender", sagt Daniel Ricciardo und denkt dabei vor allem an die schnellen Kurven, wo man sofort rausgezogen werden würde, wenn man mit einem Rad auf das Gras kommen würde. "Wenn man dort Asphalt hinmachen würde, dann würde das eine Menge nehmen. Ich hoffe, dass sie das nie tun werden."

Die Worte des Renault-Piloten kommen nicht ohne Grund. Klassiker wie Spa-Francorchamps sind für viele Piloten nicht mehr das gleiche, weil man Kurven wie Eau Rouge oder Puhon großzügig asphaltiert hat. Neue Strecken sind heutzutage in aller Regel schon im Auslieferungszustand große Parkplätze.Grosjean: Asphalt "nicht, was wir wollen""Ich weiß, dass eine Strecke zu bauen viel schwieriger ist, als es aussieht", sagt Romain Grosjean, "aber definitiv waren einige der neueren nicht mehr so aufregend." Das liege eben vor allem an den Auslaufzonen. "Das ist nicht, was wir wollen", betont der Haas-Pilot.Darum gab es auch zuletzt immer wieder Diskussionen um die Auslaufzonen, vor allem weil es in Spa und Sotschi zu schweren Unfällen in der Formel 2 gekommen war, weil Piloten auf dem Asphaltauslauf einfach mit Vollgas weiterfahren konnten. Auf einigen Strecken wie Silverstone wurden zuletzt sogar wieder weitere Kiesbetten installiert.

"Ich weiß gar nicht genau, warum wir mehr Asphalt und weniger Kies haben", sagt Lando Norris. "Vor Kies hätten wir etwas mehr Angst." Das Problem ist, dass viele Strecken auch von der MotoGP befahren werden, die aus Sicherheitsgründen Asphalt bevorzugen. Sicherheit ist auch in der Formel 1 ein Thema: Ein Argument gegen Kies ist, dass sich Autos dort überschlagen können - auch wenn ein Überschlag viel Energie abbaut.Norris mit einigen VorschlägenDas Thema Sicherheit ist für Norris dabei aber nur ein vorgeschobenes: Denn auf Strecken wie Suzuka gebe es auch schnelle Kurven, bei denen nur Kies und Gras außen ist. "Warum haben wir das also nicht auch bei anderen Strecken, auf denen langsamer gefahren wird?" Fotostrecke: Neue Formel-1-Strecken seit 2000 © LAT 24.09.2000: Grand Prix der USA in Indianapolis. Das erste Premierenrennen der Formel 1 nach der Jahrtausendwende ist eigentlich keines. Einen Großen Preis der USA hatten schon mehrere Rennstrecken ausgerichtet, und zwischen 1950 und 1960 zählte das Indianapolis 500 zur Formel 1. Doch 2000 gingen die Piloten erstmals auf der 4,129 Kilometer langen Strecke an den Start, die das berühmte Oval mit einem Straßenkurs verbindet. Hier kommen Interessen von Sponsoren und Fans an der Strecke ins Spiel. Die Verantwortlichen wollen, dass möglichst viele Autos lange mitfahren. Steckt ein Auto hingegen vorzeitig im Kies fest, dann fehlt es für den Rest des Rennens.

Trotzdem würde sich Norris eine alternative Lösung wünschen und hätte da auch ein paar Ideen: abwechselnde Streifen von Kies und Asphalt um die Strecke oder ein breiter Streifen Kies, hinter dem der Asphalt folgen kann. "Oder man macht zwei Meter Gras um die ganze Strecke, dann zwei Meter Kies und danach Asphalt. Einfach nur, damit man etwas hat, vor dem man sich fürchtet", so der McLaren-Pilot.Fahrer wollen befragt werdenAuf alle Fälle haben die Fahrer bereits mehr Mitspracherecht eingefordert: "Wir haben darum gebeten, konsultiert zu werden, wenn sie den Asphalt, die Randsteine oder sonst irgendetwas verändern wollen", erklärt Grosjean, der einer der Vorsitzenden der Fahrergewerkschaft GPDA ist.

Einige Male konnten so schon Modernisierungen verhindert werden. Als der Albert Park Circuit in Melbourne neu asphaltiert werden sollte, waren die Fahrer dagegen. Zwar war der Kurs an manchen Stellen recht uneben, aber das finden viele Piloten gerade gut, weil es den Charakter einer Strecke ausmacht."In Brasilien haben sie einmal die Randsteine verändert, und wir waren die ersten, die gefragt haben, was das soll", erinnert sich Grosjean. Als die Antwort kam, dass sie nicht mehr gut aussahen, entgegneten sie: "Aber wir lieben sie. Sie sind Teil der Streckencharakteristik."

Damals war der mittlerweile verstorbene Renndirektor Charlie Whiting in der Verantwortung. "Charlie hat meistens gesagt: 'Sorry, das haben wir nicht so gesehen'", meint Grosjean. Seit dieser Saison ist Nachfolger Michael Masi an der Macht. "Jetzt haben wir eine bessere Beziehung zur FIA, wie die Veränderungen aussehen sollen, was wir wollen, was in Ordnung ist und was verändert werden muss."
Link zum Newseintrag
Zuletzt geändert von Redaktion am 18.10.2019, 17:12, insgesamt 5-mal geändert.
Grund: EXT TRIGGER

Benutzeravatar
RacingForEver
F1-Pilot
F1-Pilot
Beiträge: 2821
Registriert: 23.04.2012, 14:32
Lieblingsfahrer: Daniel Ricciardo
Lieblingsteam: Renault
Wohnort: Niedersachsen

Re: Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von RacingForEver » 18.10.2019, 17:23

Jaja, wer kennt sie nicht, die großen Motorradstrecken Sotschi, Spa-Francorchamps, Abu Dhabi oder Sao Paulo. Ach - Moment, da fahren die ja gar nicht. Sicher der weitläufigen Kiesbetten wegen.

Sehr wohl fährt die MotoGP aber beispielsweise in Barcelona; eine Strecke, in deren schnellster Kurve ebenfalls ein Kiesbett lauert. Aber da muss man nun der harten Realität auch ins Gesicht blicken: In Barcelona ist erst vor ein paar Jahren ein Motorradfahrer tragisch verunglückt.
Das stimmt. Und zwar in einer der wenigen Asphaltauslaufzonen der Strecke, weil er auf dem Asphalt ungebremst in die Bande rutschte, und sein Motorrad gleich hinterher.

Aber lasst euch nicht verunsichern: Her mit dem Asphaltauslauf, lasst die Fahrer Vollgas fahren, wo sie Vollgas fahren wollen. Anthoine Hubert und Juan Manuel Correa gefällt das.
Oh, das ist vielleicht doch nicht immer eine glückliche Alternative? Nun, dann bremst man sie eben anders, zum Beispiel durch lustige, kleine Rampen, die ab und an auch mal für Mittelstreckenflüge mit erstaunlich niedrigen CO2-Emissionen sorgen können. Solche nämlich:

https://www.youtube.com/watch?v=AuvHv_VRUM8

Gerade nach diesem Jahr ist es nichts anderes als blanker Zynismus, die Asphaltauslaufzonen noch mit Sicherheit rechtfertigen zu wollen. Sie sorgen für Unklarheiten, für Diskussionen, für unsauberes Fahren, für größere Risiken vonseiten der Fahrer, für eintönige Parkplätze.

Der eine, einzige Grund für Asphaltauslaufzonen, ihr wahrer Geburtshelfer, steht immerhin auch im Text: Schnöder Mammon, um länger und besser werben zu können, weil die gestrandete BWT-Litfaßsäule, die ab Runde 20 nicht mehr im Bild zu sehen ist, nun einmal in Sachen Werbewert nicht wünschenswert ist.

Es lebe der Sport.

Benutzeravatar
Pentar
Mehrfacher Champion
Mehrfacher Champion
Beiträge: 10000
Registriert: 01.02.2015, 20:58
Lieblingsfahrer: MSC|ALO|HAK|RIC
Wohnort: Stuttgart

Re: Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von Pentar » 18.10.2019, 17:56

Ich finde das Worte "Furcht" (mehrmals im Artikel zu finden) in diesem Zusammenhang völlig unpassend.
"Respekt" wäre meines Erachtens die bessere Wortwahl - oder sehe ich das falsch?

Benutzeravatar
Marshall60010000
Simulatorfahrer
Beiträge: 691
Registriert: 06.01.2013, 08:11

Re: Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von Marshall60010000 » 18.10.2019, 18:01

Im ersten Augenblick hört sich das doch sehr positiv an, wie die Fahrer sich äussern. Nur : wie ernst ist das tatsächlich gemeint ?

Der Weg zurück zum Kiesbett heisst, dass die Fahrer sich wieder vermehrt in Situationen wiederfinden werden, wo 1 kleiner Fehler das sofortige Aus bedeutet.

Wenn ich mir aber ansehe, wieviele Fahrer sich nach dem Rennen in Hockenheim noch beschwert haben, dann fällt es mir äusserst schwer die Aussagen im Artikel wirklich ernst zu nehmen.
Man sollte stets Theorien an Fakten anpassen, und nicht Fakten an Theorien.
( Sherlock Holmes )

abloo
Rookie
Rookie
Beiträge: 1958
Registriert: 20.08.2011, 18:34

Re: Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von abloo » 18.10.2019, 18:05

RacingForEver hat geschrieben: Der eine, einzige Grund für Asphaltauslaufzonen, ihr wahrer Geburtshelfer, steht immerhin auch im Text: Schnöder Mammon, um länger und besser werben zu können, weil die gestrandete BWT-Litfaßsäule, die ab Runde 20 nicht mehr im Bild zu sehen ist, nun einmal in Sachen Werbewert nicht wünschenswert ist.

Es lebe der Sport.
100% Zustimmung. Aber was nicht erwähnt wird. Macht einfach mehr Bandenwerbung. Das "never drink and drive" verliert in der Menge ja auch etwas an Wirkung....

Benutzeravatar
Pentar
Mehrfacher Champion
Mehrfacher Champion
Beiträge: 10000
Registriert: 01.02.2015, 20:58
Lieblingsfahrer: MSC|ALO|HAK|RIC
Wohnort: Stuttgart

Re: Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von Pentar » 18.10.2019, 18:14

RacingForEver hat geschrieben:...Oh, das ist vielleicht doch nicht immer eine glückliche Alternative? Nun, dann bremst man sie eben anders, zum Beispiel durch lustige, kleine Rampen, die ab und an auch mal für Mittelstreckenflüge mit erstaunlich niedrigen CO2-Emissionen sorgen können. Solche nämlich: ...
Dieser absolute Horrorcrash in Monza hätte auch ganz anders ausgehen können - und ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Begrenzungen & Auslaufzonen bis heute nicht ideal für jede einzelne Kurve in der Formel-1 optimiert sind...

Benutzeravatar
evosenator
Formel1.de-Legende
Formel1.de-Legende
Beiträge: 29788
Registriert: 23.03.2008, 23:51
Lieblingsfahrer: Lec,Vet,Ham
Lieblingsteam: Ferrari
Wohnort: Zürich
Kontaktdaten:

Re: Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von evosenator » 18.10.2019, 18:42

Man hätte schon längst mehr auf die Protaginisten hören sollen !!!

Benutzeravatar
Spocki
Rookie
Rookie
Beiträge: 1639
Registriert: 01.08.2014, 11:26
Lieblingsfahrer: Vettel, Magnussen
Lieblingsteam: Arrows

Re: Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von Spocki » 18.10.2019, 18:52

evosenator hat geschrieben:Man hätte schon längst mehr auf die Protaginisten hören sollen !!!
Leider kommt dann aber Mr. Safetyfirstbeforeanything Wurz um die Ecke und sagt das sei aber absolut richtig so weil sonst viel viel zu gefährlich. Das Auto könnte sich ja überschlagen können und das würde Aua Aua für den Fahrer bedeuten..
Bild
Bild
Bild

Benutzeravatar
evosenator
Formel1.de-Legende
Formel1.de-Legende
Beiträge: 29788
Registriert: 23.03.2008, 23:51
Lieblingsfahrer: Lec,Vet,Ham
Lieblingsteam: Ferrari
Wohnort: Zürich
Kontaktdaten:

Re: Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von evosenator » 18.10.2019, 19:05

Spocki hat geschrieben:Mr. Safetyfirstbeforeanything
:rofl:

Benutzeravatar
Hoto
Weltmeister
Weltmeister
Beiträge: 9622
Registriert: 30.10.2009, 11:35
Lieblingsfahrer: Hülk Ver Lec Ric Ham Kimi

Re: Mehr Kies, weniger Asphalt: Fahrer wollen Mitspracherecht

Beitrag von Hoto » 19.10.2019, 04:39

So sehr ich den Fahrern auch im Punkt Kiesbetten zustimme, aber Fahrern mehr Mitspracherechte zu geben, nach dem die Teams schon viel zu viel Mitreden, wäre das dümmste was man tun könnte. Ein Anhörungsrecht, ja, aber kein Mitspracherecht. Der Unterschied sollte klar sein.

Antworten