Niki Lauda & Helmut Marko: Eine "respektvolle Freundschaft"

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Niki Lauda & Helmut Marko: Eine "respektvolle Freundschaft"

Beitragvon Redaktion » 04.07.2018, 11:52

Mercedes-Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda und Red-Bull-Berater Helmut Marko im Gespräch über die Wurzeln ihrer Beziehung, und das gemeinsame Frühstück
Niki Lauda, Niki Lauda, Helmut Marko

Helmut Marko und Niki Lauda beim Grand Prix in Kyalami im März 1972 ...

Er wird oftmals nur "der Doktor" genannt, feierte erst kürzlich seinen 75. Geburtstag und ist der einflussreichste Grazer im Red-Bull-Team. Sein Kompagnon aus Wien trägt als Markenzeichen eine rote Kappe, konnte drei Formel-1-Weltmeistertitel einfahren und hat als Aufsichtsratsvorsitzender die Geschehnisse bei Mercedes im Blick. Die Rede ist von den zwei österreichischen Haudegen Helmut Marko und Niki Lauda. Trotz ihrer Verpflichtungen bei konkurrierenden Topteams verbindet die beiden eine "respektvolle Freundschaft".

"Ich muss zuerst einmal sagen, dass ich immer unglaublichen Respekt und Hochachtung vor dem Herrn Doktor Marko gehabt habe", beginnt Lauda im Interview mit dem 'ORF' seine Huldigung. Der 69-Jährige erklärt: "Er hat mir eines weit voraus: Er ist ein studierter Mensch, ich das überhaupt nicht. Und er hat es geschafft, als studierter Mensch unglaublich schnell Auto zu fahren. Normalerweise habe ich immer gedacht, dass die Cleveren langsam fahren und nur die Dummen schnell sind. Aber Helmut hat mich eines Besseren belehrt", schmunzelt der Mercedes-Verantwortliche.

Das Wort Freundschaft kommt Lauda dabei erst nicht über die Lippen, doch er stellt klar: "Für mich heißt Respekt Freundschaft. Man kann sich auch streiten, machen und tun, aber weil wir eben die gleiche Sprache sprechen, können wir auf diesem Weg Probleme immer lösen." Marko ergänzt: "Ich fasse zusammen, eine respektvolle Freundschaft."

Marko: "Habe Lauda nicht unterschätzt"

Begonnen hat die Beziehung der beiden Österreicher in der Formel V in den späten 1960er-Jahren. In der Serie kamen wesentliche Bauteile, wie Motor oder Getriebe, vom damaligen VW Käfer zum Einsatz. Lauda begann 1969 seine Formelsport-Karriere in der Nachwuchsserie, Marko war in der Kategorie bereits etabliert. Der Steirer erinnert sich noch gut an seine erste Begegnung mit dem Wiener Lauda: "Er hat ein bisschen unbeholfen ausgesehen, weil er immer ein Sakko getragen hat, also nicht recht leger aufgetreten ist. Ich habe aber gleich gemerkt, dass da einer kommt, der erstens schnell ist und auch denkt. Ich habe ihn also nicht, wie manch andere, unterschätzt."

Niki Lauda, Helmut Marko

... 45 Jahre später spazieren die beiden in Mexiko gemeinsam durchs Paddock

In Laudas erstem Formel-V-Jahr 1969 konnte er bereits zwei Siege einfahren, außerdem mehrfach als Zweiter aufs Podest fahren. Im Rahmenprogramm des Grand Prix von Deutschland auf der Nürburgring-Nordschleife gingen beide Österreicher ebenfalls im Formel-V-Lauf an den Start. "Er hat mich im Rennen überholt und dabei in den Straßengraben gedrückt - kein Vorwurf. Ich habe mir nur gedacht: 'Aha, hoppala! Jetzt bin ich fast da unten in der Botanik gelandet'", erinnert sich Lauda an eine heikle Szene mit Kontrahent Marko. Der Grazer ging schließlich als Sieger hervor, Lauda wurde Zweiter.

"Das Tolle war, dass unser damaliger Staatsmeister Peter Peter, der damals in der Öffentlichkeit höher angesehen war als wir beide zusammen, erst als Dritter ins Ziel kam, als wir schon auf dem Podium oben standen. Wir haben zwei Minuten auf ihn gewartet und Witze darüber gemacht." Marko merkt mit einem Lächeln an: "Das war auf der Nürburgring-Nordschleife, damals noch vor dem Umbau. Das war eine echt selektive Strecke. Und wir haben uns schon gefragt, wo alle anderen bleiben."

Lauda: "Habe Helmut in Clermont-Ferrand im Spital besucht"

So unterschiedlich ihre Karrieren in weiterer Folge auch verlaufen sind, so sehr sind sich Lauda und Marko auch heute noch verbunden. Der dreifache Weltmeister erinnert sich auch noch an die wohl dunkelste Stunde im Leben von Helmut Marko, als der Grazer in Frankreich 1972 beim Grand Prix von einem Stein getroffen wurde und dadurch sein Augenlicht am linken Auge verloren hat.


Fotostrecke: Legendenparade in Spielberg

Bei der Legendenparade im Rahmen des Formel-1-Grand-Prix auf dem Red-Bull-Ring waren zahlreiche Motorsport-Idole mit von der Partie. Niki Lauda, Gerhard Berger und Co. waren in historischen Fahrzeugen aus der Deutschen Rennsport-Meisterschaft unterwegs.

Bei der Legendenparade im Rahmen des Formel-1-Grand-Prix auf dem Red-Bull-Ring waren zahlreiche Motorsport-Idole mit von der Partie. Niki Lauda, Gerhard Berger und Co. waren in historischen Fahrzeugen aus der Deutschen Rennsport-Meisterschaft unterwegs.

"Ich kenne ihn schon seit Clermont-Ferrand, wo er seinen Unfall hatte. Da hat die Beziehung begonnen, weil ich ihn natürlich im Spital besucht habe", so Lauda. Marko musste seine Karriere nach zwei Jahren bei BRM infolgedessen beenden, Lauda übernahm 1973 seinen Platz im BRM-Team und durfte zwei Jahre später seinen ersten WM-Titel bejubeln.

Der Mercedes-Team-Aufsichtsratsvorsitzende sieht sich mit Marko auf einer Wellenlänge: "Ich verstehe mich mit ihm unglaublich gut." Weniger Verständnis bringen die beiden Urgesteine für die Formel 1 der Gegenwart auf. Zwar sprach Marko bereits 1971 in einem 'ORF'-Interview von einem "Jahrmarkt", dieser habe sich durch Social Media in der heutigen Zeit allerdings potenziert.

"Sagen uns die Meinung & sprechen gleiche Sprache"

Marko erklärt den Unterschied zwischen der heutigen Zeit und der Vergangenheit: "Beide haben wir genug Charakter, um uns mit den richtigen Worten auszudrücken. Wir sagen uns gegenseitig die Meinung und das wird heutzutage schon als Neckerei oder Beleidigung empfunden, aber auch das findet auf einer sehr respektvollen Ebene statt." Lauda stimmt seinem Freund zu, heutzutage werde über viel zu viel "Blödsinn" diskutiert. Wertvolle Zeit würde mit unnötigen Debatten vergeudet, so die Meinung der beiden.

Niki Lauda, Helmut Marko, Dietrich Mateschitz

Drei mächtige Österreicher: Lauda mit Marko & Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz

"Und deshalb freue ich mich immer, wenn ich dem Helmut begegne. Er sitzt in der Früh beim Frühstück, und da hörst du nur die klare Wahrheit. Da gibt es kein Gerede, was mich nervt, weil nur die Zeit vergeht. Wir sprechen hingegen wirklich die gleiche Sprache, deswegen ist das so einfach, dass wir so gut auskommen", stellt Lauda fest. Marko fügt hinzu: "Leider sind wir da ziemlich einsam." Denn im Fahrerlager gibt es nur noch wenige Personen alter Schule. Mittlerweile sind die Teamchef-Posten von Managern übernommen worden, Rennleiter wie auch Ron Dennis oder Frank Williams haben sich aus der Königsklasse zurückgezogen.

"Wie Niki schon gesagt hat, fängt das Gelabere in der Früh an. Man muss die Leute dann immer zur Räson bringen und klarmachen, um was es eigentlich geht", stellt der Steirer klar. "Deshalb ist das Frühstück, wie man so schön sagt, die wichtigste Mahlzeit - und bei uns das effizienteste Gespräch." Und deshalb besucht Lauda seinen alten Freund nach wie vor regelmäßig zur Morgenstunde im Red-Bull-Motorhome.


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