Kubica klagt nach Chaostag: "Es gibt so viele Fragezeichen ..."

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Kubica klagt nach Chaostag: "Es gibt so viele Fragezeichen ..."

Beitragvon Redaktion » 01.03.2019, 20:25

Williams-Fahrer Robert Kubica reagiert hilflos auf die anhaltend schwache Form seines Teams, die am letzten Tag der Wintertests in einer kuriosen Panne mündete
Robert Kubica

Robert Kubica steht bei Williams ein überaus schwieriger Saisonstart bevor

Wenn das Auto nicht mehr mitspielt: Wie schlecht Williams auf die Saison 2019 vorbereitet ist, hat sich am letzten Tag der Formel-1-Wintertests in Barcelona gezeigt. Denn das britische Traditionsteam musste sein Programm erst abändern und dann vorzeitig beenden. Für Robert Kubica, der in diesem Jahr sein Grand-Prix-Comeback gibt, war es daher "ein weiterer verlorener Tag" - und ein besonders bitterer noch dazu.

Denn nach dem finalen Schlagabtausch aller Teams unter gleichen Voraussetzungen ist klar: Williams ist nicht nur Letzter, sondern auch nicht startklar für den ersten Renneinsatz in gut zwei Wochen. Laut Kubica ist das eine logische Folge der Verspätung, mit der Williams in die Testfahrten gestartet ist. Der FW42 war nämlich erst am dritten Tag einsatzbereit gewesen, kam im Verlauf der weiteren sechs Testtage aber nie richtig auf Touren. Bis hin zum "Ausrollen" am Schlusstag.

Aber was genau war da los bei Williams? "Wir haben zwar ein paar Runden zurückgelegt, doch der Zustand des Fahrzeugs war alles andere als optimal", erklärt Kubica und drückt sich dabei noch sehr diplomatisch aus. Williams-Technikchef Paddy Lowe wird da schon deutlicher: Es seien am Freitag "zu viele Teile zu sehr verschlissen" gewesen als dass ein sinnvoller Testbetrieb möglich gewesen wäre.

Wenn schon nicht pünktlich beim Test, dann ...

Lowe versucht es in blumige Worte zu kleiden: "Das Auto war schlichtweg zu müde. So konnten wir nicht weitermachen." Statt Qualifying-Simulationen oder Longruns gab es bei Williams kurzerhand Start- und Boxenstopp-Übungen - und damit nichts, was die Entwicklung des FW42-Mercedes entscheidend vorangebracht hätte.

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Kubica wirkt angefressen, als er sich nach dem Testtag den Medien stellt. Seine Antworten fallen entsprechend kritisch und knapp aus: "Wir hatten Verspätung mit dem Fahrzeug. Und manche Probleme sind eine Folge aus der [daraus entstandenen] Eile. Denn wenn du schon Schwierigkeiten damit hast, das Auto fertigzustellen, dann sind auch die Ersatzteile ein Thema. Heute hätten wir sie gebraucht, aber wir hatten sie nicht." Ein Zustand, den er für ein Formel-1-Team als "nicht ausreichend" bezeichnet."Ich halte das für eine normale Konsequenz der vergangenen Woche", sagt Kubica weiter. "Leider bezahlen das Team und ich jetzt den größten Preis dafür. Denn es dürfte schwierig werden, acht Jahre nach meinem letzten Rennen ohne gescheite Testfahrten ins erste Rennen zu gehen. Aber das ist die Realität. Ich kann nur versuchen, mich selbst bestmöglich vorzubereiten. Aber ich weiß vielleicht 20 Prozent von dem, was ich wissen sollte. Alles andere ist unklar."

"Viele Daten waren irreführend"

Fast die komplette zweite Testwoche sei für Williams praktisch nutzlos gewesen, weil sich schon am Mittwoch erste Schwierigkeiten angekündigt hatten, so Kubica weiter. "Ein Longrun war noch ziemlich gut, eine schöne Überraschung. Das hatte mir viel Zuversicht beschert. Den Rest aber muss ich ganz schnell vergessen. Wir hatten einfach nicht genug Material, um uns auf Australien vorzubereiten. Ich habe nie mehr als 15 Runden am Stück absolviert. Und [aufgrund des hohen Verschleißes] waren viele Daten irreführend. Da ist meine Zuversicht verflogen. Es gibt einfach noch so viele Fragezeichen."

Er wage eigentlich kaum, an den Saisonauftakt in Melbourne zu denken, wenngleich seine vielen Fans - einige davon jubelten ihm selbst während seiner Medienrunde lautstark zu - regelrecht auf das Comeback ihres Idols brennen. Mit einem vielsagenden Lächeln im Gesicht meint Kubica dazu nur: "Wir müssen erst einmal sicherstellen, dass das Auto in einem Stück bleibt." Schon das scheint für Williams eine hohe Hürde darzustellen.


Fotostrecke: Erste Fahrbilder des neuen Williams FW42

Am dritten Tag der Formel-1-Wintertests 2019 in Barcelona ist der neue Williams FW42 endlich fahrbereit. Hier sind die ersten Impressionen des Neuwagens auf der Strecke, am Steuer sitzt George Russell!

Am dritten Tag der Formel-1-Wintertests 2019 in Barcelona ist der neue Williams FW42 endlich fahrbereit. Hier sind die ersten Impressionen des Neuwagens auf der Strecke, am Steuer sitzt George Russell!

Das einstige Siegerteam hat die schlechteste Testbilanz aller Formel-1-Rennställe 2019. Mit nur 2.639 Kilometern fuhr man der Konkurrenz meilenweit hinterher. Mercedes schaffte sogar mehr als die doppelte Distanz. Und der Abstand auf die Spitze beträgt fast zwei Sekunden - pro Runde. (Weitere Teststatistiken zu Williams abrufen!)

Die Rennteilnahme kommt für Williams zu früh

Ob er den Australien-Grand-Prix daher vorrangig als erweiterte Testfahrten betrachte, wird Kubica gefragt. "Leider ja", antwortet der Pole. "Ich kann es ja nicht ändern. Wir müssen erst einmal unsere Probleme abstellen. Und lieber haben wir sie jetzt als in den ersten Rennen. Aber müssen auch die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Denn es ist schwierig, Fortschritte zu machen, wenn du eigentlich im Dunkeln tappst, weil du das Auto nicht in seiner eigentlichen Spezifikation fährst. Da kriegst du eben kaum relevante Informationen oder gescheites Feedback."

Soll heißen: Erst einmal muss es für Williams darum gehen, den FW42 gescheit zum Laufen zu kriegen. "Von Leistungsupdates brauchen wir an dieser Stelle gar nicht reden, wenn wir noch nicht einmal die [anderen] Probleme gelöst haben", meint Kubica, sichtlich geknickt. "Das, was wir an der Strecke gezeigt haben, war wirklich unser Maximum." Und eben das reicht wohl nur für die letzte Startreihe.


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Re: Kubica klagt nach Chaostag: "Es gibt so viele Fragezeichen ..."

Beitragvon abloo » 01.03.2019, 22:40

Auhwehzwick! Kubica sieht ja wirklich alles rabenschwarz!
Und drei Punkte sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen
- Kubica weiss erst 20 Prozent vom diesjährigen Verhalten seines neuen Boliden
- Nie mehr als 15 Runden auf einem Stück draussengewesen, also weit entfernt von einer Rennsimulation
- der Verschleiss von mehreren Teilen war zu hoch. Also nicht nur Reifen. Wo kann man noch einen höheren Verschleiss haben, ausser bei den Reifen natürlich? Unterboden? Getriebe? Motor?

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Re: Kubica klagt nach Chaostag: "Es gibt so viele Fragezeichen ..."

Beitragvon Sportsmann » 01.03.2019, 23:24

abloo hat geschrieben:Auhwehzwick! Kubica sieht ja wirklich alles rabenschwarz!
Und drei Punkte sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen
- Kubica weiss erst 20 Prozent vom diesjährigen Verhalten seines neuen Boliden
- Nie mehr als 15 Runden auf einem Stück draussengewesen, also weit entfernt von einer Rennsimulation
- der Verschleiss von mehreren Teilen war zu hoch. Also nicht nur Reifen. Wo kann man noch einen höheren Verschleiss haben, ausser bei den Reifen natürlich? Unterboden? Getriebe? Motor?


Zu Punkt 1: Wenn man nicht voll fahren kann, wird man ggf. überrascht. Ich schätze aber schon dass 20% ein etwas niedriger Wert sind. Letztendlich sind die Williams auch mal schnelle Runden gefahren, nur eben 2s langsamer als die Anderen.

Zu Punkt 2: Ich kann jetzt nicht das Gegenteil beweisen, aber ich dachte Russell hätte gestern eine (fürs Team) einigermaßen aussagekräftige Rennsimulation gefahren, bis zum Ausfall von RacingPoint und RedBull. Anekdote: Paddy Lowe hat Donnerstags laut AMuS folgendes gesagt:
"Wenn wir heute unsere Rennsimulation durchbringen und morgen auch, haben wir am Ende genauso viele Kilometer abgespult, wie gewöhnlich in acht Tagen. Und wir haben dann auch alle Reifensätze probiert", sagt Technikchef Paddy Lowe.
Mehr will ich dazu nicht mehr sagen.

Zu Punkt 3:
Alle Teile die mit der Federung zu tun haben, Radträger usw. bekommen dank der Randsteine immer ein bischen Belastung ab und wenns mit dem Fahren ruppig wird, z.B. beim zu aggressiven durchfahren der Schikane in Sektor 3 z.B. dann merken die Teile das auch. Der Unterboden setzt auch regelmäßig auf. Im Grunde genommen sind so ziemlich alle Teile irgendwann mal hinüber, weil sie die ganze Fahrt mit Vibrationen und Kräften zu tun haben. Die Flügelpartien stehen im Wind. Man erinnert sich noch an Haas fliegende T-Flügel. Manchmal sind Teile zu schwach bemessen. Da wird dann das Gramm extra an Strukturmaterial eingespart und dafür fliegt da Teil dann - und macht das Auto noch ein weiteres Gramm leichter :wink:
Da ich keine Ahnung von den exakten Materialien und den Belastungswerten habe, würde ich zuerst einmal an die beweglichen Teile um die Lenkung, oder die Federung denken. Danach folgen elektrische Teile, die irgendwann nach etlichen Erhitzvorgängen durchgebraten sind. Man muss bedenken, Williams ist viele hundert Runden gefahren, das ist also deutlich mehr als an einem Rennwochenende - ich kann mir schon vorstellen dass da Teile an ihre Grenzen kommen.

Und nun zu meinem eigenen Punkt. Wenn ich ehrlich sein soll ist das fast das beste was Kubica sagen konnte. Ich finde das super. Nein nicht weil ich Williams hasse, sondern weil ich darin höre, dass das Potential noch lang nicht ausgeschöpft wurde. Wäre der FW42 wirklich 2s langsamer oder mehr, dann wäre auch diese Saison gelaufen. Aber wenn man nie voll aufdrehen konnte oder gar das Auto noch nicht richtig verstanden hat, dann kann man das über die nächsten Rennwochenenden tun. 20%? Man überlege mal, wie ein Kubica mit 100% Verständnis den Williams fährt. Ich kanns kaum erwarten und hoffe auf einen überlegten, nicht panischen, realistischen Antritt in Melbourne - dessen Ergebnisse Hoffnung machen.
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Re: Kubica klagt nach Chaostag: "Es gibt so viele Fragezeichen ..."

Beitragvon toddquinlan » 01.03.2019, 23:45

Williams nur als unprofessionell zu nennen ist extrem geschmeichelt, dilettantisch trifft es wohl besser.

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Re: Kubica klagt nach Chaostag: "Es gibt so viele Fragezeichen ..."

Beitragvon harke » 02.03.2019, 09:47

Sollte sich das nicht in den ersten drei Rennen bessern hoffe ich, dass die FIA durchgreift und das Team rausnimmt. Wenn der Abstand dann bis zu 2 Sekunden auf das Mittelfeld beträgt, dann sollte dieses Team nicht an Renngeschehen teilnehmen.
Mitleid? null.

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Re: Kubica klagt nach Chaostag: "Es gibt so viele Fragezeichen ..."

Beitragvon Plauze » 02.03.2019, 10:51

harke hat geschrieben:Sollte sich das nicht in den ersten drei Rennen bessern hoffe ich, dass die FIA durchgreift und das Team rausnimmt. Wenn der Abstand dann bis zu 2 Sekunden auf das Mittelfeld beträgt, dann sollte dieses Team nicht an Renngeschehen teilnehmen.
Mitleid? null.

So ein Unsinn. Warum sollte man das tun? Es gibt die 107%-Regel, härteres "Durchgreifen" braucht es nicht. Wem wäre damit auch gedient? Was kommt als nächstes? Alle raus, denen über ne Sekunde auf Mercedes fehlt? :facepalm:
Alles kann passieren. Und das ist auch gut so.

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Re: Kubica klagt nach Chaostag: "Es gibt so viele Fragezeichen ..."

Beitragvon Costigan » 02.03.2019, 11:36

abloo hat geschrieben:Auhwehzwick! Kubica sieht ja wirklich alles rabenschwarz!
Und drei Punkte sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen
- Kubica weiss erst 20 Prozent vom diesjährigen Verhalten seines neuen Boliden
- Nie mehr als 15 Runden auf einem Stück draussengewesen, also weit entfernt von einer Rennsimulation
- der Verschleiss von mehreren Teilen war zu hoch. Also nicht nur Reifen. Wo kann man noch einen höheren Verschleiss haben, ausser bei den Reifen natürlich? Unterboden? Getriebe? Motor?

Erinnert mich alles ein wenig an die katastrophalen Winter, die McLaren mit Honda hatte. Würde mich ehrlich gesagt stark überraschen, wenn Williams dem Feld nicht gnadenlos hinterherhecheln sollte.
It's never good to live in the past too long. As for the future, it didn't seem so scary anymore. It could be whatever I want it to be... Who's to say this isn't what happens? And who's to say my fantasies won't come true... just this once?


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