Mercedes siegt: 1914 - 1924 -1934 -1954 - ?

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Wagruno
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Mercedes siegt: 1914 - 1924 -1934 -1954 - ?

Beitrag von Wagruno » 28.04.2005, 07:55

Etwas Geschichte

Mercedes siegt!
1914 - 1924 - 1934 - 1954 - (...)





Der "Große Preis der Schweiz" in Bern 1954: Juan Manuel Fangio, der spätere Sieger des Rennens, vor Gonzales auf Ferrari. Mit freundlicher Genehmigung Daimler-Benz AG/Stuttgart

1914 erreichte die Hubraumformel 4,5 Liter. Die Mercedes-Fahrer Lautenschlager, Wagner und Salzer belegten wenige Tage vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Lyon mit ihren 115 PS Wagen die ersten drei Plätze. Eine Epoche ging zu Ende. - 1924 erreichte Werner auf Mercedes SSK (Kompressor) den ersten Platz der Targa Florio. 1934 griff Mercedes wieder in den Grand Prix Sport ein und setzte in der 750 Kg Formel mit 600 PS starken Rennboliden Maßstäbe.

Reims, 4.7.1954. Mercedes greift nach 1914, 1924 und 1934 wieder in das Formel 1-Geschehen ein. Die bewunderten Stromlinienwagen fahren ein einsames Rennen. Fangio siegt, Kling wird Zweiter. Die Weltpresse überschlägt sich. Neben dem Sieg der Fußball-Nationalmannschaft in Bern ist dies der zweite deutsche Erfolg nach Weltkrieg und Zusammenbruch. 43 Jahre nach dem Großen Preis auf dem Nürburgring fährt Mercedes wieder Formel-Rennen. Damals wie heute zählt nur modernste Technik in Konzeption wie Ausführung. Die letzte Version des W 196 Monoposto von 1955 besaß einen 8 Zylinder Reihenmotor mit der Direkt-Benzin-Einspritzung des 300 SL Rennsportwagens. Gewaltige Trommelbremsen aus Aluminium waren in der Mitte der Achsen angeordnet, um die ungefederten Massen an den Rädern zu verringern. Sie waren mit einer Zweikreisbremsanlage und hydraulischem Bremskraftverstärker gekoppelt. Mercedes hatte sich 1952/53 für die Benzineinspritzung und die Doppelzündung entschieden. Die Direkteinspritzung in den Zylinder führte zu geringerem Verbrauch und gleichzeitig zu mehr Elastizität, die im Rennen einen breiteren Drehzahlbereich nutzbar machte. In der Rennsaison 1954 leistete die originale 2,5 Liter Version bei 8.250 U/Min. 257 PS. Der 3 Liter Wagen von 1955 bot fast 300 PS Nennleistung. Kurven konnten für den W 196 Piloten zum Problem werden. Trotz niedrigem Schwerpunkt, geneigt eingebauter Maschine und Pendelachse mit tiefgelegtem Drehpunkt, tendiert der Wagen in Kurven bei zu viel Gas zum Übersteuern.


Der "Große Preis von Europa" am 1.8.1954 auf dem Nürburgring. Überlegen führt Juan Manuel Fangio seinen Mercedes-Benz-Rennwagen zum Sieg. Mit freundlicher Genehmigung Daimler-Benz AG/Stuttgart

Großer Preis von Europa 1954! Karl Kling rollt mit dem erstmals eingesetzten Monoposto das Feld von hinten auf. Hans Hermann fährt den Stromlinienwagen vom Reims. Fangio liegt vorn. Unverkennbar ist der technische Vorsprung der tiefer liegenden Mercedes angesichts der hochbeinigen, noch mit Blattfedern fahrenden, Maserati- und Ferrarikonkurrenz. Die Fahrer machen sich die Übersteuerneigung des Pendelachsfahrwerkes auf dem gewundenen Nürburgringkurs zunutze.

Der Vorkriegsmatador Herman Lang fährt sein letztes Rennen. Vor einiger Zeit konnte ich bei Dreharbeiten auf dem Nürburgring zu Filmen, u.a. auch über diesen Rennwagen, feststellen, wie vergleichsweise komfortabel der W 196 sich immer noch fährt. Einspritzmotor, Pendelachsfahrwerk und Gitterrohrrahmen waren zu hoher Harmonie gereift und ihrer Zeit weit voraus. Heute fährt Mercedes wieder nach der "Tandem-Strategie" der Vergangenheit. Erste Siege sind errungen, und die Saison 1998 läßt erwarten, daß Silberpfeile erneut nach der Weltmeisterschaft greifen.

Bernd F. Schulte
Mit wankelmutigen Grüssen aus Hamburg

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