Ohne Regeln geht es nun einmal nicht! Aber welche braucht man?

Was läuft in der Formel 1 Szene?

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reiskocher_gtr_specv
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Ohne Regeln geht es nun einmal nicht! Aber welche braucht man?

Beitragvon reiskocher_gtr_specv » 20.06.2019, 12:01

Hallo, liebes Forum.

Seit dem Kanada GP 2019 und der 5 Sekundenstrafe gegen VET ebbt die Diskussion bzgl. Umfang von Strafen und Regeln, der Konsistenz bei der Beurteilung von Vorfällen (incidents) seitens der Stewards sowie der Kompetenz der FIA Stewards und auch einiger Experten nicht ab.

Mein Standpunkt in dieser Sache ist, dass man die Strafe gegen VET geben kann, aber nicht muss (ich hätte sie nicht gegeben). Auslöser der Situation war ein Fahrfehler von VET, ggf. ausgelöst durch den Druck von HAM. VET fuhr danach zurück auf die Strecke und es kam zu einer Situation mit HAM, der auflief, reagieren musste und dies auch tat. Bewertet wurde das im FIA Urteil als unsichere Rückkehr auf die Strecke und Abdrängen von HAM durch VET.

Evtl. vergleichbare Situationen wurden ausgiebig thematisiert. Monaco 16 (HAM/RIC), Spa 18 (VER/RAI) usw. usw. und es gibt unterschiedliche Meinungen dazu, was auch völlig legitim ist.

Quintessenz/Tenor bei einem Großteil der Foristen, Medien und Experten (glaube ich jedenfalls, es so vernommen zu haben) ist, dass es einfach zu viele Regeln und darauf folgende Strafen gibt, weil diese "racing verhindern". Ich sehe das inzwischen ganz ähnlich, wobei ich bspw. zwischen Vorfällen in der Box wie bei VER in Monaco und auf der Strecke unterscheiden würde (weil in der pitlane ungeschützt Menschen stehen, auf der Strecke eher nicht).

Aber sei's drum. Kritik ist gut, aber man sollte als F1 Fan auch definieren können, wie man es gerne zukünftig geregelt hätte.
Mich würde daher völlig losgelöst von diesem konkreten Fall interessieren, welche Vergehen ihr, wenn überhaupt, wie ahnden würdet, also was man in einen revidierten, verkürzten Regel- und Strafenkatalog aufnehmen sollte.

Da es schwierig ist, das bis in's kleinste Detail herunterzubrechen, wie es aktuell in den F1 sporting regulations, dem international sporting code et al, gemacht wird, würde mich interessieren, wie ihr zu bestrafende Vorfälle anhand von Situationen definiert.

Als Beispiele würde ich von meiner Seite das unsägliche "weaving under braking" wie von RIC vs. BOT in Kanada praktiziert (ehemalige "lex VER", kreuz gefährlich) oder das absichtliche Abräumen eines Gegner wie bei Senna/Prost oder MSC/Villeneuve nennen (weil unsportlich).

Michael Schmidt von der AMS hat in seinem letzten Blog:
https://www.auto-motor-und-sport.de/for ... og-regeln/

weitere Beispiele genannt, die nicht bestraft wurden, es heute aber würden und umgekehrt. Ich stimme dem Blog im Prinzip zu, Lösungen bietet es aber auch nicht.

Denkt Euch was aus, es würde mich interessieren.
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meanmc
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Re: Ohne Regeln geht es nun einmal nicht! Aber welche braucht man?

Beitragvon meanmc » 20.06.2019, 13:58

Aus meiner Sicht ist es doch recht einfach - heult kein Fahrer oder Team rum, können sie - nahezu - fahren wie sie wollen!!

-> beabsichtigte Abschüsse, die nachweisbar sind - was ja zudem recht schwierig ist - wie bei Prost/Senna 89, Senna/Prost 90 oder Schumacher/Villeneuve 97, Mansell/Senna 89 etc. sollten auf alle Fälle Strafen nach sich ziehen!
Sowas hat in der F1 nichts verloren...

Da die Fahrer/Teams aber "rumheulen", wird man Regeln aufstellen müssen, damit man dem "Rumgeheule" - vor allem der Fahrer - Rechnung trägt.

-> weshalb solche Diskussionen, wie zuletzt, ja auch völlig albern sind. Schließlich tragen ALLE Fahrer und Teams dazu bei, dass es solche Strafen gibt!

Die FIA - auch wenn es ein Scheinargument ist - kommt ja hier allenfalls mit der Sicherheit ums Eck...

Da mittlerweilen ein Ausritt neben die Strecke kaum mehr durch Kiesbett und ähnliches bestraft wird, ist es generell nicht verkehrt, Strafen auszusprechen, wenn ein Abkommen von der Strecke "keine Auswirkung" mehr hat.

-> schließlich ist auf der Strecke zu fahren und nicht daneben!

Fazit:
Hier läßt sich keine Änderung herbeiführen, und die bestehenden Strafen - siehe Kanada 19 - werden auch völlig zu Recht ausgesprochen!

Einzige Lösung wäre, dass man die Fahrer wieder dazu "zwingt" auf der Strecke zu bleiben. Ein kluger Kopf könnte das Problem sicher lösen...

Unter Strafe würde ich aber weiterhin solche Aktionen wie in Kanada 19 stellen. Ein Fahrfehler darf nicht dazu führen, dass ich einen Vorteil behalte!

Ansonsten:

Ich hätte schon längst alle anderen Strafen (Motor, Getriebe etc.) abgeschafft. So einen Blödsinn gab es nicht, als ich in die F1 eingestiegen bin.

Ähnlich verhält es sich mit Behinderungen z. B. in der Quali, solange sie nicht "völlig offensichtlich bzw. beabsichtigt sind" -> siehe M. Schumacher Monaco 2006

-> hier ist nur das Rumgeheule der Fahrer und Teams das Problem. Schau ich mir manche Quali-Runde von Senna an, die zur Pole reichte, überholte er teils selbst in Monaco Gegner dabei. Überholt (!) er sie wohlgemerkt...

Gesamtfazit:


Die F1 hat sich doch durch ihr eigenes Streben in diesen sinnfreien Strafenwahn begeben. Die Fahrer heulen und heulen, die Teams tun es ihnen gleich, man gibt Unmengen von Geld aus bzw. schafft es nicht ein Konzept aufzustellen, dass sich kleine Teams die F1 leisten können.

Dann baut man Strecken so (um), dass auch 17-jährige oder Milliardärssöhne problemlos drauf fahren können - weil ja angeblich die Sicherheit so wichtig wäre, und hinter vorgehaltener Hand tuschelt das TV "wir wollen halt keine Ausfälle mehr" - etwas, was die F1 Rennen früher wenigstens noch spannend gemacht hat.

All das ist der Grund, wieso manche Strafen unerlässlich geworden sind.. da muss sich kein Beteiligter aufregen!!!
(auf die aktuelle Formel1-Situation bezogen)
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Re: Ohne Regeln geht es nun einmal nicht! Aber welche braucht man?

Beitragvon mamoe » 20.06.2019, 15:46

meanmc hat geschrieben:

Da die Fahrer/Teams aber "rumheulen", wird man Regeln aufstellen müssen, damit man dem "Rumgeheule" - vor allem der Fahrer - Rechnung trägt.

-> weshalb solche Diskussionen, wie zuletzt, ja auch völlig albern sind. Schließlich tragen ALLE Fahrer und Teams dazu bei, dass es solche Strafen gibt!

Die FIA - auch wenn es ein Scheinargument ist - kommt ja hier allenfalls mit der Sicherheit ums Eck...



Unter Strafe würde ich aber weiterhin solche Aktionen wie in Kanada 19 stellen. Ein Fahrfehler darf nicht dazu führen, dass ich einen Vorteil behalte!

Ansonsten:

Ich hätte schon längst alle anderen Strafen (Motor, Getriebe etc.) abgeschafft. So einen Blödsinn gab es nicht, als ich in die F1 eingestiegen bin.


-> hier ist nur das Rumgeheule der Fahrer und Teams das Problem. Schau ich mir manche Quali-Runde von Senna an, die zur Pole reichte, überholte er teils selbst in Monaco Gegner dabei. Überholt (!) er sie wohlgemerkt...

Gesamtfazit:


Die F1 hat sich doch durch ihr eigenes Streben in diesen sinnfreien Strafenwahn begeben. Die Fahrer heulen und heulen, die Teams tun es ihnen gleich, man gibt Unmengen von Geld aus bzw. schafft es nicht ein Konzept aufzustellen, dass sich kleine Teams die F1 leisten können.


kurz aus dem kontext gerissen, aber
das fand ich alles sehr gut
klein-, groß- sowie rechtschreibfehler sind beabsichtigt und führen bei logischer
verbindung zu einem code, mit welchem man einen schatz findet!

Michael Schumacher will always be the greatest!
http://www.youtube.com/watch?v=Ka5FCLy14Uw
1994-1995-2000-2001-2002-2003-2004

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Re: Ohne Regeln geht es nun einmal nicht! Aber welche braucht man?

Beitragvon Formel-1-Fan » 21.06.2019, 13:09

Schnell gesagt: So wie in der NASCAR. Sprich - bezogen auf Kollisionen - nur die offensichtlich vorsätzlichen, grob boshaften Rammstöße bestrafen. Gut, vielleicht nicht ganz so krass wie in der NASCAR, wo es schon an die Grenze zur vorsätzlichen Körperverletzung gehen muss, aber ihr versteht hoffentlich, was ich meine. Und ja, ich bin auch der Meinung, dass Spurwechsel beliebig oft erlaubt sein sollte, ebenso wie "squeezen".

Was Abkürzen betrifft, wird es schon schwieriger. Es sollte grundsätzlich bestraft werden, durch das Verlassen der Strecke einen Vorteil erlangt und nicht zurückgegeben zu haben. Das schließt ausdrücklich auch Szenarien wie den Start in Mexiko 2016 ein, wo Hamilton nur durch das Auslassen der ersten Kurven vorne geblieben ist. Mit Kiesbetten allerdings würde sich die Diskussion erübrigen.

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Re: Ohne Regeln geht es nun einmal nicht! Aber welche braucht man?

Beitragvon scott 90 » 21.06.2019, 16:45

Um es dieses mal kurz zu machen, es gibt tatsächlich User in diesem Forum die meine ausschweifenden Post kurz und prägnant zusammenfassen können. XP
viewtopic.php?f=43&t=61858#p2063118

Nur um dann natürlich noch ein zwei Punkte anzufügen. Nummer eins, die Regel wurde wahrscheinlich nicht geschrieben um genau diesen Vorfall zu bestrafen. Und es gibt ja auch Leute, die meinten sie hätten als Steward anders entschieden. Die Basis wäre in meinen Augen dafür dünn, selbst wenn hier viele mit Absicht argumentieren, steht nicht Reglement, dass das einen Unterschied macht.
Und selbst wenn, mein Verweis auf die Handspielproblematik im Fußball (Da gibt es noch mehr Beispiele), steht ja sinnbildlich dafür, dass das nicht alle Probleme löst und in diesem Fall wahrscheinlich zu weiteren Diskussionen führt. Völlig sinnfrei und über regulierend ist diese Regel in meinen Augen nicht, und die Schiedsrichter müssen am Ende auch eine Entscheidung fällen. Mit der kann man nicht einverstanden sein, aber im Fußball heißt es dann, den kann man geben, muss man aber nicht. Damit hat sich die Sache dann, nicht für alle, aber für die Mehrheit.
Nummer zwei, es gab im Sport aber auch in der F1 (vor allem während der sogenannten goldenen Ära) viel strittigere Entscheidungen. Da erscheint die Aufregung überverhältnismäßig.

So das war's dann aber auch.
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Re: Ohne Regeln geht es nun einmal nicht! Aber welche braucht man?

Beitragvon toddquinlan » 27.06.2019, 14:56

Nascar ist ein denkbar ungünstiges Beispiel, diese Art Kontakt würden in der Formel 1 doch in 9 von 10 Fällen zu einem Boxenbesuch/Ausfall führen. Im Gegensatz zu anderen ist Motorsport für mich kein Kontaktsport; ich weiss das ein Christian Menzel anders darüber denkt aber ich denke auch er bezieht sich da eher auf Tourenwagen ohne offen stehende Räder.
Die Ricciardoaktion hat mich auch aufgeregt, habe ich während des Rennens auch kommentiert, hätte es Verstappen gemacht wären hier einige wieder steil gegangen, aber Grinsebob kommt damit durch, beim Forenvolk und bei der Rennleitung.
Können die Fahrer in ihren Mini-Rückspiegeln immer genau abschätzen wie nah der Hinterherfahrende ist, und mit wieviel Überschussgeschwindigkeit er ankommt? Muss jetzt immer stillgehalten werden, darf man einmal Spur wechseln, oder zweimal, oder öfter? Diese Diskussion hatten wir schon sehr oft, und es wurden auch schon Regeln geändert.

Ich habe leider keine Antwort darauf wie man das elegant und für jeden zufriedenstellend lösen kann.

Ansonsten sähe ich gerne eine Regel extrem verschärft: Track Limits
Egal wie, egal wo, sobald die zwei Reifen einer Seite die Track Limits überschreiten, muss der vorneweg Fahrende den hinterher Fahrenden vorbeilassen. Ist keiner hinter ihm, plus fünf Sekunden.

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Re: Ohne Regeln geht es nun einmal nicht! Aber welche braucht man?

Beitragvon daSilvaRC » 01.07.2019, 11:01

toddquinlan hat geschrieben:
Ansonsten sähe ich gerne eine Regel extrem verschärft: Track Limits
Egal wie, egal wo, sobald die zwei Reifen einer Seite die Track Limits überschreiten, muss der vorneweg Fahrende den hinterher Fahrenden vorbeilassen. Ist keiner hinter ihm, plus fünf Sekunden.



Mit solchen dingen haste aber immer ne gewisse auslegung dabei. Ich fand immer schon diese Gelben baguettes in Spielberg klasse:
Du garfst da gerne drüber fahren, machst du dir die karre kaputt ist das dein Problem- bleibst du denen fern, bleibt dein Auto heil.
Eine deutlich bessere Lösung als jede Strafe dieser welt die ein Steward aussprechen kann.
Früher war alles besser... auch die Zukunft!

„Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“


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