Koalitionsbildung 2013

Die Plauderecke des Forums. Passt ein Thema nirgendwo rein, könnt Ihr es hier unterbringen.
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Welche Koalition wäre euch am liebsten

CDU & SPD aka "Große Koalition"
21
55%
Schwarz-Grün
9
24%
Rot-Rot-Grün (Linke-SPD-Grüne)
8
21%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 38

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Koalitionsbildung 2013

Beitrag von be your own legend » 27.09.2013, 05:54

Mir wäre eine große Koalition am liebsten, aber dazu müssten sich allerdings ein paar "Genossen" den Stock aus dem Ar.sch ziehen.
Die SPD sollte nicht auf Steuererhöhungen beharren und sich mit anderen Ideen positiv einbringen.
Ich denke eine große Koalition sollte bei konstruktiver Kompromissbildung in der Tat die größte Schnittmenge mit dem Volk haben.
Rot-Rot-Grün dagegen dürfte wohl die kleinste Schnittmenge mit dem "Deutschen Volk" überhaupt haben. Zudem halte ich einen Wortbruch für ein Verbrechen am Volk! Die SPD weiß allerdings, dass sie sich einen solchen Wortbruch nicht erlauben kann, da sich dann ihre Kernwählerschaft dauerhaft von ihrer Partei abwenden würde, denn diese will kein Helfer für eine rückwärtsgewandte Politik sein, welche planwirtschaftliche Tendenzen aufweist. Ganz abgesehen von dem Chaos in Sachen Außenpolitik, da kann man sich die Linke nun wirklich nicht als Gestalter in Europa vorstellen.
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Plauze
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von Plauze » 27.09.2013, 11:56

Um ehrlich zu sein, hatte ich mir am Wahlabend beinahe schon eine absolute Mehrheit fuer die Union herbeigewuenscht. Eine Alleinregierung der Union haette gleichzeitig eine starke Opposition bedeutet, ohne dass sich die SPD erneut auf ein Geschachere zwischen linken und rechten Parteifluegeln haette einlassen muessen. Eine gemeinsame Opposition aus SPD, Gruenen und Linken haette die Moeglichkeit fuer eine weitere Annaeherung dieser Parteien bedeuten gleichzeitig fuer eine groessere gesellschaftliche Akzeptanz eines grossen Linksbuendnisses im Bund sorgen koennen. Diese Chance erachte ich nun als vertan.

Nun wird es wohl auf eine grosse Koalition hinauslaufen. Die Gruenen sind intensiv mit ihrer internen Neuaufstellung beschaeftigt, in dem Irrglauben, der vermeintliche parteiinterne Linksruck habe ihnen die Wahlschlappe beschert (tatsaechlich waren es wohl diffuse Positionierungen zu Themen, die die Partei eigentlich fuer sich haette nutzen muessen, insbesondere Prism, Energiewende und Fracking - es fehlte das gruene Profil). Fuer einen Eintritt in eine Regierungskoalition unter voellig neuartigen Vorzeichen fehlt die Organisation, vermutlich wuerde das Schicksal der Gruenen nicht unaehnlich jenem der FDP verlaufen, die gezeigt haben, wie eine profillose Partei angesichts von Merkels Gleichmacherei verblassen kann.

Fuer ein Linksbuendnis fehlen die Schnittmengen, insbesondere die Positionen der Linkspartei finden sich derzeit zwar teilweise in den Programmen von SPD und Gruenen wieder, allerdings nicht in der Realpolitik. Dazu kommen diverse Punkte, in denen mittelfristig kaum ein Kompromiss erreicht werden wird - die EU-Bankenkrise, die Auslandseinsaetze der Bundeswehr, die Rente mit 67 und die Positionierung zur Agenda 2010 sind Aspekte, die Koalitionssondierungen wohl schon binnen kuerzester Zeit zum Scheitern bringen werden.
Kennt ihr die Geschichte von der Gemeindeschwester und der Kuh?

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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von better-than-ever » 27.09.2013, 17:28

CDU-SPD bedeutet klare Mehrheiten, aber natürlich schwierige Verhandlungen, jedoch müssen das eben Politiker in Kauf nehmen und können sich nicht immer verweigern frei nach dem Motto, "mir gefällt nicht was das Volk wählt, bitte noch einmal", daher wird es Zeit, dass man sich bei der SPD diese Verantwortung bewusst wird und nicht länger divenhaft benimmt.
Auch die Forderungen nach gleich vielen Ministern der SPD halte ich für überheblich, denn die CDU hat nun einmal einen klaren Sieg errungen, also hat die Partei und ihre Kanzlerin offenbar etwas richtig gemacht.
Es ist immer wieder lustig zu sehen, wie viel Egomanen in der Politik zu finden sind.

Letztlich wird sich die SPD wieder einkriegen. Es ist da typische wichtig machen und Druck aufbauen wollen, um dann bei den Koalitionsverhandlungen in einer starken Position zu sein.
Ein große Koalition halte ich für die beste Lösung. Bei Neuwahlen, sehe ich die SPD übrigens noch schwächer, denn im Allgemeinen bringt dieses Verhalten bei Wählern keine Pluspunkte.

P.S. Sehr witzig finde ich, dass "Die Linke" behauptet, sie sei nun endlich auch im Westen die dritte Kraft. :facepalm: Sie sind nicht einmal ernstzunehmen bezogen auf ganz Deutschland. Wenn man bedenkt, dass 25% aller Menschen im Osten "Die Linke" gewählt haben, dann kann man sich ausrechnen wie wenige Menschen sie in den alten Bundesländer gewählt haben.
Ganz ehrlich, die gleichen Leute die anfällig sind für ganz links, sind auch anfällig für ganz Rechts. Die AFD muss im Osten nur noch weiter auf "Wir wollen keinen Euro und wir sagen nein zu Europa setzen" und schon bekommen sie auch noch eine Menge an Wählern von der Linken. :winky:
Das Bündnis der Mitte wäre tatsächlich eine große Koalition.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von Plauze » 27.09.2013, 18:08

better-than-ever hat geschrieben:P.S. Sehr witzig finde ich, dass "Die Linke" behauptet, sie sei nun endlich auch im Westen die dritte Kraft. :facepalm: Sie sind nicht einmal ernstzunehmen bezogen auf ganz Deutschland. Wenn man bedenkt, dass 25% aller Menschen im Osten "Die Linke" gewählt haben, dann kann man sich ausrechnen wie wenige Menschen sie in den alten Bundesländer gewählt haben.
Ganz ehrlich, die gleichen Leute die anfällig sind für ganz links, sind auch anfällig für ganz Rechts. Die AFD muss im Osten nur noch weiter auf "Wir wollen keinen Euro und wir sagen nein zu Europa setzen" und schon bekommen sie auch noch eine Menge an Wählern von der Linken. :winky:
Das Bündnis der Mitte wäre tatsächlich eine große Koalition.
Ach, das ist doch blanker Unsinn. Nichts fuer ungut, aber deine Interpretation des Programms der Linken offenbart erschreckende Wissensluecken, weshalb ich doch dazu raten wuerde, nur ueber Dinge zu schreiben, von denen man auch etwas versteht.

Die AfD als "ganz rechte" Partei zu bezeichnen, wird der Ausrichtung dieser Gruppierung nicht gerecht und ist damit eine gefaehrliche Vereinfachung. Euroskepsis und radikaler Libertarismus sind keine vordergruendig rechten Markenzeichen, sondern diese Richtungen gibt's in fast jeder Partei, seit es eben eine explizit europaeische Problematik gibt und diese von den etablierten Parteien mitunter stiefmuetterlich behandelt wird. In solchen Situationen tauchen dann eben Gruppen auf, die vermeintlich einfache Loesungen anbieten und damit auf Stimmenfang gehen.

Die Parteigaenger der AfD, die vorher die Linke gewaehlt haben, sind allerdings vernachlaessigenswert. Da gibt's dann schon eher enttaeuschte Liberale bzw. Libertaere, die sich im Hinblick auf sonstige politische Inhalte bei der FDP oder bei den Gruenen heimisch fuehlten. Was meint ihr denn, warum Union und AfD Zulauf hatten und die etablierten Parteien mit liberaler und libertaerer Programmatik ein Debakel erlebten? Doch in erster Linie, weil sie diese Inhalte kaum zu vermitteln wussten - die AfD konnte hier wesentlich flexibler agieren und im letzten Moment einen provisorischen, aber ambitionierten Wahlkampf lancieren.

Ich bin mit Sicherheit in keiner Weise anfaellig fuer die Ideen der AfD - da ist fuer mich ein himmelweiter Unterschied zur Linkspartei. Und die von dir betriebene Gleichmacherei finde ich aus ebendiesem Grund ein wenig beleidigend. Die Linke bejaht die Europaeische Union und den Euro - es gibt kaum anderslautende Tendenzen, weder an der Spitze noch an der Basis. Sie lehnt allerdings den Weg der Bundesregierung strikt ab, den durch Spekulationen und Staatsverschuldung gebeutelten Laendern einen rigiden Sparkurs aufzuzwingen, ohne die eigentlichen Verursacher der Krise konsequent mit einzubinden. Deshalb - wo ist die Gemeinsamkeit? Die AfD will den Rueckwaertsgang einlegen, die Linke will den folgerichtig naechsten Schritt der europaeischen Einigung gehen: Bei gemeinsamem Wirtschaften haftet auch die Gemeinschaft, die profitiert hat.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von better-than-ever » 27.09.2013, 18:28

Ich habe mich da unklar ausgedrückt. Ich denke aber, dass es mit geschickter Vorgehensweise für die AFD auch möglich sein dürfte Stimmen ganz links zu fischen. Am linken Rand sind nämlich nicht alle so links wie man denkt, sondern häufig einfach uninformiert und daher anfällig auch für sehr linke Positionen.
Das gleiche Phänomen hat man auch ganz rechts & ganz rechte Position und auch wenn die AFD nicht "ganz rechts" sein mag, es ist eine weitere Möglichkeit für sie Stimmen zu fischen.
Ich progonstiziere, genau aus diesem Grund, stake Zuwäches der AFD im Osten. Lass dich mal überraschen. :winky:

P.S. Dass die Linke doch im Osten fünf Mal so stark ist, als im Westen, ist nun einmal ein Fakt.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von Wester » 28.09.2013, 10:26

Kann die CDU eig. im Notfall eine Minderheitsregierung wie Kraft in NRW durchführen? Klar ist die Opposition etwas stärker, aber ich denke es ist möglich eine solche zu führen und es könnte vielleicht sein, dass die CDU dann in gewissen Dingen mal in Zugzwang gerät und was machen wird. Wenn es mit keiner Koalition klappt, wird sie denke ich nicht nochmal Neuwahlen wollen, auch wenn das Politbarometer gestern nochmal ein gesteigertes Ergebnis zeigte und damit eine absolute Mehrheit.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von Teralon » 29.09.2013, 00:16

Plauze hat geschrieben:Um ehrlich zu sein, hatte ich mir am Wahlabend beinahe schon eine absolute Mehrheit fuer die Union herbeigewuenscht. Eine Alleinregierung der Union haette gleichzeitig eine starke Opposition bedeutet, ohne dass sich die SPD erneut auf ein Geschachere zwischen linken und rechten Parteifluegeln haette einlassen muessen. Eine gemeinsame Opposition aus SPD, Gruenen und Linken haette die Moeglichkeit fuer eine weitere Annaeherung dieser Parteien bedeuten gleichzeitig fuer eine groessere gesellschaftliche Akzeptanz eines grossen Linksbuendnisses im Bund sorgen koennen. Diese Chance erachte ich nun als vertan.

Nun wird es wohl auf eine grosse Koalition hinauslaufen. Die Gruenen sind intensiv mit ihrer internen Neuaufstellung beschaeftigt, in dem Irrglauben, der vermeintliche parteiinterne Linksruck habe ihnen die Wahlschlappe beschert (tatsaechlich waren es wohl diffuse Positionierungen zu Themen, die die Partei eigentlich fuer sich haette nutzen muessen, insbesondere Prism, Energiewende und Fracking - es fehlte das gruene Profil). Fuer einen Eintritt in eine Regierungskoalition unter voellig neuartigen Vorzeichen fehlt die Organisation, vermutlich wuerde das Schicksal der Gruenen nicht unaehnlich jenem der FDP verlaufen, die gezeigt haben, wie eine profillose Partei angesichts von Merkels Gleichmacherei verblassen kann.

Fuer ein Linksbuendnis fehlen die Schnittmengen, insbesondere die Positionen der Linkspartei finden sich derzeit zwar teilweise in den Programmen von SPD und Gruenen wieder, allerdings nicht in der Realpolitik. Dazu kommen diverse Punkte, in denen mittelfristig kaum ein Kompromiss erreicht werden wird - die EU-Bankenkrise, die Auslandseinsaetze der Bundeswehr, die Rente mit 67 und die Positionierung zur Agenda 2010 sind Aspekte, die Koalitionssondierungen wohl schon binnen kuerzester Zeit zum Scheitern bringen werden.
Ich stimme sowohl hier in allen Punkten...
Plauze hat geschrieben:
better-than-ever hat geschrieben:P.S. Sehr witzig finde ich, dass "Die Linke" behauptet, sie sei nun endlich auch im Westen die dritte Kraft. :facepalm: Sie sind nicht einmal ernstzunehmen bezogen auf ganz Deutschland. Wenn man bedenkt, dass 25% aller Menschen im Osten "Die Linke" gewählt haben, dann kann man sich ausrechnen wie wenige Menschen sie in den alten Bundesländer gewählt haben.
Ganz ehrlich, die gleichen Leute die anfällig sind für ganz links, sind auch anfällig für ganz Rechts. Die AFD muss im Osten nur noch weiter auf "Wir wollen keinen Euro und wir sagen nein zu Europa setzen" und schon bekommen sie auch noch eine Menge an Wählern von der Linken. :winky:
Das Bündnis der Mitte wäre tatsächlich eine große Koalition.
Ach, das ist doch blanker Unsinn. Nichts fuer ungut, aber deine Interpretation des Programms der Linken offenbart erschreckende Wissensluecken, weshalb ich doch dazu raten wuerde, nur ueber Dinge zu schreiben, von denen man auch etwas versteht.

Die AfD als "ganz rechte" Partei zu bezeichnen, wird der Ausrichtung dieser Gruppierung nicht gerecht und ist damit eine gefaehrliche Vereinfachung. Euroskepsis und radikaler Libertarismus sind keine vordergruendig rechten Markenzeichen, sondern diese Richtungen gibt's in fast jeder Partei, seit es eben eine explizit europaeische Problematik gibt und diese von den etablierten Parteien mitunter stiefmuetterlich behandelt wird. In solchen Situationen tauchen dann eben Gruppen auf, die vermeintlich einfache Loesungen anbieten und damit auf Stimmenfang gehen.

Die Parteigaenger der AfD, die vorher die Linke gewaehlt haben, sind allerdings vernachlaessigenswert. Da gibt's dann schon eher enttaeuschte Liberale bzw. Libertaere, die sich im Hinblick auf sonstige politische Inhalte bei der FDP oder bei den Gruenen heimisch fuehlten. Was meint ihr denn, warum Union und AfD Zulauf hatten und die etablierten Parteien mit liberaler und libertaerer Programmatik ein Debakel erlebten? Doch in erster Linie, weil sie diese Inhalte kaum zu vermitteln wussten - die AfD konnte hier wesentlich flexibler agieren und im letzten Moment einen provisorischen, aber ambitionierten Wahlkampf lancieren.

Ich bin mit Sicherheit in keiner Weise anfaellig fuer die Ideen der AfD - da ist fuer mich ein himmelweiter Unterschied zur Linkspartei. Und die von dir betriebene Gleichmacherei finde ich aus ebendiesem Grund ein wenig beleidigend. Die Linke bejaht die Europaeische Union und den Euro - es gibt kaum anderslautende Tendenzen, weder an der Spitze noch an der Basis. Sie lehnt allerdings den Weg der Bundesregierung strikt ab, den durch Spekulationen und Staatsverschuldung gebeutelten Laendern einen rigiden Sparkurs aufzuzwingen, ohne die eigentlichen Verursacher der Krise konsequent mit einzubinden. Deshalb - wo ist die Gemeinsamkeit? Die AfD will den Rueckwaertsgang einlegen, die Linke will den folgerichtig naechsten Schritt der europaeischen Einigung gehen: Bei gemeinsamem Wirtschaften haftet auch die Gemeinschaft, die profitiert hat.
...als auch hier in allen Punkten mit dir überein.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von be your own legend » 29.09.2013, 00:56

Teralon rules!
P.S. Ich denke in der Tat die AfD könnte sich zunkünftiger rechtslastiger ausrichten. OK, nennen wir sie bisher konservative Bürger gepaart mit liberalen Euro-Skeptikern, aber mal sehen was die Zukunft so bringt.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von be your own legend » 29.09.2013, 07:54

Rot-Rot-Grün ist die unbeliebteste Koalition ever, wenn man den einschlägigen Meinungsforschungsinstituten glauben schenken darf. Daher frage ich mich, wie man jemals der SPD zu einer solchen Regierung raten kann. Es mag sein, dass sie sich in einer großen Koalition weniger profilieren kann, als der größerne Partner, die CDU.
Aber selbst die eigene Wählerschaft der SPD ist nicht so "Kanzlergeil", dass sie den Kanzler unter Rot-Rot-Grün stellen möchte, denn selbst der Mehrheit der SPD-Anhänger ist eine große Koalition lieber.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von Plauze » 30.09.2013, 10:25

aspirantnr2 hat geschrieben:Für keine der 3 Optionen. Ich bin für Neuwahlen. Weil ich denke, dass das Wahlergebnis, sollte noch immer unverstanden interpretiert werden, nun neu verstanden wird...... hoffentlich!

Scheinbar will die Masse nicht Links rücken. Mir scheint im Übrigen, dass das Forum hier ziemlich linkslastig ist, wenn es um Mitglieder geht, die etwas mehr in die Waagschale werfen können....

Das war jetzt keine Kritik..... nur eine Wahrnehmung. :D

Links lässt sich gut leben, wenn man nicht in "D" wohnt.... :blaugh:
Falls du damit mich meinst: Ich wohne in Deutschland. Ich bin der Auffassung, dass es sich auch in Deutschland selbst "links" ganz gut leben lässt. Zur Mehrheit der Gesellschaft ist dies jedoch nicht durchgedrungen. Denn obwohl sich, wenn man mit verschiedenen Leuten redet, oft ein eher sozialdemokratisches bis demokratisch-sozialistisches Weltbild manifestiert, scheinen entweder diese Leute nicht entsprechend zu wählen oder aber es scheint eine schweigende Mehrheit zu geben, die ihr Kreuz beim anderen Lager machen. Ich bin daher in der aktuellen Situation gegen eine rot-rot-grüne Regierung. Es fehlt dafür die gesellschaftliche Grundlage und die politische Basis.

Ein Linksruck würde für meine Begriffe auch momentan nicht heißen, SPD oder Grüne zu wählen. Beide Parteien sind in entscheidenden Positionen eben nicht links, sondern grenzen sich wenn überhaupt gerade so vom sogenannten bürgerlichen Lager ab - oft nicht einmal das. Ein entscheidender Linksruck wäre wohl eher mit 15+X% für die Linkspartei erreicht. Subjektiv wünsche ich mir das vielleicht. Objektiv wäre die Situation der Bundesrepublik aber wohl eine bessere, wenn SPD und Grüne wieder zu einem eigenständigen Profil gelangen würden und damit dem System Merkel etwas entgegensetzen würden. Nur dann ergäbe ein Regierungswechsel auch einen für die Wähler nachvollziehbaren Sinn. Die gesellschaftliche Ablehnung einer rot-grünen Regierung (die sich in fehlenden Mehrheiten manifestiert) und eines großen Linksbündnisses (die sich in Umfragen manifestiert) hat ja nichts mit vorhandenen Inhalten zu tun, sondern mit fehlenden Inhalten, die die Frage aufwerfen, was sich denn außer den Parteifarben großartig ändern würde. Die Linke ist die einzige Partei, die darauf Antworten gibt, aber wenn die beiden anderen Parteien die Urheber dieser Antworten als regierungsunfähig bezeichnen und selbst keine Alternativen parat haben, braucht man sich nicht zu wundern.

Nun ist die SPD erneut in der Situation, der sie ihr bisher schlechtestes Wahlergebnis der Nachkriegszeit zu verdanken hat. Das zwiespältige Geschachere um einen Platz an Merkels Seite ist einer ursprünglich links der Mitte angesiedelten Volkspartei unwürdig. Genauso nimmt es der Wähler wahr. Bei der Bundestagswahl 2009 hatte niemand Steinbrücks angeblich souveränes Verhalten angesichts der Finanzkrise vor Augen, sondern Steinmeiers verzweifeltes Herumlavieren beim Versuch, der Kanzlerin, die doch eigentlich Koalitionspartner ist, beim TV-Duell und im übrigen Wahlkampf einen Stich zuzusetzen. So wird es auch in dieser Legislaturperiode laufen. Die Bundestagswahl 2013 hat uns nicht näher an einen Regierungs-(lies: Richtungs-)wechsel gebracht, sondern weiter von ihm entfernt. Genau das hatte ich befürchtet.

Für Neuwahlen bin ich dennoch nicht. Die Union ist ja dabei, mit möglichen Koalitionspartnern Sondierungsgespräche zu führen. Das Gesetz sieht die Regierungsbildung durch den Gewinner der Wahlen vor. Wenn es gelingt, mit der sich aus der Wahl ergebenden Konstellation eine(n) BundeskanzlerIn zu wählen, ist alles in Ordnung, ob es individuell schmeckt oder nicht. Erst wenn es auch in der dritten Wahlphase (dann benötigt der Kandidat nur noch eine relative Mehrheit) nicht gelingt, den Kanzler zu wählen, kann der Bundespräsident den Bundestag auflösen und Neuwahlen ansetzen.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von be your own legend » 01.10.2013, 03:25

Ich denke, dass tatsächlich eine große Koalition, die Koaltion der Mitte ist. Mehr als Schwarz-Gelb das war und ohne Frage auch mehr als Rot-Grün das je war, was ja unter Schröder als "Die neue Mitte" bekannt wurde.
@ Schlumpfi
Zwischen weiten Teilen der Union und SPD gibt es doch wesentlich mehr Schnittpunkte, als zwischen der SPD und der Linken. Nicht nur aussenpolitisch ist doch mit der Linken überhaupt keine Schnittmenge ersichtlich, auch ansonsten sind sich CDU und SPD viel näher.
Dass man jetzt so eine averse Haltung auf Seiten der SPD einnimmt, ist eine Mischung aus Frustration, dass man Frau Dr. Merkel nie einen Kandidaten entgegenzusetzen hat, der sie auch nur annähernd gefährden könnte und dass man sich in eine möglichst starke Ausgangsposition bringen möchte für Koalitionsverhandlungen.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von be your own legend » 02.10.2013, 20:02

Hi Schlumpfi, was sind denn die Bereiche wo du überhaup keine Chance auf Kompromisse zwischen CDU und SPD siehst?
Ein kleines Beispiel....In Sachen Mindestlohn sehe ich beispielsweise kein Problem einen Kompromiss zu finden, da war bisher nur die FDP kompromisslos und nun ist sie eben "kompromisslos" weg vom Regieren. Nicht einmal mehr Opposition ist sie, dass ist schon krass, aber durchaus gerechtfertigt!
Sie waren nicht einmal mehr in der Lage liberale Ideen zu vermitteln, eine ganz traurige Truppe.

Zur Linken: Was sind denn deren Konzepte bzw. deren Modelle, die zumindest funktionieren können, während laut dir, die Konzepte der großen Parteien das nicht können?
Keine Fage mir war die Linke auf Anhieb unsympathisch. Sie ging aus der SED hervor und hatte im Nu Position wie "Kernenergie nein Danke" (klar man will ja links sein, also muss man diesen Teil von den Grünen übernehmen), keine Auslandseinsätze, egal in welchem Kontext (klar man will ja links sein, da gehört das dazu), möglichst keine Überwachung (klar vorher war man selbst Spitzel, aber man will ja links sein, da gehört das dazu), vereinfachte Asylbedingungen (klar man will links sein, da darf auch so etwas im Programm nicht fehlen)

Wie sehr haben Gysi & Co ähnliche Punkte, sagen wir mal Umweltpolitik in der DDR interessiert? Nun ja, ich denke jetzt weißt du warum ich der Linken wirklich nicht traue. Ein gesundes Misstrauen ist da angebracht.
Liebe Grüße
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von Plauze » 02.10.2013, 20:40

be your own legend hat geschrieben:Wie sehr haben Gysi & Co ähnliche Punkte, sagen wir mal Umweltpolitik in der DDR interessiert? Nun ja, ich denke jetzt weißt du warum ich der Linken wirklich nicht traue. Ein gesundes Misstrauen ist da angebracht.
Liebe Grüße
Ich weiß ja nicht wie alt du bist, aber wenn du heute eins zu eins dieselben Positionen vertrittst wie noch vor 25 Jahren - mein Beileid!

Auch dein übriger Beitrag entspricht der von dir gewohnten, leider aber nicht legendären Qualität.
Zeig mir einen Politiker, der sich 1989 Gedanken über Aspekte des politischen Lebens im Jahre 2013 gemacht hat. Die Situation war eine völlig andere, und während ein Kohl mit seiner Wiederwahl, dem Widerstand in der eigenen Partei und dem bemühten Zusammenklöppeln zweier Staaten beschäftigt war, die sich bis zu diesem Zeitpunkt diametral auseinanderentwickelt hatten, schlug sich ein Gysi mit der Überwindung des Stillstands und der Moskauhörigkeit in der Post-Honecker-SED herum, aus der dann schließlich die PDS hervorging. Mit Umweltpolitik hatten beide nichts am Hut damals, soviel ist richtig, aber auch im historischen Umfeld nachvollziehbar. Die pazifistische und internationalistische Haltung gehörte aber damals sehr wohl schon zu Kernthemen der Reform-SED nach 1989. Sozialismus ist heute sicherlich etwas anders definiert als damals. Ein roter Faden ist jedoch durchaus erkennbar, nur leider nicht dort, wo ihn bürgerliche Meinungsfaschisten gern hinkonstruieren (man lese sich hierzu mal einige Zwischenrufe von Bundestagsabgeordneten aus Union und FDP anlässlich von Reden der Linksfraktion durch).

Nicht vergessen sollte man im übrigen auch, dass die Linke nicht nur an die SED anknüpft, sondern auch an die Tradition der KPD in der Weimarer Republik sowie an die SPD-Linke der Vorkriegszeit um Luxemburg und Liebknecht, deren programmatischen Eckpunkte bis zu Karl Marx zurückreichen. Die Tradition des Sozialismus in Deutschland gibt also deutlich mehr her als die ständige populistische und diffamierende Beschränkung auf die dunklen Seiten der DDR.
be your own legend hat geschrieben:Was sind denn deren Konzepte bzw. deren Modelle, die zumindest funktionieren können, während laut dir, die Konzepte der großen Parteien das nicht können?
Ich weiß, du fragst Schlumpfi, aber mir fielen auf deine Frage hin folgende Texte ein, die dir als Denkanstoß dienen können.
Befreit vom parlamentarischen Fraktionszwang finden linke Positionen Anklang durchaus auch bei Anhängern bürgerlichen Gedankenguts:
Peter Gauweiler von der CSU äußerte sich sehr lobend über Sahra Wagenknechts Buch "Freiheit statt Kapitalismus". Und auch der gewiss nicht für linkes Gedankengut bekannte Professor und Fondsmanager Max Otte findet für Wagenknechts Analyse der Ursachen der Finanzkrise und ihre daraus gefilterten Lösungsansätze (die auch im Programm der Linken ihren Niederschlag finden) fast nur lobende Worte.
Neben vielen anderen positiven Stimmen äußerte sich auch Winfried Kretschmer lobend.

Zum gerade hinter uns liegenden Wahlkampf war bei Spiegel Online diese aufschlussreiche Kolumne zu lesen, der man nach kurzer Lektüre und geistiger Verarbeitung des Wahlprogramms der großen Parteien im Grunde genommen nur beipflichten konnte.

Es scheint also tatsächlich Tendenzen in der Linkspartei zu geben, hinter denen man nicht gleich Planwirtschaft und Mauertote vermuten muss, sondern mit denen man sich durchaus sachlich auseinandersetzen kann und sollte.
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von be your own legend » 03.10.2013, 08:53

Ich werde hier sicher noch mehr schreiben, wenn ich Zeit habe, aber es stehen noch ein paar andere Dinge an, denen ich eindeutig den Vorzug gebe, der Thread läuft ja nicht weg und auch wenn du ein ganz netter Kerl bist Plauze ist das hier nichts was mich von den Socken haut was du schreibst. Dein anfänglicher Satz lässt das ja fast vermuten, man könnte ja doch meinen, du erreichtest meine legendäre Qualität aus anderen Posts, wo ich Leute scnon stolpern lasse bevor sie es selbst wissen, aber lassen wir das mal, denn für Off-Topic, haben andere in F1-Threads mehr als genug gesorgt und natürlich schreibe ich hier etwas vereinfacht, denn man muss an die Verortung denken und den Leser da abholen, wo er vielleicht gerade steht und ich bitte dich zu beachten, dass es das Forum formel1.de ist und somit das Gegenteil von einem elitären Kreis an politischen Visionären. Man ist doch eher froh, wenn simple Säzte nicht ständig falsch verstanden werden.
Liebe Grüße
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Re: Koalitionsbildung 2013

Beitrag von Plauze » 03.10.2013, 12:30

be your own legend hat geschrieben:[...]
Es war mir jetzt eigentlich nicht angelegen, über unserer beider Schreibgewohnheiten und die dazugehörige Selbsteinschätzung zu plaudern, sondern über das Thema zu diskutieren. Aber da du ja schon vorzeitig bemüht bist, das Thema mit Verweis auf die vermeintlichen geistigen Defizite anderer Nutzer zu meiden, können wir es gern ebensogut bleiben lassen, da wir uns sonst noch zu einer unerlaubten Userdiskussion versteigen müssten. Wollen wir doch sicher beide nicht.

@aspirant:
Mit dem "bürgerlichen Lager" meinte ich in dem Zusammenhang nicht die (sowieso längst extrem heterogene) gesellschaftliche Klasse des mittelständischen Bürgertums, sondern die Parteien CDU, CSU und FDP und ihre "typische" Stammwählerschaft.

Zum Thema "politische Meinung von Gesprächspartnern": Ich drücke im Gespräch niemandem meine Meinung auf, sondern höre oft eher zu. Das wirkt hier vielleicht mitunter anders, aber Fakt ist, dass ich auch in Internetforen mehr Zeit mit Lesen als mit Schreiben verbringe. Zusätzlich zu Erlebnissen im persönlichen Gespräch bezog ich mich aber auch auf Umfragen, Leserbriefe, Kolumnen, Blogs. Vieles davon ergibt eben ein leicht verzerrtes Bild, wenn man es mit der beinahe erreichten absoluten Mehrheit der Union bei der Wahl vergleicht. Daraus schließe ich eben die oben umrissene Einsicht.
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