Weltanschauung 2015 - Neuanfang

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Mithrandir
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon Mithrandir » 30.11.2018, 18:11

Guten Abend Herr Stubble :)

Wir haben tatsächlich einen gemeinsamen Nenner gefunden, hätte ich ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten. Aber ich kann dir komplett zustimmen.

Digger Stubble hat geschrieben:[...]Allerdings erfahren wir nur recht wenig davon, weil die Medien darüber nur sehr, sehr, sehr dürftig berichten und wenn überhaupt, die Schuld für das Wachsen der Kriegsgefahr stets in die Schuhe andere schieben. Wir Europäer sind also immer fein raus!

Du und Ich und auch fast alle hier im Forum haben die Gemeinsamkeit in Frieden leben zu wollen, aber aufgrund beunruhigender globaler Entwicklungen, wird diese Gemeinsamkeit immer mehr gefährdet, obwohl es sich um die größte Gemeinsamkeit der Welt handeln dürfte. Aufgrund von Vorurteilen, welche unter anderem medial massiv geprägt werden, fungiert diese Gemeinschaft aber nicht als Gemeinschaft sondern als Anhäufung lauter Individuen. Der gemeinschaftliche Wunsch, in Frieden leben zu wollen, findet also keinen Nährboden, weil er nicht gemeinschaftlich artikuliert wird.

Das ist wie der Streit darüber, ob man besser Fußball spielen sollte, weil Fußball besser ist als Baseball oder man besser Volleyball spielen sollte, weil Volleyball besser ist als Fußball oder man besser Baseball spielen sollte, weil Baseball besser ist als Volleyball. Dabei sind alle drei Ballsportarten, die alle ihre Vor – und Nachteile haben, man muss sie nur spielen.

Wobei ich immer noch den größten Teil der Schuld bei den Individuen ausmache, bezogen auf dein Beispiel ist es meine Dummheit, wenn ich zu der Meinung komme, dass mein Sport "der beste" ist. Das ist irrational und intolerant völlig unabhängig von Berichten in den Medien kann ich meinen Verstand benutzen.
Wenn ich meinen Sport gefunden habe kann ich den natürlich am besten finden und die anderen schaue ich mir vielleicht mal von der Tribüne an oder ich ignoriere sie, weil sie mir einfach nicht gefallen. Wenn aber jemand zu mir kommt und sagt, du magst doch Fußball - wir nehmen den Baseball Spielern jetzt das Geld ab und verprügeln die Volleyballer weil der Sport überhaupt bescheuert ist, kann ich denjenigen aufgrund meiner Moralvorstellungen und meines Intellekts ruhigen Gewissens als Idioten ansehen und ihn ignorieren - oder anzeigen. Das ist meine Verantwortung und die Verantwortung eines jeden.

Ich habe genug Möglichkeiten mich über die verschiedenen Sportarten zu informieren, vermutlich gibt es diverse Quellen und wenn ich was über Volleyball wissen möchte liegt es an mir nicht nur Fußballer zu fragen.
Problematisch sehe ich da übrigens in erster Linie die sozialen Medien, die filtern, welche Informationen ich bekomme. Das ist sehr gefährlich, für mich ist das eine neue Form der Zensur und beschleunigt eine Radikalisierung, weil sie erkannt haben, dass ich Fußballer bin und mir nur Nachrichten von Fußballern schicken.

Ein schönes Wochenende!
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon bolfo » 03.12.2018, 00:15

Mithrandir hat geschrieben:Hallo bolfo! Hab dich mal hier rüber kopiert :wink:

bolfo hat geschrieben:Es liegt nicht an Hamilton, sondern an den - weltweit - idiotischen Politikern, die es nicht schaffen, dass sich jeder seinem Reichtum entsprechend an der Gesellschaft beteiligt.

Das sehe ich immer noch anders als du. Ich will nicht bestreiten, dass es weltweit viele korrupte Politiker gibt, die nur zur persönlichen Bereicherung in der Politik sind. Aber ich glaube auch, dass es mehr sind, die diesen Job aus seiner eigentlichen Intention heraus machen, nämlich um das Volk bestmöglich zu vertreten. Wobei natürlich jeder Politiker individuelle Vorstellungen hat, was dem Wohl des Volkes dienlich ist.


Ich unterstelle diesen Politikern nicht mal, dass sie korrupt sind. Ich unterstelle ihnen lediglich, dass sie unfähig sind, das Problem zu lösen, dass sich jeder seinem Reichtum entsprechend an der Gesellschaft beteiligen soll. Das zeigen sie ja eindrucksvoll, weil man es bis heute nicht geschafft hat, Reiche "ordentlich" zu besteuern. Und hierzu gehört eben - auch wenn mans nicht hören mag - eine globale Lösung.


bolfo hat geschrieben:Da der Mensch in erster Linie aber gierig und eben entgegen den weitläufen Meinung keineswegs wirklich gesellschaftsfähig im Sinne eines echten Zusammenhalts ist, funktioniert dies eben relativ leicht, dass sich die Reichen und Mächtigen ihre eigenen Gesetze schaffen.

Das ist für mich das viel größere Problem, es gibt einfach weltweit zuviele "idiotische" Menschen. Die allermeisten Gesetze werden sicherlich nach bestem Wissen und Gewissen erlassen, sie werden nur umgangen oder nicht konsequent genug durchgesetzt. Und natürlich werden einige auch von zu mächtigen Lobbyisten beeinflusst oder verhindert. Eine Finanztransaktionsteuer erscheint mir zwingend, nur würden die betroffenen Banken einfach ins Ausland abwandern sollte es erlassen werden. Da ist die Politik machtlos.


Genau da sind wir wieder beim Punkt: Dem Egoismus. "Da ist die Politik machtlos...". Nein, wäre sie eben nicht, wenn man eine globale Lösung fände, nämlich, dass jedes Land die Finanztransationssteuer einführen würde. Dann hätten die Banken überhaupt kein Druckmittel mehr. Nur ists eben so, dass die internationalen Politiker überwiegend GEGENEINANDER arbeiten, und nicht füreinander. Du sagst, die meisten Politiker würden immer noch das beste für ihr Volk tun wollen. Das mag sein. Nur nützt dies eben herzlich wenig, wenn sie nicht auch das beste für die anderen Völker tun wollen.

Schau dir mal diese Situation an: Die Schweizer Politiker wollen das beste für die Schweizer. Also lassen sie Pauschalbesteuerungen für reiche Ausländer zu. Ja. Tönt gut. Nur wollen die anderen dann eben auch das beste für ihr Volk tun, und bieten selbiges an. Was passiert? Die reichen Franzosen kommen zu uns, und die reichen Schweizer ziehen nach Frankreich... oder was auch immer. Geschädigt ist aber dann letztlich doch das Volk. Denn die reichen Franzosen, die hierher kommen, vermögen am Ende eben nicht, das zu decken, was die reichen Schweizer blechen müssten, die nun weg sind, und umgekehrt. Das "gut gemeinte" ist letztlich also nicht gut. Deshalb ist "etwas gut meinen" nicht immer das richtige.

Und genau das ist das Problem. Dass wir Probleme nicht international lösen wollen, sondern am liebsten bloss auf nationaler Ebene. Genau dies treibt aber den Egoismus nur voran. Sorry, die Einstellung "lieber ein Ausländer, der hier 50'000 Franken Steuern bezahlt, hier in der Schweiz, als dass er 5 Millionen im Ausland bezahlen müsste" ist egoistisch. Und dieser Egoismus ist es auch, der in der Flüchtlingskrise die grössten Probleme hervorgebracht hat. "Flüchtlinge aufnehmen, wir? Nein danke, nehmt ihr sie". Anstatt gemeinsam eine GUTE Lösung zu finden, wo jeder sich das auferlegt, was er kann und was im Massstab zu den anderen gut ist, hat man überwiegend die egoistische Methode gewählt.

Was ist das Resultat? Dass überall die Rechten auf dem Vormarsch sind. Das wundert mich keinesfalls.


Weiter fand ich es immer noch gut, dass während der Flüchtlingskrise Menschlichkeit gezeigt wurde - völlig unabhängig von allen Hintergründen - und es keine grausamen Szenen an deutschen Grenzen gab. Die Politik für den miesen Charakter der kriminellen Individuen verantwortlich zu machen, die diese Situation des Elends ausschlachten halte ich für falsch, ich würde höchstens anlasten, dass bestehende Gesetze nicht ausgeschöpft werden. Prinzipiell sind unsere Gesetze und unsere Verfassung ziemlich gut denke ich. Nur hilft das in der globalisierten Welt nicht unbedingt.


Richtig. Weil eben eine globalisierte Welt auch globalisierte Grundgesetze verlangt, damit man nicht erpressbar wird.


Wie soll man eine Gesellschaft politisch führen, wenn viele Mitglieder der Gesellschaft nicht gesellschaftsfähig sind? Das ist eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Statt glücklich und dankbar zu sein für viele Jahre des Friedens hier in Europa haben nationalistische Strömungen weltweit immer mehr Zulauf, der Ton wird aggressiver. Die Parteien an den politischen Rändern sind im Aufwind und reißen immer tiefere Abgründe in die Gesellschaft, deren Zusammenhalt sowieso nicht besonders groß ist wie du schreibst. Dabei bieten sie keine Lösungen und haben zu vielen Themen keine Konzepte.
Konzeptlosigkeit und Polemik ist mittlerweile politisches Programm in einem der mächtigsten und einflussreichsten Länder der Welt, umgesetzt von einem Staatsoberhaupt, welches demokratisch gewählt wurde! Zwar nicht mit den meisten Stimmen, aber doch rechtmäßig. Sofern man die bewußte Beeinflussung der Bevölkerung durch die sozialen Medien ausklammert, aber das ist ein anderes Thema.
Mich beunruhigen viele aktuelle Entwicklungen rund um den Planeten und daran sind mehr die Völker als die Politiker schuld, eben aus dem Grund, den du beschreibst.


Ich denke, es ist eben eine Wechselwirkung aus Politikern und Völkern. Nämlich schlicht: Unsere Gesellschaft. Wenn ich das Gejammere von vielen höre, von wegen der Wohlstand sei derart geschwunden.... ich kann diese Leier nicht mehr hören! Weil der Wohlstand daran definiert wird, ob jemand einen Ferrari fährt oder nicht oder eben 3 Fernseher hat oder eben nur einen, und nicht daran, ob man ein menschenwürdiges Leben führen kann. Offensichtlich ist es aber menschenunwürdig, mit nur einem Fernseher aufzuwachsen und keinen Porsche zu fahren. Und dann heisst es, der Wohlstand hätte gelitten... Bullshit! Wir hatten in den 80ern und 90ern doch viel weniger (und eben doch mehr, weil wir nicht mehr kannten). Dann gabs eben nur ein Fernseher und EIN Auto. Ganz schön hart, wenn 4 Sendungen parallel liefen, man keinen Recorder hatte und man sich für eine Sendung entscheiden musste. Oh nein, ich musste verzichten.... Kann man eben heute nicht mehr. Heute will man ALLES und SOFORT.

Und das ist der Unterschied. Wir hatten früher nicht mehr. Wir hatten nur noch die Angewohntheit, eben auch mal auf was zu verzichten. Heute indes haben wir viel mehr. Nur wollen wir eben alles. Und dann heissts: Der Wohlstand hat gelitten.

Und genau darin ist das Problem. Dass der Mensch unersättlich und egoistisch ist - und sich jeden Scheiss erzählen lässt. Der wird dann auch geglaubt, auch wenn er weder Hand noch Fuss hat. Wie unsere Bauern, die sich immer beschweren, sie hätten immer weniger. Wie bitte? Noch nie gabs so viele Subventionen vom Staat. Früher, als meine Eltern jung waren, gabs gar keine Subventionen, und eine Bauernfamilie stellte etwa 8 Kinder auf, nur, damit man genug Arbeiter hatte. Die durften dann zur Schule, wenns nichts zu tun gab auf dem Hof, sonst wurde zu Hause gekrüppelt. Und nach 8 Schuljahren war in der Regel für die Frauen Ende Schule. Die würden eh keine Bildung brauchen und heiraten. Heute jedoch kann jedes Bauernkind beliebige Bildung geniessen. Die Bauern werden subventioniert, und deren Kinder gehen an Universitäten. Und ich höre: unser Wohlstand leidet!

Das ist es eben, was mich ankotzt. Dass wir uns nicht an dem erfreuen, was wir haben, sondern nur an dem, was wir nicht haben bzw. es uns nervt, wenn andere was haben, das wir nicht haben. So verwundert auch folgendes Resultat eines Experiments nicht. Gefragt wurden Leute:

Was würden Sie bevorzugen:
A) Sie verdienen 200'000 und der Chef 500'000
B) Sie verdienen 150'000 und der Chef 200'000
C) Sie verdienen 100'000 und der Chef 120'000.

Die meisten entscheiden sich überraschend für C. Ist eben besser, nur 100'000 zu haben. Hauptsache, der Chef hat nicht viel mehr......


Und solchen Hirnen soll man dann Entscheidungen überlassen, die die Umwelt betreffen. Abholzung des Regenwalds? Mir doch wurscht, die Auswirkungen erlebe ich ja doch nicht mehr.....
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon Digger Stubble » 03.12.2018, 08:21

Mithrandir hat geschrieben:Wir haben tatsächlich einen gemeinsamen Nenner gefunden, hätte ich ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten.[...]


Das ist gar nicht so außergewöhnlich; denn eigentlich haben alle Menschen dieser Welt den Wunsch, in Frieden zu leben. In den Medien wird dieser Gemeinsamkeit aber möglichst wenig beigemessen und stattdessen versucht man die Menschen durch mediale Vorgaben irgendwelcher Art zu entzweien, womit an der Führungsspitze mehr Platz für individuelle Entscheidungen der sogenannten "Leistungsträger" entsteht.

Ich halte es daher auch für recht uninteressant und auch unwichtig, herauszufinden, ob nun die Politiker oder das Volk oder sonst wer für diesen Zustand verantwortlich ist. Die Suche danach eröffnet doch nur wieder die Möglichkeiten, den bereits gemeinsam gefundenen Nenner, nämlich in Frieden leben zu wollen, durch unterschiedliche Auffassungen aus den Augen zu verlieren.

bolfo hat geschrieben:[...]Ich denke, es ist eben eine Wechselwirkung aus Politikern und Völkern. Nämlich schlicht: Unsere Gesellschaft.[...]


Es dürfte auszuschließen sein, das irgendjemand anderes für die wachsende Kriegsgefahr und die damit einhergehenden Auswirkungen verantwortlich ist. Das Praktische daran ist, dass wir im Prinzip wieder einen gemeinsamen Nenner gefunden haben; denn unsere Gesellschaft besteht nun mal aus den Politikern und Bürgern, welche beide getrost als Volk zusammengefasst werden können. Ein vernünftiger und effektiver Prozess, der die Kriegsgefahr auf dieser Welt reduzieren und Frieden fördern kann beginnt also immer noch in einem Dialog, in welchem man sein Vorurteile aufzulösen versucht und das Bedürfnis, in Frieden zu leben, gemeinschaftlich artikuliert!

Im Kapitalismus steht nun mal das Kapital an erster Stelle und nicht die Menschlichkeit. Ein Volk, welches in Frieden leben will und dieses auch konsequent und gemeinschaftlich als solches artikuliert, nimmt ohne Zweifel einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft und deren Entwicklung, welche bisher ausschließlich kapitalistisch ausgelegt ist!

Das Internet eignet sich dafür übrigens ganz perfekt, wenn man dessen Tücken und Fallen handhaben kann!

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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon Mithrandir » 03.12.2018, 18:58

bolfo hat geschrieben:[...]Das ist es eben, was mich ankotzt. Dass wir uns nicht an dem erfreuen, was wir haben, sondern nur an dem, was wir nicht haben bzw. es uns nervt, wenn andere was haben, das wir nicht haben[...]

Sorry wegen der kurzen Antwort auf deinen langen Text - aber ich bin deiner Meinung, komplett.

Allerdings hätte ich eine Frage - hättest du eine Idee, wie ein einzelner Politiker etwas an dieser Misere ändern könnte? Man kriegt ja immer auf den Deckel, wenn man sowas sagt, aber ich habe mich von der Kanzlerin ganz gut vertreten gefühlt. Trotz zwischenzeitlicher Krise ist die Wirtschaft belebt, es werden immerhin keine neuen Schulden mehr gemacht, Arbeitslosenquote sinkt und ich persönlich kann vernünftig von meiner Arbeit leben. Also ich bin zufrieden.
Frau Merkel hat ja einen großen Einfluss und wird ab und an als mächtigste Frau der Welt tituliert, doch das hilft global gesehen nichts, weil es ist wie du sagst - man wird nie weltweite Einigkeit erzielen. Was könnte sie oder jeder andere also ausrichten?
Aus diesem Grund - und weil man ständig in der Öffentlichkeit angegriffen wird - wollte ich nicht mit den Berufspolitikern tauschen.

Übrigens krank, was in Paris passiert ist. Unter dem Vorwand gegen hohe Steuerbelastungen zu demonstrieren zerstören Randalierer hart erarbeitestes Privateigentum anständiger Bürger. Meiner Meinung nach kann die Polizei garnicht hart genug durchgreifen. Wer vermummt und mit einem Helm auf dem Schädel zu einer Demo marschiert kann eigentlich auf dem Weg dahin direkt einkassiert werden.
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon RedBull_Formula1 » 04.12.2018, 22:50

Mithrandir hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:[...]Das ist es eben, was mich ankotzt. Dass wir uns nicht an dem erfreuen, was wir haben, sondern nur an dem, was wir nicht haben bzw. es uns nervt, wenn andere was haben, das wir nicht haben[...]
[...]
Allerdings hätte ich eine Frage - hättest du eine Idee, wie ein einzelner Politiker etwas an dieser Misere ändern könnte? Man kriegt ja immer auf den Deckel, wenn man sowas sagt, aber ich habe mich von der Kanzlerin ganz gut vertreten gefühlt. Trotz zwischenzeitlicher Krise ist die Wirtschaft belebt, es werden immerhin keine neuen Schulden mehr gemacht, Arbeitslosenquote sinkt und ich persönlich kann vernünftig von meiner Arbeit leben. Also ich bin zufrieden.
Frau Merkel hat ja einen großen Einfluss und wird ab und an als mächtigste Frau der Welt tituliert, doch das hilft global gesehen nichts, weil es ist wie du sagst - man wird nie weltweite Einigkeit erzielen. Was könnte sie oder jeder andere also ausrichten? {...]


Ich teile deine Meinung. Auch ich fühle mich von Angela Merkel gut vertreten. Unsere Gesellschaft ist jedoch so breitgefächert, dass wir eben viele "Bevölkerungsgruppen" haben, die sich nicht mit ihr arrangieren können. Ich finde es besorgniserregend, dass es mittlerweile schon so einen großen Zuspruch für die Merkel-Hater gibt.

Wie du bereits erwähnt hast: Unsere Wirtschaft boomt immer noch, dazu trägt die niedrige Arbeitslosenquote bei und ich mag ihre ruhige Art. Es gibt keine Floskeln und Übertreibungen bei ihr. Mir gefällt ihr Politikstil. Unsere Kanzlerin wird viel höher geschätzt, wenn man mal die Landesgrenzen verlässt. Als Selbständiger habe ich viel zutun mit Menschen aus dem Ausland. Es fällt oft der Satz: "Auch wir hätten gerne so ein starkes Regierungsoberhaupt in unserem Land, Merkel wird sehr hoch geschätzt bei uns, Es gibt kaum jemanden der sie nicht respektiert, sie ist eine unglaublich starke Frau!".

Was ich damit sagen will: Wir haben viel zu viele Nörgler und Miesepeter. Sie wissen nicht was sie bereits für eine Lebensqualität haben. Man schaut nicht über den Tellerrand hinaus. Man kritisiert gerne. Es war gewiss nicht alles richtig 2015, aber ich bin stolz darauf, dass wir Deutschen endlich nicht mehr als verkappte Nazis angesehen werden, sondern als Menschen, die offen/barmherzig/mutig sind.

Merkel ist eine einzelne Politikerin, die es schafft den nötigen Zuspruch in ihrem Handeln gegen die "Miesepeter-Strömungen" zu erringen und stur das umsetzt was sie sich auch vornimmt. Es mag nicht alles richtig sein was sie macht, aber dürfen wir uns wirklich beschweren? Nein, denn es gibt niemanden der Perfekt ist und allen gefällt. Den wird es niemals geben. Mit Merkel bin ich aber äußerst zufrieden.
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon bolfo » 05.12.2018, 10:14

Mithrandir hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:[...]Das ist es eben, was mich ankotzt. Dass wir uns nicht an dem erfreuen, was wir haben, sondern nur an dem, was wir nicht haben bzw. es uns nervt, wenn andere was haben, das wir nicht haben[...]

Sorry wegen der kurzen Antwort auf deinen langen Text - aber ich bin deiner Meinung, komplett.

Allerdings hätte ich eine Frage - hättest du eine Idee, wie ein einzelner Politiker etwas an dieser Misere ändern könnte? Man kriegt ja immer auf den Deckel, wenn man sowas sagt, aber ich habe mich von der Kanzlerin ganz gut vertreten gefühlt. Trotz zwischenzeitlicher Krise ist die Wirtschaft belebt, es werden immerhin keine neuen Schulden mehr gemacht, Arbeitslosenquote sinkt und ich persönlich kann vernünftig von meiner Arbeit leben. Also ich bin zufrieden.
Frau Merkel hat ja einen großen Einfluss und wird ab und an als mächtigste Frau der Welt tituliert, doch das hilft global gesehen nichts, weil es ist wie du sagst - man wird nie weltweite Einigkeit erzielen. Was könnte sie oder jeder andere also ausrichten?
Aus diesem Grund - und weil man ständig in der Öffentlichkeit angegriffen wird - wollte ich nicht mit den Berufspolitikern tauschen.


Ein Politiker kann nichts ändern, weil ein Mensch alleine nichts an einer Massendummheit ändern kann. Eigentlich wollte ich schreiben, dass sich jeder Politiker für Bildung einsetzen sollte, da dies die Massenblödheit zumindest mindern könnte. Nur ists so, dass je mehr ich gebildete Leute sehe, merke, dass die keinesfalls "intelligenter" sind als die Leute, die sie selbst nur allzugern als "Mob" bezeichnen. Das erlebe ich mittlerweile tagtäglich, dass höchstgebildete Leute vom Leben teilweise ebenso wenig Ahnung haben und ebenso egoistisch und ohne Horizont durch die Gegend laufen können. Bildung alleine bringt uns offensichtlich also ebenso wenig weiter, ohne dass sich an anderen Stellen was ändert.

Die Hoffnung beruht deshalb insbesondere darauf, dass am Ende die grosse Masse doch intelligenter agieren kann als das Individuum, sprich, eine Art "Intelligenz der Masse" wirklich existiert. Nur reicht diese offenbar auch nicht aus, um über den Tellerrand bzw. über die Staatsgrenzen hinaus zu denken. Ich selbst vermute, dass es eben unser Verderben ist, dass wir nur über das Nachdenken, was in unserer unmittelbaren Umgebung stattfindet. Der "Mensch" hat sich bis heute noch nicht als "Mensch" begriffen, als einheitliche Spezies, sondern stets als "Deutscher", "Schweizer" oder "Amerikaner". Solange dieses Denken standhaft ist, wird sich auch nichts ändern.

Nur ist dies eben überall so geprägt. In der Formel 1 fährt man auch unter einer Landesflagge. Viele Leute sind Fan eines Fahrers, nicht des Fahrers wegen, sondern seiner Nationalität wegen. So funktioniert offenbar der Mensch. Weil das, was unmittelbar in seiner Umgebung stattfindet, viel grössere Wichtigkeit hat als das, was "irgendwo" in der Welt geschieht. Das ist irgendwie auch verständlich. Nur sollte der Mensch eben lernen, dass das, was "irgendwo in Afrika" passiert, auch unmittelbare Folgen hier haben kann. Doch das haben viele noch nicht begriffen. Dann motzt man eben lieber über die Flüchtlinge, die hierher kommen, anstatt zu fragen, warum sie überhaupt flüchten. Aber dann müsste man sich eben mit unangenehmen Fragen auseinandersetzen, die keiner hören möchte.

Jüngst hier: Viele Flüchtlinge aus Eritrea. Die Schweizer beschweren sich. Nur: Schweizer Firmen kaufen von dort Gold und unterstützen so das Regime vor Ort. Waffen werden dorthin exportiert. Und wenn es einen Vorstoss gibt, dies zu unterbinden, ist die Antwort stets: Na, wenn wirs nicht machen... dann machts ein anderer. Also machen doch besser wir das Geld.

Dies zeigt, wie "dumm" die Leute sind. "Wir" machen nicht das Geld. Sondern die Inhaber der entsprechenden Firmen. Nein, wir machen nicht nur das Geld nicht, wir bezahlen noch dafür, nämlich, indem mit unseren Steuern dann die Flüchtlinge unterhalten werden müssen. Kurzum: Mit diesen Gebieten macht unsere Wirtschaft Handel, wovon wenige profitieren, aber wir alle bezahlen. Doch darüber denkt man nicht nach. Und auch die Argumentation "wenn wirs nicht machen...." Absoluter Blödsinn. Wir sagen ja auch nicht: Ach, seh her, dort liegt ein betrunkenes Mädchen. Ich vergewaltige sie mal. Denn wenn ichs nicht mache, tuts ja ein anderer. Aber genau mit dieser Logik wird argumentiert, wenns um Geld geht.

Ich denke deshalb, dass sich erst etwas ändern wird, wenns einen richtigen Knall gibt. Ob mit einem Krieg oder über die Umwelt. Einen Knall, wo man merkt, dass man sich mit Geld die wichtigsten Dinge nicht kaufen kann. Vielleicht braucht es wirklich eine internationale, weltweite Mega-Krise, der hunderte von Millionen von Menschen oder mehr zum Opfer fallen, bis sich die Menschheit besinnen kann, worauf es ankommt. Aber daran glaube ich nicht. Denn selbst, wenn dies der Fall wäre, wäre es nur vorübergehend so. Und dann wäre wieder alles beim Alten.

Das Problem ist grundsätzlich darin - wenn wir bei dem sind, was du sagst, du würdest dir eine Politikerkarriere nicht antun wollen - dass wir in einer Gesellschaft leben, die sich selbst Fesseln auferlegt hat. Niemand will mehr Verantwortung übernehmen. Aber jeder will über andere richten. Denn dies ist am einfachsten. Selbst nichts tun, aber andere verurteilen. Deswegen blüht die Juristenbranche, und deswegen zeigen Boulevard-Zeitungen mit den Fingern überall auf vermeindliche Skandale und bohren darin rum (teilweise berechtigt, teilweise aber auch unberechtigt). Hauptsache jedoch: Selbst keine Verantwortung übernehmen. Das sollen gefälligst die anderen machen. Die, die man nachher auf die Anklagebank setzt.

Mein Fazit deswegen ist, dass man nichts ändern kann. Das einzige, was man machen kann ist, zu schauen, dass man selbst mit sich im reinen ist und alle anderen einen am Arsch lecken können. Dass man nicht teilnimmt an der Massenverblödung, sondern selbst für sich mal zufrieden ist, wenn es andere noch nicht sind. Und eben nicht jeden Schmarrn der Allgemeinheit mitmacht. Offenbar kann man das Glück eben nur für sich alleine finden, im eigenen kleinen Garten. Und solange diesen Garten keiner betritt, um ihn zu schänden, muss man wohl zufrieden sein.




Übrigens krank, was in Paris passiert ist. Unter dem Vorwand gegen hohe Steuerbelastungen zu demonstrieren zerstören Randalierer hart erarbeitestes Privateigentum anständiger Bürger. Meiner Meinung nach kann die Polizei garnicht hart genug durchgreifen. Wer vermummt und mit einem Helm auf dem Schädel zu einer Demo marschiert kann eigentlich auf dem Weg dahin direkt einkassiert werden.


Dies ist eben ein weiterer Punkt: Dass uns die eigenen Gesetze zu Fesseln werden. Man stelle sich das Geschrei vor, wenn die Polizei hart eingreifen würde. Da sind wir eben wieder beim Punkt, dass keiner die Verantwortung tragen will, bzw. die, die sie tragen, dann öffentlich verurteilt werden. Der Aufschrei wäre - auch unter Juristen - gigantisch, wenn man hart eingreifen würde. Dann würde man sofort mit der "Verhältnismässigkeit" kommen. Am Ende landen die Polizisten auf der Anklagebank, und die Täter bekommen noch recht. Das ist aktuell die Realität.

Hier gibts mehrere solcher Fälle. Einer, immer noch in Verhandlung: Eine Frau hat eine Knarre, schiesst aus dem Fenster, weil die Polizei ihr Haus filzen will, in dem der Sohn Drogen versteckt hat. Weil sie in der Tat mit einer Knarre aus dem Fenster schiesst und der Polizeikommandant Zivilisten in Gefahr sieht, beschliesst er, einzugreifen. Dabei erschiesst sich die Frau selbst. Nun sitzt er auf der Anklagebank.

So läufts eben. Die Verantwortung für so einen Einsatz will keiner tragen. Aber die verurteilen, die hinstehen und die Verantwortung übernehmen, darin sind wir besonders gut.

Weitere Geschichte: Einer läuft in einer Firm Amok, erschiesst mehrere Menschen. Zwei Zivilisten schreiten ein. Am Ende ist der Amokläufer tot. Nur dumm: Er wurde überwältigt und dann mit der eigenen Waffe erschossen. Was passiert? Es wurde ein Verfahren eingeleitet, welches klären sollte, ob der Attentäter nach der Überwältigung überhaupt noch eine Gefahr darstellte, oder ob der tödliche Schuss nicht verhältnismässig war. Nein, das ist kein Witz. Das ist Realität. Die vermeintlichen "Helden" mussten erst mal lange abwarten, weil sie in der Hitze des Gefechts eben nicht zuerst noch die Rechtsmittel studiert haben, bevor sie eingeschritten sind. Ein Hohn.

Diese Kultur wird von der Juristenbranche aktiv gefördert. Das merke auch ich, wenn ich Kollegen sehe, die unterrichten. Wenns mit den Leistungen nicht klappt, klappts eben oftmals mit dem Anwalt. Dann hast du Leute, die nie zur Schule kommen. Eine Verwarnung, zwei Verwarnungen. Dann der Rauswurf. Geht nicht. Da nicht verhältnismässig. Schlechtere Noten darfst du aber auch nicht geben, da Anwesenheit nichts mit den Prüfungsleistungen zu tun haben. Kurzum: Eine höhere Eskalationsstufe als die "Verwarnung" gibt es nicht. Weil alles andere unverhältnismässig ist.

Das Resultat sehen wir bei Protesten, sehen wir bei Krawallen, sehen wir bei Hooligan-Ausschreitungen. Die Polizei ist da, schaut aber nur noch zu. Von Eingreifen redet schon lange keiner mehr. Sonst heisst nämlich, man habe die Gewalt provoziert. Traurig. Aber Tatsache. So läufts nun mal heutzutage.
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon PolePosition » 05.12.2018, 19:04

@bolfo
Wenn ich Deinen Beitrag so lese bin ich doch froh, dass ich in den Staaten lebe. Da langt die Polizei wenigstens noch hin, und wenn der Kollateralschaden schwarz ist gibt es nicht mal ne Untersuchung.

Ne, Sarkasmus mal beiseite, ich gebe Dir in allen Punkten recht. Natürlich kann man die Politik, die Medien, die Reichen, die Ausländer oder was weiß ich wen verantwortlich machen, aber letztendlich ist es die selbstgewählte Dummheit vieler Menschen, die uns im Status Quo verharren lassen. Man will in seinem Weltbild verharren und keinen Zentimeter abrücken (sowohl spirituell als materiell), auch wenn die Informationen, die man erhält darauf hindeuten, dass man falsch liegen könnte. Das erlebe ich jeden Tag aufs neue, und das, wie Du schon erwähntest, nicht nur von vermeintlich unterbemittelten Menschen, sondern auch von Ingenieuren, etc. Man beharrt stur auf seinem Standpunkt und ignoriert alles, was nicht ins Weltbild passt, und man füttert sich selbst auch nur mit den Informationen, die einen bestätigen.

Das liegt aber keineswegs an den Mainstream-Medien, denn diese vermitteln ja durchaus unterschiedliche Sichtweisen. Wenn ich mal exemplarisch Fox, CNN und NPR vergleiche, da habe ich 3 verschiedene Quellen, zu denen jeder US Bürger jederzeit Zugriff hat und die Freiheit, sie entsprechend zu nutzen. Wenn dann jemand Fox schaut, wo immer noch zum hundersten Mal darüber berichtet wird, dass Clinton einen privaten E-Mail Server benutzt hat oder spekuliert wird, ob Obama ein Moslem sei, dann muss man einfach sagen, dass die Dummheit selbstauferlegt und nicht aufoktroyiert ist.

Letzendlich bekommt jedes Volk die Volksvertreter, die es verdient, und das sage ich als jemand der aktuell national von Donald Trump und auf Bundesstaatenebene von Ted Cruz vertreten wird.
Zumindest haben hier die Midterms im November aber neue Hoffnung geweckt, da auf Seite der Demokraten sehr viele neue Gesichter in das Haus gewählt wurden, die nicht zum Establishment gehören und frische Impulse und Ideen bringen.
Ich habe persönlich nämlich noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass die Amerikaner irgendwann den Unterschied zwischen sozialer Demokratie, Sozialsimus und Kommunismus verstehen werden. :lol:
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon Mithrandir » 05.12.2018, 20:02

bolfo hat geschrieben:Ich denke deshalb, dass sich erst etwas ändern wird, wenns einen richtigen Knall gibt. Ob mit einem Krieg oder über die Umwelt. Einen Knall, wo man merkt, dass man sich mit Geld die wichtigsten Dinge nicht kaufen kann. Vielleicht braucht es wirklich eine internationale, weltweite Mega-Krise, der hunderte von Millionen von Menschen oder mehr zum Opfer fallen, bis sich die Menschheit besinnen kann, worauf es ankommt. Aber daran glaube ich nicht. Denn selbst, wenn dies der Fall wäre, wäre es nur vorübergehend so. Und dann wäre wieder alles beim Alten.

Deine Meinung über Juristen darf Argestes aber nicht lesen wenn der hier nochmal aufschlägt XD

Toller Beitrag, wenn auch ziemlich frustrierend. Ich sehe es eigentlich genauso, aber es ist noch schlimmer das von jemandem anderen zu lesen. Die Megakrise gibt es schon lange in Afrika, aber das juckt keine Sau, weil Afrika weit weg ist. Außer es kommt mal wieder ein überladenes Böötchen an. Aber selbst dann denkt keiner drüber nach, ob man da nicht vielleicht helfen könnte, damit die Leute garnicht dort weg müssen. Eigentlich naheliegend.
Wenn der Mensch nicht so wäre, wie du ihn beschreibst müsste wahrscheinlich niemand auf der Welt Hunger leiden.

Hoffentlich erlebe ich nicht, dass du recht hast und vielleicht kommen wir ja doch noch zur Besinnung, wobei es gefühlt eher schlimmer wird. Wenn es soweit ist ist es mit der persönlichen Zufriedenheit auch vorbei. Dabei haben wir alle Möglichkeiten hier in Europa.
Jedenfalls vielen Dank für deine Ausführungen, vielleicht solltest du damit in die Politik :D
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon Digger Stubble » 06.12.2018, 06:53

bolfo hat geschrieben:[...]Die Hoffnung beruht deshalb insbesondere darauf, dass am Ende die grosse Masse doch intelligenter agieren kann als das Individuum, sprich, eine Art "Intelligenz der Masse" wirklich existiert.[...]


Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt, aber sie stirbt.

Ich finde besonders die Erwähnung des Gesetzes der Masse interessant, wo sich doch die Masse anhand der Masse orientiert und nicht anhand irgendwelcher "individueller Vorgaben", die wiederum nur "individuelle Interessen" verfolgen. Die Masse der Menschen, welche freilich in Frieden leben will, ist als solche gar nicht vorhanden, weil sie in unzählige "individuelle Interessengemeinschaften" unterteilt wird.

Und die größte dieser Interessengemeinschaften lebt nach der Vorgabe, dass man an allem nichts ändern können soll und man den großen Knall abwarten müssen, während sich das kapitalistische System zwecks zwanghaftem Selbsterhalt überall auf der Erde breit macht und die Doktrin verbreitet, dass der Mensch an allem selbst Schuld sei!

Nun, es sind in der Tat Menschen, welche Krieg führen, aber sind auch Menschen, welche in Frieden leben wollen und ja, diese Gruppe ist die größte weltweit und längst würden sich die beunruhigenden Entwicklungen dieser Erde langsam beruhigen, wenn man sich vermehrt dieser Gruppe anschließen würde, als den Kriegstreiber im Namen des Kapitalismus den Rücken freizuhalten.

Kapitalismus basiert nun mal auf Kapital und Kapital setzt Wachstum voraus, aber wie soll es wachsen, wenn dessen dessen Lebensfreiraum auf natürlichem Wege eingeschränkt wird?

Indem man den Lebensraum mit Gewalt frei schlägt und die Verantwortung dafür irgendjemandem in die Schuhe schiebt. Am besten gleich der gesamten Menschheit, dann muss man sich nicht so schuldig fühlen, wenn man einfach mitmacht!

Ne, ne, lass mal, solche Politiker braucht die Welt nicht wirklich, denn wir haben bereits genügend davon!


PolePosition hat geschrieben:[...]Natürlich kann man die Politik, die Medien, die Reichen, die Ausländer oder was weiß ich wen verantwortlich machen, aber letztendlich ist es die selbstgewählte Dummheit vieler Menschen, die uns im Status Quo verharren lassen. Man will in seinem Weltbild verharren und keinen Zentimeter abrücken [...], auch wenn die Informationen, die man erhält darauf hindeuten, dass man falsch liegen könnte. Das erlebe ich jeden Tag aufs neue, und das, wie Du schon erwähntest, nicht nur von vermeintlich unterbemittelten Menschen, sondern auch von Ingenieuren, etc. Man beharrt stur auf seinem Standpunkt und ignoriert alles, was nicht ins Weltbild passt, und man füttert sich selbst auch nur mit den Informationen, die einen bestätigen.[…]


Aber erkennst Du diese selbst gewählte Dummheit auch bei Dir oder erkennst Du sie nur bei anderen?

Ich erarte diese Frage für sehr wichtig. Denn wenn bolfos These, dass sich der Mensch noch nicht als Mensch begriffen hätte, der Du ja zugestimmt hast, richtig wäre, dann wärest ja auch Du von der selbst gewählten Dummheit betroffen und in diesem Falle stellt sich selbstverständlich die Frage, inwiefern der Beitrage eines Dummen, der in seinem Weltbild verharren und keinen Zentimeter davon abrücken möchte, interessant sein könnte?


Warren Buffett, 2006 hat geschrieben:Es herrscht Klassenkrieg, richtig und es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.


Warren Buffett ist über alle Zweifel erhaben, ein Verschwörungstheoretiker zu sein und auch er weiß, dass es nicht der Mensch ist, der sich selbst zugrunde richtet, sondern nur eine Ansammlung der reichsten Individuen, welche die Macht des Geldes benutzen, um die Ereignisse der Welt in ihrem ganz individuellen Interesse zu kontrollieren. Freilich behauptet diese Ansammlung der reichsten Individuen, dass diese Kontrolle unabdinglich wäre und entsprechend kontrollieren sie die Medien und wer die Macht der Medien unterschätzt, der hängt selbst am Haken, aber nicht als gewöhnlicher Fisch sondern nur als Wurm, der den gewöhnlichen Fisch locken soll und am Ende werden beide gegessen!

Das war damals gar nicht viel anders, als sich ganz Deutschland für den "Totalen Krieg" entschied. Oder entschied sich etwa gar nicht ganz Deutschland dafür und es handelte sich nur um Propaganda, dass ganz Deutschland das getan hätte?

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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon Mithrandir » 06.12.2018, 09:25

Digger Stubble hat geschrieben:Nun, es sind in der Tat Menschen, welche Krieg führen, aber sind auch Menschen, welche in Frieden leben wollen und ja, diese Gruppe ist die größte weltweit und längst würden sich die beunruhigenden Entwicklungen dieser Erde langsam beruhigen, wenn man sich vermehrt dieser Gruppe anschließen würde, als den Kriegstreiber im Namen des Kapitalismus den Rücken freizuhalten.

Wie willst du es denn konkret hinbekommen, dass sich die Menschen dieser Gruppe anschließen? Und welche Konsequenzen hätte das in deiner Theorie, wenn sie es täten? Wie soll man den Kapitalismus eingrenzen ohne hier deutlich an Wohlstand einzubüßen und an Innovationskraft zu verlieren?
Staaten, die es ohne Kapitalismus versucht haben sind ziemlich durchgängig gescheitert, eben aufgrund des menschlichen Prinzips mehr haben zu wollen (als andere). Vielleicht möchte der Mensch in Frieden leben, ist aber einfach nicht dazu geeignet?
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon bolfo » 06.12.2018, 22:32

PolePosition hat geschrieben:@bolfo
Wenn ich Deinen Beitrag so lese bin ich doch froh, dass ich in den Staaten lebe. Da langt die Polizei wenigstens noch hin, und wenn der Kollateralschaden schwarz ist gibt es nicht mal ne Untersuchung.

Ne, Sarkasmus mal beiseite, ich gebe Dir in allen Punkten recht. Natürlich kann man die Politik, die Medien, die Reichen, die Ausländer oder was weiß ich wen verantwortlich machen, aber letztendlich ist es die selbstgewählte Dummheit vieler Menschen, die uns im Status Quo verharren lassen. Man will in seinem Weltbild verharren und keinen Zentimeter abrücken (sowohl spirituell als materiell), auch wenn die Informationen, die man erhält darauf hindeuten, dass man falsch liegen könnte. Das erlebe ich jeden Tag aufs neue, und das, wie Du schon erwähntest, nicht nur von vermeintlich unterbemittelten Menschen, sondern auch von Ingenieuren, etc. Man beharrt stur auf seinem Standpunkt und ignoriert alles, was nicht ins Weltbild passt, und man füttert sich selbst auch nur mit den Informationen, die einen bestätigen.

Das liegt aber keineswegs an den Mainstream-Medien, denn diese vermitteln ja durchaus unterschiedliche Sichtweisen. Wenn ich mal exemplarisch Fox, CNN und NPR vergleiche, da habe ich 3 verschiedene Quellen, zu denen jeder US Bürger jederzeit Zugriff hat und die Freiheit, sie entsprechend zu nutzen. Wenn dann jemand Fox schaut, wo immer noch zum hundersten Mal darüber berichtet wird, dass Clinton einen privaten E-Mail Server benutzt hat oder spekuliert wird, ob Obama ein Moslem sei, dann muss man einfach sagen, dass die Dummheit selbstauferlegt und nicht aufoktroyiert ist.

Letzendlich bekommt jedes Volk die Volksvertreter, die es verdient, und das sage ich als jemand der aktuell national von Donald Trump und auf Bundesstaatenebene von Ted Cruz vertreten wird.
Zumindest haben hier die Midterms im November aber neue Hoffnung geweckt, da auf Seite der Demokraten sehr viele neue Gesichter in das Haus gewählt wurden, die nicht zum Establishment gehören und frische Impulse und Ideen bringen.
Ich habe persönlich nämlich noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass die Amerikaner irgendwann den Unterschied zwischen sozialer Demokratie, Sozialsimus und Kommunismus verstehen werden. :lol:


Na, die Amis sind da genau das andere Extrem: Da wird zuerst geschossen und erst dann gefragt. Dies ist die andere Seite des Spektrums, welche ebenso wenig akzeptabel ist. Eines der Hauptprobleme liegt zudem darin, dass die Bereitschaft, zu schiessen, offensichtlich von der Hauptfarbe des vermeintlichen Täters abhängig ist. Dies ist umso schädlicher, weil überwiegend weisse Polizisten vorhanden sind und in gewissen Teilen der USA ohnehin kaum Interesse besteht, da irgendwas zu Gunsten von Dunkelhäutigen zu tun.

Und in der Tat ists eben so, wie du auch sagst: Die Dummheit is selbstauferlegt und deshalb selbst gewählt. Dies sicherlich einerseits aus Bequemlichkeit, andererseits aber auch wegen einer immensen Informationsflut, die wir haben, und mit der viele Leute schon gar nicht mehr erst klarkommen. Und es ist dehalb interessant zu sehen, dass diese auferlegte Dummheit quer durch alle Schichten vorhanden ist. Dies hat meiner Meinung nach aber auch damit zu tun, dass wir immer mehr "Fachidioten" haben, die nur noch über ihr Metier Bescheid wissen und dies zum heiligen Gral erklären, aber nicht mehr über den Tellerrand blicken können. Dies ist jedenfalls das, was ich bei vielen meiner Kollegen sehe. Ein Jurist denkt, man müsse zwingend alles über Gesetze regeln, ein Wirtschaftler argumentiert nur pro-Wirtschaft ("Wer bezahlts?", "Es muss rentieren") und der Pädagoge meint, die Kinder seien ohnehin komplett überfordert und man dürfe sie nur mit Samthandschuhen anfassen. Was immer mehr fehlt ist meiner Meinung nach deshalb eben der Weitblick, bzw. eben der fächerübergreifende Austausch. Dies ist in einer Welt, in der man so günstig und einfach wie nie zu vor zu Bildung kommt, extrem frustrierend. Weil die Bildung überwiegend so ausgelegt ist, dass sie Fachidioten erzeugt, und nicht "gebildete" Leute in dem Sinn, wie man es früher verstanden hat.

Am Ende ists eben so, wie du richtig sagst: Jedes Volk bekommt die Volksvertreter, die es verdient. Das ist eine alte Weisheit und der stimme ich absolut zu. Das Problem ist einfach, dass es unheimlich schwierig ist, eine Gesellschaft zu ändern. Das zeigt ja deine etwas ironische Aussage, du hättest Hoffnung, dass "die Amerikaner irgendwann den Unterschied zwischen sozialer Demokratie, Sozialsimus und Kommunismus verstehen werden". Das zeigt eben, wie tief verwurzelt gewisse Ansichten sind und wie sehr ein Selbstverständnis eben tief in den Menschen steckt, auch wenns offensichtlich ist, welche Nachteile es birgt. So wundere ich mich auch hier immer wieder, wie sehr die Leute es unterstützen, dass wir mittlerweile zu einer reinen Leistungsgesellschaft verkommen sind, wo Leute, die mal ein Burnout gehabt haben, einfach links liegen gelassen werden. Erst kürzlich meinte eine junge Dame aus der HR-Szene zu mir, dass es bei ihnen so sei: Wenn man im Lebenslauf auch nur 3 Monate nicht ausweisen könne und sage, man habe eine Krise gehabt, gehen die Dossiers sofort zu und werden weggeworfen. Dass dies breite Unterstützung findet, ist mir rätselhaft, weils einfach nichts mit "Gesellschaft" zu tun hat.
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon bolfo » 06.12.2018, 22:39

Digger Stubble hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:[...]Die Hoffnung beruht deshalb insbesondere darauf, dass am Ende die grosse Masse doch intelligenter agieren kann als das Individuum, sprich, eine Art "Intelligenz der Masse" wirklich existiert.[...]


Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt, aber sie stirbt.

Ich finde besonders die Erwähnung des Gesetzes der Masse interessant, wo sich doch die Masse anhand der Masse orientiert und nicht anhand irgendwelcher "individueller Vorgaben", die wiederum nur "individuelle Interessen" verfolgen. Die Masse der Menschen, welche freilich in Frieden leben will, ist als solche gar nicht vorhanden, weil sie in unzählige "individuelle Interessengemeinschaften" unterteilt wird.

Und die größte dieser Interessengemeinschaften lebt nach der Vorgabe, dass man an allem nichts ändern können soll und man den großen Knall abwarten müssen, während sich das kapitalistische System zwecks zwanghaftem Selbsterhalt überall auf der Erde breit macht und die Doktrin verbreitet, dass der Mensch an allem selbst Schuld sei!


Vollkommen richtig. Und genau darin sehe ich das grosse Problem. Wir haben 'zig Interessensgemeinschaften. Die Interessensgemeinschaft "Mensch" ist aber - auch wegen unzureichender Lobby - kaum vertreten, und dies eben an höchster Stelle nicht. Dies, weil "menschlich sein" eben kein Geld bringt. Und heute ist eben das richtig und wichtig, was Geld bringt, und nicht, was unser Leben besser machen würde. Denn, per Definition, ist es unser aller Wohlstand, der auf Geld beruht, der uns glücklich macht. Wie soll man dagegen argumentieren? Wir leben im absoluten Überfluss, zumindest tun es sehr viele. Wir erlauben uns alle 2 Jahre ein neues Handy, oder 3 Autos. Und dies eben im festen glauben, dass uns dies niemals einholen wird. Weil all das, Dinge wie Umweltkatastrophen, das geschieht ja alles weit weg......



Nun, es sind in der Tat Menschen, welche Krieg führen, aber sind auch Menschen, welche in Frieden leben wollen und ja, diese Gruppe ist die größte weltweit und längst würden sich die beunruhigenden Entwicklungen dieser Erde langsam beruhigen, wenn man sich vermehrt dieser Gruppe anschließen würde, als den Kriegstreiber im Namen des Kapitalismus den Rücken freizuhalten.

Kapitalismus basiert nun mal auf Kapital und Kapital setzt Wachstum voraus, aber wie soll es wachsen, wenn dessen dessen Lebensfreiraum auf natürlichem Wege eingeschränkt wird?

Indem man den Lebensraum mit Gewalt frei schlägt und die Verantwortung dafür irgendjemandem in die Schuhe schiebt. Am besten gleich der gesamten Menschheit, dann muss man sich nicht so schuldig fühlen, wenn man einfach mitmacht!


Das ist eben die Wirtschaftsdoktrin. Man setzt stetiges Wachstum als Gegebenheit voraus. Das ist es auch, weshalb ich der aktuellen Ökonomie jeglichen Stand als Wissenschaft abspreche.
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon bolfo » 06.12.2018, 23:11

Mithrandir hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Ich denke deshalb, dass sich erst etwas ändern wird, wenns einen richtigen Knall gibt. Ob mit einem Krieg oder über die Umwelt. Einen Knall, wo man merkt, dass man sich mit Geld die wichtigsten Dinge nicht kaufen kann. Vielleicht braucht es wirklich eine internationale, weltweite Mega-Krise, der hunderte von Millionen von Menschen oder mehr zum Opfer fallen, bis sich die Menschheit besinnen kann, worauf es ankommt. Aber daran glaube ich nicht. Denn selbst, wenn dies der Fall wäre, wäre es nur vorübergehend so. Und dann wäre wieder alles beim Alten.

Deine Meinung über Juristen darf Argestes aber nicht lesen wenn der hier nochmal aufschlägt XD

Toller Beitrag, wenn auch ziemlich frustrierend. Ich sehe es eigentlich genauso, aber es ist noch schlimmer das von jemandem anderen zu lesen. Die Megakrise gibt es schon lange in Afrika, aber das juckt keine Sau, weil Afrika weit weg ist. Außer es kommt mal wieder ein überladenes Böötchen an. Aber selbst dann denkt keiner drüber nach, ob man da nicht vielleicht helfen könnte, damit die Leute garnicht dort weg müssen. Eigentlich naheliegend.
Wenn der Mensch nicht so wäre, wie du ihn beschreibst müsste wahrscheinlich niemand auf der Welt Hunger leiden.

Hoffentlich erlebe ich nicht, dass du recht hast und vielleicht kommen wir ja doch noch zur Besinnung, wobei es gefühlt eher schlimmer wird. Wenn es soweit ist ist es mit der persönlichen Zufriedenheit auch vorbei. Dabei haben wir alle Möglichkeiten hier in Europa.
Jedenfalls vielen Dank für deine Ausführungen, vielleicht solltest du damit in die Politik :D


Na, ich möchte indes auch nicht abstreiten, dass es Juristen und eine entsprechende Gesetzgebung braucht. Nur ist es so - und da zitiere ich einen unseren Strafrechtsprofessoren - dass jedes System am Ende an seinen Übertreibungen scheitert. Und das ist aktuell im gesetzlichen Teil einfach so. Weil wir nichts mehr dem normalen Menschenverstand überlassen, sondern eben mit einem Gesetz verankern wollen. Dies sagt eigentlich direkt, dass man dem normalen Menschenverstand nicht traut, und andererseits unterminiert es die Möglichkeit, etwas als "Sonderfall" zu betrachten, bei dem man nach normalem Menschenverstand eben eine andere Beurteilung geben darf. Das Problem ist nun mal, dass kein Gesetz der Welt dies richtig, fair und zureichend definieren könnte. Ich finde es beispielsweise falsch, dass jemand ab einem gewissen Promillegehalt an Alkohol im Blut im Erstfall als nicht urteilsfähig und deshalb auch als oftmals nicht mal schuldfähig (oder zumindest nur als bedingt chuldfähig) angesehen wird. Ich finde es in der Tat absurd, dass der Mensch heute nicht mehr zusammenleben kann, ohne dass man jeden Stuss gesetzlich regeln muss. Das Problem ist aber eben genau das, dass immer mehr Juristen in die Politik einsteigen, und die haben gar keine andere Idee, als dass man alles mit Gesetzen und Vorgaben regeln muss.

Hier einfach etwas, was ich von uns kenne: Per Gesetz muss jede Schule garantieren, dass ihre Lehrer "qualifiziert" sind, heisst oftmals: Masterabschluss inklusive Lehramt. Das tönt zu Beginn sehr gut, hat aber in der Praxis massivste Mängel. Erstens wird der Lehrer gar nicht mehr über sein Können, sondern nur über seine Qualifikation beurteilt. Das heisst insbesondere, dass nicht mehr "guter Unterricht" und Motivation gefordert ist, sondern nur eine Vorweisung der Qualifikation. Ich durfte erst kürzlich bei einer "Auswahl" mit dabei sein. 75% der Bewerber sind sofort rausgefallen, weil sie (noch) kein höheres Lehramt haben. Somit kannst du noch bei 25% von Bewerbern auswählen. Mitunter also bei Leuten, bei denen du aus eigener Erfahrung weisst, dass sie - sorry - nix können und auch nicht motiviert sind. Junge Lehrer, die noch in Ausbildung sind, werden diskriminiert, währenddem man die "Alteingesessenen" Lehrer, die absolut nicht mehr motiviert sind und gegen jegliche Regeln verstossen, unkündbar sind. Dies einzig, weils keine "qualifizierten" Lehrer gibt, von denen sie ersetzt werden könnten. So zieht hier nun ein Lehrer die Show ab, von 3 Lektionen nur 2 zu unterrichten und dann zu sagen, die Leute dürften nach Hause gehen. Gleichzeitig weigert er sich, schwierigere Mathe-Aufgaben zu zeigen, weil sie für ihn zu aufwendig seien. Dafür geniesst er volle Rückendeckung, währenddem junge Lehrer teilweise Einträge in die Akten bekommen, weil sie irgendwo in der Eile vergessen haben, ein Zimmer abzuschliessen. Dies ist überwiegend dadurch motiviert, weil die Führungen stets noch glauben, die jungen Lehrer "erziehen" zu müssen, weil man sie selbst mit Masterabschluss als "nicht reif" sieht. Am Ende hat die Regel nur eines gebracht: Viel Ärger und Rektoren, die nur noch damit beschäftigt sind, die Qualifikation ihrer Arbeiter nachzuweisen, anstatt qualitativ hochwertigen Unterricht zu gewährleisten, welcher nur dank einer Qualifikation der Lehrperson mitnichten zustande kommt.

Und so gehts überall mittlerweile zu und her. Viele Gesetze schützen uns gar nicht mehr, sondern sind zu Fesseln der Gesellschaft geworden.


Desweiteren ists eben genau so, wie du sagst: Ein überladenes Böötchen kann zu riesigen Reaktionen führen. Was man aber tun könnte, damit die Leute gar nicht erst flüchten müssten, interessiert niemanden. Warum? Weil das uns eben etwas kosten könnte. Dabei ist die Sache, rein rechnerisch, so einfach: Ein Asylant, der hier in der Schweiz mindestens 24'000 Franken pro Jahr kostet... Dabei könnte man mit diesen 24'000 Franken vor Ort wohl beinahe ein gesamtes Dorf finanzieren. Dies hat aber bis heute die Mehrheit nicht realisiert.

Ich musste deshalb auch vor ein paar Jahren lachen. Ein Politiker hier machte einen Vorstoss, dass in ausländischen Firmen die Gesundheit der Arbeiter gewährleistet werden müsste, ansosnten dürften sie nicht in die Schweiz liefern. Natalie Rickli, eine SVP-Politikerin, war derart empört, dass sie sich ernsthaft dazu niederliess, einen Facebook-Post abzusetzen, dass sie Mitleid mit den eh schon armen Familien in der Schweiz hätte, die nun für ihre Kinder nun auch noch 50 Rappen (!!!!!) < 50 Cents mehr für eine Barbie bezahlen müsste. Mir explodierte damals der Hals. Genau das zeigte die gesamte Haltung dieser Leute. Die Leute vor Ort sollen ihretwegen infolge der Arbeit verrecken, Hauptsache, wir sparen 50 Cent. Genau dieser grenzenlose Egoismus ist es, welcher uns in den Abgrund führt.

Oder noch einer (den habe ich sicher auch schon gebracht, vielleicht schon im letzten Beitrag...): Der Aufschrei jüngst, weil uns die Asylanten pro Jahr 350 Millionen Franken im Gesundheitswesen kosten. Dabei kosten uns die übermässigen Preiseunterschiede, die wir UNGERECHTFERTIGT gegenüber dem Ausland für Medikamente bezahlen müssen, jährlich rund 1,5 Milliarden Schweizer Franken. Die stecken sich dann die Aktionäre und die Führungen der jeweiligen Konzerne in den eigenen Sack. Da sagt man aber nichts. Denn das sind "die Guten", die uns ja Arbeit und damit den Wohlstand bringen. Aha.

Das ist eben das Denken des Menschen, das ich kritisiere. Dass sie eben oftmals gar nicht Denken können. Brauche ein Reizwort wie "Ausländer" oder "Geld", und jegliche Vernunft geht sofort verloren. Diese Reizworte setzen bestimmte Reaktionen im Gehirn in Gange, sodass alles andere ausgeblendet wird. Der Mensch ist eben - entgegen vielen Meinungen - wesentlich einfacher gestrickt, als wir es denken. Deshalb lässt er sich auch hervorragend manipulieren. Deswegen ist ein Asylant, welcher uns irgendwo mal 100 Franken kostet, ein Skandal, währenddem ein Banker, der nach Versagen noch den goldenen Fallschirm (sagen wir: 5 Millionen Abfindung) bekommt, nicht allzu tragisch. Dies, weil das Reizwort "Asylant" bereits eine Vorentscheidung getroffen hat. Funktionierte früher auch. Damals war das Reizwort Jude. Wir meinen, wir hätten uns mittlerweile weiterentwickelt. Nur stimmt das nicht. Wir drücken uns nur korrekter aus als früher. Die Denkweisen sind aber überwiegend dieselben geblieben, und der Mensch eben gleich dumm.
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon PolePosition » 07.12.2018, 18:50

bolfo hat geschrieben:Na, die Amis sind da genau das andere Extrem: Da wird zuerst geschossen und erst dann gefragt. Dies ist die andere Seite des Spektrums, welche ebenso wenig akzeptabel ist. Eines der Hauptprobleme liegt zudem darin, dass die Bereitschaft, zu schiessen, offensichtlich von der Hauptfarbe des vermeintlichen Täters abhängig ist. Dies ist umso schädlicher, weil überwiegend weisse Polizisten vorhanden sind und in gewissen Teilen der USA ohnehin kaum Interesse besteht, da irgendwas zu Gunsten von Dunkelhäutigen zu tun.

Ja, das stimmt leider, allerdings muss man auch bedenken, dass der gewöhnliche Strassenpolizist in den USA in der Regel einer größeren Gefahrensituation ausgesetzt ist, als z.B. in der Schweiz. Da wird schon die normale Strassenkontrolle zur Stresssituation, wenn man immer damit rechnen muss, dass das Gegenüber jederzeit eine Knarre ziehen kann.
Rassismus ist sicherlich ein Faktor, aber ich möchte das nicht verallgemeinern und jedem Polizisten gleich unterstellen, ein Rassist zu sein, aber bezogen auf die Masse hast Du sicherlich recht.

bolfo hat geschrieben:Und in der Tat ists eben so, wie du auch sagst: Die Dummheit is selbstauferlegt und deshalb selbst gewählt. Dies sicherlich einerseits aus Bequemlichkeit, andererseits aber auch wegen einer immensen Informationsflut, die wir haben, und mit der viele Leute schon gar nicht mehr erst klarkommen. Und es ist dehalb interessant zu sehen, dass diese auferlegte Dummheit quer durch alle Schichten vorhanden ist. Dies hat meiner Meinung nach aber auch damit zu tun, dass wir immer mehr "Fachidioten" haben, die nur noch über ihr Metier Bescheid wissen und dies zum heiligen Gral erklären, aber nicht mehr über den Tellerrand blicken können. Dies ist jedenfalls das, was ich bei vielen meiner Kollegen sehe. Ein Jurist denkt, man müsse zwingend alles über Gesetze regeln, ein Wirtschaftler argumentiert nur pro-Wirtschaft ("Wer bezahlts?", "Es muss rentieren") und der Pädagoge meint, die Kinder seien ohnehin komplett überfordert und man dürfe sie nur mit Samthandschuhen anfassen. Was immer mehr fehlt ist meiner Meinung nach deshalb eben der Weitblick, bzw. eben der fächerübergreifende Austausch. Dies ist in einer Welt, in der man so günstig und einfach wie nie zu vor zu Bildung kommt, extrem frustrierend. Weil die Bildung überwiegend so ausgelegt ist, dass sie Fachidioten erzeugt, und nicht "gebildete" Leute in dem Sinn, wie man es früher verstanden hat.

Ja, das mit den "Fachidioten" ist sicherlich richtig, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Ist natürlich auch eine Art von selbstgewählter Verdummung, wenn man stur in seinem Fachgebiet den heiligen Gral sieht und alles andere außen vor lässt. Ein Austausch und Abgleich von Erkenntnissen ist zwingend notwendig.
Ein großer Faktor in der heutigen Leistungesgesellschaft ist auch die zur Verfügung stehende Zeit in Relation zu den zur Verfügung stehenden Informationen. Beruf, Familie, etc. frisst soviel Zeit, dass man das bißchen Zeit, das man noch "für sich selbt" zur Verfügung hat, nicht damit vergeuden will, sich umfangreich über alle Aspekte des Lebens mit den unterschiedlichsten Informationen zu füttern, damit man auch über alles eine fundierte Meinung hat. Geht auch gar nicht, deswegen muss man abwägen und aussortieren. Früher stellte sich diese Frage nicht, da man fast nur Informationen über Dinge erhielt, die einen irgendwie direkt betrafen, aber heute ist das anders.
Wenn das ganze aber dazu führt, dass man am Ende sein Weltbild komplett aus Fox und dem sonntäglich Kirchgang generiert, dann wird das zum Problem und man wird manipulierbar, bis hin zum Fanatismus. Wie gesagt, ich erlebe das täglich und das wurde mir auch erst in letzter Zeit so richtig bewusst, als sich das politische Klima in den USA vor zwei Jahren massiv verändert hat.

bolfo hat geschrieben:Am Ende ists eben so, wie du richtig sagst: Jedes Volk bekommt die Volksvertreter, die es verdient. Das ist eine alte Weisheit und der stimme ich absolut zu. Das Problem ist einfach, dass es unheimlich schwierig ist, eine Gesellschaft zu ändern. Das zeigt ja deine etwas ironische Aussage, du hättest Hoffnung, dass "die Amerikaner irgendwann den Unterschied zwischen sozialer Demokratie, Sozialsimus und Kommunismus verstehen werden". Das zeigt eben, wie tief verwurzelt gewisse Ansichten sind und wie sehr ein Selbstverständnis eben tief in den Menschen steckt, auch wenns offensichtlich ist, welche Nachteile es birgt.

Jep. Das ist so. US Amerikaner und Europäer sind sich in vielem sehr ähnlich, aber auch eben total unterschiedlich in vielen Belangen. Gerade wenn es um Politik, Religion, Waffen, etc geht prallen da Welten aufeinander. Ich habe aber wie gesagt die Hoffnung noch nicht aufgegeben. In den Midterms wurden viele neue Gesichter in das Haus gewählt, und Themen wie Krankenversicherung für alle, etc sind wieder auf dem Tisch. "Europäische soziale Themen" werden mehr diskutiert, und dass z.B. Beto o'Rourke in Texas den unsäglichen Ted Cruz herausfordern konnte, und auch entsprechende Unterstützung erhielt, lässt mich hoffen, dass es hier nicht weiter nach rechts, sondern eher wieder weiter nach links geht.

Als jemand, der lange Jahre auf beiden Kontinenten verbracht hat kann ich nur sagen, dass Amerikaner und Europäer viel voneinander lernen können. So unterschiedlich die Weltbilder auch sind, am Ende denke ich, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.

bolfo hat geschrieben:So wundere ich mich auch hier immer wieder, wie sehr die Leute es unterstützen, dass wir mittlerweile zu einer reinen Leistungsgesellschaft verkommen sind, wo Leute, die mal ein Burnout gehabt haben, einfach links liegen gelassen werden. Erst kürzlich meinte eine junge Dame aus der HR-Szene zu mir, dass es bei ihnen so sei: Wenn man im Lebenslauf auch nur 3 Monate nicht ausweisen könne und sage, man habe eine Krise gehabt, gehen die Dossiers sofort zu und werden weggeworfen. Dass dies breite Unterstützung findet, ist mir rätselhaft, weils einfach nichts mit "Gesellschaft" zu tun hat.

Das ist in den USA "Gott sei dank" doch noch etwas anders.
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Digger Stubble
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Re: Weltanschauung 2015 - Neuanfang

Beitragvon Digger Stubble » 08.12.2018, 07:32

Hallo Mithrandir,

Mithrandir hat geschrieben:[...]Wie willst du es denn konkret hinbekommen, dass sich die Menschen dieser Gruppe anschließen?[...]


Ganz konkret beginnt es immer in einem Gespräch, in welchem man seine Vorurteile ausräumen kann. Ungefähr so, wie es hier gerade stattfindet. Mehr bedarf es eigentlich nicht, lediglich die Örtlichkeit, eine BILD-Zeitungs-Format, ist nicht optimal, aber für den Anfang reicht es völlig aus, wenn man sich denn von dem Vorurteil gelöst hat, dass Frieden nicht möglich sein soll!

Mithrandir hat geschrieben:[...]Und welche Konsequenzen hätte das in deiner Theorie, wenn sie es täten?[...]


Frieden und Menschlichkeit erhielte endlich eine Lobby und das wäre das Wesentlich!

bolfo hat geschrieben:[...]Die Interessensgemeinschaft "Mensch" ist aber - auch wegen unzureichender Lobby - kaum vertreten, und dies eben an höchster Stelle nicht.[...]


Und wie wir bereist festgestellt haben, ist Frieden ein unabdinglicher und auch wesentlicher Bestandteil der Interessengemeinschaft Mensch.

Mithrandir hat geschrieben:[...]Wie soll man den Kapitalismus eingrenzen ohne hier deutlich an Wohlstand einzubüßen und an Innovationskraft zu verlieren?[...]


Laut der britischen Hilfsorganisation Oxfam besitzen 2017 die reichsten 8 Männer der Forbes-Liste ein Vermögen von 426 Mrd. US-Dollar. Das ist so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Im Jahr 2012 waren auf der Seite der Waage noch noch die 85 reichsten Personen notwendig um das Gleichgewicht herzustellen.

Daraus erschließt sich, dass der Wohlstand nicht durch Einschränkung des Kapitalismus sondern durch Überfluss des Kapitalismus eingeschränkt wird. Allerdings wahrlich nicht bei den Personen auf der Forbes-Liste!

Mithrandir hat geschrieben:[...]Staaten, die es ohne Kapitalismus versucht haben sind ziemlich durchgängig gescheitert, eben aufgrund des menschlichen Prinzips mehr haben zu wollen (als andere).[...]


Dafür hätte ich gerne Beispiele, aber bitte keine, indem ein "menschlicher" Staat von einem kapitalistischen Staat ausgeblutet oder überrollt wurde. Und nein, es ist eben kein menschliches Prinzip, mehr haben zu wollen als andere, es ist ein kapitalistisches Prinzip, welches man auf den Menschen zu übertragen versucht. Ein menschliches Prinzip basiert z.B. auf der Erfahrung, dass der Mensch in der Gemeinschaft stark ist. Im Überangebot des Kapitalismus kommt dieses Prinzip aber nicht mehr vor. Genauso wenig wie das Prinzip, in Frieden leben zu wollen.

Mithrandir hat geschrieben:[...]Vielleicht möchte der Mensch in Frieden leben, ist aber einfach nicht dazu geeignet?


Ein Vielleicht, welches Du nicht belegen und ich nicht widerlegen kann, aber was macht man in der Regel, wenn man etwas können möchte, was man aber nicht kann? Man versucht es, man lernt es und man optimiert es. Aber es einfach dabei zu belassen und Krieg oder ähnliches zu tolerieren, nur weil es vielleicht sein könnte, dass wir uns nicht zum Frieden eignen, ist mit Sicherheit kein Prinzip der Menschlichkeit, sondern ein Prinzip derer, welche z.B. mit Krieg viel Geld verdienen.


Hallo bolfo,

bolfo hat geschrieben:[...]Denn, per Definition, ist es unser aller Wohlstand, der auf Geld beruht, der uns glücklich macht. Wie soll man dagegen argumentieren?[...]


Sehr gut, denn diese Erkenntnis beinhaltet etwas sehr wichtiges, nämlich, dass Wohlstand nur eine Definition ist und jetzt muss man sich einmal Fragen, wer diese Definition von Wohlstand erlassen hat und wer davon profitiert? Jeder im Wohlstand lebende Mensch, über den sich z.B. ein Bombenteppich ergießt, würde nicht mehr zu den Menschen zählen, die im Wohlstand leben. Wohlstand ist also in der Tat auch vom Frieden abhängig und das auch noch viel mehr als vom Geld.

Das wäre z.B. eine schlüssige Argumentation dagegen, dass Wohlstand auf Geld beruhen soll. Und es gibt noch mehr solcher Argumentationen, sie finden nur in den ach so unschuldigen Medien keine Erwähnung.

bolfo hat geschrieben:[...]Wir leben im absoluten Überfluss, zumindest tun es sehr viele. Wir erlauben uns alle 2 Jahre ein neues Handy, oder 3 Autos. Und dies eben im festen glauben, dass uns dies niemals einholen wird. Weil all das, Dinge wie Umweltkatastrophen, das geschieht ja alles weit weg......[...]


Wir brauchen aber hoffentlich nicht zu erwähnen, welche Auswirkungen Überfluss jeglicher Art zur Folge hat? Es wäre also eine logische Konsequenz, den Überfluss zu reduzieren und wenn man nochmals die Oxfam-Studie heranzieht und sich mit dem auseinandersetzt, was die arme Bevölkerungshälfte dieser Welt sich tatsächlich wünscht, dann stellt man fest, dass es für alle reichen würde, wenn man den Überfluss verhindern würde. Aber dafür ist die Erkenntnis wichtig, wer den für den Überfluss eigentlich verantwortlich ist und wer davon profitiert!

Überfluss hat die Menschen schon immer eingeholt, holt sie immer noch ein und wird sie auch immer einholen. Die Tatsache, dass auch diese Erkenntnis zur Zeit keinen Einzug in das tägliche leben nimmt, ändert daran nichts. Würde sie aber Einfluss nehmen, würde sie auch etwas bewirken, denn der Mensch ist bei Weitem nicht so dumm, wie er in den Medien dargestellt wird.

bolfo hat geschrieben:[...]Das ist eben die Wirtschaftsdoktrin. Man setzt stetiges Wachstum als Gegebenheit voraus. Das ist es auch, weshalb ich der aktuellen Ökonomie jeglichen Stand als Wissenschaft abspreche.[...]


Sehr gute und auch wichtige Erkenntnis. Es ist nur ein Wirtschaftsdoktrin, keine Menschheitsdoktrin! Eine solche kann man erschaffen und auch abschaffen bzw. ersetzen oder optimieren. Aber sie einfach so zu belassen, ist kapitalistisch und unmenschlich.

bolfo hat geschrieben:[...]Weil wir nichts mehr dem normalen Menschenverstand überlassen, sondern eben mit einem Gesetz verankern wollen. Dies sagt eigentlich direkt, dass man dem normalen Menschenverstand nicht traut, und andererseits unterminiert es die Möglichkeit, etwas als "Sonderfall" zu betrachten, bei dem man nach normalem Menschenverstand eben eine andere Beurteilung geben darf. Das Problem ist nun mal, dass kein Gesetz der Welt dies richtig, fair und zureichend definieren könnte.[...]


Ich muss Dir widersprechen, denn zumindest sind die bürgerlichen Rechte der deutschen Verfassung als die besten Rechte der Bürger weltweit bekannt. Die Erschaffer der deutschen Verfassung haben sich dabei selbst übertroffen und sich damit sogar selbst ein Ei gelegt, denn die bürgerlichen Rechte der deutschen Verfassung verhindern per Gesetz Unmenschlichkeit. Die Einschränkung dieser Rechte konnte nur erfolgen, indem man sich an den Grundgesetzkommentaren von ehemaligen nationalsozialistischen Rechtswahrern orientierte, was ein Widerspruch in sich ist; denn das deutsche Grundgesetz sollte ja dazu dienen, Nationalsozialismus zu verhindern. Das ist aber ein recht umfangreiches, wenngleich auch sehr wichtiges Thema in Deutschland und ich weiß nicht, inwiefern es für die Schweiz relevant ist. Allerdings ist es ja durchaus erlaubt, von anderen Statten zu lernen und auch von deren Erfahrungen zu profitieren!

In Deutschland muss jedes Gesetz den Normen des Grundgesetzes entsprechen, aber das tun sie freilich nicht, daher sind sie ungültig, was auch genauso im Grundgesetz formuliert wird, aber es gibt niemanden, der sich wirklich dafür einsetzt, weil es genügend andere gibt, die davon profitieren! Die eine Krähe hackt der anderen nun mal kein Auge aus und es sägt auch niemand an dem Ast, worauf er sitzt!

Ähnlich verhält es sich mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Sie sind ziemlich gut und sehr menschlich, aber weil die Verantwortlichen nur für eine einseitige Umsetzung sorgen, zerfallen sie in Asche und Staub. Einseitigkeit ist nun mal des Faschisten Gut!


Hallo PolePosition,

Poleposition hat geschrieben:[...]Ja, das stimmt leider, allerdings muss man auch bedenken, dass der gewöhnliche Strassenpolizist in den USA in der Regel einer größeren Gefahrensituation ausgesetzt ist, als z.B. in der Schweiz. Da wird schon die normale Strassenkontrolle zur Stresssituation, wenn man immer damit rechnen muss, dass das Gegenüber jederzeit eine Knarre ziehen kann. Rassismus ist sicherlich ein Faktor, aber ich möchte das nicht verallgemeinern und jedem Polizisten gleich unterstellen, ein Rassist zu sein, aber bezogen auf die Masse hast Du sicherlich recht.[...]


Bitte nicht das Pferd von hinten aufzäumen! Die Tatsache, dass die Polizei in den USA schon immer den Rassismus bedienen musste, führte ja erst zu dieser größeren Gefahrensituation. Und wenn man jetzt noch bedenkt, dass die USA bis heute noch nicht verstanden haben, dass in erster Linie der freie Verkauf von Waffen zum vermehrten Waffengebrauch führt, dann wird das Gesamtbild noch klarer und deutlicher. Jetzt wäre nur noch eine Studie interessant, aus welcher hervorgeht, wie viele (Prozentual) Weiße in den USA durch Schusswaffengebrauch sterben und wie viele Schwarze? Und wie viele Menschen sterben jährlich durch amerikanische Waffen weltweit? Und wer profitiert davon?

Poleposition hat geschrieben:[...]Jep. Das ist so. US Amerikaner und Europäer sind sich in vielem sehr ähnlich, aber auch eben total unterschiedlich in vielen Belangen. Gerade wenn es um Politik, Religion, Waffen, etc geht prallen da Welten aufeinander. Ich habe aber wie gesagt die Hoffnung noch nicht aufgegeben. In den Midterms wurden viele neue Gesichter in das Haus gewählt, und Themen wie Krankenversicherung für alle, etc sind wieder auf dem Tisch[...]


Solange die USA Waffen frei verkäuflich anbietet, solange wird sich in den USA nicht wirklich was ändern, da kannst Du noch soviel hoffen. Die Begründung dafür ist ganz einfach, denn solange ein Überangebot von Ungerechtigkeiten bzw. Unmenschlichkeiten das Gleichgewicht zerstören, solange kommt auch keine Ruhe in eine Gesellschaft. Das trifft nicht nur auf die USA zu. Im Übrigen hat die Geschichte auch gezeigt, dass es eigentlich keinen intelligenten Einsatz von Schusswaffen gibt, womit es sich auch verbietet, Schusswaffen an jene zu verkaufen, welche sich entweder selbst oder irgendeine Qualifikation sie für intelligent genug einstuft, eine Schusswaffe käuflich zu erwerben und bei sich zu tragen.

Je plötzlicher man Deine Argumentation zu ignorieren versucht, desto richtiger ist sie!


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