Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

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scott 90
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon scott 90 » 31.05.2018, 15:36

Motorsport ist perse auch ein langweiliger "Sport" bzw. ein langweiliges Hobby, aber damit ist er ja nicht allein. So ziemlich alles hat seine Längen und wie hier ja auch philosophisch dargelegt, es braucht dies allein des Kontrast wegen :P

Für mich persönlich sind die Formel 3 Rennen eine Erfüllung, kein Schnickschnack (keine Boxenstopps, keine versch. Reifentypen, kein DRS) kurze Sprintrennen ohne den Versuch dem Zuschauer zwanghaft eine bessere "Show" zu bieten. An sich passiert in den Rennen auch nicht soviel, es wird oft nur hintereinander hergefahren, trotzdem verpasse ich kein Rennen, selbst wenn ich es nur ReLive bzw. als Wiederholung sehen kann.

So ist Motorsport halt nunmal, klar es sollte schon auch mal möglich sein zu überholen, aber generell war das schon immer schwierig, vor allem auf anspruchsvollen Strecken, und das macht die Faszination doch auch aus. Nur ist halt auch klar, so schält der Durschnittszuschauer weg oder gar nicht erst ein. In Kombination zu der Forderung es dürfe keine langweiligen Rennen geben, hat man die F1 längst ausgerichtet.

DRS ist eine Reaktion darauf, obwohl es wahrscheinlich von der Mehrheit nicht gemocht wird, ohne dieses System wäre das Gejammer noch größer. Es stimmt sicherlich wenn hier geschrieben wird man müsse an anderen Punkten ansetzen, aber das ist offensichtlich komplizierter Umzusetzen als wieder mehr Überraschungsmomente zu ermöglichen. Zu viele Interessen sind gegen die "Deprofessionalisierung" der F1. Sprich weniger Personal, Resourcen und technische Möglichkeiten, verbunden mit dennoch "anspruchsvoller Technik" die im Grenzbereich schonmal kaputt geht.

Da könnte man wieder über den Fluch und Segen der großen Werksteams bzw. Konzerne reden, welche die F1 als Marketingwerkzeug benutzt und so auch den Sport prägen. Wen das nicht mehr zufrieden stellt, der muss eben sich seine Nische suchen, wobei eine Professionalisierung auch in der Formel 3 zu beobachten ist. Dagegen ankämpfen klingt einfacher als es ist, denn klar die Konzerne und Werksteams sind längst nicht der Alleinverantwortliche.

Kurzum bevor dies wieder zu einem Roman ausartet, für mich gibt da kein Patentrezept, es würde Sinn machen gelassener zu sein und sich mehr auf seine Wurzeln zu besinnen, dies würde sicherlich helfen, wobei man auch wissen muss, was realistisch erwartet werden kann. Um noch ein Wort zum Auslöser Monaco zu verlieren, ich mochte diese Strecke noch nie, auch das Ambiente usw. ist nichts für mich. Trotzdem akzeptiere ich diese Strecke und weiß auch was ich erwarten kann.
Da bin ich eher über die Reaktionen überrascht, gerade auch Fahrer wie Hamilton oder Alonso. Vor allem wie verblendet der Vergleich von Hamilton zur Nascar ist, tut mir leid, trotz den ganzen Maßnahmen die dort ergriffen werden, verhindern diese auch nicht, dass es durchaus einige langweilige Rennen gibt. Weil ein Fahrer das Feld bspw. nach belieben dominiert.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon daSilvaRC » 31.05.2018, 15:46

wir brauchen mehr künstliche Überholmanöver, wir brauchen noch schnellere Autos damit es dramaischer aussieht- die reifen müssen in Kurven quasi fast von der Felge springen, wir brauchen jedes Rennen sensationelle Zweikämpfe- so wie 2012.
Wir brauchen aber keine bröselreifen wie 2012, und eine beschnittenere Aero wäre auch gut- wegen der Dirty Air. Und Zweikämpfe ja bitte, aber wenn einer dann mal aus der reihe tanzt gehört das sofort hart bestraft- peitschenhiebe nach der siegerehrung- DAS wäre doch mal eine show!!!
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon theCraptain » 31.05.2018, 16:51

Es scheint ja Leute zu geben die alles gut finden was in der F1 passiert und nichts hinterfragen, nur weil es mit "F1" gelabeled ist. :mrgreen:

Möchte mich bei allen vorherigen Postern bedanken für die guten Argumente pro/contra. Weitere Wiederholungen sind nicht angebracht, möchte aber in die Kerbe "Delta zwischen Qualyspeed und Rennspeed" hauen.

Wir hätten seit 2014 durchaus viel mehr spannende Rennen geniessen können, wobei, wie hier in den Kommentaren bereits mehrfach dargestellt, Spannung nicht mit (Anzahl) Überholmanövern gleichzusetzen ist.

Wenn also RIC seine Pole mit Streckenrekord von 1:10,xxx fährt und der GP dann mit Zeiten von 1:18,xxx startet , sich dann langsam zu 1:16er Zeiten hinquält und die schnellste Rennrunde mit 1:14,xxx ist, dann sind die Fahrer einfach nicht wirklich gefordert, Fahrfehler werden dann auch kaum vorkommen und wenn doch, verzeihen das die meisten Kurse durch ihre Parkplatzauslaufzonen.

Monaco 2018 hat nur besonders deutlich gemacht, woran sich die aktuelle F1 verbessern muss.

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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon evosenator » 31.05.2018, 18:20

reiskocher_gtr_specv hat geschrieben:Es schalten doch sowieso "morgen" wieder alle ein.

.


:mrgreen: :thumbs_up:

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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon bolfo » 31.05.2018, 20:41

Iceman24 hat geschrieben:Wenn es so ist wie in der MotoGP, wo es ab und zu mal weniger spannend ist, die meisten Rennen aber an Spannung kaum zu überbieten sind, ist das ja okay. Aber in der "Königsklasse" ist es leider so, dass man mit langweiligen Rennen rechnen muss. Ich bin eigentlich immer überrascht, wenn das Rennen mal spannend ist. Eigentlich sollte es aber anders rum sein.

bolfo hat geschrieben:
All das wurde aber nun den Fans weggenommen. Es sind nicht die Überholmanöver, die fehlen, und es sind auch nicht die 2m breiten Autos, die es auch 1994 schon gab. Nein, es ist die UNVORHERSEHBARKEIT, die genommen wurde. Zu klar sind die Kräfteverhältnisse, zu viel weiss man über die Performance der Leute (GPS-Daten), zu wenig Ausfälle gibt es. DAS sind die Probleme. Stattdessen diskutieren wir aber darüber, DRS zu montieren oder ob man Halo braucht oder nicht. Dadurch wurde der Sport aber nicht besser. Man hat nur rumgeflickt, anstatt wirklich mal Lösungen zu bringen. Und die Lösung heisst: Möglichst Chancengleichheit und Unvorhersehbarkeit.


Das ist für mich auf allen Strecken ein Problem. Die Kurse verzeihen viel zu viel. Auch Monaco hat heute viel mehr Auslaufzonen. Die F1 sollte die Auslaufzonen wieder verkleinern und dort wo Asphalt ist (jetzt logischerweise nicht auf Monaco bezogen) wieder schön Kies oder Rasen hintun. Das macht das Rennen automatisch wieder spannender, weil auch mal jemand abfliegt und es eben die Unvorhersehbarkeit des Rennens erhöht. Meiner Meinung nach sind die Strecken heutzutage ein grosses Problem. Man schaue sich auch Monaco von damals und heute an, da hat es so viel mehr Auslaufzonen heutzutage.


Richtig. Da entwickelt sich die Technik dahin, dass der Fahrer immer mehr an Bedeutung verliert. Und was macht man? Strecken, die dem Fahrer alles verzeihen. Das ist einfach keine Logik. Auf Deutsch heisst das nur, dass man ALLES macht, um die Fehlerquelle Mensch auszuschalten. Und genau so wirds uninteressant. Dann kann ich gerade so gut Roboter anschauen, die gegeneinander fahren.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon bolfo » 31.05.2018, 20:54

Senninha_88 hat geschrieben:"Früher war alles besser" mag auf einige Aspekte zutreffen. Wer jedoch generell behauptet, früher hätte es per se spannendere Rennen gegeben, der liegt falsch. Es scheint trotzdem so - und hier kommt dein Aspekt der Unvorhersehbarkeit ins Spiel - daß das Pendel in den letzten Jahren in die falsche Richtung ausschlug und in der modernen Formel 1 öfters solche eher faden Rennen vorkommen. Transparenz ist schön und gut, aber genau zu wissen, wann wer wegen welchen Reifen in die Box fährt oder wer wo wie und wann unter "Graining" leidet, nimmt leider das Ungewisse. Heute dreht sich scheinbar alles um die Lebensdauer der Reifen und mir kommt es vor, als beschränke sich das Repertoire der Strategieabteilungen auf den hoch im Kurs stehenden "Undercut". Ich weiß noch genau, als der Zuschauer nur mit wenigen Faktoren ausgestattet wurde und man höchstens wußte, wer mit "Prime" oder "Options" fuhr oder welcher Fahrer im Hinblick auf seine Rundenzeiten im Abschlußtraining wohl mit welchen Spritmengen unterwegs war. Was da blieb waren teilweise reine Vermutungen. Es erlaubte jedoch eine Vielzahl von unterschiedlichen Strategien (Schumacher's 4-Stopp-Rennen in Frankreich war eine Augenweide!) und machte wie ich finde den ganzen Ablauf spannender. Es gab öfters mal Wunderkerzen in einer Saison (Fisichella in Hockenheim, Hill in Ungarn und Trulli in Österreich), weil die Wagen an sich unterschiedlicher waren, als heute. Die Strecken erlaubten damals kaum bis keine Fahrfehler: Schumacher und Alonso kämpften zwei Mal in Imola und man wußte genau, daß der kleinste Fehler das Ende bedeuten würde. Heute nimmt man etwas Schwung heraus, fährt etwas abseits über den Asphalt und schließt wieder auf.

Es können also einige Faktoren genannt werden. Sie haben zwar in der Sache wenig miteinander zutun haben, tragen jedoch zu der Entwicklung bei. Daher ist es kein Wunder, weswegen viele der Ansicht sind, daß langweiligere Rennen öfters an der Tagesordnung seien, als noch vor wenigen Jahrzehnten.


Das ist es eben: Es ist alles standardisiert. JEDER muss 2 unterschiedliche Reifensätze benützen. Jeder startet mit derselben Spritmenge. Genau da ist der Hacken.

Ich mochte die Rennen 1994, 1995 und 1996. Da fuhr man normal die Quali. Und dann wusste man NICHT, wer mit welcher Spritmenge an den Start geht. Da wusste man nicht, wer noch wie oft nachtanken musste. Es war einfach eine Art Lotterie. Heute prophezeit mir Wurz, wer in welcher Runde reinkommt. Und hat meistens recht. Kein Wunder. Man weiss zu viel. Computer rechnen eh vorher alles durch und errechnen so die beste Strategie. Und genau das bringt Langeweile.

Heute versucht man die Spannung einfach künstlich zu erzeugen. Oftmals ist das Safety Car die Wahl. Ist doch toll, alle rücken dann wieder zusammen. Und so hatten wir heuer bereits 3 Sieger in 6 Rennen, die sonst nicht gewonnen hätten. Toll, oder? Nein, genau das will der Fan nicht sehen. Der Fan will keine Zufallssieger. Aber genau das waren die Sieger in Australien, in China und in Aserbaidschan. Profiteure von SC Phasen. Und dann will man uns sagen, wie super geil das Rennen doch war. Dabei wars bloss künstliche Spannung, wo am Ende nicht der Beste, sondern schlicht der Glücklichste gewonnen hat.

Und so nimmt man dem Fahrer auch jegliche Bedeutung. Und das immer unter der Verwendung des Begriffs "Sicherheit". Nachtanken? Um Himmels Willen, viel zu unsicher! Kiesbetten? Nicht vertretbar. Ein auf der Seite geparktes Auto? Tödliche Gefahr.

Das Resultat: Alle sind auf ähnlichen Strategien unterwegs, Fahrfehler werden verzeiht und die Rennen müssen immer wieder unterbrochen werden. Heisst: Kein Platz für Risiko, alles vorherberechenbar, die Fahrer mit wenig Bedeutung.

Und das war früher einfach besser. Ein Häkkinen, der in Monza 1999 seine Karre verlor, machte erst durch das Kiesbett die Sache zum Drama. Heute würde er einfach eine Sekunde verlieren. Genau so nimmt man die Unvorhersehbarkeit. Und die Dramen. Ich hätte mal Hamiltons Gesicht in Ungarn 2014 oder Brasilien 2014 sehen wollen, wäre dort Kies gewesen. Stattdessen fährt er einfach weiter. In Brasilien hätte dies das definitive Aus bedeutet. Aber das wäre heute ja nicht mehr vertretbar - es soll möglichst jeder die Zielflagge sehen.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon Spocki » 01.06.2018, 09:08

bolfo hat geschrieben:Das ist es eben: Es ist alles standardisiert. JEDER muss 2 unterschiedliche Reifensätze benützen. Jeder startet mit derselben Spritmenge. Genau da ist der Hacken.

Nein, genau da ist der Haken nämlich nicht. Der Haken ist eher die Überholproblematik und die fehlende Möglichkeit, durchgehend zu pushen.
bolfo hat geschrieben:Ich mochte die Rennen 1994, 1995 und 1996. Da fuhr man normal die Quali. Und dann wusste man NICHT, wer mit welcher Spritmenge an den Start geht. Da wusste man nicht, wer noch wie oft nachtanken musste. Es war einfach eine Art Lotterie.

Damals war die Technik einfach noch nicht fortgeschritten genug. Ich stimme dir zu, dass das möglicherweise spannend war, aber ich möchte auch nicht, dass die F1 "künstlich" auf die Technik bzw. die Möglichkeiten verzichtet, die sich ihr bieten. Das wiederum entspräche nicht dem Geist der Formel 1, die hochentwickelste Rennserie zu sein.
bolfo hat geschrieben:Heute prophezeit mir Wurz, wer in welcher Runde reinkommt. Und hat meistens recht. Kein Wunder. Man weiss zu viel. Computer rechnen eh vorher alles durch und errechnen so die beste Strategie. Und genau das bringt Langeweile.

Wir erleben oft genug Under- bzw. Overcuts, die sich auch lohnen und eben nicht vorhergesehen werden konnten. Es könnte öfter mal regnen, zugegebenermaßen...
bolfo hat geschrieben:Heute versucht man die Spannung einfach künstlich zu erzeugen. Oftmals ist das Safety Car die Wahl. Ist doch toll, alle rücken dann wieder zusammen. Und so hatten wir heuer bereits 3 Sieger in 6 Rennen, die sonst nicht gewonnen hätten. Toll, oder? Nein, genau das will der Fan nicht sehen. Der Fan will keine Zufallssieger. Aber genau das waren die Sieger in Australien, in China und in Aserbaidschan. Profiteure von SC Phasen. Und dann will man uns sagen, wie super geil das Rennen doch war. Dabei wars bloss künstliche Spannung, wo am Ende nicht der Beste, sondern schlicht der Glücklichste gewonnen hat.

So. Und inwiefern ist dein Ansatz, mit nicht unterschiedlichen Reifenmischungen oder nicht der selben Spritmenge dann besser? Ich wage zu bezweifeln, dass man das SC in erster Linie rausschickt, um künstlich Spannung zu erzeugen. Wir sind ja nicht bei der Nascar.
bolfo hat geschrieben:Und so nimmt man dem Fahrer auch jegliche Bedeutung. Und das immer unter der Verwendung des Begriffs "Sicherheit". Nachtanken? Um Himmels Willen, viel zu unsicher! Kiesbetten? Nicht vertretbar. Ein auf der Seite geparktes Auto? Tödliche Gefahr.

Du sprichst hier das Nachtanken an, aber gleichzeitig von vorhersehbaren Rennen. Was ist denn vorhersehbarer, als jemand der zum Tanken reinkommen muss?

bolfo hat geschrieben:Und das war früher einfach besser. Ein Häkkinen, der in Monza 1999 seine Karre verlor, machte erst durch das Kiesbett die Sache zum Drama. Heute würde er einfach eine Sekunde verlieren. Genau so nimmt man die Unvorhersehbarkeit. Und die Dramen. Ich hätte mal Hamiltons Gesicht in Ungarn 2014 oder Brasilien 2014 sehen wollen, wäre dort Kies gewesen. Stattdessen fährt er einfach weiter. In Brasilien hätte dies das definitive Aus bedeutet. Aber das wäre heute ja nicht mehr vertretbar - es soll möglichst jeder die Zielflagge sehen.

Für mehr Kiesbetten bin ich auch, aber das hat man ja in Barcelona bereits ganz gut umgesetzt.

Den Rest kann man also abstempeln mit: Früher war alles besser. Ok.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon modellmotor » 01.06.2018, 10:30

Wie das in der Formel 1 aktuell läuft , durch wenig Verbrauch und Lärm quasi umweltfreundliche Autos , wobei der Pilot nur noch am Lenkrad drehen und aufpassen muss , dass die Computer korrekt auf die GPS-Fernsteuerung reagieren, ist ja erst der Anfang der Revolution des Motorsports.Demnächst werden mit Brennstoffzellen elektrisch angetriebene leise ,umweltfreundlich und teilautonom fahrende Rennwagen das Publikum auch in Ballungszentren entzücken können. :mrgreen:
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon Iceman24 » 01.06.2018, 10:45

bolfo hat geschrieben:
Und das war früher einfach besser. Ein Häkkinen, der in Monza 1999 seine Karre verlor, machte erst durch das Kiesbett die Sache zum Drama. Heute würde er einfach eine Sekunde verlieren. Genau so nimmt man die Unvorhersehbarkeit. Und die Dramen. Ich hätte mal Hamiltons Gesicht in Ungarn 2014 oder Brasilien 2014 sehen wollen, wäre dort Kies gewesen. Stattdessen fährt er einfach weiter. In Brasilien hätte dies das definitive Aus bedeutet. Aber das wäre heute ja nicht mehr vertretbar - es soll möglichst jeder die Zielflagge sehen.


Hab das schonmal hier gepostet, aber da passt wirklich dazu, wass Sir Stirling Moss mal in einem Interview gesagt hat, betreffend Silverstone, bzw. was sie nach dem Umbau daraus gemacht haben:

"Silverstone now is a wreck. To me, it is really a boring circuit. This is motor racing. If you want something safe, you play tennis. You shouldn't come and play in our court, you know what I mean? And it really annoys me that the important people in the clubs and organizations, they go and build something like the new Silverstone. It's a disaster. If you go around it today, there is very little exhilaration. Every corner has spin-off areas. What the hell? If they'd put bit of wall there, that'd make racing a hell of a lot more interesting. When I started racing, remember, there were no places in England except the Isle of Man, and so you go across Europe and you start seeing really good circuits, which are so much more challenging. They really are."


bolfo hat geschrieben:
Heute versucht man die Spannung einfach künstlich zu erzeugen. Oftmals ist das Safety Car die Wahl. Ist doch toll, alle rücken dann wieder zusammen. Und so hatten wir heuer bereits 3 Sieger in 6 Rennen, die sonst nicht gewonnen hätten. Toll, oder? Nein, genau das will der Fan nicht sehen. Der Fan will keine Zufallssieger. Aber genau das waren die Sieger in Australien, in China und in Aserbaidschan. Profiteure von SC Phasen. Und dann will man uns sagen, wie super geil das Rennen doch war. Dabei wars bloss künstliche Spannung, wo am Ende nicht der Beste, sondern schlicht der Glücklichste gewonnen hat.


Da bin ich anderer Meinung. Das SC ist für mich oft etwas, dass das Rennen wieder spannend macht und es trägt meiner Ansicht nach zu der Unvorhersehbarkeit bei, die ich möchte. Von mir aus könnten sie das VSC wieder abschaffen und das richtige SC bringen. Ich mag es auch in den US-Serien, wo das eigentlich ein Spannungselement ist.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon bolfo » 01.06.2018, 10:47

Spocki hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Das ist es eben: Es ist alles standardisiert. JEDER muss 2 unterschiedliche Reifensätze benützen. Jeder startet mit derselben Spritmenge. Genau da ist der Hacken.

Nein, genau da ist der Haken nämlich nicht. Der Haken ist eher die Überholproblematik und die fehlende Möglichkeit, durchgehend zu pushen.


Gabs aber früher auch schon. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass es diese Probleme früher nicht gegeben hätte. Schon in den 90ern hatten wir GPs ohne jegliche Überholmanöver. Spätestens ab 98 war dies wegen der Aerodynamik oftmals nicht mehr möglich. Auch durchgehend gepusht wurde meistens nicht. Und wenn, dann nur in der Zeit, in der Tankstopps erlaubt waren. Vorher wars nicht unüblich, dass Autos in den letzten Runden ausrollten, weil man zu sehr pushte.


bolfo hat geschrieben:Ich mochte die Rennen 1994, 1995 und 1996. Da fuhr man normal die Quali. Und dann wusste man NICHT, wer mit welcher Spritmenge an den Start geht. Da wusste man nicht, wer noch wie oft nachtanken musste. Es war einfach eine Art Lotterie.

Damals war die Technik einfach noch nicht fortgeschritten genug. Ich stimme dir zu, dass das möglicherweise spannend war, aber ich möchte auch nicht, dass die F1 "künstlich" auf die Technik bzw. die Möglichkeiten verzichtet, die sich ihr bieten. Das wiederum entspräche nicht dem Geist der Formel 1, die hochentwickelste Rennserie zu sein.


Die F1 wäre auch die hochentwickeltste Rennserie, wenn man auf einige Features verzichten würde. Man braucht keine Motoren mit etlichen Stufen, ebenso wenig braucht man überall Telemetriedaten, die man live bearbeiten muss. Das hat auch die F1 selbst gemerkt und versuchte deshalb lächerliche Versuche wie Kommunikationsverbote. Man merkt ja selbst, dass durch die Technik der Faktor Mensch immer mehr verschwindet.


bolfo hat geschrieben:Heute prophezeit mir Wurz, wer in welcher Runde reinkommt. Und hat meistens recht. Kein Wunder. Man weiss zu viel. Computer rechnen eh vorher alles durch und errechnen so die beste Strategie. Und genau das bringt Langeweile.

Wir erleben oft genug Under- bzw. Overcuts, die sich auch lohnen und eben nicht vorhergesehen werden konnten. Es könnte öfter mal regnen, zugegebenermaßen...


Die sind aber vorhersehbar. Wer am anderen vorbei will, macht einen Undercut. Einen Overcut hingegen erleben wir äusserst selten. Auch dort geht man davon aus, dass der Führende zu einer bestimmten Runde reinkommt - spätestens. Also macht man den Undercut einfach vorher. Relativ simpel und vorhersehbar.


bolfo hat geschrieben:Heute versucht man die Spannung einfach künstlich zu erzeugen. Oftmals ist das Safety Car die Wahl. Ist doch toll, alle rücken dann wieder zusammen. Und so hatten wir heuer bereits 3 Sieger in 6 Rennen, die sonst nicht gewonnen hätten. Toll, oder? Nein, genau das will der Fan nicht sehen. Der Fan will keine Zufallssieger. Aber genau das waren die Sieger in Australien, in China und in Aserbaidschan. Profiteure von SC Phasen. Und dann will man uns sagen, wie super geil das Rennen doch war. Dabei wars bloss künstliche Spannung, wo am Ende nicht der Beste, sondern schlicht der Glücklichste gewonnen hat.

So. Und inwiefern ist dein Ansatz, mit nicht unterschiedlichen Reifenmischungen oder nicht der selben Spritmenge dann besser? Ich wage zu bezweifeln, dass man das SC in erster Linie rausschickt, um künstlich Spannung zu erzeugen. Wir sind ja nicht bei der Nascar.


Es würde mehr Optionen geben für Strategien. DIe Tatsache, dass jeder mit derselben Spritmenge startet, schränkt ein, ebenso die Tatsache, dass man zwei Reifentypen gebrauchen MUSS. Hier könnte man die Optionen offen lassen, was eine Vielzahl an Möglichkeiten ergäbe. Und das SC müsste bei weitem nicht immer rausgeschickt werden. Hier ist die Wahl zwischen Safety Car und VSC einfach zu willkürlich. Ebenso die Zeitpunkte. Oftmals liegen Teile auf der Strecke, und man schickt das SC dann doch nicht raus, obschon die Teile gefährlich liegen. Die NASCAR hatte ja lange das Image, dies genau so zu machen. Im Grunde genommen macht die F1 nicht viel anderes. Früher lachte man über die Amis, weil die viele SC-Phasen hatten und bei Regen nicht fuhren. Heute ist die F1 doch keinesfalls anders.



bolfo hat geschrieben:Und so nimmt man dem Fahrer auch jegliche Bedeutung. Und das immer unter der Verwendung des Begriffs "Sicherheit". Nachtanken? Um Himmels Willen, viel zu unsicher! Kiesbetten? Nicht vertretbar. Ein auf der Seite geparktes Auto? Tödliche Gefahr.

Du sprichst hier das Nachtanken an, aber gleichzeitig von vorhersehbaren Rennen. Was ist denn vorhersehbarer, als jemand der zum Tanken reinkommen muss?


Muss er doch nicht. Das kann man ja frei lassen. Und natürlich ist es vorhersehbarer. Die Reifen funktionieren heuer so, dass man genau weiss, dass nur einmal gewechselt wird. Weil man muss. In Monaco hätte man ja aber versuchen können, durchzufahren. Ohne Wechsel. Das ist heute aber nicht erlaubt.

bolfo hat geschrieben:Und das war früher einfach besser. Ein Häkkinen, der in Monza 1999 seine Karre verlor, machte erst durch das Kiesbett die Sache zum Drama. Heute würde er einfach eine Sekunde verlieren. Genau so nimmt man die Unvorhersehbarkeit. Und die Dramen. Ich hätte mal Hamiltons Gesicht in Ungarn 2014 oder Brasilien 2014 sehen wollen, wäre dort Kies gewesen. Stattdessen fährt er einfach weiter. In Brasilien hätte dies das definitive Aus bedeutet. Aber das wäre heute ja nicht mehr vertretbar - es soll möglichst jeder die Zielflagge sehen.

Für mehr Kiesbetten bin ich auch, aber das hat man ja in Barcelona bereits ganz gut umgesetzt.

Den Rest kann man also abstempeln mit: Früher war alles besser. Ok.


Nein, früher war nicht alles besser. Aber heute ist es auch nicht besser als früher. Früher hatte der Fahrer einfach eine grössere Bedeutung, weil man über die Autos viel weniger wusste. Heute sind viele Fahrer schlicht austauschbar und wir erleben eigentlich keine echten Überraschungen mehr, wenns nicht regnet oder es keine SC-Phase gibt, die alles durcheinanderwirbelt. Das ist heute sicher ein Nachteil. Genau deswegen haben wir - mit ganz wenigen Ausnahmen - immer dieselben Teams auf dem Podium.

Oder wie viele Teams haben nochmals seit 2014 gewonnen? So eine Phase gabs in der F1 noch NIE.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon bolfo » 01.06.2018, 14:10

Iceman24 hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:
Und das war früher einfach besser. Ein Häkkinen, der in Monza 1999 seine Karre verlor, machte erst durch das Kiesbett die Sache zum Drama. Heute würde er einfach eine Sekunde verlieren. Genau so nimmt man die Unvorhersehbarkeit. Und die Dramen. Ich hätte mal Hamiltons Gesicht in Ungarn 2014 oder Brasilien 2014 sehen wollen, wäre dort Kies gewesen. Stattdessen fährt er einfach weiter. In Brasilien hätte dies das definitive Aus bedeutet. Aber das wäre heute ja nicht mehr vertretbar - es soll möglichst jeder die Zielflagge sehen.


Hab das schonmal hier gepostet, aber da passt wirklich dazu, wass Sir Stirling Moss mal in einem Interview gesagt hat, betreffend Silverstone, bzw. was sie nach dem Umbau daraus gemacht haben:

"Silverstone now is a wreck. To me, it is really a boring circuit. This is motor racing. If you want something safe, you play tennis. You shouldn't come and play in our court, you know what I mean? And it really annoys me that the important people in the clubs and organizations, they go and build something like the new Silverstone. It's a disaster. If you go around it today, there is very little exhilaration. Every corner has spin-off areas. What the hell? If they'd put bit of wall there, that'd make racing a hell of a lot more interesting. When I started racing, remember, there were no places in England except the Isle of Man, and so you go across Europe and you start seeing really good circuits, which are so much more challenging. They really are."


Und da hat er auch recht. Die Herausforderung wird genommen, weil Fehler verziehen werden. Das macht das Fahren am Limit nur noch halb so spannend. Weil Fehler ohne Konsequenzen bleiben, abgesehen von ein bisschen Zeitverlust. Für mich ist damit auch etwas relevantes im Motorsport verloren gegangen. Es geht nicht mehr darum, sich ans Limit heranzutasten, sondern man haut einfach mal darüber, fest im Wissen, dass eh nichts passiert. Damit geht für mich einfach eine wichtige Kompetenz der Fahrer verloren.

Logisch gehts immer noch darum, möglichst schnell eine Runde zu drehen. Aber wenn ich mir ansehe, wie unbedacht man einfach mal zu einem Überholmanöver ansetzt, fest im Wissen, dass man notfalls einfach in der asphaltierten Auslaufzone landet, wo man Vollgas weiterbrettern kann, oder die Auslaufzone sogar fix einplant für den Start, geht für mich einfach viel Können vom Fahrer verloren.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon Senninha_88 » 01.06.2018, 18:37

bolfo hat geschrieben:Das ist es eben: [...]


Du sagst es. Mir scheint es, als hätte man in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren den Teams schrittweise einen Großteil ihrer Freiheiten genommen. Die ständigen sich verändernden Reglements sowie diverse Beschränkungen und Verbote haben zu dieser langsam aber sicher schleichenden Vereinheitlichung aller Bereiche geführt. Strecken werden immer ähnlicher und die Entwicklung der Rennautos ist äußerst strengen Richtlinen ausgesetzt. Von den Motoren und Getrieben ganz zu schweigen. "Never change a running system" - dieser Spruch scheint von der Obrigkeit kaum beachtet zu werden. Hauptsache Veränderung. Wieso lockert man nicht bestimmte Bereiche? Man stelle sich vor, Teams könnten frei entscheiden, wie oft und welchen Typ Reifen sie verwenden würden. Oder man erlaubt erneut das Nachtanken, stellt es jedoch frei, ob überhaupt getankt werden muß. Das Ergebnis wäre eine Vielzahl von strategischen Möglichkeiten, ganz ohne jene oktroyierten Zwänge. Das gleiche könnte für die Motoren gelten. Wer gegen den V6 wettert, der könnte doch ebenso mit einem (kostengünstigeren!) V8 Sauger an den Start gehen?! Um eklatante Leistungsunterschiede zu vermeiden, würde die FIA lediglich Rahmenbedingungen vorgeben, an welche sich die Teams zu halten haben. Ich betone Rahmenbedingungen, keine Vorschriften.
Die Regel-Wut der aktuellen Formel 1 hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass an eine Kontinuität nicht mehr zu denken ist. Neue Regeln und Vorschriften werden zum Teil nur erlassen, um jene erst vor wenigen Jahren beschlossenen zu ergänzen oder gar zu revidieren. Ich lache heute noch über die glanzvolle Idee der Rillenreifen. Tankstopps kommen und gehen. Die Aerodynamik verändert sich, nur um alle paar Jahre beschnitten zu werden. Und DRS ist ein Kind fehlgeleiteten Aerodynamik-Regularien. Man möchte die F1 günstiger gestalten und wechselt zu teueren Hybridantrieben. Für jedes gelöste Problem entstehen zwei weitere. Es sieht derweil so aus, als nehme die Gehirnerweichung innerhalb der Führungsriege kein Ende.

Die Ursache der akuten Probleme unserer geliebten Rennserie liegt schließlich in den falschen Entscheidungen, welche - so scheint es - in den letzten Jahren überhandnehmen. Nicht nur an den Reifen-Regeln oder an den Auslaufzonen. Ich bin gespannt, welche negativen Auswirkungen die ruhmreiche Idee, man müsse von 13 auf 18 Zoll wechseln, nur damit durch den F1-Renault die Entwicklung der Straßen-Meganes und -Twingos profitiert, nach sich ziehen wird.

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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon schumi791 » 01.06.2018, 19:15

bolfo hat geschrieben:Heute versucht man die Spannung einfach künstlich zu erzeugen. Oftmals ist das Safety Car die Wahl. Ist doch toll, alle rücken dann wieder zusammen. Und so hatten wir heuer bereits 3 Sieger in 6 Rennen, die sonst nicht gewonnen hätten. Toll, oder? Nein, genau das will der Fan nicht sehen. Der Fan will keine Zufallssieger. Aber genau das waren die Sieger in Australien, in China und in Aserbaidschan. Profiteure von SC Phasen. Und dann will man uns sagen, wie super geil das Rennen doch war. Dabei wars bloss künstliche Spannung, wo am Ende nicht der Beste, sondern schlicht der Glücklichste gewonnen hat.

Ich verstehe deinen Standpunkt zwar vollkommen, aber hier schießt du dann doch etwas über das Ziel hinaus. Die drei SC-Phasen, waren vollkommen berechtigt und hatten nichts mit künstlicher Spannungserzeugung zu tun. In Australien stand Grosjeans Wagen direkt am Streckenrand und das mit einem nicht einwandfrei befestigten Reifen. Dementsprechend schwierig ist die Bergung eines solchen Fahrzeugs. Und ganz ehrlich, du beschwerst dich über die Vorhersehbarkeit der modernen Formel 1 und schimpfst gleichzeitig über den Australien GP. Jenen GP bei dem sich Mercedes mit ihrer Berechnungssoftware total verkalkuliert hat, wodurch dem Mercedes Team der sicher geglaubte Sieg durch die Finger glitt.

In China war das Safety Car auch vollkommen nachvollziehbar. Immerhin lagen diverse Carbonsplitter an einer Stelle auf der sehr häufig Überholmanöver stattfinden. Diese Stelle für die Fahrer wieder freizumachen ist also sinnvoll. Whiting hat ja auch hinreichend erklärt, warum er das SC zu genau diesem Zeitpunkt rausgeschickt hat und seine Argumente sind schlüssig und somit auch vollkommen valide.

Bei Baku ist es doch ähnlich. Carbonteile auf einer langen Geraden bei der die 300km/h erreicht werden können zu Reifenschäden mit verherrenden Auswirkungen führen. Der Einsatz des Safety Cars diente auch hier der Sicherheit und nicht der Spannung wegen.

Überhaupt ist das Safety Car nun schon jahrzehntelang Bestandteil der Formel 1 und es gab immer wieder Situation in denen einer durch den Einsatz des Safety Cars stark profitierte. Silverstone 1998 wäre nie der denkwürdige Regenkrimi am Ende geworden, wenn es den Einsatz des SC nicht gegeben hätte, welches ja aufgrund des zu starken Regens auf die Strecke beordert wurde. Ja, dass ein SC auf die Strecke kommt, weil der Regen zu stark ist, gab es auch damals in der guten, alten Zeit schon.

Spocki hat geschrieben:Du sprichst hier das Nachtanken an, aber gleichzeitig von vorhersehbaren Rennen. Was ist denn vorhersehbarer, als jemand der zum Tanken reinkommen muss?

Niemand musste zu dieser Zeit nachtanken. Das Nachtanken ist erstmals in den 80zigern verboten worden, als ein paar Ingenieure bei Brabham anfingen Berechnungen anzustellen, ab wann der Vorteil in den Rundenzeiten durch den Gewichtsvorteil, welchen ein leichteres Auto mitbringt, den Nachteil des zusätzlichen Tankstopps überwiegt.

Nachtanken drohte daraufhin sich durchzusetzen und wurde daraufhin verboten. Schon damals aufgrund der Sicherheitsbedenken. 1994 wurde Nachtanken als zusätzliches Spannungselement wieder eingeführt. Es gab aber nie die Vorgabe, dass ein Tankstopp absolviert werden musste. Das niemand ab 1994 es in Erwägung zog, komplett ohne Stopp durchzufahren lag schlicht und ergreifen daran, dass die Renndistanz mit einem oder mehreren Tankstopps schneller absolviert wird. Das ging ja aus den Erfahrungen des Brabham-Teams hervor.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon bolfo » 02.06.2018, 02:36

schumi791 hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Heute versucht man die Spannung einfach künstlich zu erzeugen. Oftmals ist das Safety Car die Wahl. Ist doch toll, alle rücken dann wieder zusammen. Und so hatten wir heuer bereits 3 Sieger in 6 Rennen, die sonst nicht gewonnen hätten. Toll, oder? Nein, genau das will der Fan nicht sehen. Der Fan will keine Zufallssieger. Aber genau das waren die Sieger in Australien, in China und in Aserbaidschan. Profiteure von SC Phasen. Und dann will man uns sagen, wie super geil das Rennen doch war. Dabei wars bloss künstliche Spannung, wo am Ende nicht der Beste, sondern schlicht der Glücklichste gewonnen hat.

Ich verstehe deinen Standpunkt zwar vollkommen, aber hier schießt du dann doch etwas über das Ziel hinaus. Die drei SC-Phasen, waren vollkommen berechtigt und hatten nichts mit künstlicher Spannungserzeugung zu tun. In Australien stand Grosjeans Wagen direkt am Streckenrand und das mit einem nicht einwandfrei befestigten Reifen. Dementsprechend schwierig ist die Bergung eines solchen Fahrzeugs. Und ganz ehrlich, du beschwerst dich über die Vorhersehbarkeit der modernen Formel 1 und schimpfst gleichzeitig über den Australien GP. Jenen GP bei dem sich Mercedes mit ihrer Berechnungssoftware total verkalkuliert hat, wodurch dem Mercedes Team der sicher geglaubte Sieg durch die Finger glitt.

In China war das Safety Car auch vollkommen nachvollziehbar. Immerhin lagen diverse Carbonsplitter an einer Stelle auf der sehr häufig Überholmanöver stattfinden. Diese Stelle für die Fahrer wieder freizumachen ist also sinnvoll. Whiting hat ja auch hinreichend erklärt, warum er das SC zu genau diesem Zeitpunkt rausgeschickt hat und seine Argumente sind schlüssig und somit auch vollkommen valide.

Bei Baku ist es doch ähnlich. Carbonteile auf einer langen Geraden bei der die 300km/h erreicht werden können zu Reifenschäden mit verherrenden Auswirkungen führen. Der Einsatz des Safety Cars diente auch hier der Sicherheit und nicht der Spannung wegen.

Überhaupt ist das Safety Car nun schon jahrzehntelang Bestandteil der Formel 1 und es gab immer wieder Situation in denen einer durch den Einsatz des Safety Cars stark profitierte. Silverstone 1998 wäre nie der denkwürdige Regenkrimi am Ende geworden, wenn es den Einsatz des SC nicht gegeben hätte, welches ja aufgrund des zu starken Regens auf die Strecke beordert wurde. Ja, dass ein SC auf die Strecke kommt, weil der Regen zu stark ist, gab es auch damals in der guten, alten Zeit schon.


In diesem Ausmass hatten wir die SCs aber nie zuvor. Wieviele Safety Car Einsätze sahen wir z.B. 1993 oder 1994? Und wie viel sind es 25 Jahre später?

Der Aspekt, den ich bemängle, ist, dass es zu subjektiv ist. Bringt man nun das Safety Car oder das VSC? Das ist subjektiv und beeinflusst je nachdem das Rennen. Zudem kommts nun mal vor, dass bei vergleichbaren Szenarien nicht immer gleich entschieden wird. Natürlich war da in Australien ein Haas geparkt. Aber brauchts deswegen ein VSC über die gesamte Strecke? Für mich ist das zu sehr über das Ziel hinausgeschossen und eine Überreaktion auf Japan 2014. Hier müsste man definitiv schlicht einen Sektor "unter Beobachtung" stellen, aber nicht die gesamte Rennstrecke.

Und natürlich beschwere ich mich über die Vorhersehbarkeit. Aber deswegen will ich keine Sieger, die wirklich nur aus Zufall zustande kommen. Nur, weil ich bemängle, dass in Deutschland nur Bayern München Meister im Fussball werden kann, fordere ich noch lange nicht, dass der Meister gewürfelt wird. Am Ende soll der Fan dennoch das Gefühl bekommen, dass der Stärkste gewonnen hat. Und das war weder in Australien, noch in China oder Baku der Fall. Der Fan nimmt dies daher bestenfalls als Verfälschung wahr. Unter "unvorhersehbar" sehe ich Ausfälle, grosse Konkurrenz. Aber nicht ein Einschreiten von Safety Car.

Und natürlich gabs z.B. 1998 einen Regenkrimi in Silverstone. Das mag ja toll sein, wenns sowas einmal pro Saison gibt. Wenn aber in 3 von 6 Rennen so der Sieger gekürt wird, haben wir einfach ein Problem. Zudem wars doch damals so, dass beim Regenkrimi 1998 dennoch das Gefühl aufkam, dass nicht zwingend der falsche gewonnen hat. Das war aber z.B. in China nicht so. Die Red Bull waren nur dritte Kraft. Unter normalen Umständen hätte es nicht mal für ein Podium gereicht. Dann ist die Verfälschung des Resultats einfach doch recht krass. WIe schon gesagt: Einmal ists ja toll. Aber wenns 3 von 6 Rennen sind, muss man einfach von "gewürfelten" Siegern reden.

Zudem ist der Aspekt der Spannungsmachung dennoch gegeben. Dies, weil am Ende Menschen entscheiden, ob ein SC zum Einsatz kommt oder nicht. Und wo Menschen agieren, gibts Sympathien usw. Alles andere würde doch der gängigen Psychologie widersprechen. Dies muss übrigens nicht mal bewusst geschehen.




Spocki hat geschrieben:Du sprichst hier das Nachtanken an, aber gleichzeitig von vorhersehbaren Rennen. Was ist denn vorhersehbarer, als jemand der zum Tanken reinkommen muss?

Niemand musste zu dieser Zeit nachtanken. Das Nachtanken ist erstmals in den 80zigern verboten worden, als ein paar Ingenieure bei Brabham anfingen Berechnungen anzustellen, ab wann der Vorteil in den Rundenzeiten durch den Gewichtsvorteil, welchen ein leichteres Auto mitbringt, den Nachteil des zusätzlichen Tankstopps überwiegt.

Nachtanken drohte daraufhin sich durchzusetzen und wurde daraufhin verboten. Schon damals aufgrund der Sicherheitsbedenken. 1994 wurde Nachtanken als zusätzliches Spannungselement wieder eingeführt. Es gab aber nie die Vorgabe, dass ein Tankstopp absolviert werden musste. Das niemand ab 1994 es in Erwägung zog, komplett ohne Stopp durchzufahren lag schlicht und ergreifen daran, dass die Renndistanz mit einem oder mehreren Tankstopps schneller absolviert wird. Das ging ja aus den Erfahrungen des Brabham-Teams hervor.


Richtig. Erwähnenswert ist hierbei übrigens Salo 1997 (?) in Monaco, der als erster ein Rennen ohne Tankstopp durchfuhr, das voll gezählt wurde. Da das Rennen nicht zu Ende gefahren wurde, schaffte er die Distanz im Tyrrell ohne Tankstopp.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitragvon EffEll » 02.06.2018, 11:49

bolfo hat geschrieben:
Richtig. Erwähnenswert ist hierbei übrigens Salo 1997 (?) in Monaco, der als erster ein Rennen ohne Tankstopp durchfuhr, das voll gezählt wurde. Da das Rennen nicht zu Ende gefahren wurde, schaffte er die Distanz im Tyrrell ohne Tankstopp.

Der erste der in der Zeit zuvor ein Rennen ohne Tankstopp beendete war Berger bei seinem ersten Sieg 86 in Mexiko für Benetton. Der fuhr auch direkt durch. Hatte sich zuvor niemand getraut
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