Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

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Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von Redaktion » 30.05.2018, 17:57

Motorsport-Total.com-Redakteur Heiko Stritzke ist genervt davon, dass nach jedem langweiligen Rennen Sturm gelaufen wird, weil sie einfach dazu gehören © Sutton Nicht jedes Rennen darf ein Hollywood-Thriller werden Liebe Freunde des Leitplankenkanals,ich muss mal ein bisschen Dampf ablassen, denn ich bin mächtig sauer. Nicht über das langweilige Rennen in Monaco, sondern den Umgang damit. Sind wir eigentlich mittlerweile eine Fangemeinde von Schlechtrednern, Panikmachern und Dauernörglern geworden? Dass nach jedem Formel-1-Rennen, in dem es nicht mindestens 15 echte Überholmanöver gibt, gleich der Superalarm geschlagen wird, nervt mich tierisch an. Denn so machen wir den Sport kaputt.Ja, das Rennen in Monaco war langweilig, genau wie in Australien. So what? Muss neuerdings jedes einzelne Rennen ein Hitchcock-Thriller werden? Sind wir mittlerweile als Gesellschaft so weit verkommen, dass wir in jedem Rennen immer Action, Action, Action brauchen und wenn nicht virtuell unser Geld zurückfordern? Dass jedes Rennen noch besser, noch packender und noch dramatischer sein muss als der Vorgänger? Mehr, mehr, mehr und wenn einmal weniger ist, dann geht die Welt unter. Eine Dekadenz, die leider in vielen Bereichen zu sehen ist: Finanzmärkte, TV-Shows, Sport.Ich sage: Langweilige Rennen hat es immer gegeben und sie müssen sein. Sie gehören zum Motorsport dazu wie das Amen in der Kirche. Selbst die MotoGP, auf die ja immer gerne als Vorzeige-Motorsport verwiesen wird, weil er ja so spannend ist, hat Rennen gesehen, in denen relative Ruhe herrschte. Ich erinnere mich an den Sieg von Jorge Lorenzo in Brünn 2015. Das Rennen war todlangweilig. Was hat die MotoGP gemacht? Mit den Achseln gezuckt, beim nächsten Mal wird es schon wieder besser (was es in jener Saison in jedem Fall wurde). Monaco 2018: So feierte Daniel Ricciardo Mit einem Bauchklatscher in den Red-Bull-Pool begann die After-Race-Party von Daniel Ricciardo beim Monaco-Grand-Prix 2018 Weitere Formel-1-Videos Was macht die Formel 1? Nach dem Großen Preis von Australien verfiel man in Panik, als stünde der Weltuntergang bevor, getrieben von Heerscharen von vernichtenden Presseurteilen und verärgerten Fans. Purer Aktionismus. Hauptsache etwas dafür tun, dass es niemals wieder so ein langweiliges Rennen geben würde. Zwar sind die Regeländerungen, die diesmal für 2019 angedacht sind, weniger destruktiv als manche Reaktionen aus der Vergangenheit, aber ich kann Christian Horners Kritik nachvollziehen: Es wirkt wie eine Kurzschlussreaktion.Immer actionreicher, immer chaotischer, immer unberechenbarer: Genau mit diesen Vorgaben hat sich die Formel 1 zu Beginn dieses Jahrzehnts zu einer Karikatur ihrer selbst entwickelt. Die desaströsen Bröselreifen haben von 2011 bis 2013 die Rennen teilweise in einen Zirkus ausarten lassen, der mit Sport nicht mehr viel zu tun hatte. Zum Glück hat man da mittlerweile einen Kompromiss gefunden, mit dem man leben kann, bei dem ich als Fan des puristischen Motorsports aber noch immer mit der Nase rümpfe. Wenn auch weniger als zu Pirellis schlimmsten Zeiten (wofür Pirelli nichts konnte, weil es so bestellt wurde).Doch wie kommen solch unpopuläre Maßnahmen zustande? Genau wegen diesem Gehabe mit der angeblichen Formel Langeweile. "Dieses Rennen war todlangweilig, es muss sich unverzüglich etwas tun!" Das hat uns DRS und Co. eingebrockt. Ja, wir, das nimmer zufriedene Publikum, sind mit schuldig, dass sich die Formel 1 immer wieder in Dinge verrennt, die einfach lächerlich sind. Etwa, dass man mit dem Reifen das Rennen beginnen muss, mit dem man in Q2 die schnellste Runde gefahren ist, sofern man ins Q3 kommt. Fotos: Grand Prix von Monaco Fernando Alonso (McLaren) und Stoffel Vandoorne (McLaren) In nicht allzu ferner Vergangenheit wurden 24-Stunden-Rennen mit mehreren Runden Vorsprung gewonnen. Es gab Grand-Prix-Siege mit einer Minute Vorsprung und Startaufstellungen, in denen der zweiten Startreihe bereits eine Sekunde auf die Spitze fehlte. Oder in denen die ersten Überrundungen in Runde zehn anstanden. Alles gar nicht so lange her. Und irgendwie schwärmen wir jetzt doch wieder von den guten, alten Zeiten. Weil es doch irgendwo ehrlicher war.

Ich hielt die Formel 1 2017 für eine wirklich tolle Show, weil sie wieder genau diese Ehrlichkeit gegenüber den Vorjahren gewonnen hatte. Dieses Jahr hat uns leider Halo die Lust ein bisschen verbaut, aber über den sportlichen Unterhaltungswert kann man sich meines Erachtens wirklich nicht beschweren. Und wir alle wissen, dass Spanien und Monte-Carlo Langeweiler sind. In Kanada wird das alles schon wieder ganz anders aussehen, da gehe ich jede Wette ein. Und selbst wenn nicht, manchmal ist es halt so. Aber es wird auch wieder spannende Rennen geben, da braucht es keine panischen Regeländerungen. Wir sollten den Dingen einfach mal ihren Lauf lassen.

Motorsport kann langweilig sein. Das muss er auch. Denn wo kämen wir hin, wenn jedes Rennen ein monumentaler Thriller wird? Wir wären schnell übersättigt und würden uns abwenden. Nur dank Langeweilern können wir die spannenden Rennen doch wirklich genießen. Wenn wir es nicht akzeptieren können, dass es Rennen mit wenig Action geben muss, sollten wir uns als Gesellschaft ernsthaft hinterfragen.

Herzlichst, IhrÜbrigens: Motorsport-Total.com-Chefredakteur Christian Nimmervoll vertritt einen ähnlichen Standpunkt. Warum der Monaco-Grand-Prix in seiner jetzigen Form bleiben muss, diskutiert er mit den Moderatoren von 'meinsportradio.de' in einer Spezialausgabe des Formel-1-Magazins 'Starting Grid'.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von DeLaGeezy » 30.05.2018, 18:32

Danke für diesen Artikel :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von Dr_Witzlos » 30.05.2018, 18:36

Ich habe eine einfache Idee. Macht das Rennen ohne Wertung und labelt es als klassiker wo teile probiert werden dürfen.

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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von turbocharged » 30.05.2018, 18:42

Was für ein absoluter Quatsch.
Es ist ja nicht so, dass langweilige Rennen die Ausnahme sind, sondern in den letzten Jahren leider die Regel. Die ersten drei Teams fahren quasi in einer anderen Serie. Die letzten Jahre war sogar zwischen den drei Teams noch eine so große Lücke, dass sie sich nichtmal selber geärgert haben. Immerhin das bleibt uns dieses Jahr erspart.

Es ist quasi unmöglich einem anderen Auto zu folgen. Wenn man, streckenabhängig, nicht mindestens 1-2 Sekunden schneller ist, braucht man ans Überholen gar nicht erst denken. In Monaco waren es sogar 4 Sekunden. Und wenn doch mal einer Überholen kann, dann wartet er gemütlich auf die DRS Zone und fährt gemütlich vorbei. DRS hilft sowieso dabei die Rennen langweiliger zu machen, weil im Endeffekt jeder irgendwann da landet, wo er mit seiner normalen Pace hingehört.

Ein weiteres Problem sind die Reifen. Man könnte teilweise ohne Stopp durchfahren. Dank der Reifenregel werden es immerhin Einstopprennen. Grandios spannend! Danke an die Leute, die sich unkaputtbare Reifen zurückgewünscht haben. Wirklich, Danke. Man kann sagen was man will, aber 2012 war an Spannung und Abwechslung kaum zu überbieten.

Und zu guter Letzt: Nein, langweilige Rennen müssen nicht sein!
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von FlavioDerBriatore » 30.05.2018, 18:44

:facepalm: :wall: So ein Beitrag (Heiko Stritzke) hat noch gefehlt ...

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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von CrAzyPsyCho » 30.05.2018, 18:56

Mal ein langweiliges Rennen ist ja ok. Aber leider gibt es viele Strecken auf denen Überholen kaum möglich ist.
Das ist sehr schade für den Zuschauer. Noch besteht allerdings Hoffnung, dass es 2019 besser wird. Natürlich ausgenommen Monaco.

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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von Rundumlicht » 30.05.2018, 19:26

Redaktion hat geschrieben:Motorsport kann langweilig sein. Das muss er auch. Denn wo kämen wir hin, wenn jedes Rennen ein monumentaler Thriller wird? Wir wären schnell übersättigt und würden uns abwenden. Nur dank Langeweilern können wir die spannenden Rennen doch wirklich genießen. Wenn wir es nicht akzeptieren können, dass es Rennen mit wenig Action geben muss, sollten wir uns als Gesellschaft ernsthaft hinterfragen.
Bei "übersättigt" fällt mir ein nichtmal abwegiges Gleichnis ein:
Premium-Essen im Restaurant kann und muss also auch mal langweilig sein?
Sonst genießt man gutes Essen ja nicht und würde sich völlig logisch vom teuren Essengehen abwenden?

:wall:

Eher wende ich mich vom Essen mit Premiumanspruch ab, wenn ich mehrmals viel Geld für langweilige Kost bezahlt habe. Zumindest wechsle ich doch das Restaurant.

Hier wird nicht berücksichtigt, dass diese von vornherein langweiligen Grand Prix den gleichen Premium-Anspruch haben, wie spannende. Wieso ist ein Premiumprodukt erst wirklich zu genießen, wenn es auch aufzeigt, wie schlecht es sein kann? Ich kann dem absolut nicht folgen.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von Peter Revson » 30.05.2018, 19:41

Redaktion hat geschrieben:Sind wir eigentlich mittlerweile eine Fangemeinde von Schlechtrednern, Panikmachern und Dauernörglern geworden?
Offensichtlich, wenn man sich die Kommentare hier im Forum zu eigentlich allem ansieht.
Mir gefällt die aktuelle F1 im Großen und Ganzen.
Auch 2017 war sehr spannend.

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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von petar.77 » 30.05.2018, 19:54

Mal an alle die dieselbe Meinung vertreten wie der Autor dieses Artikels: ja es gibt langweilige Rennen, allerdings sind die wütenden Fans nicht sauer aufgrund eines GPs, sondern aufgrund der Tatsache, dass die bisherigen spannenden GPs großteils nicht wegen der Autos und Fahrer spannend waren, sondern aufgrund von Crashes oder ungewollten/unkontrollierbaren Ereignissen. Was ich damit sagen möchte, ist dass die FIA Vorsitzenden, das Team von Liberty und das FOM sich mal Gedanken machen sollten, wie man jedem GP die MÖGLICHKEIT gibt spannend zu sein. Wenn diese Möglichkeit gegeben ist, wird keiner mehr jammern. Wenn wir allerdings bei status quo verbleiben, und Autos mit soviel aerodynamischer Effizienz, und Strecken mit Kaufhausparkplätzen als Auslaufzonen haben, dann soll sich KEINER über die Kritiker ärgern. Der Clou, und somit die Hauptaufgabe ist jetzt der Formel 1 ab 2021 eine neue Richtung zu geben: mehr Straight-Line-Speed, weniger Abtrieb, lange Bremswege und harte Zweikämpfe. Erst wenn die Oberhäupter mal auf die Fans hören, welche letztendlich auch das Geld einbringen, und nicht auf Zetsche, Marchionne und Mateschitz, wird die F1 wieder spannend und auch populär werden.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von petar.77 » 30.05.2018, 19:57

turbocharged hat geschrieben:Was für ein absoluter Quatsch.
Es ist ja nicht so, dass langweilige Regel die Ausnahme sind, sondern in den letzten Jahren leider die Regel. Die ersten drei Teams fahren quasi in einer anderen Serie. Die letzten Jahre war sogar zwischen den drei Teams noch eine so große Lücke, dass sie sich nichtmal selber geärgert haben. Immerhin das bleibt uns dieses Jahr erspart.

Es ist quasi unmöglich einem anderen Auto zu folgen. Wenn man, streckenabhängig, nicht mindestens 1-2 Sekunden schneller ist, braucht man ans Überholen gar nicht erst denken. In Monaco waren es sogar 4 Sekunden. Und wenn doch mal einer Überholen kann, dann wartet er gemütlich auf die DRS Zone und fährt gemütlich vorbei. DRS hilft sowieso dabei die Rennen langweiliger zu machen, weil im Endeffekt jeder irgendwann da landet, wo er mit seiner normalen Pace hingehört.

Ein weiteres Problem sind die Reifen. Man könnte teilweise ohne Stopp durchfahren. Dank der Reifenregel werden es immerhin Einstopprennen. Grandios spannend! Danke an die Leute, die sich unkaputtbare Reifen zurückgewünscht haben. Wirklich, Danke. Man kann sagen was man will, aber 2012 war an Spannung und Abwechslung kaum zu überbieten.

Und zu guter Letzt: Nein, langweilige Rennen müssen nicht sein!
Gute Worte, und keine Kritik meinerseits! Wenn mal die FIA, Liberty und FOM nicht auf Zetsche, Marchionne und Mateschitz hören, wird es vielleicht wieder ein 2012 geben. Tut man dies allerdings nicht, sehe ich in naher Zukunft leider keine signifikanten Besserungen..
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von schumi791 » 30.05.2018, 20:02

turbocharged hat geschrieben:Was für ein absoluter Quatsch.
Das ist überhaupt kein Quatsch, sondern die traurige Wahrheit.
Dieses ständige Schlechtreden nach nur einem einzigen Rennen ist an Lächerlichkeit doch nicht mehr zu überbieten. Noch dazu ist es absolut paradox sich über zu wenige Überholmanöver zu beschweren, wenn ein Rennen auf einer Strecke stattfindet bei der Aufgrund der Charakteristik Überholmanöver generell schwierig sind. Immerhin geht es in diesem Fall um Monaco! Die Überholproblamtik ist doch auf dieser Strecke so alt wie die Formel 1 selbst. Allein mit dieser Erwartungshaltung viele Überholmanöver auf einer Strecke wie Monaco zu sehen, ranzugehen ist doch einfach, Entschuldigung, vollkommen dämlich.

Es besucht doch auch kein Mensch ein Fußballspiel mit der Erwartungshaltung, dass genauso viele Tore wie bei einem Handballspiel fallen.
Es ist ja nicht so, dass langweilige Regel die Ausnahme sind, sondern in den letzten Jahren leider die Regel.
Nun aktuell haben wir drei wirklich gute Rennen gehabt und dem gegenüber stehen drei mäßige bis langweilige Rennen. Das ist jetzt keine wirklich schwache Quote im Vergleich zu früheren Saisons. Darüber hinaus überwiegen bei Dominanzen langweilige Rennen grundsätzlich, dass war auch schon vor der RedBull/Mercedes-Dominanz so. Die Saison 1992 dürfte mit einem dominierenden Mansell, der locker von Rekord zu Rekord fährt, auch kein Riesenknaller gewesen sein und das ist nur ein Beispiel.
Die ersten drei Teams fahren quasi in einer anderen Serie. Die letzten Jahre war sogar zwischen den drei Teams noch eine so große Lücke, dass sie sich nichtmal selber geärgert haben. Immerhin das bleibt uns dieses Jahr erspart.
Sorry, aber auch dieses Phänomen ist in der Formel 1 absolut nicht neu und kam im Laufe der Jahrzehnte durchaus häufiger vor. 1952/53 gab es schon eine Dominanz durch die Kombination Ascari/Ferrari, 1959/60 waren die Cooper die Autos die es zu schlagen galt. Mclaren und Williams standen genauso wie später Ferrari, RedBull und Mercedes eine ganze Zeit lang ganz allein unangefochten an der Spitze und konnten ebenfalls nur von einem maximal zwei Teams herausgefordert werden.
Es ist quasi unmöglich einem anderen Auto zu folgen. Wenn man, streckenabhängig, nicht mindestens 1-2 Sekunden schneller ist, braucht man ans Überholen gar nicht erst denken. In Monaco waren es sogar 4 Sekunden.

Die Überholproblematik durch Dirty Air gibt es bereits viel länger. Das wurde schon moniert, als die Formel 1-Autos aerodynamisch nach heutigen Maßstäben noch sehr spartanisch aussahen. Trotzdem gab es einige Überholmanöver, an die wir uns heute noch erinnern und das ist heute immer noch so. Übrigens war es in Monaco schon immer so, dass du selbst mit einem wesentlich schnelleren Auto deinen Konkurrenten nicht überholen kannst, siehe Senna vs. Mansell 1992.
Und wenn doch mal einer Überholen kann, dann wartet er gemütlich auf die DRS Zone und fährt gemütlich vorbei. DRS hilft sowieso dabei die Rennen langweiliger zu machen, weil im Endeffekt jeder irgendwann da landet, wo er mit seiner normalen Pace hingehört.
Naja also Ricciardo hat alles andere als gemütlich gewartet, als er in China an Bottas vorbeigezogen ist und das obwohl er es sich durchaus hätte erlauben können. Davon abgesehen ist DRS nicht überall gleich ein Überholgarant, oder ist Bottas etwa durchs Feld gepflügt in Australien?
Ein weiteres Problem sind die Reifen. Man könnte teilweise ohne Stopp durchfahren. Dank der Reifenregel werden es immerhin Einstopprennen. Grandios spannend! Danke an die Leute, die sich unkaputtbare Reifen zurückgewünscht haben. Wirklich, Danke. Man kann sagen was man will, aber 2012 war an Spannung und Abwechslung kaum zu überbieten.
Genau das ist der Grund warum sich der Autor dieses Artikels zurecht aufregt. DRS ist künstlich und soll abgeschafft werden, aber die Bröselreifen von 2012 sind okay? Reifen die dazu konzipiert wurden schnell kaputtzugehen und sogar dafür gesorgt haben, dass Teams die Fahrer angewiesen haben einem Zweikampf aus dem Weg zu gehen und den Konkurrenten auf frischeren Reifen ziehen zu lassen, weil ansonsten der Zeitverlust noch größer gewesen wäre. Es ist verdammt gut so, dass dieses Reifenkonzept der FIA im wahrsten Sinne geplatzt ist.

Sich ausgerechnet die Bröselreifen von 2012/13 zurückzuwünschen, während sich gleichzeitig über die Formel Spar, bei der Benzin, Motoren & Co. gespart werden müssen, beschwert wird. Was glaubt ihr denn, haben die Teams/Fahrer 2012 und Anfang 2013 gemacht? Die Reifen mussten damals auch mit besonders schonender und ergonomischer Fahrweise über die Distanz gebracht werden, da war nichts mit Fahren am Limit.
Und zu guter Letzt: Nein, langweilige Rennen müssen nicht sein!
Doch, denn ohne langweilige Rennen, gibt es auch keine spannenden Rennen, weil diese sich nicht als solche herauskristallisieren können. Es werden auch wieder spannende Rennen kommen, schließlich war das bisher immer so.
Zuletzt geändert von schumi791 am 31.05.2018, 11:48, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von Cainium » 30.05.2018, 20:11

Ich glaube wir müssen mal über die Definition von "Spannung" reden.

Ich habe kein Problem damit wenn die ersten zwanzig Fahrer in Reihenfolge der Startaufstellung ins Ziel kämen.

Ich habe kein Problem wenn Team X 20 Sekunden Vorsprung auf die nächsten hat.

Ich habe ein Problem damit wenn ich das nach 10 Runden weiß (technische Ausfälle mal außen vor gelassen).

Ich habe weiterhin ein Problem damit wenn ich weiß dass eine Fahrer+Auto Kombination eigentlich signifikant schneller ist, aber aufgrund von Sprit/Reifen trotzdem keine Chance hat den schnelleren zu überholen.

Für mich bedeutet Motorsport: Die schnellste Fahrer/Fahrzeugpaarung soll gewinnen. Im Moment fühlt sich die F1 aber oftmals so an als würden eher äußere Faktoren den Rennausgang bestimmen und das dieser ohne diese Faktoren bereits nach Q3 feststeht. Es sieht beispielsweiße so aus als sind die Reifen weitestgehend ein Ratespiel. Wie öft hört man dass Team X die Reifen nicht ins Arbeitsfenster bekommen hat? Jedes Rennen aufs Neue? Das heißt für mich der Faktor "Glück" ist deutlich stärker vertreten als er sein müsste.

Allgemein fühle ich mich aber gut unterhalten, sonst würde ich keine F1 gucken oder darüber diskutieren.

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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von KeepFighting123 » 30.05.2018, 20:32

Mir fehlen die Worte...

Und ich dachte immer wir schauen alle Formel 1 wegen der Action ... sonst kann auch meinem Rasen beim Wachsen zusehen.

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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von bolfo » 30.05.2018, 21:16

Ich bin gespaltener Meinung.
Redaktion hat geschrieben: Sind wir mittlerweile als Gesellschaft so weit verkommen, dass wir in jedem Rennen immer Action, Action, Action brauchen und wenn nicht virtuell unser Geld zurückfordern? Dass jedes Rennen noch besser, noch packender und noch dramatischer sein muss als der Vorgänger? Mehr, mehr, mehr und wenn einmal weniger ist, dann geht die Welt unter. Eine Dekadenz, die leider in vielen Bereichen zu sehen ist: Finanzmärkte, TV-Shows, Sport.
Ja, zu so einer Gesellschaft sind wir verkommen. Da stimme ich 100%ig zu. Es muss immer mehr, mehr und noch mehr sein, und wenns mal nicht eintritt, wird genörgelt. Die Folgen davon sind blinder Aktionismus. So denken die Leute heute.

Dennoch soll man auch Kritik anbringen dürfen, wo Kritik hingehört. Ja, es gab früher auch mega langweilige Rennen. Da stimme ich 100%ig zu. Nur sind heute viele Rennen langweilig, weils von Haus aus so gemacht ist. Und genau das wird von den Fans übersehen. Man nörgelt wegen der Langweiligkeit und fordert neue Autos, übersieht aber ganz, weshalb die F1 so langweilig ist: Wegen den finanziellen Unterschieden. Langweiligs ists doch, weil wir an JEDEM Wochenende dieselben Leute vorne haben. Langweilig ist, dass nach dem Top-6 alle anderen mit 1,5 Sekunden hinterher hinken. Langweilig ist, dass Leute wie Hülkenberg, Alonso & Co. eine absolute WUNDERRUNDE hinlegen können, und dennoch nicht besser als 7. werden.

Schon in den 90ern gabs irrsinnig langweilige GPs. Interessant waren aber dennoch die Ausgänge. 1994 hats in Monaco doch auch kaum Überholmanöver gegeben. Brundles sensationeller 2. Platz war aber sehenswert, ebenso die Tatsache, dass mit De Cesaris ein Ersatzfahrer Vierter wurde. Die Spannung definierte sich damals weniger über die Anzahl Überholmanöver, sondern über die Tatsache, dass man VOR dem Rennen NULL Ahnung hatte, wie der Rennausgang sein würde. Man schaue sich dazu z:b. die Startaufstellung an. In den Top 10 waren Benetton, Williams, Ferrari, Footwork, McLaren, Minardi und Tyrrell vertreten. Ein bunt gemischter Haufen, wo man vor der Quali NULL Ahnung hatte, was "hinter den grösseren" Leuten passieren würde. Logisch, Schumacher und Williams waren die Favoriten. Aber man wusste nicht, wer sich da noch reindrängen könnte.

Und heute? Man weiss einfach ALLES. Die Medien haben längst berichtet, wer nach Auswertung der GPS-Daten die Nase vorne haben sollte. Man weiss selbst, dass die Top-6 von den grossen 3 eingenommen wird. Man weiss selbst, dass wohl ausnahmslos alle Fahrer das Ziel sehen werden, wenn sie keine Fehler machen. 1994 gabs noch 7 technische Defekte. 4 Leute schieden doch Kollisionen aus. Am Ende also ein recht spannender Monaco-GP, ohne dass es wirklich Überholmanöver gab (wo denn auch??).

All das wurde aber nun den Fans weggenommen. Es sind nicht die Überholmanöver, die fehlen, und es sind auch nicht die 2m breiten Autos, die es auch 1994 schon gab. Nein, es ist die UNVORHERSEHBARKEIT, die genommen wurde. Zu klar sind die Kräfteverhältnisse, zu viel weiss man über die Performance der Leute (GPS-Daten), zu wenig Ausfälle gibt es. DAS sind die Probleme. Stattdessen diskutieren wir aber darüber, DRS zu montieren oder ob man Halo braucht oder nicht. Dadurch wurde der Sport aber nicht besser. Man hat nur rumgeflickt, anstatt wirklich mal Lösungen zu bringen. Und die Lösung heisst: Möglichst Chancengleichheit und Unvorhersehbarkeit.
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Re: Kolumne: Langweilige Rennen müssen sein!

Beitrag von Hyeson » 30.05.2018, 21:25

Ich würde die F1 als Ganzes nach dem Rennen auch nicht kritisieren. Ich kann auch Problemlos mit einigen zähen Rennen leben... mag sogar Rennen die über die Strategie entschieden werden.

Wenn aber der Führende im Rennen im schnitt 30 km/h langsamer ist als der 2te, der immer wieder ne halbe Sekunde dahinter hängt aber nicht vorbeikommt, dann sollte man Kritik an der Strecke (und darum geht's) durchaus mal überdenken.

Seit dem Wochenende wird Kritik am Überholproblem in Monaco mit "es ist Monaco, da kann man nicht überholen" abgewürgt....
...aber genau das ist doch die Kritik o.O

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