Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Was läuft in der Formel 1 Szene?

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Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Brod » 24.06.2016, 22:47

Was macht man als niedergeschlagener Fan, wenn es für den Lieblingsfahrer nicht läuft? Richtig, man flüchtet sich in die Vergangenheit - in eine Zeit, die man heute vielleicht ab und zu vermisst, die man damals vielleicht zu wenig genossen hat oder vielleicht auch etwas zu wenig kritisierte.

Woran erinnert man sich als Alonso-Fan am liebsten? 2006, richtig? Zumindest nicht falsch. Aber nicht immer ist die erfolgreichste Zeit eines Fahrers, die interessanteste. Während man 2005 und 2006 feierte und mit der Zeit bei Renault als Fan fast nur schöne Erinnerungen verbindet (der einzig fade Beigeschmack bleibt sein Vorwurf an Renault 2006), waren es für mich die Jahre 2007 und 2010-2014, die am meisten aufwühlten und die auch heute noch am meisten beschäftigten. Das mag natürlich auch daran liegen, dass McLaren und Ferrari meine Lieblingsteams sind und waren, aber es sind auch die Geschichten, die diese Jahre erzählen. Ich will mich hier auf die Ferrarizeit beschränken, weil dieses Kapitel aus heutiger Sicht wohl endgültig abgeschlossen ist.

The Good:

- Honeymoon 2010

Ich habe sehr gute Erinnerungen an seinen ersten Auftritt nachdem er für die Saison 2010 bestätigt wurde. Ich sehe ihn heute noch vor mir wie er in nicht-offizieller Teamkleidung, sondern einem rot-karierten Pullover der Menge zuwinkt. Das ist das was die Schlagzeilen Ende 2009 beschäftigte: Alonso wechselt zu Ferrari. Für sensationelle Wechsel war Alonso schon immer gut. Ende 2005 unterschrieb er schon für 2007 bei McLaren und dass Jahre später eine Rückkehr zu McLaren überhaupt möglich ist, haben jahrelang nur die wenigsten von uns wirklich geglaubt. Sein Ferrariwechsel bleibt speziell. Raikkonen, der in der 2. Saisonhälfte 2009 gefühlt eigentlich zu alter Stärke zurückgefunden hat, wurde tatsächlich aus dem Vertrag von Ferrari herausgekauft nur damit der damals als schwierig geltende Spanier schon 2010 und nicht erst 2011 im Ferrari sitzen kann.
Verrückt? Das war es auch, selbst für mich. Die richtige Entscheidung? Sehr wahrscheinlich, ja. Trotz einzelner Fehler war man sofort siegfähig und konnte schon im ersten gemeinsamen Jahr um den Titel kämpfen. In das letzte Rennen ging man sogar als Favorit um den Titel. Sein Quali in Abu Dhabi mit einem alten Motor bezeichne ich heute noch als herausragend. Keine Pole, kein Wunder, aber Button und Webber in Abu Dhabi hinter sich zu halten, das war unter diesem Druck ganz stark. Der Rest ist leider Geschichte.
Sein Einstand bei Ferrari war trotz verlorenem Titel ideal. Die Stimmung im Team war ausgelassen, die Tifosi liebten ihn und der WM Titel schien nur noch eine Frage der Zeit. Zeit, die beide Parteien ein paar Jahre später nicht mehr hatten. Nie wieder war auch das Kräfteverhältnis zwischen Auto und Alonso so ausgeglichen wie 2010. Der Fahrer war noch nicht der alleinige Star und musste sich die ein oder andere Kritik sogar gefallen lassen. Der letzte Schritt um an RB ranzukommen gelang leider nicht, aber der Ferrari war 2010 im Vergleich zur Konkurrenz der mit Abstand beste Ferrari den Alonso eine Saison lang fahren durfte.

- 2012, der kritische Höhepunkt

Vielleicht die herausragende Saison von Alonso. Nicht immer am Maximum wie man damals als Fan gerne meinte - der ein oder andere kleine Fehler im Quali am Ende der Saison kostete ihm eventuell genauso den Titel, wie etwas zu viel Risiko in Suzuka. Aber das sind Dinge, die man nicht erwarten kann, nicht erwarten darf. Mit einer nüchternen Ader kann man jede Einzelleistung leicht erklären und der zwischenzeitlich große Punktepolster ist mit dem Versagen der Konkurrenz zumindest genauso sehr erklärbar wie sie es mit Alonsos eigener Leistung ist. Aber trotzdem ist es eine Saison, die zwischenzeitlich träumen ließ. Eine Saison die die Möglichkeit versprach gewisse Gesetze der modernen F1 außer Kraft zu setzen. Kann ein Fahrer im drittbesten Auto mit teilweise riesigem Rückstand die WM gewinnen? Eine eigentlich undenkbare Frage und sie fand dann auch leider keinen positiven Ausgang. Sicher, auch Hamilton fuhr in diesem Jahr eine unglaublich starke Saison (noch immer imo vielleicht sogar besser als 2007 oder 2015...seine beiden anderen herausragenden Jahre), aber die Aufgabe von Alonso schien ungleich schwerer. Es schien ihm in diesem Jahr einfach auch fast alles zu gelingen. Selbst wenn er etwas fad wirkte und sein Speed nicht nach einem Spektakel aussah wie in Ungarn hätte man mit diesem Auto kaum ein besseres Ergebnis erwartet. Ich will nicht in zu viel Lobhudelei verfallen, denn das habe ich zum Glück schon 2012 erledigt, als hier noch leidenschaftlicher über Einzelleistungen diskutiert wurde, aber es war eine der eindrucksvollsten Leistungen die ich live mitverfolgen durfte. Der Titel? Wieder nichts.
Und trotzdem leitete die Saison 2012 vielleicht den Abschied von Alonso ein. Das Auto war einfach zu langsam, der Saisonstart eine Katastrophe und es passierte das was nicht passieren durfte: Der Fahrer stand nicht nur im Mittelpunkt, sondern war fast der einzige Lichtblick beim größten Team der Formel1. Aber dazu mehr später.

- Das Fazit

Insgesamt war es nämlich einfach nur schön - für mich zumindest. Alonso und Ferrari das passte und auch wenn ich Abseits der Leistung mit der Alternative McLaren glücklich bin, so hätte es in meinen Augen noch viele, viele Jahre gepasst. Alonso ist vielleicht nicht so sehr Fan wie Vettel und er war sicherlich bei weitem nicht so einflussreich wie Schumacher (er ist dann eher die Villeneuve Sen. - Light Variante), aber es passte einfach. Bei McLaren-Honda ist es ähnlich aber kommt nicht ganz an dieses Gefühl ran, dass man bei Alonso und Ferrari speziell nach Abu Dhabi 2010 hatte: Man wollte den gemeinsamen Erfolg als Alonso-Fan einfach unbedingt. Vielleicht ist aber genau diese Erfolglosigkeit auch das was ihn am Ende in die Ferrari-Geschichte einbrennt...er hat seine Spuren auf jeden Fall hinterlassen.


The Bad:


- FP3 Monaco

Ganz bewusst wähle ich diesen Vorfall als Einstieg in dieses Kapitel Alonso+Ferrari. Man könnte Alonsos gesamte Zeit bei Ferrari eigentlich ganz gut mit diesem Fehler beschreiben: Es scheiterte an Kleinigkeiten.
Damit man diesen Fehler als frischer F1-Fan nachvollziehen kann, muss man vielleicht auch etwas die damalige Stimmung in der F1 verstehen was Fehler betrifft. Nach extremen Dominanzen von RB 2013 und Mercedes 14-heute hat sich in meinen Augen auch das Kräfteverhältnis bei der Kritik etwas verschoben. Während man in Jahren wie 03,05,06-10 und 12 ganz genau auf jeden Fehler und jeden Vorteil achtete, ist das was man heute leidenschaftlich diskutiert maximal das Pech von Hamilton oder Rosberg. Kleine Fehler im Quali, ein schwaches Verhalten im Zweikampf oder gar ein Fahrfehler im Rennen der das Rennen kostete? In den von mir genannten Jahren ein weit größeres Verbrechen als heute. Der Grund liegt natürlich nicht direkt am sinkenden Niveau der F1 (mit Ricciardo und Verstappen kamen ja nach wie vor große Talente nach und das obwohl Bianchi zumindest mir noch immer fehlt), sondern viel mehr am spannenden WM-Kampf und engeren Kräfteverhältnis. Wenn Kleinigkeiten größere Auswirkungen haben, dann wird darüber natürlich diskutiert. Man nehme Schumachers berühmten Motorschaden 2006, der heute noch als Hauptgrund für seine WM-Niederlage herangezogen wird, obwohl Alonso nicht weniger technischen Vorfällen in dieser Saison zum Opfer fiel. Heute? Fliegenschiss. 2014 war es im Fall von Ham noch ein größeres Thema, aber dafür musste auch wirklich mehr passieren.
So viel nur zum Verständnis, aber jetzt zurück zum eigentlichen Thema: Alonso schmiss nach einem vielversprechenden Start in das Wochenende am Samstag im FP3 sein Auto weg. Er musste deswegen von hinten starten, ruinierte sich dann im Rennen auch noch hinter Massa die Reifen und wurde in der Folge noch von Ham geschnappt und vom Altmeister Schumacher fast gültig überrumpelt. Hat ihn dieser Fehler in einem freien Training die WM gekostet. Vielleicht. Aber noch viel mehr steht sie für die gesamte Ära von Alonso bei Ferrari: Scheitern an den hohen Erwartungen. Obwohl die Geschwindigkeit des Autos eigentlich immer das Problem war, hatte man dennoch das Gefühl, dass es Alonso trotzdem schaffen hätte können wenn nur....ja wenn nur. An der Titellosigkeit trägt er eben doch auch eine Mitschuld und diese Mitschuld wird vielleicht am besten mit dem FP3 von Monaco 2010 erklärt.

- Knappe WM-Niederlagen 10 und 12

Jede knappe WM-Niederlage Alonsos kann man logisch erklären ohne zynisch zu werden. Und dennoch muss man als Fan von Alonso fast zynisch oder zumindest ehrlich grantig werden wenn es um seine WM-Niederlagen geht. 3x hätte ihm wohl ein kleines Detail, das sich verändert gereicht um Weltmeister zu werden, 3x scheiterte er. 2007 lag es vielleicht am ehesten an seinen Erwartungen und seiner Arroganz, aber 2010 und 2012 waren in der Summe einfach bitter. Und bitter vielleicht sogar das richtige Stichwort, denn es verbitterte die Stummung bei Ferrari. 2010-Anfang 13 war die Stimmung bei Ferrari trotz Schluckauf 12 einfach großartig. Emotionale Funksprüche, große Momente und dann wurde ein WM-Kampf zu viel verloren. In Brasilien 2012 war man gemeinsam am Boden, aber rückblickend gesehen stand man in meinen Augen leider nicht mehr gemeinsam auf. Ich glaube noch immer dass ein Titel gereicht hätte um diese Beziehung zu retten.


The Ugly:

- Alonsos Tweet nach dem Saisonfinale 2012

Ich will ähnlich wie beim FP3 mit einer Kleinigkeit anfangen. Wir erinnern uns: Alonso verliert denkbar knapp den Titel 2012 und just nach dem aufregenden Rennen in Brasilien kommen im Internet Gerüchte darüber auf, dass Vettel unter Gelb überholt hat. Während wir leidenschaftlich über Regelungen (ich habe tatsächlich dabei etwas dazugelernt) unterhalten haben, postete Alonso das vieldiskutierte Bild selbst inkl. Samuraizitat. Alonso war direkt nach dem Grand Prix ein fast so guter Verlierer wie Massa 2008, aber dieser voreilig gepostete Tweet steht symbolisch für den ganzen Frust den diese Niederlage verursacht hat.

- Valencia 2010

- Ferrari alles richtig gemacht. Alonso alles richtig gemacht. Trotzdem verloren. FP3 in Monaco, Strategie in Abu Dhabi, Fast-Abschuss und dann Fahrfehler in Spa, Ausfall in Malaysia...irgendwem kann man für 2010 immer die Schuld geben, aber nicht in diesem Fall. Das war grausam für beide Seiten. Alonso befolgt die Regeln und ist der große Verlierer. Überholt er das SC wie Hamilton oder ordnet sich das SC ordentlich ein, dann gewinnt er vielleicht die WM. Alonso hat das ein oder andere Mal vom SC profitiert, aber 2x wegen einem SC vielleicht die WM verloren und das hier ist die ganz bittere Pille die man schlucken musste. Damals war ich schockiert, weil es eine ganz grausliche Seite des Sports zeigte.

- Einmal zum Rapport, Herr Alonso

Ein Vorfall der viele von uns hier wochenlang beschäftigte. Alonso wünscht sich zu seinem Geburtstag 2013 ein Auto das so schnell ist wie der Red Bull. Sein eigentlicher Fan Montezemolo lässt ihn daraufhin aber antreten und verlangt Erklärungen. Diese kann Alonso zwar liefern (natürlich war es nur ein Scherz), aber öffentlich wurde die Krise, die ein Jahr später Realität war, heraufbeschworen.

- 2014, Ende

2014 war furchtbar. Wenn ein F1-Weltmeister den anderen in Grund und Boden fährt, dann sollte wer gefeuert werden? Richtig, Raikkonen. Vielleicht wurde allerdings Alonso rausgeschmissen. Zumindest ausschließen will ich das nicht mehr. Ging er selbst? Vielleicht. Verpokerte er sich? Vielleicht. Ließ er sch von Briatore zu einem Wechsel verführen wie dieser heute behauptet? Maybe. Es ändert nichts an der Tatsache, dass Alonso sein letztes Rennen für Ferrari 2014 fuhr. Leider.
Der Abgang wurde der gemeinsamen Zeit auch zu keinem Zeitpunkt gerecht. Domenicali war nicht mehr da und mit Mattiacci bekam man einen kurzweiligen Teamchef, der sich zur Beziehung mit Alonso weder ordentlich äußern konnte, noch wollte. Alonsos Aussagen? Kryptisch, seltsam, rückblickend arrogant. Er tat so als hätte er alle Fäden in der Hand, als würden wir Fans seine Pläne lieben wenn er sie umsetzt. Manche träumten von Mercedes, andere wie ich von F1+ LeMans...am Ende bekamen wir seinen Abschied von Ferrari und einen nicht konkurrenzfähigen Motor. Auch wenn Vettel bei Ferrari aktuell noch nicht den Umschwung bewirken konnte (wie sollte das auch der Fahrer allein schaffen?), so ist Alonso am Ende der große Verlierer des Vertragspokers 2014. Zumindest noch.
Ich war einer der Alonso-Fans die seinen Abgang bedauerten und heute bedauere ich noch viel mehr die Art und Weise wie dieser über die Bühne ging. Es hatte etwas Schmutziges und anders als 2007 strahlte die Trennung eine gewisse Menge Unnötigkeit aus. Als Tiefpunkt der gemeinsamen Zeit darf auch deswegen sicherlich die Trennung bezeichnet werden.

Und heute?

Erinnere ich mich gerne an Alonso in Rot. Vermisse die Zeit, vermisse sogar Domenicali. Wozu dieser Thread insgesamt dienen soll, das weiß ich nicht. Er mag geschrieben sein als gehöre er in den Fanclub, aber das darf ruhig auch ein Platz für Kritik sein, wenn Kritik in dem Fall überhaupt noch interessant ist.

Alonso und Ferrari, das passte einmal. Alonso und Ferrari, das war einmal.
Did perpetual happiness in the GardenofEden maybe get so boring that eating the apple was justified?

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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Aldo » 25.06.2016, 13:31

Brod, glaub es oder glaub es nicht: Ich habe gerade vor wenigen Minuten daran gedacht, einen ähnlichen Thread zu eröffnen. Danke jedenfalls schonmal für den tollen Text, der mir bestätigt dass ich nicht der einzige bin, der so denkt. Ein sehr sehr schöner Text, der mir eigentlich nahezu aus der Seele spricht. :thumbs_up:

Habe gestern auf Twitter gesehen dass sich das Rennen in Valencia 2012 bereits zum vierten Jahr gejährt hat und musste dann direkt auf Youtube einige Rückblicke anschauen, bis ich vorhin eben das halbe Rennen, welches für mich persönlich eines der wertvollsten auf meiner Festplatte ist, angesehen habe.

Die schönste Zeit in Alonsos Karriere ist für mich definitv die bei Ferrari. Durch die Zeit habe ich den ehemals eher unsymphatisch geglaubten Spanier als Fan lieben gelernt.

Ferrari und Alonso, das passte einfach. Südländisch, Emotionen, Herzblut für den Rennsport. Für mich als Halb Italiener war es einfach die Traum Kombination und selbst wenn ich heute bei einem Vettel/Ferrari Sieg die Italienische Hymne höre, feiere ich es, auch wenn ich Vettel weiterhin nicht symphatisch finde und den Finnen neben ihn genauso wenig. Es mag zwar oft nicht den Anschein machen, aber meine Liebe zur Marke Ferrari ist auch weiterhin da, die war auch nach 2014 nicht weg.
Nur die aktuelle Führung um Marchionne sowie die beiden Fahrer passen mir überhaupt nicht, während ich bei McLaren all' das eben wieder habe, auch wenn der Misserfolg dort natürlich deutlich die Stimmung als Fan dämpft und es somit auch aktuell nicht an das Gefühl von 2010 - 2013 hinkommen wird. Genauso wie ich Stichelein gegen Ferrari damals verteidigt habe, tu ich das eben heute oft für McLaren, auch wenn ich da mal mit einem "Träum weiter" in den Ferrari FC kommen muss um das selbe zu machen, wie manch ein Ferrari Fan im McLaren FC - Das hat dann aber wenig mit Ferrari zutun, sondern viel mehr mit dem "Wie du mir, so ich dir".... :wink: Nur um das mal vorab zu klären aber jetzt mal wieder zurück zum Thema..


Brod hat geschrieben:Insgesamt war es nämlich einfach nur schön - für mich zumindest. Alonso und Ferrari das passte und auch wenn ich Abseits der Leistung mit der Alternative McLaren glücklich bin, so hätte es in meinen Augen noch viele, viele Jahre gepasst. Alonso ist vielleicht nicht so sehr Fan wie Vettel und er war sicherlich bei weitem nicht so einflussreich wie Schumacher (er ist dann eher die Villeneuve Sen. - Light Variante), aber es passte einfach. Bei McLaren-Honda ist es ähnlich aber kommt nicht ganz an dieses Gefühl ran, dass man bei Alonso und Ferrari speziell nach Abu Dhabi 2010 hatte: Man wollte den gemeinsamen Erfolg als Alonso-Fan einfach unbedingt. Vielleicht ist aber genau diese Erfolglosigkeit auch das was ihn am Ende in die Ferrari-Geschichte einbrennt...er hat seine Spuren auf jeden Fall hinterlassen.

:thumbs_up:

Es ist Vergangenheit und es schmerzt Alonso heute nicht mehr vorne fahren zu sehen und doch ist es immer wieder schön sich an die "gute alte Zeit", die nun immerhin schon wieder einige Jahre her ist, zurückzuerinnern. Viele verbinden Alonsos Ferrari Zeit ja immer direkt mit bösen Ende und Streit - Das tut Alonso aber genauso wenig wie ich. Denn wenn ich rückblickend auf die Ferrari Zeit schaue, überwiegen bei mir da die positiven Momente, jetzt mal abgesehen von den Finale 2010, 2012 sowie das Jahr 2014.

Bild
Dieses Bild hängt heute noch als Poster bei mir an der Wand.

Der Höhepunkt war für mich persönlich 2012. Da war Alonso fahrerisch einfach auf seinem Zenit und aus meiner Sicht mit Abstand der beste Fahrer im Feld. Fehlerlos, konstant und Punktehamster wie kein anderer, selbst als der F2012 am Anfang der Saison noch bestenfalls das vierbeste Auto war. Valencia 2012 war für mich neben Monza 2010 für mich persönlich das Rennen, was ich am meisten mit dieser Zeit verbinde. Auch wenn etwas Glück dabei war, es war ein Traum. Von 11 auf 1 und davon mindestens 7 Plätze durch Manöver auf der Strecke gewonnen, auch noch Schumacher auf dem Podium und die Tatsache dass Alonso die WM nach dem Rennen mit über 60 Punkten anführte...schade dass es am Ende nie gereicht hat.


2014, wie Du schon erwähnt hast Brod, war der traurige Tiefpunkt und lässt für mich rückblickend immer den Anschein, als wäre im Hintergrund irgendwas passiert. Die neue Führung, die eventuell nicht mehr mit dem Spanier wollte, während er sich nach Alternativen umgesehen hat. Rückblickend waren die letzten Monate vom Jahr 2014 schon sehr komisch und doch bleibt mir das letzte Rennen in Erinnerung, wie die Mechaniker den Anschein machten, als wollten sie nicht, dass er geht - Ganz anders als dann oft behauptet wurde, dass ja alle ihn für den Trubel verantwortlich machten, dass er nur Unruhe rein brachte.

Doch auch wegen der Gerüchte, machte mich das Jahr 2014 wahnsinnig. Das monatelange Hin und Her gipfelte nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi der Ungewissheit, als man nicht wusste ob das vielleicht sogar das entgültige Ende von Alonsos Karriere in der F1 gewesen ist. Ferrari brach damals praktisch auseinander. Erst Massa, dann Domenicali, dann Montezemolo und zum Schluss Alonso. Das alles war schon sehr schwer als Fan, speziell weil man eben niemals damit gerechnet hatte, dass sich diese Team/Fahrer Kombination von heute auf morgen trennen würde. Man hatte immer das Gefühl dass Alonso und Ferrari vor 2016 niemals auseinander gehen, es war sogar die Rede von einem Vertrag bis 2019. Alles in allem schade, aber es ist wie es ist und man kann nur hoffen dass McLaren-Honda Fortschritte gelingen, bevor Alonso zurücktritt, denn ansonsten waren diese drei Jahre karrieretechnisch völlig für die Katz' - Menschlich und in den Medien haben sie Alonso jedoch durchaus bisher geprägt und symphatischer gemacht wie es damals bei Schumacher war. Jedoch sei gesagt, dass Schumacher mit 7 Titeln damals ausgesorgt hatte und wirklich kaum mehr was zu verlieren hatte, bei Mercedes. Alonso hat doch einige Podeste und Siege bisher liegen gelassen, mal sehen wie es sich weiter entwickelt.

Und doch ist es schön hin und wieder mal zurückzublicken. Rückblickend habe ich für mich persönlich in Sachen Fan Dasein nichts falsch gemacht - würde heute wohl dem Ferrari von damals genau so die Daumen Drücken wie ich es eben vor vier Jahren getan habe. Alonso und Ferrari samt Massa, Domenicali, Montezemolo & Co war schon eine tolle Zeit. Schade dass das Ganze schon wieder so lange her ist.

Zum Schluss vielleicht noch ein, zwei Videos.


Zuletzt geändert von Aldo am 25.06.2016, 15:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Costigan » 25.06.2016, 14:26

Zunächst einmal: Sehr schön zu lesen. Besonders für Fans, die wohl alle genauso empfinden. Aber ich denke, auch für den ein oder anderen Außenstehenden dürften solche melancholisch-leidenschaftlichen Fan-Rückblicke lesenswert sein.
Danke dafür :thumbs_up:

Grundsätzlich habe ich dem auch einfach nicht mehr viel hinzuzufügen, weil du die Gedanken und Empfindungen bereits sehr gut getroffen hast.
Aber vielleicht greife ich mal ein paar Kleinigkeiten auf - im wahrsten Sinne des Wortes: Denn du sprachst ja von den "Kleinigkeiten", die bei Alonso und Ferrari - aber auch seinem einen Jahr bei McLaren - meist gefehlt haben, um das ganz Große zu erreichen.
Und ich denke, genau das macht es für Fans auch so bitter, über die Misserfolge hinwegzusehen und sie zu vergessen.
Wenn es nach den zwei Titeln einfach nicht mehr zu weiteren Titelmöglichkeiten gereicht hätte, wäre das zwar auch sehr schade gewesen, aber dann wär's halt so gewesen. Es gäbe weit weniger "Hätte, wäre, wenn"-Potential.

So aber bedauert man immer die mickrigen Kleinigkeiten, die nur hätten passen müssen, um einen oder sogar bis zu drei Titel mehr haben zu können.
Man stelle sich vor - und das haben wir wohl alle schon allzu oft - es hätte tatsächlich gereicht und Alonso wäre auf drei unterschiedlichen Herstellern/Teams Weltmeister geworden. Und dann nicht nur irgendwelche, sondern neben Renault eben auch noch die zwei ruhmreichsten in der Geschichte der Formel 1: Ferrari und McLaren(-Mercedes).

Noch dazu wäre es möglich gewesen, dies auf drei unterschiedlichen Reifenherstellern zu schaffen.

Und wo schon Monaco 2010 erwähnt wurde: Das wäre natürlich auch schon für sich eine ganz große Geschichte gewesen. Nach den Siegen 2006 im Renault und 2007 im McLaren war 2010 die Möglichkeit da, auch noch mit Ferrari das prestigeträchtigste Rennen im Kalender zu gewinnen.

Ja, es sind mal wieder die Kleinigkeiten, mit denen auch ich mich immer wieder auseinandersetze.


Aber um zur Kombination Alonso/Ferrari zurückzukommen: Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie ich 2014 besonders mit einem User über den möglichen Wechsel zu McLaren-Honda diskutierte, der mich vom Potential dieser neuen Partnerschaft überzeugen wollte und diesen Wechsel als sehr große Möglichkeit sah.
Ich stand dem schon damals sehr skeptisch gegenüber. Nicht, weil ich eine grundsätzliche Abneigung gegen das Team hätte. Im Gegenteil, wenn ich mir aussuchen könnte, mit welchen Teams Alonso Erfolg haben soll, dann wären Ferrari und eben McLaren auch meine erste Wahl.
Sondern weil ich wusste, was Alonso aufgeben würde. Zum einen auf der sportlichen Seite. Denn auch wenn man Ferrari oftmals verflucht hat, weil es nie zum ganz großen Wurf reichte und 2014 dann auch völlig verkorkst war, wusste man trotzdem immer, dass dieses Team in der Regel immer zumindest zu den besten drei gehört und für Siege und Podestplätze gut ist und man es ihnen auch immer zutrauen muss, mal wieder ein WM-Auto zu bauen.
Zum anderen war es aber auch die Kombination, die in den Augen vieler einfach so gut passte. Auch wenn im Nachhinein besonders von Außenstehenden viel kaputt geredet und auf 2014 reduziert wurde, wurde diese Kombination Alonso/Ferrari doch die meiste Zeit über sehr eng miteinander verknüpft und beide Seiten waren auch für lange Zeit sehr glücklich miteinander.

Das wollte ich schon damals ungern verlieren, weil mir durchaus bewusst war, was ich daran habe und dass es Alonso auch wesentlich schlechter treffen könnte - auch wenn ich es letztlich niemals so schlecht erwartet hätte, wie es nun aus sportlicher Sicht gekommen ist.
Insofern hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn Alonso seinen Vertrag damals nicht nur erfüllt, sondern auch verlängert hätte. Denn auch wenn, wie du schon sagtest, durchaus die Möglichkeit besteht, dass Alonso letztendlich gefeuert wurde, bin ich mir sehr sicher, dass zu Beginn des Jahres 2014 noch die Möglichkeit bestand, den Vertrag bis 2019 zu verlängern, wie man es immer wieder lesen durfte.
Diese Möglichkeit dürfte sich wohl erst im Sommer/Herbst endgültig zerschlagen haben.


Aber letzten Endes war es womöglich auch einfach an der Zeit für eine Trennung. Domenicali war nicht mehr da und bei Mattiacci hatte man von Anfang an das Gefühl, dass weder er was mit Alonso, noch Alonso etwas mit ihm anfangen konnte.
Und da di Montezemolo ebenso schon mit einem Bein außerhalb von Maranello stand, ging diese Alonso-Ära auch einfach zu Ende und wer weiß, ob man auch noch so auf sie zurückblicken würde, wenn er noch länger geblieben wäre.

Im Grunde beantworten die Ergebnisse aus den letzten 1 1/2 Jahren uns ja diese Frage. Denn den Erwartungen, die man mit Alonso an Ferrari gehabt hätte, wurde die Scuderia auch 2015/2016 bislang nicht gerecht und so würde man sich wohl auch heute eher darüber ärgern, dass es wieder nicht für den Titel(kampf) reicht, als sich über vereinzelte Siege oder Podestplätze zu freuen, die man spätestens 2013 schon leid war.


Insofern... um zu einem Schluss zu kommen... es bleiben die Erinnerungen und da überwiegen hoffentlich sowohl bei den Alonso-, als auch bei den Ferrari-Fans die positiven für 5 aufregende Jahre und die leise Hoffnung, dass es für Alonso doch noch ein Happy End gibt, wenn auch in anderen Farben.
Das wäre wohl selbst für viele, die lieber einen gemeinsamen Triumph zwischen Alonso und Rot gesehen hätten, ein versöhnlicher Abschluss.


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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Aldo » 25.06.2016, 15:43

Costigan hat geschrieben:Und da di Montezemolo ebenso schon mit einem Bein außerhalb von Maranello stand, ging diese Alonso-Ära auch einfach zu Ende und wer weiß, ob man auch noch so auf sie zurückblicken würde, wenn er noch länger geblieben wäre.

Ich bin ja der Meinung dass Alonsos letzter "Ruck", der ihm zu der Entscheidung "McLaren" statt Ferrari bewegt hat, Montezemolos quasi "Rauswurf" war. Marchionne meinte ja Mitte September noch dass Alonso und Räikkonen 2015 bleiben werden, während Montezemolo sowie auch Alonso rückblickend immer sagten dass die Entscheidung von Alonso bereits Anfang September gefallen ist. Gut möglich also, dass Marchionne selbst dann erst später davon erfuhr, während Alonso bereits Anfang September wusste was Montezemolo blühen wird.

Mit Montezemolo ging bei Ferrari Alonsos letzter Rückhalt in der Führungsebene, das Team welches er um sich seit 2010 aufgebaut hatte, zerbrach vor seinen Augen. Das begann schon mit der Tatsache dass damals Montezemolo (wobei ich mir auch vorstellen kann, dass das von höherer Ebene kam) ihm statt weiterhin Wunschkandidat Massa oder auch Hülkenberg den letzten Ferrari Weltmeister Räikkonen vor die Nase setzte. Wenn Alonso heute über 2014 spricht, erwähnt er auch immer direkt dass er mit Räikkonen ein Weltmeister geschlagen hat - Insofern kann ich mir gut vorstellen dass das bereits für Alonso damals ein Schlag in die Magengrube war, als das Team statt Massa/Hülkenberg oder auch Webber sich für den Finnen entschied. Damals konnte man ja noch nicht ahnen dass der Finne dann so derartig gegen Alonso untergehen würde, ganz im Gegenteil: Es wurde neben Mercedes das Duell der Saison prophezeit. Wäre ja geanauso für Vettel heute, wenn Marchionne einfach mal Alonso zurückholen und neben ihn für 2018 setzen würde. Dazu dann noch der Rauswurf seines wohl größten Freundes Stefano Domenicali, worauf der kühl wirkende Marco Mattiacci folgte, der direkt mit Sprüchen wie "Ich bin nicht hier um Alonso glücklich zu machen" für Aufsehen sorgte. Der fiel wiederrum am Ende vom Jahr ja der Verpflichtung von Arrivabene zum Opfer (zum Glück!!), wobei ihn Marchionne dann komplett vom gesamten Ferrari Konzern rauswarf, was ich bis heute nicht verstehe...

Und doch ist es höchst kurios was da Ende 2014 passierte. Da gab es ja Mitte September noch Aussagen von Alonso wie folgt:

"I talk with Sergio, with which I already have a very good relationship for many years now.

"He comes to Monza race normally, he comes to Austin, to Canada sometimes, and always he shows full support and full commitment to us.

"I saw him in Maranello and he repeated the same thing. He's ready for the challenge.

"Like all the big companies, when they change something they change for better, or they hope for better."


Und da würde ich halt immer gern wissen: Wie war es denn wirklich 2014? Wenn Alonso und Montezemolo aber auch ein Ron Dennis behaupten dass der McLaren Vertrag Anfang September unterschrieben wurde...wie kam Alonso dann zu solchen Aussagen bzw. warum streuten sich Marchionne und er erstmal Rosen. Wie gesagt, irgendwas ist da im Hintergrund passiert, erfahren werden wir es wohl leider nicht..

Aber um auf Montezemolo und das damalige Team zurückzukommen: Eine weitere Tatsache die für meine oben genannte Vermutung spricht, ist auch die dass Alonso damals auch die Leute, die ihm bei Ferrari seit 2010 am nahesten standen, zu McLaren mitnahm. Das war sowohl sein Renningenieur Andrea Stella, als auch einige andere Mechaniker und sein zweiten Physio, den er öfter mal dabei hat, wenn Fabrizio Borra nicht dabei ist.
Zuletzt geändert von Aldo am 25.06.2016, 15:53, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Miavenga » 25.06.2016, 15:52

Kompliment an @Brod und @ Costigan, echt lesenswert eure Gedankengänge :thumbs_up:

Im Nachhinein, bleibt nur zu sagen, schade es sollte einfach nicht sein....
Vielleicht würden wir heute anders darüber philosophieren,
wenn Fernando schon weitaus früher als 2010 zu Ferrari gewechselt wäre, das Angebot hatte er, wurde aber leider ausgeschlagen....
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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon turbocharged » 25.06.2016, 16:03

http://www.motorsportmagazine.com/opini ... real-story

Ein ganz guter Artikel zu den Geschehnissen 2014 bei Ferrari.

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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Aldo » 25.06.2016, 16:19

turbocharged hat geschrieben:http://www.motorsportmagazine.com/opinion/f1/mattiacci-and-alonso-real-story

Ein ganz guter Artikel zu den Geschehnissen 2014 bei Ferrari.

Super, danke. So macht das alles Sinn. Dann habe ich kein Mitleid mit Mattiacci.
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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Argestes » 26.06.2016, 16:18

@ Brod

:thumbs_up:

Schön geschrieben. Und für mich persönlich toll zu lesen, wie manche Betrachtungsweise doch gänzlich anders rüber kommt, wenn sie mit etwas Abstand und Ruhe neu reflektiert in Worte gefasst wird und nicht emotional in einer Diskussion geäußert wird, die sich hochschaukelt.

Ich denke, Alonso und Ferrari, das wird später als eine tolle Kombination in Erinnerung bleiben, der die ganz großen Erfolge verwehrt blieben, die aber große Momente hatte, begeistern konnte und mit etwas Glück noch mehr hätte erreichen können.

Hängt natürlich auch ein wenig davon ab, wie es bei Ferrari weiter geht. Wenn mit Vettel bald WM-Titel kommen, vergisst man gerne, was davor war. Wenn man weiter nur die zweite Geige spielt, sieht die Vergangeheit gleich schöner aus.
Ich meine das ernst.
Ich bin eben so blöd.

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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Vendue » 26.06.2016, 21:50

2012 hat Alonso das Unmöglich beinahe möglich gemacht, als er im letzten Rennen in einem dem RB unterlegenen Ferrari WM hätte werden können. Das Glück war nicht mit ihm. Während er selbst in Japan durch eine minimale Kleinigkeit verunfallte, konnte Vettel in Brasilien trotz schweren Fahrfehlers ohne Schäden weiterfahren. In Belgien war er zudem vollkommen unverschuldet in eine Kollision verwickelt.
Ich glaube, dass der Sieg einer solchen WM Alonso zu einer lebenden Legende gemacht hätte - mit stumpfen Waffen gewonnen! Er fuhrt magisch - jedes Rennen am Punkt. Besonders Valencia 2012 wird nie in Vergessenheit geraten, denn er hatte nicht einmal Q3 erreicht, trotzdem schaffte er mit einer beherzten Fahrt den Sieg - für mich der schönste. Deshalb ist das Jahr 2012 mir emotionaler als das Jahr 2010 in Erinnerung geblieben.

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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon bolfo » 28.06.2016, 05:31

Wow. Ich bin ja nun schon über 10 Jahre im Forum. Aber das ist wirklich etwas vom Besten, was ich hier bislang geslesen habe. Respekt :thumbs_up:

Besonders erfreulich ists - und ich will da niemandem zu nahe treten - dass es eben nicht das übliche Fangeplapper wie sonst hier im Forum ist, sondern wirklich eine kritische Auseinandersetzung mit der Sache, die mit etwas Abstand zu den Ereignissen zustande gekommen ist. Das verdient den grössten Respekt, da dies als Fan eigentlich die grösste Hürde ist. Es gibt eigentlich nichts schwierigeres für einen Fan, als den eigenen Fahrer mal kritisch zu hinterfragen. Einige schaffen es auch nach mehreren Jahrzehnten nicht. Haben wir ja auch einige Exemplare hier im Forum......... :mrgreen:


Alonso und Ferrari, das war schon eine magische Kombination. Warum? Weil man das Gefühl hatte, dass die Scuderia endlich einen würdigen Nachfolger für Schumacher gefunden hatte. Wer bitte sehr hatte 2009 einen besseren Ruf als Alonso? Vettel stand noch in den Kinderschuhen der F1. Hamilton hatte zwar den Titel 2008 gewonnen, jedoch waren sich viele Experten einig, dass dem wohl nicht so gewesen wäre, wäre Alonso 2008 noch für McLaren gefahren. So wars eigentlich klar, dass nur der Mann für Schumachers Nachfolge würdig war, der ihn auch persönlich geschlagen hatte. Zu unüberzeugend war Räikkönen. Trotz Titel 2007. Es fühlte sich trotz allem logisch an, dass er aus dem Vertrag herausgekauft wurde. Titel hin oder her.

Die Kombi Alonso/Ferrari versprach dann auch einiges an Emotionen. Besonders erstaunt bin ich immer wieder, wenn ich sehe, dass diese Kombi "nur" 11 Siege zustande brachte. Das ist gut 1/3 aller Alonso-Siege. "Gefühlt" sinds aber 2/3 seiner Siege. Warum das so ist, weiss ich nicht. Vielleicht waren die Siege für Ferrari auch wirklich gefühlsmässig mehr wert, wie man ja immer wieder hört. Ich selbst mag mich jedenfalls an keinen Renault-Sieg erinnern, der mir derart hängengeblieben ist wie viele seiner Ferrari-Siege.

Dass diese Kombination nicht mehr Siege herausfahren würde, hätte keiner gedacht. Wer hätte schon nach 2010 vermutet, dass man nur noch 6 weitere Siege erreichen würde in den kommenden Jahren? Niemand. Zu stark war die Saison 2010 mit 5 Siegen. Es schien eigentlich nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Alonso und Ferrari den Titel einfahren würden. Hätte man da gefragt, wie oft man ab da noch siegen würde, hätte man gerätselt: 20 mal? 30 mal? Oder gar mehr? Mit 6 mal hätte wohl keiner geantwortet.

2011 kam dann erst mals das bittere Erwachen. Erinnert etwas an Vettels Saison heuer. Alonso eigentlich immer bereit für ein Podium. Aber eben nicht für einen Sieg. Zu dominant ist Vettel. Heute sinds die Mercedes. Am Ende blieb die Ernüchterung. Den Sieg in Silverstone schuldete man bestimmten Umständen.

2012 war eine Berg- und Talfahrt. Dort dachte man eigentlich zu Saisonmitte, dass die Sache kaum mehr aus den Händen gleiten könnte. Umso mehr schmerzte dann den Fans die Niederlage. Wer hätte gedacht, dass Red Bull derart die Übersee-Rennen dominieren würde? Wohl keiner. Gleichzeitig Alonso im Pech in Suzuka.

2013 startete gut, endete aber böse. Irgendwie hatte man da schon das Gefühl, dass die Sache gegessen war. 2012 ist man, wie du passend schreibst, zusammen gefallen, aber nicht mehr zusammen aufgestanden. Da hat man die letzte Chance auf den Titel verpasst. Und von da weg war die Luft draussen. Nicht leistungsmässig von Alonsos Seite her. Aber irgendwie "passte" es von da weg nicht mehr. Man hatte auch nicht mehr das Gefühl, dass Alonso/Ferrari noch die grosse Liebe war. Erste Kritik wurde laut. Erste Risse sichtbar. Die Ehe kriselte wohl schon da unterschwellig. Das überaus schwache Jahr 2014 tat dann den Rest.

Ich weiss dann auch nicht, ob ein WM-Titel diese Ehe gerettet hätte. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Ih denke aber, dass 2012 nicht so niederschmetternd gewesen wäre, hätte man 2010 den Titel geholt. Dann hätte man wenigstens einen Titel gehabt. Der Druck wäre wohl ein bisschen geringer gewesen. So jedoch scheiterte man zweimal ultra knapp.

Ich weiss dann auch nicht, welcher Titel besser gewesen wäre. 2012 wäre leistungsmässig von Alonsos Seite her der "verdientere" gewesen, 2010 hingegen der logischere. Da hatte man wirklich das Gefühl, dass der Titel drin war und er einfach auch einiges an Pech hatte (Safety Car in Valencia......). Auch wenn Vettel einige technische Rückschläge erlitten hatte.


Wie auch immer, diese Zeit war schon eine grandiose. Liegt vielleicht daran, dass diese Jahre 2010-2013 für mich die letzten "klassischen" Formel-1-Jahre sind, wo es sich noch gelohnt hat, aufs Rennen zu bangen. Weils oftmals knapp war, wie 2012, wo man vor dem Rennen keinen blassen Schimmer hatte, wer gewinnen würde. Weil die Konkurrenzdichte - abgesehen von 2013 - einfach wesentlich höher war. Vielleicht erinnere ich mich deshalb gerne an diese Zeit zurück. Weils die letzte Zeit war, wo ich mit Begeisterung auf das F1-Rennen wartete. Vielleicht, weil wir mehrere Weltmeister hatten, die allesamt siegfähig waren (Button, Räikkönen, Vettel, Alonso, Hamilton). Heute ists ja nur noch einer. Und nach Kurve 1 weiss man ja, wer das Rennen gewonnen hat. Welches Team gewinnt, weiss man sogar zu 90 % vor dem Rennen.

Von daher wars eine herrliche Zeit. Eine Zeit, die für mich noch "Formel 1" war. Verbunden mit Leidenschaft. Und eben mit genau jener Konstellation. Irgendwie passte es einfach. Alonso bei Ferrari, Vettel für Red Bull, Hamilton für McLaren. Als Fan für mich einfach geschlossen logisch. Heute jedoch herrscht oft Gleichgültigkeit, weil die "Grossen" überwiegend hinterher gurken. Und eigentlich damit gerade diese emotionalen Siege, wie jene von Alonso für Ferrari, gar nicht mehr vorkommen. Oder halt eben viel zu selten.
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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon meanmc » 29.06.2016, 09:28

bolfo hat geschrieben:Einige schaffen es auch nach mehreren Jahrzehnten nicht. Haben wir ja auch einige Exemplare hier im Forum......... :mrgreen:


Du meinst sicher DICH und Hill... ja, dann fang mal schnell an, und nehm dir ein Beispiel an @ Brod :wink:
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht... kennste ja sicher, gell..
Also ich würd mir solche Kommentare sparen an deiner Stelle, und das Thema alleine sachlich kommentieren! :wink:
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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon bolfo » 29.06.2016, 11:04

meanmc hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Einige schaffen es auch nach mehreren Jahrzehnten nicht. Haben wir ja auch einige Exemplare hier im Forum......... :mrgreen:


Du meinst sicher DICH und Hill... ja, dann fang mal schnell an, und nehm dir ein Beispiel an @ Brod :wink:
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht... kennste ja sicher, gell..
Also ich würd mir solche Kommentare sparen an deiner Stelle, und das Thema alleine sachlich kommentieren! :wink:


Warum sollte ich Hill meinen? Ich denke, ich habe seine Leistungen durchaus sachlich eingestuft. Mir liegt es jedenfalls fern, zu behaupten, dass er so gut wie Schumacher gewesen wäre. Ebenso würde ich an seinen Niederlagen die Schuld anderen geben, wie z.B. der Politik oder bösen Gegnern. Ich kann damit Leben, dass er Fehler gemacht hat, die Rennen und vielleicht sogar Titel kosteten, und ich kann auch damit leben, dass er eben nicht so gut wie Schumacher war und es deswegen bei einem Titel blieb.

Ich sehe alles in allem also absolut nicht, weshalb ich im Glashaus sitzen würde. Nur, weil ich nicht sage, dass ein Weltmeister die Oberflasche schlechthin war, eines Titels eigentlich unwürdig? Nein, tue ich nicht. Tue ich aber auch nicht bei einem Herrn Button oder Räikkönen, obschon ich die nicht für die besten Fahrer im Feld halte.


Und genau das tut auch Brod hier nicht. Er nimmt sachliche Stellung. Aus einer objektiven Perspektive raus. Einer Perspektive, die ihm so in der Emotion sicher nicht gelungen wäre. Einer Perspektive raus, die realistisch ist und deshalb auch mal Alonso etwas in die Kritik nimmt. Ändert ja nix daran, dass Alonso für ihn der Grösste bleibt. Aber dies eben unter einer realistischen Betrachtungsweise. Eben halt u.a. auch, dass der Titel ohne Fehler Alonsos durchaus hätte gelingen können.
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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Aldo » 29.06.2016, 21:48

Zwei Momente, der gleiche Ort, einer am Anfang und einer am Ende der Ferrari Zeit, der eine ein Höhepunkt, der andere ein Tiefpunkt und doch sind beide ein Sinnbild der jeweiligen Lage von Team und Fahrer.


"I'm a pure racer, I always was and I always will be."


- Fernando Alonso

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1x WEC Champion
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To be continued..

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Re: Alonso und Ferrari - The Good, the Bad and the Ugly

Beitragvon Costigan » 25.11.2018, 14:45

Da es bzgl. der Überschrift so gut passt, poste ich es mal hier rein:

Fernando Alonso's career choices: The good, the bad and the ugly in F1

He is retiring at the end of the season, but is Fernando Alonso a wasted F1 talent? Charting his bold, and costly, career decisions...
It's never good to live in the past too long. As for the future, it didn't seem so scary anymore. It could be whatever I want it to be... Who's to say this isn't what happens? And who's to say my fantasies won't come true... just this once?


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