Ciao SAUBER!! Eine Erfolgsstory nimmt ihr Ende....

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bolfo
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Ciao SAUBER!! Eine Erfolgsstory nimmt ihr Ende....

Beitragvon bolfo » 16.10.2005, 12:47

Nach 35 Jahren Motorsport zieht sich Peter Sauber aus dem Rennsport zurück. Nur sehr wenige haben den Rennsport so sehr geprägt wie er, nur sehr wenige Privatteams konnten solch grosse Erfolge feiern. 13 Jahren fuhren die Sauber-Boliden in der Formel 1 mit. SAUBER - eine Erfolgsstory, welche nach 35 Jahren ihr Ende nimmt....


Die ersten Grosserfolge

Die ersten Grosserfolge der Schweizer Rennwagen-Schmiede stellten sich Ende der achtziger Jahre ein. Sauber hatte zuvor Mercedes zur Rückkehr in den Motorsport bewogen. Glanzlichter der Partnerschaft mit dem Hersteller aus Stuttgart bildeten der Doppelerfolg im 24-Stundenrennen in Le Mans (1989) sowie der zweimalige Gewinn des Marken- und des Fahrer-Titels in der damaligen Sportwagen-WM (1989 und 1990). Zu den Piloten, die 1990 und 1991 unter Saubers Ägide ihre rennsportlichen Sporen verdienten, gehörten drei spätere Formel-1-Cracks: Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger.

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Sauber-Doppelsieg im 24-Stundenrennen in Le Mans 1989



1993 - Der Einstieg in die Formel 1

1993 steigt Sauber mit den Fahrern JJ Lehto und Karl Wendlinger in die Formel 1 ein. Lehto schafft es gleich beim ersten Rennen in Kyalami in die Punkteränge - Platz 5 und 2 Punkte. Insgesamt hatten zuvor nur vier Neuankömmlinge den WM-Einstand mit einem Punktgewinn gefeiert.
Im 4. Rennen in Imola schafft Lehto sogar einen hervorragenden 4. Platz, obwohl er in der letzten Runde wegen eines Motorschadens stehen bleibt. Tiefpunkt der Saison war wohl Monaco, als beide Sauber-Piloten in der Loews-Kurve miteinander kollidierten....
Sauber belegt im ersten Jahr den 7. Platz der Konstrukteursweltmeisterschaft mit 12 Punkten.

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Sauber mit seinen beiden Fahrern 1993

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1994 - Der grosse Schock

Im zweiten Jahr erfolgt der grosse Schock. Unmittelbar nach dem schwarzen Wochenende in Imola, dem Roland Ratzenberger und Ayrton Senna zum Opfer fielen, verunglückt auch der österreichische Sauber-Fahrer Karl Wendlinger im Training zum GP in Monaco schwer. Ausgangs des Tunnels dreht sich Wendlinger und fliegt unkontrolliert in die Streckenbregrenzung in Der Hafen-Schikane. 19 Tage lang liegt Wendlinger im Koma und ringt mit dem Tod. Er überlebt, doch indirekt beendet dieser Crash seine F1-Karriere. Ein Rennen zuvor wurde er noch sehr guter 4. .
Sauber erringt wie im Vorjahr 12 Punkte und wird 8. der WM.


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Wendlingers Crash 1994 in Monaco stellt den Tiefpunkt des Teams dar.




1995 - Potente Sponsoren

Ab 1995 trennen sich die Wege von Sauber und Mercedes. Sauber fährt mit Ford-Motoren, doch der Saisonstart misslingt. Teamchef Peter Sauber bezeichnet das Auto selbst als "Gurke".
Immerhin tut sich sponsormässig einiges: Red Bull und Petronas steigen als Sponsoren ein. Eine Zusammenarbeit, die sehr lange dauern sollte.
In Monza erreicht H.H. Frentzen als 3. den ersten Podestplatz für das schweizer Team. Sauber erreicht 18 WM-Punkte und den 7. Platz in der Konstrukteurswertung.

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Frentzen im Sauber. Beim letzten Rennen in Adelaide scheidet er an 2. Stelle liegend aus....




1996 - Der verpasste Sieg....

In diesem Jahr nimmt Johnny Herbert neben Frentzen als 2. Fahrer Platz. Das Highlight der Saison wird Monaco: Nur 4 Fahrer sehen beim Regenrennen die Zielflagge, darunter beide Sauber-Piloten. Herbert wird 3., Frentzen 4., das bislang beste Team-Ergebnis der Sauber-Geschichte. Doch der Erfolg hat einen bitteren Beigeschmack: Frentzen stösst im Rennen mit Irvine zusammen, und verpasst so den Sieg, weil er die Frontpartie auswechseln muss.
Am Ende wird der 7. Platz in der Konstrukteurswertung mit 11 WM-Punkten.


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1997 - Der Motor fürs Leben

Vor dem Saisonstart 1997 platzt die Bombe: Sauber bekommt die Ferrari-Triebwerke, jeweils die Vorgängerstufe. Motorenmässig bedeutet dies ein enormer Sprung nach vorne.
Beim ersten Rennen wird Herbert gleich beim Start abgeschossen - an 2. Stelle liegend. Dennoch holt er beim GP von Ungarn mit einem 3. Platz das Podium nach.
Als Flop hingegen stellt sich die Fahrer-Wahl des 2. Cockpits heraus: Larini kann beim ersten Rennen als 6. punkten, wird dann aber nach Monaco wegen mangelnder Leistungen entlassen. Die Ersatzpiloten Morbidelli und Fontana versagen auf der Strecke: keine Punkte.
Am Ende der Saison belegt Sauber mit 16 WM-Punkten den 7. Platz in der Konstrukteurswertung

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1998 - Einzug eines Superstars

Auf dem Neuzugang beruhen die grossen Hoffnungen: Jean Alesi. Der emotionale Franzose belegt in der Regenschlacht von Belgien den 3. Platz hinter dem Jordan-Duo Hill/R. Schumacher. Mit viel Pleiten, Pech und Pannen holt man nur 10 WM-Punkte, schafft aber dennoch zum ersten Mal 6. Platz in der Konstrukteurswertung.


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Manchmal zu emotional: Jean Alesi.





1999 - Schlechtes Jahr, wenig Punkte

Diese Saison war leider nicht besonders erfolgreich. Das neue konstruierte halbautomatische Getriebe mit sieben Gängen wurde zum Sorgenkind dieser Saison. So konnten Alesi und Diniz nur einige sechste Plaetze erreichen, doch das wars auch schon. Alesi kann die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen.
Mit lediglich 5 Punkten stürzt man auf den 8. Rang der Konstrukteurswertung ab.




2000 - Keine Besserung in Sicht

Auch das Jahr 2000 wird für Sauber nicht wesentlich besser. Neuzugang Salo kann nur selten überzeugen. Insgesamt verläuft die Saison wie im Vorjahr enttäuschend. 6 Punkte und ein 8. Platz in der Konstrukteurswertung sind die magere Ausbeute einer schwierigen Saison.


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Salos einzige Saison bei Sauber.




2001- Die jungen Überflieger

Im Vorfeld zur neuen Saison lässt Sauber eine Sensation verlauten: Zum ersten Mal will man nicht mehr auf altgediente, erfahrene Piloten setzen, sondern auf junge Fahrer mit Motivation. Unter heftigster Kritik der meisten anderen Teamchefs holt Sauber Kimi Räikkönen in die Formel 1, welcher neben Nick Heidfeld Platz nimmt.
Das Risiko lohnt sich. Der frische Wind der jungen Fahrer bringt die beste Saison für Sauber überhaupt. Der erfahrenere Nick Heidfeld übernimmt die Führungsrolle und kann gleich beim 3. Saisonrennen einen sensationellen 3. Platz herausfahren. GP-Neuling Räikkönen lässt durch sehr gute Ergebnisse aufhorchen, die Kritik ist sehr schnell verstummt. Der grösste Kritiker, McLaren-Boss Ron Dennis, bietet dem kühlen Finnen schon vor Saisonmitte einen Vertrag an....

Saubers Mut wird belohnt: Mit dieser geglückten Kombination und mit 21 WM-Punkten erreicht Sauber den 4. Platz in der Konstrukteurswertung; das bislang mit Abstand beste Endergebnis der schweizer Truppe aus Hinwil!!


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Sauber landete 2001 mit seinen beiden jungen Fahrern den ganz grossen Coup.





2002 - Nachwuchstalent gefälligst??

Nach dem Weggang Räikkönens holt Sauber erneut einen Neuling in die Formel 1: Felipe Massa. Doch der junge Brasilianer scheint im Gegensatz zu Räikkönen Startschwierigkeiten zu haben. Trotz guter Ergebnisse wird er für 2003 ein Jahr lang als Testfahrer bei Ferrari parkiert. Eine Entscheidung, welche sich in Zukunft auszahlen sollte....
Einen schönen Erfolg gibt es in Spanien, wo Heidfeld als 4. und Massa als 5. nur knapp einen Podestplatz verfehlen.

Mit dem 5. Platz in der Konstrukteurswertung und 11 WM-Punkten ist Sauber zwar schlechter als im Vorjahr, etabliert sich aber dennoch im vorderen Mittelfeld.


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Massa ist der neue junge Fahrer bei Sauber.






2003 - Der grosse Rückkehrer

2003 kehrt H.H. Frentzen zu Sauber zurück. Der Höhepunkt der Saison wird der GP der USA, bei welchen Frentzen 3. und Heidfeld 5. werden und somit in allerletzter Minute das Steuer in der Konstrukteurswertung noch rumreissen können: 5. Platz mit 19 Punkten.

Doch auch abseits der Rennstrecke kann Sauber Erfolge verzeichnen: Sauber eröffnet den eigenen Windkanal, der modernste der gesamten Formel 1. Damit schafft das Team einen weiteren Sprung nach vorne.


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2004 - Der Wunschfahrer kommt

In diesem Jahr kann Sauber Fisichella verpflichten, der schon seit Jahren ganz oben auf Saubers Wunschliste stand. Daneben wird der bei Ferrari als Testfahrer parkierte Massa zurück ins Team geholt. Massa hat sich im Zwischenjahr sehr gut weiterentwickelt und wird zu einem sicheren Wert der Hinwiler.
Die Saison verläuft sehr gut. Besonders Fisichella punktet regelmässig weit vorne. Schlussendlich hat Fisico 22, Massa 12 Punkte. So viele Punkte holte Sauber noch nie. 34 Punkte und ein 6. Platz in der Konstrukteurswertung belegen, dass Sauber das beste Privatteam der gesamten Formel 1 ist!!


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2005 - Weltmeister an Bord!!

In diesem Jahr schafft es Sauber erstmals, einen Weltmeister zu verpflichten: Jacques Villeneuve. Doch die Leistungen des Kanadiers lassen zu wünschen übrig. Trauriger Tiefpunkt: Mit einem hirnrissigen Überholmanöver reisst er sich und sein Teamkollege Massa in Monaco aus den Punkten.... Die einzigen guten Auftritte werden Imola und Spa sein. Massa indes hat seinen Teamkollegen regelmässig im Griff, hat jedoch oft Pech. In Spa vergibt er wegen falscher Reifenwahl sogar einen Podestplatz. Dennoch ist Massa ganz klar der Stützpfeiler des Teams.

Doch auch neben dem Renngeschehen geschieht Grosses: Sauber kündigt an, dass er seinen Rennstall an BMW verkaufen und sich als Teamchef aus der Formel 1 verabschieden werde.

Danach wird das Auto nicht mehr modifiziert, und Sauber fällt immer weiter zurück....

Zu seinem Abschied jedoch schenkt ihm Massa mit einem 6. Platz die letzten 3 WM-Punkte!!!!

Sauber kommt am Ende auf 20 Punkte und belegt den 8. Platz der Konstrukteurswertung.


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Konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen: Jacques Villeneuve....




Der Abschied

Peter Sauber kann auf eine starke Karriere zurückblicken. Über 200-mal starteten seine Boliden im Grand-Prix-Zirkus. Sechs dritte Ränge waren die besten Platzierungen.

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Sauber mit seiner Zigarre....

Jody
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Beitragvon Jody » 16.10.2005, 17:35

Toll gemacht, bolfo.
Mit dem Sauber Team geht ein großes Stück F1 Geschichte in Rente.
T.B.S.

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Beitragvon Sandy » 16.10.2005, 18:59

Super, danke bolfo!

LG Sandy

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Beitragvon Williams No.1 » 16.10.2005, 19:18

super bolfo! Echt klasse! mach noch mehr solcher "Kurzbiografien"
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Beitragvon Andi » 16.10.2005, 19:42

super bolfo!war sicher viel arbeit!naja sauber war echt ein schönes team ich werde es vermissen aber peter sauber bleibt uns doch erhalten oder>?
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Beitragvon kn@Xer » 16.10.2005, 20:35

Hey bolfo

Klasse was du da zusammengestellt hast... :D :D :D
Wirklich schade dass das Kapitel Sauber beendet ist. :(

Kimifan05

Beitragvon Kimifan05 » 17.10.2005, 09:37

Das Sauber nun nicht mehr in der F1 dabei ist, ist sehr schade, aber es war eine schöne Zeit :lol:

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Beitragvon bolfo » 17.10.2005, 14:47

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Quelle: BLICK

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Beitragvon Williams No.1 » 17.10.2005, 14:54

vor allem finde ich die Bilder gut die du ausgewählt hast! nochmal super bolfo!^^
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Beitragvon alina » 17.10.2005, 14:58

was würde wir nur ohne dich tun, bolfo :?:
super gemacht Bild
ron dennis: "to finish first, you first need to finish" (sagt der richtige)

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Beitragvon bolfo » 17.10.2005, 20:36

alina hat geschrieben:was würde wir nur ohne dich tun, bolfo :?:
super gemacht Bild


.... sicher nichts über Sauber lesen :wink:

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Beitragvon bolfo » 18.10.2005, 00:22

Für das Sportmagazin kicker interviewte Heinz Prüller Peter Sauber zu seinem Abgang aus der Formel 1.



"Ich war im Rennsport sehr glücklich"

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Nach 13 Jahren im Formel-1-Zirkus zieht sich der Schweizer Rennstallgründer Peter Sauber nach dem Grand Prix in Shanghai am Sonntag aus dem Motorsport zurück. Im kicker-Interview zieht der 62-Jährige Bilanz und spricht über seine Zukunft.
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kicker: Peter Sauber, Sie werden am heutigen Donnerstag 62 und verabschieden sich nach 13 Jahren und 217 Grand Prix mit 192 WM-Punkten und sechs Podestplätzen vom Formel-1-Zirkus. Mit frohem oder mit gebrochenem Herzen?

Peter Sauber: Mit einem Abschiedsessen mit den anderen Teamchefs in Schanghai, einem Aperitiv mit Freunden und am Sonntagabend, nach dem GP von China, mit einer Party mit meinem Team.

kicker: Wie ist Ihre generelle Stimmung? Wehmut - oder eher die Frage, ob man zu früh oder vielleicht zu spät aufgehört hat?

Sauber: Nein, genau richtig. Man darf nicht zu spät gehen. Aber Wehmut ist immer dabei. Hätte ich keine, wäre es ja nicht schön gewesen. Für mich war der Verkauf an BMW die perfekte Lösung. Das Team bekommt die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln mit einem Partner, der siegen will. Ich habe meine Nachfolge perfekt gelöst. Das Team in Hinwil wird von derzeit 285 auf 400 Mitarbeiter aufgestockt. Es gibt also 115 offene Stellen, die wir in zwei Inseraten in England schon ausgeschrieben haben. Gesucht sind Aerodynamiker, Modellschreiner oder CAD-Spezialisten. Das Testteam wird ebenfalls vergrößert - auf zwei Autos und häufigere Tests. Die Firma wächst in allen Bereichen.

kicker: Ihr sympathisches Privatteam, das nicht im Rennsportmutterland England wuchs, sondern in den Alpen, und jetzt BMW gehört, hat viele Fans. Wo werden Sie noch Einfluss nehmen?

Sauber: Nirgends.

kicker: Aber sich ganz zurückziehen können Sie wohl auch nicht?

Sauber: Ich behalte 20 Prozent des Unternehmens. Das ist viel.

kicker: Wie bleiben Sie mit dem Team verbunden?

Sauber: Einfluss nehme ich nur, wenn man mich fragt. Dann werde ich gerne meine Erfahrungen einfließen lassen. Ich habe einen Beratervertrag mit BMW, der beinhaltet, dass ich bis 2008 der Credit Suisse zur Verfügung stehe, auch für Events von BMW in München und der Schweiz. Momentan arbeite ich an einem neuen Vertrag mit Petronas. Ich hoffe, ihn bald abzuschließen. Das wird mich genügend ausfüllen.

kicker: Und die Rennen verfolgen Sie ab 2006 nur noch im TV?

Sauber: Die meisten. Ein paar Grand Prix werde ich natürlich besuchen.

kicker: Ihr Motorsportleben im Rückspiegel - ein Blick zurück mit oder ohne Zorn?

Sauber: Ich schaue weniger auf meine 13 Jahre in der Formel 1, sondern mehr auf meine 36 Jahre im Motorsport. Und da bin ich mit dem Erreichten absolut zufrieden, am meisten mit unseren zwei Sportwagen-WM-Titeln und dem Doppelsieg 1989 in Le Mans.

kicker: Hätten Sie in der Formel 1 mehr erreichen können, wenn Sie mit Ihrer Firma nach England übergesiedelt wären?

Sauber: Wir haben erreicht, was möglich war - mehr haben unsere Ressourcen nicht erlaubt. Wir haben sechs Podestplätze und einen 4. Rang in der Konstrukteurs-WM.

kicker: Die größte Freude . . .

Sauber: . . . waren natürlich die Podestplätze. Den ersten für uns holte Heinz-Harald Frentzen 1995 in Monza und den letzten auch wieder Frentzen - in Indianapolis 2003. Nick Heidfeld wurde damals Fünfter, also holten wir in den USA gleich zehn WM-Punkte.

kicker: Und Ihre größte Enttäuschung?

Sauber: Dass wir das eine oder andere Mal, wo wir hätten gewinnen können, halt nicht gewonnen haben. Betrachtet man aber meine mehr als 30 Jahre Motorsport am Stück, blicke ich sicher positiv zurück. Außer dem Wendlinger-Unfall 1994 in Monte Carlo war alles positiv - und sogar der ist positiv ausgegangen. Ich war also im Rennsport sehr glücklich.

kicker: Ihr eigentlicher Beruf war Elektromonteur.

Sauber: Und ich sollte ursprünglich das Elektrogeschäft Sauber und Gisin in Rankweil, Österreich, übernehmen. Sauber, das waren mein Vater und Großvater, Gisin war der Name meiner Vorarlberger Großmutter. Ich habe also ein Viertel österreichische Wurzeln.

kicker: Hatten Sie Vorbilder?

Sauber: Ich habe immer nur in die Gegenwart und Zukunft geblickt, nie in die Vergangenheit. Meine Pokale stehen alle im Keller.

kicker: Worauf freut sich der gut situierte Privatmann Peter Sauber jetzt am meisten?

Sauber: Auf meine Zigarren, das Skilaufen in Laax, das in den letzten 36 Jahren viel zu kurz gekommen ist, und aufs Motorradfahren. Ich fahre seit 20 Jahren eine BMW, aber das ist reiner Zufall . . . Vor allem möchte ich viel reisen, auf zwei Rädern über die Dolomiten und Ferien machen, wann, wo und wie lange ich will - und nicht mehr nach dem Formel-1-Kalender.

Interview: Heinz Prüller

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Beitragvon bolfo » 18.10.2005, 00:35

Der BLICK, die grösste unabhängige Schweizer Zeitung, verabschiedete Peter Sauber heute mit folgendem Online-Bericht:


GP China
Bye-bye Sauber

SCHANGHAI – Mit dem Abschluss der Formel-1-Saison in Schanghai ist auch das Kapitel Sauber nach 13 Jahren in der Königsklasse des Motorsports zu Ende geschrieben.



Die sportlichen Höhepunkte in 13 Jahren Formel 1 und 215 Rennen mit nun 195 WM-Punkten waren neben dem vierten Platz in der Konstrukteurswertung 2001 sechs dritte Plätze in Grossen Preisen – eine beachtliche Bilanz für ein Privatteam wie den Rennstall aus dem Zürcher Oberland.

Markante Spuren hinterlassen die Hinwiler aber auch abseits der Rennstrecken. Peter Sauber darf für sich in Anspruch nehmen, mit Kimi Räikkönen das neben Fernando Alonso grösste Talent seit Michael Schumacher in die Formel 1 gebracht zu haben.

Für diesen Entscheid hagelte es zunächst Kritik von allen Seiten, doch der Wind drehte sich sehr schnell. McLaren-Boss Ron Dennis löste den Finnen nach nur einer Saison für geschätzte 25 Millionen Franken aus dem laufenden Vertrag und machte ihn 2002 zum Nachfolger von Doppel-Weltmeister Mika Häkkinen.

Den richtigen Riecher hatte Peter Sauber auch im Fall von Felipe Massa. Der Brasilianer war nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem Lehrjahr bei Ferrari zuletzt zu einem sicheren Wert geworden. Und schliesslich sass mit Heinz-Harald Frentzen in den ersten drei Saisons ein nachmaliger WM-Zweiter im Sauber-Cockpit.


Dazu war Peter Sauber auch der erfolgreiche Drahtzieher bei der Rückkehr von Mercedes in die Formel 1. Als die Marke aus Stuttgart 1994 nach 39 Jahren ihre Aktivitäten wieder aufnahm, mochten danach auch Honda, Renault und Toyota und BMW nicht zurückstehen. Die Bayern geben nach sechs Jahren als Motorenpartner von Williams in der nächsten Saison ihr Debüt als eigenständiger Teilnehmer. Mit dem Verkauf seines Rennstalls war Peter Sauber auch hierzu Wegbereiter.

Auf den ersten Blick eine leise Enttäuschung stellte diese Saison dar. Nach den Plätzen sechs (2004 und 2003), fünf (2002) und vier (2001) war die Sauber-Truppe gerade noch die Nummer acht unter den Formel-1-Teams. Allerdings wurde die Konkurrenz im Haifischbecken Formel 1 zunehmend grösser: Renault, McLaren-Mercedes, Ferrari, BAR-Honda und BWM-Williams lagen für Sauber von vornherein ausser Reichweite.

Darüberhinaus legte in dieser Saison auch die Toyota-Werkstruppe zu – und Red Bull verzeichnete im Frühling einen bärenstarken Einstieg in sein Auftaktjahr und konnte sich in den beiden ersten Rennen in Australien und Malaysia gegenüber Sauber gleich ein beruhigendes Polster von elf Punkten verschaffen.


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Treten das Sauber-Erbe an: BMW und dessen Motorsportdirektor Mario Theissen.


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Peter Sauber und Flavio Briatore, Weltmeister-Macher in Diensten von Renault.


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Lichtblick in der letzten Saison: Felipe Massa wechselt auf die nächste Saison hin zu Ferrari.


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Peter Sauber und sein früherer Sponsor Didi Mateschitz, der jetzt mit Red Bull die Formel 1 aufmischt.


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Peter Sauber und die beiden Piloten, mit denen das Team seine letzte Saison bestritt: Felipe Massa und der frühere Weltmeister Jacques Villeneuve.

Iceman24
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Beitragvon Iceman24 » 18.12.2005, 11:56

Peter Sauber wurde gestern bei den "Credit Suisse Sport Awards" als "Ehrenpreisträger 2005" für seine grossartige Leistung in der F1 ausgezeichnet. :D
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Beitragvon bolfo » 18.12.2005, 14:04

Iceman24 hat geschrieben:Peter Sauber wurde gestern bei den "Credit Suisse Sport Awards" als "Ehrenpreisträger 2005" für seine grossartige Leistung in der F1 ausgezeichnet. :D


Völlig verdient, diese Auszeichnung. Das Team Sauber war wirklich das Lebenswerk des Peter Sauber. Ich war höchsterfreut, dass ihm diese Ehre zuteil wurde.


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