Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

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Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von Redaktion » 25.11.2019, 14:32

Schon als Achtjähriger wurde Lewis Hamilton im Motorsport erstmals mit dem Tod konfrontiert: Der Formel-1-Weltmeister erklärt, wie er mit diesem Thema umgeht
Lewis Hamilton

Formel-1-Weltmeister Hamilton erklärt, wie er zum Thema Tod im Rennsport steht

"Wer denkt, dass das, was wir tun, sicher ist, der irrt sich gewaltig." Diese Aussage stammt von Lewis Hamilton. Er hat sie geäußert, nachdem er vom tödlichen Unfall des Formel-2-Fahrers Anthoine Hubert in Spa erfahren hatte. Doch dieser Unfalltod war nicht der erste, den Hamilton in seiner Karriere miterlebt hat.

Im Gespräch mit 'BBC' kommen bei Hamilton Erinnerungen hoch, an ein Kartrennen im englischen Kimbolton etwas nordwestlich von Cambridge. "Ich war damals [neun] Jahre alt, als ich dort gewonnen habe", sagt Hamilton. Das war 1994. Und bei dieser Veranstaltung verunglückte ein Mitstreiter tödlich.

"Daniel Spence starb", meint Hamilton. Er selbst habe den Crash aus dem Augenwinkel gesehen. "Ich wusste sofort, dass es ein schlimmer Unfall war. Für mich als Kind war das dramatisch. Es war das erste Mal, dass ich mitbekam, wie jemand starb. Da ging mir sehr vieles durch den Kopf."

Absolute Sicherheit ist Illusion

Und diese Gedanken kehrten zurück als Formel-2-Pilot Hubert am Vorabend des Belgien-Grand-Prix 2019 seinen Verletzungen erlag. Erneut machten Hamilton seine Gedanken zu schaffen, wie er sagt. "Ich weiß ja, wie es ist, in der Formel 2 zu sein und den Traum zu haben, es eines Tages bis nach ganz oben zu schaffen."Ihm sei bewusst geworden, dass es die absolute Sicherheit im Formelsport nicht geben würde. "Und dann ist da noch die Frage, wie viel mehr du dir geben willst, wie viel mehr du willst? Es geht um die richtige Balance", sagt Hamilton und fügt hinzu: "Ich trete aber nicht an, weil ich antreten muss, sondern weil ich es liebe."

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Die FIA hat einen neuen Helm-Prototypen vorgestellt, der ab 2019 zur Vorschrift in der Formel 1 werden soll. Weitere Formel-1-Videos

Er räumt jedoch einen Gewissenskonflikt ein: "Ich dachte [an diesem Abend] auch, dass ich mehr Zeit mit der Familie verbringen könnte. Dinge zu tun, auf die du zurückschauen kannst."

Keine Zweifel am Weitermachen

"Denn ich bin mir sicher: Wenn du nach deinem letzten Tag an der Himmelspforte stehst - ich mag den Gedanken der Himmelspforte - und auf dein Leben zurückblickst, dann sagst du sicher nie: Ich hätte gerne mehr Geld gehabt. Du wünscht dir immer mehr Zeit."

Ob er in all den Jahren je den Wunsch verspürt habe, nach einem schweren Unfall umgehend mit dem Motorsport aufzuhören? Hamilton verneint und sagt: "Ich hatte nie Zweifel am Weitermachen. Die Angst nahm nie Überhand. Das ein wichtiger Faktor für mich."


Fotostrecke: Interview Lewis Hamilton: "Immer als Außenseiter gefühlt"

... über sein Alter (34):

... über sein Alter (34): "Ich fühle mich als Youngster. Ich trainiere viel, esse sehr gesund, versuche auch, insgesamt gesund und vergnüglich zu leben und jeden Tag mindestens einmal zu lachen. Aber das Wichtigste in meinem Leben sind meine Familie und mein Glaube."

Dabei hatte er schon in jungen Jahren auch anderes erlebt. "Damals, als dieser Junge starb, ich war [neun], da bekam es einer meiner besten Freunde mit der Angst und hörte mit dem Motorsport auf", meint Hamilton.

Er selbst fürchte sich nicht vor dem Rennfahren oder vor schweren Unfällen. "Ich sagte mir schon damals: Wenn ich je Angst bekommen sollte, dann weiß ich, dass mein Karriereende bevorsteht." Doch seine Karriere dauert nun schon über 25 Jahre an.


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sego
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Re: Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von sego » 25.11.2019, 16:36

Die müssen sich nur immer wieder vor Augen halten, dass sie das tun können, was sie lieben und dafür auch noch mit Millionengehältern entlohnt werden. Das können in der Kombination die wenigsten von sich sagen. Die meisten sind Sklaven in einem 0815 Job und malochen um zu überleben. Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass das Todesrisiko heutzutage recht gering ist, lohnt es sich gar nicht, darüber tiefergehend nachzugrübeln. Man kann auch auf der Straße überfahren werden, mit dem Flugzeug abstützen, vor lauter Stress am Herzinfarkt sterben usw ... Irgendwann müssen wir alle gehen. Zudem ... es klingt vielleicht für einige hart. Aber ich glaube es gibt schlimmere Todesarten als mit 300km/h vor ne Mauer zu fahren. Ich lag 2x im Krankenhaus mit nem Asthmaanfall und ich würde die Auto->Mauer-Variante dem langsamen Ersticken definitiv vorziehen.

Ich finde daher, dass der Preis des möglichen früheren Todes ein sehr, sehr Geringer ist. Man muss sich halt an der Stelle ernsthaft fragen: Was ist besser. Ein 80 Jahre langes leben mit wenig Geld in einem nervigen 0815-Ausbeuter-Job und Mini-Rente oder ein Leben bis 35 mit Millionen und einem Traumjob, auf den man jeden Tag aufs Neue Bock hat. Für mich wäre die Antwort klar ...

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Re: Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von Sportsmann » 25.11.2019, 17:14

sego hat geschrieben:
25.11.2019, 16:36
:chat:
Ich bin der Ansicht es ist nicht richtig in allen Fragen immer das A ist besser als B Schema rauszuholen. Hier geht es um Hamilton und seine Gedanken zu Sicherheit und Tod im Motorsport. Und es bleibt stets ein Risiko vorhanden. Dieses Risko ist beim Motorsport höher als bei einem Bürojob, weil die physische Energie im "System" deutlich höher ist.
Der Handwerker, z.B. der Dachdecker, hat da auch ein größeres Risiko als der Büromensch. Darüber zu streiten ob nun der Motorsportler oder der Dachdecker schlimmer dran ist, bezogen auf das Risiko lässt sich ggf. sogar statistisch untersuchen. Und ja, der "reiche" Motorsportler kann auch Nein sagen, während der "arme" Dachdecker womöglich bei etwas windigem Wetter auf die leicht glitschigen Ziegel tritt um einen Job zu beenden den er finanziell nötig hat. Rein kausal scheint der Dachdecker ein größeres Risiko zu haben, zu verunglücken, da er/sie keine Schutzhülle um sich hat, fast täglich raus muss, nicht offensichtliche Gefahren erkennen und einschätzen muss usw.. Aber ob die Erfahrung und gute Schulung hilft diese Risiken zu umfahren kommt auch dazu. Hier bräuchte es eine Statistik als Urteilsstütze.
Aber nochmal, ich sehe bezogen auf den Artikel keinen Grund für einen Vergleich in dieser Art. Ich habe selbst Patienten (beim Besuch der Großeltern im Krankenhaus) erlebt, die schwere Atemprobleme (Bergbau) hatten, an der Maschine hingen und denen es über die Zeit meiner Besuche immer schlechter ging. Das war sehr schlimm. Gleichzeitig möchte ich aber dafür sensibilisieren, dass jeder sein eigenes Säckel tragen muss und Leid nicht mit dem Leid anderer verglichen werden sollte, da wir alle Dinge anders empfinden. Klar klingt das abgedroschen für jemanden der leidet, während ein anderer (vielleicht!?) keine Probleme hat. Mehr will ich dazu nicht schreiben und vorsorglich um Entschuldigung bitten, falls meine Worte als verletzend empfunden werden. Ich wünsche Ihnen Gesundheit.
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Re: Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von rot » 25.11.2019, 19:33

Ich habe in den letzten 10 Jahre mehr Freunde verloren, als Piloten in der F1 von dannen gegangen sind....
Redaktion hat geschrieben:
25.11.2019, 14:32
Denn ich bin mir sicher: Wenn du nach deinem letzten Tag an der Himmelspforte stehst - ich mag den Gedanken der Himmelspforte - und auf dein Leben zurückblickst, dann sagst du sicher nie: Ich hätte gerne mehr Geld gehabt. "
Nö, aber Normalsterbliche blicken an der "Himmelspforte" womöglich zurück und denken, hätte ich auf dem Zebrastreifen doch besser aufgepasst.... Andere denken vielleicht, zum Glück ist der Schwachsinn endlich vorbei und ich brauche kein Geld mehr....

Ich tu mich immer schwer mit solchen Aussagen. Die F1 ist sehr sicher geworden. Jeder im Strassenverkehr begibt sich in grössere Gefahr. Der Blick auf andere Sportarten gibt der F1 nochmals eine gewisse Note. Schlichte Skirennen oder Radrennen sind schon eine andere Hausnummer.

Ja, die F1 ist schnell. Und es kann dumm laufen. Wie überall...

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Re: Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von Hoto » 25.11.2019, 20:46

Ja, das Sicherheitsniveau in der F1 ist inzwischen auf einem Punkt, da sind viele alltägliche Dinge gefährlicher, auch gerade weil wir sie öfters machen. Aber ein Restrisiko bleibt eben immer und als Fahrer darf man darüber halt nicht nachdenken, sonst hat man bereits verloren. Nicht ohne Grund waren viele F1 Fahrer nach einem schweren Unfall anschließend nicht mehr so schnell wie zuvor. Das Gleiche sagt man auch von Fahrern mit Familie. Wer eine Familie hat, hat mehr zu verlieren und denkt automatisch mehr über die Sicherheit nach, aber auch da ist das F1 Niveau inzwischen so hoch, das es nicht mehr ganz so eine Rolle spielt, aber ich behaupte man merkt es noch immer.

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Re: Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von sego » 25.11.2019, 23:46

Sportsmann hat geschrieben:
25.11.2019, 17:14
Aber nochmal, ich sehe bezogen auf den Artikel keinen Grund für einen Vergleich in dieser Art. Ich habe selbst Patienten (beim Besuch der Großeltern im Krankenhaus) erlebt, die schwere Atemprobleme (Bergbau) hatten, an der Maschine hingen und denen es über die Zeit meiner Besuche immer schlechter ging. Das war sehr schlimm. Gleichzeitig möchte ich aber dafür sensibilisieren, dass jeder sein eigenes Säckel tragen muss und Leid nicht mit dem Leid anderer verglichen werden sollte.
Ein Vergleich ist meiner Ansicht nach nicht nur angebracht, sondern notwendig, wenn man der Meinung ist, dass man im Rennsport besonders gefährdet ist zu sterben und sich daher über "den Tod im Rennsport" Gedanken macht. Da müsste ich mir jedes mal im Straßenverkehr Gedanken machen was passiert wenn mich ein Besoffener rammt und ich deswegen gegen nen Baum fahre. Das Risiko im Rennsport ist heutzutage zu vernachlässigen.
Es werden zudem an der Stelle die "weichen Faktoren" wie so oft komplett ausgelassen. Zum Beispiel Stichtwort Vitamin D und Stress - meiner Meinung nach sind das indirekte Todesfaktoren Nummer 1, die aber einfach hingenommen werden. Fast jeder bei uns im Büro ist im Winter ständig krank. Die Leute sehen aus wie Leichen. Sie können dem aber kaum entkommen, weil der Alltag sie dazu zwingt. Stress entsteht in Situationen, die man nicht will, aber aufgrund der Umstände hinnehmen muss. Da spielt finanzielle Freiheit auch eine sehr große Rolle. Ich würde z.B. vor der Himmelspforte sehr wohl das Geldproblem ansprechen. :D Aber nicht im Sinne, dass ich dann mehr materiellen Luxus bräuchte, sondern mehr Freiheit (also mal 2 Jahre nicht arbeiten gehen). Aber das ist nicht gewolllt, da legt man den Leuten bewusst Steine in den Weg. diese Probleme haben F1-Fahrer nicht wenn sie halbwegs gescheit mit Geld umgehen können.

Der einzige Grund, warum man das so hervorhebt, ist: Wenn mal was passiert, dann mit viel Wirbel. Es kracht, Teile fliegen, Trümmer bleiben liegen. Alle sehen es im TV. Eine Person der Öffentlichkeit ist betroffen. Usw ... Aber realistisch nud statistisch gesehen ist die Gefahr zu vernachlässigen
Für mich sind die Formel 1 Fahrer keine "Helden, die dem Tod alle 2 Wochen ins Auge blicken". Das war vielleicht vor 40 Jahren so. Sie sind in meinen Augen Menschen in einer privilegierten Situation.

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Re: Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von rot » 26.11.2019, 17:21

sego hat geschrieben:
25.11.2019, 23:46

Sie sind in meinen Augen Menschen in einer privilegierten Situation.
:thumbs_up:
Genau so ist es. Wenn ein Hamilton einen normalen Job hätte, dann hätte er wohl keine Zeit und Bock, um sich Gedanken um eine Himmelspforte zu machen...

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Re: Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von Sportsmann » 26.11.2019, 20:55

rot hat geschrieben:
26.11.2019, 17:21
sego hat geschrieben:
25.11.2019, 23:46

Sie sind in meinen Augen Menschen in einer privilegierten Situation.
:thumbs_up:
Genau so ist es. Wenn ein Hamilton einen normalen Job hätte, dann hätte er wohl keine Zeit und Bock, um sich Gedanken um eine Himmelspforte zu machen...
Seltsam, ihr habt euch doch hier auch bereits Gedanken über die Himmelspforte gemacht. Verzeihung, aber ich halte die getroffene Aussage für falsch. Die meisten Menschen, spätestens in der "Midlifecrisis" fragen sich irgendwann mal wo es hingegen soll mit ihrem Leben, es gibt also scheinbar die Möglichkeit auch im Arbeitsalltag nachzudenken. Und mancheiner hat schon überlegt ob er nicht einen Motoradführerschein machen will, oder eine Umschulung zum wasauchimmer, oder Bungeejumping mal ausprobieren will und sich aus Gründen wie Gefühl oder Risikokalkulation dagegenentschieden. Das hier geäußerte klingt als wenn mittelalterliche Bauern im Stillen gegen Adlige aufbegehren: Pah, die Anderen, die Privilegierten. Und wer Zeit hat im Forum zu lesen und zu schreiben, kann womöglich auch - zumindest ist die Möglichkeit gegeben - sich über Anderes Gedanken machen.

Ganz besonders möchte ich einen ständig wiederholten Irrtum ansprechen. Wenn ich höre, dass man ja auch im alltäglichen Straßenverkehr umkommen kann, man sich darüber aber keine Gedanken machen würde, dann ist das schlicht falsch. Jeder hat sich die Gedanken gemacht und für sich entschieden, dass dieses Risiko vernachlässigbar ist. Wäre es anders, würden wir nicht raus auf die Straße gehen können, weil wir Angst hätten. Und gegen echte starke Angst macht man nichts, da kann man nicht einfach sagen, ach ich muss ja, nur deshalb überwinde ich mich. Hier im Sozialsystem könnten wir uns sogar erlauben mit einer diagnostizierten Angst(störung) zeitweise zuhause zu sitzen - was nicht schön ist, aber man muss keine Angst haben. Auch Rennfahrer schauen sich das Risiko ihrer Tätigkeit an, - es sei denn sie sind echt Naiv/dumm - und entscheiden dann, dass ja normalerweise nichts passiert.

Es geht im Artikel auch gar nicht darum, während man in einer Situation ist ständig im Kopf zu haben, dass man gerade in dieser Situation dauerhaft darüber nachdenkt dass diese gefährlich sein kann, sondern in den ruhigen Momenten wo man über den Lebensweg nachdenkt. Ricciardo sagte letztens auch, er habe nach dem Tod Huberts nochmal ernsthaft nachgedacht ob es das Risiko wert sei, aber sich für das weitermachen entschieden. Womöglich weil er das Risiko als gering abgeschätzt hat und nicht weil er so ein Hardcoreadrenalinjunkie ist, der einfach nur Rennenfahren will.
Würden wir ständig mit hoher Intensität über Risiken nachdenken, wäre es kontraproduktiv für unsere Sicherheit. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, bzw. nicht schnell genug.Wenn unser Hirn jedes bewegende Objekt als mögliche Gefahr erkennen würde, da bleibt dann ggf. sogar die Reaktionsschnelligkeit auf der Strecke, weil man vor lauter Gefahrenmöglichkeiten die richtige Gefahr zu spät und mit zu wenig Hirnleistung erkennt und behandelt. In dieser Hinsicht ist der Straßenverkehr sogar anspruchsvoller. Es gibt viel mehr Objekte/Subjekte die sich in verschiedene Richtungen und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen und ihre Richtung ändern können. Rennautos gibt es meist nur eine handvoll und die fahren zumeist alle den gleichen Weg. Nur wenn etwas dem gewöhnlichen Muster widerspricht oder es um harte Überholmanöver geht muss man richtig hoch fokussierte Aufmerksam investieren.
Ich schrieb, dass wir nicht die ganze Zeit im Alltag über das Risiko nachdenken. Das ist etwas komplexer, denn bewusstes nachdenken, andere Denkprozesse und sonstige Hirnprozesse sind nicht das selbe. Im Alltag treffen wir selten Grundlagenentscheidungen, nur wenn wenn Etwas dem normalen Muster widerspricht denken wir echt darüber nach und prüfen die Umstände mit der uns eigenen Einstellung. Also z.B. der Antwort auf die Frage, ob wir Angst haben müssen in einer Situation, wie z.B. dem Straßenverkehr. Wenn wir in eine Situation kommen, die wir erstmal nicht gut einschätzen können, dann merkt man erst wie das Hirn arbeitet. Dann nämlich, am besten übrigens in Dunkelheit erfahrbar, ist die Risikoanalyse deutlich aktiver und nimmt mehr von unserem Denken ein. An den Phänomenen der Situation sieht man super, dass wir das Risiko nicht einfach akzeptieren, sondern dass wir es vorher als relativ gering einschätzen bzw. Vertrauen in unsere Fähigkeiten haben, damit umzugehen. Ich empfehle: Jetzt ab 20Uhr einfach mal rausgehen in die (unbeleuchtete) Dunkelheit und einfach losmarschieren und seine Gedankenwelt selbst beobachten. Dabei wird dann schnell klar, das wir keineswegs so cool und mutig sind, das wir heldenhaft gegen die tägliche Angst siegen in unserem Leben. Und es wird klar, dass wir gar eben nicht, "nicht" darüber nachdenken, sondern dass wir uns sonst eher sicher fühlen und es keinen motivierenden Grund zum nachdenken gibt.

Hamilton mag zwar priveligiert sein, aber ich gönne ihm jeden Gedanken und jede Entscheidung die er als denkender Mensch trifft und die darf er auch gerne äußern. Das man wenn man viel von etwas hat, anderes als wichtiger empfindet ist nicht ungewöhnlich. Leider ist das Glück nicht gleich verteilt, aber so ist es. Ich gönne es ihm trotzdem, er hat ja auch seinen Teil zum Erfolg beigetragen um so priveligert sein zu können.
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Re: Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von Mithrandir » 26.11.2019, 21:15

rot hat geschrieben:
26.11.2019, 17:21
sego hat geschrieben:
25.11.2019, 23:46

Sie sind in meinen Augen Menschen in einer privilegierten Situation.
:thumbs_up:
Genau so ist es. Wenn ein Hamilton einen normalen Job hätte, dann hätte er wohl keine Zeit und Bock, um sich Gedanken um eine Himmelspforte zu machen...
Vielleicht gibt es auch Menschen in einem normalen Job, die manchmal nachdenklich und sich der eigenen Vergänglichkeit bewusst sind? Vor allem wenn sie durch einen Zwischenfall direkt damit konfrontiert werden?

Wenn - um mal ein simples Beispiel zu nennen - ein Dachdecker auf der Baustelle den tödlichen Unfall eines jungen Kollegen erlebt würde ich es für reichlich unsensibel halten ihm den Gedanken an eine Himmelspforte vorzuwerfen, erst recht wenn diese Vorstellung für ihn tröstlich ist. Da geht es nicht um Zeit und Lust.

Wahrscheinlich wurde Hamilton danach gefragt und ich finde nichts in seiner Antwort, woran man Anstoß nehmen könnte. Er gibt regelmäßig zu verstehen, dass ihm bewusst ist, dass er ein privilegiertes Leben führt. Aber dass der Gedanke an die Himmelspforte privilegierten Menschen mit viel Zeit vorbehalten ist war mir neu.
Folgt mir, ich komm nach...

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Re: Wie Lewis Hamilton mit Tod im Rennsport umgeht

Beitrag von rot » 26.11.2019, 23:41

Ich bin 43 und steh mitten im Leben. Und ja, das Leben ist tödlich. Ob ich dann in Wallhalla oder sonst wo stehe, oder gar nirgens, das sehe ich dann wenn es soweit ist. Dafür verschwende ich derzeit keinen Gedanken - und schon gar nicht für Dinge wie Himmelspforte...... Wenn es soweit ist, dann ist es soweit. Vielleicht ist es früher oder auch später. Aber es ist sicher. Dann, aber erst dann, dann denke ich, sofern überhaupt möglich, ans Licht der was weiss ich. Und ja, Zeugen, Evangelen und co. meinen, man sollte vorher damit anfangen. Für meinen Teil, kein Bedarf....

Sportsmann hat geschrieben:
26.11.2019, 20:55
Ich gönne es ihm trotzdem, er hat ja auch seinen Teil zum Erfolg beigetragen um so priveligert sein zu können.
Hat irgend jemand etwas anderes geschrieben?

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