Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon bolfo » 20.06.2019, 03:02

Mal kein Urteil, aber ein Gesetz in Deutschland:

https://www.spiegel.tv/videos/171740-de ... -frederike

Also: Jemand, der von einem Verbrechen freigesprochen wurde, kann nicht nochmals vor Gericht belangt werden. Nur dumm, wenn es sich hierbei um Mord handelt.

So viel zu "Grundsatzgesetzen".
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon WrongTurn? » 20.06.2019, 13:52

bolfo hat geschrieben:Mal kein Urteil, aber ein Gesetz in Deutschland:

https://www.spiegel.tv/videos/171740-de ... -frederike




Unfassbar!!! Ähnlich unfassbar wie solche Verfahren, welche wegen "formaler Fehler" wiederaufgenommen werden mussten...eine Qual für die Angehörigen...
https://www.abendblatt.de/region/storma ... -vorn.html

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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Formel-1-Fan » 21.06.2019, 13:27

Wenn mir jetzt bei Gesetzen sind: Spontan fällt mir da § 183 StGB ein, demzufolge Exhibitionismus - jedenfalls in Deutschland - nur für Männer strafbar ist. War auch vor dem Bundesverfassungsgericht und wurde von diesem doch tatsächlich als verfassungsgemäß und NICHT gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßend eingestuft. Begründung: Weiblicher Exhibitionismus ist ja so viel seltener. Wenn man mich fragt eine Begründung, bei der man ebenso gut auch einfach offen hätte sagen können:"Das Bundesverfassungsgericht steht nicht hinter dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Artikel 3 Abs. 2 sollte am besten aus dem Grundgesetz gestrichen werden!"

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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Simtek » 21.06.2019, 17:44

bolfo hat geschrieben:Mal kein Urteil, aber ein Gesetz in Deutschland:

https://www.spiegel.tv/videos/171740-de ... -frederike

Also: Jemand, der von einem Verbrechen freigesprochen wurde, kann nicht nochmals vor Gericht belangt werden. Nur dumm, wenn es sich hierbei um Mord handelt.

So viel zu "Grundsatzgesetzen".



Ein Gesetz das man am besten nur mit: :facepalm: kommentiert.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon bolfo » 24.06.2019, 01:39

WrongTurn? hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Mal kein Urteil, aber ein Gesetz in Deutschland:

https://www.spiegel.tv/videos/171740-de ... -frederike




Unfassbar!!! Ähnlich unfassbar wie solche Verfahren, welche wegen "formaler Fehler" wiederaufgenommen werden mussten...eine Qual für die Angehörigen...
https://www.abendblatt.de/region/storma ... -vorn.html


Ja, das ist auch so eine Sache. Unfassbar. Aber wehe, wir würden so einen Fehler machen. Dann kommst du vor Gericht. Aber die Juristen haben Narrenfreiheit. Sieht man übrigens immer, wenn ein Richter jemanden wegen günstiger Sozialprognosen milde bestraft, und der wird schnell rückfällig. Noch nie wurde ein Psychologe oder ein Richter dann strafgerichtlich verfolgt. Wenn aber ein Polizist eine falsche Einschätzung macht, landet er vor Gericht. Die Juristen sind gegenüber allem skeptisch - nur sich gegenüber nicht. Genau wie die Journalisten.




Simtek hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Mal kein Urteil, aber ein Gesetz in Deutschland:

https://www.spiegel.tv/videos/171740-de ... -frederike

Also: Jemand, der von einem Verbrechen freigesprochen wurde, kann nicht nochmals vor Gericht belangt werden. Nur dumm, wenn es sich hierbei um Mord handelt.

So viel zu "Grundsatzgesetzen".



Ein Gesetz das man am besten nur mit: :facepalm: kommentiert.


Wehe aber, du sagst das. Dann werden dir die Verfassungsschützer-Fanatiker gleich entgegnen, dass dieser Grundsatz nur wegen dem Dritten Reich vorhanden ist, um willkürliche Strafverfolgung zu unterbinden... (kein Witz). Zudem, ein Argument, ernsthaft in Stern TV von einem Politiker gesagt: Es ist ein absolut kleiner Teil, für den dieses Gesetz eine Zumutung ist. Da dies Einzelfälle sind, braucht es keine Gesetzesänderung. So viel zum Thema, dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist - ausser der Würde einiger Opfer, deren Täter freigesprochen wurden und trotz neuen, eindeutigen Beweisen NICHT mehr verurteilt werden können. Die sind dann nämlich Einzelfälle, denen man nicht Gerechtigkeit zukommen lassen muss. Und genau darin verletzt man die Würde dieser Opfer und deren Angehörigen.











Formel-1-Fan hat geschrieben:Wenn mir jetzt bei Gesetzen sind: Spontan fällt mir da § 183 StGB ein, demzufolge Exhibitionismus - jedenfalls in Deutschland - nur für Männer strafbar ist. War auch vor dem Bundesverfassungsgericht und wurde von diesem doch tatsächlich als verfassungsgemäß und NICHT gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßend eingestuft. Begründung: Weiblicher Exhibitionismus ist ja so viel seltener. Wenn man mich fragt eine Begründung, bei der man ebenso gut auch einfach offen hätte sagen können:"Das Bundesverfassungsgericht steht nicht hinter dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Artikel 3 Abs. 2 sollte am besten aus dem Grundgesetz gestrichen werden!"


Herrlich - erst recht in Zeiten der "Gleichberechtigung". Sonst muss ja mittlerweile alles geschlechterneutral formuliert sein. Hier kann mans aber bei einer Ausnahme belassen. Unfassbar.

Herrlich vom Deutschen Bundestag:

In der Begründung der Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses heißt es "unter Berücksichtigung seitens der Bundesregierung aufgeführter Gesichtspunkte", der Grund dafür, dass im Paragraf 183 StGB Absatz 1 weibliche sexuelle Handlungen nicht unter Strafe gestellt würden, sei aus Sicht des Gesetzgebers dem Umstand geschuldet, dass die entsprechenden Handlungen von Frauen nur in sehr seltenen Fällen vorkämen. Zudem hätten sie kaum jemals "die von exhibitionistischen Handlungen eines Mannes typischerweise ausgehenden negativen Auswirkungen".


Quelle: https://www.bundestag.de/presse/hib/201 ... 402-490402

Hierbei sieht man einfach wieder, wie vollkommen verblödet teilweise die ganze Juristerei heutzutage ist. Die zerbrechen sich den Kopf über Dinge, wo es einfach kein Kopfverbrechen gibt. Vor allem finde ich die Argumentation genial von wegen "die von exhibitionistischen Handlungen eines Mannes typischerweise ausgehenden negativen Auswirkungen". Könnte man gerade so gut sagen: Los Weiber, zieht euch aus, die Männer findens geil. Deshalb bestrafen wirs auch nicht, wir geniessen lieber. Fehlt nur noch der Zusatzartikel, dass ab einem gewissen BMI dann doch eine Strafe erfolgt, weils nicht mehr so ansehlich ist. Im Grunde genommen ist nämlich genau diese Argumentation sexistisch, dass es den Männern eigentlich egal ist, ob die Frau nun angezogen oder nackt ist.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon DeLaGeezy » 24.06.2019, 09:12

bolfo hat geschrieben:Mal kein Urteil, aber ein Gesetz in Deutschland:

https://www.spiegel.tv/videos/171740-de ... -frederike

Also: Jemand, der von einem Verbrechen freigesprochen wurde, kann nicht nochmals vor Gericht belangt werden. Nur dumm, wenn es sich hierbei um Mord handelt.

So viel zu "Grundsatzgesetzen".

Mein persönliches Empfinden ist es, dass es ungerecht ist, diesen Typen nicht mehr in den Knast zu bringen.

Aber das Thema ist nicht so einfach wie es in dem Bericht suggeriert wird. Der Mann ist rechtskräftig
freigesprochen worden, und das ist das Problem. Aber aus der damaligen Beweislage für mich nachvollziehbar.
Hätte man ihn damals verknackt wäre es auch ein Skandal gewesen. Ein Gutachter sagt aus, dass es unmöglich das
Auto des Mannes sein kann. Ihn dann schuldig zu sprechen wäre für mich ebenfalls ein schwerverdauliches Urteil.

Was ich schade finde, dass der Bericht nicht erklärt, wieso es diesen Umstand "Freigesprochene können wegen dieser Tat nicht
mehr verknackt werden" nicht erklärt.
Ich kann mir vorstellen, dass es dafür ganz plausible Erklärungen gibt. Kenne mich hier aber zu wenig aus um das beurteilen
zu können.

Da ich an Gott glaube kann ich aber dazu noch sagen, dass kein Gericht dieser Welt den Angehörigen und dem Täter den "Seelenfrieden" zurückgeben kann. Und der Täter wird spätestens nach seinem Tod seine gerechte Strafe von Gott erhalten.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon reiskocher_gtr_specv » 24.06.2019, 10:02

DeLaGeezy hat geschrieben:Was ich schade finde, dass der Bericht nicht erklärt, wieso es diesen Umstand "Freigesprochene können wegen dieser Tat nicht
mehr verknackt werden" nicht erklärt.
Ich kann mir vorstellen, dass es dafür ganz plausible Erklärungen gibt. Kenne mich hier aber zu wenig aus um das beurteilen
zu können.

Es ist ein Schutz vermeintlicher Justizopfer.

Gäbe es diese Einschränkungen nicht, könnten Staatsanwaltschaften ggf. unliebsame Bürger immer wieder mit Verfahren überziehen, welche die gleiche Tat betreffen. Das hat u.a. extreme wirtschaftliche Folgen, da man sich als zu Unrecht Beschuldigter ohne rechtliche Vertretung (spricht: Anwälte) einem enormen Risiko aussetzt, das nächste Verfahren zu verlieren.

Die Kehrseite der Medaille ist die bereits beschriebene.

Ein Ausweg ist die Möglichkeit des Wiederaufnahmeverfahrens (von beiden Seiten übrigens, also auch wenn man zu Unrecht verknackt wurde) mit sehr hohen Hürden bei der Beweisbewertung.

DeLaGeezy hat geschrieben:Da ich an Gott glaube kann ich aber dazu noch sagen, dass kein Gericht dieser Welt den Angehörigen und dem Täter den "Seelenfrieden" zurückgeben kann. Und der Täter wird spätestens nach seinem Tod seine gerechte Strafe von Gott erhalten.

Mach Dir da keine Illusionen. Es gibt wohl weit weniger Täter, die mit ihrem "Seelenfrieden" hadern, als man vermuten würde. Da ist wohl eher der Lkw-Fahrer im Boot, der fahrlässig einen Radfahrer überfuhr und tötete. An eine "Rache Gottes" glaube ich nicht, weil Atheist. Wenn es Dir hilft, im nachhinein Gerechtigkeit zu empfinden, ist das aber völlig in Ordnung.

Edit: Eigentlich hätte beides ein Beitrag werden sollen, da habe ich mich verhaspelt...

Edit: Gern geschehen :wink:
Zuletzt geändert von Phoenix am 27.06.2019, 17:01, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Beiträge zusammengeführt.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Simtek » 24.06.2019, 10:21

DeLaGeezy hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Mal kein Urteil, aber ein Gesetz in Deutschland:

https://www.spiegel.tv/videos/171740-de ... -frederike

Also: Jemand, der von einem Verbrechen freigesprochen wurde, kann nicht nochmals vor Gericht belangt werden. Nur dumm, wenn es sich hierbei um Mord handelt.

So viel zu "Grundsatzgesetzen".

Mein persönliches Empfinden ist es, dass es ungerecht ist, diesen Typen nicht mehr in den Knast zu bringen.

Aber das Thema ist nicht so einfach wie es in dem Bericht suggeriert wird. Der Mann ist rechtskräftig
freigesprochen worden, und das ist das Problem. Aber aus der damaligen Beweislage für mich nachvollziehbar.
Hätte man ihn damals verknackt wäre es auch ein Skandal gewesen
. Ein Gutachter sagt aus, dass es unmöglich das
Auto des Mannes sein kann. Ihn dann schuldig zu sprechen wäre für mich ebenfalls ein schwerverdauliches Urteil.

Was ich schade finde, dass der Bericht nicht erklärt, wieso es diesen Umstand "Freigesprochene können wegen dieser Tat nicht
mehr verknackt werden" nicht erklärt.
Ich kann mir vorstellen, dass es dafür ganz plausible Erklärungen gibt. Kenne mich hier aber zu wenig aus um das beurteilen
zu können.

Da ich an Gott glaube kann ich aber dazu noch sagen, dass kein Gericht dieser Welt den Angehörigen und dem Täter den "Seelenfrieden" zurückgeben kann. Und der Täter wird spätestens nach seinem Tod seine gerechte Strafe von Gott erhalten.


Zum ersten:
Tja, nur was mache ich wenn er verknackt wurde und spätere Beweise belegen, das er tatsächlich unschuldig war. Müsste er dann nicht im Knast bleiben, weil er rechtskräftig verurteilt wurde? Ich meine bei einem Kapitalverbrechen wie Mord, in bolfo Beispiel sprechen wir ja von einer anderen Liga wie z.B. Steuerhinterziehung. Er wurde damals freigesprochen weil Zweifel an seiner Tat oder Tatbeteidigung vorlagen. Völlig richtig, ich meine wenn ich ihn unschuldig einbuchte dann kann man ihn nicht mehr wirklich entschädigen wenn sich später seine Unschuld herausstellt. Aber darf man den Fall völlig zu den Akten legen wenn sich später wirklich rausstellt, dass er ein kleines Mädchen erst Vergewaltigt und dann Umgebracht hat? Meiner Meinung nach nein und eine echte Sauerrei.

Zum zweiten:
Wäre es dann nicht konsequenter völlig auf Rechtsprechung zu verzichten. Warum mischen wir und überhaupt ein, wenn ein Täter nach seinem Tod automatische seine "gerechte Strafe" erhält (Wie die auch immer lauten mag.). Oder, warum kommt es überhaupt zu so einer Tat? Wäre es von Gott nicht gerechter gewesen, dafür zu sorgen das der Täter zweifelsfrei verurteilt wird oder noch besser, dass es erst gar nicht zu dieser Tat gekommen wäre.
Nein, ich möchte hier keine Glaubensdiskussion anzetteln, ist nur ao ein Gedankenanstoss.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon DeLaGeezy » 24.06.2019, 10:43

reiskocher_gtr_specv hat geschrieben:
DeLaGeezy hat geschrieben:Da ich an Gott glaube kann ich aber dazu noch sagen, dass kein Gericht dieser Welt den Angehörigen und dem Täter den "Seelenfrieden" zurückgeben kann. Und der Täter wird spätestens nach seinem Tod seine gerechte Strafe von Gott erhalten.

Mach Dir da keine Illusionen. Es gibt wohl weit weniger Täter, die mit ihrem "Seelenfrieden" hadern, als man vermuten würde. Da ist wohl eher der Lkw-Fahrer im Boot, der fahrlässig einen Radfahrer überfuhr und tötete. An eine "Rache Gottes" glaube ich nicht, weil Atheist. Wenn es Dir hilft, im nachhinein Gerechtigkeit zu empfinden, ist das aber völlig in Ordnung.

Ich will das ganz kurz erläutern damit ich nicht falsch verstanden werde.
In erster Linie meinte ich, dass Gott den Angehörigen "Trost" schenken kann.
Und falls der Täter eines Tages unruhig wird und Buße tun will, kann auch er Frieden mit Gott machen.
Ich glaube nicht an einen"Gott der Rache" sonder der Liebe und Gerechtigkeit.
(ich hoffe das ist nicht zu OT)

In unserer Familie war der Junge "Mirko" bekannt (ging 2010 durch die Presse). Dazu ist ein Buch von der Familie geschrieben worden, welches ich empfehlen möchte. Der Fall war ungewöhnlich und das wird auch gut beschrieben. Es ist eine christliche Familie und ich fand den Umgang mit der ganzen Geschichte beeindruckend.

Das ist natürlich alles eine sehr persönliche Sache und jeder muss das mit sich selbst ausmachen. Ich wollte es mal erwähnt haben :)
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Formel-1-Fan » 24.06.2019, 17:21

bolfo hat geschrieben:
Formel-1-Fan hat geschrieben:Wenn mir jetzt bei Gesetzen sind: Spontan fällt mir da § 183 StGB ein, demzufolge Exhibitionismus - jedenfalls in Deutschland - nur für Männer strafbar ist. War auch vor dem Bundesverfassungsgericht und wurde von diesem doch tatsächlich als verfassungsgemäß und NICHT gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßend eingestuft. Begründung: Weiblicher Exhibitionismus ist ja so viel seltener. Wenn man mich fragt eine Begründung, bei der man ebenso gut auch einfach offen hätte sagen können:"Das Bundesverfassungsgericht steht nicht hinter dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Artikel 3 Abs. 2 sollte am besten aus dem Grundgesetz gestrichen werden!"


Herrlich - erst recht in Zeiten der "Gleichberechtigung". Sonst muss ja mittlerweile alles geschlechterneutral formuliert sein. Hier kann mans aber bei einer Ausnahme belassen. Unfassbar.

Herrlich vom Deutschen Bundestag:

In der Begründung der Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses heißt es "unter Berücksichtigung seitens der Bundesregierung aufgeführter Gesichtspunkte", der Grund dafür, dass im Paragraf 183 StGB Absatz 1 weibliche sexuelle Handlungen nicht unter Strafe gestellt würden, sei aus Sicht des Gesetzgebers dem Umstand geschuldet, dass die entsprechenden Handlungen von Frauen nur in sehr seltenen Fällen vorkämen. Zudem hätten sie kaum jemals "die von exhibitionistischen Handlungen eines Mannes typischerweise ausgehenden negativen Auswirkungen".


Quelle: https://www.bundestag.de/presse/hib/201 ... 402-490402

Hierbei sieht man einfach wieder, wie vollkommen verblödet teilweise die ganze Juristerei heutzutage ist. Die zerbrechen sich den Kopf über Dinge, wo es einfach kein Kopfverbrechen gibt. Vor allem finde ich die Argumentation genial von wegen "die von exhibitionistischen Handlungen eines Mannes typischerweise ausgehenden negativen Auswirkungen". Könnte man gerade so gut sagen: Los Weiber, zieht euch aus, die Männer findens geil. Deshalb bestrafen wirs auch nicht, wir geniessen lieber. Fehlt nur noch der Zusatzartikel, dass ab einem gewissen BMI dann doch eine Strafe erfolgt, weils nicht mehr so ansehlich ist. Im Grunde genommen ist nämlich genau diese Argumentation sexistisch, dass es den Männern eigentlich egal ist, ob die Frau nun angezogen oder nackt ist.

:thumbs_up: Gut auf den Punkt gebracht. Meines Erachtens sieht man hieran sehr gut, wie "ehrlich" das mit der "Gleichberechtigung" hierzulande wirklich gemeint ist. Dabei will ich auch hier gar nicht unbedingt darauf hinaus, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichts - übrigens wenn mich recht entsinne erst kurz vor der Jahrtausendwende :shock: - unbedingt juristisch falsch sein muss. Erst vor einiger Zeit habe ich mich auf einer Fortbildung mit einem Jurastundenten darüber unterhalten. Natürlich kam er sofort damit an, dass verfahrensrechtlich das Bundesverfassungsgericht die Sache ja nur von dieser und jener Seite zu prüfen hat, und wenn es nur irgendeinen Grund findet, aus dem männlicher und weiblicher Exhibitionismus nicht gleich sind, ist das Gesetz verfassungsgemäß.

Schön und gut, nur zeigt das in meinen Augen, dass die sogenannte "Gleichberechtigung" in ihrer Priorität bei den Bundesverfassungsrichtern nicht allzu hoch stehen kann. Denn: Männer und Frauen sind bekanntermaßen NICHT gleich. Nicht nur bezogen auf Geschlechtsmerkmale, sondern wissenschaftlich erwiesenermaßen auch in ihrer Denkweise, Hirnstruktur etc. Soll heißen: Man kann im Zweifel IMMER irgendeinen Grund finden, wieso sie ja doch nicht gleich sind und man sie unterschiedlich behandeln kann/sollte. Ich meine, dass Männer und Frauen beim Autofahren unterschiedliche Stärken und Schwächen aufgrund unterschiedlichen Orientierungssinnes, räumlicher Wahrnehmung etc. haben (ohne eine Aussage darüber treffen zu wollen, wer nun die besseren Autofahrer sind :mrgreen: ), ist wissenschaftlich auch erwiesen.
Also gelten demnächst zwei verschiedene StVOen, oder noch besser, einem der beiden Geschlechter wird aufgrund der Auswertung irgendeiner Statistik in Kombination mit der Aussage des einen oder anderen Wissenschaftlers das Autofahren komplett untersagt, und das Ganze wird dann auch noch höchstrichterlich für verfassungsgemäß erklärt.

Ich denke, noch mehr Erläuterung braucht es nicht, um zu verdeutlichen, dass wir den Gleichbehandlungsgrundsatz in unserem Grundgesetz dann auch ebenso gut streichen können.

Wenn man mich fragt, der ich kein Jura (bloß Steuerrecht, bin Finanzbeamter, der auch die Steuerberaterprüfung absolviert hat :ninja: studiert habe, fragt, was "Gleichberechtigung" bedeuten sollte, wenn ich nur meinen *Trommelwirbel* klaren Menschenverstand ( :shock: ) bedeuten sollte: Gleichbehandlung, wo immer sie vertretbar möglich ist, Vermeidung jeglicher unnötiger Ungleichbehandlung. Bedeutet im Falle des Exhibitionismus: Was genau spricht denn ernsthaft dagegen, diesen Paragraphen ganz einfach geschlechtsneutral zu formulieren? Nichts, ergo unnötige Ungleichbehandlung, ergo - in meinen Augen - ein glasklarer Verstoß gegen Artikel 3 Abs. 2 des Grundgesetzes.

Aber nein, das wäre ja mit klarem Menschenverstand gedacht, und seit wann verwenden wir den schon in unserer "Rechtsprechung"? Und so kommt es eben ab und an dazu, dass Gesetze, die noch aus dem Kaiserreich stammen, als man Gleichberechtigung allgemein noch nicht kannte und Frauen sowieso per se keine Sexualität hatten, höchstrichterlich für verfassungsgemäß erklärt werden, die- bei Einschaltung des gesunden Menschenverstandes - noch glasklarer gegen das Grundgesetz eigentlich nicht verstoßen könnten. Nebenbei bemerkt hat man sich bei der Urteilsbegründung zum Exhibitionismus noch nicht einmal wirklich Gedanken gemacht, sondern mehr oder weniger 1:1 die Begründung übernommen, mit der einst auch die ebenfalls nur für Männer geltende Strafbarkeit von Homosexualität für verfassungskonform erklärt wurde. Auf dem Weltbild basierend, dass männliche Sexualität per se stets aggressiver ist und Frauen quasi keine Sexualität haben. :facepalm:

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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon MarM » 11.07.2019, 14:05

Heute hab ich was für diese Kategorie. Wobei es weniger um das nicht verstehen geht, sondern eher um die vom Gesetzgeber festgelegten Strafmaße bzw ob es hier Luft nach oben gegeben hätte.

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/fr ... -1.4519691

Ich denke im Rahmen der Gesetze wurde hier richtig entschieden, womöglich hätte ich als Laie tatsächlich sogar mit Vorsatz argumentiert. Aber ich hätte das Mädchen eindeutlig länger verknackt und ein härteres Fahrverbot ausgesprochen.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon Danny McNamara » 11.07.2019, 19:23

MarM hat geschrieben:Heute hab ich was für diese Kategorie. Wobei es weniger um das nicht verstehen geht, sondern eher um die vom Gesetzgeber festgelegten Strafmaße bzw ob es hier Luft nach oben gegeben hätte.

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/fr ... -1.4519691

Ich denke im Rahmen der Gesetze wurde hier richtig entschieden, womöglich hätte ich als Laie tatsächlich sogar mit Vorsatz argumentiert. Aber ich hätte das Mädchen eindeutlig länger verknackt und ein härteres Fahrverbot ausgesprochen.


Was ein unfassbarer Fall, in all seinen Facetten.

Auch wenn ich mir, wie Du, eine härtere Strafe gewünscht hätte,
so kann ich zumindest gut damit leben, dass sie in erster Instanz keinen Freifahrtschein bzw. Bewährung erhalten hat.
So wie die sich verhalten hat, sollte sie definitiv Zeit zum nachdenken bekommen.
Bleibt nur zu hoffen, dass dies nicht in einem Berufungsverfahren kassiert wird, weil bla bla bla...

Das Fahrverbot finde ich unter Berücksichtigung der ganzen Umstände zu lasch,
solche Leute sollte man für deutlich länger von den Straßen holen (zumindest theoretisch bzw. was die Fahrerlaubnis angeht).
"The ultimate measure of a man is not where he stands in moments of comfort and convenience, but where he stands at times of challenge and controversy."

- Martin Luther King, Jr.

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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon DeLaGeezy » 11.07.2019, 22:22

Danny McNamara hat geschrieben:
MarM hat geschrieben:Heute hab ich was für diese Kategorie. Wobei es weniger um das nicht verstehen geht, sondern eher um die vom Gesetzgeber festgelegten Strafmaße bzw ob es hier Luft nach oben gegeben hätte.

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/fr ... -1.4519691

Ich denke im Rahmen der Gesetze wurde hier richtig entschieden, womöglich hätte ich als Laie tatsächlich sogar mit Vorsatz argumentiert. Aber ich hätte das Mädchen eindeutlig länger verknackt und ein härteres Fahrverbot ausgesprochen.


Was ein unfassbarer Fall, in all seinen Facetten.

Auch wenn ich mir, wie Du, eine härtere Strafe gewünscht hätte,
so kann ich zumindest gut damit leben, dass sie in erster Instanz keinen Freifahrtschein bzw. Bewährung erhalten hat.
So wie die sich verhalten hat, sollte sie definitiv Zeit zum nachdenken bekommen.
Bleibt nur zu hoffen, dass dies nicht in einem Berufungsverfahren kassiert wird, weil bla bla bla...

Das Fahrverbot finde ich unter Berücksichtigung der ganzen Umstände zu lasch,
solche Leute sollte man für deutlich länger von den Straßen holen (zumindest theoretisch bzw. was die Fahrerlaubnis angeht).

Einfach schockierend wie wenig ihr ein Menschenleben bedeutet.
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Re: Urteile, die der Durchschnittsbürger nicht versteht

Beitragvon PolePosition » 16.08.2019, 23:44

Mal wieder was aus der Rubrik “Seltsames aus Deutschland”

https://www.br.de/radio/bayern2/sendung ... en100.html
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