Handfestes zum Weltgeschehen

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Typ17 GTI
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Re: Handfestes zum Weltgeschehen

Beitragvon Typ17 GTI » 25.07.2019, 11:41

MarM hat geschrieben:Gerade in der Klimaforschung gibt es extrem viele kluge Köpfe, und wenn wirklich eine große Mehrheit davon sagt "ja, wir können regionale Klimamessungen der letzten 2000 Jahre messen" und "Ja, es gibt einen menschgemachten Treibhauseffekt" sollte man dies auch hinnehmen können.


Eine MWP lässt sich regional und zeitlich nur unscharf feststellen, den meisten Rekonstruktionen zufolge dürfte sie nach 900 begonnen und vor 1400 geendet haben. Der wärmste Zeitraum auf der Nordhalbkugel lag demnach zwischen 950 und 1250.

Es gab während der mittelalterlichen Warmzeit mit hoher Sicherheit einige Regionen, die damals in etwa so warm waren wie gegen Mitte, teilweise auch Ende des 20. Jahrhunderts. https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalterliche_Klimaanomalie


Die mittelalterliche Klimaanomalie kann man also nicht 100%ig regional und zeitlich eingrenzen. Aber man iat sich zu 100% sicher, daß es heute anders ist und schneller vonstatten geht.

MarM hat geschrieben: Skepsis ist zwar in der Wissenschaft prinzipiell gut, wird aber im Moment zu dogmatisch angewandt.


Sorry, der Dogmatismus herrscht heute auf beiden Seiten. Wird ja auch die gesunde Skepsis verteufelt. Und eine gesunde Skepsis zu haben, ist nicht der leichteste Weg. Der leichteste Weg ist alles einfach zu glauben, was man vorgesetzt kriegt.

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Plauze
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Re: Handfestes zum Weltgeschehen

Beitragvon Plauze » 25.07.2019, 12:26

Typ17 GTI hat geschrieben:
MarM hat geschrieben:Dafür gibt es einige Quellen. Zunächst mal ist natürlich das Eis in der Arktis bzw in den Bergen interessant, welches seit tausenden Jahren unberührt ist. Daraus kann man ziemlich genaue Rückschlüsse auf das Klima ziehen.


Sicherlich kann man anhand von Eisbohrkernen und auch Jahresringen von Bäumen, die Klimatischen Bedingungen vergleichen. Nur kann man die regionalen klimatischen Bedingungen von vor 2000 Jahren komplett global nachweisen?

Selbstverständlich, und man kann sogar mehr als das.
Die Gletscherentwicklung auf den verschiedenen Kontinenten und das Wachstum von Bäumen lassen sich über Jahrtausende lückenlos zurückverfolgen. An besiedelten Orten kann man Rückschlüsse aus den Pflanzen- und Getreidesorten ziehen, die von den ansässigen Bauern kultiviert wurden.
Allerdings müsste man ja gar nicht so genau arbeiten, um die grundlegende These der Studie zu belegen: Es genügt, wenn die Kalt- und Warmzeitzyklen seit der letzten Eiszeit an nur zwei Orten der Erde (sagen wir, Arktis und Anden) nicht parallel verlaufen sind, um zu zeigen, dass die Klimaerwärmung, die wir derzeit erleben, in ihrer Globalität beispiellos ist.

Typ17 GTI hat geschrieben:
Eine MWP lässt sich regional und zeitlich nur unscharf feststellen, den meisten Rekonstruktionen zufolge dürfte sie nach 900 begonnen und vor 1400 geendet haben. Der wärmste Zeitraum auf der Nordhalbkugel lag demnach zwischen 950 und 1250.

Es gab während der mittelalterlichen Warmzeit mit hoher Sicherheit einige Regionen, die damals in etwa so warm waren wie gegen Mitte, teilweise auch Ende des 20. Jahrhunderts. https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalterliche_Klimaanomalie


Die mittelalterliche Klimaanomalie kann man also nicht 100%ig regional und zeitlich eingrenzen. Aber man iat sich zu 100% sicher, daß es heute anders ist und schneller vonstatten geht.

Das eine hat ja auch mit dem anderen nichts zu tun. Man kann natürlich nicht ganz klar sagen, genau ab diesem Jahr wurde es kälter oder wärmer, genau ab diesem Jahr war es am wärmsten, und zwar genau an diesem Ort. Hinzu kommt, dass die verschiedenen Einflussfaktoren an verschiedenen Orten unterschiedlich stark gewirkt haben. Diese Ungenauigkeiten sind völlig normal und im übrigen viel wissenschaftlicher, als wenn sich irgendein "Experte" hinstellen und behaupten würde, alles genau zu wissen.

Die Tendenz, in die sich in bestimmten Regionen der Erde über die letzten ca. 7000 Jahre das Klima entwickelt hat, lässt sich aber sehr gut nachvollziehen, und da hilft auch keine gesunde Skepsis, die, meine ich, in deinem Fall eher ungesund ist, weil du lieber nach dem Haar in der Suppe suchst, als das Gesamtbild zu betrachten und zu verstehen, dass die Forschung nicht falsch liegt, nur weil sie bestimmte Parameter der klimatischen Entwicklung nicht bis ins allerletzte winzige Detail belegen kann - zumal deine Skepsis, was Belege angeht, noch auf wesentlich wackligeren Füßen steht.

In letzter Konsequenz stellt sich übrigens sowieso weniger die Frage, inwieweit der derzeitige Klimawandel für die Erde ein "normaler" Prozess ist, denn im Grunde genommen hat dieser Planet in seiner gesamten Geschichte eh schon alle Extreme durchlebt. Die Frage ist vielmehr, wie wir damit umgehen können und was wir tun können, um in Zukunft in relativem Komfort und ohne erhebliche Dezimierung unserer Bevölkerung weiter auf der Erde leben zu können.
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RedBull_Formula1
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Re: Handfestes zum Weltgeschehen

Beitragvon RedBull_Formula1 » 25.07.2019, 14:31

Typ17 GTI hat geschrieben:
RedBull_Formula1 hat geschrieben:Klimaschwankungen gab es schon einige Tausend Jahre zuvor, jedoch sind solche Schwankungen nur regional aufgetreten. Der Unterschied zur heutigen "Neuzeit" ist jedoch, dass extreme Klimaereignisse parallel auf der ganzen Welt in Erscheinung treten.


Eine globale Wetterbeobachtung durch Satelliten gibt es erst seit 1966. Wie will man wissen, wie vor 2000 Jahren der Sommer global ausgefallen ist?


Die Daten wurden wissenschaftlich rekonstruiert. MarM und Plauze haben dir ja bereits detailliert geantwortet.

Here we use global palaeoclimate reconstructions for the past 2,000 years


Die Wissenschaftler nutzten unter anderem die PAGES2k-Datenbank, die Daten zum Klimawandel der letzten 2000 Jahre enthält. Die Temperaturen wurden aus den Jahresringen von Bäumen herausgelesen, weil sich deren Dicke und Holzdichte mit der Temperatur verändert, oder aus den langsam wachsenden Korallenstöcken, an denen sich Veränderungen der Wassertemperatur ablesen lassen.


Außerdem hätte ich eine Gegenfrage: Wieso zweifeln Klimawandel-Skeptiker immer an rekonstruierten/geschätzten Daten und verweisen gleichzeitig auf Klimaschwankungen in der Vergangenheit, obwohl jene Beobachtungen ebenfalls auf rekonstruierten/geschätzten Daten zurückgehen?

Das in etwa so wie:

Person A: Der Klimawandel ist echt und wird verstärkt durch die Menschheit verursacht.
Person B, der Klimaskeptiker: Nein, es gab schon immer Klimaschwankungen. Wir erleben nur zurzeit eine äußerst heiße Phase.
Person A: Wissenschaftlicher behaupten, dass der heutige Klimawandel eine globale parallele Erscheinung ist und sich dadruch zur Vergangenheit abgrenzt.
Person B: Ich zweifle an den Daten, aber du, die Klimaschwankungen gab es auch schon früher...
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Re: Handfestes zum Weltgeschehen

Beitragvon DeLaGeezy » 25.07.2019, 19:41

Ich weise immer wieder darauf hin, dass manche Staaten in denen F1 gefahren wird mit größter Vorsicht zu genießen sind.
Hier mal ein Beispiel:
handelsblatt.com

ich finde zwar dass das für den lindner noch mindestens eine halbe Stunde zu wenig war, aber was dahinter steckt ist schon bedenklich.
:checkered: Mercedes AMG F1 Team Fanclub


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