Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon bolfo » 18.05.2018, 19:26

LoK-hellscream hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Ne, ich lasse andere Meinungen vollkommen zu. Die sind legitim. Aber es ist für mich mehr als verwunderlich, dass sich jemand für einen Kopfschutz einsetzt, weil das Risiko angeblich so hoch ist, sich aber umgekehrt für unsicherere Strecken einsetzt, damit man "die Gefahr sieht". Dies ist für mich absolut nicht ersichtlich. Ich sehe NULL Logik dahinter, sich für Halo einzusetzen, umgekehrt jedoch einen Mauereinschlag mit 300 km/h in Kauf zu nehmen, damit für mehr Action gesorgt ist.

Frag doch einfach mal die Fahrer, was ihnen lieber ist. Eine sichere Strecke oder Halo. Jeder wird sich für die erste Variante entscheiden, weil ein Mauereinschlag immer hart ist. Höhere Geschwindigkeiten auf "extremeren Rennstrecken ohne endlosen Auslaufzonen", wie Wurz sie nennt, wird automatisch in harten Crashes enden. Das kannst auch du nicht abstreiten. Und dann frage ich einfach, wo da die Logik ist, den Kopf zu schützen, aber Auslaufzonen zu minimieren, heisst Mauereinschläge zu fördern. Nein, da sehe ich - nicht nur subjektiv, sondern auch rein objektiv - keinen Sinn dahinter. Ich habe dann bis dahin auch noch kein einziges wirkliches Argument gehört, welches dies wirklich - wenn auch nur subjektiv - erklären würde.


Das ist für dich zwar unlogisch, aber es gibt exakt das wieder, was viele Fahrer schon seit Jahren in diversen Interviews immer wieder ansprechen. Nämlich, dass sie Strecken wollen, die den Fahrer auch bestrafen. Zum Beispiel auch durch Mauern (wie in Monaco). Ein Einschlag in eine Mauer geht nämlich im Normalfall immer ohne Verletzungen aus, auch dank der TecPro-Barrieren. Der Einschlag eines größeren Trümmerteils am Helm endet jedoch meistens tödlich.

Somit bin ich mir ziemlich sicher, dass eben genau so eine Abstimmung unter den Fahrern genau gegenteilig dem, was du glaubst, ausgehen würde.


Aber muss die Bestrafung zwangsweise die Mauer sein? Warum kein Kiesbett? Das reicht doch völlig aus, um ein Rennen zu beenden, und zwar ohne millionenschweren Schaden am Auto.

In der Tat hat ein grösseres Trümmerteil sein Gefahrenpotential. Doch dies ist sehr gering. Wie viele Fahrer wurden in der Geschichte der F1 von einem Trümmerteil erschlagen? Auf diese Gefahren hin hat man reagiert und die Reifen mit Stahlseilen fixiert. Am Ende ists doch so, dass Halo von den Fahrern aus gar nie gekommen wäre. Dies wurde durch Sondereinsatz von der FIA und Wurz durchgeboxt, wobei sich mehrere Fahrer sogar aktiv dagegen äusserten.

Natürlich endet ein Trümmerteil am Kopf tentendiell schlimmer als ein Einschlag in der Mauer. Nur ist die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags in die Mauer um ein Tausenfaches höher als dass man von einem Trümmerteil getroffen wird. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit, an einem Maueraufprall zu sterben, wohl höher. Wäre Halo derart die einzig richtige Lösung und von allen Seiten gefordert, hätte man dies schon lange eingeführt, und nicht 20 Jahre lang eine derart krasse Auslaufzonen-Politik gefahren.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon LoK-hellscream » 23.05.2018, 12:00

bolfo hat geschrieben:Aber muss die Bestrafung zwangsweise die Mauer sein? Warum kein Kiesbett? Das reicht doch völlig aus, um ein Rennen zu beenden, und zwar ohne millionenschweren Schaden am Auto.

In der Tat hat ein grösseres Trümmerteil sein Gefahrenpotential. Doch dies ist sehr gering. Wie viele Fahrer wurden in der Geschichte der F1 von einem Trümmerteil erschlagen? Auf diese Gefahren hin hat man reagiert und die Reifen mit Stahlseilen fixiert. Am Ende ists doch so, dass Halo von den Fahrern aus gar nie gekommen wäre. Dies wurde durch Sondereinsatz von der FIA und Wurz durchgeboxt, wobei sich mehrere Fahrer sogar aktiv dagegen äusserten.

Natürlich endet ein Trümmerteil am Kopf tentendiell schlimmer als ein Einschlag in der Mauer. Nur ist die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags in die Mauer um ein Tausenfaches höher als dass man von einem Trümmerteil getroffen wird. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit, an einem Maueraufprall zu sterben, wohl höher. Wäre Halo derart die einzig richtige Lösung und von allen Seiten gefordert, hätte man dies schon lange eingeführt, und nicht 20 Jahre lang eine derart krasse Auslaufzonen-Politik gefahren.


Weil Halo vermutlich in der Formel 2 schlimmeres verhindert hat beim letzten Rennwochenende, als beim Unfall das eine Auto auf dem Halo des anderen stand, hat es sich wohl schon ausgezahlt.

Warum man dieses nicht schon länger eingeführt hat? Soweit ich weiß, erforscht man solche Sachen jetzt aktiv gut 10 Jahre. Nur so etwas dauert halt. Ein Auslaufzone jedoch kann man sofort erhöhen, da dazu nur Platz und Geld, jedoch keine Forschung notwendig ist.

Zum Thema Mauer oder Kiesbett: Wenn eine Mauer da steht, dann steht da halt eine. Ich sehe da kein Problem darin, wieso man deshalb nicht mehr in Monaco fahren sollte. Ich glaube auch kaum, dass irgend ein Team sich darüber beschwert, dass in Monaco solche Schäden verursacht werden.

Auf anderen Strecken wäre natürlich ein Kiesbett toll, nur, wie schon so oft erwähnt und diskutiert, die Formel 1 ist nicht die einzige Rennserie, die Vorgaben hat, siehe zB auch MotoGP.

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon bolfo » 31.05.2018, 19:44

LoK-hellscream hat geschrieben:Weil Halo vermutlich in der Formel 2 schlimmeres verhindert hat beim letzten Rennwochenende, als beim Unfall das eine Auto auf dem Halo des anderen stand, hat es sich wohl schon ausgezahlt.


Vermutlich. Und dies wird man jetzt immer sagen, wenn Halo Spuren aufweist. Und das wird es zwangsweise, weil das Ding weit raussteht. Kartikeyan oder Schumacher 2010 in Abu Dhabi usw. würden auch solche Spuren aufweisen, obschon es geometrisch unmöglich war, dass sie am Helm getroffen worden wären. Die Autos wurden genau so konstruiert, dass ein Auto darüberfliegt, und eben nicht den Helm trifft. Bei Halo wird es aber Spuren hinterlassen. Die Frage wird dann eher sein, ob ein Halo einen wirklich harten Einschlag wie bei Kartikeyan überlebt. Die Tests wurden mit Reifen gemacht, und nicht mit kompletten Autos. Die "wirkliche" Bewährungsprobe wird also erst noch kommen.


Warum man dieses nicht schon länger eingeführt hat? Soweit ich weiß, erforscht man solche Sachen jetzt aktiv gut 10 Jahre. Nur so etwas dauert halt. Ein Auslaufzone jedoch kann man sofort erhöhen, da dazu nur Platz und Geld, jedoch keine Forschung notwendig ist.


Interessant ist, dass man Mitte 2017 noch hörte, das System sei nicht definitiv ausgereift (u.a. https://www.motorsport-total.com/formel ... 1-17072726). Am Ende war dies ein politischer Entscheid, die Sache zu bringen. Es ist jedenfalls erstaunlich, dass man ein Jahrzehnt daran arbeitet, im August 2017 die Sache als nicht ausgereift ansieht, und dann kurz später Halo einführt. Ich bleibe dabei, dass Shield die wesentlich vielversprechednere Sache gewesen wäre.



Zum Thema Mauer oder Kiesbett: Wenn eine Mauer da steht, dann steht da halt eine. Ich sehe da kein Problem darin, wieso man deshalb nicht mehr in Monaco fahren sollte. Ich glaube auch kaum, dass irgend ein Team sich darüber beschwert, dass in Monaco solche Schäden verursacht werden.


Die meisten Todesopfer werden aber nach wie vor durch Mauern hervorgerufen. Das ist ein Fakt. Mauern erzeugen g-Kräfte, und Mauern erzeugen Trümmerteile, die auf die Strecke geschleudert werden.


Auf anderen Strecken wäre natürlich ein Kiesbett toll, nur, wie schon so oft erwähnt und diskutiert, die Formel 1 ist nicht die einzige Rennserie, die Vorgaben hat, siehe zB auch MotoGP.


Aber die MotoGP will ja gerade Kiesbetten. Wie gross war die Kritik in Barcelona nach dem letzten tödlichen Unfall? Luis Salom wurde Opfer eines fehlenden Kiesbetts. Genau deshalb rutschte zuerst er und dann seine Maschine in die Begrenzung, die ihn letztlich erschlug. Die asphaltierten Auslaufzonen gehen keinesfalls auf die MotoGP zurück, das zeigen auch die Strecken, auf denen ausschliesslich die MotoGP, nicht aber die F1 fährt. Insofern darf man durchaus festhalten, dass ein fehlendes Kiesbett Salom das Leben kostete.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon Iceman24 » 01.06.2018, 10:40

bolfo hat geschrieben: Genau deshalb rutschte zuerst er und dann seine Maschine in die Begrenzung, die ihn letztlich erschlug.



Anders rum, zuerst das Bike in die Begrenzung und dann er in das Bike.

Ich war an dem Wochenende in Barcelona Samstag und Sonntag an der Strecke. Hatte meinen Sitzplatz am Ende der Start-Ziel-Geraden. Ich weiss nicht mehr wer es war, aber ich glaube es war ein Moto3 Fahrer, der beim Anbremsen stürzte. Unglaublich wie weit der über die ganze Asphaltfläche gerutscht ist und erst im Kies (das es dort zum Glück noch hat) gebremst wurde. Asphalt-Auslauf ist eben genau deswegen auch ein Problem. Zwar brechen sich die Fahrer nicht mehr so oft etwas, wie wenn sie im Kies rumgewirbelt werden, aber sie bremsen eben auch nicht.

Ganz sicher ob sie nun Kies oder Asphalt will ist die MotoGP aber eben auch nicht. Ich wehre mich auch gegen die im Forum gängige Meinung, dass Kiesbetten nur wegen der MotoGP verschwinden, aber es ist nunmal so, dass es auch dort gewisse Meinungen gibt. In Monza wurde die Parabolica ja wegen der WSBK (die ja nicht mehr dort fährt), asphaltiert.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon bolfo » 01.06.2018, 11:00

Iceman24 hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben: Genau deshalb rutschte zuerst er und dann seine Maschine in die Begrenzung, die ihn letztlich erschlug.



Anders rum, zuerst das Bike in die Begrenzung und dann er in das Bike.

Ich war an dem Wochenende in Barcelona Samstag und Sonntag an der Strecke. Hatte meinen Sitzplatz am Ende der Start-Ziel-Geraden. Ich weiss nicht mehr wer es war, aber ich glaube es war ein Moto3 Fahrer, der beim Anbremsen stürzte. Unglaublich wie weit der über die ganze Asphaltfläche gerutscht ist und erst im Kies (das es dort zum Glück noch hat) gebremst wurde. Asphalt-Auslauf ist eben genau deswegen auch ein Problem. Zwar brechen sich die Fahrer nicht mehr so oft etwas, wie wenn sie im Kies rumgewirbelt werden, aber sie bremsen eben auch nicht.

Ganz sicher ob sie nun Kies oder Asphalt will ist die MotoGP aber eben auch nicht. Ich wehre mich auch gegen die im Forum gängige Meinung, dass Kiesbetten nur wegen der MotoGP verschwinden, aber es ist nunmal so, dass es auch dort gewisse Meinungen gibt. In Monza wurde die Parabolica ja wegen der WSBK (die ja nicht mehr dort fährt), asphaltiert.


Richtig, so rum wars. Die Biker sind sich nicht der gleichen Meinung, das stimmt. Aber die Bestrebungen sind wesentlich kleiner, alles zu asphaltieren, das zeigt sich darin, dass die klassischen Bikerrennstrecken der WSBK und MotoGP, wo die F1 nicht fährt (Imola, Jerez, Mugello etc.) tendentiell sehr viele Kiesbetten aufweisen, während die in der F1 Szene immer mehr verschwinden. Natürlich birgt ein Kiesbett das Risiko eines Knochenbruchs eher, ein ungebremster Einschlag in die Mauer jedoch ist weitaus gefährlicher. Das Problem ist auch, dass sich die Maschine und der Fahrer bei einer Asphaltierung in dieselbe Richtung bewegt - bis zum Einschlag. Saloms Unfall war deshalb charakteristisch dafür. Kiesbetten haben deshalb nicht nur Vorteile, aber zumindest diesen gigantischen Vorteil, dass Unfälle wie von Salom verhindert werden.

Warum sich die WSBK gerade in Monza in der Parabolica für eine Asphaltierung aussprach, ist mir indes immer fraglich gewesen. Dies lag wohl am extrem hohen Tempo der Kurve. Da hat man wohl das Herumwirbeln des Fahrers als gefährlicher eingstuft.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon LoK-hellscream » 05.06.2018, 10:04

bolfo hat geschrieben:Vermutlich. Und dies wird man jetzt immer sagen, wenn Halo Spuren aufweist. Und das wird es zwangsweise, weil das Ding weit raussteht. Kartikeyan oder Schumacher 2010 in Abu Dhabi usw. würden auch solche Spuren aufweisen, obschon es geometrisch unmöglich war, dass sie am Helm getroffen worden wären. Die Autos wurden genau so konstruiert, dass ein Auto darüberfliegt, und eben nicht den Helm trifft. Bei Halo wird es aber Spuren hinterlassen. Die Frage wird dann eher sein, ob ein Halo einen wirklich harten Einschlag wie bei Kartikeyan überlebt. Die Tests wurden mit Reifen gemacht, und nicht mit kompletten Autos. Die "wirkliche" Bewährungsprobe wird also erst noch kommen.


Nur lustig, dass man nach diesem Unfall aber plötzlich von Ex-Fahrern, die bisher gegen Halo waren, nun andere Töne hört.

Deine Beispiele sind zwar schön und gut, aber die hätten auch anders ausgehen können. Es haben auch schon viele Leute einen Autounfall überlebt, weil sie nicht angeschnallt waren und genau eines dieser seltenen Szenarien aufgetreten ist, bei denen es besser war, nicht angeschnallt zu sein. Verteufelst du deswegen auch den Sicherheitsgurt? Oder das Thema impfen, es gibt Szenarien, da trägt man bleibende Schäden durch die Impfung davon. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen sterben, ist aber ohne Impfung weitaus größer als mit. Auch da gibt's trotzdem genug Idioten, die deswegen Impfungen verteufeln.

Du magst Halo nicht und deshalb ist es scheiße, das ist aus jeglichem Beitrag bei dir rauszulesen. Und genau das versuchst du in Argumente zu kleiden.

Interessant ist, dass man Mitte 2017 noch hörte, das System sei nicht definitiv ausgereift (u.a. https://www.motorsport-total.com/formel ... 1-17072726). Am Ende war dies ein politischer Entscheid, die Sache zu bringen. Es ist jedenfalls erstaunlich, dass man ein Jahrzehnt daran arbeitet, im August 2017 die Sache als nicht ausgereift ansieht, und dann kurz später Halo einführt. Ich bleibe dabei, dass Shield die wesentlich vielversprechednere Sache gewesen wäre.


Gut, dass du diesen Artikel zitierst. Hier kommen nur Fahrer zur Sprache, die Ihre Meinung über das System zum Ausdruck bringen. Ein paar sind dafür, ein paar sind dagegen. Jedoch steht nirgends im Artikel, dass das System noch nicht ausgereift ist, obwohl eine Zwischenüberschrift dies suggeriert. Es wurden nur ein paar Bedenken preisgegeben bzgl. Sichtbarkeit der Startampel, bzgl. aussteigen, bzgl. Sichtbarkeit der Flaggen usw. Diese Bedenken haben sich aber bisher allesamt als nichtig erwiesen, bzw. als Hirngespinste einzelner Fahrer.

Die meisten Todesopfer werden aber nach wie vor durch Mauern hervorgerufen. Das ist ein Fakt. Mauern erzeugen g-Kräfte, und Mauern erzeugen Trümmerteile, die auf die Strecke geschleudert werden.


Mauern sind aber nicht gleich Mauern. Die meisten gefährlichen Stellen haben TecPro-Barriers, welche sich gänzlich anders verhalten als "Mauern". Abgesehen davon ist auch Fakt, dass Monaco statistisch gesehen wohl eine der sichersten Rennstrecken der Formel 1 ist. Es gab "nur" ein Todesopfer in all den Jahrzehnten und die gefährliche Hafenschikane wurde auch entschärft.

Es ist aber interessant, wie du dir deine Argumente zurechtlegst. Mal sind es die Kosten, mal ist es die Gefahr. Es ist jedoch eines nicht, nämlich eine konsequente Argumentation.

Aber die MotoGP will ja gerade Kiesbetten. Wie gross war die Kritik in Barcelona nach dem letzten tödlichen Unfall? Luis Salom wurde Opfer eines fehlenden Kiesbetts. Genau deshalb rutschte zuerst er und dann seine Maschine in die Begrenzung, die ihn letztlich erschlug. Die asphaltierten Auslaufzonen gehen keinesfalls auf die MotoGP zurück, das zeigen auch die Strecken, auf denen ausschliesslich die MotoGP, nicht aber die F1 fährt. Insofern darf man durchaus festhalten, dass ein fehlendes Kiesbett Salom das Leben kostete.


Davon liest man aber in diversen Artikeln immer wieder was anderes. Nämlich, dass Streckenbetreiber möglichst keine Kiesbetten wollen, weil man ansonsten nicht alle möglichen Kunden bedienen kann (und dabei wird immer wieder die MotoGP erwähnt).

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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon bolfo » 05.06.2018, 20:36

LoK-hellscream hat geschrieben:
bolfo hat geschrieben:Vermutlich. Und dies wird man jetzt immer sagen, wenn Halo Spuren aufweist. Und das wird es zwangsweise, weil das Ding weit raussteht. Kartikeyan oder Schumacher 2010 in Abu Dhabi usw. würden auch solche Spuren aufweisen, obschon es geometrisch unmöglich war, dass sie am Helm getroffen worden wären. Die Autos wurden genau so konstruiert, dass ein Auto darüberfliegt, und eben nicht den Helm trifft. Bei Halo wird es aber Spuren hinterlassen. Die Frage wird dann eher sein, ob ein Halo einen wirklich harten Einschlag wie bei Kartikeyan überlebt. Die Tests wurden mit Reifen gemacht, und nicht mit kompletten Autos. Die "wirkliche" Bewährungsprobe wird also erst noch kommen.


Nur lustig, dass man nach diesem Unfall aber plötzlich von Ex-Fahrern, die bisher gegen Halo waren, nun andere Töne hört.

Deine Beispiele sind zwar schön und gut, aber die hätten auch anders ausgehen können. Es haben auch schon viele Leute einen Autounfall überlebt, weil sie nicht angeschnallt waren und genau eines dieser seltenen Szenarien aufgetreten ist, bei denen es besser war, nicht angeschnallt zu sein. Verteufelst du deswegen auch den Sicherheitsgurt? Oder das Thema impfen, es gibt Szenarien, da trägt man bleibende Schäden durch die Impfung davon. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen sterben, ist aber ohne Impfung weitaus größer als mit. Auch da gibt's trotzdem genug Idioten, die deswegen Impfungen verteufeln.

Du magst Halo nicht und deshalb ist es scheiße, das ist aus jeglichem Beitrag bei dir rauszulesen. Und genau das versuchst du in Argumente zu kleiden.


Ich mag nichts das System Halo nicht, sondern die Argumente, mit denen es eingeführt wurde. Mit diesen Argumenten können wir alles, auch offene Räder verbieten. Weil man ein sehr geringes Risiko als Argument daher nimmt.

Da sind die Argumente wie der Sicherheitsgurt und die Impfung eine ganz kasse Gegendarstellung. Es ist statistisch einwandfrei erwiesen, dass Sicherheitsgurte Menschenleben retten und Impfungen die Lebensdauer massiv erhöhen, weil damit das Immunsystem entsprechend "manipuliert" wird. Daran besteht kein Zweifel, und diese dienen gegen objektive Gefahren, durch die Hunderttausende und Millionen von Menschen ums Leben gekommen sind. Nur gibts aber auch Gefahren, die objektiv nicht nennenswert sind. Es ist statistisch ebenso klar, dass die meisten Unfälle im Urlaub geschehen. Verzichtest du deswegen auf Urlaub? Es ist klar, dass die meisten tödlichen Unfälle im schulischen Umfeld in Skilagern und auf Schulausflügen passieren. Verbietest du deswegen Skilager und Schulausflüge? Unter der gegebenen Argumentation müsste man dies verbieten.

Das gleiche ist bei Halo der Fall. Wir hatten in der Formel 1 keinen einzigen Fall, wo ein Halo Leben gerettet hätte. Surtees Jr.s Unfall war Anlass, dass die Reifen mit Stahlseilen befestigt wurden, um die Fahrer und die Zuschauer zu schützen. Man hat auf die Gefahr also reagiert. Irgendwo muss man eben abschätzen, wo die reale Gefahr beginnt und wo eine bloss statistische Gefahr auftritt, die einfach nicht mehr signifikant genug ist, als dass man darauf reagieren muss. Ansonsten werden sich bald die Gegner von offenen Rädern durchsetzen, denn diese sind - und das objektiv gesehen - wesentlich gefährlicher als geschlossene Radkästen, weil ein F1 Auto bei Kontakt abheben kann.


Die meisten Todesopfer werden aber nach wie vor durch Mauern hervorgerufen. Das ist ein Fakt. Mauern erzeugen g-Kräfte, und Mauern erzeugen Trümmerteile, die auf die Strecke geschleudert werden.


Mauern sind aber nicht gleich Mauern. Die meisten gefährlichen Stellen haben TecPro-Barriers, welche sich gänzlich anders verhalten als "Mauern". Abgesehen davon ist auch Fakt, dass Monaco statistisch gesehen wohl eine der sichersten Rennstrecken der Formel 1 ist. Es gab "nur" ein Todesopfer in all den Jahrzehnten und die gefährliche Hafenschikane wurde auch entschärft.

Es ist aber interessant, wie du dir deine Argumente zurechtlegst. Mal sind es die Kosten, mal ist es die Gefahr. Es ist jedoch eines nicht, nämlich eine konsequente Argumentation.


Nein, Mauern sind nicht gleich Mauern, aber man kann auch nicht so weit gehen und sagen, dass sie nun einfach ungefährlich sind. Ich finde es schon seltsam, dass man Halo so verteidigen kann, aber nix an Mauern auszusetzen hat, in die die Fahrer mit 300 ++ km/h reindonnern können. Das ist ja auch eine Unterschätzung der Gefahr und die Annahme, die heutigen Fahrzeuge wären einfach sicher.

Na, wenn das so ist: Warum macht man sich dann derart absurde Sicherheitsstrategien bei anderen Strecken? Monaco genügt diesen Sicherheitsanforderungen doch in keinster Art und Weise. Warum fährt man also noch dort? Weil fast nie was passiert ist? Unter diesem Aspekt kann man ja dann auch gegen Halo sein. Ist ja auch nie was passiert...



Aber die MotoGP will ja gerade Kiesbetten. Wie gross war die Kritik in Barcelona nach dem letzten tödlichen Unfall? Luis Salom wurde Opfer eines fehlenden Kiesbetts. Genau deshalb rutschte zuerst er und dann seine Maschine in die Begrenzung, die ihn letztlich erschlug. Die asphaltierten Auslaufzonen gehen keinesfalls auf die MotoGP zurück, das zeigen auch die Strecken, auf denen ausschliesslich die MotoGP, nicht aber die F1 fährt. Insofern darf man durchaus festhalten, dass ein fehlendes Kiesbett Salom das Leben kostete.


Davon liest man aber in diversen Artikeln immer wieder was anderes. Nämlich, dass Streckenbetreiber möglichst keine Kiesbetten wollen, weil man ansonsten nicht alle möglichen Kunden bedienen kann (und dabei wird immer wieder die MotoGP erwähnt).


Dies ist eher der Fall, weil man sich in der Szene nicht einig ist. Nach Saloms Unfall jedenfalls gab es sehr viele Stimmen, die meinten, ein Kiesbett hätte ihm das Leben gerettet. Davon ist wohl auch auszugehen. Am Ende sind keine Kiesbetten keinesfalls sicherer als es Kiesbetten sind. Gerade bei Regen bremst Asphalt nicht gut genug, und die Fahrer schliddern in die selbe Richtung wie die Maschine. Dies ist gefährlicher, als wenn Maschine und Fahrer andere Richtungen annehmen, und Saloms Fall hat diese Schwäche vollkommen offengelegt. Man hat sich auch hier nicht überlegt, dass die Beseitigung einer potentiellen Gefahr eine andere hervorrufen kann.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon bolfo » 11.06.2018, 17:44

Wie mehrere Seiten übereinstimmend berichten, ist Hartleys Helm beim Unfall mit Stroll in Kanada gegen das Halo geprallt, weswegen der Australier für eine Untersuchung des Schädels ins Spital gebracht werden musste. Aber hey, Halo ist eine totsichere Konstruktion....... Man kann hier von Glück sprechen.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon Clayton » 11.06.2018, 21:11

bolfo hat geschrieben:Wie mehrere Seiten übereinstimmend berichten, ist Hartleys Helm beim Unfall mit Stroll in Kanada gegen das Halo geprallt, weswegen der Australier für eine Untersuchung des Schädels ins Spital gebracht werden musste. Aber hey, Halo ist eine totsichere Konstruktion....... Man kann hier von Glück sprechen.

Australier?!

Es gab keinen Grund das HALO einzuführen. Es war eine Kurzschlussreaktion auf den Unfall von Bianchi, welcher selbst mit HALO den Unfall nicht überlebt hätte.
Die Konstruktion hätte Massa 2009 ebenfalls nicht vor dem Einschlag der Feder geschützt. Jene traf Massa an der Stirn, dieser Bereich ist, durch die Höhe des HALOs, weiterhin nicht geschützt, mithin können Objekte den Fahrer weiterhin treffen und verletzen.
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Re: Wurz: Mehr Sicherheit kann die Formel 1 aufregender machen!

Beitragvon LoK-hellscream » 26.06.2018, 15:36

bolfo hat geschrieben:Wie mehrere Seiten übereinstimmend berichten, ist Hartleys Helm beim Unfall mit Stroll in Kanada gegen das Halo geprallt, weswegen der Australier für eine Untersuchung des Schädels ins Spital gebracht werden musste. Aber hey, Halo ist eine totsichere Konstruktion....... Man kann hier von Glück sprechen.


Wie auch schon in einem anderen Thread berichtet, kann der Fahrer mit dem Kopf nicht gegen das Halo knallen. Er kann nur gegen das HANS (ich bezeichne mal die Kopfstütze als HANS, ich weiß nicht, ob diese selbst einen anderen Namen hat) knallen, alles andere ist nicht möglich.

Ich kann deinen Kreuzzug gegen Halo wirklich nicht nachvollziehen. Dass es nicht möglich ist, gegen das Halo zu knallen, sollte einem doch der Hausverstand sagen, wenn der Kopf in allen Richtungen von HANS umgeben ist bzw. sich sein Kopf gar nicht so weit bewegen kann, solange er überall festgezurrt ist.


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