Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Kommentiere hier die Kolumnen unserer Formel-1-Experten

Moderatoren: News&Rennen, News & Rennen Moderatoren, Mods, Redaktion

Redaktion
Rennsportlegende
Rennsportlegende
Beiträge: 5946
Registriert: 12.09.2007, 17:33

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon Redaktion » 30.05.2016, 07:25

Sainte Devote ist nicht Eau Rouge: Chefredakteur Christian Nimmervoll kritisiert, dass der Safety-Car-Start in Monaco den Grand-Prix-Sport entmannt hat

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leser,

ganz klar: Daniel Ricciardo, so stinksauer, wie er gestern nach dem Rennen (völlig zurecht) war, wird keine ruhige Nacht gehabt haben. Denn entweder konnte er nicht einschlafen, weil er sich über den zweiten geraubten Sieg binnen zwei Wochen zu Tode geärgert hat, oder aber er hat seinen Frust im Jimmy'z in Monte Carlo runtergeschluckt. Und dort geht es am Sonntagabend nach dem Grand Prix bekanntlich selten beschaulich zu.

Aber der wahre Verlierer des Wochenendes ist für mich diesmal der Sport. Oder, um es für das Konzept dieser Kolumne in einen Namen zu pressen: Charlie Whiting. Zugegeben, es ist populistisch, den Mann zu kritisieren, dessen Job es als FIA-Rennleiter ist, die Sicherheit für alle Beteiligten sicherzustellen. Eigentlich liegt mir das fern. Aber andererseits muss man festhalten: In Monaco wurde uns möglicherweise ein noch tollerer Grand Prix gestohlen.

25 Minuten vor dem Rennstart meinte einer meiner Kollegen, in weiser Vorahnung: "Bei der Menge Regen riecht das nach Safety-Car-Start." Ich verneinte: "Das glaube ich nicht. Und wenn, dann sind sie echt feige." Dass Sicherheit über alles geht, kann ich nachvollziehen. Keine Diskussion: Wenn 22 Formel-1-Autos bei strömendem Regen in Spa-Francorchamps mit 300 km/h auf eine Kurve wie Eau Rouge zurasen, dann macht ein Safety-Car-Start Sinn. Aber in Monte Carlo?

Der Weg bis zur ersten Kurve (nach einer Kirche Sainte Devote benannt) ist nicht weit genug, um richtig schnell dort anzukommen - schon gar nicht, wenn die Räder am Start wegen der nassen Fahrbahn durchdrehen. Und selbst wenn es in Sainte Devote kracht, ist das Verletzungsrisiko aufgrund der geringen Geschwindigkeit in der ersten Runde und des hohen Sicherheitsstandards der Autos und Streckensicherung überschaubar.

Bei den letzten Monaco-Regenschlachten, an die ich mich gut erinnern kann, 1996 und 1997, regnete es viel stärker. Trotzdem ging alles gut aus. Dem 1996er-Rennen haben nicht nur wir gerade ein großes Special gewidmet, 20 Jahre später. Weil nur vier Autos im Ziel waren. Legendär! Aber wie soll dieser Stoff, wie sollen diese Heldengeschichten produziert werden, wenn die Helden mit den Situationen, die sie zu Helden machen, gar nicht mehr konfrontiert werden?

Whiting steckt in einem Dilemma. Einerseits muss er die Sicherheit immer ganz vorne anstellen, ohne Kompromisse. Gar nicht auszudenken, wie laut Kolumnisten wie ich schreien würden, wenn ein Regenrennen ohne Safety-Car gestartet wird und dann stirbt ein Fahrer bei einem Startunfall. Andererseits schreien wir Kolumnisten aber auch, wenn der Sport entmannt wird und beim geringsten Anflug von Risiko Bernd Mayländer zum Einsatz kommt.

"Noch mehr Runden. Ich weiß nicht, worauf die warten. Wollen sie warten, bis die Strecke trocken ist? Ich verstehe das nicht. Das ist kein Racing", schimpfte Marc Surer im Live-Kommentar bei 'Sky'. Und Surer ist kein Experte, der irgendwas daherplaudert, was er kurz davor auf unserem Portal gelesen hat (solche gibt's nämlich auch). Nein, der Schweizer war 1984 selbst bei jener legendären Monaco-Regenschlacht dabei, die heute als Geburtsstunde von "Magic" Senna gilt.

Sebastian Vettel sieht das anders: "Es war die richtige Entscheidung. Aber man kann darüber debattieren, ob es zwei oder drei Runden früher reinkommen hätte sollen." Nachsatz: "Ich finde, es war okay so." Eigenen Angaben nach konnte er wegen der Gischt "nicht einmal den Hügel rauf richtig sehen, geschweige denn die Autos weiter hinten". Und die Reifen hatten nur 30 bis 35 Grad. Bedingungen, in denen Fehler passieren.

Aber ein Fehler etwa in der Loews-Haarnadel in Monaco tut weit weniger weh als ein Abflug im Kubica-Style bei 300+ km/h in Kanada, weshalb das Risiko eines stehenden Starts meiner Meinung nach durchaus gerechtfertigt gewesen wäre. Niemand hätte sich wehgetan, aber die Formel 1 hätte im Vergleich zu den Gladiatoren auf der Nordschleife, beim 24-Stunden-Rennen, oder beim Indy 500 nicht wie Weichei-Sport ausgesehen. Das bleibt bei vielen Fans haften.


Fotostrecke: GP Monaco, Highlights 2016

Der Bann ist gebrochen: Lewis Hamilton gewinnt nach acht sieglosen Rennen wieder einen Grand Prix, seinen ersten in Monaco seit 2008. Daniel Ricciardo fühlt sich "gefickt", weil ihm Red Bull den zweiten Sieg hintereinander kostet. Und Sergio Perez strahlt: "Ich wusste, dass Monaco im Regen eine Gelegenheit ist, mein Talent zu zeigen."

Der Bann ist gebrochen: Lewis Hamilton gewinnt nach acht sieglosen Rennen wieder einen Grand Prix, seinen ersten in Monaco seit 2008. Daniel Ricciardo fühlt sich "gefickt", weil ihm Red Bull den zweiten Sieg hintereinander kostet. Und Sergio Perez strahlt: "Ich wusste, dass Monaco im Regen eine Gelegenheit ist, mein Talent zu zeigen."

Charlie Whiting ist eigentlich kein Verlierer des Monaco-Wochenendes. Ich habe allergrößten Respekt vor ihm und schätze seine Arbeit. Aber diese Kolumne hat eben ein bestimmtes Format. Und das musste ich dringend mal loswerden...

Wer sonst noch schlecht geschlafen hat:

Daniel Ricciardo und das Red-Bull-Team: Falsche Reifen parat gelegt, weil der Kommandostand in Monaco nicht ebenerdig, sondern im ersten Stock ist. Wirklich, Red Bull? Zum zweiten Mal hintereinander Daniel Ricciardo einen sicheren Sieg gestohlen. Das einstige Erfolgsteam entwickelt im Weltmeister-Tempo, stellt sich in Sachen Rennumsetzung derzeit aber ziemlich dilettantisch an. Ich wette: Hätte Maurizio Arrivabene gestern Abend Ricciardo zu sich gerufen, der hätte den Ferrari-Vertrag für 2017 im akuten Frust sofort unterschrieben.

Max Verstappen: Den 18-Jährigen müssen wir gesondert betrachten. Wir sind uns einig, dass ihm der Sieg in Barcelona von Red Bull geschenkt wurde. Wegen Ricciardos Strategiefehler. Was seine Leistung nicht entwerten soll. Aber in Monaco ist das Wunderkind brutal auf dem Boden der Tatsachen gelandet: Crash (Fahrfehler) im dritten Freien Training, Crash (Fahrfehler) im Qualifying, Crash (Fahrfehler) im Rennen. In Sachen Tempo machte er gegen Ricciardo keinen Mucks. Hätte er davor nicht Barcelona gewonnen, sondern wäre er ein Rookie gewesen, hätten viele gesagt: Die Formel 1 kommt noch zu früh.

Nico Rosberg: Daimler-Boss Dieter Zetsche hat vor dem Start in Barcelona gesagt: "Die Nervosität wächst, wenn der Abstand dann schmelzen sollte." In der ersten Kurve in Barcelona war Nico Rosbergs Welt noch in Ordnung. Nach der dritten nicht mehr. Und dass es für den katastrophalen Speed im Grand Prix von Monaco noch keine plausible technische Erklärung gibt, lässt den WM-Leader nicht gut aussehen. Gut möglich, dass diese beiden Rennen nach seinem Traumlauf von sieben Siegen hintereinander der Wendepunkt der WM 2016 waren.

Monisha Kaltenborn: Die Österreicherin kämpft hinter den Kulissen jeden Tag um das Überleben des Sauber-Teams. Wenn nicht bald ein Wunder geschieht (oder die EU-Kommission früher als erwartet als "Robin Hood" einschreitet), ist Hinwil in ein paar Wochen Geschichte. Dass sich dann auch noch die beiden Fahrer trotz Positionsabsprache gegenseitig in die Karre fahren, ist denkbar unglücklich. Management-Fehler Kaltenborn? Nein. Dafür müssen sich die Herren Ericsson und Nasr schon selbst an die Nase fassen.

IhrChristian Nimmervoll

PS: Folgen Sie mir oder meinen Kollegen auf Twitter unter @MST_ChristianN!


Link zum Newseintrag
Zuletzt geändert von Redaktion am 20.06.2016, 16:07, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: EXT TRIGGER

Benutzeravatar
Comment
Weltmeister
Weltmeister
Beiträge: 2711
Registriert: 28.10.2010, 08:41
Wohnort: Zu Hause

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon Comment » 30.05.2016, 07:59

Daniel Ricciardo wird gut geschlafen haben, der hat sein Bestes gegeben, an ihm lag es nicht, dass Red Bull gestern so einen Bock geschossen hat. Da dürfte der Horner wohl schlechter geschlafen haben, das ganze geht ganz klar auf seine Kappe, der muss die Mannschaft im Griff haben, solche Fehler dürfen nicht passieren, das muss besser werden. Immerhin ist es ein Weltmeisterteam, die müssen wissen wie das geht. Da gibt es keine Ausreden.

Für mich hat Horner am schlechtesten geschlafen.
No Comments pls.

abloo
Vize-Weltmeister
Vize-Weltmeister
Beiträge: 1503
Registriert: 20.08.2011, 18:34

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon abloo » 30.05.2016, 08:21

Comment hat geschrieben:Da dürfte der Horner wohl schlechter geschlafen haben, das ganze geht ganz klar auf seine Kappe, der muss die Mannschaft im Griff haben, solche Fehler dürfen nicht passieren, das muss besser werden. Immerhin ist es ein Weltmeisterteam, die müssen wissen wie das geht. Da gibt es keine Ausreden.

Für mich hat Horner am schlechtesten geschlafen.


Naja zum Thema Mannschaft im Griff passt die Kaltenborn besser... Verweigerte Stallorder plus Teamkollision, und dann hörte man von Alex Wurz das die wahrscheinlich nichtmal nen ordentlichen Anschiss bekommen werden weil sie beide das Team durchs Geld am Überleben halten...

Das ist doch mehr verkehrte Welt als bei Horner und RedBull.

Benutzeravatar
FU Racing Team
Vize-Weltmeister
Vize-Weltmeister
Beiträge: 2043
Registriert: 04.05.2015, 13:06
Lieblingsfahrer: HAM, MSC, RIC, HULK
Lieblingsteam: BMW Sauber, Mercedes, McLaren

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon FU Racing Team » 30.05.2016, 08:56

Die heutige Kolumne finde ich sehr gut. Kann ich alles nachvollziehen.

Auch ich fande die vielen SC-Runden am Anfang unnötig und kontraproduktiv. Aber dann entwickelte sich Monaco ja Gott sei Dank zu einem guten und spannenden Rennen!

Ricciardo hat aber auch in meinen Augen nicht so schlecht geschlafen, und zwar aus zwei Gründen: zum ersten hat er sich ordentlich Luft gemacht, indem er seine Enttäuschung und auch seine Kritik öffentlich vermittelt hat.
Zum zweiten hat er das Supertalent Max Verstappen am diesem WE in seine Schranken verwiesen. Ric hatte keinen Fahrfehler so wie Verstappen drei an der Zahl. Und vom Speed her war Ric eine andere Welt. Das sollte ihn beruhigen. Den Sieg hat ihm sein eigenes Team verdorben und das weiß RedBull ja. Ric hat nicht gepatzt, so steht er teamintern gut da. Jeder, auch wir, wissen, was er kann. Hoffentlich bekommt er bald wieder eine Chance auf einen Rennsieg, die dann nicht vom Team verspielt wird!
"Okay Lewis, it`s Hammertime!" :domokun:

Benutzeravatar
Rundumlicht
Renningenieur
Renningenieur
Beiträge: 531
Registriert: 05.10.2013, 19:17

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon Rundumlicht » 30.05.2016, 09:55

Redaktion hat geschrieben:Aber der wahre Verlierer des Wochenendes ist für mich diesmal der Sport. Oder, um es für das Konzept dieser Kolumne in einen Namen zu pressen: Charlie Whiting.

:thumbs_up: Das waren exakt meine Gedanken, als Runde um Runde hinter dem Safety-Car absolviert wurde.
Ich dachte sogar: "Langsam muss doch mal Schluss sein mit diesen alten Männern in Entscheidungspositionen der Formel 1."

Einen Start hinterm SC kann ich ja noch nachvollziehen, der stehende Start birgt mehr Unfallpotential.
Aber die Freigabe zum Racing hätte genauso gut schon nach ein/zwei Runde/n erfolgen können. Das wäre angesichts der Reifentemperaturen sogar sicherer gewesen. Die Strecken- und Sichtverhältnisse haben sich in dieser endlosen Zeit des SC auch gar nicht verändert, weil die Fahrer nicht die Idellinie frei fuhren, sondern versetzt oder Zickzack fuhren und die Gischt zwischen den Mauern eh nicht weg konnte.

Völlig übertrieben und sinnlos, Herr Whiting. Auch meine Meinung. :thumbs_down:
Racing is nothing without fans.

Benutzeravatar
motorsportfan88
Rennsportlegende
Rennsportlegende
Beiträge: 4323
Registriert: 19.03.2015, 19:16
Lieblingsfahrer: Hamilton, Senna
Lieblingsteam: McLaren

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon motorsportfan88 » 30.05.2016, 10:19

Comment hat geschrieben:Daniel Ricciardo wird gut geschlafen haben, der hat sein Bestes gegeben, an ihm lag es nicht, dass Red Bull gestern so einen Bock geschossen hat. Da dürfte der Horner wohl schlechter geschlafen haben, das ganze geht ganz klar auf seine Kappe, der muss die Mannschaft im Griff haben, solche Fehler dürfen nicht passieren, das muss besser werden. Immerhin ist es ein Weltmeisterteam, die müssen wissen wie das geht. Da gibt es keine Ausreden.

Für mich hat Horner am schlechtesten geschlafen.


Das würde ich 1 zu 1 Unterschreiben!

Benutzeravatar
Rennsemmel
Weltmeister
Weltmeister
Beiträge: 3417
Registriert: 14.05.2007, 13:36
Lieblingsfahrer: der Typ aus Oviedo
Lieblingsteam: McLaren

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon Rennsemmel » 30.05.2016, 10:47

Was will man auch von einer Rennleitung erwarten die es zulässt einen Justin Bieber ans Podium zu lassen ?
Die Formula 1 Rockstar Show für Teenager versucht derzeit aber auch alles die treuen Motorsport Fans zu vergraulen.
Lieber ein Sportwagen im Schlamm als ein Fahrrad mit Platten

Benutzeravatar
meanmc
Rennsportlegende
Rennsportlegende
Beiträge: 5763
Registriert: 01.01.2013, 14:29

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon meanmc » 30.05.2016, 11:08

Tja, wenn es um "schlecht schlafen" geht, müsste man auch Hülkenberg und Ferrari, vor allem Räikkönen, vielleicht gar Kywat und Palmer nennen...

Und wenn es um Verlierer geht - was ja nicht genau die Definition der Kolumne ist, soweit ich das verstanden habe, weshalb mir auch ein Rätsel ist, wieso Whiting hier genannt wird - müsste man wohl gar alle bis auf Hamilton, Perez und Alonso nennen - vielleicht noch Sainz jr.

Das gestern war ein recht seltsames Rennen, bei dem man nicht wirklich viel positives für die einzelnen Beteiligten finden kann.

Mercedes - Hamilton, und nicht das Team (soweit ich da den Fahrer verstanden habe), machte alles richtig, während Rosberg "Setup-Probleme" hatte und eines seiner schlechtesten Rennen überhaupt fuhr.
Somit, Rosberg steht für mich ganz oben auf der Liste - wobei ich, nicht wie manch anderer, nun bereits die WM-Wende sehe.
Rosberg hat Hamilton in der Quali geschlagen, und wird auch in Montreal wieder "an ihm dran sein".
Hamilton ist zwar Montreal Spezalist, aber Rosberg hat meist zu Saisonmitte einen Lauf - also da seh ich noch nicht in Stein gemeiselt, dass wir bald einen Hamilton in der WM-Führung sehen.
ABER, die 19 Punkte Verlust sollten Rosberg am schlechtesten schlafen lassen...

Ferrari - als erster Mercedes-Verfolger angetreten, mit Vettels Spruch "die Strecke sollte uns liegen" im Gepäck, wurde man letztendlich gar von Perez auf der Strecke geschlagen und holte nur Platz 4.
Räikkönen zeigte zudem wiedermal, dass er es in Monaco "einfach nicht drauf hat" und musste gar den zweiten Platz in der WM dank seines Fahrfehlers abgeben.
Also wenn die bei Ferrari gut schlafen, dann muss das wohl daran liegen, weil sie Kimi nach dem Rennen auf ner Party abgefüllt hat :D

Red Bull - gleich zweimal baute die Truppe gestern bei Ricciardo Mist. Führt man das Rennen mit einem guten Vorsprung an, sollte man grundsätzlich reagieren und nicht agieren - soweit möglich. Gestern war es möglich - sodass der erste Stopp vollkommen sinnfrei war. Es ist Monaco, Freunde... auf anderen Strecken wär das ja schon peinlich, aber in Monaco sollte man besser NICHT hinter einen Gegner zurückfallen!
Dass beim zweiten Stopp dann die Reifen nicht parat lagen, ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten.

Ricciardo hat heute sicherlich nicht gut geschlafen - er behielt sein Grinsen zwar dennoch zumeist nach dem Rennen, jedoch weiss er, und jeder andere, dass das Team ihm hier den Sieg geklaut hat. Da ist ein zweiter Platz oder die Dominanz von Verstappen (in Monaco) sicher kein Trost...

Und dass ihr neues Übertalent an diesem WE reichlich Schrott baute, sollte sowohl dem Niederländer zu denken geben, als auch sehe ich da manch einen Widerspruch teamseitig.

Williams - wie ich bereits vor einiger Zeit schrieb, hat auch Williams vom neuen Reglement 2014 soweit profitiert, dass sie sich "über diese Ära" auf einem "ordentlichen Platz" bewegen können.
Zeigt schon, wie blödsinnig diese neue F1 ist - es KANN sich recht wenig bewegen (im Feld)... mal von Totalausfällen wie einem "schlechten Antrieb, der weiterentwickelt werden darf" abgesehen...
Das Team "machte für 2014 einiges richtig", und profitiert selbst heute noch davon - sieht man gut daran, dass sie manches eben auch "nicht richtig machten"... jedes Jahr in Monaco zu bewundern.
Inzwischen wurden sie - in Mäuseschritten (seit 2014!!!) - eingeholt oder überholt...
Die schlafen generell sicher noch ordentlich, heute Nacht aber sicher nicht besonders gut!

(und generell zeigt Williams auch sehr gut die Schwächen der neuen F1 auf - es ist nämlich nicht nur Mercedes, die ihre Dominanz beinahe unangefochten behalten, sondern auch Williams hält ihre Position - nahezu - konstant aufgrund der neuen Regeln. Früher konnte man sowas "in einer Saison drehen" - heute brauchste dazu JAHRE!!!)

Force India - tja, es ist schon recht seltsam, dass man die beste Strategie wiedermal für Perez aufbewahrte. Jener schlief sicher wie ein Baby. Aber Hülkenberg muss doch zwangsläufig - trotz seines Manövers kurz vor Schluss - grübelnd eingeschlafen sein.
Mit einem sehr guten Quali distanziert er seinen TK deutlich, nur um dann im Rennen die falsche Strategie zu bekommen.

Der Rest...

Haas (, deren Fahrer) bringt sich wohl selbst um Punkte bzw. Räikkönen...
Palmer mit einem peinlichen Abflug - nach einem tollen Auftakt in Melbourne ging es fast nur bergab...
Kywat erneut mit einem Unfall - wie lange das wohl noch gut geht? Der Junge ist gut, aber es wäre nicht die erste vielversprechende Karriere die Red Bull zerstört...
Sauber - siehe Artikel... mit Abstand die Krönung des gesamten Wochenendes!!!

Zum Hauptthema (des Thread-Erstellers)

Ich würd sagen, dass der Sport schon SEHR lange "schlecht schläft" - das gestern war aber eher eine der "leichteren Schlafphasen".
Wieso? Weil man einiges auch RICHTIG machte - zb, dass man das VSC benutzte, und nicht auf das vollkommen alberne SC zurückgriff.
Bitte weiter so in Zukunft :thumbs_up:

Der Start - ja, natürlich ist sowas peinlich, wenn man die besten Fahrer der Welt bei solchen Bedingungen hinter dem SC starten lässt. Frag mich auch, wieso einige Fahrer da stets rumheulen... sorry!
Dass man das Rennen dann erst in Runde 7 (?) startete, war natürlich auch zu spät - aber ich hab es weit schlimmer erwartet... somit fand ich es vollkommen unnötig, hatte aber mit schlimmeren gerechnet.

Generell muss sich die F1 einfach mal endlich fragen "Wo sie hinwill"...

Ich denke (und hoffe) "sie" hat inzwischen kapiert, dass sie sich durch eigenes Handeln ihrer Attraktivität beraubt.
Jene Baustellen sind so weitreichend, dass man dringend an einigen Arbeiten sollte...

Fazit:
Für mich bleibt Nico Rosberg jener, der am schlechtesten geschlafen hat!

Keine Pace im Rennen gehabt; TK durch TO den Sieg ermöglicht; schlechter Boxenstopp - dadurch Plätze verloren; an Alonso nicht vorbeigekommen; kurz vor dem Ziel noch 2 Punkte verloren...
Im Grunde 19 wertvolle Punkte "mal eben so" verschenkt!!!

Für Hamilton kann man sagen, dass sich gestern "das Pech der Saison" ausglich - Nico hat einfach nur unnötig fast die Hälfte seines Vorsprungs hergeschenkt!
Das würde mir schon zu denken geben...
Auch wenn ich da noch keinen Zusammenhang sehen möchte, dachte ich mir schon, dass der Crash von Barcelona eher Hamilton bevorteilt...
Jetzt ist Nico gefragt - mehr denn je...
(auf die aktuelle Formel1-Situation bezogen)
Dave Mustaine : "If there's a new way, I'll be the first in line (But it better work this time)"

eilert
Lollypop-Man
Beiträge: 45
Registriert: 04.09.2012, 13:35

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon eilert » 30.05.2016, 12:08

Dass man nach dem Start so lange hinter dem SC herfuhr, das ist die eine Sache und da kann man sich ja von mir aus über 2 oder 3 Runden zu viel echauffieren, aber wer will bitte auf der schmalen Straße einen fliegenden Start bei den Bedingungen? Da muss nur einer der Fahrer in den ersten zwei oder drei Reihen stehenbleiben und die Fahrer von hinten rasen da blind in der Geischt mit 100 km/h+ auf einer Straße, die maximal Platz für 3 Autos bietet auf einen zu.

Benutzeravatar
LoK-hellscream
Weltmeister
Weltmeister
Beiträge: 2903
Registriert: 29.06.2009, 14:54
Lieblingsteam: Williams
Wohnort: Österreich

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon LoK-hellscream » 30.05.2016, 12:49

eilert hat geschrieben:Dass man nach dem Start so lange hinter dem SC herfuhr, das ist die eine Sache und da kann man sich ja von mir aus über 2 oder 3 Runden zu viel echauffieren, aber wer will bitte auf der schmalen Straße einen fliegenden Start bei den Bedingungen? Da muss nur einer der Fahrer in den ersten zwei oder drei Reihen stehenbleiben und die Fahrer von hinten rasen da blind in der Geischt mit 100 km/h+ auf einer Straße, die maximal Platz für 3 Autos bietet auf einen zu.


:thumbs_up:

Genau meine Meinung. Und dann die erste Kurve, in der es bei Regen höchstwahrscheinlich kracht. Da geht es weniger um die Gefahr an sich, als auch um das Rennen. Wenn sich im schlimmsten Fall 3-6 Autos in der ersten Kurve eliminieren, dann hätten wir sicherlich nicht so ein spannendes Rennen gesehen. Ich bin ja auch für nen normalen Start, aber ich kann das durchaus nachvollziehen.

Benutzeravatar
schumi791
Vize-Weltmeister
Vize-Weltmeister
Beiträge: 1984
Registriert: 17.03.2009, 19:52
Lieblingsfahrer: Michael Schumacher
Lieblingsteam: Keine

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon schumi791 » 30.05.2016, 12:53

@meanmc

Ich stimme dir bei deinem Post, gerade im Bezug auf Rosberg, generell zu.

Ferrari schwimmen aktuell echt die Felle davon und gerade Vettel merkt man das auch an. Er sieht das es nicht vorwärts geht und erkennt auch die generelle Tendenz, dass Ferrari eher nach hinten schauen muss aktuell. Da ist irgendwie Sand im Getriebe.

Red Bull hat auf sehr dilettantische Art und Weise den Sieg verspielt. Gerade unter solchen Bedingungen, speziell in Monaco, musst du einfach hellwach sein. Bitter für Ricciardo ist es allemal. Nun schon der zweite Sieg den Ricciardo durch einen Fehler der Boxenmanschaft bzw. der Strategieabteilung verloren hat.

Verstappen musste heute erfahren das eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Hier zeigt sich dann auch, dass Monaco nachwievor die Spreu vom Weizen trennt und es noch ein langer Weg für Verstappen sein wird.

Was Williams angeht, stimme ich dir allerdings nicht zu. Zumindest was deine damit verbundene Kritik an der Formel 1 angeht. Immerhin hat Red Bull einen echten Sprung nach vorne gemacht und Ferrari verdrängt. Zumal die Williams auch immer weiter abgestürzt sind. Haben sie 2014 noch gefühlt zu wenig aus ihren Möglichkeiten gemacht, waren sie 2015 ja schon klar die 3 Kraft und sind nun gerade so noch die 4 Kraft. So dramatisch wie du es hier darstellst ist es also auch wieder nicht. Ein Team mit den Möglichkeiten von Mercedes konnte auch davor schon seine Dominanz über Jahre behalten. Siehe Ferrari oder Red Bull. Gerade 2003 hat man doch durch die Änderungen des Renn- und Qualifyingprozederes ansich, gezielt versucht die Ferrari Dominanz zu unterbinden, was ja auch funktioniert hat. Somit, ja, es ist schwieriger geworden einen Rückstand aufzuholen, aber unmöglich ist es dennoch nicht.

Was Force India bzw. Hülkenberg angeht. Nunja, dass die Strategie von Perez im Nachhinein die Bessere war, konnte man zu dem Zeitpunkt nicht ahnen und ich würde dem Team auch keinen Vorwurf machen. Immerhin wissen wir ja nicht woran genau es lag. Vielleicht hatte Hülkenberg auch einfach Verkehr nach seinem Wechsel auf Inters. Grundsätzlich ist die Entscheidung von Force India, Hülkenberg zuerst reinzuholen, ja vollkommen richtig gewesen. Diejenigen die im Vorfeld schon auf Inters unterwegs gewesen sind, waren ja zeitweise sogar schon schneller unterwegs als diejenigen die die Full Wets noch aufgezogen hatten.

Beim Rest bin ich aber wieder bei dir.
Zuletzt geändert von schumi791 am 31.05.2016, 11:08, insgesamt 1-mal geändert.
Michael Schumacher will always be the greatest!
http://www.youtube.com/watch?v=Ka5FCLy14Uw
1994, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004

Scorp!on
F1-Pilot
F1-Pilot
Beiträge: 1086
Registriert: 27.04.2010, 11:31

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon Scorp!on » 30.05.2016, 14:02

Rennsemmel hat geschrieben:Was will man auch von einer Rennleitung erwarten die es zulässt einen Justin Bieber ans Podium zu lassen ?
Die Formula 1 Rockstar Show für Teenager versucht derzeit aber auch alles die treuen Motorsport Fans zu vergraulen.


Neben dem Safety Car Start und dem RBR Pitstop das wohl peinlichste des ganzen Weekend.
Traurig, einfach nur traurig. Hab ausgeschaltet und fast angefangen zu heulen.
Sie haben die F1 definitiv kaputt gemacht, das gestern war nur Sinnbildlich dafür.

Benutzeravatar
Michael-KR
Rennsportlegende
Rennsportlegende
Beiträge: 8136
Registriert: 13.02.2008, 18:24
Lieblingsfahrer: Keiner! max. Stefan Bellof
Lieblingsteam: Keins

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon Michael-KR » 30.05.2016, 14:06

Rundumlicht hat geschrieben:Einen Start hinterm SC kann ich ja noch nachvollziehen, der stehende Start birgt mehr Unfallpotential.
Aber die Freigabe zum Racing hätte genauso gut schon nach ein/zwei Runde/n erfolgen können. Das wäre angesichts der Reifentemperaturen sogar sicherer gewesen. Die Strecken- und Sichtverhältnisse haben sich in dieser endlosen Zeit des SC auch gar nicht verändert, weil die Fahrer nicht die Idellinie frei fuhren, sondern versetzt oder Zickzack fuhren und die Gischt zwischen den Mauern eh nicht weg konnte.

Es gab Zeiten, da wurde selbst bei einem Sauwetter noch mit "stehendem Start" bei einem GP begonnen. Immerhin eins der wesentlichen Kennzeichen des Formelsports.

Den weitaus besseren Motorsport konnte man am Wochenende eh in der Eifel sehen.
DAS war Motorsport vom Feinsten und spannend bis zur letzten Runde, wo es nach knapp 24 Stunden noch einen Führungswechsel gab. :thumbs_up: :thumbs_up: :thumbs_up:

Und dann die Sache mit den stehenden Autos aufgrund der Eisplatten / des massiven Hagels - witzig dazu. :thumbs_up:

Benutzeravatar
Hoto
Rennsportlegende
Rennsportlegende
Beiträge: 8444
Registriert: 30.10.2009, 11:35
Lieblingsfahrer: Hülk, Alonso, Hamilton

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon Hoto » 30.05.2016, 14:17

Jo, das 24 Std. Rennen war cool, aber natürlich auch nicht mit der F1 vergleichbar.
Fan seit ~1980
Live F1 Zeitenmonitor (neuer Link!)

dampfplauderer
Streckenposten
Beiträge: 114
Registriert: 30.11.2012, 05:57
Lieblingsfahrer: Heinz-Harald,Seb,Kimi,Nico-H
Lieblingsteam: keines

Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Beitragvon dampfplauderer » 30.05.2016, 14:48

Für mich fehlt noch Sebastian Vettel, denn er ist die Saison als Gegner der Silberpfeile angetreten, jetzt wird er von seinem ehemaligen Arbeitgeber und sogar von Perez geschlagen. Ich sehe Parallelen zu der Alonso-Ferrari Zeit :sweat: :facepalm: :thumbs_down:
Weithin sollte Nico Hülkenberg auch mal über seine Zukunft nachdenken. Er galt als Super-Talent, jetzt wird er immer öfter von Perez geschlagen. Als Nummer 2 im Team wird es nichts mit einem Top-Team! Entweder strengt er sich jetzt richtig an oder geht unter......


Zurück zu „Kolumnen-Kommentare“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast