Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

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Formel Heinz
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Formel Heinz » 04.08.2016, 01:19

Vendue hat geschrieben:Die derzeitige Entwicklung, dass immer mehr Schüler ins Gymnasium wechseln, finde ich nicht unbedingt schlecht. Wieso sollte man diesen Schülern nicht eine Chancen geben? Einerseits profitieren davon Schüler, die sich später entwickeln und dann zu guten Schülern werden können, andererseits profitieren Schüler aus unteren sozialen Schichten, deren Familien nicht die finanziellen Mittel für Nachhilfe (oder für eine Klage) besitzen oder an Bildung interessiert sind.
Es sei gesagt, dass sich dies auf Deutschland und Österreich beziehen soll. In der Schweiz gehen die Schüler sowieso erst später aufs Gymnasium.

Es ist nicht schlecht, aber sich -wie im von Bolfo dargelegten Fall - ins Gymnasium zu klagen, das ist falsch. Und gerade wenn ein Gericht sagt, dass es keine Note vergeben könne, aber sich sicher sei, dass die vom Lehrer gegebene Note falsch ist, dann läuft doch was nicht richtig.
Man kann den Schülern gerne eine zweite Chance geben, diese sollte aber über ihre Leistungen gehen, z.B. indem man sie Zusatzprüfungen machen oder die gescheiterte Prüfung wiederholen lässt - aber der Rechtsweg sollte ausgeschlossen sein.

PS: Meine Antwort zu Deinem ersten Absatz habe ich mal im "Weltanschauungs"-Thread gepostet.
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Danny McNamara
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Danny McNamara » 04.08.2016, 13:39

Formel Heinz hat geschrieben:
Vendue hat geschrieben:Die derzeitige Entwicklung, dass immer mehr Schüler ins Gymnasium wechseln, finde ich nicht unbedingt schlecht. Wieso sollte man diesen Schülern nicht eine Chancen geben? Einerseits profitieren davon Schüler, die sich später entwickeln und dann zu guten Schülern werden können, andererseits profitieren Schüler aus unteren sozialen Schichten, deren Familien nicht die finanziellen Mittel für Nachhilfe (oder für eine Klage) besitzen oder an Bildung interessiert sind.
Es sei gesagt, dass sich dies auf Deutschland und Österreich beziehen soll. In der Schweiz gehen die Schüler sowieso erst später aufs Gymnasium.

Es ist nicht schlecht, aber sich -wie im von Bolfo dargelegten Fall - ins Gymnasium zu klagen, das ist falsch. Und gerade wenn ein Gericht sagt, dass es keine Note vergeben könne, aber sich sicher sei, dass die vom Lehrer gegebene Note falsch ist, dann läuft doch was nicht richtig.
Man kann den Schülern gerne eine zweite Chance geben, diese sollte aber über ihre Leistungen gehen, z.B. indem man sie Zusatzprüfungen machen oder die gescheiterte Prüfung wiederholen lässt - aber der Rechtsweg sollte ausgeschlossen sein.

PS: Meine Antwort zu Deinem ersten Absatz habe ich mal im "Weltanschauungs"-Thread gepostet.


Diese Suggestion, wer nicht auf ein Gymnasium wechseln kann, dem wird irgendwie eine Chance genommen bzw. nicht gegeben, ist in Bezug auf Deutschland komplett irreführend und falsch.

Bei dieser Feststellung muss ich nicht auf irgendwas verweisen, sondern kann meinen eigenen Werdegang heranziehen.

Lasst Euch also von mir, einem Migranten und Arbeiterkind, sagen, dass das Bildungssystem keinen solch frühen Point-of-No-Return kennt.
Ich selbst habe am Anfang "nur" eine Realschule besucht und die Mittlere Reife abgelegt und erst dann direkt danach meine Allgemeine Hochschulreife nachgeholt, bevors dann letzlich an die Uni ging und ich meine akademischen Grade in den Wiwis gemacht habe...

Jeder (nicht ihr beide, sondern gerne ganz allgemein) der in Deutschland irgendwas davon erzählt, dass die Gesellschaft für irgendein persönliches Bildungsversagen die Verantwortung trägt, weil einem irgendwie die "Chancen" verwehrt wurden,
der redet übelsten BULLSHIT, der mich wirklich extrem aufregt...
kostenlose Schulbildung, öffentliche Bibliotheken (selbstständige Nachhilfeoption!) und universitäre Ausbildung zum Spartarif, wovon die meisten Menschen in der übrigen Welt nur träumen können, nicht nur in der dritten Welt.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Formel Heinz » 04.08.2016, 14:19

Danny McNamara hat geschrieben:Diese Suggestion, wer nicht auf ein Gymnasium wechseln kann, dem wird irgendwie eine Chance genommen bzw. nicht gegeben, ist in Bezug auf Deutschland komplett irreführend und falsch.

Bei dieser Feststellung muss ich nicht auf irgendwas verweisen, sondern kann meinen eigenen Werdegang heranziehen.

Lasst Euch also von mir, einem Migranten und Arbeiterkind, sagen, dass das Bildungssystem keinen solch frühen Point-of-No-Return kennt.
Ich selbst habe am Anfang "nur" eine Realschule besucht und die Mittlere Reife abgelegt und erst dann direkt danach meine Allgemeine Hochschulreife nachgeholt, bevors dann letzlich an die Uni ging und ich meine akademischen Grade in den Wiwis gemacht habe...

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Du hast vollkommen Recht! Ich habe keineswegs gemeint, dass jemandem eine Chance genommen wird; ich hab nur gemeint dass man einen höheren Bildungsweg durch eigene Leistungen (egal wann) erreichen soll und nicht durch den Anwalt.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Danny McNamara » 04.08.2016, 14:56

Formel Heinz hat geschrieben:
Danny McNamara hat geschrieben: :chat: :chat: :chat:


Du hast vollkommen Recht! Ich habe keineswegs gemeint, dass jemandem eine Chance genommen wird; ich hab nur gemeint dass man einen höheren Bildungsweg durch eigene Leistungen (egal wann) erreichen soll und nicht durch den Anwalt.


Ich weiß dass Du es nicht hinsichtlich des Raubs von Chancen gemeint hast,
diese Suggestion hat nur Dein Vorredner gebracht...

bitte fühle Dich deshalb nicht von meinem Beitrag angegriffen, denn so war dies nicht intendiert.
Habe Deine Verwendung des Chancen-Begriffs nur deshalb fett markiert, um zu verdeutlichen, wie oft dieser Begriff in dieser Bildungsdebatte verwendet wird.

Wir reden gesellschaftlich dauernd von "Chancen ermöglichen" (hinsichtlich Bildung), obwohl diese für praktisch jeden offen da sind.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Vendue » 04.08.2016, 20:31

Danny McNamara hat geschrieben:Diese Suggestion, wer nicht auf ein Gymnasium wechseln kann, dem wird irgendwie eine Chance genommen bzw. nicht gegeben, ist in Bezug auf Deutschland komplett irreführend und falsch.

Bei dieser Feststellung muss ich nicht auf irgendwas verweisen, sondern kann meinen eigenen Werdegang heranziehen.

Lasst Euch also von mir, einem Migranten und Arbeiterkind, sagen, dass das Bildungssystem keinen solch frühen Point-of-No-Return kennt.
Ich selbst habe am Anfang "nur" eine Realschule besucht und die Mittlere Reife abgelegt und erst dann direkt danach meine Allgemeine Hochschulreife nachgeholt, bevors dann letzlich an die Uni ging und ich meine akademischen Grade in den Wiwis gemacht habe...

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Dieser Erfolg sei Dir zu gratulieren, aber er zeigt auch, dass Dir die Möglichkeit ein Gymnasium zu besuchen, zu Unrecht verwehrt wurde. Natürlich ist es trotzdem möglich auf anderen Wegen die Studienberechtigung zu erhalten, aber es hat schon seine Gründe, wieso Eltern speziell aus höheren sozialen Schichten ihre Kinder in Gymnasien haben wollen. Es ist einfach leichter auf diesem Weg.

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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Danny McNamara » 04.08.2016, 22:10

Vendue hat geschrieben:Natürlich ist es trotzdem möglich auf anderen Wegen die Studienberechtigung zu erhalten, aber es hat schon seine Gründe, wieso Eltern speziell aus höheren sozialen Schichten ihre Kinder in Gymnasien haben wollen. Es ist einfach leichter auf diesem Weg.


Da hast Du natürlich absolut Recht.

Es ist selbstredend leichter ans Abi zu kommen, wenn man schon auf dem Gymnasium ist, weil man praktisch schon ne Menge falsch machen muss, damit einem dies am Ende verwehrt wird.

Als ich mich über die steigenden Abiturientenzahl mokiert habe, so lag bzw liegt dies ja nicht daran, dass ich den "Kreis" möglichst klein halten möchte, sondern weil dies praktisch ja nur über eine Senkung von Standards und einer dazugehörigen Noteninflation geht.

Als ich damals frisch an die Uni gekommen bin, da hatte ich eine gewaltige Portion Demut am Start und ehrlichgesagt auch etwas Angst, dass ich möglicherweise den Anschluss nicht hinbekomme, schließlich war mir bewusst, dass diese Stufe deutlich steiler ist, als die zwischen dem Abi und der Mittleren Reife.
Diese Demut hat mir rückblickend sehr gut getan, frei nach dem Motto "Hope for the best, but prepare for the worst".

Wenn ich mir aber die Anspruchshaltung, ja wirklich, die Anspruchshaltung von einer nicht unerheblichen Anzahl von Studienanfängern anschaue, dann muss ich sagen, dass der Weg für diese vllt einen ordentlichen Ticken zu leicht gemacht wurde...

Ich habe ernsthaft Menschen kennengelernt, welche praktisch schon ihren genauen Lebensplan angefertigt hatten, noch vor der ersten Uni-Prüfung ihres Lebens. Menschen die fest davon ausgegangen sind, dass das Studium nur ne weitere Zwischenstation ist hin zur beanspruchten Traumkarriere als Marketing-Vorstand bei einem Global Player.

Na gut, solche extremen SpinnerInnen waren und sind die Ausnahme.
Was jedoch keineswegs eine Ausnahme ist, sind die zahlreichen Beschwerden von Erstsemestern über "schlechte" Noten und "zu schwere" Prüfungen (welche absolut fair sind, jedoch "leider" kein Malen-nach-Zahlen).

Kann ich nachvollziehen....
wenn man das ganze Leben nur mit 1en überschüttet wurde, für den muss "nur" eine 2,7 an einer Uni ja praktisch eine Beleidigung darstellen.
Von dem Szenario einer durchgefallenen Prüfung viel ich garnicht anfangen...
durchs Turbo-Abi in Verbindung mit weggefallener Wehrpflicht wurden die Erstsemester ja immer jünger, so dass es in jüngster Vergangenheit auch schon mal vorkommt, dass ELTERN sich beim Lehrstuhlinhaber, einem UNIVERSITÄTS-PROFESSOR, über die Noten und "uneinsichtigen" Hiwis beschweren.
Zu "meiner Zeit" vollkommen undenkbar.

Vielleicht ist dies an Privatunis, wo das Studium mal schnell so viel kosten kann wie ein Neuwagen, seit jeher üblich, an staatlichen Universitäten ist dies bzw. war dies in jedem Fall ein Novum.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon bolfo » 06.08.2016, 03:32

Vendue hat geschrieben:
Danny McNamara hat geschrieben:Diese Suggestion, wer nicht auf ein Gymnasium wechseln kann, dem wird irgendwie eine Chance genommen bzw. nicht gegeben, ist in Bezug auf Deutschland komplett irreführend und falsch.

Bei dieser Feststellung muss ich nicht auf irgendwas verweisen, sondern kann meinen eigenen Werdegang heranziehen.

Lasst Euch also von mir, einem Migranten und Arbeiterkind, sagen, dass das Bildungssystem keinen solch frühen Point-of-No-Return kennt.
Ich selbst habe am Anfang "nur" eine Realschule besucht und die Mittlere Reife abgelegt und erst dann direkt danach meine Allgemeine Hochschulreife nachgeholt, bevors dann letzlich an die Uni ging und ich meine akademischen Grade in den Wiwis gemacht habe...

Jeder (nicht ihr beide, sondern gerne ganz allgemein) der in Deutschland irgendwas davon erzählt, dass die Gesellschaft für irgendein persönliches Bildungsversagen die Verantwortung trägt, weil einem irgendwie die "Chancen" verwehrt wurden,
der redet übelsten BULLSHIT, der mich wirklich extrem aufregt...
kostenlose Schulbildung, öffentliche Bibliotheken (selbstständige Nachhilfeoption!) und universitäre Ausbildung zum Spartarif, wovon die meisten Menschen in der übrigen Welt nur träumen können, nicht nur in der dritten Welt.

Dieser Erfolg sei Dir zu gratulieren, aber er zeigt auch, dass Dir die Möglichkeit ein Gymnasium zu besuchen, zu Unrecht verwehrt wurde. Natürlich ist es trotzdem möglich auf anderen Wegen die Studienberechtigung zu erhalten, aber es hat schon seine Gründe, wieso Eltern speziell aus höheren sozialen Schichten ihre Kinder in Gymnasien haben wollen. Es ist einfach leichter auf diesem Weg.


"Zu Unrecht" ist ja dann relativ. Nur, weil mans später gebacken kriegt, heisst es ja noch lange nicht, dass man vorher dazu bereit war. Viel mehr als zu sehen, dass es nicht recht war ist doch, es anzuerkennen, dass das Bildungssystem derart durchlässig ist, dass man dennoch diesen Wechsel später machen kann - ganz ohne Probleme. Zudem, ehrlich: Gerade solche Leute, die sich durchkämpfen mussten sind dann die, die du später auch gebrauchen kannst im Job. Und nicht zwingend jene, denen immer der Zucker in den Ar... geblasen wurde.

Ich kenne auch einige, denen es ähnlich ging.

- Ein Kollege schaffte bei uns "nur" die Realschule. Dann wurde er Zimmermann. Heute ist er Pilot und fliegt für die Emirates
- Ein anderer Kollege machte mit mir die Lehre. Als einziger schaffte er nicht den Eintritt in die Berufsmaturitätsschule. Später studierte er Physik an der ETH Zürich, heute doktoriert er.

Beide haben eines gemeinsam: Zum früheren Zeitpunkt waren sie nicht auf dem richtigen Level. Aber mit harter Arbeit haben sie sich dorthin gebracht. Dieser Umweg war nötig. Ich glaube nicht, dass einer der beiden an einem Gymnasium auch nur ansatzweise eine Chance gehabt hätte. Dort wären sie in diesen Jahren einfach überfordert gewesen.

Insofern konnten sie sich auf anderem Wege dorthin entwickeln. Eine Entwicklung, die sehr grossen Lerneffekt hatte und die sie dorthin brachte, wo sie heute sind. Ich würde aber nicht sagen, dass sie "zu Unrecht" nicht an höheren Stufen damals waren. Menschen entwickeln sich eben. Die können in einem oder zwei Jahren sehr grosse Sprünge machen.


Ich stufe mich auch so ein. Ich war kein guter Primarschüler. Unauffällig, einer aus der Masse. Ganz klar: Das Gymnasium gibts nicht. Das habe ich so akzeptiert. In der Oberstufe wechselte sich dies dann. Ich wurde Klassenbester, hatte am Ende von der gesamten Schule den besten Notenschnitt, hatte in allen schriftlichen Fächern nur Bestnoten (Deutsch, Englisch, Französisch, Geometrie, Algebra, Geschichte, Naturlehre). Und dies nicht, weil ich viel dafür getan hätte. Ich machte es einfach gerne. Danach machte ich eine Lehre, die ich - für mich wenig überraschend - mit der besten Note im gesamten Kanton und einer der besten Noten des Landes abschloss. Dann kam die Fachhochschule, wo ich am Ende einen mit Preisgeld dotierten Preis für die innovativste Diplomarbeit bekam und dann das Studium in Mathematik.

Jetzt wird mir auch oft gesagt: Eigentlich hättest du sofort ans Gymnasium gehen sollen. Aber ich sage klar: Nein. Damals war ich nicht so weit. Ich habe einen Umweg gemacht. Einen Umweg, der mir wesentlich mehr als die blosse Studienmöglichkeit gegeben hat. Sondern ein Umweg, der mit viel Lebens- und auch Berufserfahrung im Alltag brachte. Und ehrlich, wenn ich sehe, mit welcher - teilweise - völligen Realitätsblindheit meine Akademikerkollegen durchs Leben wandeln, dann bin ich froh, dass ich nicht einer bin, der zu ihnen gehört. Besonders dann, wenn einige davon meinen, mit ihrer akademischen "Überlegenheit" gegenüber dem einfachen Volk frönen zu müssen und du nebenbei sitzst und lachst, weil du weisst, dass sie eigentlich weniger Ahnung haben als viele Leute, die über keinen Studienabschluss verfügen.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon bolfo » 07.08.2016, 18:03

Auf zwei Urteile werde ich ja mal mega gespannt sein (in letzterem, sollte es wirklich zu einer Verhandlung kommen). Zudem zeigt sich, mit welch widersinnigen Dingen sich die Justiz rumschlagen muss.

1. Fall: Ein Lehrer lässt seine Klasse, die zu laut ist, nachsitzen - und hindert sie am Herausgehen, ehe die Strafarbeit erledigt ist. "Laut Anklage hatte der 50-Jährige die Schüler nicht aus dem Raum lassen wollen, ehe sie die Strafarbeit erledigt hätten." Deshalb steht er nun wegen FREIHEITSBERAUBUNG vor Gericht.

Quelle: http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/in ... richt.html



2. Jeder kennt ihn mittlerweile: Thomas Salbey hat beim Amoklauf in München den Amokläufer vom Balkon aus mit Schimpfwörtern bedeckt. Von Experten bekam er ein Lob dafür, er habe die logische Abfolge des Täters damit unterbrochen. Nun hat jemand gegen ihn Anzeige erstattet - wegen Beleidigung des Amokläufers! Die Justiz muss diesem Fall nun nachgehen - und wiederum werden wertvolle Ressourcen für so einen Unsinn verschwendet.

Immerhin wird hier spekuliert, dass der Fall eingestellt wird.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon reiskocher_gtr_specv » 07.08.2016, 18:43

ad 2) Der "Fall" wurde seitens der Staatsanwaltschaft adhoc eingestellt bzw. erst gar nicht verfolgt.

Edit: http://www.rosenheim24.de/bayern/muench ... 32788.html
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon reiskocher_gtr_specv » 07.08.2016, 18:46

Diese "Dame" nahm für sich in Anspruch, die Anzeige erstellt zu haben:
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon F1-Opa » 07.08.2016, 22:38

Danny McNamara hat geschrieben:
Formel Heinz hat geschrieben:
Vendue hat geschrieben:Die derzeitige Entwicklung, dass immer mehr Schüler ins Gymnasium wechseln, finde ich nicht unbedingt schlecht. Wieso sollte man diesen Schülern nicht eine Chancen geben? Einerseits profitieren davon Schüler, die sich später entwickeln und dann zu guten Schülern werden können, andererseits profitieren Schüler aus unteren sozialen Schichten, deren Familien nicht die finanziellen Mittel für Nachhilfe (oder für eine Klage) besitzen oder an Bildung interessiert sind.
Es sei gesagt, dass sich dies auf Deutschland und Österreich beziehen soll. In der Schweiz gehen die Schüler sowieso erst später aufs Gymnasium.

Es ist nicht schlecht, aber sich -wie im von Bolfo dargelegten Fall - ins Gymnasium zu klagen, das ist falsch. Und gerade wenn ein Gericht sagt, dass es keine Note vergeben könne, aber sich sicher sei, dass die vom Lehrer gegebene Note falsch ist, dann läuft doch was nicht richtig.
Man kann den Schülern gerne eine zweite Chance geben, diese sollte aber über ihre Leistungen gehen, z.B. indem man sie Zusatzprüfungen machen oder die gescheiterte Prüfung wiederholen lässt - aber der Rechtsweg sollte ausgeschlossen sein.

PS: Meine Antwort zu Deinem ersten Absatz habe ich mal im "Weltanschauungs"-Thread gepostet.


Diese Suggestion, wer nicht auf ein Gymnasium wechseln kann, dem wird irgendwie eine Chance genommen bzw. nicht gegeben, ist in Bezug auf Deutschland komplett irreführend und falsch.

Bei dieser Feststellung muss ich nicht auf irgendwas verweisen, sondern kann meinen eigenen Werdegang heranziehen.

Lasst Euch also von mir, einem Migranten und Arbeiterkind, sagen, dass das Bildungssystem keinen solch frühen Point-of-No-Return kennt.
Ich selbst habe am Anfang "nur" eine Realschule besucht und die Mittlere Reife abgelegt und erst dann direkt danach meine Allgemeine Hochschulreife nachgeholt, bevors dann letzlich an die Uni ging und ich meine akademischen Grade in den Wiwis gemacht habe...

Jeder (nicht ihr beide, sondern gerne ganz allgemein) der in Deutschland irgendwas davon erzählt, dass die Gesellschaft für irgendein persönliches Bildungsversagen die Verantwortung trägt, weil einem irgendwie die "Chancen" verwehrt wurden,
der redet übelsten BULLSHIT, der mich wirklich extrem aufregt...
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Die Bildungs und Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland sind wohl einzigartig Weltweit.
Lieber Bolfo, ob es bei den Eidgenossen genauso ist weiß ich nicht.
Ich selbst wurde 1975 wegen "guter Führung" aus den Staatlichen Schuldienst mit einem Abgangszeugnis der Hauptschule entlasssen, natürlich mit allen guten Wünschen :mrgreen:
Begann dann eine Handwerkslehre die ich nach 2,5 Jahren Krankheitsbedingt abbrach.
Habe mich anschliessend Selbstständig gemacht und Waren nach Afrika exportiert.
In den Jahren danach weitere Expansion meines Betriebes.
Aber ab 1985 habe ich in der VHS Celle über einen Zeitraum von 3 Jahren meinen Hauptschul als auch den Realschulabschluss gemacht. Ok eine gewisse Rechtschreibschwäche hab ich immer noch, kann aber damit leben.
Ich habe das zwar nicht gebraucht, für wen auch, aber mir war es wichtig.

Meine mittlere und auch die jüngste Tochter gingen über die Realschule zum Abi die mittlere hat gerade ihren Master in Landschafts-Architektur Bereich Umweltschutz absolviert.
Die jüngste beginnt gerade ein soziales Jahr an der MHH im Bereich Bio-Medizin und geht anschliessend in die Staaten zum Studium.
"Metaphysik ist der Versuch, in einem verdunkelten Zimmer eine schwarze Katze zu fangen, die sich gar nicht darin befindet"

"Heute ist die gute, alte Zeit von morgen."

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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Formel Heinz » 07.08.2016, 22:56

bolfo hat geschrieben:Auf zwei Urteile werde ich ja mal mega gespannt sein (in letzterem, sollte es wirklich zu einer Verhandlung kommen). Zudem zeigt sich, mit welch widersinnigen Dingen sich die Justiz rumschlagen muss.

1. Fall: Ein Lehrer lässt seine Klasse, die zu laut ist, nachsitzen - und hindert sie am Herausgehen, ehe die Strafarbeit erledigt ist. "Laut Anklage hatte der 50-Jährige die Schüler nicht aus dem Raum lassen wollen, ehe sie die Strafarbeit erledigt hätten." Deshalb steht er nun wegen FREIHEITSBERAUBUNG vor Gericht.

Quelle: http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/in ... richt.html

Der Vorwurf der Körperverletzung muss natürlich untersucht werden, allerdings ist "Freiheitsberaubung" -vermutlich- stark übertrieben. Hier liefert der Artikel der "Welt" aber auch nur wenig Informationen. Wenn direkt nach der besagten Unterrichtsstunde eine andere oder eine Schulpause (mit nachfolgendem Unterricht) folgte; dann wäre der Vorwurf der "Freiheitsberaubung" wohl nicht tragbar, da die Schüler so oder so in der Schule wären zu der Zeit.
Die nächste unklare Frage ist, wie lange dieses "Nachsitzen" denn gedauert hat. Geht es über eine Zeit von nicht mehr als 10-15 Minuten oder um eine komplette Schulstunde?
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon bolfo » 07.08.2016, 23:14

F1-Opa hat geschrieben:Die Bildungs und Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland sind wohl einzigartig Weltweit.
Lieber Bolfo, ob es bei den Eidgenossen genauso ist weiß ich nicht.


Ich glaube, behaupten zu dürfen, dass die Schweiz das mit Abstand grösste Bildungsangebot mit den grössten Möglichkeiten hat. Mehr als Deutschland sogar. Wenn ich lese, dass es bei euch an der Uni teilweise Wartelisten gibt, rümpfe ich meist mit der Nase. Bei uns sind nur ganz spezifische Studienrichtungen begrenzt. Dies ist übrigens auch der Grund, weshalb so viele Deutsche zu uns für ein Studium kommen.

Kurzum: Du kannst hier ALLES machen. Wann du willst, wo du willst, wie du willst. Der Wechsel an ein Gymnasium ist JEDERZEIT möglich. Die Matur nachzuholen auch. Egal wie alt du bist. Ein Studium mit 60 Jahren beginnen? Kein Problem. 50 Jahre lang nur an der Uni versauern? Ebenfalls kein Problem.

Zu tragen hast du nur die Semestergebühren. Die kosten an der Uni 700 Euro pro Semester.

Wirklich "streng" ist die Zulassung in Medizin. Dort gibts den Numerus Clausus. Sonst jedoch gibts auf Uni-Stufe kaum ein Studium, welches eine Zulassungsbegrenzung kennen würde. Aufpassen musst du bestenfalls bei Seminaren. Dort sind die Plätze begrenzt.


Genau deshalb verstehe ich es auch nicht, wenn man sein Kind irgendwo einklagt. Man spart damit BESTENFALLS ein Jahr.

Die Schweiz steht da ganz sicher auf einer Stufe mit Deutschland.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon bolfo » 07.08.2016, 23:30

Formel Heinz hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Auf zwei Urteile werde ich ja mal mega gespannt sein (in letzterem, sollte es wirklich zu einer Verhandlung kommen). Zudem zeigt sich, mit welch widersinnigen Dingen sich die Justiz rumschlagen muss.

1. Fall: Ein Lehrer lässt seine Klasse, die zu laut ist, nachsitzen - und hindert sie am Herausgehen, ehe die Strafarbeit erledigt ist. "Laut Anklage hatte der 50-Jährige die Schüler nicht aus dem Raum lassen wollen, ehe sie die Strafarbeit erledigt hätten." Deshalb steht er nun wegen FREIHEITSBERAUBUNG vor Gericht.

Quelle: http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/in ... richt.html

Der Vorwurf der Körperverletzung muss natürlich untersucht werden, allerdings ist "Freiheitsberaubung" -vermutlich- stark übertrieben. Hier liefert der Artikel der "Welt" aber auch nur wenig Informationen. Wenn direkt nach der besagten Unterrichtsstunde eine andere oder eine Schulpause (mit nachfolgendem Unterricht) folgte; dann wäre der Vorwurf der "Freiheitsberaubung" wohl nicht tragbar, da die Schüler so oder so in der Schule wären zu der Zeit.
Die nächste unklare Frage ist, wie lange dieses "Nachsitzen" denn gedauert hat. Geht es über eine Zeit von nicht mehr als 10-15 Minuten oder um eine komplette Schulstunde?


Der muss natürlich untersucht werden, anscheinend sind hier aber die Aussagen bereits sehr widersprüchlich - der Beschuldiger ist zudem nicht mal bei Gericht erschienen. Interessant sind zudem auch die Aussagen anderer Beteiligter. Der Rektor meinte ja, als die Polizei ihn anrief, tönte es so, als wäre es eine gewaltsame Geiselnahme. Als er dort aber angekommen sei habe normaler Schulbetrieb geherrscht. Ebenso gibt es offenbar Aussagen des Schülers, die einem "Schlag" widersprechen.

Ich denke, da wird nicht viel dabei rauskommen. Aber ja, das muss man untersuchen.

Allerdings sehe ich die Frage nach dem Nachsitzen sehr kritisch. Hier geht es um die Verhältnismässigkeit. Wenn es sich dabei um 10 Minuten handelt, muss ich mir einfach an den Kopf fassen, wenn gleich die Polizei eingeschaltet wird. Dann würde ich als Lehrperson aber sofortige Konsequenzen draus ziehen und sagen: Gut, wenn der Gong ertönt, beantworte ich sofort keine Fragen mehr. Alles andere ist Freiheitsberaubung meinerseits.


Ganz ehrlich, zu unseren Zeiten gabs da gar nichts zu disktuieren. Bis zu 15 Minuten durfte man "direkt" nachsitzen. Ohne wenn und aber. Heute ist sowas ja undenkbar. Witzig ist ja auch immer, dass es jetzt sehr viele Anwälte gibt, die Blogs betreiben, wo sie ja sagen, was erlaubt ist und was nicht, wie z.B. dieser: http://www.advopedia.ch/videos/aktuell/ ... zen-lassen

Witzig ist diesbezüglich immer, dass hierbei jeweils gegen den Staat argumentiert wird. Heisst: Gegen Lehrer, gegen die Polizei usw. Einer hat ja in seinem Blog beispielsweise aufgezeigt, dass man unbedingt bei einer Autokontrolle das alt bekannte Blasen verweigern solle. Dann müsse nämlich ein Bluttest angeordnet werden (ohne sicher zu sein, ob der Betroffene besoffen ist), was viel teurer sei. Wenn dies jeder so handhaben würde, müsste die Polizei die fraglichen Fälle, bei denen man nicht sicher sei, dann eben jeweils "ungeprüft" weiterlassen, weil die Kosten sonst nicht zu rechtfertigen wären.

Bei solchem Tun wundere ich mich dann aber schon. Das ist dann einfach Täterschutz vom Feinsten.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon bolfo » 16.08.2016, 19:34

Ein weiteres Urteil in der Schweiz verstört die Bürger - und auch einige Experten.

Fall: Eine Frau hat ihren eigenen Sohn über Jahre sexuell missbraucht (im Alter ab 10 Jahren). So musste er sie u.a. mit einem Vibrator befriedigen. Sie wiederum wollte ihn ebenso befriedigen. Dabei nahm sie die Szenen auf und verbreitete sie.

Quelle: http://www.luzernerzeitung.ch/nachricht ... 441,801529

Das Gericht ist zum Schluss gekommen, dass die Frau weder psychisch krank noch pädophil sei. Umso mehr erstaunt nun das Urteil: Sie wird nicht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt (nur bedingt vollziehbare Freiheitsstrafe!), sondern zu einem Aufenthalt in einer Psychiatrie. Die 22 Monate Freiheitsstrafe werden also zugunsten einer psychotherapeutischen Behandlung aufgeschoben. Sie muss dem Sohn eine Genugtuung von 10'000 Franken bezahlen.

Nun gehen natürlich die Wogen hoch. Forensiker Ralph Aschwanden hat sich diesbezüglich im Blick (ja.. es ist der Blick) geäussert:

Das Gericht hat Sonja G. zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt. Sie muss in psychiatrische Behandlung. Ist das Urteil zu mild?

Es ist häufig so, dass Frauen bei sexuellen Übergriffen sehr viel mildere Urteile als Männer erhalten – weil sie Frauen sind und den Richter etwa mit einer gekonnten «Heulnummer» täuschen können. Der Missbrauch von Sonja G. scheint zwar ein Erstdelikt zu sein, doch erstreckte er sich über Jahre hinweg, in der empfindlichsten Phase für das Kind. Er wiegt deshalb schwer. Zudem ist es ein Widerspruch, wenn man zuerst festhält, sie sei nicht psychisch krank, sie dann aber doch in eine stationäre psychiatrische Behandlung schickt.


Quelle: http://www.blick.ch/news/schweiz/ostsch ... 84978.html

Und genau das ist es, was hier nun auch die wenigsten nachvollziehen können. Warum wird jemand, bei dem man ausdrücklich festhält, dass er nicht psychisch krank sei, in eine psychiatrische Behandlung geschickt und dafür die Strafe aufgeschoben? Da stellt sich dann doch die Frage, was der Psychiater behandeln will.

Zudem fällt einmal mehr das Missverhältnis im Strafverständnis zwischen Mann und Frau auf, wenns um sexuelle Übergriffe geht. In der Tat hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Frauen wesentich milder bestraft werden als Männer. Dies zeigt sich aber auch in der Haltung des Volkes: Hat ein 15-jähriger Schüler ein Verhältnis zu einer 35-jährigen Lehrerin, sagt man, das sei ja der Traum jedes Mannes in dem Alter. Sind die Rollen aber geschlechtermässig vertauscht, schreit man nach Kastration. Denn das arme Mädchen wollte das dann mit Sicherheit nicht.

Fakt ist jedenfalls, dass die Frau nun - obschon mehrjährigem sexuellem Missbrauch und Verbreitung von Kinderpornographie - wohl nicht ins Gefängnis kommt. Offensichtlich ist es in der Schweiz also wirklich eine Art Menschenrecht, beim Erstdelikt bloss eine bedingte Haftstrafe zu bekommen.
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